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Full text of "Zentralblatt Für Stoffwechsel Und Verdauungs Krankheiten 1.1900 Chicago"

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librarics 


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Stoffwechsel- und 'Verdauungs- 

Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. CARL VON NOORDEN in Frankfurt a. M. 

redigiert von 

Dr. med. ERNST SCHREIBER, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 

1. Jahrgang 

Mai—Dezember 1900. 



@5tting«n 

tandttibotdt und Ruprecht 

190L 


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Der 2. Jahrgang wird mit dem Kalenderjahre iibereinslimmen und 24 Nummern umfassen. 

* 



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1969-15 


Original - Hrtiktl. 

1. Schwarz, Leo (Prag); Ueber die Ausscheidung und Entstehung des 
Acetons. Nach einem auf dem 18. Kongress für innere Medizin in Wies¬ 
baden, April 1900, gehaltenen Vortrage. S. 2. 

2. Hagenberg, J. (Göttingen): Ueber die Acetonvermehrung beim Men¬ 
schen nach Zuführung niedriger Fettsäuren. S. 33. 

3. His d. J., W. (Leipzig): Physikalisch-chemische Untersuchungen über 
das Verhalten der Harnsäure und ihrer Salze in Lösungen. S. 61. 

4. Schilling, Fr. (Leipzig): Giebt'es Kot erweichende Mittel? S. 107. 

5. Nicolaier, A. und Hagenberg, J., (Göttingen): Ueber Chinotropin 
(chinasaures Urotropin), insbesondere über den Einfluss desselben und 
anderer Hippursäurebildner auf die Hamsäureausscheidung. S. 131. 

6. Waldvogel u. Hagenberg (Göttingen): Hamsäureausscheidung beim 
Diabetes mellitus. S. 179. 

7. Finkeistein, A. A. (Charkow): Ueber die therapeutische Verwendung 
des natürlichen Magensaftes. S. 203. 

8. Gockel (Aachen): Ueber die Erfolge mit Pankreon, einem neuen, gegen 
Magensaft widerstandsfähigen Pankreaspräparat S. 251. 

9. Keller, Arthur (Breslau): Neuere Arbeiten über die chemische Zusam¬ 
mensetzung des menschlichen Foetus und des Neugeborenen. S. 307. 

10. Wegele, Carl (Königsbom i. Westf.): Bemerkungen zu dem Artikel 
»Ueber Erfolge mit Pankreon«. S. 329. 

11. Zaudy (Göttingen): Vorläufige Mitteilung über eine einfache Methode 
zum Nachweis abnorm hohen Fettgehaltes im Blut. S. 383. 


107872 



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naimti-Rtgisttr 


A. 

Abbe 295 
Abeies 12 
Abelman 255, 256 
Achard 49, 272, 290, 374 
— u. Clerc 82, 275 
Adamkiewicz 143 
Aichel 218 
Akimow-Peretz 162 
Albu 298, 361 
Aldehoff 209 
v. Aldor 116 
Aldrich 373 
v. Alfthan 257 

Ä iier u. Balzer 215 
aus 217, 235 
Annesley 147 
Anschütz 401 
Aporti u. Marini 303 
— u. Storti 303 
Arloing 104 
Ameill, James R. 152 
Arnold 81, 225 
Arrhenius 59 
d’Arsonval 247, 278 
Aschaffenburg 368 
Ascoli, G. 126 
— u. Draghi 341 
Askanazy 73, 198 
Audebert 114 
Audemard 368 
Aufrecht 73 
Auvard 344 
Avanzini 228 


B. 

Bachmann 119, 162 
Backhaus 245 
Backman 316 
Badano 146, 255, 256 
Bail 391, 401 
Bain, W. 142, 186 
Balthazard 239 
Balzer u. Alquier 215 
Banti 75 


Banting 83, 187 
Baranowski 175 
Barbagallo 279 
Barbara 99, 171 
Barth 368 
Basch 392 
Bätsch 145, 339 
Bauer 161, 341 
Bauermeister 7 
Baumann 257, 348 
Baumm 121 
Beck 211 
Becker 220 

Beddies u. Tischer 162 
Bell, B. 231 
Bence-Jones 48 
Bendix 18, 210 

— u. Wohlgemuth 87 
Benvenuti u. Queirolo 

906 

Berger 283 
Bergesio 170 
Berliner u. Cohn 232 
Bemard, 77, 239, 283 
Bernhard 24 
Berthier 338 
Bertrand 255, 256 
Bessel-Hagen 397 
Bettmann 125, 267 
Beyerinck 55 
v. Bezold 308, 309 
Bial 7 

Bidwell, L. A. 93 
Biedert 18,176,245,246, 
360 

Biegänski 176 
Bienstock 392 
Billeter 303 
Birch-Hirschfeld 342 
Bischoff 309 
Bliesener 266 
Bloch u. Faber 44 
Blonski 224 

Blumenthal 87, 127,132, 
256, 263, 317 

— u. Lewin 9, 10, 132, 
133,134,135,140,142 

— u, Mosse 83 


Boas 24,108,118,195,262 
Bode 270 
Bödeker 348 
Bönniger 383, 400 
Bogdanow 199 
Boldt 321 
v. Boltenstern 12 
Bonanni 89 
Bonhoff 379 
Borchgrevink 294 
Borissow 12 
Bormans 154 
Bomikoel 317 
Bomstein, K. 128, 346 
Borrmann 289 
Bouchard 44, 237, 344, 
351 

— u. Desgrez 6 
Boucicaut 236 
Bourcet u. Gley 275 
Bourcy 272 
Bourget 73, 164 
Bovaird 342 
Braquehaye 194 
Braun 200 
Brodier 398 
Browicz 223 
Brubacher 39 
v. Bruns 56 
Buch 260 
Buchheim 109 
Büchner 87 
Budd 47 
Budin 389 
v. Büngner 56 
Bull 271 
Bum 28 
Bunch 142 

v. Bunge 121, 127, 248, 
309, 311, 314, 315 
Bunsen 149, 150 
Bunsh, J. L. 142 
v. Burckhardt 71 
Burian u. Schur 158 
Buschan 376 
Bussenius 344 
Buttenberg 389 
Buttersack 325, 367 


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III 


c. 

Camerer 159, 276, 310, 
313, 314, 315, 359 
Canali 228, 369 
Cardamatis u. Kanellis 
146 

Carletti 151 
Oaro 54 

de Carvalho, Vieira 337 
Casagrandi 291 
Casel 322 
Caselli 157 
Caspari 244 
Casper 284 

— u. Richter, P. F. 149, 
343 

Castaigne 76, 267 
Castronuovo 238 
Cattaneo 171 
Cavalotti 169 
Ceccherelli 372 
Cetti 279 

Chantemesse 237, 263 
Charcot 271 
Charrin 50, 240 

— u. Ouillemonat 302 
Chassevant 117 
Chauffard 43, 47, 74, 75, 

76, 374 
Cheadle 245 
Chelmonski 224 
Chlumsky 287 
Christen 261 
Claude 239 

Clerc u. Achard 82, 275 
Cloetta 102, 220, 345 
Cohn 48, 121 

— u. Berliner 232 

— u. Loewy 247, 278 
Cohnheim 16 
Collier 342 
Collmar 175 
Colombini, P. 115 
Conitzer 31 
Conrath 145 
Consoli 170 

Cook 136 
da Costa 262, 263 
Courmont 104 

— u. Montagard 242, 
274 

Coyne u. Hobbs 292 
Cramer 359 
Croner 17, 332 
Cronheim u. Müller 300 
Crowder 145 
Cun6o 69, 390 
Curschmann 68, 299 
Czerny 19, 41, 170, 276, 
287, 387 


Danilewsky 160 , 300, 

378 

David 31 
Davoski 94 
Debove 38 
Deckart 25 
Deganello, U. 94, 95 
Deiters 231, 368 
Delatour 337 
Delbanco 129, 173, 174 
Delezenne 49, 242 
Dematteis 167, 215 
Dennig 241 
Desgrez 6, 67 
Deucher 41, 277 
Dibailow 340 
Dieulafoy 45, 197 
Dinkler 102 
Dittel 334 
Dornberger 20 
Dogiel 39 
Domeyer 199 
Donati 334 
Douglas 143 
Doyen 337 

Doyon, M. u. Morat, J. 

P. 105 

Draghi u. Ascoli 341 
Duchenne 82 
Dünschmann 54, 279 
Dunbar 129, 211 
Dunin 176 
Dunlop 12 
Dupin 145 
Dupre 51, 72 
Dwyer u. Thompson 40 
Dyes 80 


E. 

Ebstein 4, 8, 65, 83, 85, 
179, 183, 187, 199, 
200, 330 
Edel 389 

- u. Volhard 259 
Edelmann 330, 378 
Edinger 154, 222 

— u. Treupel 101, 154 
Edlefsen 127 

Edler 102 
Edwards 152 
Ehret u. Stolz 296 
Ehrich 376 
Ehrlich 53, 152, 343 
Eichhorst 161, 196, 210 
Einhorn 166, 317, 318 
v. Eiseisberg 296 
Ellissen 14 
Elsner 27, 400 


Embden 349 
Enderlen 70 
Engel 53 
Engelhardt 222 
Engesser 251 
Epstein 200 
Erb 362 

Erben, F. 149, 150 
Ercolani, O. 123 
Escherich 18, 245 
Evans, D. J. 118 
Ewald, C. A. 68, 69,107, 
108,110,133,251,256‘ 
324 

— Fr. 27 


F. 

Faber 188 

— u. Bloch 44 
Fabris 371 
Faisans 75 
Falkenberg 157 
Farup, P. 101 
Fehling 121,174,309,310 
Fäix 270 
Ferralasco 234 

Ferrari 370 
Ferrarini 175 
Fick 263 
Figaroli 378 
Finizio 385 
Finkeistein 19, 203 
Finkler 89 

Fleiner 14, 69, 110, 229 
Flesch 74 
Flügge 120, 121 
Foä 375 
Fölkel 378 
Foges 217 
Ford 340 
Formänek 174 
Forteleoni 168 
Fothergill, W. E. 121 
Foumier 74, 264 
Fränkel 27, 72 

— C. 120 

La Franca 170, 304 
Frank 141, 7M 
Franke 57, 154, 398 
Frazier 193 
Frei 399 
Fr^mont 209 
Frentzel 300, 346 
Frerichs 268 
Fresenius 175 
Freudweiler 8, 326 
Freund 137, 353 
Friedeberg 10 
Friedmann 217 
Froussard 320 
Fuchs 216, 266 


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IV 


Fülleborn 306 
Funke 160 


Q. 

Gärtner 245 
Galliard 43, 167 
Galli-Valerio, B. u. Ra- 
bow, S. 73 
Garre 280 
Garrod 136 
Gatta 157 
Gautier 13. 154 
Geelmuyden 3, 33, 36 
Geigel 207 
Geiger 260 
Gelpke 168 
Le Gendre 200 
Generosi 360 
Gerhardt 80, 172, 271 
Gernsheim 360 
Giacosa 300 
Gilbert 30, 74, 75, 76 
—, Castaigne u. Lere- 
boullet 76 

— u. Chassevant 117 

— u. Weil 273 

de Giovanni 237, 238 
Girard u. Guillain 260 
Giudiceandrea 303 
Glenard 20, 224 
Gley 157 

— u. Bourcet 275 
Glöckner 342 
Gluzinski 176, 222 
Gockel 251, 320 
Goeppert 0 
Goldberger 170 
Goldflam 100 
Goldmann 58, 201 
Goldscheider 133 
Gottlieb 210 
Gottschalk 332 
Gottstein 284 
Graetzer 105 
Grawitz 70 
Gregor 152, 101, 276 
Grimbert, L. u. Legros, 

G. 104 

Grohe 342, 301 
Gross 148 
Grube 184, 225 
Guccicardello 388 
Guerra, Z. 152 
Guillain u. Girard 260 
Guillemonat u. Charrin 
302 

Gumprecht 375 
Guttentag 116 


H. 

v. Hacker 285, 288, 334, 
358, 300 
Haedtke 257 
Hagenberg 33 

— u. Nicolaier 131 

— u. Waldvogel 170 
Hager 210, 265 
Hahn 326 

Haig 54 

Hallion 230, 240 
Hamburger 41, 56, 164, 
350 

Hammarsten 30, 235 
Hammerschlag 161 
v. Hankö 84 
Hannay 317 

Hanot 47, 74, 75, 348, 
370 

Hartmann 08, 104, 247, 
270 

Hasenclever 370 
Hauser 370 
Hausmann 264 
Hayem 43, 47, 75, 117, 
125, 267 
Hedon 82 
Heile 371 
Heine 213 
Heinlein 213, 218 
Heintz 54, 65 
Heller 357 
Hellwig 121 
Helm 211 
Hemmeter 233 
Henoch 31 
Henrick 200 
Henry 241, 281 
Hericourt u. Richet 236 
Herrmann 260 
Hermstadt 66, 133 
Hertel 271 
Herzfeld 20 
Hesse 60 

Heubner 18, 10, 276, 
378 

Heydenreich 336 
Heymann 10 
Hirsch 107 

Hirschfeld 112, 154, 187, 
247, 286, 310, 333 
Hirsch! 170 
Hirschsprung 04, 200 
Hirth 177, 248 
Hirtz 280 
His, W. 8, 61 
Hitzig 02 

Hobbs u. Coyne 202 
Hochenegg 168 
Hochhaus 220 
Hock 257 


Honig 273 

v. Hoesslin 83, 84, 126 
Hofbauer 164, 170, 243 
van V Hoff 50, 61, 174 
Hoffmann, A. 210 
Hofmann 78, 05 
Hofmeister 6 
Honigmann 70 
Hoogewerf 55, 56 
Hopkins 114 
Hoppe-Seyler, G. 6, 140, 
150, 400 

Horbaczewski 158 
Horvath, H. 82 
Hoyer 175 
Huber 378 
Huchard 255, 256 
Hürthle 400 

Hugounenq 80, 81, 310, 
311, 314 
Huismans 366 
Hunter 303 
Huppert 36, 173, 375 
Husemann 270 


I. 

Ulner 121 
v. Imr&ly 268 
Italia, E. 00 


j- 

Jaensch 201 
v. Jaksch 36, 152 
. aquet 66, 376 
‘ aworsld 223 
[ ellinski u. Rosin 101 
essen 334 
; ez 224 
' ochner 366 
ohannessen 244, 245, 
263 

Jolles 101, 172, 220, 221, 
400 

— u. Winkler 210 
Jones, B. 48, 108, 272 
Joseph 154 

Josue u. Roger 78, 201 
Jürgensen 316, 341, 363 
Jung, Franz A. R. 15, 
101, 115, 116 


K. 

Kader 104 
Kaminer 370 

i Kanellis u. Cardamatis 
146 


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V 


Kassowitz 361 
Kauffmann, O. J. 128 
Ksdzior 224 
Kehr 176 

Keller 19, 136, 277, 300, 
307, 379 
Kelling 15, 285 
Kellner 91 
Kelsch 47 
Kemmerich 14 
Kersbergen 392 
Kiefer, F. 120 
Kionka 88 
Kirchmann 325 
Kirmisson 43 
Kirsch 261 
Kirstein 290 
Kisch 28, 158, 187, 228 
Kister 210 
Klein, R. 66, 133 
Kleine 92 
Kleinwächter 332 
Klemperer, G. 10 
Klimmer 18 
Knapp 69 
Knapper 244 
Knoepfelmacher 90, 347 
Kobrak 38 
Koch 277 
Kocher 26, 168 
Köhler, F. u. Scheffler, 
W. 97 

König 24, 276, 323 
Könitzer 46 
Koppe 59, 245 
Koeppeli (sen.) 295 
Koeppen 31 
Kövesi 103 

— u. Röth-Schulz 55 
Kolisch 187, 353 
Kopf 67 

v. koränyi 55, 345 
v. Korczynski 176, 297 
Kössa 346 
Kossel u. Goto 65 
Kraepelin 368 
Kraft 335 
Krajewski 176 
Kraske 168 
Kraus 232 
Krause 190 

— u. Scholz 395 
Krönlein 261 
Krokiewicz 17 
Kronecker 160 
Kruse 319, 320 
Kudintzew 160 
Küchenmeister 111 
Kühnau 155 
Kühne 151 

Külz 87 209, 210, 352 
Kümmel] 342 
Kurimato 57 


Kuschnir 240 
Kussmaul 69 
Kuttner 69, 213 


L 

Lacasse 72 
Landau 281 
Lande 224 
Landi 142 

Lange 189, 309, 310 
Langemak 289 
Lapicque 240 
Laspeyeres 198 
Latschenberger 41 
Lauk 278 
Launois 72 
Laves 277 
Lazarus 27, 53 
Leadman 197 
Lebbin 346 
Legros 104, 262 
Lehmann 279 
Leichtenstern 7, 166 
Leistendorfer 346 
Leistikow 346 
Leith 324 
Lenhartz, H. 104 
Leo 336 
Lepine 185, 256 
Lereboullet 47, 76 
Lesage 235 
Lesne 239 
Letulle 236 

v. Leube 15, 84, 109,164 
Leuckart 397 
Levy 75, 125 
Lewandowsky, M. 114, 
140, 142 

Lewin 132, 263, 348,369 
— u. Blumenthal 9, 10, 
132, 133, 134, 135, 
140, 142 

v. Leyden 27, 133, 140, 
148, 209, 210, 315 
Libmann 318 
v. Liebig 14, 16, 103, 
260 

Lieblein 137 
Lindemann 55, 218 
Lindner 23, 213 
Linossier 41 
v. Linstow 396 
Litten 224 
Livierato 170 
Lobstein 300 
Lochte 174 
Loebel 157 
Löhlein 322 

I npu/ 101 

Loewi 10, 160, 199 
Loewy u. Cohn 247, 278 


Loewy u. Schur 343 
Lohnstein 228, 274, 284 
Loimann 260 
Lommel 37 
Lorenz 141 
Lubarsch 44 
Lucibelli 346 
Lucke 166, 167 
Ludloff 98 

Ludwig 53,132,133,150, 
159 

Lüthje 5, 37 
Luff 186 
Lukjanow 203 
de’Luna 265 


M. 

Machard 298 
Mackay 97 

Magnier de la Source 64 
Magnus, R. 52, 219 
Magnus-Hirschfeld 154 
Magnus-Levy 6, 66, 67, 

Majocchi 279 
Mall 142 
Maly 349 
Mann 362 
Mannini 367 
Maragliano 234,235,341 
Marchand 218 
Marchant 98 
Marchi 103, 362 
Marcinowski 339 
Marcuse 357 
Marfan 190, 191, 276 
Margulies 273 
Marini u. Aporti 303 
Marischier 224 
Martius 85, 213 
Marwedel 194 
Mathieu 16 
Mattirolo 148 
Maucuso 358 
May 375 
Maybaum 224 
Mayer 40, 259 
Mayor 167 
Mennert 14 
Meinert 258, 259 
Mendelsohn 64 
Menetrier 49, 97, 268, 
294 

Menge, C. 126 
Mensi 210 
Mercier 15 
Mering 209 
Merkens 292 
Merklen 267, 272 
Merttens 144 
Messedaglia 237 


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VI 


Metschnikoff 06 
Mett 01 
Metzger 350 
ter Meulen 56 
Meyer, Edmund 133 

— Jacob 228 

— Jaques 133 
Michaelis 11, 220 
Michel 302, 310, 311 
Micheli 148 
Michelson 270 
Micko, Müller, Poda u. 

Prausnitz 80 
Mieczkowski 26, 208 
Mikulicz 51, 52, 08, 284, 
285, 287, 203, 322 
Milian 47, 53, 74 
Mill 37 
Millard 272 
Minkowski 65, 255 
Minnich 70 
Mintz 15, 180, 206 
Miyake 206 
Modica 172 
Möbius 376 

Montagard u. Courmont 
242 274 

Monti 18, 31, 245, 280 
Morat, J. P. u. Doyon, M. 
105 

v. Morazewski, M. 153 
Moritz 65, 316 
Moro 10, 360 
Morreigne, H. 05 
Morrison 124 
Mosse 333 

Mosse u. Blumenthal 83 
Mosso 128 
Moullin, M. 122 
Moussu 48 
Muck 222 
Mühsam 23, 200 
Müller 14, 154, 270, 400 

— Joh. 2, 212 

— P. 80, 00 

— u. Cronheim 300 
Munk 41, 42, 270 
Munson 152 
Muntendand 377 
Murphy 103 


N. 

Naegeli 104 
Naunyn 210, 233, 268 
Nauwerck u. Schoedel 
200, 201, 318 
Nencki 104, 151, 175 
Nerking 242, 243 
Nesti 357 
Netter 40 
Neufeld 305 


Neumann 113, 257, 273, 
324, 333, 305 
Neumayer 27, 317, 350 
Neustadt 215 
Nicolaier 130, 228 
— u. Hagenberg 131 
Nicolaysen 385 
Nicol 1, H. 03, 120 
Nobicourt 385 
Noesske 77 
Nolf 300 

v. Noorden 4, 20, 100, 
210 240 

Nothnagel 21, 22, 23, 
27, 45, 100, 173, 105, 
262 


0 . 


Obrastzow 24 
Ochsner 232 
Oertel 4,28,83,152,187, 
188 

Offer 100, 210 
Offergeld 243 
Ogden 340 

Oppenheimer 211, 380 
Oppler 214 
Orlowski, W. 113 
Orr 324 
Ostermaier 304 
Ostertag 235 
Ott 24, 173, 175 


P. 


Pabst 100 
Pacchioni 160 
Paganuzzi 228 
Pal 330 

Pappenheim 300 
Pariser, C. 06, 318 
Parmentier 233 
Paton 100 
Pauchet 08 
Paul, Th. 61 
Pawlow 40,02,162,163, 
203, 204, 205, 200, 
220, 250, 260 
Pel 200 
Pellicelli 262 
Pendl 160 

Penzoldt 100, 152, 166, 
250 

Perroncito 123 
Petersen 26, 57 
Petri 152 
Petterson 67 
Pfeiffer 38, 244, 247 


Pflüger 87,163,164,100, 
242, 243 

Philippsohn 365, 302 

— u. Strauss 230 
Pick, A. 46 

— Fr. 107 
Pickardt 14 

Picon u. Reymond 342 
Pierallini, O. 12. 82 
Piiry 307 
Pinard 45 
Piorkowski 306 
Plantenga 68 
Platinga 41 
Plaut 173 
Poda, H. 80, 00 
Podrez 103 
Poduschka 11 
Pollatschek 280 
Popielski 76, 224 
Poreile 304 
Porges 50 
Potain 07 
Pott 121 
Potthast 378 
Prantner 346 
Prausnitz, W. 80,00,347 
Prebbe, R. B. 147 
Predtetschensky 47 
Previtera 370 
Pribram 200, 256 
Prochownik 120 
Prosdocimi, A. 147 
Provera 124 
Pruszynski 176 
Purton 317 


Q. 

Queirolo 142, 148, 367 
— u. Benvenuti 206 
de Quervain, F. 144 
Quincke 46, 108, 220 
Quintoii 230, 271 


R. 

Rabow, S. u. Qalli-Va- 
lerio, B. 73 
Radaeli 221 
v. Ranke 38, 275 
Reale 151, 248, 240 
Rebensburg 186 
Rehn 51 

Reichardt 30, 147 
Reichel 103 

Reichmann 15, 223, 366 
Rejchmann 176 
Reinbach 51, 103 
Reiske 287 
Reitzenstein 15 


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Vll 


Remond 16 
Renault 154 
Rencki 223 
Rendu 97, 233, 236 
Renvers 27 

Reymond u. Picon 342 
Reynier 98 
Richet 236, 237 

— u. Hericourt 236 
Richter 165, 293, 331 

— P. F. u. Casper 149, 
343 

Riedel 234 

Riegel 92, 116, 176, 189, 
229 

Rindfleisch 247 
Ritter 14 
Riviere 344 
Roberts 63, 64 
Rodari 390 
Röhmann 301 
Roger 71 

— u. Josue 78, 291 
Rolly u. Saam 19 
Roos 338 

Roque 112 

de Rosa-Cotronei 123 
Rosch 246 

Rosenfeld 199, 213, 352, 
370, 379, 399 
Rosenheini 27, 93, 108, 
261, 284, 285, 386 
Rosenquist 100 
Rosenstein 41, 42 
Rosin 257, 344 

— u. Jellinek 101 
Rossbach 109 
Rostoski 258 
Roszkowski 224 
Roth 91 

Roth-Schulz u. Kövesi 55 
Rotter 321 
Rubin 118 
Rubner 210, 276 
Rüdel 65 

Rütimeyer 362, 389 
Rumpel 115 
Rumpf 209, 316 
Ruschhaupt 6 
Ruthowski 193 
Rydygier 222, 223 


S. 

Saam u. Rolly 19 
Sacchi 157 
Sachs 386 

Salge u. Stoeltzner 50 
Salkowski 12, 37, 127, 
132,133,151,159,173 
Sandmeyer 347 
Sansoni 17 


Saundby 185 
Saxer 373 
Seegen 283 
Seelig 357 
Seldowitsch 358 
Senator 55,100,113,151, 
279 

Sendler 371, 396 
Senn 193 
Sevestre 233 
Shiga 320 
Signorini 83 
Simmonds 174, 397 
Simon 175, 176, 222, 389 
Simonelli 238 
Siredey 97, 233, 262 
Siringo 117 
Sklodowski 22 
Skusiewicz 224 
Smith 300 

Soeldner 310, 313, 314, 
315 

Sokolowski 176, 224 
Solera 222 
Soltau-Fenwick 120 
Soltmann 361 
Sonnenburg 145, 292, 
322, 326, 327 
Sontag 345 
Sopault 194 
Sorge 337 
Soxhlet 38, 39, 275 
Spasski 160 
Spivak 92 
Stark 358, 377 
Stecchi 98 
Steele 148 
Stein 345 
Steinitz 388 
Stern 124 
Sternberg 184 
Steudel 104 
Sticker 200 
Stintzing 166 
Stobwasser 346 
Stoeltzner u. Salge 50 
Stolnikow 255. 256 
Stolz u. Ehret 296 
Stone 324 

Storti u. Aporti 303 
Stradomsky 315 
Strassburger 56 
Strasser 28, 187 
Straub 377 
Strauch 73 

Strauss 41,108,162, 230, 
257, 333, 364 
— u. Philippson 230 
v. Strümpell 168, 209, 
227, 340 
Struppler 286 
Sultan 200 
Suter 376 


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Sydenham 227 
Szerlecki 279 
Szili 344 
Szontagh 39 


Sch. 

Schächter 25 
Schaefer 73 
Schanz 46 
Schattenfroh 284 
Schaumann 369 
Scheede 322 
Scheff 200 

Scheffler, W. u. Köhler, 
F. 97 

Schenk 214 
Scheuer, H. 125 
Schiff 146, 161, 256 
Schilling, Fr. 107, 129, 
192, 221, 304 
Schittenhelm, A. 151 
Schlange 22 
Schiatter 194 
Schlayer 10, 133 
Schlesinger 27 
Schloffer 393 
Schlossmann 275 
Schmidt 26,27, 149, 365, 
379, 392 

— M. B. 76 
Schmiedeberg 127 
Schmieden 66, 133 
Schoedel, J. 143 

— u. Nauwerck 200 
Schöndorff 243 
Schönhorn 110 
Schönstadt 302 
Scholz u. Krause 395 
Schorlemmer 26 
Schott 157, 158 
Schottmüller 292 
Schreiber 9, 34, 36, 65, 

158 

— u. Waldvogel 158 
Schuchardt 379 
Schüle 46, 316 
Schüler 40 

Schütz 23, 93, 96, 261 
Schuhmacher 101 
Schulz 244, 349 
Schumburg 346 
Schuppenhauer 325 
Schur u. Burian 158 

_ ii I öwv 

Schwalbe 199, 218, 225, 
267 

Schwarz, L. 2, 34 
Schweiger u. Weiss 84 
Schweninger 4, 158, 187 


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VIII 


T. 

Tachard 98 
Taidelli 238 
Tallquist 53 
Talma 16, 169 
Tarchetti 196 
Tarnier 187 
Terrien 385 
Terrier 194, 394 
Thiem 333 
Thiemich 361 
Thiercelin 43 
Thomas 251 
Thompson u. Dwyer 40 
Thumim 326 
Tischer u. Beddies 162 
Tittel 175 
Tognoli 99 
Traina, V. 118 
Trambusti 357 
Treupel u. Edinger 101, 
154 

Tricomi 364 
Tripet 278 
Troisier 72 
Tschermak 234 


U. 

Ulmann 302 
Ulrich 81 

Umber, F. 87, 235, 293 
Umikoff 245 
Ure 135 


V. 

Vannini 141 
Variot 245 
Vassale 157 
Vedova 285 
Veiel 258 
Veit 174, 325 


Vidal 393 
Vigouroux 37 
Viflard 390 
Vincent 233 
Virchow 79, 271 
Voit 89, 161, 199, 325 
Volhard u. Edel 259 
Vonck 245 
de Vries 55 


W. 

Wacharat, J. 124 
Wahl 20 
Waldeyer 155 
Waldvogel 9, 33, 34, 36, 
158 

— u. Hagenberg 1, 79 

— u. Schreiber 158 
Walko 172 

Walz 216, 241 
Wanach 293 
Warfvinge 377 
Warthin 152 
Weber 115, 251 

— F. Parkes 114 
Wechsberg 215 
Wegele 329 
Weichseibaum 342 
Weigert 379 
Weigmann 155, 211 
Weil 48, 274 

— u. Gilbert 273 
Weisbecker 281 
Weiss 131,132,135,136, 

142, 170, 362 

— u. Schweiger 84 
Weissenfeld 244 
Weitzel 193 
Wendelstadt 348 
Wenhard 291 
Westphalen 165 
Weygandt 398 

Widal 46, 82, 152, 232, 
233, 272 
Wiemann 119 


Wiesinger 363 
Williamson 94, 209, 331 
Wilms 188, 196 
Winkler 345 
— u. Jolles 219 
Winterberg 352 
Wintemitz 72 
I Wirschubski 162 
Witthauer 341 
Witzei 334 
Wölfler 288, 390 
Woerner 114, 132 
Wohlgemuth u. Bendix 
87 

Wolff 338 
Wolkow 173, 348 
Wreden 289 
Wroblewski 38, 39 
Würz 56 
Wunderlich 144 
Wyss 22, 23, 189 


Y. 

Yvon 82 


Z. 

Zängerle 127 
Zanietowski 224 
Zappert 362 
Zaudy 9, 228, 383 
Zawadzki 223 
Zawialow 160 
Zeidler 20 
Zeuner 80, 256 
Zielinski 224' 
Ziemssen 193, 354 
Zimnicki 348 
Zink 129 
Zoia 167 
Zülzer 272 
Zuntz 279, 346, 378 
Zuppinger 44 
Zweifel 248 


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Sacb-Register, 


A. 

Abführmittel, Einfluss derselben auf 
die Ernährung 95 
Abscess, subphrenischer 120, 218 
Acetessigsäure 3, 81, 279 
Aceton, Ausscheidung 182, 231, 357 

— Ausscheidung u. Entstehung 2, 
33, 81, 112, 209, 279 

Aceton-Glykosurie 6 
Acetonurie s. Acetonausscheidung 
Acetylsalicylsäure s. Aspirin 
Achillodynie 227 
Achsendrehung s. Volvulus 
Achylia gastrica 40, 213, 253, 259, 329 
Acidosis-Theorie 67 
Addison*sehe Krankheit s. Morbus 
Addisonii 

Aderlass bei Urämie 126 
Aerztliches Handbuch 27 
After, rissiger, im Säuglingsalter 31 
Ageusie nach Zahnextraktion 357 
Agglutination bei Typhus 97, 127, 128 
Albuminurie nach Nierenpalpation 126, 
127 

— orthostatische 272 
Albumose im Blut 150 
Albumosurie (Bence-Jones’sche) 

198, 272 

Aleuronat 263, 277 
Alimentäre Glykosurie s. letzt. 
Alkalien bei Gicht 186 
Alkalisilikate, globulicide Wirkung 
derselben 82 
Alkaptonurie 348 
Alkamose 13, 330 

Alkohol, Einfluss auf d. Reduktion d. 
Harns 152 

— Pathologie des 352 
Alkoholismus, chron. 227, 281 
Allantom 11 

Alloxurbasenausscheidung b. Gelenk¬ 
rheumatismus 142 

— bei Gicht 186 
Alloxurkörper, Bildung 158 
Amidobuttersäure, ß- 184 


Ammoniak, Einfluss auf den Eiweiss¬ 
umsatz 91 

— in der Atmungsluft 174 
Ammoniakausscheidung 11 

— bei Diabetes 5, 182 

— bei Gelenkrheumatismus 142 

— bei Gicht 186 

Amylaceenverdauung beim Säugling 

Anachlorhydrie 117 
Anacidität 117 
Anämie 270, 387 

— Behandlung (m. kakodyls. Natr.) 
154 

— Erkrankungen der oberen Luftwege 
bei 270 

— Indoxyl- und Urobilin-Gehalt des 
Harns bei 377 

— jodophile Zellen bei 170 

— pernieiöse 241, 330, 344, 364 

-Behandlung derselben 102, 377 

-Blut bei derselben 149 

-Darmveränderungen bei der¬ 
selben 44 

-gelbes Knochenmark bei der¬ 
selben 53 

— u. Zahnkaries 303 

Angina, durch Pneumokokken verur¬ 
sacht 49 

Angiocholitis s. Cholangitis 
Anguillula intestinalis 73 
Animalische Nahrungsmittel, Verhalten 
derselben im Organismus 89 
Ankylostomiasis 58, 167, 224, 265 
Anorexia nervosa, Pankreon bei 254 
Antileukocytenserum 49, 242 
Antiperistaltik 290 
Antistreptokokkenserum 102 
Anus praeternaturalis 396 
Aortenaneurysma, reno-renaler Reflex 
bei 173 

Apepsia gastrica, Stoffwechsel bei 364 
Appendicitis 23, 45, 215, 289, 290, 292, 
293, 318, 321, 326, 369 (Abstossung 
des Darms), 394, 395 

— Bakterienbefund bei 72 

— Behandlung 122, 144, 145, 168 


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X 


Appendicitis durch Bacillus pyocyaneus 
292 

— heisser Umschlag als Diagnosticum 
bei 369 

— Pleuritis bei 45 

— Rektalernährung bei 232 

— Temperaturdifferenzen bei 46 

— traumatische 338, 395 

— und Neurosen 369 

— und Schwangerschaft 45 
Appendicocele 98 
Appendix, Achsendrehung 293 
Arsenik bei perniciöser Anaemie 377 
Arteriosclerose, Magenblutung bei 319 
Arthritis, chron., Stoffwechsel bei 142 

— deformans 227 

— rheumatica s. Gelenkrheumatismus 
Asche des Foetusskeletts 80, 81, 307 ff. 
Ascites 124, 125, 169 

— chylöser 126 

— operative Behandlung 124, 169, 287 

— pseudochylöser 148 
Askariden 167, 215, 265 
Asparagin, Einfluss desselben auf den 

Eiweissumsatz 91 

Asphyxie, Toxicität der Galle bei 123 
Aspirin 10, 345 

— bei Rheumatismus 345 
Atonie s. unter d. betr. Organen 
Atropin bei Ileus 145, 146, 339 

— bei Temperatursteigerung durch 
Pepton 175 

— Einfluss dess. auf den Darm 394 
-auf die Magensaftsekretion 

92, 116, 229 

— in d. inneren Medizin 176 
Auge, Zusammensetzung desselben im 

Hungerzustande 171 
Ausatmungsluft, Giftigkeit ders. 174 
Ausnutzung der Glukose 302 

— der Nahrungsmittel 89 

Austern, Typhusübertragung durch 263 
Autointoxikation 85, 128 

— und hysterische Bewegungen 82 


B. 

Bacillen, Nachweis derselben durch 
Sedimentierung 56 

— säureliebende im Säuglingsstuhl 19 
Bacillus lactis aerogenes 104 

— pyocyaneus, Appendicitis durch 292 

-Enteritis durch 262 

Badekuren 158 

Bakterien bei Appendicitis 72 

— im Darm 391, 392 
Bakteriennachweis 56 
Bandwurmkuren 74 
Basedowsche Krankheit s. Morbus 

Basedowii 

Bauchfellentzündung s. Peritonitis 
Bauchhöhle, Blutresorption aus der 235 


Bauchoperationen bei Typhus 233 
Bauchscrophulose, Behandlung der227, 
294 

Bauchverletzung 269, 295 
Bence - Jones Scher Ei weisskörper 
im Harn 198, 272 
Benzoesäure, Einnahme 136, 142 
Benzoylester im Harn 257 
/9-Amiaobuttersäure 184 
/i-Oxybuttersäure 3, 35 
Bettruhe zur Behandlung der Ver¬ 
dauungskrankheiten 361 
BiedertSches Rahmgemenge 360 
Bierhefe s. Hefe 
Bilirubin 26 

Blastomyceten des Darms 291 
Bleichsucht s. Chlorose 
Blinddarm s. Appendix 
Blut, agglutinierende Eigenschaft bei 
Typhus 97, 127, 128, 232, 273, 368, 
395 

— Albumose im 150 

— bei Eklampsie 344 

— bei Leukämie 150 

— bei perniciöser Anämie 149 

— bei Typhus 194, 273 

— Eisengehalt desselben 101 

— Färbestärke desselben 53, 101 
—1 Fettgehalt desselben 383, 400 

— Gefrierpunktsbestimmung dessel¬ 
ben 342, 350, 374 

— Glykogenreaktion bei Kinderkrank¬ 
heiten 169 

— Jod im 275 

— jodophile Zellen im 170 
Blutbildung, Eisen und Schwermetalle 

bei derselben 78, 303 

— und Höhenklima 376 

— und Knochenmark 343 
Blutbrechen 70, 119, 194 
Bluteisen, Beziehungen desselben zum 

Harneisen 219 

Blutentziehung und Stoffwechsel 
341 

Blutgerinnung 225 

— und Antileukocytenserum 49, 242 
Blutkörperchen, Auflösung der 399 

— Bestimmungsmethode 350 

— jodophile Reaktion der 304 

— Widerstandsfähigkeit der 55 
Blutreaktion bei Diabetes 331 
Blutresorption aus der Bauchhöhle 235 
Blutserum, labgerinnunghemmende 

Eigenschaft 275 

Blutstillung durch Gelatine 326 
Blutungen, terminale 194 
Blutzusammensetzung nach Kochsalz¬ 
infusion 52 
Botriocephalus 167 
Botulismus s. Wurstvergiftung 
Brechdurchfall, Behandlung 360 (s. auch 
u. Gastroenteritis und Magen- und 
Darmerkrankungen) 


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— XI 


B rücke-Külz’sche Methode der Gly¬ 
kogenbestimmung 242 
Butter, Tuberkelbacillen in der 379 
Buttersäure, ß-Oxy- 3, 35; /9-Amido- 


C. 

(s. auch unter K) 

Cancroin 143 

Carcinom, abdominelles, Lymphdrüsen 
bei 196 

— Entstehung durch Trauma 56 
Cardiospasmus 165 

Caro porosa 378 
Cascara Sagrada 166 
Casein 13 

— Ausnutzung des Kuhmilch- 347 

— der Frauenmilch 38 
Cerebro-Typhus 368 

Chemie und Mikroskopie am Kranken¬ 
bett 104 

— physikalische, in der Medizin 59 
Chinasäure 9, 137 
Chinotropin 131 

Chlorose 78, 79, 169, 258, 355, 378 

— Behandlung der 169 (mit Ovarial- 
tabletten), 224, 344 

— elektrische Reaktion bei 303 

— Neuritis optica bei 222, 377 
Cholagoga 234 
Cholangitis ohne Ikterus 47 
Cholecystenteroanastomose 169 
Cholecystitis s. a. Gallenblasenentzün¬ 
dung 229, 233, 268 

Choledochotomie 169 
Cholelithiasis 26, 125, 126, 166, 169, 
176, 184, 229, 233, 268, 269, 271, 
276, 297, 298, 341 
Chylurie, europäische 47 
Cirrhose s. u. Leber 
Clostridium butyricum 173 
Cocain bei Bandwurmkuren 74 
Coecum, Achsendrehung des 293 
Coecumcarcinom 24 
Coecum tuberkulöse 24, 145 
Colibacillen bei Enteritis 43 
Colica mucosa 252, 262, 263 
Colitis membranacea 195, 262, 320 
Colitis s. auch untei* Dickdarmkatarrh 
Colonblutung 366 
Colon, Fermente im 233 
Coma s. Koma 

Cysticerken, Eosinophilie bei 290 
Cystitis typhosa 299 
- purulenta, Urotropin bei 228 


D. 

Darmadstringentien 29, 121 
Darmatrophie 44 


Darmbakterien 391, 392 
Darmbewegung 142, 143 
Darm, Blastomyceten 291 
— Einklemmung 289, 290 
— Fremdkörper im 144, 266 
I — Funktionsprüfung 365 

i — Hämochromatose 370 

i — hämorrhagische Nekrose desselben 

289 

| — Infektion 367 

j — Resorption im 41 

| - Wirkung des Opiums und Mor- 

! phiums auf den 339 

Darmblutung 147 (bei Lebercirrhose), 
194, 296 

Darmdyspepsie 188 
Darmfaulnis 19, 20, 73, 124, 151, 263, 
278, 291, 348, 392 
Darmgries 196 
Darminvagination 215, 396 
Darmkatarrh 123, 392 
— Behandlung bei Kindern 121, 122 

— durch Bacillus pyocyaneus 262 
Darmkoliken 167 

Darmkrebs bei Erwachsenen 143, 264 

— bei Kindern 44 
Darmlipom 289 
Darmmissbildung 391 
Darmperforation durch Würmer 167 
Darmprüfung 26, 365, 392 

Darm sarkom 318 
Darmsyphilis 264 

Darmthätigkeit, Einfluss des Ichthal- 
bins auf 19 

Darmtraktus, Hydrotherapie des 214 
Darmtuberkulose 145, 263, 264, 291, 
367 

Darmtumoren, tuberkulöse 263 
Darmverengerung 22, 393 
Darmverletzung 231 
Darmverschluss 20, 43, 73, 366, 371 
(durch Gallensteine), 393 
— Behandlung mit Atropin 145, 146, 
339, 394 

— durch Meckel’sches Divertikel 97 
Dauerkanüle 68 

Defäkation, psychische Störungen der 
46 

Degenerationserscheinungen bei Tu¬ 
berkulösen 224 

Desinfektion des Verdauungstraktus 
durch Bierhefe 75 

Dextrokardie bei Hernia diaphragma- 
tica 197 

Diabetes, Acetonausscheidung bei 2 

— arthriticus 37 
— Behandlung 67 

— Blutreaktion bei 331 
— Eisenausscheidung bei 220 
! — Harnsäureausscheidung bei 179 

! — Heilung 228 

j — insipidus 141, 185, 258 

! — Kartoffelnahrung bei 333 


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XII 


Diabetes, Laryngitis bei 7 I 

— mellitus 141, 209, 228, 255, 257, ! 

271, 283, 284, 315. 316, 330, 331, 

354 

— -Milch 347 

— pankreatogener 7, 256 

— Pankreon bei 256 

— Prognose 112 i 

— Säureintoxikation bei 66 

— Stoffwechselversuch bei 5 

— traumatischer 113 

— u. Morb. Basedow. 181 

— u. Gicht 180, 181 

— und Herzkrankheiten 157 

— und Tabes dorsalis 332 

— und Uterusmyom 332 

— Unterleibskoliken und Oedeme bei 
183 

— Zuckerbildung aus Eiweiss und 
Fed 5 

Diaceturie s. Acetonurie 
Diarrhoe, chronische nervöse, Behand¬ 
lung derselben 96 
Diazoreaktion 152, 273 

— bei Tuberkulose 220, 273 
Dickdarm, hypertrophische Dilatation 

263 

Dickdarmkatarrh 23, 111, 195 (s. auch 
Colitis) 

Diformaldehydhamstoff 375 
Digestionstraktus, Veränderungen bei 
Anaemie 44 

Dilatation s. unter den betr. Organen 
Diphtheriebacillen im Magen u. Darm 
und in den Fäces 143 
Diphtherie, Pankreas bei 269 
Diplogonoporus grandis 57 
Distom um spathulatu m 397 
Diurese nach Kochsalzinfusion 52,219, 

239 

Divertikel, MeckePsches, s. unter M. 
Douglas-Abscesse bei Perityphlitis 321 
Drainage 334 

Drüsen, Wirkung des Pilokarpins auf 
die 224 

Dünndarm s. unter Darm 
Duodenalatresie, kongenitale 22 
Duodenalgeschwür 120 
Duodenalperforation 120 
Duodenum, Eisenresorption im 220 
Durchfall s. Diarrhoe 
Dysenterie 146, 319, 338 

— Allgemeinintoxikation durch 71 

— Leberabscess bei 47, 111 

— Methylenblau bei 47, 111, 338 
Dyspepsie 117, 188 

— chron., Behandlung derselben 39, 

254 


E. 

Echinokokkus der Leber 217, 397 


Echinokokkus, Verschluss der Gallen¬ 
wege durch 234 

Ehrlich’sche Reaktion s. Diazore¬ 
aktion 

Eingeweidewürmer, Darmperforation 
durch 167; s. auch unter Taenia 
Eisenausscheidung bei Gicht und Dia¬ 
betes 220 

— nach endovenöser Injektion 378 
Eisenchlorid bei Magengeschwür 164 
Eisengehalt und Färbekraft des Blutes 

101 

— der Milch 121 
Eisennuklein 102 
Eisenpigment 76 
Eisenpräparate 78, 79, 247, 345 
Eisenresorption 345 

— im Duodenum 220 

Eisen, Rolle bei der Blutbildung 78 
Eismilch 211 

Eiweiss, Entstehung des Glykogens 
aus 243 

— Oxydation des 349 
Eiweisskörper, Einfluss ders. auf die 

Zuckerausscheidung 315, 316 
Eiweissnahrung, Verdaulichkeit der 
162 

Eiweissstoffwechsel, Einfluss des 
Leims auf den 325 

-des Oophorins auf den 326 

Eiweisssubstanzen im Harn bei Tuber¬ 
kulose 238 

Eiweissumsatz 91, 103, 326 

— Einfluss des Asparagins auf den 91 
Ei weissverdauung 160, 162 
Eiweiss, Zuckerbildung aus 5 
Eklampsie, Blutkonzentration bei 344 
Elektrizität, Einfluss auf den Magen 224 
-der statischen auf den Stoff¬ 
wechsel 82, 247, 278 

Enteritis s. Darmkatarrh 

— choleriformis 43 
Enteroanastomose 193 
Enterogene Zersetzungsprodukte im 

Harn 230 
Enteroklyse 214 
Enteroplastik 287 
Enteroptose 20 

— und Ren mobilis 224 
Entfettungskuren 4, 28, 158, 187, 228 
Enuresis bei Diabetes insipidus 257 
Enzym s. unter Ferment 
Eosinophile Zellen 77 
Eosinophilie bei Cysticerken 290 
Epilepsie und Harnsäureausscheidung 

Epityphlitis 292, 296 
Erbrechen der Schwangeren 118 
Ernährung der Tuberkulösen mit 
rohem Fleisch 236, 237 

— des Säuglings s. Säuglingsernährung 

— kräftige 387 

— künstliche 324, 388 


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XIII 


Ernährung, Wirkung der Abführmittel 
auf dieselbe 95 

Eselsmilch als Säuglingsnahrung 38, 
275 

Eukasin 263 
Eulaktol 263 

Exspiratiönsfurchen der Leber 216 


F. 


Fäcalbakterien, Agglutination der 97 
Fäces s. auch Kot 

— Gallenfarbstoffnachweis in densel¬ 
ben 26 

— Lykopodiumsamen in denselben 174 

— sporenartige Gebilde in denselben 
173 

— Tuberkelbacillennachweis in den¬ 
selben 56 

Färbekraft und Eisengehalt des Blutes 
53, 101 

Fermente 104, 380 

— diastatisches in der Frauenmilch 360 

— proteolytische u. amylolytische 233 
Ferratin 78 

Ferratogen 102 
Fersan 345, 378 
Fettbestimmung 199 
Fettdiät 119 

Fett, Einfluss derselben auf die Magen¬ 
funktion 230, 260 

— Umwandlung in Glykogen 6 
Fette, Verdauung derselben 260 
Fettgehalt des Blutes 383, 400 
Fettleibigkeit 330, 344, 354 

— Behandlung 4, 28, 38, 83, 158, 187 

— Respirationsversuche 284 
Fettnahrung und Magensaftsekretion 

162 

Fettnekrosen 76 
Fettresorption 7, 163, 164, 243 
Fettsäuren, Ausscheidung der 230 

— Einfluss derselben auf die Aceton¬ 
ausscheidung 33 

Fett, Zuckerbildung aus 5 
Fieber, Beeinflussung der Magen- und 
Darmthätigkeit durch 118 
Fleischbrühe, Einfluss derselben auf 
die Magenverdauung 260 
Fleischkunde 378 
Fleischnahrung bei Kindern 388 
Fleisch, Präparation und Konservie¬ 
rung von 13, 67 

Fleischsaft, Behandlung der Tuberku¬ 
lose mit 236, 237 
Fleischvergiftung 401 
Fleisch, weisses und schwarzes bei 
Nierenkrankheiten 100 
Foetus, Chemie des 307 

— Mineralbestandteile des Skeletts 
desselben 80, 81 


Formol zur Harnkonservierung 375 
Frauenmilch-Casein 38 
Frauenmilch, diastatisches Ferment in 
der 360 

Frauenmilchkot 90 
Frauenmilch, Reaktion der 224 
Frauen, Unfähigkeit derselben zu stillen 
177, 248 

Fremdkörper im Darm 144, 196, 266 
— im Rectum 196 
Fütterungstuberkulose 367 


G. 

Galle, Ableitung derselben nach aussen 
234 

— antiseptische Kraft derselben 124, 
291, 296, 298 

Gallenblasendilatation und -Ruptur 298 
Gallenblasenentzündung und Magen¬ 
darmstörungen 229 

— bei Typhus 233 
Gallenblasenfistel 234 
Gallenblaseninhalt, Bakteriologie des¬ 
selben 26 

Gallenfarbstoff in den Fäces 26 

— Nachweis desselben 26, 152, 

173 

Gallensekretion 298 
Gallensteine s. auch Cholelithiasis 

— experimentelle Erzeugung der 296 

— Radiographie der 169 
Gallensteinileus 371 
Gallensteinoperationen, Recidive nach 

269 

Gallentoxicität 123 

Gallenwege, Verschluss derselben 
durch eine Echinokokkencyste 234 
Gambrinismus (s. a. chron. Alkoholis¬ 
mus) 227 

Gastrektasie s. unter Magen 
Gastrektomie 337, 338 
Gastritis ulcerosa 17 

— atrophicans 253 

— chron. mit nervösen Komplikationen 
165 

Gastroenteritis 360 
Gastroenteroplastik 287 
Gastroenterostomie 193, 287, 288, 337, 
364, 390 

— Stoffwechsel nach 95, 335, 364 
Gastrointestinale Desinfektion 96 
Gastroptose 258 
Gastrospasmus 362 
Gastrostomie 334 

Gebiss, Einfluss desselben auf Magen¬ 
krankheiten 39 

Gefrierpunktsbestimmung des Bluts 
und des Harns 342, 344 , 350, 
374 

— des Mageninhalts 40 
Gelatine, Blutstillung durch 326 


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XIV 


Gelenkrheumatismus 10, 142 
Geschwülste, traumatische Entstehung 
der 56 

Gesundheitsstörungen durch Tricho- 
cephalus dispar 264, 265 
Gewürze, Bedeutung derselben für 
die Verdauung 277 
Gicht 176, 186, 210, 227, 271 

— bei Vögeln 88 

— Eisenausscheidung bei 220 

— Harnsäure bei 186 

— Heilmittel der 10, 66 

— Stoffwechsel bei 186 

— und Diabetes 37, 180 

— und Fettleibigkeit 180, 188 
Giftigkeit der Ausatmungsluft 174 
Globulicide Wirkg. der Alkalisilikate 82 
Globulolyse 399 

Glukose, Ausnutzung der 302 

— s. auch unter Zucker 
Glykaemie 283 

— Bestimmung der 243 
Glykogen 172, 242, 352 

— Bestimmung 242, 243 

— Entstehung desselben aus Eiweiss 
243 

-— aus Fett 6 

-- aus Laevulose 386 

— in Neubildungen 262 

— Reaktion des Blutes bei Kinder¬ 
krankheiten 169 

— — bei Myxoedem 169 

— Reindarstellung desselben 87 

— und Glukose der Leber 172 
Glykolyse 87 

Glykonsäure 3, 151 
Glykosurie 6, 8, 50, 112, 157, 184, 
185, 257, 331, 333, 365 

— durch Aceton 6 

— und Hypophysis 157 
Gonorrhoe des Rectum 215 
Gravidität und Lebercarcinom 217 

— und Milchabsonderung 210 
Greisenalter, Stoffumsatz im 103 

H. 

Hämochromatose des Darms 370 
Hämoglobinurie, paroxysmale 125 
Hämophilie, Nierenblutung bei 326 
Hämorrhoiden, Behandlung der 25 
Hängebauch, Behandlung desselben 
235 

Handbuch, ärztliches 27 
Hanot’sche Lebercirrhose s. unter 
Lebercirrhose 

Harn, Acidität desselben bei Pneu¬ 
monie 197 

— bei Gelenkrheumatismus 142 

— bei Hydrotherapie 170 

— B en c e - J o n e s ’scher Eiweisskörper 
im 198, 272 

— Bestimmung der Purinbasen im 221 


Harn, Eiweisssubstanzen bei Tuber¬ 
kulose im 238 

— enterogene Zersetzungsprodukte im 
230 

— Gallenfarbstoff bei Herzkrankhei¬ 
ten im 173 

— Gefrierpunktsbestimmung dessel¬ 
ben 342, 350, 374 

— Jodbindungsvermögen 172 

— -Konservierung durch Formol 375 

— Oxydation der Bestandteile des¬ 
selben 400 

— Phenylschwefelsäure im 348 
-- stickstoffhaltige Stoffe im 348 

— Tag- und Nachtharn 198 

— Toxicität 239, 240, 271 

— Urobilin- und Indoxylgehalt bei 
Anämie 377 

— zuckerzerstörende Eigenschaften 
desselben 82 

Harneisen, Beziehungen desselben zum 
Bluteisen 219 
Harngries 160 
Harnpurine 158, 221 
Harnsäure 37, 176 

— Ausscheidung 9, 10, 11, 12, 34, 37, 
89, 131, 160, 221, 349 

-bei Diabetes 179 

— - bei Epilepsie 54 

-bei Gelenkrheumatismus 142 

— — bei Gicht 186 

— Bestimmung 114 

— Bildung 158 

— -- nach Benzoesäure 142 

— —• nach Chinasäure 142 

— Lösung 9, 61, 113 

— Wirkung 8 

Harnsaure Diathese 9, 10, 113, 131, 
176, 228, 330, 387 

Harnsaures Natron, Wirkungen des¬ 
selben 8 

Harnscheider 324 

Harnstoff bei Gelenkrheumatismus 
142 

— bei Gicht 186 

Harnuntersuchung, quantitative 224 
Hautthätigkeit des Negers und Euro¬ 
päers 276 

Hefe als Desinfektionsmittel des Ver- 
dauungstraktus 75 

— Behandlung der Obstipation mit 
338 

Heilmethoden, diätetische und physi¬ 
kalische 129 
Helminthiasis 167, 265 
Hemiplegie, urämische 398 
Hepatitis s. unter Leber 
Hernia diaphragmatica 197, 218, 295, 
373 

— obturatoria 24 

Herzkrankheiten, Gallenfarbstoffgehalt 
des Harns bei 173 

— und Diabetes 157 


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XV 


Hippursäure, Ausscheidung 10, 131, 
230 

— Bestimmung 127 
Höhenklima und Blutbildung 376 
Homogentisinsäure 348 
Hundemagensaft, therapeutische Ver¬ 
wendung desselben 209, 259 

Hunger, Einfluss desselben auf die 
Zusammensetzung des Auges 171 

— — auf die Nerven 171 
-auf die Temperatur 171 

— in der Krankenernährung 398 

— Stoffwechsel bei, 183 
Hungertod 54, 247, 279, 399 

— vom gerichtsärztlichen Standpunkt 
54 

Hydronephrose 300 
Hydrotherapie 29 

— des Darmtraktus 214 

— und Stoffwechsel 170 
Hypalbuminose 149 
Hyperaciditas gastrica 40, 119; 120, 

230 

Hyperazoturie 341 
Hyperchlorhydrie 117, 260 
Hyperchlorurie 141 
Hyperpepsie 91, 117 
Hyperphosphaturie 141 
Hypinose 149 
Hypochlorhydrie 260 
Hypopepsie 117 
Hypophyse und Glykosurie 157 
Hysterie und Autointoxikation 82 


I. 

Ichthalbin, Einfluss desselben auf Stoff¬ 
wechsel und Darmthätigkeit 19 
Ichthoform 73, 291 
Icterus s. Ikt. 

Ictus laiyngis bei Allgemeinerkran¬ 
kungen 271 
Ikterus 271, 330 

— acholurischer 267 

— chronischer, infectiöser 125 

— Fettresorption bei 7 

— infectiosus, Stoffwechseluntersu¬ 
chungen bei 43 

— Pathogenese des 223, 296 

— Stimmbandlähmung bei 271 
Ileus s. Darmverschluss 

Inanition, Einfluss auf die Widerstands¬ 
fähigkeit des Körpers 291 

— Knochenmark bei derselben 78 
Incarceration s. unter Darm 

S ofermentation 55 

an im Harn 151, 230, 231, 273 
Indoxylgehalt des Harns bei Anaemie 
377 

Influenza und Typhus 97 


Injektionen, Eisenausscheidung im 
Urin nach endovenösen 378 
Innere Krankheiten, Behandlung der¬ 
selben 84 

-Pathogenese derselben 85 

Intestinalblutungen s. unter Darm 
Intussusception 22, 231 
Inulin, physiol. Wirkungen 67 
Invaginatio ileocoecalis 43 (s. auch 
unter Darm) 

Ischialgie 227 

Isotonie und Toxicität 239 


j. 

! odbindungsvermögen des Harns 172 
od im Blute 275 
odkali s. Kal. jod. 
odoformvergiftung 401 
odophile Zellen im Blute 170 
odreaktion der Eiterkörperchen 304 


K. 

Kakodylsaures Natron bei Anämie 154 
Kalium jodatum, resorbierende Kraft 
des 380 

Kalk, Wirkung desselben bei Gicht 88 
Kartoffeln bei Diabetes 333 
Kehlkopfschwindel s. Ictus laryngis. 
Kinder, Bedeutung des Phosphors für 
den Stoffwechsel der 300 
— Konstitutionsanomalieen der 191 
— Verdauungsstörungen und Ueber- 
emährung der 190 

Kinderernährung (s. auch Säuglings- 
emährung) 176, 388 
Kinderheilkunde 280 
Kinderkrankheiten, Glykogenreaktion 
des Blutes bei 169 

Kinderpraxis, Vademecum für die 105 
Kindesalter, Krämpfe im 361 
— Tetanie u. tetanoide Zustände im 
361 

Klinische Chemie 248 
Knochenmark bei Inanition 78 
— Kristalle in demselben bei Neben¬ 
nierenbehandlung 50 
— Veränderung desselben bei Krank¬ 
heiten 77, 78, 343 

Kochsalz, Einfluss desselben auf die 
Sekretion kranker Nieren 224 
Kochsalzinfusion, Diurese und BJut- 
znsammensetzung nach 52 
Kohlenhydrate in der Säuglingsemäh- 
rung 191, 210 

— im Ham bei Diabetes 257 
i Kohlenhydratverdauung als Diagno- 
sticum 40, 365 
Kolikschmerzen 166 
Koma 7, 66, 183, 184, 209 


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XVI 


Konstitutionsanomalieen bei Kindern 
191 

Kot 90, 107 

— Diphtheriebacillen im 143 

— Fermente im 233 

— Kristalle im 304 

— Untersuchung 221 
Koterweichende Mittel 107 
Kräftige Kost 387 
Krämpfe im Kindesalter 361 
Krankenemährung, Hunger in der 398 
Kreatinin, Einfluss desselben auf die 

Trommer’sche Probe 27, 350 
Kristalle in den Faeces 304 
Krötenfleisch 378 
Kuhmilchkot 90 
Kupfer und Blutbildung 303 


L 

Labgerinnung hemmende Eigenschaf¬ 
ten des Blutserums 275 
Labwirkung 160 

Lävulose, Glykogenbildung aus 386 
Laryngitis diabetica 7 
Leberabscess 147, 148, 297 

— bei Dysenterie 47 
Leberatrophie, akute gelbe 267, 296 
Leberbiegungen, respiratorische 216 
Lebercarcinom und Gravidität 217 
Leber, cavemöse Degeneration 371 
Lebercirrhose 124, 125, 126, 147, 268, 

271, 324, 354, 370, 397 

— hypertrophische biliäre 47, 74, 75, 

370 

— operative Behandlung 169, 217 
igmentäre 76 

tickstoffstoffwechsel bei 348 

— und Lebersarkom 340 
Leberechinokokkus 217, 398 
Leber, Exspirationsfurchen der 216 
Leberglykogen 172 

Lebennfarkt, Regeneration desselben 

371 

Leberkolik, nervöse 266 
Lebemeuralgieen 216 
Lebersarkom und -Cirrhose 340 
Leber, Schutzwirkung der 123 
Lebersyphilis 268 

Lebertnraninjektionen bei Tuberku¬ 
lose 80 

Leber, Wander- 168, 340 
Leberzucker 172 

Leim, Einfluss auf den Ei weisszerfall 325 
Leitrohr für den Magenschlauch 69 
Leukämie 48, 150, 270, 399 

— akute 241 

— Erkrankungen der oberen Luftwege 
bei 270 

— jodophile Zellen bei 170 
Leukocytose 343 

— bei Typhus 194 


Leukocytose bei Variola 242, 274 
Lipämie 383, 400 
Lipase 275 

Lipomatosis s. Fettleibigkeit. 
Lohnstein’sches Saccharometer 228, 
274 

Lungenentzündung, Stoffwechsel bei 
153 

Lykopodiumsamen in den Faeces 174 
Lymphsekretion 48 
Lysidin 113, 186 

M. 

Magenaufblähung 92 
Magenbesteck 192 

Magenblutung 17,39,194,296,318,319 

— bei Lebercirrhose 147 
Magencarcinom 17, 69, 93, 261, 362, 

363, 364, 389, 390 

— Blutbeschaffenheit bei 17 

— Frühdiagnose des 17, 143 
Magen-Chirurgie 193 

— Darmkanal, Histologie desselben 
bei Kindern 189 

Magendefekt, Behandlung desselben 70 
Magen-Diphtherie 143 
Magen, Elektrisieren desselben 224 
Magenerweiterung, akute 213 

— und -Erschlaffung 69, 93 
Magenexstirpation,Stoffwechsel nach94 
Magengeschwür 57, 285, 286, 335, 362 

— Behandlung des 57, 120, 164, 222, 
286 , 336, 362 

— Pathogenese 335, 362 

— traumat. 334 

— vorgetäuscht durch Darmgangrän 40 
Magengrenzenbestimmung 142, 259 
Magen, haemorrhagische Erosionen 

im 318 

Magenhusten 271 

Mageninhalt, gasförmiger, im Säug- 
lingsalter 336 
Magenkatarrrh s. Gastritis. 
Magenkranke, Behandlung und Pflege 
derselben 213 

Magenkrankheiten 27, 39, 91, 128,154, 
188, 229, 230, 390 

— Einfluss des Gebisses auf die 39 
-Fettes auf die 230 

— Ichthoform bei 291 

— schmerzstillende Mittel bei 229 
Magen- u. Darmkrankheiten, b. Kindern 

31, 190, 191 

-Milchdiät bei 223 

-u. Gallenblasenentzündung 229 

-Verhältnis zu einander 188 

— u. Darmthätigkeit bei Fieber 118 
Magen, Lage desselben bei Chlorose 

258 

Mageh-Myome 289 
Magen, Radiographie desselben 197, 
213 


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XVII 


Magen, Restbestimmung im 16 
Magenperforation 70, 120 
Magenpumpe als Peristaltikum 193 
Magenquetschung 17 
Magensäuresekretion s. Magen-Sekre¬ 
tion. 

Magensaft, Behandlung mit künst¬ 
lichem 40, 259 

— therapeutische Verwendung des 
natürlichen 203 

Magensarkome 189 
Magenschlauch 69 

Magen-Sekretion 16, 91, 92, 116, 161, 
316, 359, 389 

— bei Fettnahrung 162 

— Einfluss der Schwitzbäder 389 

— Einfluss des Morphiums auf die 
92, 189 

— Einfluss von Nährklysmen auf die 
359 

— und Pilokarpin 92, 161 
Magenselbstaufblähung 92 
Magensyphilis 166 
Magentuberkulose 286 
Magenuntersuchung 16, 213 

— Besteck für dieselbe 192, 193 
Magen Verdauung, Einfluss von Medi¬ 
kamenten auf die 162 

Magenvolvulus 336 
Magnesiumausscheidung 238 
Marasmus, spontane Rippenfrakturen 
bei 224 

Marchand’sche Nebennieren 218 
Mastdarmcarcinom s. Rectumcarcinom. 
Mathieu’sche Methode 16 
Meckel’sches Divertikel u. Darmver¬ 
schluss 97, 124 

Medikamente, Einfluss auf die Ver¬ 
dauung 162 

Mehl bei Säuglingsernährung 191 
Melanoidin 379 
Melanoidinsäure 379 
Meningitis typhosa 72 
Mesenterialarterienembolie u. -Throm¬ 
bose 24, 25 

Methylenblauausscheidung 82, 342, 

374, 400 

Methylenblau bei Dysenterie 338 

— cholagoge Wirkung desselben 99 
Methylenblaureaktion bei Diabetes 331 
Mikroskopie u. Chemie am Kranken¬ 
bett 104 

Milch s. auch unter Frauenmilch. 

— Aschenanalysen der 309 
Milchdiät bei Diabetes 283, 347 

— bei Magen- u. Darmkrankheiten 223 
Milch, Eisengehalt der 121 

— für Diabetiker 283, 347 

— Gewinnung tuberkelbacillenfreier 
211 

Milchkontrolle 129 
Michkot 90 

Milchpräparate 244, 389 


Milchsekretion und Gravidität 210 
Milchsterilisation 210 
Milch, Uebertragung der Tuberkulose 
durch 155, 325, 367 

— Untersuchung der Markt- 211 
Milch Verfälschungen 18 
Milzhyperplasie bei Kindern 342 
Milzruptur, subcutane 48 
Milzverletzung, Pankreasverdauung 

nach 146 

Mineralbestandteile des Foetusskeletts 
80, 81 

Mineralwässer 158 

— und Bäder Siebenbürgens 84 
Missbildung des Dickdarms 391 
Mittel, schmerzstillende, bei Magen¬ 
krankheiten 229 

Moeller-Barlow ’sche Krankheit200, 
276 

Morbus Addisonii 49 

-Peritonitis vortäuschend 49 

-Schilddrüsenwirkung bei 240 

-Stoffwechsel bei 240 

— Basedowii u. Myxoedem 51, 81, 
170 

-mit Sklerodermie u. Tetanie 51 

-operative Behandlung des 51, 

376 

-Pathologie und Therapie 102 

-und Diabetes 181 

— Brightii s. unter Nierenentzün¬ 
dung. 

— Werlhofii 53 

Morphium, Einfluss desselben auf den 
Darm 339 

— Einfluss desselben auf die Magen¬ 
saftsekretion 92, 189, 229 

Mundhöhle, Erkrankungen der 27 
Murphy knöpf, Anwendung dess. 168 
Muskelkraft unter erhöhtem Luftdruck 
103 

Mutterbrust, Unersetzlichkeit der 177, 
248 

Myxoedem, Glykogenreaktion bei 169 

— u. Morbus Basedowii 81, 170 

N. 

Nährklysmen 325, 329 

— und Saftsekretion des Magens 359 
Nährpräparate 277 - 

— Einfluss auf d. Darmfäulnis 263 
Nahrungsmittel 12, 346 

— animalische im Organismus 89,277 
—■ Uebertragung der Tuberkulose 

durch 165, 325 

Nahrungspausen bei Säuglingsemäh- 
rung 19 

Natrium bicarb. b. hams. Diathese 113 
Nausea bei Schwangerschaft 118 
Nebennierenbehandlung der Rachitis 50 
Nebennieren-Extrakt, Wirkung des 375 
Nebennierensarkom 324 


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XVIII 


Nebennierentuberkulose ohne Haut¬ 
verfärbung 49 

Nebennieren, zur Kenntnis der 218 
Nephritis s. unter Niere. 
Nephrolithiasis, Piperazin bei 373 
Nerven, Einfluss des Hungers auf 
die 171 

Nervenkrankheiten, Glykosurie bei 333 
Nervöse Erregungen, Einfluss dersel¬ 
ben auf die Tuberkulose 224 
Nervöse Störungen bei chron. Ga¬ 
stritis 165 

Nervosität und Appendicitis 369 
Nervus vagus, Reflexneurose des 260 
Netztumoren 289 
Neubildungen, Glykogen in 262 
Neugeborenen, Chemie der 307 
Neuritis optica bei Chlorose 222, 377 
Nierenblutung bei Hämophilie 326 
Nierendiabetes 331 
Nierendiagnostik 149 
Nierenentzündung ohne Hamverände- 
rungen 224 

— toxische 218 

Nierenerkrankungen, Erkrankungen der 
oberen Luftwege bei 271 

— mit Gangraen 197 

— Störungen der Sekretion bei 55 

— weisses und schwarzes Fleisch bei 
denselben 100 

Nierenerschütterung 100 
Nieren, Funktionsprüfung derselben 
durch die Gefrierpunktsbestimmung 
etc. 342, 374 
Nierengifte 218 

Nierenmsufficienz, Diagnose der 374 

— Methylenblauausscheidung bei 82 
Nierenpalpation, Albuminurie nach 

126, 127 

Nierenreflex 173 

Nierensekretion, Einfluss des Koch¬ 
salzes auf die 224 
Nierensteine 160, 176 
Nierensteinkoliken 167 
Nuklein 10 

Nuklei'nstoffwechsel 10, 199 
Nukleoprote'id des Pankreas 235 
Nutrose 263 


a 

Obstipation, Behandlung 338, 366,394 

— chron. atonische 165, 387 

— habituelle 366 

— im Kindesalter durch rissigen After31 
Oedeme bei Diabetes 183 
Oelkuren 230, 277, 341 
Oesophagoskopie 284, 285 
Oesophagus, Atonie 93, 261, 317 

— Carcinom 27, 68, 271 

--infolge Unfall 15 

— Divertikel 15, 115,116,213,258,386 
-Radikaloperation der 258 


Oesophagus, Drüsen des 358 

— Erweiterung 14, 116, 317, 386 

— Fremdkörper im 188 

— Krankheiten 27 

— Pathologie des 14 

— Sarkom 358 

— Sondierung 334 

— Stenose 334, 358 

— Varicen 147, 169 

— Verätzung 317 

Oophorin, Einfluss auf d. Eiweissum¬ 
satz 247, 326 

Opium, Einfluss desselben auf den 
Darm 339 

Orchitis typhosa 72 
Organotherapie 224 
Orthostatische Albuminurie 272 
Osmotischer Druck zwischen Mutter 
und Kind 174 

Osteomalacie, Aetiologie und Patho¬ 
genese 170 

Ovarialtabletten bei Chlorose 169 
Oxalsäure, Ausscheidung und Ent¬ 
stehung 5, 12, 37 
Oxalurie, alimentäre 12 
/9-Oxybuttersäure 3, 35 
Oxydation des Eiweiss 349 
Oxydationsfermente 104 
Oxyprotsulfonsäure 349 
Oxyuriasis cutanea 279 

— Therapie 290 


P. 

Pankreas, Carcinom 99, 169 

— Chirurgie des 372 

— Cysten 372, 397 

— glykolytische Wirkungen desselben 

— Nekrosen 372 

— Nukleoproteid des 235 

— Verhalten desselben bei Diphtherie 
269 

— zuckerzerstörende Eigenschaften 
des 82 

Pankreasdrüsen 76 
Pankreaserkrankungen 76, 372 
Pankreasferment 87 
Pankreassarkom 99 
Pankreassteine 372 

Pankreasverdauung bei Milzverletzung 
146 

Pankreatin 251, 252, 253, 256 
Pankreatogener Diabetes 7, 99 
Pankreon 251, 329 
Papain 14 

Papiermethode zur Bestimmung der 
Färbestärke des Blutes 53 
Paramidoacetophenon 82 
Paroxysmale Haemoglobinurie 125 
Pentosurie 5, 7 


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XIX 


Pepsinabscheidung bei Magenerkran¬ 
kungen 91 

Pepsinabsonderung 91, 16l 

Peptone, Bildung 160 

Pepton, Temperatursteigerung durch 

Perforationsperitonitis 286 
Perigastrischer Abscess 120 
Perisigmoiditis 167 
Peristalticum, Magenpumpe als 193 
Peritonitis 71, 270, 293, 294, 298, 367 
(nach Typhus) 

— durch Pneumokokken 294 

— eitrige 270 

— tuberculosa 294, 295, 322, 323 
Perityphlitis s. Appendicitis. 
Petroleum bei Darmkatarrh 121 
Pferdefleisch, Gesundheitsschädigung 

durch 163 

Pfortader s. Ven. port. 

Phantomtumor 233 
Phenol, Ausscheidung 230 
Phenylhydrazinprobe zum Zuckernach¬ 
weis 273 

Phenylhydrazinvergiftung 379 
Phenylschwefelsäure nach Tropon 348 
Phloridzin-Ausscheidung 342, 374 
Phloridzin-Diabetes 149, 316, 331, 357 
Phloridzin-Vergiftung 33, 352 
Phosphor, Einfluss desselben auf das 
Wachstum 378 

Phosphorsäureausscheidung 10; bei 
Diabetes 5; bei Gelenkrheumatis¬ 
mus 142 

Phosphorstoffwechsel b. Kinde 300,301 
Physikalische Chemie in der Medizin 59 
Physiologie, Lehrbuch der 105 
Pigmenteirrhose 76 
Pigment der Haemochromatose 370 
Pikrinsäurevergiftung 352 
Pilokarpin, Einfluss desselben auf die 
Drüsen 224 

— Einfluss desselben auf die Saftse¬ 
kretion 92, 161 

Piperazin 9, 10, 113, 132, 186 

— bei Nephrolithiasis 373 
Plasmon 13, 89, 162, 263, 277, 316 
Plastein 160 

Plexus coeliacus 224 
Pneumokokken-Peritonitis 294 
Pneumonie, bei Phenylhydrazinvergif¬ 
tung 379 

— Harnacidität bei 197 


— u. Typhus-Serum 232 
Präcisions - Saccharometer, L o h n - 

stein’s 228, 274 
Proctitis gonorrhoica 215 
-Prolapsus recti s. Rectumprolaps. 
Protargol 121 

Protoplasmaerkrankungen 85 
Pseudochylöser Erguss 148 
Pseudonetztumoren 289 


Psychosen bei Typhus 368 


Purinkörper 158 

— Bestimmung derselben im Harn 221 
Puro 12, 175 

Pyelitis urica, Urotropin bei 228 
Pyloruscarcinom 69, 190 

— Gastroenterostomie bei 337 
Pylorusstenose, kongenitale 93 
Pyocyaneusbacillen bei Enteritis 262 
Pyopneumothorax subphrenicus s. sub- 

phren. Abscess. 


Q. 

Quecksilber, Bestimmung desselben 
im Harn 101 


R. 

Rachitis 271, 280 361 

— Behandlung der 248 

— Behandlung derselben mit Neben¬ 
nierentabletten 50 

Radiographie der Gallensteine 169 

— des Magens 197, 213 
Rectalernährung bei Appendicitis 232 
Rectococcygopexie 98 

Rectopexie 98 
Rectumcarcinom 168, 261 
Rectum-Desinfektion 123 
Rectum, Fremdkörper im 196 
Rectumprolaps 98 

Reflexeneurose, digestive, des Nervus 
vagus 260 

Reflex, reno-renaler 173 
Ren mobilis und Enteroptose 224 
Reno-renaler Reflex s. unter Reflex. 
Resorption bei Apepsia gastrica 364 

— im Darm 41 

— von Fett 243 

Respirationsversuche bei Fettleibig¬ 
keit 284 

Restbestimmung im Magen 16 
Retroperitonealsarkom 148 
Rhachitis s. Rachitis. 

Rheumatismus, Behandlung 345 
Rhodanverbindungen im Nasen- und 
Conjunktivalseto*et 222, 379 
Rhodan Wirkungen 101, 154 
Ricinusoel, desinfirierende Wirkung 
desselben 224 

Rippenfrakturen, spontane, bei Tuber¬ 
kulösen und Marantischen 224 
Roborat 277 
Ruhr s. Dysenterie. 


S. 

Saccharin, Wirkungen des 228 
Saccharometer 228, 274 
Salicylsäure bei Rheumatismus 345 


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XX 


Salol bei Darmkatarrh 121, 122 

— bei Diabetes mellitus 228 
Salzlösungen, Injektion von 302, 303 
Salzsäurebestimmung 117 
Sanatogen 13, 263 
Sanduhrmagen 213, 286 

Sarcom s. Sarkom. 

Sarcophila magnifica bei Darmkatarrh 
123 

Sarkom, retroperitoneales 148 
Säugling, alimentäre Glykosurie beim 
385 

— Amylaceenverdauung beim 210 

— gasförmiger Mageninhalt beim 336 

— Körpergewicht desselben 389 

— Phosphor u. Stickstoff beim 300, 
301 

— Schädigung des Zentralnervensy¬ 
stems durch Ernährungsstörungen 
361 

— Stoffwechsel beim 359 
Säuglingsernährung 18, 19, 38, 120, 

121, 176, 191, 210, 244, 245, 246, 
247, 275, 276, 302, 359, 389 

— Kohlenhydrate in der 210 

— mit Eselsmilch 38 
Säuglingssterblichkeit bei hereditärer 

Lues 352 

Säuglingsstuhl, säureliebende Bacillen 
in demselben 19 

Säureintoxikation bei Diabetes 66 
Säureliebende Bacillen im Säuglings¬ 
stuhl 19 

Säurelösungen, Injektion von 301, 302 
Säuretherapie der Bleichsucht 344 
Schilddrüse, Jodgehalt derselben 50 
Schilddrüsengift, Stoffwechselversuche 
mit 50 

Schilddrüsenpräparate, Wirkung bei 
Morbus Adaisonii 240 
Schleimkoliken 23 

Schmerzstillende Mittel bei Magen¬ 
krankheiten 229 

Schmidt ’sche Methode(Darmprüfung) 
26, 365, 392 

Schulanaemie, Indoxyl- und Urobilin- 
Gehalt des Harns bei 377 
Schutzwirkung der Leber 123 
Schwangerschaftserbrechen 118 
Schwefelwasserstoffbestimmung im 
Mageninhalt 118 

Sedimentierung zum Bacillennach¬ 
weis 56 

Seifenresorption 41 
Selbstaufblähung des Magens 92 
Serum, antileukocytäres 49 
Serumdiagnostik bei Typhus 97 
Serumtherapie 281 
Sicco 247 

Sidonal 9, 10, 66, 132 
SigmoTditis 167 
Silberpräparate 121 
Somatose 13, 263 


Sondierung ohne Ende 334 
Speichelfluss bei Erkrankungen der 
Bauchorgane 114 
Speiseneinnahme Kranker 244 
Speiseröhre s. Oesophagus. 
Spondylitis typhosa 46 
SpongomelanoTdin 379 
Sporen in den Faeces 173 
Statische Elektrizität 82, 247, 278 
Sterblichkeit der hereditär-luetischen 
Säuglinge 352 

Stickstoffstoffwechsel beim Säugling 
300, 301 

und Blutentziehung 341 
Stoffwechsel bei Apepsia gastrica 364 

— bei Arthritis chron. 142 

— bei Gicht 186 

— bei Hydrotherapie 170 

— bei Ikterus infectiosus 43 

— bei Lungenentzündung 153 

— bei Morbus Addisonii 240 

— beim Säugling 359 

— bei Oelklystieren 277 

— bei Syphilis 221 

— Einfluss der statischen Elektricität 
auf den 82, 247, 278 

— Einfluss des Ichthalbins auf den 19 

— im Greisenalter 103 

— nach Magenexstirpation 94, 95 
Stoffwechselkrankheiten, diätetische 

Behandlung der 210 
Stoffwechselstörungen, Behandlung 
der 84 

Stoffwechselversuche mit Schilddrüsen¬ 
gift 50 

Stomatitis gonorrhoica 115 
Subphrenischer Abscess 120, 218, 293 
Superacidität (= Hyperacidität 119) 
Supraclaviculare Lymphdrüsen bei 
Bauchcarcinom 196 
Syphilis s. unter den betr. Organen. 

— Stoffwechsel bei 221 


T. 

Tabes dorsalis u. Diabetes mellitus 332 
Taenia africana 396 

— leptocephala 370 

— saginata 396 

Taenie s. auch unter Bandwurm. 

Tannalbin 121 

Tannigen 121 

Tanninpräparate 121 

Tannoform 121 

Tannopin 20 

Tanocol 121 

Tarsalgie 227 

Temperatur der Organe im Hunger 
171 

Temperatursteigerung durch Peptone 
175 

Teslaströme, Einfluss derselben auf 
den Stoffwechsel 82, 247, 278 


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XXI 


Tetanie und tetano’ide Zustände im 
Kindesalter 361 

Therapeutische Leistungen 280 
Therapie chronischer Krankheiten 353 
Thymusdrüse bei Morbus Basedo- 
wii 103 
Thyreoidea 157 
Thyreoidin 247 

Thyreoidintabletten, Behandlung mit 83 
Toxicität der Galle 123 

— des Harns 239, 240, 271, 374 
Trichocephalus dispar 264, 268 

— schädliche Wirkung des 264, 265 
Tromm ergehe Probe s. Zucker¬ 
probe. 

Tropon 12, 89, 263, 277, 316 

— Phenylschwefelsäure nach 348 
Trypsin, Nachweis 41 

— Wirkung 146 

Tuberkelbacillen in der Butter 379 
Tuberkulose s. auch unter den betr. 
Organen. 

— Etegenerationserscheinungen bei 

— Einfluss der nervösen Erregung auf 
die 224 

— Eiweisssubstanzen im Harn bei 238 

— Ernährung bei 236, 237 

— Leberthraninjektionen bei 80 

— spontane Rippenfrakturen bei 224 

— Uebertragung durch Milch 155, 325 
Typhus 271, 367, 368 

— Agglutination bei 97, 127, 128,273 

— bakteriolog. Untersuchungsmetho¬ 
den 395 

— Bauchoperationen bei 233 

— Cystitis bei 299 

— Diagnose 232 

— Diazoreaction 273 

— Erkrankungen der oberen Luftwege 

bei 271 * 

— GallenblasenentzünÄung bei 233 

— Leukocytose bei 194 

— Meningitis bei 72 

— nach Influenza 97 

— nervöse Störungen bei 72 

— Neuritis bei 72 

— Orchitis bei 72 

— Peritonitis nach 367 
-Psychosen 368 

— Uebertragung durch Austern 263 
—- und Pneumonieserum 232 

— Verlauf 232 

— Wirbelerkrankungen bei 46 


ü. 

Ueberernährung bei Kindern 190 
Ulcus ventricuh s. Magengeschwür. 
Umschlag, heisser, als Diagnosticum 
369 

Unterleibskoliken bei Diabetes 183 


Uraemie 344 

— Aderlass bei 126 
Uraemische Hemiplegie 398 
Uratdiathese s. harnsaure Diathese. 
Uricedin 113 

Urobilingehalt des Harns bei Anae- 
mie 377 
Uroerythrin 151 
Urosin 131, 160 
Urotropin 300 

— bei harns. Diathese 113, 160, 228 

— chinasaures 131 
Uterusmyom und Diabetes 332 


V. 

Vaganten, Glykosurie bei 6 
Variola, Leukocytose bei 242, 274 
Vegetarische Ernährung 302 
Vena portae, Anastomosenbildung bei 
Ascites 169 

Verdaulichkeit der Eiweissstoffe 162 
Verdauung, Bedeutung der Gewürze 
für die 277 

— Einfluss der Fleischbrühe und des 
Fettes auf die 260 

— Einfluss von Medikamenten auf 
die 162 

Verdauungskanal, Kapazität desselben 
317 

Verdauungskrankheiten, Behandlung 
mit Bettruhe 361 

Verdauungsorgane, Handbuch der 
Krankheiten derselben 199, 200 
Verdauungsstörungen bei Kindern 191 
Verhungern, Tod durch 54 
Verstopfung s. Obstipation. 
Vogelgicht, künstliche 88 
Volvulus des Darms 293 

— des Magens 363 
Vormagen 14 


W. 

Wachstum, Einfluss des Phosphors 
auf das 378 

Wanderleber 168, 340 

Wanderniere (s. auch Ren mobilis) 224, 
300, 354 

Wasserbeschränkung bei Entfettungs¬ 
kuren 4 

Wasserstoffsuperoxyd z. Desinfektion 
123 

Wechselströme s. Teslaströme. 

Weil'sche Krankheit 151 

WerlhoPsche Krankheit s. Morbus 
Werlhofii. 

Widerstandsfähigkeit des Organismus 
gegen Infektionen 291 

Wiederkäuer, Eiweissumsatz bei den¬ 
selben 91 


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XXII 


Würmer, Darmperforation durch 167 
Wurstvergiftung 278, 279, 281 


Z. 

Zahnextraktion, Ageusie nach 357 
Zahnkaries und Anämie 303 
Zentralnervensystem, Schädigungen 
desselben durch Ernährungsstörun¬ 
gen bei Säuglingen 361 
Zimmtsaures Natron 136 
Zucker als Nahrungsmittel 201, 346 
Zuckerausscheidung bei Säuglingen 


Zuckerausscheidung, Einfluss der Ei¬ 
weisskörper auf die 315, 316 
Zuckerbestimmung mit dem Saccharo¬ 
meter 228, 274 

Zuckerbildung aus Eiweiss und Fett 5 
Zucker der Leber $. Leberzucker. 
Zuckerharn s. Diabetes. 

Zuckerprobe 127, 273 
— Einfluss des Kreatinins auf die 27, 
350 

Zuckersäure 3 
Zuckerwirkung 346 
Zungenbelag 212 

Zwerchfellhernie s. Hernia diaphrag- 
matica. 


V 




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Nr. 1 . 


Erstes Mai-Heft 1900 . 


1 . Jahrgang. 


Central bl aff 

für 

Stoffwechsel- & Vertauungs-KranKheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Göttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von P/a—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Zur Sinfübrung. 

Die Bedeutung, welche in den letzten Jahren die Pathologie und 
Therapie der Stoffwechsel- und Verdauungs-Krankheiten gewonnen haben, 
hat naturgemäss eine reiche Fülle von 1 itterarischen Arbeiten erzeugt, die in 
zahlreichen medizinischen Zeitschriften zerstreut veröffentlicht worden sind, 
ohne dass es bis jetzt irgend einer Zeitschrift des In- oder Auslandes ge¬ 
lungen wäre, dem Leser einen vollständigen Überblick über die Fülle der 
neu erscheinenden Arbeiten zu gewährleisten. 

Es galt daher ein unabweisliches Bedürfnis sowohl des 
wissenschaftlich auf diesem Gebiete thätigen Forschers, 
als auch ganz besonders des vielbeschäftigten prak¬ 
tischen Arztes, Spezialisten, Balneologen etc. zu be¬ 
friedigen. 

Um den Anförderungen der für unser Arbeitsgebiet interessierten 
Kreise zu genügen, schien es uns am zweckmässigsten, eine neue Zeitschrift 
zu begründen und zwar in der beliebten Form eines »Centralblattes«. Alle 
irgendwie theoretisch und besonders auch praktisch wichtigen Arbeiten des 
In- und Auslandes über Stoffwechsel- und Verdauungs-Krankheiten sollen 
hier möglichst bald in kurzen, aber doch alles wesentliche wiedergebenden 
Referaten zur Kenntnis des Lesers gebracht werden. Ferner sind für unser 
Centralblatt kleinere Originalarbeiten und vor allem zusammenfassende 
Berichte über den jeweiligen Stand wichtiger Fragen aus dem Gebiete der 
Pathologie und Therapie der Stoffwechselkrankheiten vorgesehen. Wir 
werden den grössten Wert darauf legen, dass der Leser unseres Blattes über 
alle in das Fach schlagenden Arbeiten ein vollständiges und klares Bild erhält. 

Da die Redaktion des »Centralblattes für Stoffwechsel- und Verdauungs- 
Krankheiten« ein ganz besonderes Gewicht darauf legt, die Leser schnell 


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2 


und vollständig zu unterrichten, so werden die Herren Autoren ergebenst 
ersucht, sie hierin durch Übersendung von Sonderabdrücken ihrer Veröffent¬ 
lichungen an die Adresse des Herrn Privatdozenten Dr. Ernst 
Schreiber in Oöttingen freundlichst zu unterstützen. 

Professor Dr. C. von üoorden in Frankfurt a. H. 

Privatdozent Dr. ernst Schreiber in Göttingen. 

Vandenboedt & Ruprecht in Göttingen. 


Original-Hrtikel. 

Ober die Ausscheidung und Entstehung des Acetons. 

Nach einem auf dem XV111. Kongress f. inn. Med. in Wiesbaden, April 1900, 

gehaltenen Vortrage. 

Von 

Dr. Leo Schwarz (Prag). 

Seit der Erkentnis von der Bedeutung der Lungen als Ausscheidungs¬ 
stätte des Acetons lag die Notwendigkeit vor, bei Diabetikern quantitative 
Bestimmungen der ausgeathmeten Acetonmengen vorzunehmen, da nur bei 
gleichzeitiger Berücksichtigung sowohl des im Harne, als des in der Aus- 
athmungsluft erscheinenden Acetons eine komplete Acetonbilanz aufgestellt 
werden kann. 

Zur Bestimmung des Acetongehaltes der Exspirationsluft diente der 
von Johannes Müller angegebene Athmungsapparat. 

Zunächst wurde der Verlauf der Acetonausathmung bei Diabetikern 
während des Tages untersucht. Es stellte sich in den meisten Fällen eine 
grosse Konstanz zu den verschiedenen Tageszeiten heraus. Zuweilen aber 
zeigte sich eine leichte Erhebung in den Vormittags- zuweilen in den ersten 
Nachmittagsstunden. Eine direkte Abhängigkeit von den Mahlzeiten war 
nicht zu konstatieren. 

Die absoluten Mengen ausgeathmeten Acetons sind oft sehr beträcht¬ 
lich. Sie betrugen z. B. in einem fünf Monate lang beobachteten Fall durch¬ 
schnittlich täglich 1,1 gr, in einem anderen Falle war das Tagesmittel aus 
65 tägiger Beobachtung 1,3 g. Der höchste an einem Tage in der Athmung 
gefundene Wert belief sich sogar auf 3,6 g. An diesem Tage wurden im 
Harne 4,2 g Aceton ausgeschieden. 

Das relative Verhältnis zwischen Lungen- und Harn-Aceton ist ab- * 
hängig von der Art des Diabetes. Beim schweren Diabetes wird das Aceton 
im Harne zum Teil in Form einer oxydativen Vorstufe der Acetessigsäure 
ausgeschieden, und diese wird als Aceton mitbestimmt Da nun die Acet¬ 
essigsäure durch die Lungen nicht abgegeben werden kann, so steht natürlich 
den Lungen relativ weniger Aceton zur Abdunstung zur Verfügung. Daher 
ist die Beteiligung der Athmung an der Acetonausscheidung beim schweren 


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3 


Diabetiker relativ gering. Sie beträgt ca. 34 pCt., während beim leichten Dia¬ 
betiker ca. 70 pCt. des Gesamtacetons durch die Lungen den Körper ver¬ 
lassen. 

Bei Gesunden fanden sich im Mittel ca. 0,1 g Aceton in 24 Stunden 
in der Ausathmungsluft. Die Athmungsquote ist gleichfalls ca. 70 pCt. 

Die bekannte Erscheinung, dass durch Zufuhr von Kohlenhydraten 
die Acetonausscheidung vermindert wird, konnte im allgemeinen bestätigt 
und auch für die Athmung erwiesen werden. Allerdings trat in zwei Fällen 
von schwerem Diabetes diese acetonbeschränkende Wirkung der Kohlen¬ 
hydrate nicht auf. 

Die beiden Öxydationsprodukte des Traubenzuckers, die Glycon- 
säure, und die Zuckersäure, setzen die Acetonausscheidung noch stärker 
herab, als der Traubenzucker selbst. 100 g Gluconsäure bedingten einen 
Ausfall von ca. 3,6, 100 g Zuckersäure von ca. 2,0, 100 g Traubenzucker von 
ca. 0,5 g Aceton. Überdies kam durch die genannten Substanzen für ein 
oder mehrere Tage auch die Acetessigsäure und, wie es scheint, in einem 
Falle auch die /S-Oxybuttersäure aus dem Harn zum Verschwinden. 

Die Anschauung, dass das Aceton aus dem Eiweiss herstamme, ist 
durch die neueren Untersuchungen unwahrscheinlich geworden. — Eine neue 
Beobachtung spricht auch gegen die Abhängigkeit der Acetonausscheidung 
von der Grösse des Eiweisszerfalles: Bei einem Diabetiker wurden während 
9 tägiger Kohlenhydratcarenz ca. 27 g Aceton mehr ausgeschieden, als in einer 
Vorperiode bei Kohlenhydratnahrung. Und doch war die Stickstoffausschei¬ 
dung in der zweiten Periode durchaus nicht höher, als vorher. — 

Auf die Möglichkeit, dass die Fette die Quelle des Acetons sein 
könnten, ist von Geelmnyden hingewiesen worden. Seine Versuche an 
Gesunden haben jedoch keine eindeutigen Resultate geliefert. Ebenso war 
bei meinen Untersuchungen, auch unter Mitberücksichtigung der Athmung, 
selbst bei grosser Fettzufuhr eine Zunahme der Acetonausscheidung nicht 
mit Sicherheit festzustellen. 

Hingegen trat bei Diabetikern nach Fettfütterung, namentlich nach 
Butter, regelmässig eine sehr beträchtliche Steigerung der Acetonausscheidung 
ein. Diese war um so grösser, je höher die Acetonausscheidung schon 
vorher gewesen. Sie betrug nach mässigen Buttermengen mehrere Deci- 
gramme bis mehrere Gramme. 

Ähnlich wie die Butter selbst, wirkten auch die Butterseifen und das 
buttersaure Natron. 

Im ganzen sind nach einer ungefähren Berechnung aus ca. 2 1 /* kg 
Butter im diabetischen Organismus ca. 45 g Aceton entstanden. Die in dieser 
Buttermenge enthaltene Menge von ca. 88 g Buttersäure wäre der chemischen 
Konstitution nach mehr als hinreichend, um diese Acetonbildung zu be¬ 
streiten. 

Auf die Art des Überganges von Buttersäure in Aceton kann hier 
nicht näher eingegangen werden. 

Nach diesen Erfahrungen scheint die Acetonausscheidung der Aus¬ 
druck gesteigerten Fettzerfalles im Organismus zu sein. Immer, wenn das 
Calorieen-Bedürfnis nicht durch Kohlenhydrate, sondern ganz oder haupt- 

Nr. 1. 


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4 


sächlich durch Fettverbrennung gedeckt wird, kommt es zur Ausscheidung 
von Aceton, so beim Diabetiker, so beim Gesunden bei Kohlenhydratent¬ 
ziehung und im Hunger. — 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Ebstein, Wilhelm: Zur Behandlung der Fettleibigkeit. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 16. 17.) 

Der Verf. weist auf die Fortschritte hin, welche im 19. Jahrhundert in der 
Behandlung der Fettleibigkeit gemacht worden sind und betont nachdrücklich die 
Unterschiede, welche zwischen einer Abmagerungs- und einer Entfettungskur be¬ 
stehen. Als die rationellste Behandlung der Fettleibigkeit muss entschieden die 
angesprochen werden, wobei die Faktoren zur Anwendung kommen, deren Nicht¬ 
befolgung die Menschen fettleibig gemacht hat. Man wird in jedem einzelnen 
Falle, scharf individualisierend, neben der Muskelthätigkeit, die in entsprechender 
Weise als heilkräftiger Faktor herangezogen werden muss, die Lebensweise auch 
im übrigen so einzurichten haben, dass der Körper das Fett, soweit es für ihn 
vom Übel ist, verliert, aber nichts von seinem Eiweissbestande einbüsst. Dabei 
werden aber beide, die Muskelarbeit und die Ernährung, so geregelt werden 
müssen, dass sie im wesentlichen auch, nachdem das erwünschte Ziel der Be¬ 
handlung erreicht worden ist, mutatis mutandis, d. h. mit gewissen, aus den ver¬ 
änderten Verhältnissen sich ergebenden Modifikationen während des ganzen 
übrigen Lebens fortgesetzt werden können. Verf. weist darauf hin, dass man, 
wie J. P. Hebels Erzählung von dem reichen dicken Amsterdamer lehrt, das er¬ 
strebte Ziel mit sehr einfachen Hilfsmitteln erreichen könne, dass aber die sogen. 
Naturheilanstalten den in dieser Beziehung zu stellenden Forderungen und An¬ 
sprüchen keineswegs gerecht werden. Verf. bespricht dann die einzelnen diä¬ 
tetischen Vorschriften, die bei den sogen. Entfettungskuren in Frage kommen, 
ln erster Reihe bespricht Verf. die fettentziehenden Kuren und deren Typus, die 
sogen. Bantingkur und hebt hervor, dass die auch von den Verehrern der Ban- 
tingkur zugestandenen Mängel für ihn der Grund waren, im Jahre 1882 eine 
andere Methode der Fettleibigkeit vorzuschlagen, welche eine unbeschränkte, sich 
über das ganze Leben des betreffenden Individuums erstreckende Anwendung 
gestattet. Betreffs der Einzelheiten muss auf das Original verwiesen werden, 
besonders auch auf die Ausführungen des Verf. betreffs der Verwertung des 
Pflanzeneiweisses bei der diätischen Behandlung der Fettleibigkeit. Endlich hat der 
Verf. eingehender die Geschichte der wasserentziehenden Kuren zu Entfettungs¬ 
zwecken geschildert und hat schliesslich die Indikationen, die für die Einleitung 
von Entfettungskuren gelten, festgestellt und hat vor den missbräuchlichen An¬ 
wendungen von solchen die Gesundheit schädigenden sogen. Entfettungsmitteln 
nachdrücklich gewarnt. 

Autoreferat. 

v. Noorden: Ober die Indieationen der Wasserbesehränkung bei Ent¬ 
fettungskuren. (Ther. d. Gegenwart, Nr. 4.) 

Die Beschränkung der Getränkezufuhr im Sinne von Oertel und Schwe- 
ninger hat nicht den geringsten unmittelbaren Einfluss auf die Einschmelzung des 
Körperfettes und auf die Erhöhung des Fettumsatzes. Die primäre Abnahme des 
Körpergewichts beruht auf Wasserverlusten aus Blut und Geweben, die bei ge¬ 
fährdeter Herzkraft, als suggestives Hilfsmittel, und zur Bekämpfung der Hidrorrhoe 


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5 


von Fettleibigen therapeutisch herangezogen werden können. Die thatsächlich 
beobachtete dauernde Gewichtsabnahme hängt dagegen nur indirekt von der 
Wasserbeschränkung ab, welche nur in Frage kommt, wenn durch Beseitigung 
etwaiger Zirkulationsstörungen eine bessere Fettverbrennung durch Muskelarbeit 
ermöglicht, oder durch die Verminderung der Flüssigkeitszufuhr die Aufnahme¬ 
fähigkeit des Individuums für andere fettbildende Kost herabgesetzt werden soll. 
Ausser bei diesen besonderen Indikationen hält v. N. die Wasserbeschränkung für 
eine überflüssige Quälerei der Patienten. 

Fraenckel (Göttingen). 


Lüthje, H.: Stoffweehselversueh an einem Diabetiker, mit spezieller Be¬ 
rücksichtigung der Frage der Zuekerbildung aus Eiweiss und Fett. 

(Ztschr. f. Kl. Med., Bd. 39, H. 5. 6.) 

Die Stoffwechselversuche, deren Resultate nur kurz wiedergegeben werden 
können, sind an einem 22 jährigen an Diabetes leidenden Bergmanne angestellt. 

Es gelang in diesem Falle dem Verfasser nicht durch Zuführung von 
Pankreas Pentosurie zu erzeugen, ohne dass damit ausgeschlossen werden soll, 
dass das Pankreasnukleoproteid unter Umständen nicht bei seiner Spaltung im 
Organismus ein pentosenartiges Kohlenhydrat liefern kann. Bei der Frage über 
die Abstammung der Oxalsäure im Organismus tritt der Verf. auf Grund seiner 
Versuche der Ansicht über Entstehung der Oxalsäure aus der Harnsäure entgegen 
und erkennt ferner die Annahme der Möglichkeit einer alimentären Oxalurie als 
berechtigt an. Bei der Prüfung der Beziehungen zwischen der Zuckerausscheidung 
und den verschiedenen Eiweissarten resp. tierischen Geweben stellt sich eine 
Ungleichwertigkeit heraus, und zwar erscheint die Zuckerausscheidung nach Casein- 
und Pankreasnahrung höher als nach solcher von Rindfleisch, Eiereiweiss und Kalbs¬ 
thymus, und bei Rindfleischnahrung wiederum stärker als bei Eiereiweisskost. Eine 
bestimmte Erklärung für die quantitative Verschiedenheit der Zuckerausscheidung 
wird nicht gegeben. 

Die bei diesem Diabetiker mit Fettnahrung erzielten Versuchsergebnisse 
sprechen, wie auch von anderen Autoren konstatiert werden konnte, dafür, dass 
in vielen Fällen von genuinem und experimentellem Diabetes aus Fett kein 
Zucker gebildet wird. 

Die bereits von anderer Seite geführte Widerlegung der früher aufgestellten 
Behauptung, dass die Oxydationsenergie beim Diabetiker herabgesetzt ist, findet 
in den bei diesen Versuchen gefundenen Zahlenwerten eine weitere Stütze; ferner 
zeigt sich übereinstimmend mit dem Befunde anderer, dass der Eiweissumsatz 
beim Diabetes keine Steigerung erfährt. 

Die Resorption des N und des Fettes bewegt sich in diesem Falle in 
normalen Grenzen; bei der Aufstellung der N-Bilanz finden sich aber merkwürdige 
Resultate, da nämlich während der ganzen Versuchszeit eine erhebliche N-Reten- 
tion stattgefunden hat. 

Die Ammoniakausscheidung ist durchweg eine über das normale Mass 
hinausgehende. Da die NH. r Ausscheidung mit der des N in dieser Versuchsreihe 
parallel verläuft, so nimmt der Verf. an, dass an den Tagen mit hoher NH 3 -Aus- 
scheidung das aus dem grösseren Eiweissumsatz resultierende Plus von H a S0 4 
und P 2 0 6 in erster Linie die Vermehrung des NH a bedingt habe. Acetessigsäure 
und ^-Oxybuttersäure können, da sie nie auftraten, nicht in Frage kommen. 

Die Phosphorsäuremenge erreichte an Tagen, an denen sehr nukleinreiche 
Nahrung verabfolgt war, zuweilen eine bedeutende Höhe, ebenso die Harnsäure 
an Tagen mit Pankreasfütterung (6,7! pro die). 

Hagenberg (Göttingen). 


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6 


Bouchard et Desgrez: Sur la transformation de la graisse en glycogöne 
dans 1’organisme. (La semaine med., S. 114.) 

Wie schon früher von B. auf experimentellem Wege nachgewiesen war 
(La semaine m&L, 1898, S. 423), rührt die Gewichtsvermehrung, die bei im Zu¬ 
stande der Inanition gehaltenen Tieren zuweilen beobachtet werden und bis 40 gr 
im Verlauf einer Stunde betragen kann, von einer unvollkommenen Oxydation des 
Fettes und zwar Umwandlung desselben in Glykogen her. Neuere diesbezügliche 
Versuche zeigen nun, dass es sich nicht um Leberglykogen handelt. Während 
nämlich bei ausschliesslicher Fettnährung nach vorausgegangener Inanition der 
Glykogengehalt der Leber noch weiter sinkt, nimmt der Glykogengehalt der 
Muskeln wieder zu, woraus zu schliessen ist, dass das Fett eine Quelle für das 
Muskelglykogen bildet. Letzteres entsteht demnach nicht allein aus dem Blutzucker, 
sondern ausserdem noch - und nicht zum kleinsten Teil -- aus dem Fett durch 
unvollkommene Oxydation. 

Schade (Göttingen). 

Hoppe-Seyler, 0.: Ober die Glycosurie der Vaganten. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 16.) 

Bei einer Anzahl von Leuten, welche längere Zeit ein unstetes, unregel¬ 
mässiges Leben geführt, sich unzureichend ernährt und gleichzeitig körperlich an¬ 
gestrengt hatten, fand sich bei der Aufnahme in das Krankenhaus eine geringe 
Glycosurie, die nach kurzer Bettruhe verschwand und auch in der Folge auf ali¬ 
mentärem Wege (kohlenhydratreiche Kost oder e saccharo) nicht mehr zu er¬ 
zielen war. 

Unter Ausschluss anderer ätiologisch in Betracht kommender Faktoren 
(Trauma, akuter Alkoholismus, Krämpfe etc.) ist es am wahrscheinlichsten, dass 
vor Allem infolge länger dauernder Unterernährung analog den am Tier experi¬ 
mentell erzeugten Glycosurieen in den Versuchen Hofmeisters — eine Schädigung 
des Parenchyms der Organe des Verdauungstractus und seiner Adnexe ursächlich 
in Betracht zu ziehen ist. Insbesondere ist an pathologische Veränderungen (Cir- 
kulationsstörungen, interstitielle und parenchymatöse Erkrankungen) der Leber und 
des Pankreas zu denken. 

Pickardt (Berlin). 

Rusehhaupt, W.: Ober Aeetonglykosurie. Aus dem pharmakolog. Institut zu 
Heidelberg. (Archiv f. exp. Pathologie u. Pharmak., Bd. 44, H. 1. 2.) 

Durch Einführung von Aceton in den tierischen Organismus gelingt es 
Glykosurie zu erzeugen, und zwar gelingt es am besten, wenn man das Versuchs¬ 
tier in einer konstanten Acetonatmosphäre hält. Es kommt dabei eine völlige 
Narkose zustande. Das Auftreten von Zucker ist abhängig von der Dauer der 
Einwirkung. Die Dauer und Stärke der Glykosurie stehen dabei im geraden Ver¬ 
hältnis zur Menge des Acetons. Auch durch subkutane und intravenöse Injektion 
kann man zum Ziele gelangen, doch sind öfters wiederholte, nicht zu grosse 
Dosen dabei zu verabreichen. Bei der Untersuchung der Frage über das Zu¬ 
standekommen der Aeetonglykosurie kommt der Verf. zu folgenden Resultaten. 
In allen Fällen dieser Glykosurie ist der Zuckergehalt des Blutes vermehrt. Ein 
rasches Abnehmen des Glykogengehaltes der Leber lässt sich während der Glyko¬ 
surie nicht nachweisen, so dass also dies die Quelle für den Zucker nicht sein 
kann. Der Hamzucker muss aber den Kohlehydratvorräten des Organismus des¬ 
halb entstammen, weil bei den im Hungerzustande befindlichen, mit Aceton ver¬ 
gifteten Tieren der Zuckergehalt im Urin parallel der Verarmung des Organismus 
an Glykogen einhergeht. Die Erörterung der Frage, bei welchem Gehalte des 
Harnes und Blutes an Aceton die Glykosurie auftritt, führt mit Rücksicht auf die 
von Magnus Levy beobachteten Acetonmengen im Blute Comatöser zur Ver- 


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mutung, dass die Acetonämie im diabetischen Coma beim Menschen ihrerseits 
auf eine schon bestehende diabetische Glykosurie noch einen die Zuckeraus¬ 
scheidung vermehrenden Einfluss ausüben könnte. Zum Schlüsse werden noch 
Versuche mit Einatmungen von Ätherdämpfen und Essigester mitgeteilt. 

Hagenberg (Göttingen). 

Bial, M. : Ober Pentosurie. A. d. Labor, d. I. med. Klinik zu Berlin u. d. med. 

Universitätsklinik zu Breslau. (Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 39.) 

Der Verf. teilt 2 Fälle von Pentosurie mit, bei denen es sich nicht um 
einen alimentären Zustand, sondern um chronische Prozesse handelt. Folgende 
zur Charakterisierung der Pentosen geeignete Reaktionen werden dabei erörtert. 

Der Urin zeigt beim Kochen mit Fehlingscher Lösung ein nicht unerheb¬ 
liches Reduktionsvermögen; jedoch unterscheidet sich die Reaktion von der bei 
Zuckerurinen auftretenden dadurch, dass der Farbenumschlag erst geraume Zeit 
nach dem Kochen, aber dann wie in einem Schuss durch die ganze Flüssigkeit 
eintritt. Die Titration mit Fehlingscher Lösung begegnet gewissen Schwierigkeiten, 
dagegen ist die Knappsche Titration mit Vorteil verwendbar. 

Der Pentose enthaltende Urin zeigt keine Polarisationsfähigkeit; ebenso 
ist eine Gärungsfähigkeit desselben nicht nachweisbar. 

Durch Kochen von pentosehaltigem Material mit HCl und Phloroglucin 
entsteht eine kirschrote Färbung; doch ist diese Reaktion zum Nachweise einer 
Pentosurie nicht geeignet, da schon minimale Spuren, wie sie fast in jedem Urin 
normaler Weise Vorkommen, dadurch angezeigt werden. Von grösserer Wichtig¬ 
keit ist die Orcinprobe, welche auf dem Nachweise des Furfurols durch die Grün¬ 
färbung mit Orcin beruht. Den sichersten Nachweis giebt die Phenylhydracin- 
reaktion, indem die Osazone dargestellt werden, an denen wiederum noch mit 
positiven Erfolge die Orcinreaktion angestellt werden kann. 

Hagenberg (Göttingen). 

Bauermeister, W.: Zur Casuistik des pankreatogenen Diabetes. 

(Arch. f. Verdauungs-Kr., Bd. 6, H. 1.) 

B. constatierte in einem Falle von starkem Ikterus neben schlechter Fett¬ 
resorption verminderte Fettspaltung und herabgesetzte Eiweiss-Muskelverdauung. 
Er schloss daraus auf eine gleichzeitige Verlegung der Ductus choledochus und 
pancreaticus, und nahm per exclusionem eine interstitielle Pancreatitis im Kopf¬ 
teile an. Der Urin reducierte wohl stärker als normal und enthielt Pentosen (als 
Osazone nachgewiesen), aber keinen Traubenzucker. Dagegen war die Assimila¬ 
tionsgrenze für Rohrzucker deutlich herabgesetzt. Als besonders interessant ist 
hervorgehoben, dass der Patient nach Monaten mit ausgebreiteter Furunculose und 
deutlicher Zuckerreaktion wiederkam, so dass hier vielleicht »dem Manifestwerden 
des Diabetes ein Stadium der Latenz vorherging, wo sich in der Sphäre der phy¬ 
siologischen Pankreasfunktion Ereignisse abspielten, die den Ausbruch des Dia¬ 
betes vorbereiteten«. 

Fraenckel (Göttingen). 

Leichtenstern: Ober Kehlkopferkrankungen im Verlaufe des Diabetes (Laryngitis diabe¬ 
tica). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 16. 17.) 

Aus den hinterlassenen Papieren des jüngst verstorbenen Klinikers wird 
vorliegende Arbeit, deren Skizzierung schon ein Decennium zurückliegt, der Öffent¬ 
lichkeit übergeben. L. zeichnet darin ein seiner Auffassung nach spezifisches 
Bild einer besonders im Beginn des Diabetes auftretenden Affektion von 
Laiynx und Phaiynx, deren hauptsächlichstes subjektives Symptom ein mit einer 
leichten Ermüdbarkeit der Stimme vergesellschaftetes Gefühl von Trockenheit — 
Laiyngo- bez, Pharyngoxerosis — ist. Objektiv ist lokal entweder garnichts oder 


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nur ein trockener Glanz und Glätte der Pharynxschleimhaut bez. der Stimmbänder 
zu konstatieren, die Folge einer Hyposekretion als Konsequenz des verminderten 
Wassergehalts, die auch bei grossen Feuchtigkeitsverlusten des Körpers (Diarrhöen, 
Schweisse, Blutungen) zu gleichem anatomischen Bilde führt. Für die diabetischen 
Fälle allerdings nimmt Verf. eine direkte oder reflektorische Störung eines am 
Boden der Rautengrube — neben dem Zuckerstichcentrum - supponierten Cen¬ 
trums für die Erregung der schleimbereitenden Drüsen als ätiologisches Mofnent 
in Anspruch. 

Die gewöhnlichen Symptome — abgesehen von der Glykosurie — waren 
in L.s Fällen auffallend gering entwickelt; die Zuckerausscheidung war leicht zu 
unterdrücken bez. herabzusetzen, und in gleichem Masse schwanden auch die Be¬ 
schwerden in Rachen und Kehlkopf. 

Eine weitere von L. — unter 412 Diabetesfällen nur zweimal - beob¬ 
achtete Affektion ist die von ihm benannte Furunculosis diabetica laryngis< d. i. 
eine fieberlos verlaufende, akut auftretende Affektion des Kehlkopfs, die, unter 
dem Bilde eines umschriebenen Oedems, rasch in Abscedierung übergeht und 
wechselnd an verschiedenen Regionen des Organs hintereinander sich zeigt. Das 
Allgemeinbefinden ist wenig gestört. Tuberkelbazillen fanden sich im Abscesseiter 
nicht. Prädisponierend sind akute Larynxkatarrhe, so dass also hier bei Zucker¬ 
kranken vorgebeugt werden kann und muss. Pathogenetisch erscheint die Aus¬ 
scheidung etwaiger bei Diabetikern im Blut kreisender Toxine nicht ausgeschlossen. 

Pickardt (Berlin). 


His, W.: Schicksal und Wirkungen des sauren harnsauren Natrons in 
Bauch- und Gelenkhfthle des Kaninchens. 

(Deutsch. Archiv f. klin. Mediz., Bd. 67, H. 1. 2.) 

Die Arbeit ist eine Fortsetzung der früher an gleicher Stelle mitgeteilten 
Versuche von Freudweiler. Um die Wirkungen und Schicksale des hamsauren 
Salzes im Tierkörper festzustellen, wurde die Methode der Injektion von Salzauf¬ 
schwemmungen gewählt, weil die Versuchstiere im Gegensatz zu den bei Vögeln 
geübten Ureteren-Unterbindungen am Leben bleiben und dadurch ein schrittweises 
Verfolgen der Entzündungs- und Rückbildungsvorgänge gestatten. Die Haupt¬ 
resultate der an interessanten Einzelheiten reichen und mit zahlreichen Abbildungen 
versehenen Arbeit werden von H. in folgenden Sätzen zusammengefasst: 1) Saures 
harnsaures Natron, in Bauchhöhle und Gelenk von Kaninchen eingespritzt, erzeugt 
eine mit Nekrose einhergehende Entzündung. Diese unterscheidet sich von der 
durch indifferente Fremdkörper hervorgerufenen durch früheren Beginn, grössere 
Intensität und Ausdehnung, und durch das Übergreifen der Nekrose auf benach¬ 
barte Teile. Bei Injektion ins Gelenk bleibt der Knorpel intakt, die Synovialis und 
das periartikuläre Gewebe verfallen der Entzündung. 2) Das saure hamsaure 
Natron wirkt teils als Fremdkörper, teils als schwaches Gewebegift. Die Gift¬ 
wirkung kommt der Lösung des Salzes zu. 3) Innerhalb des Körpers kann 
amorphes Salz in Kiystallisation übergehen. 4) Selbst grössere Mengen von Urat 
werden aus Bauch- und Gelenkhöhle in spätestens 8—10 Tagen resorbiert. An 
deren Entfernung beteiligen sich in ausgedehnter Weise Phagocyten: ein- und 
mehrkernige Lenkocyten, Granulations- und Riesenzellen. Innerhalb dieser Zellen 
wird das hamsaure Salz rasch zerstört; in den regionären Lymphdrüsen ist es 
nicht mehr nachzuweisen. 5) Es ist wahrscheinlich, dass bei frischer menschlicher 
Gicht dieselben Vorgänge sich abspielen, dass aber bei der chronischen Gicht die 
Reaktionsfähigkeit des Organismus herabgesetzt ist. 6) Bei künftigen Autopsieen 
Gichtkranker ist auf die Veränderung frisch entzündeter Teile zu achten, und 
bei therapeutischem Vorgehen sind neben den chemischen auch die vitalen 
Vorgänge zu berücksichtigen. — 

Damit ist die Ebstein’sche Anschauung von der Giftigkeit der gelösten 


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Harnsäure für das Gewebe, welche wiederholt — auch von H. — angefochten ist, 
aufs Neue als richtig erwiesen. 

Zaudy (Göttingen). 

Goeppert, F.: Ober Harnsäureausseheidung. 

(jahrb. f. Kinderheilk. u. phys. Erz., Bd. 51, H. 3. 4.) 

Verf. untersucht die theoretischen Grundlagen für den in Deutschland fast un¬ 
bekannten Krankheitsbegriff der Urat-Diathese des Kindes. Ausser Anamnese bilden 
dabei Blut- und Harnuntersuchungen die wichtigsten Anhaltspunkte. Verf. beschäftigt 
sich mit den letzteren und stellt aus der Litteratur gesammelte und von ihm selbst 
gemachte Beobachtungen über die Harnsäureausscheidung bei normalen Kindern 
in Tabellen zusammen. Für die Deutung der so gewbnnenen Resultate ist aber 
wieder nötig zu konstatieren, was über die Harnsäureausscheidung des gesunden 
Menschen überhaupt bekannt ist. ln zahlreichen Tabellen wird dann ein Teil 
des grossen, kritisch gesichteten Materials wiedergegeben und das Facit etwa in 
folgende Hauptsätze gefasst: Jedem Nahrungsmittel entspricht ein gewisser 

Ges.-N 

Faktor — T • D* dieser bei Fleisch und Vegetabilien meist nicht sehr diffe- 
UN 

riert, so folgt im Allgemeinen die Harnsäure- der Stickstoffausscheidung. Sehr 
viel mehr Ü-bildende Wirkung, als ihrem N-Gehalt entspricht, haben dagegen 
Kalbsthymus, Nuclein u. s. w. Dagegen ist die relative U-Bildung bei Eier-, viel¬ 
leicht auch bei Milchnahrung und einigen Eiweisspräparaten geringer als bei ge¬ 
mischter Nahrung mit gleichem N-Gehalt. Die N-freien Nahrungs- und Genuss¬ 
mittel haben auf die U-Bildung nur Einfluss entsprechend ihrer Wirkung auf den 

Ges.-N 

N-StoffWechsel, verändern daher den Faktor -- nicht. Mässiger N-Ansatz 

UN 

oder -Verlust scheint jenen Faktor nicht erheblich zu ändern. — Im 2. Teil der 
Arbeit werden Tabellen gegeben über U-Ausscheidung bei verschiedenen Individuen 
mit gleicher Diät und 1) gleicher 2) verschiedener Harnstickstoffausscheidung, 
ferner über die U-Menge desselben Individuums bei verschiedener Nahrung, nach 
körperlicher Arbeit und nach Bädern. Die vom Verf. angestellten Versuche an 
Kindern ergaben, dass man von Normalzahlen der U für das Kindesalter überhaupt 
nicht reden kann. Nur unter Einhaltung ganz besonderer Bedingungen in der 
Nahrungsmischung ist es möglich eine pathologische Vermehrung oder Verminde¬ 
rung der Ü zu erkennen. Es folgen dann noch Untersuchungen über das Ver¬ 
halten der Ü bei Nephritis und cyklischer Albuminurie und endlich bei Gicht und 
gichtischer Anlage im Kindesalter, an welche eigene Versuche an 2 abnorm fetten 
Knaben angeschlossen sind, in deren Familie sogen. Konstitutionskrankheiten be¬ 
stehen. Als Hauptsache ergab sich bei beiden eine geringe Mehrausscheidung von U- 
Die Aufstellung eines eignen Krankheitsbildes, durch welches die gichtische An¬ 
lage bei Kindern gekennzeichnet ist, scheint aber in keiner Weise gerechtfertigt. 
— Hinsichtlich zahlreicher interessanter Einzelheiten muss auf die Arbeit selbst 
verwiesen werden. [Hier sei noch die Bemerkung gestattet, dass die dem Verf. 
nicht zugänglich gewesene Arbeit »Zur Wirkung der Offenbacher Kaiser Friedrich 
Quelle« (Zeitschr. f. diät. u. physikal. Therapie) von Schreiber und dem Ref., 
(nicht Waldvogel, wie G. angiebt) verfasst ist]. 

Zaudy (Göttingen). 

Blumenthal, F. und Lewin: Ober Sidonal. 

Laborat. d. I. med. Klin. zu Berlin. (Therapie der Gegenwart, Nr. 4). 

In dem Sidonal sind 2 Stoffe vereinigt, von denen das eine, das Piperazin, 
eine Harnsäure lösende Wirkung zeigt, das andere, die Chinasäure, die Bildung 


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und Ausscheidung der Harnsäure herabzusetzen vermag. Von diesem Präparate 
gaben die Verf. tgl. 5,0^8,0 in Lösung und bestimmten die Ham- und Hippur¬ 
säureausscheidung, wobei sie fanden, dass nach Einführung des Mittels die Harn¬ 
säurebildung geringer wurde, die der Hippursäure dagegen anstieg. Sie kommen 
daher zu dem Schlüsse, dass einerseits unter dem Einflüsse der Chinasäure die 
Bildung von Harnsäure gehemmt, dass anderseits an deren Stelle Hippur¬ 
säure gebildet wird. 

. Hagenberg (Göttingen). 

Schlayer: Erfahrungen über Sidonal bei Gicht (Therapie der Gegenwart, Nr. 5.) 

Verf. hat das Sidonal (chinasaures Piperapin) in 6 Fällen von hamsaurer 
Diathese angewandt. 

Das Mittel, je 2 g morgens und abends genommen, wurde, ohne alle Neben¬ 
erscheinungen, gut vertragen, und übereinstimmend wurde eine Besserung der Be¬ 
schwerden angegeben. Objektiv war eine Abnahme der Schwellungen und der 
Tophi festzustellen. Die Diurese schien sich manchmal zu heben. 

Zwei (!) quantitative Analysen zeigen eine Verminderung der Harnsäure im 
Körper, welche von 0,75 resp. 0,67 g im Liter Urin nach mehrwöchentlichem Ge¬ 
brauche bei ganz gleicher Lebensweise auf 0,45 resp. 0,38 im Liter sank. 

Etwas Beweisendes liegt doch wohl kaum in diesen beiden (!), in mehr¬ 
wöchentlichen Zwischenräumen ausgeführten Harnsäurebestimmungen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Friedeberg: Einige Bemerkungen über Aspirin. (Centralbl. f. inn. Med., Nr. 15). 

F. teilt unter Anführung mehrerer Krankengeschichten seine Erfahrungen 
über die Acetylsalicylsäure, das Aspirin, mit, von dem er günstige Erfolge beim 
acuten Gelenkrheumatismus gesehen hat, weniger beim chronischen und bei Gicht. 
Mit entschiedenem Vorteil wurde dasselbe bei neuralgischen Affektionen ange¬ 
wandt; ausgezeichnete Dienste that es bei Pleuritis bezüglich der Resorption 
seröser Exsudate. Besonders wird die Eigenschaft gerühmt, dass weder Magen¬ 
beschwerden, noch Ohrensausen, noch Schwindel sich bei Anwendung dieses 
Medikaments einstellen. Leider ist das Präparat zur Zeit noch zu teuer, um bei 
weniger gut situierten Leuten angewandt werden zu können. 

Hagenberg (Göttingen). 

Klemperer, G.: Kritisches über Gicht-Heilmittel. (Therap. d. Gegenw., Nr. 4). 

Mit Rücksicht auf die von F. Blumenthal und Lewin angestellte Versuchs¬ 
reihe über Sidonal betont der Verf., dass es ihm höchst wahrscheinlich sei, dass 
die Vermehrung der Harnsäure bei der Gicht nur ein sekundäres und nebensäch¬ 
liches Moment sei, und dass er keinen Vorteil darin erblicken kann, wenn man 
darauf ausgeht, die Harnsäure zu vermindern. Erweisen sich aber die praktischen 
Erfolge mit der Anwendung von Sidonal günstig, so ist diese Theorie natürlich 
zu revidieren. 

Hagenberg (Göttingen). 

Loewi, J.: Beiträge zur Kenntnis des Nueleinstoffwechsels. 

(Arch. f. exp. Path. u. Pharm., Nr. 44, S. 1.) 

Der Frage, wieviel Harnsäure aus dem Nahrungsnuclein entsteht und ob 
sie unvermindert oder nur nach Zerstörung eines Teils im Harn erscheint, ist L. 
in der Weise näher getreten, dass er an völlig gleichgenährte Personen nuclein- 
reiche Stoffe verfütterte und dann im Urin das Verhältnis der mehrausgeschiedenen 
Harnsäure zur mehrausgeschiedenen Phosphorsäure bestimmte, wobei die Phos¬ 
phorsäure als Mass des Nudeinzerfalls galt. Ferner wurde untersucht, ob sich 


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das Mischungsverhältnis der N-haltigen Harnbestandteile bei nucleinreicher Nah¬ 
rung ändert. Ergebnisse: 

Nach Fütterung mit nucleinreicher Kost tritt die ihr entstammende Harn¬ 
säure und Phosphorsäure bei verschiedenen Menschen in demselben Verhältnis 
aus. Daraus ist mit grosser Wahrscheinlichkeit zu schliessen, dass die im Körper 
entstehende Harnsäure nicht zerstört wird und vollständig zur Ausscheidung ge¬ 
langt. — Gleichgenährte Menschen in gleichen Stoffwechselverhältnissen scheiden 
dieselbe Harnsäuremenge aus; die Harnsäureausscheidung ist demnach in der 
Norm allein von der Nahrung abhängig. — Die Verteilung der Phosphorsäure auf 
Harn und Kot ist in der Norm allein von der Art der Nahrung abhängig. — Nach 
Fütterung in Thymus tritt entweder einer der normalen Componenten des sog. 

Stickstoffrestes« in vermehrter Menge im Urin auf oder es erscheint ein noch 
unbekanntes spezifisches Endprodukt des Nuclemzerfalls. — Nach Fütterung mit 
nucleinreicher Kost tritt beim Menschen kein Allantoin im Urin auf (nach eigener 
Methode bestimmt). 

Fraenckel (Göttingen). 

Michaelis, L.: Klinische Beobachtungen über die Ammoniakausscheidung 
durch den Harn. Krankenhaus Gitschinerstrasse, Berlin. 

(Deutsch, med. Woch., Nr. 17.) 

Die NH a -Ausscheidung durch den Harn beträgt in der Norm 4,1—4,6 % 
des Gesamt-N.; unter pathologischen Verhältnissen kann sie Erhöht sein. Eine 
neue Ursache dafür entdeckte M. in schweren Circulationsstörungen. Er fand 
sowohl bei uncompensierten Klappenfehlern und Myodegeneratio cordis als auch bei 
Stauungen im Gefolge anderer Krankheiten (arthritische Peri- und Endocarditis, 
Nephritis) abnorm hohe NH 3 -werte, bis zu 28,0 und 32,2 °/ 0 . Da man experimen¬ 
tell durch O-mangel die NH 8 -ausscheidung steigen sieht, läge auch hier die Er¬ 
klärung durch die verminderte O-zufuhr nahe, umsomehr als M. bei einer Kranken 
mit Bronchialasthma den NH 3 -Wert während des Anfalls ebenfalls deutlich erhöht, 
nach dem Anfall normal gross gefunden hat. 

Fraenckel (Göttingen). 

Podusehka, R.: Quantitative Versuche über Allantoinausscheidung. 

(Arch. f. exp. Path. u. Pharm., Bd. 44, S. 59.) 

Verf. bestimmt das Allantoin im Harn nach der folgenden auf Fällbarkeit des 
Allantoinsilbers durch Ammoniak beruhenden Methode. 50—100 ccm Ham werden 
mit basischem Bleiacetat gefällt, ein gemessenes Volumen des Filtrats mit concen- 
trierter Natriumsulfatlösung von überschüssigem Blei befreit und filtriert. Von 
letzterem Filtrat wird wieder ein gemessenes Volumen mit 20—30 ccm einer 5—10 % 
Silbernitratlösung gefällt. Das Filtrat wird abgemessen und darf mit Silbernitrat 
keinen Niederschlag mehr geben. Nun wird tropfenweise eine sehr verdünnte 
Ammoniaklösung zugesetzt (auf 50 ccm Ausgangsharn 2 ccm einer 1 % NH S - 
Lösung) und 50—100 ccm AgNO a -Lösung neuerdings hinzugefügt. Bei Anwesen¬ 
heit von Allantoin entsteht ein weisser grossflockiger Niederschlag, der gewöhnlich 
noch zunimmt und sich zu Boden senkt; ist kein oder sehr wenig Alantoin vor¬ 
handen, so bildet sich nur eine spärliche Trübung von Silberoxyd und es tritt bald 
stärkere Reduktion ein. Der Allantoinniederschlag kommt auf ein Saugfilter, wird 
mit 1 % Natriumsulfatlösung ammoniakfrei gewaschen, in ein Oxydationskölbchen 
gespült und der N-Bestimmung nach Kjeldahl unterworfen. 1 ccm verbrauchter 
N 

jq HCl entspricht 0,0039 g Allantoin; die gefundenen Werte werden auf das ur¬ 
sprüngliche Harnvolumen umgerechnet. 

Die Brauchbarkeit des Verfahrens wprde dadurch erprobt, dass dem Harn 
von Menschen und Hunden zugesetztes Allantoin zu 93—100 % wiedergefunden 


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wurde. Da auch normaler Urin nach der Methode einen minimalen, bisher noch 
nicht als Allantoin identifizierten N-Niederschlag giebt, muss dieser in Vorver¬ 
suchen bestimmt und dann nach der Allantoinzugabe bezw. nach der Vergiftung 
die Differenz ermittelt werden. 

Versuchsergebnisse: 1) die Allantoinausscheidung bei Hunden sinkt im 
Hungerzustande; 

2) zugefüttertes Allantoin wird vom Hunde fast unverändert wieder aus¬ 
geschieden, 

3) vom Menschen dagegen nur zum Teil (30 und 50 °/ 0 ); 

4) verfütterte Harnsäure macht keine Allantoinzunahme beim Hunde; 
Harnsäure wird also beim Hunde nicht unter Allantoinbildung zersetzt. 

5) Die von Borissow entdeckte Allantoinausscheidung nach Hydrazinver- 
giftung von Hunden wurde bestätigt; das Maximum lag im 3. Tage nach der sub¬ 
kutanen Injektion. Eine Erklärnng dieser Ausscheidung kann auch P. nicht geben, 
jedenfalls aber ist nach 4) die Annahme Borissows unhaltbar, dass es sich um eine 
Hemmung der Harnsäurezersetzung und Ausscheidung eines Zwischenproduktes 
handle. 

Fraenekel (Oöttingen). 

Pierallini, 0.: Ober alimentäre Oxalurie. Aus d. ehern. Labor, d. path. Inst, in 
Berlin. (Virch. Arch., Bd. 160, H. 1, S. 173.) 

P. hat unter Sa 1 kowskis Leitung die von letzterem angegebene neue Me¬ 
thode der Oxalsäurebestimmung im Harn mittels Ätherextraktion bei Fütterungs¬ 
versuchen mit Oxalsäure und deren Salzen und ferner bei der Analyse oxalat¬ 
reicher Vegetabilien angewendet. Bei normaler gleichmässiger Kost, die nicht 
näher bezeichnet ist, fand er im Urin relativ gesunder Frauen von Spuren bis zu 
6 mg Oxalsäure in 24 Stunden, wobei die individuelle Ausscheidung ziemlich 
konstant blieb. Kleine Mengen reiner Oxalsäure (0,02; 0,15 g) erschienen fast 
vollständig im Harn; oxalsaurer Kalk steigerte wohl auch die Oxalsäureausschei¬ 
dung im Urin, aber in relativ weit geringerem Masse. In 100 g gekochtem Spinat 
fanden sich 0,016 g Oxalsäure in Form unlöslicher, und 0,272 g in Form löslicher 
Salze, zusammen also 2,88°/oo> was mit den Zahlen von Abeies und Dunlop ziem¬ 
lich übereinstimmt. In Theeinfus wurden 3,15—3,34 °/ 00 der trockenen Blätter Oxal¬ 
säure nachgewiesen. Fütterung mit diesen Stoffen ergab deutliche Vermehrung der 
Oxalsäureausscheidung. P. schliesst aus diesen Untersuchungen, dass die reine 
Oxalsäure, in kleinen Mengen zugeführt, gut, die löslichen und unlöslichen Oxa¬ 
late teilweise, die letzten in geringerem Grade resorbiert werden, dass sie unter 
der Form des Kalkoxalat im Harn zu finden sind und dass ihre Mengen in einigen 
Nahrungsmitteln genügend sind, um eine Zunahme der Ausscheidung zu veran¬ 
lassen. 

Fraenckel (Göttingen). 

von Boltenstem, 0.: Die Nährmittelfrage im letzten Jahre. 

(Die ärztliche Praxis, Nr. 7.) 

v. Boltenstern unterzieht die Fortschritte, die im letzten Jahre auf 
dem Gebiet der Nahrungsmittelpräparate gemacht worden sind, einer kritischen 
Besprechung. Der Fleischsaft Puro ist den 3 hauptsächlichsten Fleischsäften des 
Handels: Valentine, Brano und Arno durch seinen höheren Eiweissgehalt (33 %) 
bei ungefähr gleichem Gehalt an Fleischbasen und Salzen überlegen. Puro 
zeichnet sich ausserdem durch den Geschmack vor den 3 anderen Fleischsäften 
aus. Das sandige Gefühl, welches der Genuss von Tropon hinterlässt, ist durch 
äusserst feine Mahlung möglichst beschränkt. Ein Mangel des Tropons, das 
sich wegen seines hohen Eiweissgehaltes bei guter Resorbierbarkeit für die 
Zwecke der Krankenernährung und wegen des niedrigen Preises bei unbe¬ 
grenzter Haltbarkeit für die Zwecke der Massenernährung eignet, ist das Fehlen 


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von Kohlehydraten. Dem soll die Mischung des Tropons mit Sano, einem in der 
Hitze leicht dextrinierten gut resorbierbaren Gerstenmehl, abhelfen: Tropon-Sano 
und Tropon-Kindermehl mit 25% resp. 18% Sano. Diese Präparate sind 
ausserdem im Gegensatz zu Tropon in Wasser nahezu löslich. Das Nährsalz- 
Tropon verbindet mit den Eigenschaften des Tropons die der physiologischen 
Nährsalze. Das Sanatogen, ein Casein-Praeparat, bietet infolge seines Gehaltes 
an glycerinphosphorsaurem Natron besonders günstige Assimilationsverhältnisse dar. 
Nach klinischen Berichten wurde das Präparat gerne genommen und gut vertragen. 
Das Plasmon, aus Milchcasein und doppeltkohlensaurem Natron gewonnen, ist 
gleich dem Sanatogen geruch- und geschmacklos. Es zeigte in Resorptionsver¬ 
suchen bessere Ausnutzung als das Eiweiss gemischter Nahrung. Der Fleisch¬ 
ansatz war bei Ernährung mit Plasmon beträchtlicher als bei Fleischnahrung. Es 
eignet sich gleich dem Tropon für die Zwecke der Massenernährung. Die Al- 
carnose zeigte bisher Mängel, die in dem Einschluss des extraktförmigen Präpa¬ 
rates in Gelatinekapseln, wodurch die Lösung in Wasser einen faden Beige¬ 
schmack gewann, und in dem Fehlen des Fettes in dem Nahrungsgemisch be¬ 
standen. Das Präparat wird jetzt in vollkommen trockenem Zustande hergestellt, 
und durch ein besonderes Verfahren ist dem Pulver Fett in fein emulgiertem Zu¬ 
stand beigemengt, so dass das Präparat nunmehr eine Nahrung darstellt, die neben 
Eiweiss Fett, Kohlehydrate und Salze im physiologischen Mischungsverhältnis und 
in leicht resorbierbarem Zustand enthält. 

Strauss (Frankfurt a. M.). 

Gautier, A.: Influenee des diverses pröparations dörivöes de la viande 
sur la eroissance et la santö des animaux. (Bull, de l’acad. de med., Nr. 11.) 

In einer längeren Versuchsreihe wird der Nährwert einiger wichtiger 
Fleischderivate einer eingehenden P^ifung unterworfen. Als Versuchsobjekte 
dienen Meerschweinchen, denen ein Teil ihrer gewöhnlichen Nahrung entzogen 
und durch ein entsprechendes, d. h. genau ebensoviel Stickstoff enthaltendes 
Quantum von künstlichen Fleischderivaten ersetzt wird. Die Versuche, die sich 
auf Fleischextrakt (Liebig), Peptone, Somatose und Gelatine erstrecken, liefern 
folgende bemerkenswerte Resultate. 

Der Nutz- oder Wachstumscoefficient (coefficient -d’utilisation ou d’accroisse- 
ment), d. h. die Gewichtszunahme der Versuchstiere, berechnet auf 100 Gewichts¬ 
teile wirklich absorbierter Nährstoffe, ist im jugendlichen Alter am grössten; dem¬ 
gemäss nutzt auch das junge gesunde Meerschweinchen die Eiweissstoffe, welche 
ihm in Gestalt der Fleischextrakte, Peptone etc. geliefert werden, fast ebenso gut 
aus wie die Eiweissstoffe seiner gewöhnlichen Nahrung (Brot, Kohl etc.), jedoch 
nur unter der Voraussetzung, dass sie nicht mehr als V 6 oder % des Gesamt¬ 
eiweissbedarfs ausmachen. Da bei gleichzeitiger Verabreichung der erwähnten 
Fleischpräparate der Wachstumscoefficient nur ausnahmsweise die Grösse des 
Wachstumscoefficenten bei der gewöhnlichen Kost erreicht, so lässt sich ohne 
weiteres schliessen, dass die letztere für das gesunde Tier die besten Resultate 
ergiebt. Anders ist es mit dem kranken Tier, das seine natürliche Nahrung nicht 
gehörig auszunutzen oder überhaupt nicht auf dem gewöhnlichen Wege zu sich 
zu nehmen vermag (Rektalernährung). Hier leisten uns die künstlichen Fleisch¬ 
derivate in der That wertvolle Dienste, aber auch hier soll man sie nicht als 
alleiniges Nahrungsmittel verabreichen. Denn aus allen Versuchen geht hervor, 
dass der Wachstumscoefficient dann am grössten ist, wenn die Summe der in 
den verabreichten Fleischderivaten enthaltenen Nährstoffe den 5. oder 6. Teil der 
überhaupt notwendigen Nährstoffe nicht übersteigt. Geht man in dem Ersätze 
der gewöhnlichen Nahrung durch die erwähnten Surrogate über diese Grenze 
hinaus, ersetzt man beispielsweise 1 / 9 oder gar % derselben durch Fleischextrakt, 
Pepton oder dergl., so wird der Wachstumscoefficient nicht, wie man zunächst 
annehmen sollte, grösser, sondern merklich kleiner. Aus diesem Grunde sind 


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alle früheren Versuche, in denen man ausschliesslich jene Präparate hat verab¬ 
reichen wollen, von vornherein gescheitert (Müller, Kemmerich, Ritter, 
Ellissen). 

Bei der Auswahl der künstlichen Fleischderivate hat man vor allem darauf zu 
sehen, dass das betreffende Präparat unschädlich, d. h. frei von reizenden oder 
gar toxischen Substanzen ist. Diese Eigenschaft kommt den durch Verdauung 
hergestellten Peptonen des Handels im allgemeinen nicht zu, da sie fast immer 
alkaloidartige Substanzen enthalten und sich schon durch ihren bitteren Geschmack 
kennzeichnen. Dagegen haften den durch überhitzten Wasserdampf gewonnenen 
Peptonen diese Nachteile nicht an. ln erster Linie verdient hier das Peptonum 
carnis Kemmerich genannt zu werden, das ebenso wie Liebigs Fleischextrakt 
ausserdem noch den nicht zu unterschätzenden Vorteil bietet, einen angenehmen 
Geschmack zu besitzen. Die vorliegenden Versuche zeigen, dass mit diesen beiden 
Präparaten die besten Resultate erzielt wurden. Die Somatose reizt schon in der 
geringen Gabe von 20 gr täglich die Verdauungsorgane, welche sie schlecht assi¬ 
milieren. Die Gelatine endlich wird in relativ beträchtlichen Mengen ausgenutzt. 

Die Versuche des Verf.s beweisen aufs neue die Richtigkeit der alten An¬ 
sicht, die man seit einer Reihe von Jahren als ein populäres Vorurteil anzusehen 
geneigt ist, dass wir in der Fleischbrühe ein für Kranke und Rekonvaleszenten 
immerhin wertvolles Präparat besitzen. 

Schade (Göttingen). 

Pickardt, M.: Uber die rationelle Verwendung des Papain bei Erkrankungen des Magens. 

(Therapie d. Gegenwart, Nr. 5, S. 210.) 

Papain ist ein aus dem Milchsaft der Carica Papaya gewonnenes gelb¬ 
liches, stäubendes Pulver, das die Eigenschaft besitzt, Eiweiss zu verdauen. Dies 
thut es nach des Verf. Versuchen jedoch nur gut in alkalischer Lösung (bei 
0,2 -0,3 % Alkalescenz wurden in Zimmertemperatur 50- 60 % des Eiweisses ver¬ 
daut). Es muss daher gleichzeitig oder bald nachher eine gewisse Quantität Al¬ 
kali gegeben werden. Man verordnet 1 Schachtel (ä 4 g * 1 M.) Papain Reuss 
und lässt während der Mahlzeiten 1—2 Messerspitzen nehmen (kleinere Mahl¬ 
zeiten: 0,15—0,25; grössere: 0,3—0,5); dazu */*—1 Theel. Natr. bicarb. Indi- 
cationen: Gastritis acuta und chronica aller Formen und Provenienzen ausser 
der Gastritis acida; ferner Atonie und Ektasie mit Hyp- oder Anacidität; Atrophia 
ventriculi; sekundär auf Grund von Allgemeinerkrankungen eingetretene Ver¬ 
minderung der Säure- und Pepsinproduktion. 

Zaudy (Göttingen). 

Fleiner: Neue Beiträge zur Pathologie der Speiseröhre. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 16. 17.) 

Fleiner berichtet zunächst über die Ergebnisse dreier Sektionen, in denen 
sich der von ihm mehrfach beschriebene Vormagen « fand. Es zeigte sich dicht 
oberhalb des Zwerchfells eine ampulläre Ausbuchtung (Apfel- bez. Mannskopfgross), 
ohne deutliche Abgrenzung nach oben oder unten; die Wand war nicht verdickt, 
die Muskulatur oberhalb nicht hypertrophisch. In dem einen Fall trat die Längs¬ 
muskulatur der Speiseröhre in Bündeln auseinander, die sich gegen den unteren 
Pol zu wieder näherten und schliesslich am Diaphragma von Neuem vereinigten. 
Die Wandung des Divertikels ist schlaff ; es können sich in ihr secundäre, haustra- 
ähnliche Ausbuchtungen — entsprechend den »Entomeren« (Mehnert) der embryo¬ 
nalen Anlage des Oesophagus — entwickeln. Die Cardia ist nicht verengt. 

Die klinischen Untersuchungen ergeben gewöhnlich eine Proportionalität 
in der Intensität der Beschwerden und dem Rauminhalt der Erweiterung. Die 
Gestalt ist meist die einer Spindel; doch kommen auch Sackformen vor, die dann 
der Sondierung Schwierigkeiten machen, eventuell die Diagnose vereiteln, wenn 
die Längsachse des Sackes nicht mit der des Oesophagus zusammenfällt Die 


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Etablierung der einen oder der anderen Art ist abhängig davon, ob die Muskel¬ 
bündel gleichmässig im ganzen Umfang — wie oben beschrieben — auseinander¬ 
gehen oder ob die muskuläre Schwächung nur auf einen Teil der Wandung sich 
erstreckt. 

Was die Krankheitserscheinungen anlangt, so manifestieren sich diese meist 
als Druck hinter dem Sternum nach Aufnahme von Nahrung, bis die Ampulle den 
Inhalt in den Magen entleert hat; manchmal findet Ruminatio oder Regurgitieren 
statt. Unter Umständen kommt es sogar zu — sehr qualvollen — Incarcerations- 
erscheinungen, indem durch den stagnierenden Inhalt des Vormagens ein Reiz 
auf dessen Wandungen ausgeübt wird, der ihn zu spastischen Kontrakturen ver¬ 
anlasst. Der Vormagen kann lange latent sein; als Gelegenheitsursache, ihn aus 
diesem Stadium heraustreten zu lassen hat Fl. in einem seiner Fälle die Gravidität 
kennen gelernt, indem beim Vomitus matutinus der ersten Monate Mageninhalt in 
dem Vormagen gepresst und dort eingekeilt wurde. 

Die Behandlung erfordert viel Ausdauer 1?ei Arzt und Patient; sie besteht 
in der rationellen Fütterung durch bis in den Magen hindurchgeführte möglichst 
weiche und dicke Schläuche; am besten mehrmals täglich, um der Unterernährung 
vorzubeugen bez. sie zu bekämpfen. Sind katarrhalische Erscheinungen vorhanden, 
so sind Spülungen mit lauwarmem Wasser, Salicylsäurelösungen (1:1000) oder 
Wismuthaufschwemmungen zu machen. Es ist zweckmässig, den Magen abends 
zu entleeren, um dem Eintritt von Zersetzungen und den oben geschilderten In- 
carcerationen prophylactisch zu begegnen. 

Pickardt (Berlin). 

Oesophaguscareinom Unfallfolge. (Die Unfallversicherungs-Praxis, Nr. 13.) 

Ein Maurer erlitt einen komplizierten Bruch beider Unterschenkelknochen 
und starb 14V* Monate später an Oesophaguscareinom, das von der Halswirbel¬ 
säule ausging. Die Rentenansprüche der Hinterbliebenen wurden vom bayr. 
Landesversicherungsamt als unbegründet zurückgewiesen, da nach keiner Richtung 
ein Zusammenhang des tödlichen Leidens mit dem Unfälle zu konstatieren war. 

Zaudy (Göttingen). 

Jung, F. A. R.: Zur Diagnose der Divertikel im unteren Abschnitt der 
Speiseröhre. (Arch. f. Verdauungskrankh., Bd. 6 , H. 1.) 

Zu den bisher bekannten 5 sicheren Fällen von grossen Divertikeln im 
unteren Oesophagusteil (Mintz, Reichmann [2], Kelling, Reitzenstein) fügt 
Verf. noch 2 weitere, welche unter Anwendung aller modernen Hülfsmittel ein¬ 
gehend untersucht sind. Der eine betrifft einen 64 jährigen Mann, der andere eine 
ca. 40jährige Frau, bei welcher allerdings die Entscheidung, ob Divertikel oder 
einfache Dilatation der Speiseröhre, noch aussteht. Diese Frage ist meist eine 
schwer zu beantwortende, zumal beide Affektionen schmerzhaft oder schmerzlos 
verlaufen und beide mit Erbrechen, zuweilen nur aus dem Oesophagus, zuweilen 
nur aus dem Magen einhergehen können. Dagegen spricht das Erbrechen nur 
solcher Speisen, welche lange vorher gegessen waren, für Divertikel, ebenso der 
Umstand, dass man nach Entleerung des Oesophagus sehr leicht mit der Sonde 
in den Magen kommt. Letzteres wird dadurch bewiesen, dass man durch eine in 
dem angewandten durchlöcherten Schlauch liegende Innensonde Magensaft herauf¬ 
bekommt. Um schwierige Mageneingänge zu finden, sind Mercier-Sonden oder 
Leu begehe Divertikelsonden nötig. Das Gefühl des Pat. und des Untersuchers, 
dass die Sonde in den Magen gelangt sei, ist oft trügerisch. — Zu bemerken ist 
noch, dass das in beiden Fällen anfangs gegen die Cardiakrämpfe angewandte 
Morphium und Chloroform einen vollwertigen Ersatz in einfachen Brausepulvern 
fand. 

Zaudy (Göttingen). 


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Talma, S.: Zur Untersuchung der Sfturcsekretion des Magens. 

(Berlin. Klin. Wochenschr., Nr. 19.) 

Verf. weist abermals auf seine schon 1895 mitgeteilte Methode zur Be¬ 
stimmung der Säuresekretion des Magens hin: Morgens früh wird in den mög¬ 
lichst reingespülten Magen eine genau neutralisierte Lösung von 3,0 Liebig’schen 
Fleischextraktes in 1 Liter Wasser von Körpertemperatur mit der Sonde eingeführt. 
Nach einer Stunde ausgehebert und die Acidität bestimmt (Indicator: Phenol¬ 
phthalein). Die Vorzüge seiner Methode sieht Verf. 1) in dem Fehlen von Bröck- 
chen, welche die Säure mechanisch binden, sodass die Bestimmung von filtriertem 
und unfiltriertem Mageninhalt verschiedene Ergebnisse liefert; 2) in dem Fehlen 
von Eiweissstoffen oder deren Derivaten in der Probebouillon; 3) in der Un¬ 
fähigkeit der Probebouillon zu gähren und etwa dadurch Säure zu bilden. - Der 
Einfluss des Geschmacks wird durch den Gebrauch der Sonde vermieden. 

Zaudy (Göttingen). 


Cohnheihm, P.: Eine neue, allgemein anwendbare Formel zur Restbestimmung im 
Magen (Verallgemeinerung der Mathieuschen Methode). (Centralbl. f. inn. Med., 18.) 

Der Gang der Mathieu-Remondschen Methode, die im Anschlüsse an das 
gewöhnliche Probefrühstück vorgenommen werden kann, ist kurz folgender: 

Man hebert einen Teil (b) des Probefrühstücks aus, dessen Gesamtacidität 
(a) man bestimmt. Man giesst nun eine bestimmte Menge Wasser (q) ein und 
mischt den im Magen zurückgebliebenen Rest durch mehrmaliges Zurückfliessen- 
lassen durch; von dieser Flüssigkeit bestimmt man ebenfalls die Gesamtacidität 
(a 1 ). Je grösser die Menge Spülwasser ist, desto geringer wird die Gesamtacidität 
der Mischflüssigkeit sein. Daraus folgt, dass sich Aciditäten a und a' umgekehrt 
wie die Mengen verhalten, a: a 1 = q + x: x, wobei x der zu bestimmende Rest 
ist, dessen Acidität gleich derjenigen des bereits ausgeheberten Quantums (b) ist. 

a 1 q a’q 

x = -—— v Der Gesamtrückstand G-R ist folglich b -f 

a a a—a 1 

Bei Anwendung dieser Methode kann man leicht sehen, dass man den Rück¬ 
stand (eine Stunde nach dem Probefrühstück) im allgemeinen viel zu niedrig an¬ 
nimmt; er beträgt das 3—5 fache des Ausgeheberten. 

Diese Mathieusche Methode setzt aber einen sauren Mageninhalt voraus 
und ist deshalb bei Zuständen von Anacidität und Subacidität nicht gut zu ge¬ 
brauchen. Zu diesem Zwecke hat der Verf. nun eine Methode ausgearbeitet, die 
allen Eventualitäten genügt. Das Prinzip ist folgendes: Wenn man bestimmte 
Mengen mehrerer saurer Flüssigkeiten zusammengiesst, so ist die neu entstehende 
Acidität gleich der Summe der Produkte dieser Mengen mit den Aciditätszahlen, 
dividiert durch die Summe der Quantitäten, in Kubikcentimetem ausgedrückt. 

Aj. a -f- Ag • b 

Es ist also A s =- a-f-b * wo ^ ei neue Acidität, a die Anzahl 

Kubikcentimeter der ersten, b die der zweiten sauren Flüssigkeit, A! und A. 2 die 
Gesamtacidität bedeuten. 

Nimmt man nun bei der Mathieuschen Methode statt neutral reagierenden 
Wassers eine bestimmte Menge (q) einer Säurelösung zum Mischen, so lässt sich 
der Rest auch bei Achylie bestimmen, indem a = x ist. 

_ xA, + q • A. 2 
A * x . + q. 
q (A. 2 a^) 

x = x 3 -Är 

G-R = a-f x. 

Es bedeutet in dieser Formel x den Rest, q die Quantität des Spülwassers, 
A, die Acidität der ausgeheberten geringen Portion des Mageninhaltes, A., die 


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Acidität des Spülwassers und A 3 die der Spülflüssigkeit nach dem Mischen. Der 
Gesamtrückstand ist dann gleich dem Rest plus dem Epremierten (a). 

Diese Formel empfiehlt der Verf. nur zur Restbestimmung bei Achylien; 
bei normalen oder hyperaciden Magensäften zieht er die Mathieusche Formel vor. 

Hagenberg (Göttingen). 

Croner, W.: Die Frühdiagnose des Magencarcinoms und ihre Bedeutung für die Therapie. 

(Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 5, H. 3.) 

Die Arbeit bringt nichts neues, sie erschöpft die Besprechung diagnostischer 
Massnahmen nicht und behandelt therapeutische Fragen recht oberflächlich und 
von einseitigen Gesichtspunkten aus. 

Waldvogel (Berlin). 

Tod an Magenblutung 2 1 /* Jahre nach einer Magenquetsehung. 

(Die Unfallversicherungs-Praxis, Nr. 13.) 

Ein 15V 2 J. alter Maurerlehrling erlitt durch Fall auf einen eisernen Träger 
eine Quetschung des Rumpfes. Am nächsten Morgen bedrohlicher Blutsturz, 
dess.en Quelle per exclusionem im Magen angenommen werden konnte. Völlige 
Erholung; anfangs ohne Beschäftigung, später Waldarbeiter. Nach 2 I 2 Jahren er¬ 
krankte Pat. auf dem Heimwege von der Arbeit ohne neue Veranlassung an sehr 
heftigen Magenblutungen, denen er am 2. Tage erlag. Durch den Begutachter 
Geh. Rath Prof. Dr. L. wurde ein direkter ursächlicher Zusammenhang des Todes 
mit dem Unfall angenommen ; die durch den Unfall verursachte Wunde der Magen¬ 
schleimhaut sei noch nicht ganz verheilt gewesen oder die Narbe sei wieder auf¬ 
gebrochen. 

Zaudy (Göttingen). 

Krokiewtez: Das Verhalten des Blutes im Verlaufe von Mageneareinom. 

St. Lazarus-Krankenhaus, Krakau. (Archiv f. Verdauungskr., Bd. 6, H. 1.) 

Von verschiedenen Seiten ist für das Blut bei Magenkrebs ein charakteri¬ 
stisches Verhalten beansprucht worden, das selbst durch die blosse Blutunter¬ 
suchung Differ.entialdiagnosen wie gegen permiciöse Anämie und Magengeschwür 
ermöglichen sollte. Demgegenüber hat K. in 17 Fällen von anatomisch bestätigtem 
Magenkrebs, in denen das Blut meist wiederholt sorgfältig untersucht wurde, 
durchaus nichts Charakteristisches und Constantes finden können, wie er durch 
Parallelbefunde beim Magengeschwür darthut. Er konnte die Herabsetzung der 
Alkalescenz und das häufige Fehlen der Verdauungsleucocytose bestätigen, ferner 
auch, dass die Zahl der roten Blutkörperchen nicht unter 17 4 ~2 Mill. im cbmm 
sinkt. Der Zerfall der Blutkörperchen steht aber, ebenso wie bei anderen Car- 
cinomen des Magendarmtractus, in gar keinem Verhältnis zur Cachexie. 

Fraenckel (Göttingen). 

Sansoni, L. : Ober die Gastritis ulcerosa ehronica anaehlorhydriea. 
Allg. Med. Klinik der Univ. Turin. (Archiv f. Verdauungskrankh., Bd. 6, H. 1.) 

Der Verf. teilt 3 Fälle von ulcerativen Prozessen des Magens mit, in 
welchen eine Anachlorhydrie konstatiert wurde. Es kann also nicht ein echtes, 
rundes Magengeschwür vorliegen, bei welchem konstant eine Hyperchlorhydrie 
besteht; es liegt eine Berechtigung vor, anzunehmen, dass es sich um einen von 
diesem verschiedenen Krankheitsprozess handelt, der auf dem Boden einer chro¬ 
nischen Gastritis steht, in deren Verlauf hämorrhagische Errosionen Vorkommen, 
die aber wegen des Mangels an Salzsäure nicht in die Tiefe dringen. Er schlägt 
für diese Form den Namen Gastritis ulcerosa chronica anaehlorhydriea vor, indem 
er folgende beiden Symptome für ihre Diagnose erforderlich erachtet: 1) kon- 


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stantes Vorhandensein von dünnen Magenschleimhautstückchen im Wasser der 
im nüchternen Zustande vorgenommenen Magenausspülung; 2) eine nicht an eine 
Geschwulst in der Magengegend und Krebskachexie gebundene Hypo- oder 
Anachlorhydrie. 

Hagenberg (Göttingen). 


Bendix, B.: Säuglingsernährung. (Berl. Klinik, H. 141.) 

Als Schüler Heubners vertritt Verf. den Standpunkt, dass nur die Tuber¬ 
kulose der Mutter resp. die deutliche Veranlagung für dieselbe als strikte Kon¬ 
traindikation gegen das Selbststillen anzusehen sei. Zur Stütze seiner Ansicht 
führt er 3 Fälle aus der Praxis an. ln dem ersten erkrankte die stillende Mutter 
an Masern, in dem anderen an Scharlach; in beiden Fällen liess sich zwar auf 
der Höhe der Krankheit ein Nachlassen der Milchsekretion konstatieren, doch 
glich sich diese Störung bald wieder aus. Die Kinder, die an der Brust gelassen 
wurden, blieben gesund. Nur in dem dritten Fall, in dem es sich um eine leichte 
Influenza der Mutter handelte, war der Säugling während der 3 Krankheitstage 
ziemlich unruhig und zeigte dyspeptischen Stuhl, Erscheinungen, die indes nach 
wenigen Tagen schwanden. Auch neu eintretende Schwangerschaft bildet .nach 
B. nur dann eine Indikation zum Absetzen des Kindes, wenn die Menge der 
produzierten Milch sich als gänzlich unzureichend erweist oder der Kräftezustand 
der Frau ein weiteres Stillen verbietet. Was den Einfluss der Menstruation auf 
die Laktation betrifft, so stellt B., gestützt auf seine Erfahrungen an dem Material 
der Universitätskinderklinik, * den Satz auf, dass das Eintreten der Menstruation 
selbst dann keinen Grund zum Absetzen des Säuglings bilde, wenn sich sichtbare 
Milchveränderungen (Dünnerwerden etc.) und leichte Störungen im Befinden des 
Kindes zeigen sollten, da diese sich nach Ablauf der Menstruation wieder völlig' 
ausglichen. Am Schluss seiner Abhandlung giebt Verf. eine Übersicht über die 
wichtigsten Methoden der künstlichen Ernährung (Biedert, Escherich, Heubner, 
Monti etc.). Ohne der einen vor der anderen wesentliche Vorzüge einzu¬ 
räumen, empfiehlt er für die Praxis die Heubnersche Milchmischung, mit der 
er bei gesunden Kindern bisher gute Resultate erzielt habe. Statt der früher zur 
Herstellung dieser Mischung benutzten einfachen Mehle (Reismehle, Haferschleim) 
werden jetzt als Zusatz die bereits präparierten Mehle (Opels Nährzwieback, 
Kufekes, Rademanns Mehl) verwendet, da die Erfahrung lehrt, dass hierbei die 
Kinder besser gedeihen. Sollte die Heubnersche Mischung nicht zum Ziele führen 
— in jenen wenigen Fällen, in denen auch die übrigen Methoden versagen —, 
so rät B., seine Zuflucht zu einem der zahlreichen, in erster Linie für den kranken 
Säuling bestimmten künstlichen Milchpräparate zu nehmen, die er je nach der 
Art der Herstellung in 5 Kategorieen sondert. Dabei hat man im allgemeinen den 
in möglichst einfacher Weise, z. B. durch einfaches Zentrifugieren gewonnenen 
Präparaten den Vorzug zu geben vor denjenigen, die durch komplizierte Prozesse, 
wie Zusatz von fremdem Eiweiss u. dg!., dargestellt werden. 

Schade (Göttingen). 


Klimmer, M.: Ober Milehverfälsehungen und deren Nachweis. 

(Arch. f. wiss. u. prakt. Thierheilkde, XXVI, S. 205.) 

Im Allgemeinen kann eine Analyse der Milch jetzt mit einer allen prak¬ 
tischen Bedürfnissen genügenden Sicherheit und Genauigkeit durchgeführt werden. 
Schwieriger als der Nachweis fremdartiger Zusätze und des Wasserzusatzes ist 
der des Abrahmens. Die Stallprobe kann nicht in den Dienst der Milchkontrole 
gestellt werden. Von der Forderung eines Mindestfettgehaltes muss abgesehen 
werden. Verf. begründet diese Sätze eingehend. 

Zaudy (Göttingen). 


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' Keller, A.: Ober Nahrungspausen bei der Säuglingsernfthrung. 

(Centralbl. f. inn. Med, Nr. 16.) 

Die in Laienkreisen und von vielen älteren Ärzten vertretene Anschauung, 
dass man dem Säuglinge in 2 ständigen Pausen Nahrung reichen soll, ist durch¬ 
aus zu verwerfen, ln den neueren Lehrbüchern werden 3 stündige Nahrungs¬ 
pausen empfohlen für gesunde, noch etwas längere für kranke Kinder. Die in 
der Universitäts-Kinderklinik zu Breslau gemachten Erfahrungen lehren, dass für 
gesunde und kranke Kinder in gleicher Weise 4—5 stündliche Nahrungspausen 
vollkommen ausreichen. Der gesunde Magen eines Brustkindes wird in andert¬ 
halb bis zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme entleert und enthält fünfviertel 
Stunden nach derselben freie Salzsäure, während bei Kuhmilch zur Entleerung 
des Magens 3 Stunden und 2 bis zum Auftreten freier Salzsäure notwendig sind. 
Aus diesem Grunde ist eine derartige Pause von 4—5 Stunden zu verlangen 
(Czerny). Beim kranken Kinde befindet sich aber noch 4—5 Stunden nach der 
Aufnahme die Milch im Magen, und von freier Salzsäure ist auch in diesem Zeit¬ 
punkte noch nichts zu sehen. An diese Betrachtungen werden noch einige 
Stoffwechselversuche angeschlossen, die bei Kindern mit 4 stündlichen, und 
bei solchen mit 2 stündlichen Nahrungspausen angestellt wurden. Das Resultat 
derselben lautet, dass, gleichviel ob man einen Säugling in 4 stündlichen oder in 
2 stündlichen Pausen ernährt, die Resorption und Retention von N und P, also 
die Ausnutzung der Eiweisskörper, durch die längere oder kürzere Dauer der 
Intervalle nicht beeinflusst wird. Diese Ausnutzungsergebnisse können aber weder 
für die eine noch für die andere Anschauung verwertet werden. Die mit der 
2 stündlichen Nahrungsaufnahme verbundenen Schädlichkeiten sind in anderer 
Richtung zu suchen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Finkelstein, H.: Uber säureliebende Bacillen im Säuglingsstuhl. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 16.) 

Verf. beansprucht gegenüber Moro’s Beschreibung eines Bacillus acido- 
philus die Priorität dieser Entdeckung für die Heubner’sche Klinik, in welcher 
anscheinend dieselben Bakterien seit 1895 beobachtet und untersucht und seit 1898 
auch in Reinkulturen gewonnen wurden. B. Heymann fand dort, dass jene Ba¬ 
cillen stark saure Nährmedien bevorzugen (0,5—1 % Essigsäurebouillon mit Zusatz 
von 2 % Traubenzucker; Überimpfung nach 24—48 Stdn. auf Zuckeragar ergiebt 
Reinkulturen). Tierversuche [junge Ziegen] noch nicht abgeschlossen. Näheres 
soll folgen. 

Zaudy (Göttingen). 

Rolly und Saam: Ober den Einfluss des Iehthalbins auf den Stoffwechsel 
und die Darmthätigkeit der Kinder. Aus der Heidelberger Universitätspoli¬ 
klinik von Prof. Vierordt. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 14.) 

Verfasser fanden einen günstigen Einfluss des Iehthalbins, einer Eiweiss¬ 
verbindung des Ichthyols, auf den Stickstoffstoffwechsel und die Darmfäulnis. 

Sie stellten an zwei 13 jährigen Knaben je einen 26 tägigen Stoffwechsel¬ 
versuch an bei einer Zufuhr von 13,62 g N. 

Die in der 6 tägigen Vorperiode im Stickstoff gl eichge wicht befindlichen 
Knaben hielten während 10 tägiger Ichthalbinperiode (8 g pro die) im Mittel 
1,24 resp. 0,87 g N. pro die zurück, auf der Höhe der Wirkung in den ersten 
4 Tagen der Darreichung 1,54 resp. 1,02 g. 

Es sank zunächst in den ersten Tagen der Darreichung die N.-Ausscheidung 
im Harne ab, vom 5. bis 6. Tage ab begann der Kotstickstoff abzunehmen und 
zwar von ca. 1,5 auf ca. 0,6 resp. von 0,8 auf 0,5. 

Nach Aussetzen des Iehthalbins stellte sich bald Stickstoffgleichgewicht 
wieder her. 


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Über den Einfluss auf die Darmfäulnis wurden^ in 4 Fällen chronischer 
Enteritis Versuche angestellt. In denselben sank die Ätherschwefelsäure in der 
Ichthalbinperiode (3 g pro die) alsbald auf 1 1 4 des ursprünglichen Wertes, um 

nach dem Aussetzen wieder emporzuschnellen. 

Es wird daher die therapeutische Verwendung des Ichthalbins statt Calo- 
inels in geeigneten Fällen in Aussicht genommen. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Dörnberger: Tannopin (Tannon) als Darmadstringens. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 14.) 

Verf. empfiehlt an der Hand von 8 Fällen akuten und chronischen Darm¬ 
katarrhs das Tannopin (synon. Tannon), ein Kondensationsprodukt aus Tannin und 
Urotropin, als Adstringens. Das Mittel ist völlig geschmacklos, leider noch teuer. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Herzfeld, K. A.: Beitrag zur Lehre von der Enteroptose. 

(Wiener med. Wochenschrift, Nr. 15. 16.) 

Gegenüber der Ansicht von G1 e n a rd, welcher in der Lockerung der Fixation 
an der Flexura hepatica das primäre Moment für die Enteroptosis sieht, erkennt 
der Verf. einer Störung des intraabdominellen Druckes für das Zustandekommen 
dieses Zustandes die wesentlichste Rolle zu. Ein Tiefertreten der Organe des 
Hypochondriums kann erfolgen einmal, wenn der Druck von oben vermehrt wird 
(einschneidende Kleidungsstücke), einmal, wenn derselbe von unten vermindert 
wird. Für eine Erschlaffung des Tonus der Bauchdecken und Lockerung des 
muskulösen Beckenbodens sind in der Schwangerschaft und in einem nicht richtig 
abgewarteten Wochenbette die günstigsten Bedingungen gegeben. 

Ferner sind erschöpfende Krankheitszustände mit sekundärer langandauem- 
der Ernährungsstörung und starke Blutverluste wichtige ursächliche Momente; 
auch kann man psychischen Verstimmungen und nervöser Disposition nicht 
einen trophisch störenden Einfluss absprechen. Die Folgen dieser Zustände 
machen sich bald als Magenstörungen bemerkbar, vor allem wird aber durch den 
Verlust des Tonus der Darm wand einer Koprostase Vorschub geleistet. Mit der 
Vergrösserung des Bauchvolumens geht auch eine Vergrösserung des Mesenteriums 
infolge der Zerrung am Darm Hand in Hand. In dem nunmehr vergrösserten 
Gefässsystem kommt es leicht zu Stauungen, wodurch anderen Körpergebieten 
Blut entzogen wird, so dass hieraus ein anämischer Zustand resultiert. 

Prophylactische Massnahmen werden hier viel nützen können. Hat sich 
der Zustand einmal herausgebildet, so ist je nach der Ursache vorzugehen (Tragen 
von gut sitzenden Leibbinden, Dammplastik, Massage etc.). 

Hagenberg (Göttingen). 

Zeidler, H.: Beiträge zur Pathologie und Therapie des akuten Daraiverschlusses. 

(Mitteil. a. d. Grenzgebiet der Med. u. Chir., Bd. 5, H. 4.) 

Die ausführliche Arbeit eignet sich schwer für ein Referat, ihre Lektüre 
kann dringend empfohlen werden. Verf. beschreibt zunächst die Verschiedenheit 
der Symptome beim Strangulations- und beim Okklusionsileus. Beim ersteren 
haben wir stets eine fixierte aufgetriebene Darmschlinge, die höher liegenden Teile 
des Darms sind in der ersten Zeit weniger oder gamicht aufgetrieben. Initiales 
Erbrechen und heftiger Schmerz im Anfang finden sich vorwiegend bei Stran¬ 
gulation. Shok als initiales Zeichen hängt mehr von Intoxikation oder Infektion 
ab. Die verringerte selten zu Anurie führende Harnausscheidung ist Ausdruck der 
Herzschwäche, Albuminurie dabei ist noch nicht aufgeklärt. Das Wahl sehe Symp¬ 
tom des lokalen Meteorismus kann bei Einklemmung in irgend einer Tasche oder 
bei der einer sehr kleinen Darmschlinge und eines grossen Darmabschnittes fehlen. 


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Das Fehlen der Peristaltik bietet in der Mehrzahl der Fälle die Möglichkeit einen 
Strangulationsileus von einem Verschluss durch Obturation zu unterscheiden. Ex¬ 
sudat in der Bauchhöhle für Strangulation nicht charakteristisch. Die besprochene 
Bedeutung der Symptome erläutert Verf. an eigenen Fällen, man muss ordent¬ 
lich in Narkose und zwar auch per rectum et vaginam untersuchen. Bei Obturation 
geht oft noch Gas durch, Kotbrechen, bei Strangulation selten, ist in späteren 
Stadien der Obturation immer vorhanden. Bei Obturation finden sich der Peri¬ 
staltik entsprechend Kolikschmerzen, Incarcinationsshok, schneller Verfall der Kräfte, 
Herzschwäche fehlen. Von den lokalen Erscheinungen hält sich der Meteorismus 
in mässigen Grenzen, da die Aufnahme der Gase ins Blut nicht wie bei der 
Strangulation behindert ist, die Darmsteifung Nothnagels findet sich mehr bei 
akuter Verschlimmerung chronischer Obturationen, sonst ist lebhafte Peristaltik 
vorhanden mit Kolikschmerzen. Die Invaginationen stehen in ihren Symptomen 
zwischen Strangulationen und Obturationen, für sie sind neben den Zeichen der 
Undurchgängigkeit noch andere charakteristisch wie blutig schleimige Entleerungen, 
charakteristischer wurmförmiger Tumor, sie finden sich häufiger bei Kindern. 
Auch für Invagination werden 2 Fälle angeführt, in denen die Diagnose nicht ge¬ 
stellt wurde. Obturation und Strangulation zu scheiden gelingt in den meisten 
Fällen. Art, Ort und Ursache der Undurchgängigkeit zu bestimmen bleibt pium 
desiderium, doch gilt alles zur Differentialdiagnostik Bemerkte nur für die Früh¬ 
stadien. Die Obturationen bedürfen nicht der raschesten Hülfe wie die- Strangulatio¬ 
nen. Zur Ortsbestimmung dient Anamnese und Bauchbefund, palpable Geschwülste 
und Resistenzen. Für die Frage des Sitzes ist der Umfang der geblähten Schlinge 
nicht von Belang. Beimischung von Galle zum Erbrochenen, die Zeit des Er¬ 
brechens können helfen, auch bei Dünndarmverschluss findet sich Koterbrechen. 
Indikanurie ist für Dünndarmverschluss ohne diagnostische Bedeutung. Ein¬ 
giessungen ins rectum sind zur Ortsbestimmung unerlässlich. Die Ursache der 
Undurchgängigkeit festzustellen, ist sehr schwer; helfen muss die Anamnese (peri- 
tonitische Processe, Hernien, Gallensteinkoliken). Peritonitis und Ileus sind in 
späteren Stadien nicht unterscheidbar, erhaltene Peristaltik spricht im Allgemeinen 
gegen Peritonitis, grössere Schwierigkeit besteht in der Trennung von Peritonitis 
und Strangulation. Es werden mehrere Fälle zum Beweis der Schwierigkeit der 
Trennung von akuter Strangulation ohne Bauchauftreibung und Peritonitis ohne 
Auftreibung, ferner für die Schwierigkeit der Trennung von Strangulation mit 
rascher Auftreibung einer einzelnen die ganze Bauchhöhle ausfüllenden Schlinge 
und Peritonitis mit gleichförmiger Auftreibung des Leibes angeführt. Der Druck¬ 
schmerz spricht für Peritonitis, seine Abwesenheit nicht dagegen, Temperaturer¬ 
höhung von Anfang an spricht für Peritonitis. Weiter werden Fälle angeführt, in 
denen die Operation die Lage nicht klärte oder nicht besserte. Die Statistik ist 
bislang für die Beantwortung der Frage, ob innere oder chirurgische Behandlung, 
nicht brauchbar. Strangulationen sollen sofort, Obturationen nicht später als nach 
2 mal 24 Stunden operiert werden; Shok, Kollaps, Peritonitis bilden keine Kontrain¬ 
dikation. Gegenüber der Anlegung eines anus praeter naturam bei Obturation mit 
bekannter Art und Lage des Hindernisses ist bei Strangulation und den Obturationen 
ohne spezielle Diagnose die Laparatomie angezeigt. Die Herzthätigkeit wird in dej 
Narkose beim Incarcerationsshok oft besser. Dann spricht Verf. über Lokalanaesthesie, 
Magenausspülung, Lagerung des Kranken, Schnittführung, Darmentlastung durch 
Punktion, Beseitigung des Hindernisses, Darmreposition, Schluss der Bauchhöhle, 
Verfahren bei Gangraen, bei Geschwülsten, Verlauf post operationem, Ätiologie 
der Darmparalyse, Pneumonie, Recidive der Undurchgängigkeit. Die Pneumonie 
soll durch Embolien von bacterium coli entstehen können. Am Schluss giebt Ver¬ 
fasser eine tabellarische Übersicht seiner Fälle und ein reichhaltiges Literaturver¬ 
zeichnis, 

Waldvogel (Berlin). 


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Sldodowski: Uber chron. Verengerungen des Dünndarms. 

(Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 5. H. 3.) 

An der Hand seiner fünf Fälle und der fremder Kasuistik will Verf. ein 
klinisches Bild der Krankheit entwerfen. Wir können aus der reichhaltigen Ar¬ 
beit nur Hauptsachen wiedergeben. Aetiologie der Darmverengerungen ist ent¬ 
weder eine neoplasmatische oder eine narbige. Häufigste Ursache der Narben 
ist Tuberkulose. Im Dünndarm sind narbige Stenosen am häufigsten; peritonitische 
ohne sonstige Veränderung der Darmwand einhergehende Strikturen meist im Dick¬ 
darm. Chronische Intussusceptionen führen nicht immer zum Bilde der Stenose. 
Anatomische Folgen der Verengerung sind Hypertrophie der Muskulatur, Katarrh 
und Geschwüre. Die einzelnen Anfälle des periodischen Bauchschmerzes sollen 
stets kurz sein; Erbrechen ist inkonstant, zwischen Obstipation und Kolikanfällen 
besteht Parallelismus. Objektive Erscheinungen am Bauch sind auf- und nieder¬ 
steigende Vorwölbung, plötzliche Steifung, letztere hängt innig mit den Schmerz-' 
anfällen zusammen, Plätschern, das stets vorhanden ist, und hörbare Geräusche. 
Harnuntersuchung ist ohne Bedeutung, Symptome von Selbstvergiftung fehlen in 
chronischen Fällen. Die Schlangesche Erklärung für das Zustandekommen des 
Verschlusses, welche eine den typischen Schmerzanfall erzeugende Ventil Vorrichtung 
annimmt, erkennt Verf. nicht an. Die Insufficienz der Muskulatur Nothnagels 
muss gestrichen werden. Die Hypothese, welche die Kolikanfälle ausschliesslich 
auf primärem Verschluss beruhen lässt, ist keineswegs notwendig, es ist sehr 
wahrscheinlich, dass eine Aufhebung des Lumens sekundär infolge einer unge¬ 
wöhnlichen Drucksteigerung resp. Dehnung des zuführenden Abschnittes bei rela¬ 
tiver Stenose stattfinden kann. Zur Sicherung der Diagnose trägt bei, dass die 
motorischen Erscheinungen annähernd an derselben Stelle Vorkommen, peristaltische 
Einkerbungen haben keinen Wert, den grössten neben den motorischen Er¬ 
scheinungen das Plätschern. Die Trennung von Nieren-, Gallenstein-, und Bleikolik 
ist leicht, ebenso die zwischen akuter und chronischer Dünndarmokklusion. Bei Dünn¬ 
darmverschlüssen Schmerzperioden durch bedeutende Form- und Spannungsdiffe¬ 
renzen charakterisiert, ausserhalb derselben keine konstanten Vorwölbungen; bei 
Dickdarmstenose dauernde Spannungs- und Härteanomalien mit geringen Unter¬ 
schieden während der tonischen Kontraktionen; in der Nähe der Bauhinischen 
Klappe können sich beide Formen komplizieren. Harte Kotmassen sprechen für 
Dickdarmstenose, Plätschern für die des Dünndarms. Bandförmiger Stuhl kann 
von abnormen Kontraktionen des sphincter ani herrühren. Wert der Wasserein- 
giessung zweifelhaft, die Thatsachen sind für eine topographische Diagnostik 
äusserst unbeständig. Anatomische Diagnose nur da möglich, wo aus der Anam¬ 
nese bestimmter Zusammenhang hervorgeht; Stuhluntersuchung ist selten ent¬ 
scheidend. Bei der grossen Seltenheit der Spontanheilungen sind die Ziele der 
innern Therapie bescheiden, Opium resp. Morphium sind die einzigen Mittel, Ab¬ 
führmittel sind bei Dünndarmstenose schädlich. Statistik der Enterectomien er¬ 
mutigt, Prognose für die an chronischer gutartiger Okklusion leidenden Kranken 
danach am besten. Nur die krebsigen Stenosen sollen palliativ operiert werden, 
bei welchen die Okklusionssymptome stark vorherrschen. Bei tuberkulösen hat 
die Operation solange die Okklusionssymptome vorwiegen, grosse Aussicht auf 
Erfolg. Das Aufschieben der Operation ist stets eine gefährliche Sache. 

Waldvogel (Berlin). 


Wyss, C.: Über kongenitale Duodenal-Atresien. (Beitr. z. klin. Chir., Bd. 26. H. 3.) 

Verf. hat einen Fall von Duodenal-Atresie klinisch beobachtet und ana¬ 
tomisch untersucht. Von zwei weiteren Fällen hat er die Präparate genau durch¬ 
mustert, bei einem der letzteren lagen ausserdem kurze anamnestische Daten vor. 
Dazu fügt er 9 Befunde anderer Autoren. Danach sind die Folgezustände der 
Duodenal-Atresie häufig wiederkehrendes Erbrechen, mangelnder Meconiumabgang 


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(der Hauptteil des Meconiums ist nicht Produkt der Darmschleimhaut), Kontraktur 
des unteren Darms bei geringer Auftreibung des Abdomens, Sterilbleibens des 
Meconiums unter dem Verschluss, je nach dem Sitz Fehlen der Gallenbestandteile 
im oberen oder unteren Darmstück, Exitus bei vollständiger Atresie in 2 bis 12 
Tagen, meist sehr starke Dilatation des über der Atresie liegenden Duodenum, 
Pylorus und Magens, Vergrösserung der Abstände der Lieberkühnschen und 
Brunnerschen Drüsen, starke Hypertrophie der Duodenalwandung, besonders der 
Muskelfasern über der Atresie und Peritonitis, von der zweifelhaft ist, ob sie 
primärer oder sekundärer Natur ist. Was die Ursache der kongenitalen 
Duodenal-Atresieen anlangt, so ist der Verbindungsstrang zwischen den normalen 
Partieen durch Fehlen von Gefässen mangelhaft entwickelter Darm, bei den mem- 
branösen Scheidewänden handelt es sich wohl um Schleimhautduplikaturen durch 
abnormes Wachstum einer Kerckringschen Falte, doch bedarf letzterer Zustand noch 
weiterer mikroskopischer Untersuchung. Eine einheitliche Erklärung für ange¬ 
borene Darmstenosen giebt es nicht. Die Diagnose ist schwer, die Prognose 
absolut schlecht. Verf. empfiehlt für alle Fälle Gastroenterostomie. 

Waldvogel (Berlin). 

Mühsam, R.: Ober Appendicitisexperimente. (Deutsch. Ztschr. f. Chir., Bd. 55, H. 1. 2.) 

Am Wurmfortsatz des Kaninchens hat Verf. durch Unterbindung der Ar¬ 
terien Gangraen erzeugt, ohne dass sich entzündliche Prozesse in der Nachbar¬ 
schaft ausbildeten, er macht dafür die Dicklichkeit des Kanincheneiters verant¬ 
wortlich. Auch erhebliche Traumen und bakterielle Schädigungen verträgt der 
Wurmfortsatz des Kaninchens. In der Pathologie menschlicher Wurmfortsatz¬ 
erkrankungen sind wir durch die Arbeit nicht gefördert. 

Waldvogel (Berlin). 

Schütz: Schleimkolik und membranöser Dickdarmkatarrh. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 17.) 

An der Hand von vier Fällen eigener Beobachtung begründet Verf. seine 
Stellungnahme zu genanntem Thema und präcisiert sich dahin, dass an der »Colica 
mucosa« (Nothnagel u. a.) als einer Darmaffektion sui generis festgehalten werden 
muss, dass dagegen die grosse Mehrzahl der Fälle mit membranöser Schleimab¬ 
sonderung wirklich katarrhalischer Natur sind, ohne sich im Übrigen von der 
chronischen Colitis zu # unterscheiden. Die differentielle Diagnose ist nur durch 
systematische Probespülungen zu stellen d. h. durch die Entscheidung der Frage, 
ob eine dauernde oder nur eine periodische Schleimhypersekretion vorhanden ist; 
sie ist weder zu stützen auf einen nervösen Allgemeinstatus, organische Kompli¬ 
kationen etc. — die sich bei beiden Formen finden können — noch auf den Cha¬ 
rakter der Kolik oder die Form des Schleims. 

Pickardt (Berlin). 

Lindner, H.: Zur chirurgischen Behandlung der chronischen Colitis und ihrer Folgezu¬ 
stände. (Beitr. z. klin. Chir., Bd. 26, H. 3.) 

Die in modernen Lebensverhältnissen begründete, bis ins frühe Alter 
zurückreichende Mangelhaftigkeit der Darmthätigkeit führt zu schweren Störungen 
des Allgemeinbefindens, neurasthenischen Zuständen bei Männern, örtlichen Be¬ 
schwerden im Becken und Störung der Blutbildung bei jungen Mädchen. Der 
dabei in recht vielen Fällen vorhandene Dickdarmkatarrh hat bis jetzt ausser¬ 
ordentlich selten chirurgische Behandlung gefunden. In dem ersten der vom Verf. 
operierten Fälle hat die Anlegung eines anus praeternaturalis den Pat. von blutig 
schleimigen Ausscheidungen und heftigen Schmerzen nicht befreien können. Bei 
der 2. Pat., die schon eine Reihe von Operationen durchgemacht hatte (eine Her- 

Nr. 1. 


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niotomie, rechtsseitige Nephroraphie, vaginale Exstirpation des Uterus und der 
Ovarien, Laparotomie), die bis zum Skelett abgemagert war, und deren Leiden in 
einer chronischen Colitis mit hochgradiger Atonie und Hyperaesthesie des Darms 
bestand, brachte Ausschaltung von Coecum, Flex. col. dextr., Col. transv. bis auf 
kurzes Schaltstück, Flex. col. sin. und Anfangsteil des Col. descend. Heilung mit 
starker Gewichtszunahme und regelmässiger schmerzloser Stuhlentleerung. Das 
typische Krankheitsbild in solchen Fällen berechtigt nicht zur Annahme einer neu- 
rasthenischen Darnierkrankung, die Nervosität ist sekundär. Leichte Fälle bessern 
sich durch tägliche mechanische Entleerung des Darms, für einige wenige Fälle 
bleibt die Operation. Der sofortige Übertritt des Dünndarminhalts ins Col. desc. 
im 2 . Fall bewirkte keine Durchfälle. Die Operation ist auch zu empfehlen für 
schwere ulceröse Prozesse im Colon, auch bei Enteritis membranacea, da das 
Hindernis für die Heilung dieser Krankheiten auf anderem Wege im Col. asc. und 
transversum liegt. 

Waldvogel (Berlin). 

Obr&stzow, W. P.: Zur Diagnose des Coeeumeareinoms und der Coeeum- 
tubereulose. (Arch. f. Verdauungskr., Bd. 6, H. 1.) 

Im Anschluss an eine frühere Arbeit veröffentlicht Verf. abermals je einen 
Fall der genannten Affektionen und weist im Anschluss daran auf die wichtige 
und nicht allzuschwierige Differentialdiagnose hin. Abgesehen von dem nicht 
immer positiven und auch dann nicht absolut beweisenden Befund (verschlucktes 
Sputum!) von Tuberkelbacillen im Stuhl kann man in der Mehrzahl der Fälle von 
Coecumtuberkulose das Coecum selbst mit seiner charakteristischen Form, Elastizi¬ 
tät etc. deutlich palpieren, nur erscheinen seine Wandungen verdickt und infiltriert, 
und diese Infiltration nimmt in der Richtung nach dem Colon ascendens ab. Beim 
Coecumcarcinom ist das Coecum selbst nicht palpierbar, man fühlt dann bloss 
einen Tumor, der allerdings auch mal Ähnlichkeit mit dem Coecum in der Form 
haben kann. Verf. sieht ferner im Gegensatz zu Koenig und Boas eine früh 
auftretende Stenose im Coecum für das Carcinom, eine späte für Tuberkulose als 
charakteristisch an. Bei beiden Affektionen liegt der Blinddarm durchschnittlich 
höher als normal, sodass er sich im oberen Teile der Fossa iliaca oder sogar 
oberhalb der Crista ilei befindet. — Der angeführte Fall von Carcinom betrifft 
einen 48 jährigen, der von Tuberkulose einen 34 jährigen Mann. Bei beiden wurde 
die Diagnose durch die Operation bestätigt. 

Zaudy (Göttingen.) 

Bernhard, 0.: Ein Fall von Hernia obturatoria. 

(Deutsche Zeitschr. f. Chir., Bd. 55, H. 1 . 2.) 

Verf. hat eine seit 67.2 Tagen eingeklemmte Hernia obturatoria beim Manne 
operiert, nachdem die Diagnose aus dem Rombergschen Phänomen und der 
medialen Lage des Bruches gestellt war. Es fand sich ein Darm-Divertikel mit 
siebartigen Perforationsöffnungen und ein weiteres Loch im nach aussen liegenden 
Schenkel am Einschnürungsringe dort, wo der Darm dem Tuberc. obturator. supe- 
rius anlag. Resektion eines 6 cm langen gangraenösen Darmstücks, Vereinigung 
durch Murphyknopf, der sich gut durch die enge Bruchpforte bringen Hess, 
5 Tage Wohlbefinden, Tod im Kollaps. 

Waldvogel (Berlin). 

Ott: Zur Embolie der Mesenterialarterien. Aus der med. Klinik v. v. Leube 
in Würzburg. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 14.) 

Verf. beschreibt den klinischen Verlauf zweier Fälle von Embolie der 
Arteria mesenterialis (ob superior oder inferior bleibt unentschieden, da die 
Patienten genasen). 


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Das Grundleiden war einmal Mitralinsufficienz und chron. Nephritis, das 
zweite Mal Arteriosclerose mit (wahrscheinlich auch embolischer) Hemiplegie. 

Die Hauptsymptome der mesenterialen Embolie bestanden in Schmerzen 
im Hypogastrium, Darmblutung und in dem einen Falle in Absinken der Körper¬ 
temperatur. 

Therapeutisch wurden Eisbeutel auf Abdomen und Tamponade des Rec- 
tums angewandt. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Deckart, P.: Ober Thrombose u. Embolie der Mesenterialgefässe. 

(Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 5, H. 3.) 

Nach Angabe der diesbezüglichen Litteratur werden genau die Kranken¬ 
geschichten dreier hierher gehöriger Fälle mitgeteilt. Fall 1: Verstopfung einer 
kleinen Mesenterialarterie mit ringförmigem Darmgeschwür und Arteriosklerose der 
benachbarten Darmarterien. Fall 2: Verlegung eines Hauptastes der Art. mes. sup. 
durch Embolus und Hämorhagischer Infarct von 2 m Darm im Anschluss an Parietal¬ 
thrombus des 1. Herzohres. Fall 3: Alter perityphlitischer Abscess und Embolie der 
Art. mes. sup. von pendelndem Thrombus der Aorta aus, am Embolus thrombotische 
Vorgänge mit Verstopfung feinerer Äste, Infarct des Darms, embolische Leber- 
infarcte, die Perityphlitis soll beim Zustandekommen des Ileusbildes keine Rolle 
gespielt haben. An der Hand dieser Fälle und der der Litteratur bespricht Verf. 
die klinischen Erscheinungen der Embolie der Art. mes. sup. Anhaltspunkte in 
vivo für den Verschluss zu finden ist schwer, da auch Arteriosklerose und Endar- 
teriitis eine ätiologische Rolle spielen. Darmblutungen sind nicht konstant, an¬ 
schliessender Ileus ist selten beschrieben, um sein Zustandekommen zu erklären 
zieht Verf. auch die Fälle von Darmvenenverschluss aus der Litteratur mit an. 
Danach finden sich bei kurz dauernden Fällen blutige Diarrhöen, bei den 3—4 
Tage dauernden Verschlusserscheinungen durch Lähmung der Peristaltik. Ein echter 
Ileus kann entstehen, wenn unter Umständen schon der kleinste ringförmige Darm¬ 
bezirk, der durch irgend welche Verhältnisse seine Kontraktionsfähigkeit eingebüsst 
hat, als absolutes Passagehindernis wirkt. Die Nekrose allein kann an der Darm¬ 
lähmung ebenso wenig wie die Peritonitis allein schuld sein, die Darmmuskulatur 
leidet am ersten unter O-mangel. Warum bei manchen Fällen erst blutige Diar¬ 
rhöen, bei andern sofort der paralytische Ileus auftritt, ist unerklärt. Die Er¬ 
scheinungen des Ileus bei Verschluss der Art. mes. sup. ähneln denen des Stran- 
gulationsileus. Die Differential-Diagnose gegen Intussusception ist schwer und 
auch beim Volvulus können blutige Stühle entleert werden. Am seltensten ist 
die Verwechslung des thrombotisch-embolischen Ileus mit Incarceration. Innere 
Therapie ist trotz eingetretener spontaner Heilungen illusorisch, die chirurgische 
nicht ganz aussichtslos. 

Waldvogel (Berlin). 

Schächter, M.: Die Behandlung der Hämorrhoiden. 

Ref. u. Gg., Nr. 11. (Ungar, med. Presse, 13.) 

In der Behandlung der Hämorrhoiden kann man 3 Richtungen unterscheiden. 
Erstens die rein chirurgische Behandlung derselben, welcher eine solche mit milden 
physiologischen Mitteln gegenübersteht. Der Mittelweg wird vom Verf. einge¬ 
schlagen, der 5—8 Tropfen Carboiglycerin in die Knoten injiziert und davon, 
gestützt auf grosses Material, guten Erfolg gesehen hat. Es empfiehlt sich nicht 
mehr als 3—4 Knoten zu gleicher Zeit zu injicieren, nachdem vorher für Ent¬ 
leerung des Mastdarmes Sorge getragen und die Schleimhaut durch Auflegen von 
mit 2 °/o Cocainlösung getränkter Watte unempfindlich gemacht ist. Bei Stuhl¬ 
andrang ist Opium zu verabreichen. Bleiwasserumschläge waren bei nachfolgender, 
starker, entzündlicher Reizung von guter Wirkung. Die Heilung erfolgt nach 
wenigen Tagen. 


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Die Injection von Carboiglycerin hat eine Schrumpfung der Knoten zur¬ 
folge, kann natürlich die Bildung neuer, ebenso wenig wie das Messer des 
Chirurgen, nicht hindern. 

Hagenberg (Göttingen). 

Kocher, A. : Ober Komplikationen der Cholelithiasis. — Wann soll man bei 
Cholelithiasis operieren? (Corresp.-Bl. f. Schweizer Ärzte, XXX, Nr. 7.) 

Verf. giebt zuerst 4 ausgewählte Fälle von Komplikationen der Gallensteine, 
ln dem einen bestand Cholecystitis, Perforation der Blasen wand, Austritt des 
Steins, umschriebene Peritonitis, Absackung des Steins; später neue Entzündung, 
Perforation des Steins in den Darm, wo er tödlichen Ileus bedingte. Bei 2 Fällen 
bestand Carcinom, ein Mal in früherem Stadium, ein Mal mit Lebermetastasen, 
welche eine partielle Leberresektion veranlassten. Im 4. Falle trat eine Kombi¬ 
nation von Carcinom der Gallenblase und tödlichem Ileus durch einen das Darm¬ 
lumen verlegenden Gallenstein auf. 

Im Anschluss daran tritt Verf. für die Operation bei Ch., auch in den un¬ 
komplizierten Fällen, ein und glaubt gerade bei diesen sichere Aussicht auf Hei¬ 
lung geben zu können. Die ideale Operation ist dabei die Freilegung, Eröffnung, 
Ausräumung und (Seiden-)Naht der Gallenblase (ohne Cystopexie). 

Zaudy (Göttingen). 

v. Mieczkowski, L.: Zur Bakteriologie des Gallenblaseninhaltes unter normalen Be¬ 
dingungen und bei der Cholelithiasis. (Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., 

Bd. 6, H. 2.) 

Verf. hat in dankenswerter Weise die noch immer offene Frage nach der 
Infektionsfähigkeit der Galle durch exakte Methodik gefördert. Er untersuchte zu¬ 
nächst in 15 Fällen die frische bei Laparotomieen aus der normalen Gallenblase 
gewonnene Galle, und fand sie steril (bei zwei weibl. Pat. fanden sich Gallen¬ 
steine). Gegenüber der Ochsengalle kommt der menschlichen baktericide Kraft 
nicht zu, Bakterien können sich in ihr reichlich vermehren, für Bacterium coli ist 
Galle ein guter Nährboden. Die Ursache für die Sterilität des Inhalts der nor¬ 
malen Gallenblase liegt in mechanischen Hindernissen, die Bakterien werden durch 
die herabfliessende Galle fortgeschwemmt, der letzte Teil des Ductus choledochus 
ist habituell infiziert. Weiter untersuchte Verf. 23 Fälle von Cholelithiasis und fand 
bei 18 Bacterium coli, daneben einmal Streptococcus pyogenes fongus, einmal Sta- 
phylococcus aureus, ein drittes Mal Staphylococcus albus. In einem Falle bildete 
der Stein die Scheidewand zwischen bakterienfreien und infizierten Räumen. In 
2 Fällen mit eitrigem Inhalt fanden sich keine Bakterien, sie waren wohl abge¬ 
storben. Bei Virulenzprüfungen des Bacterium coli in der Gallenblase soll man 
den Gallenblaseninhalt selbst zu Tierimpfungen verwenden, denn das Bacterium 
coli aus Bouillon ist weniger virulent, und die Galle mit ihren kleinsten Konkre¬ 
menten und ihrer schweren Resorbierbarkeit begünstigt die intraperitoneale In¬ 
fektion. (Abgesehen davon entspricht die vom Verf. angewandte Virulenzbestim¬ 
mung wohl auch mehr den praktischen Ansprüchen. Ref.) Verf. erwähnt zum 
Schluss die 2 Todesfälle Petersens an Peritonitis, entstanden durch Einfliessen in¬ 
fizierter Galle ins Peritoneum. 

Waldvogel (Berlin). 

Schorlemmer, Rudolf: Ober den Nachweis von Gallenfarbstoff in den 
Fäces, in Sonderheit mit der Ad. Sehmidtsehen Probe, und über die 
klinische Bedeutung des Vorkommens von Bilirubin in denselben. Aus 
der med. Klinik in Bonn. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 14.) 

Verf. empfiehlt zum Nachweis des Gallenfarbstoffs in den Fäces die 
Adolf Schmidtsche Probe (2—3 ccm Stuhl werden mit konz. Sublimatlösung ver- 


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rieben, stehen gelassen, nach 24 Stunden makroskopisch und mikroskopisch be¬ 
sichtigt. Bilirubinhaltige Teilchen färben sich grün, hydrobilirubinhaltige rot). 

Mit genannter Probe wurde in normalen Fäces das Bilirubin vermisst, 
bei Störungen der Darmthätigkeit dagegen fast konstant (38 mal in 42 Fällen) 
angetroffen. 

Die Nothnagel sehe Ansicht, dass der Befund von Bilirubin in den Fäces 
auf eine Erkrankung des Dünndarms hinweise, erkennt Verf. nach seinen Er¬ 
fahrungen nicht als richtig an, zumal mit der Schmidtschen Probe bis zur 
Bauhinschen Klappe im Darminhalt Bilirubin nachweisbar ist. Es genügt daher 
eine schnellere Passage durch den Dickdarm bei Colitis, um bilirubinhaltige Fäces 
zu liefern. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Neumayer, Hans: Ober den Einfluss des Kreatinins auf den Ablauf der 
Trommersehen Probe in zuckerhaltigem Harne. 

(Deutsch. Archiv f. klin. Medizin, Bd. 67, H. 1. 2.) 

Die mit einer wässerigen Traubenzuckerlösung angestellte Trommersche 
Probe giebt einen roten Niederschlag von Kupferoxydul, während die gleiche 
mit einem zuckerhaltigen Urine angestellte Probe eine orangerote oder rein gelbe 
Fällung von Kupferoxydulhydrat giebt. Dies beruht auf der Gegenwart von 
Kreatinin im Harne. 

Durch Hinzufügen einer reichlichen Menge von Alkali wird das Kreatinin 
in Kreatin übergeführt, welches trotz seiner nahen Verwandtschaft zum Kreatinin 
keinen derartigen Einfluss auf den Verlauf der Trommerschen Probe ausübt und 
hierdurch wird es erklärt, dass in den meisten Lehrbüchern angegeben wird, dass 
die Menge des bei Ausführung der Probe zugeführten Alkalis einen Einfluss darauf 
habe, ob das Kupfer als Oxydul oder als Oxydulhydrat zur Ausfällung gelangt. 

Hagenberg (Göttingen). 

Die Gesamt-Litteratur des In- und Auslandes über Mundhöhle, 
Speiseröhre und Magen für das 2. Halbjahr 1899 findet sich mit 178 Nummern 
durch H. Elsner im »Archiv f. Verdauungskrankheiten« Bd. 6, H. 1 übersichtlich 
zusammengestellt. Einzelnes Wichtigere aus dieser Fülle herauszugreifen, ist nicht 
möglich; es sei hier daher nur auf jene Stelle hingewiesen. 

Zaudy (Göttingen). 

Im Verein für innere Medizin in Berlin demonstriert Fr. Ewald in der 
Sitzung vom 19. März das Präparat eines Oesophaguscarcinoms mit ein¬ 
liegender Dauerkanüle. Die Kanüle hat nur im Anfänge der Stenose gelegen, 
und die Ernährung durch dieselbe war nur eine so ungenügende, dass noch Nähr- 
klystiere verabfolgt werden mussten. Dieselben wenig guten Resultate haben 
auch Renvers, v. Leyden, Rosenheim, Fränkel und Lazarus fesstellen können. 

(Berl. klin. Wochenschr., Nr. 15.) Hagenberg (Göttingen). 


Besprechungen. 

Schlesinger, Hermann: Ärztliches Handbüchlein. 

7. Aufl. Göttingen, Deuerlichsche Buchh. In Lwdbd. 3,20 Mk. 

Das für die Zwecke des praktischen Arztes geschriebene Handbüchlein, in 
dem die diätetischen, hydro- und baineotherapeutischen und andere nichtmedika- 


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mentöse Verordnungen eine kurze, aber eingehende Besprechung finden, ist im 
neunten Jahre nach seinem ersten Erscheinen soeben in der siebenten Auflage zur 
Ausgabe gelangt. Der Erfolg, den dieses Büchlein bisher gehabt hat, spricht wohl 
am besten für seine Brauchbarkeit und die Wertschätzung, deren es sich bei den 
praktischen Ärzten erfreut. Auch die neue vielfach vermehrte Auflage wird sicher¬ 
lich diese Wertschätzung finden; sie verdient sie auch in vollem Masse, denn es 
sind in ihr alle Fortschritte der Wissenschaft in gebührender Weise berücksichtigt, 
und namentlich ist die den grösseren Teil des Büchleins umfassende Anleitung 
zur diätetischen Behandlung, die ja bei den therapeutischen Massnahmen so vieler 
Krankheiten in den Vordergrund tritt, vielfach verbessert und erweitert und dem 
heutigen Stande unseres Wissens und Könnens angepasst. Die neue Auflage des 
Büchleins kann deshalb nur aufs wärmste empfohlen werden. 

Nicolai er (Göttingen). 

Kisch, E. H., Strasser, A. u. Bum, A.: Die physikaliseh-difttetisehe Therapie 
der Fettleibigkeit. Referate. (Wiener Klinik XXVI, 4.) 40 S. gr. 8. Wien, 

Urban 8t Schwarzenberg. Einzelpreis 75 Pf. 

I. Kisch sieht in dem systematischen Gebrauche von Trinkkuren mit den 
diuretisch und abführend wirkenden Mineralwässern sowie in der Anwendung 
einer Reihe von Mineralbädern ein wichtiges Hilfsmittel für eine allmähliche und 
dauernde Entfettung. Von Wert ist bei Ausführung derartiger Kuren eine minu¬ 
tiöse ärztliche Überwachung, die sich nicht bloss dem Körpergewicht zuwendet, 
sondern gleichzeitig mit Hilfe des Dynamometers über die Muskelkraft des Indi¬ 
viduums und mit Hilfe des Sphygmographen über die Kraft des Herzmuskels eine 
genaue Kontrolle ausübt. Von Bedeutung ist hierbei ferner eine von Zeit zu 
Zeit geübte Feststellung der Stickstoffbilanz. Als unerlässlich für die Anwendung 
der Trinkkuren bei Fettleibigen bezeichnet Kisch die Vornahme von Differenz¬ 
bestimmungen über Flüssigkeitsaufnahme und Harnausscheidung in allen Fällen, 
in denen es durch Herzmuskelschwäche zu Stauungen im Venensystem mit Ver¬ 
minderung der Harnmenge gekommen ist. Unter den Brunnenkuren für Fett¬ 
leibige nehmen die Glaubersalzwässer und besonders die kalten an Kohlensäure 
und Natriumsulfat reichen Quellen die erste Stelle ein. Bei diesen vereinigt sich 
die Wirkung auf die Fettzersetzung mit einer erheblichen Beeinflussung des Zir¬ 
kulationsapparats. Die purgierende Wirkung des in den Glaubersalzwässern ent¬ 
haltenen Natriumsulfats führt zu einer unvollständigen Assimilierung der Nahrungs¬ 
mittel und infolgedessen zu einer Art Unterernährung, welche den Fettansatz 
steigert. Ausserdem ist ein direkter Einfluss des schwefelsauren Natrons auf die 
Steigerung des Fettansatzes anzunehmen. Ähnlich der Wirkung der Glaubersalz¬ 
wässer, wenn auch unzureichender bezüglich der Entfettung, sind die Kochsalz¬ 
wässer, die diuretisch wirken und nur in sehr hohen Dosen einen purgierenden 
Effekt erzielen. Im Gegensatz zu den Glaubersalz- und Kochsalzwässern, die 
mehr für die plethorische Form der Fettleibigkeit in Betracht kommen, eignen sich 
für anaemische Fettleibige fast ausschliesslich Trinkkuren mit den reinen Eisen¬ 
wässern und den an Eisenbikarbonat reichen alkalischen Säuerlingen. Die Menge 
des einzuführenden Mineralwassers muss in diesen Fällen mit Rücksicht auf die 
Neigung zu hydraemischer Beschaffenheit des Blutes genau dosiert werden. Zur 
Unterstützung der Trinkkur mit Mineralwässern dienen für den Zweck der Ent- f 
fettung heisse Mineralbäder und kohlensäurereiche Bäder. Die heissen Bäder ^ 
dürfen nur jenen Fettleibigen gestattet werden, deren Herzmuskel vollkommen \ 
intakt ist und deren Arterien nicht sclerosiert sind. Die kohlensäurereichen Bäder 
sind besonders in den Fällen indiciert, in denen es darauf ankommt, den Herz¬ 
muskel zu stärken. 

II. Strasser. Die Mehrzahl der sogenannten plethorischen Fettleibigen leidet 
an einer kombinierten Allgemeinerkrankung, indem eine ganze Reihe anderer Stoff- 


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Wechselstörungen sich mit dem abnormen Fettansatz verbindet und oft in dem Ge¬ 
samtbild als solche (Gicht, Oxalurie, erhöhter Blutdruck als Anzeichen des Anfangs¬ 
stadiums einer Arteriosclerose). Die einseitige Stickstoff nah rung, wie sie die Ban- 
tingkur vorschreibt, ist in den Fällen, in denen die Fettleibigkeit zusammen mit 
anderen Stoffwechselstörungen durch übermässigen Eiweissgenuss entstanden ist, 
theoretisch nicht zu begründen. Gegen die übliche Verordnung der forcierten 
Eiweissdiät bei den anaemischen Jugendformen der Fettleibigkeit ist einzuwenden, 
dass die Überladung mit Stickstoff den Kranken dieser Art möglicherweise Schaden 
bringen könnte. Ein Plus von Eiweiss könnte in diesen Fällen etwa durch vege¬ 
tarische Nahrungsmittel zugeführt werden. Die Oertelsche Begründung der 
Wasserentziehung resp. der Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr in der Behand¬ 
lung der nicht mit Herzinsufficienz komplizierten Fälle von Fettleibigkeit ist 
schwach. Eine nicht zu vernachlässigende Schädigung der Wasserkarenz ist darin 
zu erblicken, dass an den Dursttagen Zerfallsprodukte von Eiweiss retiniert werden. 
Auch dem Schweningerschen Verbot des Wassertrinkens während des Essens fehlt 
eine ausreichende Grundlage. Dasselbe gilt von der Verordnung häufiger Mahl¬ 
zeiten. Eine absolute Milchkur dürfte sich für einige Tage bis zu einer Woche 
als Einleitung einer Entfettungskur empfehlen, ebenso erscheint die Einschiebung 
eines Milchtages in jeder Woche nach theoretischen Reflexionen als Nutzen ver¬ 
sprechend. Das Minimum, was ein Fettleibiger bei der Kur erhalten soll, ist die 
Erhaltungskost, und zwar nicht eine nach Calorieen ausgerechnete Erhaltungskost 
im physiologisch-chemischen Sinn, sondern eine praktisch festzustellende Erhaltungs¬ 
kost d. h. diejenige Kost, bei welcher der Kranke nicht dicker wird, hauptsächlich 
aber keine Zeichen der Herabsetzung seines allgemeinen Kräftezustandes erkennen 
lässt. Oft genügt es, wenn man das starke Brotessen beschränkt und Alkohol 
verbietet. Die anderen Nahrungsmittel sollen in gleicher Weise eingeschränkt 
werden. Intermittierende Entfettungskuren sind zu billigen, wenn die einzelnen 
Kurperioden nicht durch excessive Massregeln verschärft werden. Es ist zweck¬ 
mässig, zur Bestimmung der Erhaltungskost eine schablonenhaft genaue Kost¬ 
ordnung anzugeben. Am besten ist hiefür die von Kisch aufgestellte geeignet, 
die der Forderung von Noordens, dass die Diäteinschränkung sich möglichst 
gleichmässig in allen Teilen dokumentieren soll, gerecht wird. Bei Herzinsuffi- 
cienz schwerer Art ist die Milchkur, bei solcher leichtern Art die Oertelsche Kur 
in mässiger Form zu empfehlen. Bei gichtischen Komplikationen ist auf reich¬ 
lichen Gehalt der Kost an vegetabilischer Nahrung Wert zu legen. Bei kompli- 
cierender Glycosurie wird man auf die Auswahl und Quantität der Speisen dann 
grössere Rücksicht nehmen, wenn die Glycosurie in manifesten Diabetes über¬ 
zugehen scheint. 

Bei Anwendung der Hydrotherapie handelt es sich darum, das Fett zu 
verbrennen, indem man den Organismus zu grösserer Wärmeproduktion zwingt. 
Dies kann einmal geschehen durch intensive Wärmeentziehungen, Halbbäder von 
niedriger Temperatur (18—13°), ev. kombiniert mit Abreibungen. Beliebter sind 
Schwitzkuren, bewirkt durch Wärmezufuhr- oder Wärmestauungsproceduren, Dampf- 
und Heissluftbäder, elektrische Lichtbäder, Sonnenbäder, feuchte und trockene Ein¬ 
packungen. Mit Rücksicht auf die Wasserabgabe eignen sich die hydraemischen 
Formen der Fettleibigkeit mehr für die Wärmezufuhrproceduren, während für 
plethorisch Fettleibige die Proceduren der Wärmestauung, die Einpackungen, 
vorzuziehen sind. Kälteapplikation auf das Herz schützt vor den Gefahren der 
gesteigerten Herzaktion bei Vornahme der Schwitzproceduren, selbst bei bestehender 
Herzinsufficienz kann man unter Beachtung dieser Vorsichtsmassregel schwitzen 
lassen. Die Dauer der Schwitzbäder ist von Fall zu Fall zu entscheiden, meist ge¬ 
nügen 15—20 Minuten. Die Angabe von der grösseren Schonung des Herzens 
bei Lichtschwitzbädern kann Strasser nicht bestätigen. Fettablagerungen an 
einzelnen praedisponierten Stellen werden durch hydrotherapeutische Massnahmen 
günstig beeinflusst. Bei gleichzeitiger Anwendung hydrotherapeutischer Proce- 


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duren ist es unter Umständen möglich, die Erhaltungskost zu überschreiten, da 
Leistungsfähigkeit und Vitalkapacität der Zellen erhöht wird. 

111. Bum. Im Gegensatz zu der diätetischen Behandlung der Fettleibigkeit, 
welche die Einnahmen des Organismus vermindert, vermehrt Körperbewegung die 
Ausgaben derselben, indem sie die Kohlenstoffverbrennung steigert. Die Körper¬ 
bewegung ist ferner geeignet, einerseits das bei der Fettleibigkeit abgelagerte 
Plus an totem Zellmaterial zur Abstossung zu bringen, anderseits durch Ver¬ 
mehrung der Muskelsubstanz eine Zunahme von aktivem für den Eiweissansatz 
geeignetem Zellmaterial zu bewirken. Die Massage tritt bezüglich ihrer Wirkung 
auf den Stoffwechsel gegenüber den Leistungen der aktiven Formen der Gym¬ 
nastik zurück. Sie vermag dort, wo Körperbewegung undurchführbar ist, für die 
aktive Muskelarbeit einzutreten, ohne sie ersetzen zu können. Eine Sonderstellung 
nimmt die Bauchmassage ein, insofern sie durch Anregung der darniederliegenden 
Darmperistaltik die Abstossung der Stoffwechselschlacken beschleunigen kann. 

In Familien, in denen die Fettleibigkeit zu Hause ist, sollte prophylaktisch 
bei den Kindern durch methodische Muskelübung auf Begünstigung der Fett¬ 
verbrennung und des Eiweissansatzes hingewirkt werden. Dies gilt besonders 
für die Komplikation mit einem Herzfehler. In Fällen von geringgradiger Fett¬ 
leibigkeit beginne man dann, wenn es sich um ein Missverhältnis zwischen Be¬ 
wegung und Ruhe handelt, mit kinesitherapeutischen Massnahmen. Bei den mitt¬ 
leren Graden von Fettleibigkeit empfiehlt es sich, neben der baineotherapeutischen 
Behandlung 2—3 Mal im Jahre für mehrere Wochen bei gleichzeitiger Durch¬ 
führung entsprechender diätischer Massnahmen abwechselnd mechanische und 
hydriatische Proceduren heranzuziehen. Bei den höchstgradigen Formen der Fett¬ 
leibigkeit ist neben den übrigen Methoden die mechanische Behandlung permanent 
zu üben. Die eigentliche Domäne der mechanischen Behandlungsmethoden ist 
bei komplicierenden Erkrankungen der Zirkulationsorgane gegeben. Die Muskel¬ 
arbeit wird hier zwei Indicationen gerecht, der Steigerung der Fettverbrennung 
und der Erleichterung der Herzarbeit. Dies geschieht einerseits durch Erweiterung 
der arteriellen Blutbahnen. Anderseits kommt es durch die Vertiefung der 
Respiration bei erhöhter Muskelthätigkeit zu einer Beschleunigung des Rückflusses 
des venösen Blutes in das rechte Herz, die inspiratorische Drucksteigerung in der 
Abdominalhöhle erfährt eine Vermehrung und dadurch wird die Zirkulation im 
Pfortadergebiet begünstigt. Der Herzmuskel selbst ist durch methodische Er¬ 
schütterungen der Herzgegend (Herzmassage) günstig zu beeinflussen. Die 
Massage vermag Stauungen im venösen Abfluss mit Erfolg entgegenzutreten. Bei 
fettleibigen Diabetikern empfiehlt sich therapeutisch in erster Linie die Anwendung 
dosierter Muskelbewegung, die einerseits eine langsame Entfettung bedingt und 
anderseits die Glycosurie herabsetzt. 

Bezüglich der Technik der mechanischen Behandlung der Fettleibigkeit 
sind Widerstandsbewegungen an erste Stelle zu setzen. Das Vollkommenste 
leistet die maschinelle Kinesitherapie an Apparaten, die es gestatten, die Arbeit 
genauest zu dosieren, sie zu variieren, sie allmählich unter genauer Bestimmung 
nach ihrem Calorieenwert zu steigern und die Gesamtmuskulatur des Körpers 
gleichmässig zu berücksichtigen. Von besonderer Bedeutung ist die Heranziehung 
von Apparaten, die Tiefathmen vermitteln. Jede Überanstrengung des Kranken 
ist durch genau vorgeschriebene zwischen die Bewegungen eingeschaltete Pausen 
zu vermeiden. Die Terrainkur ist nicht gleichwertig mit derartigen Methoden, sie 
verdient aber bei Zuverlässigkeit und bei genauer Information des Kranken be¬ 
züglich des einzuschlagenden Tempos, der Art der Respiration und des Wechsels 
zwischen Arbeit und Ruhe Empfehlung. Dem Sport ist ein Platz unter den thera¬ 
peutischen Methoden der Fettleibigkeit nicht einzuräumen, da jedes nicht genau 
dosierbare und vom Arzte nicht kontrollierbare Agens in der exakten Behandlungs¬ 
methodik auszuschliessen ist. Dagegen ist der Sport bei intaktem Zirkulations¬ 
apparat und bei Fehlen sonstiger Komplikationen als ein häufig wünschenswertes 


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Surrogat streng methodischer mechanischer Behandlung zu betrachten und unter 
entsprechenden gegen jede Übertreibung gerichteteter Cautelen auch ärztlich zu 
empfehlen. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

David, Dp.: Die Magen- und Darmerkrankungen der Kinder. 

(Hamburg, O. Süssmilch. 60 Pf. 64 S.) 

Das kleine für Laien bestimmte Büchlein soll einerseits und zuvörderst den 
Verdauungskrankheiten der Kinder Vorbeugen helfen, andererseits aber da, wo der 
Arzt nur schwer oder garnicht zu erlangen ist, denselben mit möglichster Sach¬ 
kenntnis und Sicherheit entgegenzutreten die Anleitung geben«. Sicher ist die 
erste Absicht sehr zu loben, sie wird das Büchlein durch seine klare, verständliche 
Darstellung voll und ganz erreichen. Ob aber der zweite Zweck zu billigen ist, 
glaube ich kaum. Durch die Angaben medikamentöser Behandlung einzelner Er¬ 
krankungsformen von ärztlicher Seite wird doch gar zu leidht dem ohnedies schon 
blühenden Kurpfuschertum Vorschub geleistet und auch oft die rechte Zeit zum 
Handeln verpasst. — Sollte nicht überall ein Arzt zu erlangen sein? — Es würde 
daher ratsam erscheinen, bei einer ev. weiteren Ausgabe lieber darauf zu verzichten 
und den spezielleren Vorschriften über die Ernährung mehr Raum zu gewähren. 

Schreiber (Göttingen). 

KOppen, A.: Über Verstopfung dureh rissigen After im Säuglingsalter. 

(Sep.-A. a. »Der Kinder-Arzt. Nr. 3< . B. Konegen, Leipzig. 1 M.) 

Verf. weist darauf hin, dass eine häufige Ursache der sog. »habituellen 
Verstopfung« im Kindesalter der rissige After« ist, dessen Entstehung er durch 
den anatomischen Bau des kindlichen Mastdarms erklärt. Die leichteren Fälle be¬ 
handelt er nach Conitzer örtlich mit Ichthyol, das zweckmässiger mit einem 
Haarpinsel als mit Glasstäben oder Watte aufgetragen wird. Vor der ersten An¬ 
wendung soll man die Einrisse cocainisieren. Auch den hartnäckigeren Fällen 
glaubt er gegenüber Henoch und Monti, welche chirurgische Behandlung em¬ 
pfehlen, dadurch beizukommen, dass das Kind zunächst je nach Grösse täglich 
abends 10—20 ccm oder mehr Olivenöl als Klystier bekommt, und dann wird, 
nachdem der Sphincterenkrampf und der Stuhldrang nachgelassen haben, auch hier 
wieder Ichthyol eingepinselt. Zu den Klystieren empfiehlt er eine leichtgehende 
Glasspritze mit seitlich abgespaltetem Hartgummi-Ansatz. 

Schreiber (Göttingen). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Erb, W.: Winterkuren im Hochgebirge. Leipz., Breitkopf u. Härtel. 16 S. 75 Pf. 
v. Hoesslin, R.: Über die Behandlung der Fettleibigkeit. München, J. F. Lehmann. 
39 S. 80 Pf. 

Honigmann, G.: Zur Pathologie der Erkrankungen des Wurmfortsatzes. München, 
Seitz u. Schauer. 19 S. 1,00 M. 

Paczkowski: Die Selbstvergiftung des Körpers als Grundlage zu Erkrankungen. 
Leipz., Demme. 127 S. 2,00 M. 

Goldmann, H.: Die Ankylostomiasis. Wien u. Leipz., W. Braumüller. 54 S. mit 
1 T. 1,40 M. 

Koeppe, H.: Physikalische Chemie in der Medicin. Wien, A. Holder. 170 S. 
3,60 M. 

Nobiling-Jaukau : Handb. d. Prophylaxe. III. Abt. Fischl, R.: Die Prophylaxe der 
Krankheiten des Kindesalters. München, Seitz u. Schauer. 222 S. 2,00 M. 


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7nbaltsv*r?tid>nis. 

Zur Einführung S. 1. Originalartikel: Schwarz, L: Über die Aus¬ 
scheidung und Entstehung des Acetons S. 2. „Referate: Ebstein, W.: Zur Be¬ 
handlung der Fettleibigkeit S. 4. v. Noorden, Über die Indicationen der Wasser¬ 
beschränkung bei Entfettungskuren S. 4. Lüthie, H.: Stoffwechsel versuch an 
einem Diabetiker, mit spezieller Berücksichtigung der Frage der Zuckerbildung aus 
Eiweiss und Fett S. 5. Bouchard et Desgrez: Sur la transformation de la graisse 
en glycogene dans Torganisme S. 6. .. Hoppe-Seyler, G.: Über die Glykosurie 

der Vaganten S. 6. Kuschhaupt, W.: Über Acetonglykosurie S. 6. Bial, M.: 
Über Pentosurie S. 7. Bauermeister, W.: Zur Casuistik des pankreatogenen 
Diabetes S. 7. — Leichtenstem: Über Kehlkopferkrankungen im Verlaufe des Dia¬ 
betes (Laryngitis diabetica) S. 7. His, W.: Schicksal und Wirkungen des sauren 
harnsauren Natrons in Bauch- und Gelenkhöhle des Kaninchens S. 8, — Goeppert, F.: 
Über Harnsäureauscheidung S. 9. Blumenthal, F. und Lewin: Über Sidonal S. 9. 

— Schlayer: Erfahrungen über Sidonal bei Gicht S. 10. Friedeberg: Einige Be¬ 
merkungen über Aspirin S. 10. Klemperer, G.: Kritisches über Gicht-Heilmittel 
S. 10. Loewi, Beiträge zur Kenntnis des Nucleinstoffwechsels S. 10. — 
Michaelis, L.: Klinische Beobachtungen über die Ammoniakausscheidung durch den 
Harn S. 11. — Poduschka, R.: Quantitative Versuche über Allantoinausscheidung 
S. 11. |g Pierallini, G.: Über alimentäre Oxalurie S. 12. v. Boltenstem, O.: 
Nährmittelfrage im letzten Jahre S. 12. Gautier, A.: Influence des diverses pre- 
parations denvees de la viande sur la croissance et la sante des animaux S. 13. 

— Pickardt, M.: Über die rationelle Verwendung des Papain bei Erkrankungen des 
Magens S. 14. Fleiner: Neue Beiträge zur Pathologie der Speiseröhre S. 14. 

— Oesophaguscarcinom, Unfallfolge S. 15. Jung, F. A. R.: Zur Diagnose 

der Divertikel im unteren Abschnitt der Speiseröhre S. 15. Talma, S.: Zur 
Untersuchung der Säuresekretion des Magens S. 16. Cohnheim, P.: Eine neue, 
allgemein anwendbare Formel zur Restbestimmung im Magen (Verallgemeinerung 
der Mathieuschen Methode) S. 16. Croner, W.: Die Frühdiagnose des Magen- 
carcinoms und ihre Bedeutung für die Therapie S. 17. Tod an Magenblutung 
2'/i Jahre nach einer Magenquetschung S. 17. Krokiewicz: Das Verhalten 
des Blutes im Verlaufe von Magencarcinom S. 17. - Sansoni, L.: Über die 

Gastritis ulcerosa chronica anachlorhydrica S. 17. — Bendix, R.: Säuglingsemäh- 
rung S. 18. — Klimmer, M.: Über Milchverfälschungen und deren Nachweis S. 18. 
Keller, A.:.. Über Nahrungspausen bei der Säuglingsernährung S. 19. — Finkei¬ 
stein, H.: Über säureliebende Bacillen im Säuglingsstuhl S. 19. — Rolly und Saarn: 
Über den Einfluss des Ichthalbins auf den Stoffwechsel und die Darmthätigkeit 
der Kinder S. 19. - Dornberger: Tannopin (Tannon) als Darmadstringens S. 20. 
Herzfeld, K. A.: Beitrag zur Lehre von der Enteroptose S. 20. Zeidler, H.: Bei¬ 
träge zur. Pathologie und Therapie des akuten Darmverschlusses S. 20. „ — Sklo- 
dowski: Über chron. Verengerungen d. Dünndarms S. 22. ^- Wyss, C.: Über kon- 

f enitale Duodenal-Atresieen S. 22. — Mühsam, R.: Über Appendicitisexperimente 
. 23. — Schütz: Schleimkolik und membranöser Dickdarmkatarrh S. 23. — 
Lindner, H.: Zur chirurgischen Behandlung der chronischen Colitis und ihrer Folge¬ 
zustände S. 23. — Obrastzow, W. P.: Zur Diagnose des Coecumcarcinoms und 
der Coecumtuberculose S. 24. — Bernhard, O.: Ein Fall von Hemia obturatoria 
S. 24. — Ott: Zur Embolie der Mesenterialarterien S. 24. — Deckart, P.: Über 
Thrombose und Embolie der Mesenterialgefässe S. 25. — Schächter, M.: Die Be- 
handlg. d. Hämorrhoiden S. 25. — Kocher, A.: Über Komplikationen d. Cholelithiasis 
S. 26. — v. Mieczkowski, L.: Zur Bakteriologie des Gallenblaseninhaltes etc. S. 26. 
— Schorlemmer, R.: Nachweis v. Gallenfarbstoff in d. Fäces (Schmidtsche Probe) 
u. klin. Bedeutung d. Vorkommens v. Bilirubin in dens. S. 26. — Neumayer, H.: 
Einfluss d. Kreatinins auf Ablauf d. Trommerschen Probe in zuckerhalt. HameS. 27. 

Besprechungen: Schlesinger, H.: Ärztliches Handbüchlein S. 27. — 
Kisch, E. H., Strasser, A. u. Blum, A.: Die physikalisch-diätische Therapie der 
Fettleibigkeit S. 28. — David, Dr.: Die Magen- und Darmerkrankungen der Kinder 
S. 31. — Koppen, A.: Über Verstopfung durch rissigen After im Säuglingsalter 
S. 31. — Zur Besprechung eingegangene Bücher S. 31. 

Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 2. 


Zweites Mai-Heft 1900. 


1. Jahrgang. 


Central bl aff 

für 

Stoffwechsel- & Veröauungs-KranRheikn 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Göttingen. 


Monatlich 2 Nm. von 1 Va—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Original-Hrtikel. 

Aus der Med. Univ.-Klinik Göttingen. Dir.: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ebstein. 

Über die Hcetonvermebrung beim (Benschen nach Zu¬ 
führung niedriger fettsauren. 

Von 

Dr. J. Hagenberg, Assistenzarzt der Klinik. 

Die in den letzten Jahren erschienenen Arbeiten, vorzugsweise von 
Geelmuyden 1 ) und Waldvogel 2 ), haben gezeigt, dass hauptsächlich der 
Umsatz von Fett im Organismus, sei es beim Gesunden nach Entziehung 
der Kohlenhydrate, sei es beim Diabetiker oder im Hungerzustande, für die 
Bildung von Aceton von wesentlicher Bedeutung ist. 

Geelmuyden machte dann zuerst darauf aufmerksam, dass bei mit 
Phloridzin vergifteten Hunden die Fütterung von Fett, in welchem keine 
niedrigen Fettsäuren enthalten waren — Rindertalg —, die Acetonurie herab¬ 
setzte, ja ganz verhinderte, während Gaben von Buttersäure, in den Magen 
dieser Versuchstiere gebracht, bei sonst gleichen Verhältnissen die Aceton¬ 
ausscheidung vermehrten. Derselbe Forscher 3 ) sprach ferner die Vermutung 
aus, dass das wechselnde Verhalten der Acetonurie bei Fettzufuhr (Butter) 
beim Menschen möglicherweise durch den mehr oder weniger erheblichen 
Gehalt der Butter an flüchtigen Fettsäuren bedingt sein könnte. 

Der Zweck der im Folgenden mitgeteilten Versuchsreihe war der, zu 

1 ) H. Chr. Geelmuyden: Über Aceton als Stoffwechselprodukt. Ztschr. 
f. physiol. Chem. XXIII. 

2) R. Waldvogel: Zur Lehre von der Acetonurie. Ztschr. f. kl. Med. 
XXXVIII. 

3) H. Chr. Geelmuyden: Über die Acetonurie bei Phloridzinvergiftung. 
Ztschr. f. physiol. Chem. XXVI. 


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prüfen, wie sich die Acetonausscheidung beim Menschen nach Genuss von 
fettsäurefreien und fettsäurehaltigen Fetten gestaltet 

Es ist mir nun sehr interessant gewesen, dass die von L. Schwarz 1 ) 
in Prag an einem Diabetiker angestellten Versuche über die Acetonbildung 
unter anderem, um es gleich vorwegzunehmen, zu den gleichen Resul¬ 
taten geführt haben wie meine Versuche am gesunden Menschen, so dass 
die unabhängig von einander unternommenen Versuche hierdurch gegen¬ 
seitig eine Bestätigung erfahren. 

Den Versuch stellte der Verfasser an sich selbst an; ebenso hatte 
Herr Privatdozent Dr. Schreiber die Liebenswürdigkeit sich denselben 
Bedingungen zu unterwerfen. 

Die Anordnung des Versuches war folgende: Auf je einen Hunger¬ 
tag folgte erstens ein Tag, an welchem nur Butter, die eine gewisse Menge 
von Buttersäure enthielt, zugeführt wurde, zweitens ein Tag, an dem ausser 
solcher Butter noch Buttersäure in Form von Calcium butyricum genossen 
wurde, und drittens ein Tag, an welchem die Nahrung aus von niedrigen 
Fettsäuren freiem Fette bestand. Als Getränk diente Thee, von dem an den 
Versuchstagen etwa je 1 Liter genossen wurde. 

Es ist nur die in dem Urine enthaltene Acetonmenge bestimmt, 
während der Gehalt der Atemluft an Aceton keine Berücksichtigung fand. 
Einen Anspruch auf absolute Werte können daher die von mir gefundenen 
Zahlen keineswegs erheben, doch darf man wohl als sicher annehmen, dass 
ein unter gleichen äusseren Bedingungen arbeitender Organismus immer 
einen bestimmten Teil der Gesamtacetonmenge mit dem Urine ausscheidet 
Die Zahlen stellen daher nur relative Grössen dar, und dieses genügt für 
das bei dieser Versuchsreihe zu erzielende Resultat 

Der Gang der Acetonbestimmung (cf. Waldvogel) war der, dass 
200 ccm Urin überdestilliert und von dem aufgenommenen Destillate 10 ccm 
genommen wurden, welche nach Hinzufügung von 4 ccm 50 °/ 0 Natronlauge 
und 6 ccm Jodjodkaliumlösung (Lugol) tüchtig durchgeschüttelt wurden. 
Das so entstandene Jodoform wurde mit 6 ccm reinsten Äthers ausgeschüttelt, 
wonach man nur 4 ccm Jodoform enthaltenden Äthers erhielt Von diesen 
wurden 2 ccm abgehebert, hiernach der Äther zum Verdunsten gebracht und 
das Jodoform gewogen. Diese Menge wurde dann auf die Gesamturin¬ 
menge berechnet. Zur Umrechnung des Jodoforms in Aceton war dann 
diese Zahl mit 0,147 zu multiplizieren. Von jeder luftdicht aufgefangenen 
Tagesmenge wurden zur Kontrolle je 2 Urinportionen überdestilliert und von 
jeder Destillatmenge 3 gut stimmende Wägungen vorgenommen, aus welchen 
dann der Mittelwert genommen wurde. 

(Tabelle I und II s. folgende Seite.) 

Die Bestimmungen des Gesamtstickstoffs und der Harnsäure, welche 
aus anderen Gründen zugleich mit vorgenommen wurden, werden der Voll¬ 
ständigkeit wegen hier mit wiedergegeben.. 


1) Schwarz: Über die Ausscheidung und Entstehung des Acetons. Cen- 
tralbl. f. Stoffw. u. Verd.-Krankh. Bd. 1 ? H, 1, 


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35 


Versuchsperson Dr. H. Tabelle I. 


Nahrung 

Urin- 

Menge 

Sp. G. 

G. N. 

U 

Aceton 


Hungertag 

2000 

1005 

— 

0,4505 

0,0971 


262 g Butter, welche 2,2 
freie Fettsäure enthielt 

1300 

1009 

11,85 

0,3187 

0,1856 


Normale Ernährung 

900 

1027 

14,13 

1,0321 

0,0855 


Hungertag 

1670 

1008 

9,94 

0.4994 

0,0703 

I keine ß- 
l Oxybut- 
L tersäure 

110 g Butter (0,89 freie 
Fettsäure) 

+ 12,0 Calc. butyric. 

2250 

1003 

6,60 

0,3928 

0,2311 

Normale Ernährung 

1500 

1011 

— 

— 

0,0709 

/ 

Hungertag 

850 

1018 

8,30 

0,0555 

0,0996 


von fettsäuren freies 
Fett 

(62 g Schweineschmalz) 

800 

1017 

8,73 

0,0783 

0,0574 



Versuchsperson Dr. Sehr. Tabelle 11. 


Nahrung 

Urin- 

Menge 

Sp. o. 

G. N. 

U 

Aceton 


Hungertag 

1840 

1004 

13,76 

0,3164 

0,1071 


237 g Butter, welche 
2,14 freie Fettsäure 
enthielt 

1850 

1005 

15,45 

0,5308 

0,2056 


Hungertag 

1070 

1009 

8,94 

0,1746 

0,0663 


Reines Fett ohne Fett¬ 
säure 

700 

1917 

9,69 

0,1314 

0,0519 


(150,0 Schweineschmalz) 1 





Auf /S-Oxybuttersäure wurde in der Periode, in welcher die grösste 
Acetonmenge zu erwarten war, nachgesehen. Das Resultat war ein negatives, 
so dass man wohl an den übrigen Versuchstagen, an denen weniger Aceton 
ausgeschieden wurde, gleichfalls die Abwesenheit dieses abnormen Stoff¬ 
wechselproduktes annehmen darf. 

Man sieht aus den in den Tabellen gegebenen Werten, dass die nach 
einem Hungertage entstehende Menge von Aceton eine Steigerung erfährt, 
wenn am folgenden Tage Fett zugeführt wird, welches flüchtige Fettsäuren 
enthält, und zwar so, dass die Gesamtacetonmenge mit dem Gehalte an Fett¬ 
säuren zunimmt Dieser nach Zuführung von fettsäurehaltigem Materiale 

Nr. 2. 


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36 


erfolgenden Steigerung des Acetons steht eine Abnahme seiner Menge nach 
Gaben von reinem Fett strikte gegenüber, ein gleiches Resultat, wie es 
Geelmuyden auch bei seinen Versuchstieren *konstatieren konnte (s. o.). 

Es geht also jedenfalls aus diesen Versuchen hervor, dass die Aceto n- 
bildung bei der alimentären Acetonurie nach Fettfütterung im 
menschlichen Organismus von der jeweiligen Menge der in den 
Fetten vorhandenen niedrigen Fettsäuren abhängig ist 

Die Entstehung des Acetons aus der in unserem Falle eingeführten 
Buttersäure kommt wohl sicherlich durch die Oxydation der letzteren im 
Organismus zustande, und es ist im höchsten Maasse wahrscheinlich, dass 
dieser Prozess schon im Darm vor sich geht, so dass also das hier ent¬ 
standene Aceton als solches vom Körper resorbiert und später ausgeschieden 
wird. Die Bedingungen für die Bildung von Aceton im Darm sind jeden¬ 
falls vorhanden, wenn nämlich aus chemischen Prozessen, wie sie sich im 
Reagenzglase zeigen, Schlüsse auf die Vorgänge im Darm gezogen werden 
dürfen. Bringt man Butter, welche reich an Buttersäure ist, mit Kaliumper¬ 
manganat in Gegenwart einer alkalischen Flüssigkeit (z. B. Kalilauge) in ein 
Kölbchen und lässt man dies eine Weile im Brutschrank stehen, so kann 
man nach nicht zu langer Zeit mit der Li eben sehen Jodoformprobe Aceton 
nachweisen. Ein gleiches Kölbchen, in dem sich von Fettsäuren freies Fett 
(Rindertalg) mit denselben Agentien zusammen befindet, zeigt nach gleich 
langer Zeit und unter denselben Bedingungen keine Spur von Aceton. 
(Dieser Versuch wurde von Dr. Schreiber angestellt und ist von mir kon¬ 
trolliert worden.) 

Ich habe in der 3. Versuchsperiode Beobachtungen über das zeitliche 
Auftreten und Verschwinden des Acetons gemacht, welche hier noch kurz 
folgen mögen. Nach Waldvogel darf man auf die Legalsche Reaktion 
bei der Beurteilung der ausgeschiedenen Acetonmenge kein zu grosses Ge¬ 
wicht legen; gleichwohl habe ich sie als Indikator benutzt, um die erste 
über das physiologische Maass hinausgehende Menge von Aceton im Urin, 
die nach der letzten Nahrungsaufnahme im Hungerzustande auftrat, zu be¬ 
stimmen. Die erste, eben positive Acetonreaktion trat bei mir 17 Stunden 
nach der letzten Nahrungsaufnahme auf, nahm allmählich an Intensität zu und 
zeigte sich am Abend des Hungertages und während des folgenden Tages 
mit reiner Fettnahrung gleich stark. Der nun folgende Tag mit normaler 
Ernährung Hess noch in den ersten 3 Stunden nach der Nahrungsaufnahme 
eine deutlich positive Legalsche Reaktion erkennen, welche nach Ablauf 
einer gleichen Anzahl Stunden verschwunden war. 

Zum Schlüsse möchte ich noch bemerken, dass die von v. Jak sch 
bei Huppert 1 ) angegebene Menge 0,01 als höchste zulässige Zahl des Ace¬ 
tongehaltes im Urin beim normalen Menschen wohl zu niedrig angegeben 
ist. Die aus den Bestimmungen einer Reihe von Normaltagen gefundenen 
Mittelwerte sind bei Dr. Sehr. 0,03 und bei mir 0,029, also das Dreifache in 
beiden Fällen. 

Meinem hochverehrten Chef, Herrn Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ebstein 


1 ) Huppert: Analyse des Harns. 3. Aufl. 1898, S. 55. 


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37 


erlaube ich mir für das Interesse, welches er meiner Arbeit entgegenbrachte, 
und Herrn Privatdozenten Dr. Schreiber für die Anregung und liebens¬ 
würdige Unterstützung meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Salkowski, E.: Ober Entstehung und Ausscheidung der Oxalsäure. 

(Berlin, klin. Wochenschr., Nr. 20.) 

Die Ursachen der Entstehung von Konkrementen aus oxalsaurem Kalk 
in der Blase sowie die Bedingungen für die Entstehung und Ausscheidung der 
Oxalsäure überhaupt waren bisher infolge unzureichender Bestimmungsmethoden 
in Dunkel gehüllt. Durch die 1899 publizierte Methode des Verf., welche auch 
die Bestimmung der Oxalsäure in den Geweben gestattet, ist die Aussicht auf 
Erfolg der Untersuchungen gestiegen. — Man würde die Konkrementbildung am 
sichersten verhüten, wenn man ein Freibleiben des Harns von Oxalsäure erzielen 
könnte. Das ist aber nicht möglich, da die O. zwar einerseits aus eingeführten 
oxalsauren Salzen stammt, anderseits aber, auch beim Menschen, ein Stoffwechsel¬ 
produkt ist (Lüthje, Lommel). Aus welchem Material bildet nun der Organis¬ 
mus die O.? Durch Mills Versuche am Hunde war das Muskelfleisch als Quelle 
der O. wahrscheinlich gemacht. Verf. hat dann in weiteren Fütterungsversuchen 
erwiesen, dass der für die Bildung der O. wesentliche Bestandteil des Muskel¬ 
fleisches nicht das Eiweiss ist. Das Gleiche fand Lommel für den Menschen. 
Auch bei den Versuchen über die Abspaltung von O. aus Eiweiss bei Trypsin¬ 
verdauung und bakteritischer Eiweisszersetzung — regelmässig im Körper ab¬ 
laufenden Vorgängen — war das Resultat so gut wie negativ. Dagegen fand sich 
konstant O. in der Rindergalle. Trifft dies auch für die menschliche Galle zu, so 
erklärt sich das Vorkommen von oxals. Kalk im Stuhl. Interessant ist nun, dass 
zwischen O. und Harnsäure engere Beziehungen bestehen und z. B. bei Thymus¬ 
fütterung die Harnsäure- und O.-Ausscheidung einander parallel laufen. Die nahe¬ 
liegende Annahme, dass die O. aus der Harnsäure in der Leber entstehe, ist noch 
nicht als richtig oder falsch erwiesen. Wahrscheinlich stammt aber die O. ebenso 
wie die Harnsäure aus dem Nucle'in. Es hätten somit die Patienten mit O.-Kon- 
krementen ebenso wie die Gichtiker die nucleinreichen Nahrungsmittel zu meiden; 
da schliesslich aber auch unter Leitung des Verf. festgestellt ist, dass es eine 
»alimentäre Oxalurie« giebt, so würden auch die O.-reichen Speisen einzu¬ 
schränken sein. 

Zaudy (Göttingen). 

Vigoureux, M.: Traitement du diabete arthritique. (Progres med., Nr. 16.) 

Verf. will in leichteren Fällen von Diabetes einen ausgesprochenen Ein¬ 
fluss der statischen Elektrizität auf die Urin- und die Zuckermenge konstatiert 
haben, die beide bedeutend abgenommen hätten. Ferner rühmt er die alte, wohl 
meist vergessene Milchdiät. Bei ausschliesslicher Ernährung mit Milch (3 Liter 
am Tage) hätte er meistens, selbst bei schweren Formen, die Zuckerausscheidung 
stark zurückgehen, niemals zunehmen sehen; er empfiehlt, in vierzehntägigen 
Perioden abwechselnd gemischte Kost und ausschliesslich Milch zu reichen. Aus 
der Mitteilung ist nicht zu ersehen, warum diese Therapie nur für den mit harn¬ 
saurer Diathese verbundenen Diabetes gelten soll. 

Fraenekel (Göttingen). 


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Debove, G.-M.: Präsentation d*un malade oböse traitd avec succös. 

(Bull, de l’acad. de med., Nr. 10.) 

Der 55 jährige Patient, der seit langer Zeit an Gichtanfällen verbunden mit 
Nierenkoliken litt, und mit einem Körpergewicht von 148 kg ins Krankenhaus kam, 
wurde einer extremen Entziehungskur unterworfen. Er erhielt im ersten Monat der 
Behandlung täglich nichts weiter als 2 1 /* Liter ungekochter Milch, wobei er 15 kg 
an Gewicht verlor, im 2. Monat täglich 2 Liter, während das Körpergewicht um 
7 kg sank. Im 3. Monat reduzierte man das tägliche Quantum auf 1 Liter und 
erzielte dabei eine Gewichtsabnahme von 6 kg. Bei diesem Regime blieb man 
noch 4 Monate; in den 3 letzten Monaten, während welcher wegen anhaltender 
Stuhlverhaltung wöchentlich zweimal Purgantien angewendet werden mussten, 
verlor der Kranke abermals 14 kg und wog am Anfang des 8. Monats nur noch 
105 kg. Da von jetzt an das Gewicht konstant blieb, so nahm man einen Diät¬ 
wechsel vor und verordnete grüne Gemüse, rohes Obst, besonders Äpfel und 
Orangen, und grüne Salate. Dabei sank das Gewicht in 2 Monaten von 105 auf 
93 kg. Somit verlor Patient im ganzen während der kaum einjährigen Dauer der 
Behandlung 55 kg. Während er vor Beginn der Kur nur mit Unterstützung gehen 
konnte, vermag er jetzt im vollsten Masse seiner täglichen Beschäftigung nach¬ 
zugehen, da alle krankhaften Erscheinungen wie die Gichtanfälle, die Albuminurie 
etc. zurückgegangen sind. D. hofft, dass dieser vorzügliche Erfolg ein dauernder 
sein wird, vorausgesetzt, dass Patient in Zukunft sich einer mässigen Lebensweise 
befleissigt. Bemerkenswert ist, dass D. die Nahrungsmittel in ihrem natürlichen 
Zustande, d. h. nicht gekocht oder mit irgendwelchen Konservierungsmitteln be¬ 
handelt, verabreicht. Er giebt daher ungekochte Milch, rohe Eier, rohes Fleisch etc. 

Schade (Göttingen). 

von Ranke: Ober Eselsmilch als Sänglingsernährungsmittel. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 18.) 

Verfasser rühmt die in ausserdeutschen Ländern (Frankreich, Holland) ver¬ 
breitete Säuglingsemährung mit Eselsmilch innerhalb der ersten Lebensmonate 
als zweckmässig und bekömmlich da, wo die Muttermilch nicht geboten werden 
kann. 

Er teilt einige im Soxhletschen Laboratorium ausgeführte Analysen der 
Eselsmilch mit, die mit früheren von französischen Autoren im wesentlichen über¬ 
einstimmen. Es folgt aus den Analysen, dass nur in der Eselsmilch die Reihen¬ 
folge der einzelnen Hauptnährstoffe nach ihrer Menge dieselbe ist wie in der 
Frauenmilch, nämlich: Zucker, Kasein, Fett, Salze. Auch in Bezug auf die abso¬ 
luten Mengen der Nährstoffe und den Grad der Alkalescenz herrscht in der Esels¬ 
milch grosse Annäherung an die Frauenmilch. 

Die relative Fettarmut der Eselsmilch lässt dieselbe für die späteren Sta¬ 
dien des Säuglingsalters als etwas wenig nahrhaft erscheinen. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Kobrak, E: Beiträge zur Kenntnis des Caseins der Frauenmilch. 

Chem. Labor, d. physiol. Instit. Breslau. (Pflüg. Arch., 80, S. 69.) 

Die bisher benutzten Methoden zur Gewinnung des Caseins aus Frauen¬ 
milch von Pfeiffer und von Wroblewski waren teils nicht ganz einwandfrei, 
teils in der Ausführung zu schwierig. Ehe der Verf. der Beantwortung der Frage, 
ob das Casein der Frauenmilch mit dem der Kuhmilch identisch ist, näher trat, 
bildete er sich daher eine neue Methode aus, nach der er auf Grund ausführlich 
mitgeteilter Voruntersuchungen folgendermassen verfuhr: 

Die durch Zentrifugieren von Fett möglichst befreite Milch wird mit Vs 

ihres Volumens jJ)-Essigsäure versetzt und in Pergamentschläuchen 5 Tage 


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gegen täglich gewechseltes Chloroformwasser dialysiert. Der Inhalt der Schläuche 
wird in ein Becherglas oder Zentrifugenglas gegossen. Wenn der Niederschlag 
sich abgesetzt hat, wird die überstehende Flüssigkeit abgehebert. Der Nieder¬ 
schlag wird entweder auf einem Filter oder unter Zentrifugieren erst mit Wasser, 
dem einige Tropfen sehr verdünnter Essigsäure zugesetzt sind, dann mit Alkohol 
und Aether gewaschen, schliesslich im So x hl et sehen Apparat entfettet. 

Das so erhaltene Casein ist ein feines, reines, nicht hygroskopisches Pulver. 

Von den weiteren, ausführlich beschriebenen Eigenschaften, die im einzelnen 
im Original nachzulesen sind, sei noch hervorgehoben, dass auch K. durch Pepsinsalz¬ 
säure aus dem Casein ein Paranuclein abscheiden konnte, freilich in geringerer 
Menge als aus dem Kuheasein. Er bestätigte damit eine Angabe von Dogiel 
gegenüber Wroblewski und v. Szontagh. Die Acidität des gewonnenen 
Frauencaseins war erheblich geringer, kaum * 2 /a von der des Kuhcaseins (1,6—1,7: 

2,75 ccm yjj NaOH). Die Vermutung, dass es sich im Frauencasein um eine 

Verbindung eines dem Kuhcasein ähnlichen Nucleoalbumin mit einem basischen 
Eiweisskörper handle, wurde durch die Thatsache gestützt, dass wiederholte 
Reinigung nach dem modifizierten Hammarsten sehen Verfahren für Kuhcasein, 
ein Präparat ergab, dessen Acidität mit der des Kuhcaseins fast identisch war 

(2,5 ^ NaOH). Die bei der Gerinnung mit Lab zwischen Kuh- und Frauencasein 

bestehenden Unterschiede verschwinden, je mehr sich das Casein in der Acidität 
dem Kuhcase'in nähert. (Verschwinden der Opalescenz der Kalkwasserlösung; Zu¬ 
satz von Phosphorsäure giebt milchweisse Färbung, durch Labextract derber Ge¬ 
rinnungskuchen statt der feinen Flocken.) 

Fraenckel (Göttingen). 

Brubacher, H.: Der Einfluss des Gebisses auf die Erkrankung des Magens. 

(Deutsche Monatsschr. f. Zahnheilkunde, H. 4.) 

Bei 500 Patienten der medicinischen Poliklinik zu München wurden die 
Gebisse untersucht und Erhebungen angestellt, in wie hohem Masse Erkrankungen 
des Magens und des Darmes mit solchen der Zähne zusammenfielen. Es zeigte 
sich dabei, dass unter 100 Menschen mit gutem, funktionsfähigem Gebisse unge¬ 
fähr der 8. Teil, unter 100 Menschen mit schlechtem Gebisse der 3. Teil magen¬ 
leidend war. 

Hagenberg (Göttingen). 

Gilbert: The treatment of chronic dyspepsia with H 4 0. 2 . (Buffalo Med. Journ., S. 686.) 

G. hat bei einem Fall von chronischer Dyspepsie nicht nur Mundschleim¬ 
haut und Zunge mit Wasserstoffsuperoxyd abreiben lassen, sondern diese Sub¬ 
stanz auch innerlich gegeben. Der Erfolg war »zauberhaft«! 

Zaudy (Göttingen). 

Reichard: Drei Fälle von tödlicher parenchymatöser Magenblutung. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 20.) 

1 ) Bei einem 56jähr. Mann wurde wegen aller Symptome eines chronischen 
Choledochus-Verschlusses die Gallenblase eröffnet, ohne dass sich ein Abfluss¬ 
hindernis in Gestalt eines Steins oder Tumors finden Hess. Anlegung einer 
Gallenblasendünndarmfistel. Am 6. Tage nach der Operation Entleerung einer 
erheblichen Blutmenge aus dem After; Pat. starb an erneuten Darmblutungen am 
8 . Tage. Sektion: Magen sehr stark gefüllt mit flüssigem und geronnenem Blut, 
ln ihm und dem Duodenum kein Geschwür. Papilla duodenalis liegt verengt in 
einer weisslichen, fibrösen Masse. Chronische interstitielle Hepatitis. — Hier war 
vielleicht die icterische Blutbeschaffenheit von Einfluss. 


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2 ) Patientin mit typischer Ulcusanamnese, wiederholt wegen Haematemesis 
behandelt. Jetzt mehrmals Blutbrechen und blutiger Stuhl. Wegen bedrohlicher 
Anaemie Eröffnung des Magens, ohne dass ein Ulcus oder ein blutendes Oefäss 
gefunden wurde. Tamponade des Magens. Tod nach 2 Tagen an Anaemie. 
Sektion ergab nichts ausser einer alten, längst völlig verheilten kleinen Ulcusnarbe. 

3) 26jähr. Patientin mit denselben Erscheinungen wie die vorige; Befund 
bei der Operation abermals negativ. Magentamponade. Tod an Erschöpfung nach 
2 Tagen. Bei der Sektion fand sich am unteren Teil des Oesophagus, am Magen 
und Duodenum nicht die geringste Veränderung. 

Zaudy (Oöttingen). 

Thompson, W. J. u. Dwyer, F. C: Notes on a case simulating a perforating gastric 
ulcer. (The Dublin Joum. of Med. Scienc., S. 252.) 

Auf Grund des klassischen Symptomenkomplexes wurde Perforation eines 
Magengeschwürs diagnostiziert. Die Laparotomie ergab am Magen keine Ver¬ 
änderung, dagegen an einer Jejunum-Schlinge 2 fast gangränöse Stellen, welche 
dem Durchbruch nahe waren. Ursache vielleicht Infarzierung nach Thrombose in 
den Mesenterialgefässen. Resektion, Heilung. 

Zaudy (Göttingen). 

Mayer, P.: Zur Pathologie der Achylia gastrici und über die therapeutische Ver¬ 
wendung von natürlichem tierischen Magensaft 
(Deutsche med. Wochenschr., Vereins-Beil., Nr. 18, S. 114.) 

Der mitgeteilte Krankheitsfall betrifft einen 67 jährigen Töpfergesellen, der 
als einziges Symptom zahlreiche Durchfälle hatte. Die genaue Funktionsprüfung 
des Magens ergab eine A. g. simplex. Die Ausnutzung der Nahrung war, wohl 
nur wegen der Durchfälle, eine schlechte; dagegen war die Fettresorption normal. 
— Dem Verf. stand nun eine geringe Menge von Pawlowschem natürlichen 
Hundemagensaft zur Verfügung; derselbe wird im Institut f. exp. Medizin in Peters¬ 
burg dadurch gewonnen, dass dem Tiere zuerst eine Magenfistel angelegt, dann 
der Oesophagus quer durchtrennt wird und die beiden Enden getrennt in die 
Wunde eingenäht werden. Sobald das Tier frisst, wobei der Speisebrei natürlich 
aus dem oberen Oesophagusteil herausfällt, beginnt eine durch die Magenfistel 
erkennbare Sekretion von Magensaft, welcher auf diese Weise in reichlicher Menge, 
und zwar völlig rein, gewonnen werden kann. — Bei dem genannten Kranken 
Hess sich der günstige Einfluss dieses Magensaftes auf die eingeführten Speisen 
nachweisen. Auch die vor- und nachher vorhandenen breiigen Stuhlentleerungen 
wurden während des Versuchs durch einen ganz normalen Stuhl ersetzt. 

Zaudy (Göttingen). 

Sehüler, L.: Die semiotisehe Bedeutung der Kohlehydratverdauung für die 
Diagnostik der Hyperaeiditas gastriea. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 19.) 

Die Diagnose einer H. g. ist nicht allein auf die Feststellung der Aciditäts- 
werte angewiesen. Erstens wird nämlich die Dauer der Amylumverdauung, welche 
im Magen bis zu einer gewissen Höhe der HCl-Produktion weitergeht, im Ver¬ 
gleich zur normalen Magensekretion abgekürzt; es lässt sich daher im Mageninhalt 
bei H. g. mit Jod eine Blaufärbung erzielen und gleichzeitig eine abnorm geringe 
Menge rechtsdrehender Substanzen nachweisen. Ferner findet man eine Vermehrung 
des Mageninhalts nach dem Probefrühstück, ausserdem ein entsprechend niedriges 
spez. Gewicht des filtrierten Mageninhalts (normales spez. Gew. 1015—1020). 
Schliesslich zeigt sich noch ein auffallend niedriger Wert für die Gefrierpunkts- 
emiedrigung. Nach des Verf. Ansicht genügen diese Anhaltspunkte, um in Fällen 
des typischen klinischen Bildes der H. g., wo eine HCl-Bestimmung keine für die 


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Diagnose beweisenden Werte ergiebt, dennoch eine H. g. festzustellen, um so 
eher, wenn die Summe der genannten Veränderungen des Mageninhaltes vor¬ 
handen ist. Man kann dann von einer »Hyperaciditas larvata« (Straus s) reden. 
Unter 87 Fällen von H. g. fand Verf. diese Form 17 Mal. 

Zaudy (Oöttingen). 

Linossier: Sur un proeödö de reeherehe et de dosage de la trypsine. 

Soc. de biol. Seance du 24 mars. (La semaine med., S. 116.) 

Um Trypsin qualitativ und quantitativ nachzuweisen, aspiriert man in Röhr¬ 
chen von 1—2 mm Durchmesser eine Lösung mit Methylviolett gefärbter Gelatine, 
zerlegt die Röhrchen in 2 cm lange Teilstückchen und bringt diese in die zu prü¬ 
fende Flüssigkeit. Misst man nun nach einer gewissen Zeit unter dem Mikroskop 
die Länge der aufgelösten Gelatine, so kann man daraus mit grosser Genauigkeit 
die Menge des in der Flüssigkeit enthaltenen Ferments berechnen. Das gleiche 
Verfahren lässt sich auf alle Fermente anwenden, welche die Gelatine in neutralem 
oder alkalischem Medium aufzulösen im stände sind. 

Schade (Göttingen). 

Dr. Hamburger: Over de resorbtie van vet en zeep in den dikken en dünnen Darm. 

(Nederl. Tydschr. v. Geneesk., Nr. 14, S. 727—737.) 

H. erwähnt eine frühere Arbeit über die Verteilung von Fett in Blut¬ 
körperchen und Plasma unter dem Einfluss des respiratorischen Gaswechsels: 
durch fortgesetzte Versuche will er der Frage nach der Fettresorption näher treten. 
Es liegen auf diesem Gebiet nur wenige Untersuchungen vor, namentlich eine von 
Czerny und Latschenberger, bei einem Mann mit Anus praeternaturalis: es 
wurden in die Öffnung bekannte Quantitäten einer Fettemulsion eingeführt: später 
wurde nach Ausspülung die Quantität Fett bestimmt, welche resorbiert war. 

Später haben Munk und Rosenstein Oelinjektionen gemacht bei einem 
Mädchen mit einer Chylusfistel. 

Deueher und Plantinga injizierten Eidotter und Milch ins Rectum bei 
Gesunden. 

Um auszumachen, ob der Dickdarm überhaupt Fett resorbieren kann, wurde 
bei einem narcotisierten Hund eine Schlinge des Dickdarms zum Vorschein ge¬ 
bracht, von innen gereinigt und durch umgelegten Faden in 3 gleich lange Teile 
a, b und c eingeteilt, ln dem mittleren Teil »b« wird eine Lipaninemulsion (Olivenöl 
mit 6,4 °/ 0 Ölsäure) in Na ä C0 3 -Lösung von 7*2 % gebracht: in »a« und »c« nichts. 
Darauf wurde der Darm reponiert und die Bauchhöhle geschlossen: 4 Stunden 
später wurde die Darmschlinge herausgenommen und das Tier getötet. 

Im mittleren Stück »b« war keine Flüssigkeit mehr: die Mucosa wurde 
auspräpariert wie auch die von den anderen Stücken »a« und »c«: zu den letzteren 
wurde ebensoviel Emulsion zugefügt als ursprünglich in Stück »b« anwesend war. 
Danach wurde in allen 3 Fällen das Fettquantum mit Aether bestimmt, nachdem 
die Mucosastückchen zerquetscht waren. 

H. fand, dass der Dickdarm im stände ist, Fett zu resorbieren, was durch 
viele ähnliche Versuche bestätigt wurde. Da aber in Stück »b«, obwohl es bei¬ 
nahe leer war, viele grosse Fetttropfen auf der Schleimhaut lagen, war es möglich, 
dass die Na a CO s -Lösung resorbiert und die Emulsion zerstört war. Darum ge¬ 
brauchte H. eine Seifenlösung zur Emulsion, weil diese physiologisch im Dünn¬ 
darm eine Rolle spielt, ferner weil sie kräftig emulgiert und nicht schnell resor¬ 
biert wird. 

Die Emulsion wurde mit Sapo medicatus hergestellt: es wurde aber erst 
das Schicksal dieser Seifenlösung selbst genauer studiert, weil auch normaliter 
ziemlich grosse Quantitäten Seife im Dickdarm gefunden werden und man noch 
nicht weiss, was daraus eigentlich wird. 


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H. gebrauchte zur Entscheidung der Frage, ob Seife in diesem Dannteil 
resorbiert wird, 3 Methoden: 

1 . er brachte eine Seifenlösung in eine an 2 Stellen abgebundene Schlinge 
des Dickdarms: nach einigen Stunden wurde die Quantität der noch an¬ 
wesenden Seife bestimmt; 

2 . bei einem narcotisierten Hund wurde eine Schlinge des Dickdarms an einer 
Seite abgebunden; an der andern Seite wurde sie in Verbindung gebracht 
mit einem Schlauch, der mit einem auf verschiedene Höhen einstellbaren 
Trichter in Verbindung stand, welcher eine Lösung von Sapo medicatus ent¬ 
hielt: von Zeit zu Zeit wurde das durch Resorption abnehmende Niveau 
wieder auf die frühere Höhe gebracht. Zum Schluss wurden Schlauch und 
Darm ausgespült und von dessen Inhalt sowohl als auch von der Mucosa 
die Seifenquantität bestimmt; 

3. ward der Dickdarm dicht an dem Coecum durchschnitten und die Enden 
in der Bauchwand festgenäht. Per rectum wurde danach Seifenlösung ein¬ 
geführt und dann bestimmt, wieviel Seife in dem Darmstück nach einiger 
Zeit resorbiert worden war. 

H. wies durch alle 3 Methoden das grosse Resorptionsvermögen des Dick¬ 
darms für Seife nach. Diese geht dann nach seinen Versuchen in der Darmwand 
in Fett, wenigstens zum grössten Teil, über. 

Auf Grund der schon oben beschriebenen Versuche mit einer Darm- 
schlinge, die in 3 Teile »a«, »b« und »c< geteilt ist, sodass in >a< Lipaninseifen- 
emulsion, in »b« Lipanin-Na ä C0 3 -Emulsion und in »c« nichts gebracht wurde, konnte 
H. nun nachweisen, dass aus Lipaninseifenemulsion mehr Fett resorbiert wird als 
aus Lipanin-Na s C0 3 -Emulsion. 

Durch ähnliche Versuche ward bewiesen, dass die Fettresorption im 
Dickdarm unter denselben Umständen genau dieselbe ist wie im Dünndarm: H. 
bemerkt aber, dass sich dieses im lebenden Körper gewöhnlich anders verhält, 
weil doch im Dickdarm der Mucosa keine breiige, sondern eine mehr feste, schon 
verarbeitete Inhaltsmasse angeboten wird. 

Auf Grund dieser Versuche und anderer noch etwas variierter, empfiehlt 
Verf. zu versuchen, die günstigsten Resorptionsverhältnisse von Lipanin und Seifen¬ 
lösung kennen zu lernen, um so auch beim Menschen per clysma grössere Fett¬ 
resorption zu stände zu bringen, als bisher zu erreichen war. 

Was noch den Weg anbetrifft, welchen das Fett bei der Resorption nimmt, 
so meint H. mit Sicherheit bewiesen zu haben, dass im Dünndarm des Hundes die 
Blutcapillaren einen Teil der Fettresorption besorgen auf Grund folgenden Experi¬ 
mentes: bei einem tief narcotisierten Hund wurde durch eine Spalte in der Linea 
alba eine Dünndarmschlinge hervorgebracht. Infolge einer fettreichen Mahlzeit 
am vorigen Abend waren die Chylusgefässe prachtvoll injiciert. Auf Entfernungen 
von 17 cm wurden Fäden an der Anheftungsstelle am Darm durch das Mesen¬ 
terium gestochen, ln dem mittleren Stück »b« wurden die Chylusgefässe sorg¬ 
fältig unterbunden, die Stücke »a» und »c« nicht: danach wurde die Schlinge 
durchgespült und die Fäden angezogen, ln jede von den jetzt entstehenden Ab¬ 
teilungen wurde nun Lipaninseifenemulsion gespritzt. Danach wurden noch zur 
Kontrolle 2 leerbleibende Stücke »a 1 « und »c 1 « abgeschnürt neben den Stücken a 
und »c«. Nach 5 Stunden fand H. noch eine grosse Resorption in Stück »b«: dieses 
stimmt mit den Versuchen von Munk und Rosenstein überein, die meinten, 
dass nur 60 % von dem resorbierten Fett durch die Chylusgefässe abfliesst: wahr¬ 
scheinlich wird das durch Blutcapillaren resorbierte Fett bei der langsamen 
Resorption wieder regelmässig umgesetzt, weil doch im Blut ein lipolytisches Fer¬ 
ment anwesend ist. 

H. macht es nun wahrscheinlich, dass auch die Dickdarmcapillaren eine 
ähnliche Rolle spielen. 

ten Cate (Groningen). 


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Kirmisson, E.: Invagination ilöoccecale ehez un enfant de dix mois, lapa- 
rotomie suivie de suceös quatre heures aprös le döbut des accidents. 

(Bull, et mem. de la soc. de chir. de Paris, S. 396.) 

Mitteilung zweier Krankengeschichten: 

1) 10 Monate altes Kind. Plötzliches Erbrechen und Blutabgang aus dem 
After; Kräfteverfall, ln der lleocoecalgegend ein beweglicher Turnor fühlbar. 
Die Diagnose Darminvagination wird durch die 4 Stunden nach Beginn der Er¬ 
scheinungen ausgeführte Operation bestätigt. Heilung. 

2) 47a jähriger Junge mit plötzlichem Erbrechen. In der rechten unteren 
Bauchhälfte ein ausgiebig beweglicher schmerzhafter Tumor fühlbar. Diagn.: Darm¬ 
invagination. Die Operation ergab eine retrocoecale Hernie. Heilung. 

Der Umstand, dass in dem letzten Fall blutige Entleerungen, die K. bisher 
niemals bei Darminvagination vermisst haben will, fehlten, hätte demnach gegen 
die Diagnose einer Invagination sprechen sollen; für die Therapie ist diese Frage 
indes ohne Bedeutung, da jede Art von Darmocclusion ein möglichst zeitiges 
chirurgisches Eingreifen erfordert. 

Schade (Oöttingen). 

Entöpite cholöriforme due k Passociation du colibaeille et de l’entdroeoque. 

Soc. med. des höp. Seance du 6 avril. (La semaine med., S. 123.) 

Galliard fand in den Ausleerungen eines an Cholerine (enterite choleri- 
forme) erkrankten Patienten neben Colibacillen die von Thiercelin beschriebenen 
(La semaine m£d. 1899, S. 144. 221), morphologisch und biologisch den Meningo¬ 
kokken sehr nahe stehenden Enterokokken, denen er in der Genese der Cholerine 
eine Hauptrolle zuschreibt, da sie bei weitem in der Überzahl waren. 

Hayem glaubt, dass man auf Grund noch nicht veröffentlichter Unter¬ 
suchungen Thiercelins dieselben Enterokokken auch als Erreger der gastro¬ 
intestinalen Formen in der gegenwärtigen Influenzaepidemie ansehen müsse, da 
man sie regelmässig nicht nur im Darm, sondern auch im Blut und Ham der 
Kranken nachweisen könne. 

Schade (Göttingen). 

Chauffard, A.: Reeherehes de Physiologie pathologique dans un cas d’ic- 
töre infectieux. (Le semaine med., S. 119.) 

Die Beobachtung eines Falles von Icterus infectiosus bot dem Vf. Gelegen¬ 
heit, die bisher noch wenig berücksichtigten Veränderungen des Urins und des 
Blutes im Verlaufe dieser Erkrankung durch sorgfältige täglich ausgeführte Ana¬ 
lysen zu erforschen. Er kam dabei zu folgenden bemerkenswerten Resultaten. 
Von Beginn der Erkrankung an bestand eine hochgradige Polyurie (5 1 pro die) 
neben einer ganz ungewöhnlichen Azoturie (24stünd. Menge des Harnstoffs: 146gr[!], 
der Harnsäure 2,64 gr) und Vermehrung der Phosphate (6,32 gr), während die 
Chloride sich umgekehrt verhielten (0,55 gr, einmal sogar nur 0,25 gr in 24 Stunden). 
Von den Veränderungen des Blutes stand die Concentration und Vermehrung der 
Dichtigkeit (1,066 statt 1,050—1,055) im Vordergründe, die so ausgesprochen waren, 
dass es bei der Aspiration in Capillarröhrchen fast momentan gerann. Im einzelnen 
fand sich eine geringe Vermehrung der roten Butkörperchen (5673000—5580000), 
eine erhebliche Steigerung des Hämoglobingehalts (107—108 °/ 0 ) und Leucocytose 
(17300—23800). 

Diesen eigenartigen Befund im Urin und im Blut vereinigt nun Ch. mit 
den übrigen keine weiteren Besonderheiten bietenden klinischen Erscheinungen des 
Icterus infectiosus zu einem Komplex von Symptomen, die physiologisch unter ein¬ 
ander aufs engste verknüpft sind. Die Leberschwellung wird seiner Ansicht nach 
nicht ausschliesslich in rein mechanischer Weise durch die Gallenretention bewirkt, 
sondern auch durch eine gewissermassen kompensatorisch auftretende Hypertrophie 


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der Leberzellen, die Hand in Hand geht mit einer funktionellen Hyperaktivität 
(hyperhepatie). Die Folge davon ist eine vermehrte Hamstoffbildung und, da 
nach den Untersuchungen Bouchards der Harnstoff als ein wirkliches physio¬ 
logisches Diureticum anzusehen ist, eine gesteigerte Diurese, woraus eine Ent¬ 
wässerung des Blutes und Vermehrung der Dichtigkeit desselben resultieren. 

Damit war auch der Therapie der einzuschlagende Weg vorgezeichnet: 
dem Blute das entzogene Wasser wieder zu ersetzen. Man erreichte dieses durch 
künstliches Serum, welches teils subkutan, teils in Form von Klysmen appliziert 
wurde. Nach 8 tägiger Behandlung waren alle Störungen wieder ausgeglichen. 

Derartige bis ins Detail gehende Untersuchungen am Krankenbett haben 
demnach nicht bloss ein rein wissenschaftliches Interesse, sondern geben uns 
auch, wie der vorliegende Fall zeigt, eine rationelle Grundlage für unser thera¬ 
peutisches Handeln. 

Schade (Göttingen). 

Faber, K. u. Bloch, C E.: Ober die pathologischen Veränderungen am Digestionstraktus 
bei der perniziösen Anaemie und über die sogenannte Darmatrophie. (Ztschr. f. 

klin. Med., Bd. 40, S. 98.) 

Ausführliche Arbeit mit Berücksichtigung der einschlägigen Litteratur. Die 
eignen Untersuchungen beziehen sich auf 4 Fälle (3 Männer von 49, 50 und 
58 Jahren und eine Frau von 44 Jahren). Um die nicht unbedeutenden kada- 
verösen Veränderungen zu vermeiden, injizierten die Verff. bald nach dem Tode 
ca. Vs 1 Formollösung in die Bauchhöhle. Klinisch fand sich bei Allen eine 
mangelhafte oder aufgehobene Produktion von Salzsäure. Dass die anaemische 
Blutveränderung selbst nicht die Ursache dieser Funktionsstörung ist, zeigte der 
Befund in den 2 Fällen, bei welchen der Magen mikroskopisch untersucht wurde; 
es handelte sich um eine diffuse Entzündung der Schleimhaut mit Zugrundegehen 
und Atrophie der Drüsen (Gastritis interstitialis progressiva atrophicans nach 
Lu barsch). Die Entzündung wird meist von der Cardia bis in den Pylorus an 
Intensität abnehmend gefunden und verliert sich sehr schnell im Duodenum. Be¬ 
züglich des Darms behaupten die Verff., dass es noch nicht bewiesen ist, dass 
man Darmatrophie bei der perniziösen Anaemie vorfindet, da alle beschriebenen, 
auch die 2 von den Verff. untersuchten Fälle Befunde aufweisen, welche eine 
andere Deutung gestatten. Gemeint ist damit hauptsächlich die meist nicht be¬ 
rücksichtigte postmortale Ausdehnung und Verdünnung der Darmwand, welche 
zusammen mit den an der Schleimhaut sich ausserdem noch zeigenden Leichen¬ 
erscheinungen eine Atrophie Vortäuschen kann. Verff. haben das an Tierexperi¬ 
menten zu beweisen gesucht. 

Zaudy (Göttingen). 


Zuppinger: Der Darmkrebs im Kindesalter. (Wiener klin. Wochenschr., Nr. 17.) 

Es wird die Krankengeschichte einer 12 Jahre alten Patientin mitgeteilt, 
bei welcher sich bei der Autopsie ein Carcinom der Flexura sigmoidea fand, wel¬ 
ches intra vitam nicht diagnostiziert war. Es folgt dann eine kurze Zusammen¬ 
stellung einer weiteren Zahl von Carcinomfällen anderer Autoren. 

Von den krebsigen Erkrankungen im Kindesalter ist die Lokalisation im 
Darm relativ am häufigsten. Die Diagnose intra vitam zu stellen, ist bei diesem 
Sitze des Carcinoms sehr schwer. Da nun die meisten Beobachtungen in den 
letzten Decennien gemacht sind, so darf man annehmen, dass bei der allgemeinen 
Zunahme der Carcinose ihr auch immer mehr Kinder zum Opfer fallen. Der 
Lieblingssitz scheint der Dickdarm in seinen unteren Partieen zu sein, während 
der Mastdarm seltener beteiligt ist. Am häufigsten tritt der Darmkrebs gegen 
Ende des Kindesalters auf, und in ganz seltenen Fällen wurde er innerhalb der 
ersten 4 Jahre beobachtet. Bevorzugt ist das männliche Geschlecht 


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Zu einer eigentlichen Krebscachexie kommt es bei Kindern nie; es kann 
sogar der Ernährungszustand bis zum Tode intakt bleiben. Meist bestehen 
nur schwere Anämieen und, wenn lokale Symptome auftreten, so ist der Tod schon 
nicht mehr fern. Der Grund hierfür liegt nämlich darin, dass der kindliche Orga¬ 
nismus weniger widerstandsfähig ist und bei seinem erhöhten Stoffwechsel ein 
rasches Wachstum des Carcinoms begünstigt. Während bei Erwachsenen nach 
Nothnagel die Lebensdauer beim Darmkrebs V*—2 Jahre beträgt, darf man beim 
Kinde höchstens 1 / 2 Jahr annehmen. Nach diesem Autor ist die Differentialdiag¬ 
nose zwischen Sarcom und Carcinom dadurch gegeben, dass das Sarcom keine 
Einschnürungen, sondern eine Dilatation der erkrankten Darmpartie macht, und 
dass frühzeitig bedeutende Abmagerung und erheblicher Kräfteverfall auftreten. 

Die operative Heilung beim Darmkrebs der Kinder hat wegen der erst im 
späteren Stadium ermöglichten Diagnose und der zahlreichen Metastasen schlechte 
Aussichten. 

Hagenberg (Göttingen). 

Dieulafoy: La pleurösie appendiculaire. (Bull, de l’acad. de med., S. 438.) 

Als pleuresie appendiculaire bezeichnet D. eine von einem perityphliti- 
schen Entzündungsherde aus erfolgende Infektion der Pleura. Dieselbe entsteht in der 
Weise, dass es zunächst durch Fortschreiten des Prozesses im retroperitonealen 
Bindegewebe in der Richtung von unten nach oben zur Bildung eines subphre¬ 
nischen Abscesses kommt, von dem aus dann die Entzündungserreger entweder 
direkt nach Perforation des Zwerchfells oder bei völlig intaktem Zwerchfell durch 
dessen Lymphbahnen in die (fast immer) rechte Pleurahöhle gelangen. Abgesehen 
von den wenigen Fällen, in denen die Infektion der Pleura nur eine einfache 
trockne oder seröse Pleuritis mit geringem Erguss, der bald spontan zurückgeht, zur 
Folge hat, handelt es sich meist um die putride Form mit ausgedehntem Exsudat. 
Die Prognose dieser in der Regel zwischen dem 8.—15. Tage nach Beginn der 
Appendicitis auftretenden Komplikation ist stets ernst; therapeutisch kommt allein 
der sofortige operative Eingriff in Frage, der indes mit Rücksicht auf den meist be¬ 
denklichen Kräftezustand des Patienten und der vielleicht schon bestehenden All¬ 
gemeinintoxikation leider nur zu häufig aufgegeben werden muss. Verf. tritt 
daher, um diese und noch viele andere schwere Komplikationen bei Appendicitis 
ein für allemal zu vermeiden, als energischer Verfechter der Ansicht auf, dass 
jede Perityphlitis eine chirurgische Behandlung erfordere. 

Den 4 eignen Beobachtungen fügt D. noch eine Anzahl solcher aus der 
französischen und deutschen Litteratur hinzu, woraus er den Schluss zieht, dass 
die sekundäre Pleuritis bei Appendicitis ein durchaus nicht so seltenes Vor¬ 
kommnis bildet. Schade (Göttingen). 

Pinard, A.: Nouveaux doeuments pour servir k l’histoire de l’appen- 
dicite dans ses rapports avee la grossesse. (Bull, de l’acad. de med., Nr. 10.) 

Aus 6 ausführlich mitgeteilten Beobachtungen von Appendicitis während 
der Schwangerschaft zieht Verf. folgende Schlüsse: 

1) Die Appendicitis kann bei Erst- oder Mehrgebährenden in allen Perioden 
der Schwangerschaft Vorkommen; 2) die Appendicitis während der Schwanger¬ 
schaft nimmt oft einen stürmischen Verlauf und zeigt häufig einen besonders 
schweren Charakter; 3) nur ein möglichst schneller operativer Eingriff bietet 
günstige Chancen zur Heilung; 4) selbst in verzweifelten Fällen kann man zu¬ 
weilen noch durch operatives Vorgehen die Patientinnen vom Tode erretten. 

Eine rechtzeitige Diagnose der Appendicitis zu stellen, bietet nach Verf. 
keinerlei Schwierigkeiten, da deren Hauptsymptome durch die Schwangerschaft 
nicht verdeckt werden. 

Schade (Göttingen). 


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Sehüle: Ober die Differenz zwisehen der Temperatur des Rectum und der 
Achselhöhle speciell bei der eitrigen Appendicitis. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 18.) 

Verfasser hat an einer Reihe von Personen gleichzeitige Temperatur- 
messungen in Axilla und im Rectum gemacht. Bei nicht fiebernden Personen betrug 
die Differenz durchschnittlich 0,6° C., bei fiebernden etwas weniger = 0,4° C. 

In einem Falle von Typhlitis war die Differenz relativ gross (1,1 °- 1,4°), 
nach Verfassers Meinung infolge der Hyperämie der Beckenorgane. Es werden 
analoge von Chirurgen mitgeteilte Erfahrungen aufgeführt. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Les manifestations vertöbrales de la flevre typhoide. 

(La semaine med., S. 121.) 

Zu den schon länger bekannten nach Typhus auftretenden Knochenaffek¬ 
tionen, als deren Prädilektionssitz Rippen und Tibia gelten, haben sich in jüngster 
Zeit mehrere Mitteilungen über bisher noch nicht beschriebene typhöse Wirbel¬ 
erkrankungen gesellt. (Quincke, Könitzer und Schanz.) Wenn auch die be¬ 
treffenden 4 Fälle in Heilung ausliefen, so ist die Spondylitis typhosa doch stets 
als eine ernste Erkrankung anzusehen, die schwere Störungen des Rücken¬ 
marks im Gefolge haben kann. Es ist deshalb von Wichtigkeit, die nicht immer 
leichte Diagnose frühzeitig zu stellen und eine zweckmässige Behandlung einzu¬ 
leiten. Die Diagnose kann besonders dann schwierig sein, wenn die vorauf¬ 
gegangene Typhuserkrankung nicht erkannt wird. Ein stürmischer Beginn spricht 
für Spondylitis typhosa, ebenso das Vorhandensein multipler Herde. Schliesslich 
wird man noch die WidaIsche Reaktion zu Rate ziehen, die bekanntlich noch 
lange nach der Heilung des Typhus ein positives Resultat geben kann. 

Die Behandlung richtet sich nach der Intensität der Erscheinungen. In 
den leichten Fällen genügt Bettruhe in horizontaler Rückenlage neben innerlicher 
Darreichung von Natr. salicyl.; bei andauernden oder zunehmenden Schmerzen 
Gipsverband. Später empfiehlt sich das Tragen eines Sayreschen Korsetts oder 
irgend eines anderen Iramobilisationsverbandes. 

Schade (Göttingen). 

Pick, A.: Ober eine psychisch bedingte Störung der Defäcation. 

(Wiener klin. Wochenschr., Nr. 20.) 

Trotz der wesentlichen Analogieen der Funktionen des Sphincter ani et 
vesicae ist bis jetzt noch kein der funktionellen Störung des Harnlassens, dem 
sog. »Hamstottem«, entsprechender Fall bei der Defäcation bekannt geworden. 
Diese bei Neurasthenischen vorkommende Störung beim Harnlassen besteht darin, 
dass es den Kranken durch die Gegenwart einer Person, durch ein Geräusch, 
welches die Anwesenheit einer solchen z. B. im Nebenzimmer verrät, ja durch 
den blossen Gedanken an eine solche Nähe unmöglich gemacht wird, Urin zu 
lassen, d. h. dass die zur Entleerung der Blase nötige Erschlaffung des Sphincter 
nicht eintritt, da die auf den Act gerichtete Aufmerksamkeit denselben verhindert. 
Der Verf. teilt nun einen Fall mit, bei dem neben dem »Harnstottern« in der 
gleichen Weise der Act der Defäcation durch psychische Einflüsse gestört war. 
Somatische Einflüsse oder Hysterie kamen in diesem Fall nicht in betracht. 

Dass die Störungen der Defäcation selten, die beim Harnlassen häufig 
Vorkommen, findet seinen Grund in äusseren, differenten psychologischen Bedin¬ 
gungen, unter denen sich diese Acte gewöhnlich vollziehen. Der Einfluss dieser 
äusseren Bedingungen zeigt sich besonders darin, dass das »Harnstottem« haupt¬ 
sächlich bei Männern vorkommt. Diese störenden Einflüsse bei der Defäcation 
glaubt der Verf. auch als Ursache für manche aus dem jugendlichen Alter 
Stammende habituelle Obstipation bei Frauen beschuldigen zu dürfen. 

Hagenberg (Göttingen), 


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Lereboullet, P.: Sur deux eas d’angioeholite sans ietöre. 

Soc. med. des hop. Seance du 27 avril. (La semaine med., S. 153.) 

2 Fälle von ascendierender infektiöser Cholangitis spontanen Ursprungs, 
die nur ganz im Anfang von Ikterus begleitet waren, später ohne solchen ver¬ 
liefen, während die Leberschwellung bestehen blieb. Im ersten Fall erzielte man 
schliesslich durch Drainage der Gallenblase Besserung. 

Schade (Göttingen). 

Kelsch: Quelques observations et quelques considörations sur les abcös 
dysentöriques du foie. (Bull, de Pacad. de med., Nr. 10.) 

Verf. wendet sich gegen die früher allgemein gültige und auch jetzt noch 
vielfach herrschende Anschauung, welche die Entstehung der Leberabscesse bei 
Dysenterie auf dem Wege der pyämischen Metastase analog der Leberabscess- 
bildung nach anderen entzündlichen Prozessen im Darm, wie sie auch nach 
chirurgischen Operationen Vorkommen können, zu erklären sucht. Gegen diese 
von Budd aufgestellte Theorie spricht sowohl der klinische Verlauf der dysen¬ 
terischen Abscesse, der durchaus von dem der gewöhnlichen Leberabscesse ab¬ 
weicht, wie auch ihr anatomisches Verhalten, das am ehesten dem Bilde des 
dysenterischen Prozesses im Darm selbst zu vergleichen ist. Der dysenterische 
Leberabscess ist dem dysenterischen Prozess im Darm nicht subordiniert, sondern 
vielmehr koordiniert. Beide Erkrankungen sind anzusehen als die Wirkungen einer 
und derselben Ursache, die für beide die gleiche ist und die wechselseitig, zu gleicher 
Zeit oder nacheinander, zwei organisch differente Gebiete ergreift. Die volle Be¬ 
stätigung wird dieser Anschauung erst dann zu teil werden, wenn der Erreger der 
Dysenterie bekannt ist. Die bakteriologische Untersuchung der dysenterischen 
Leberabscesse hat bisher in dieser Richtung ebensowenig Aufschluss gebracht 
wie die der erkrankten Darmschleimhaut selbst. Trotzdem kann man an der 
spezifischen Natur beider Prozesse keine Zweifel hegen. 

Schade (Göttingen). 

Cirrhose hypertrophique biliaire ä döbut splönique avee adänomegalie. 

Soc. med. des höp. Seance du 6 avril. (La semaine med., S. 124.) 

Milian demonstriert die anatomischen Präparate von einem 22 jährigen 
Manne, dessen Krankheit mit Schmerzen im linken Hypochondrium und Unregel¬ 
mässigkeiten in der Stuhlentleerung begonnen hatte. Ausser einer beträchtlichen 
Milzschwellung Hess sich keine Organveränderung nachweisen; erst später gesellte 
sich unter gleichzeitiger Volumszunahme der Leber ein leichter Ikterus hinzu. 
Die Diagnose wurde auf hypertrophische Lebercirrhose (Hanotsche Krankheit) 
gestellt. Der Tod erfolgte durch Platzen eines Varix im Oesophagus. Die Sek¬ 
tion ergab hochgradige cirrhotische Veränderungen der Milz mit fast vollständigem 
Schwund der Follikel; ausserdem eine hypertrophische Lebercirrhose mit Perian- 
giocholitis und Sklerose der mit Gallenfarbstoff überladenen Lymphdrüsen. 

Nach Chauffards Ansicht passt dieses Krankheitsbild nicht in den 
Rahmen der biliären hypertrophischen Lebercirrhose, gehört vielmehr denjenigen 
Formen der Cirrhose an, bei denen der Prozess in der Milz beginnt und die 
cirrhotischen Veränderungen der Leber erst sekundär zu denen in der Milz sich 
hinzugesellen. Der gleichen Ansicht ist auch Hayem, der bereits vor mehreren 
Jahren derartige Fälle unter der Bezeichnung: ictere chronique splenome- 
galique von der Hanotschen Krankheit abgesondert hat (Presse med., 
9 mars 1898). Schade (Göttingen). 

Predtetschensky, W. E.: Ein Fall von europäischer Chylurie. Aus der propädeutischen 
Klinik der Moskauer Universität. (Ztschr. f. kl. Med., Bd. 40, H. 1. 2.) 

Es wird die ausführliche Krankengeschichte einer 33 jährigen Patientin mit- 

Nr. 2. 


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48 


geteilt, welche seit ihrem 16. Jahre die Symptome der Chylurie zeigte. Der Urin 
enthielt mässige Mengen Eiweiss, keinen Zucker. Mikroskopisch fanden sich bald 
kleine molekülare Fettkömchen, bald grosse Fetttropfen, ferner rote und weisse 
Blutkörperchen (letztere in bei weitem überwiegender Zahl), Fibringerinnsel, aber 
keine Cylinder oder Nierenepithelien. Einmal zeigten sich aber einige Gebilde 
im Urin, die deutlich an die Eier der Taenia nana erinnerten. Es konnte ein 
deutlicher Zusammenhang zwischen Nahrung und Bewegung einerseits und Zu¬ 
nahme des Chylus im Urin andrerseits festgestellt werden. 

Differentialdiagnostisch konnten hier die hämatogene Adiposurie und die 
eigentliche Chylurie in Betracht kommen, also jener Zustand, bei welchem sich 
infolge Ruptur der Lymphgefässe die Lymphe durch eine Fistel in die hamab- 
leitenden Wege ergiesst. Für die letztere sprachen der mikroskopische Befund 
und die chemische Analyse. Was nun die Ätiologie des Falles anbelangt, so 
weist der Verf. mit Rücksicht auf die im Urin gefundenen Eier eines Bandwurmes 
nicht die Möglichkeit von der Hand, dass in diesem Falle von Chylurie dieser 
Parasit durch eine Ansiedelung im Lymphgefässsystem zu den Erscheinungen der 
Chylurie geführt habe. Therapeutisch hat die von Bence Jones empfohlene und 
in dreimaligen Dosen von 0,5 und später von 1,0 verabreichte Gallussäure vorzüg¬ 
liche Dienste geleistet. 

Die frühere Einteilung, tropisch parasitäre und nicht-tropisch und nicht-para¬ 
sitäre Form, hält der Verf. nicht für rationell, sondern schlägt die Einteilung in 
parasitäre und nicht parasitäre vor, wobei man als Parasiten die Filaria sanguinis 
und das Distoma haematobium für die tropische, den Eustrongylus gigas und 
vielleicht die Taenia nana für die europäische Form annehmen kann. 

Hagenberg (Göttingen). 

Cohn: Ober subkutane Milzruptur. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 18.) 

Verfasser beschreibt zwei Fälle subkutaner Milzruptur mit Exstirpation des 
Organs. Der zweite Fall wurde geheilt. 

Aus dem Verlauf dieses letzteren Falles ist bemerkenswert die allmäh¬ 
liche Entstehung bedeutender Anämie in den 8 auf das Trauma folgenden Tagen. 
Es erklärte sich das nach Auffassung des Autors durch Entstehung zunächst eines 
subkapsulären Hämatoms, das erst sekundär zur Zerreissung der Kapsel und zur 
Blutung in die Bauchhöhle führte. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 

Moussu: De la söerötion de la lymphe. Soc. de biol. Seance du 24 mars. 

(La semaine med., S. 116.) 

Beobachtungen am Pferde zeigten, dass durch Muskelthätigkeit die Lymph- 
sekretion gesteigert wird. So erfährt beim Kauakt der Lymphstrom eine nicht un¬ 
erhebliche Beschleunigung, wenngleich der Blutdruck eher herabgesetzt als ver¬ 
stärkt ist. Dagegen hat die Durchschneidung des Halssympathicus auf die Quan¬ 
tität der gebildeten Lymphe keinen merklichen Einfluss. 

Schade (Göttingen). 

Weil: Leucömie lymphatique chronique ä lymphocytes. 

Soc. med. des höp. Seance du 30 mars. (La semaine med., S. 115.) 

In einem Falle von lymphatischer Leukämie fanden sich im Blute fast 
ausschliesslich mononukleäre Leukocyten, während die polynukleären Formen nur 
0,92 % von der Gesamtzahl der weissen Blutkörperchen ausmachten; eosinophile 
Zellen zählte man nicht mehr als 1—2 im Gesichtsfeld. Die mononukleären 
Formen bestanden zu 88,82 % aus Lymphocyten. Lymphdrüsenschwellungen waren 
nicht vorhanden, dagegen ergab die mikroskopische Untersuchung der inneren 
Organe ebenfalls ausschliesslich aus Lymphocyten sich zusammensetzende Lymphom¬ 
bildungen in Leber, Niere, Pankreas etc. Die Lymphocyten-Leukämie ist somit 


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als ein klinisch und anatomisch wohl charakterisierter Typus unter den ver¬ 
schiedenen Formen der lymphatischen Leukämie anzusehen. 

Schade (Göttingen). 

Delezenne: Contribution ä l’ötude des sörums antileueoeytaires; leur 
aetion sur la eoagulation du sang. 

Acad. des Sciences. Seance du 2 avril. (La semaine med., S. 122.) 

D., der schon früher (La semaine med. 1899, S. 366) Versuche über 
den Einfluss der Peptone auf die Blutgerinnung angestellt hatte und zu dem 
Schlüsse gelangt war, dass die anticoagulierenden Eigenschaften der Peptone auf 
deren Fähigkeit, die weissen Blutkörperchen zu zerstören, beruhe, berichtet über 
ganz ähnliche Versuche mit einem sog. »Antileucocytenserum« (serum antileu- 
cocytaire), welches er dadurch erhielt, dass er anderen Tierarten eine Lymph- 
drüsenemulsion vom Hunde oder defibriniertes Hundeblut injicierte. Das Resultat 
war das gleiche wie bei den Peptonversuchen: Aufhebung der Gerinnungsfähig¬ 
keit neben den übrigen charakteristischen Erscheinungen der Peptonintoxikation: 
ausgesprochener Hypoleukocytose, tiefer Narkose nach voraufgegangener Excitation 
und erheblichem Sinken des Blutdrucks. 

Schade (Göttingen). 

Mönötrier: Angine ä pneumocoques et maladie d’Addison. 

Soc. med. des höp. Seance du 30 mars. (La semaine med., S. 115.) 

In einem Fall einer innerhalb weniger Tage tödlich verlaufenden Pneumo- 
kokken-Angina ergab die Sektion eine vollständige käsige Degeneration beider 
Nebennieren, die trotz der allerdings nur geringfügigen Bronzefärbung der Haut 
und der Schleimhäute während des Lebens nicht diagnostiziert war. M. sieht 
zwischen beiden Erkrankungen insofern einen Zusammenhang, als er annimmt, 
dass die an sich einfache Angina deswegen einen so rapiden und schweren Ver¬ 
lauf genommen habe, weil die erkrankten Nebennieren nicht mehr imstande ge¬ 
wesen seien, gewisse im Körper entstehende Toxine unschädlich zu machen. 

Schade (Göttingen). 

Netter: Maladie d’Addison ayant simulö une pöritonite ehez un enfant. 

Soc. med. des höp. Seance du 27 avril. (La semaine med., S. 154.) 

Ein bis dahin völlig gesundes 13 jähriges Kind erkrankte plötzlich unter 
den Erscheinungen einer akuten Peritonitis (Leibschmerzen, Erbrechen, facies ab¬ 
dominalis etc.) und starb 3 Tage darauf. Die Sektion ergab eine alte Tuberkulose 
der Nebennieren. Abgesehen von einer geringfügigen Pigmentierung der Haut 
hatte intra vitam kein einziges auf Morbus Addisonii hinweisendes Symptom be¬ 
standen. 

Schade (Göttingen). 

Aehard: Mort subito au eours d’une tubereulose easöeuse des eapsules 
surrönales sans mölanodermie. Soc. med. des höp. Seance du 27 avril. 

(La semaine med., S. 153.) 

18 jähriges Mädchen mit hochgradiger, für den Morbus Addisonii charak¬ 
teristischer Asthenie. Die Haut bot keinerlei Veränderungen dar. Der Tod er¬ 
folgte plötzlich nachts, nachdem mehrmaliges Erbrechen voraufgegangen. Bei der 
Sektion fand sich eine vollständige Verkäsung beider Nebennieren. A. glaubt 
sich das plötzliche Ende durch die Insufficienz der Nebennieren erklären zu müssen, 
welche die Patientin aller Widerstandskraft beraubt habe, so dass schon eine 
so geringfügige Ursache wie die Verdauungsstörungen und das Erbrechen den 
Tod habe herbeiführen können, 

Schade (Göttingen). 


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Stoeltzner u. Salge: Ober das Vorkommen von eigentümlichen Krystallen 
in den Knochen von mit Nebennierensubstanz behandelten rachitischen 
Kindern. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 18.) 

Die Verff. haben in 3 Fällen der genannten Art Krystallbildungen in den 
Markräumen der Knochen gefunden, über deren Natur sie keinen Aufschluss er¬ 
hielten. Ref. hat in Nr. 20 derselben Wochenschrift darauf hingewiesen, dass die 
angeführten morphologischen und chemischen Eigenschaften der Krystalle denen 
der Harnsäure bezw. ihrer Salze (saures harnsaures Natron u. s. w.) in über¬ 
raschendem Grade ähnlich sind. Auch St. hat — einer briefl. Mitteilung zufolge 
— diese Ähnlichkeit bemerkt, allerdings erst, als das Material verbraucht war. Da 
aber weder den Verff. noch dem Ref. in absehbarer Zeit eine Vervollständigung 
der Untersuchungen möglich ist, so sei für den Fall einer Nachprüfung von an¬ 
derer Seite auch an dieser Stelle auf jene Übereinstimmung hingewiesen. Der 
Befund von Uraten in den Markräumen der Knochen würde von Interesse sein. 

Zaudy (Göttingen). 

Porges, M.: Experimenteller Beitrag zur Wirkung und Nachwirkung von 
Sehilddrüsengift. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 14.) 

P. hat eingehende Untersuchungen des Stoffwechsels bei einem Hunde 
vorgenommen, welcher wesentlich intensiver auf die Verfütterung von Schilddrüsen 
reagierte, als dies bei andern Hunden der Fall gewesen war. ln 2 Untersuchungs¬ 
reihen wurde während der Hauptperiode täglich das wässrige Extrakt von 20 
frischen Hammelschilddrüsen (*= 0,35 g Jod) verabreicht und dabei konstatiert, 
dass neben den bekannten Erscheinungen von Fetteinschmelzung und Eiweiss¬ 
zerfall 1) die Stickstoffunterbilanz nach Aussetzen der Schilddrüsenfütterung unver¬ 
ändert weiter anhielt und 2) als eigentümliches, weiteres Vergiftungssymptom eine 
recht beträchtliche Laevulosurie (bis 0,5 % in der Hauptperiode) eintrat, welche 
die Eingabe der Schilddrüsen ebenfalls um eine beträchtliche Reihe von Tagen 
überdauerte. Man muss sich vorstellen, dass sich die Alteration in dem Kohlen¬ 
hydrat-Stoffwechsel des u. a. 80 g Rohrzucker pro die aufnehmenden Hundes so 
abspielte, dass bei der Zerlegung des Rohrzuckers in seine Komponenten — Dex¬ 
trose und Laevulose — der Traubenzucker besser zurückgehalten und ausgiebiger 
assimiliert wurde als der Fruchtzucker, umgekehrt wie beim menschlichen Diabetes. 
Dass die Glycosurie nicht durch die Qualität des verfütterten Zuckers bedingt war, 
bewies die in einer Nachperiode eingeschaltete Einverleibung von Traubenzucker: 
die Laevulosurie ging sofort in Dextrosurie über. Es wird in Zukunft stets die 
Art des bei den verschiedenen Intoxikationen ausgeschiedenen Zuckers und ihre 
Abhängigkeit von der Art des verabreichten Kohlenhydrats festzustellen sein. 

Zaudy (Göttingen). 

Charrin: Variations pathologiques de la quantitö d’iode contenue dans le 
copps thyrolde. Soc. de biol. Seance du 24 mars. (La semaine med., S. 116.) 

Dass dem Jod der Schilddrüse ein nicht unwesentlicher Einfluss auf die 
Entwickelung des Organismus zukommt, geht aus 32 Analysen hervor, die Ch. an 
neugeborenen Kindern angestellt hat, einerseits an solchen, die von kranken 
Müttern stammten und irgend einer Krankheit erlagen (Gastroenteritis, Meningitis 
u. s. w.), anderseits an gesunden und von gesunden Müttern geborenen Kindern, 
die indes einer zufälligen Komplikation bei der Geburt zum Opfer fielen (Nabel- 
schnurcompressiöh, Asphyxie oder dergl.). Am häufigsten wurde nun das Jod in 
den Fällen der ersten Art vermisst, während es da, wo kein wirklicher organischer 
Fehler, sei es der Mutter oder des Kindes, zu Grunde lag, fast stets nachgewiesen 
werden konnte. Eine vollkommene und normale Entwickelung des Körpers hängt 
somit zum Teil auch von der Integrität der Schilddrüse ab. 

Schade (Göttingen). 


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Duprö: Assoeiation du syndrome basedowien avee la scldrodermie et la 
tötanie. Soc. med. des hop. Seance du 4 mai. (La semaine med., S. 163.) 

Bei einem hereditär belasteten Patienten, der seit seinem 13. Jahre die 
Symptome des Morbus Basedowii bot, entwickelten sich im 24. Jahre eine Sklero¬ 
dermie, 5 Jahre später die Erscheinungen von Tetanie. Für den Morbus Base¬ 
dowii und die Sklerodermie, auf deren Kombination schon von anderer Seite 
mehrfach hingewiesen wurde, macht D. die gleiche Ursache verantwortlich, nämlich 
eine Störung der Schilddrüsensekretion, die beim Morbus Basedowii zur Sklero¬ 
dermie, beim Myxoedem zu jenen eigentümlichen für dasselbe charakteristischen 
Hautveränderungen führt. Dass die Tetanie zu den Läsionen der Schilddrüse 
in nahen Beziehungen steht, ist ebenfalls eine längst bekannte Thatsache, wenn 
auch das gleichzeitige Vorkommen von Basedowscher Krankheit und Tetanie zu 
den Ausnahmen gezählt werden muss. 

Schade (Göttingen). 

Reinbach, 0.: Die Erfolge der operativen Therapie bei Basedowscher Krankheit. 

(Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 6, H. 1. 2.) 

Die operativen Leistungen in der Behandlung des Basedow sind in den 
letzten 2 Jahrzenten immer glänzender geworden, doch bedarf es zur Klärung der 
Verhältnisse noch besonders ausführlicher Krankengeschichten, vor allem mit An¬ 
gaben über die Dauer des Erfolgs. Des Verfassers Material besteht aus 18 genau 
beobachteten und mitgeteilten Fällen. Das klinische Bild ist allein ausschlaggebend 
für die Diagnose, Struma und Tachykardie allein berechtigen nicht zur Diagnose 
Morb. Basedow; Tremor, Tachykardie und eigentümlicher nervöser Zustand fehlten 
nie. Verf. scheidet seine Fälle in 5 Gruppen; die erste mit vollkommenem Er¬ 
folg und abgeschlossener Beobachtung (4 1 / a — ( 9 J.) umfasst 9 Fälle. Die 2. mit 
vollständigem Erfolg und noch nicht ganz abgeschlossener Beobachtung (1—l 1 /^ J. 
nach Operation) 3 Fälle, die 3. mit wesentlicher Besserung und unbekanntem 
Endresultat 1 Fall, die 4. Gruppe enthält 3 wesentlich gebesserte, noch in Beob¬ 
achtung befindliche (1—3 Mon.—1 J.), die 5. 2 Misserfolge, davon 1 mit unge¬ 
nügendem Erfolg, 1 durch Nachblutung tödlich verlaufend. Gegenüber Reh ns 
Mortalität von 13,6% bei Resectionen starb von 16 Resecierten der v. Mikuliczschen 
Klinik keiner, von 5 Arterienunterbindungen ist 1 Fall tödlich verlaufen (Gefäss- 
ruptur bei Hypoplasie der Gefässe), für alle operativ behandelten Fälle ergiebt 
sich eine Mortalität von 4,8 %• Der Eingriff ist ein schwerer, in allen Fällen 
trat auch bei sonst ganz aseptischem Verlauf nach demselben Fieber auf, in 
5 Fällen ausserdem sehr schwere Erscheinungen, zum Teil mit beängstigendem 
Charakter, wie Steigerung der Pulsfrequenz, Arhythmie, excessive Unruhe, Ver¬ 
wirrtheit, Laiynx- Tracheaeloedem. Diese Erscheinungen, welche zum Tode führen 
können, gingen in des Verf.s Fällen vorüber, sind überhaupt in letzter Zeit seltener 
geworden. Auch technisch kann die Operation schwer sein. 

In der Hälfte der Fälle fehlten Stenoseerscheinungen, von ihnen sind 
5 vollständig geheilt, 4 wesentlich gebessert. In vielen Fällen bessern sich zu¬ 
nächst die Pulserscheinungen, gleichzeitig verschwindet das Herzklopfen, das All¬ 
gemeinbefinden bessert sich, der Tremor bildet sich manchmal schnell, manchmal 
langsam zurück. Der Exophthalmus zeigt schon bei der Entlassung Besserung, 
meistens bleibt ein Rest davon zurück und zwar oft allein, anscheinend überhaupt 
nicht verschwindend. In einem Falle im Anschluss an die Operation vermehrte 
Diurese mit Schwund von Ascites und Oedemen (Besserung der Herzkraft? Ref.), 
in einem andern schwand das Eiweiss, aus dem Urin. Der wesentlichste und 
konstanteste Erfolg unmittelbar nach der Operation ist die Änderung des psychi¬ 
schen Verhaltens. Auf die akute Besserung folgt eine mehr chronische. Bei 
diffuser symmetrischer Vergrösserung beider Lappen muss die Verkleinerung durch 
Resection ein bestimmtes nicht festzusetzendes Maass erreichen. Man soll lieber 
von vollständigen Erfolgen als von Heilung sprechen, denn ein normaler Zustand 


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kann nicht in allen Fällen durch die Operation herbeigeführt werden. (Ref. würde 
für Heilung plaidieren, denn wie viele Menschen mit etwas hervortretenden Augen 
und lebhaftem Naturell nennen wir normal.) Das ideale Ziel ist nach Verf. er¬ 
reicht, wenn die objektiven Symptome fast vollständig geschwunden, die Be¬ 
schwerden der Pat. beseitigt sind, die Arbeitsfähigkeit und die Möglichkeit eines 
Lebensgenusses wieder hergestellt ist. In einem der 18 Fälle trat das an und für 
sich bei Kropfoperationen seltene Ereignis des Recidivs ein, aber trotz der Zunahme 
des Kropfes war eine Verschlechterung in den Basedow-Symptomen nicht fest¬ 
zustellen. Eine für den Basedowkropf spezifische, konstant vorkommende patho¬ 
logisch anatomische Veränderung giebt es nicht. Die innerlichen Mittel sollen 
vor der Operation erschöpft sein, wenn auch noch desolate Fälle geheilt sind, 
soll doch nicht bis zum Eintritt eines elenden Allgemeinzustandes gewartet werden. 
Die Arterienligatur ist in der v. Mikulicz sehen Klinik verlassen worden; bei iso¬ 
lierten Knoten wird Enukleation vorgenommen, sonst kommt prinzipiell die Resec- 
tion zur Anwendung. 

Waldvogel (Berlin). 

Magnus, R.: Ober die Veränderung der Blutzusammensetzung nach Koch¬ 
salzinfusionen und ihre Beziehung zur Diurese. (Archiv für experim. 

Pathologie u. Pharmak., Bd. 44.) 

Auf Grund zahlreicher an Hunden vorgenommener Versuche zeigt der Ver¬ 
fasser im ersten Teile seiner Arbeit, dass die intravenöse Infusion nicht nur hyper¬ 
tonischer Kochsalzlösungen, wie von anderer Seite angegeben war, sondern 
auch von iso- und hypotonischen Lösungen eine starke Diurese zu erzeugen 
im stände ist. 

Nach Infusion einer verdünnten NaCl-Lösung (0,44 %, 0,6 %, 0,9 %) zeigt 
sich eine starke Diurese, die, solange der Einlauf dauert, ständig ansteigt, um 
nach Schluss desselben oder kurze Zeit nachher abzufallen, wobei es auffällig ist, 
dass die Diurese stets schon stark sinkt, während noch ein beträchtlicher Teil des 
Wassers im Körper ist. Der Beginn und die Stärke der Diurese sind dabei von 
der Einlaufsgeschwindigkeit abhängig, während sich ein bestimmtes Verhältnis 
zwischen Konzentration der Lösung und Stärke der Hamflut nicht finden lässt 
Bei derartig gesteigerten Diuresen bleibt aber die Niere in ihrer Funktionsthätig- 
keit zurück, so dass der Körper stark mit Flüssigkeit überladen wird. Bei Infusion 
verdünnter Lösungen ist die Kochsalzkonzentration im Urin gross, nimmt auf der 
Höhe der Harnflut ab und wird während der abnehmenden Diurese geringer. 
Dabei zeigt sich, dass prozentisch viel mehr Kochsalz als Wasser bei den stärker 
verdünnten (0,4, 0,6) Lösungen ausgeschieden wird, während bei 0,9 °/o Lösungen 
gleiche Bruchteile abgeschieden werden, so dass also bei Infusion verdünnter 
Lösungen ein relativ konzentrierter Harn entleert wird. Bei der Einführung kon¬ 
zentrierter Lösungen ist die Diurese im Gegensatz zu den oben erwähnten herab 
gesetzt und die Ausscheidung durch die Nieren ist eine geringe, so dass eine 
grosse Salzmenge im Körper zurückbleibt. 

Im 2. Teile sucht der Verf. die Verteilung von Wasser und Salz zwischen 
Blut und Gewebe zu ermitteln. Die Verteilung des Einlaufwassers zwischen Blut 
und Gewebe ist derartig, dass bei Einfuhr verdünnter Lösungen ein sehr be¬ 
deutender Austritt des Wassers aus der Blutbahn stattfindet, dass dagegen bei 
konzentrierten Lösungen Flüssigkeit aus den Geweben in die Blutbahn tritt. Bei 
den verdünnten Lösungen ergiebt sich aber je nach der Konzentration noch ein 
erheblicher Unterschied, und zwar erträgt die Blutbahn von isotonischen Lösungen 
grössere Mengen, während sie sich der hypotonischen rascher zu entledigen sucht. 

Während nun ein Teil durch die Nieren ausgeschieden wird, tritt ein 
anderer Teil aus der Blutbahn in die Gewebe über, um dann wieder aus dem 
Gewebe auf dem Blutwege durch die Nieren ausgeschieden zu werden. 

Die Gewebe dienen also gleichsam als Reservoir, aus dem Fehlbeträge 


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gedeckt werden können, während das Blut hinsichtlich des Wassergehaltes seine 
Zusammensetzung konstant zu erhalten sucht. Die Wanderung des Kochsalzes 
geht bei Infusion konzentrierter Lösungen im Vergleich zu der des Wassers so 
vor sich, dass beide sich bei Beginn in entgegengesetzter Richtung bewegen, um 
aber während der sinkenden Diurese in der gleichen zu gehen. 

Bei den verdünnten Infusionslösungen dagegen stellt das in der Blutbahn 
bleibende Wasser eine konzentriertere Lösung dar als das in die Gewebe tretende. 
Diesem vermehrten Salzgehalte im Blute wirkt aber die Diurese eines salzreicheren 
Harnes entgegen. Nach Schluss des Einlaufes ergiesst sich dann ein Strom von 
Kochsalz aus den Geweben durch das Blut in den Harn, so dass schliesslich 
mehr Wasser als Kochsalz zurückbleibt. 

Im Gegensatz zu Ludwig gelangt der Verf. hinsichtlich der Bewegung 
des Eiweisses zu dem Resultat, dass bei Infusion verdünnter und konzentrierter 
Lösungen ein Austritt des Bluteiweisses aus den Gefässen statthat. 

Der osmotische Druck ändert sich bei den Infusionen isotonischer Lösungen 
nur wenig, sinkt stark bei hypotonischen, steigt erheblich bei konzentrierten. 

Zum Schlüsse untersucht der Verf. noch den Zusammenhang zwischen der 
Diurese und der Blutbeschaffenheit. Die einzige Blutveränderung, welche bei allen 
besprochenen Diuresen konstant auftritt, ist die Verdünnung. Die Salzdiurese ist 
damit als ein spezieller Fall der Blutverdünnung charakterisiert. Da aber die 
Diurese aufhört, bevor das Blut zur normalen Konzentration gelangt ist, müssen 
noch andere Faktoren, vielleicht die besonderen Zirkulationsverhältnisse der Niere, 
mitwirken. 

Hagenberg (Göttingen). 

Tallquist, T. W.: Ein einfaches Verfahren zur direkten Schätzung der Färbestärke des 
Blutes. Aus der med. Klinik in Helsingfors. (Ztschr. f. kl. Med., Bd. 40, H. 1. 2.) 

Die von Ehrlich und Lazarus zur schnelleren Orientierung am Kranken¬ 
bette über den Hämoglobingehalt des Blutes empfohlene Methode, die darin be¬ 
steht, dass zur Prüfung der Färbekraft ein Bluttropfen mit einem Stück Leinwand 
oder Filtrierpapier aufgefangen und spontaner Verteilung überlassen wird, ist vom 
Verf. näher auf ihie Verwendbarkeit untersucht und dadurch handlich gemacht, dass 
von ihm eine Farbenskala als Vergleichsmittel analog der Fleischl-Miescherschen 
Hämometerskala hergestellt worden ist. Bei Ausübung dieser höchst ein¬ 
fachen Methode ist darauf zu achten, dass das durch den Tropfen bedingte Blut¬ 
fleckchen etwa 5—6 mm gross ist, dass ferner das vollkommen weisse und 
möglichst ebene Filtrierpapier vom Blute vollständig durchdrungen wird, und dass 
man den Blutfleck im auffallenden Lichte betrachtet. Es hat sich ferner bei dieser 
»Papiermethode« noch gezeigt, dass bei hochgradigen Chlorosen und Anämieen, 
bes. bei der pemiciösen Form der letzteren, der farbige Fleck von einem farblosen 
oder schwach gelblichen Ringe umgeben ist. 

Hagenberg (Göttingen). 

Hilian: Sur un eas de maladie de Werlhof. Soc. med. des höp. Seance 
du 30 mars. (La semaine med., S. 116.) 

Bei einem 55jährigen Patienten, welcher klinisch die Symptome des 
morbus maculosus Werlhofii bot, ergab die Untersuchung des Blutes eine Ver¬ 
minderung der roten Blutkörperchen, Leucocytose und mangelhafte Retraktion des 
Blutkuchens. Als die Entstehung der Krankheit begünstigende Momente werden 
Kummer und Geldverluste, die der Kranke erlitten hatte, angegeben. 

Schade (Göttingen). 

Engel, C. S.: lieber einen Fall von pernidöser Anaemie mit gelbem Knochenmarke in 
den Epiphysen. (Zeitschr. f. kl. Med., Bd. 40.) 

Nach Ehrlich hat man 2 Formen der pemiciösen Anaemie zu unterscheiden. 


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die metaplastische, welche dadurch charakterisiert ist, dass im Knochenmarke statt 
der kernhaltigen roten Blutkörperchen von normaler Orösse solche von erheblich 
grösserem Umfange, teils mit kleinem, teils mit grossem Kern angetroffen werden, 
und die apiastische Form, die dadurch bestimmt ist, dass trotz der erheblichen 
Anaemie im Knochenmarke sich keine kernhaltigen roten Blutkörperchen vorfinden. 
Der Verf. teilt einen solchen Fall von aplastischer Form mit, bei dem er die Dia¬ 
gnose intra vitam aus dem Blutbefunde stellen konnte. Es fanden sich eine starke 
Verminderung der Erythrocyten, der Leukocyten und eine erhebliche Herabsetzung 
des Hämoglobingehaltes; kernhaltige rote Blutkörperchen waren nicht vorhanden; 
vermehrt waren die Lymphkörperchen. Dieser Befund sprach also für einen 
Prozess im Knochenmarke, bei welchem jede Thätigkeit desselben eingestellt sein 
musste. Bei der Sektion, welche die Diagnose bestätigte, fand sich in der Dia- 
physe und in den Epiphysen der langen Röhrenknochen nur gelbes Mark, welches 
mikroskopisch fast allein Fettkügelchen zeigte. Auffällig war der Inhalt der Rippen, 
aus welchen ein schmieriger Saft herausgepresst werden konnte, der keine Zellen 
enthielt, wohl aber aussergewöhnlich viel unbewegliche Stäbchen von der Form 
des Friedländersehen Pneumoniebacillus. Der Verfasser ist geneigt, den Blut¬ 
befund, die Beschaffenheit des Markes und die Anwesenheit der Bakterien in 
einen causalen Zusammenhang unter einander zu bringen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Dünschmann, H.: Über den Tod dureh Verhungern vom gerichtsärztlichen 
Standpunkte aus. (Vierteljahrschrift f. gerichtl. Medic. u. off. Sanitätswesen, 

Bd. 19, H. 2.) 

Der Verf. untersucht in einer ausführlichen Arbeit die Frage, ob es möglich 
ist, durch einen exakten, positiven Beweis den Tod durch Verhungern festzustellen, 
und kommt dabei zu folgenden Resultaten. Es ist bei Tieren experimentell fest¬ 
gestellt, dass das Fettgewebe bis zu 9 / 10 , die Muskulatur bis zu a /io— 4 /iu> die 
Leber bis über die Hälfte und die Milz bis zu ‘ 2 /a ihres Gewichtes im Hunger¬ 
zustande verlieren. Ob das Auftreten der Nisslkörper in den Vorderhomzellen 
des Rückenmarkes im Hungerzustande ein sicheres Zeichen ist, wird noch 
die weitere Untersuchung lehren müssen. An der Leiche findet man eine Ver¬ 
engerung des Magens, einen fast leeren, stellenweise kontrahierten Darm mit 
verdünnten Wandungen, verkleinerte Leber und Milz und vielfach eine strotzende 
Füllung der Gallenblase. Besonderen Wert legt der Verf. auf die im Hunger¬ 
zustande auftretenden, abnormen Stoffwechselprodukte, welche in dem in der 
Leiche vorhandenen Urine nachzuweisen wären. Es überwiegen im Hunger¬ 
zustande die Phosphate und Kalisalze über Chlor und Natron, ferner ist die 
Menge der gepaarten Schwefelsäuren relativ zur Menge der Sulfatschwefelsäure 
vermehrt; von wesentlichster Bedeutung ist aber der Nachweis des Acetons und 
der Acetessigsäure. 

Hagenberg (Göttingen). 


Caro: Über die Beziehungen epileptischer Anfälle zur Harnsäureaus¬ 
scheidung. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 19.) 

Die von Haig 1896 zuerst mitgeteilte Beobachtung von der Verminderung 
der Harnsäureausscheidung im Urin vor epileptischen Anfällen glaubt Verf. in 
einem Falle ebenfalls gefunden zu haben. Während der 16 Beobachtungstage 
traten an einem Tage 2 schwere Anfälle und an einem andern »unzählige Male 
Gedankenaussetzen« auf; beiden Anfallperioden ging eine deutliche Harnsäureab¬ 
nahme voraus. Leider sind die Ergebnisse unbrauchbar, da Verf. die allseitig als 
unzuverlässig erkannte und durch eine konstante Korrekturzahl nicht hinreichend 
verbesserte Salzsäuremethode (Heintz) anwandte. Um so mehr müssen die hohen 


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Hamsäurewerte (bis 2,08 g in 24 Stdn.) auffallen, wenn auch der Patient an Ne¬ 
phritis litt und die Fleischkost bevorzugte. Einem dritten etwas weniger tiefen 
Absinken der Hamsäuremenge, welches aber das relativ stärkste und plötzlichste 
war, folgten keine Anfälle. — Die Angabe der Harnsäure in Prozenten neben der 
absoluten Menge war überflüssig. 

Zaudy (Göttingen). 

Kövesi und Röth-Schulz: Über Störungen der wassersecernierenden 
Thätigkeit diffus erkrankter Nieren. Aus der 1. med. Kl. in Budapest. 

(Berlin, kl. W., Nr. 15.) 

Die Untersuchungen v. Koränyis, die von Lindemann und M. Senator 
bestätigt wurden, haben ergeben, dass bei diffusen Nierenkrankheiten von einer Aus¬ 
dehnung, die eine Kompensation durch gesundes Gewebe ausschliesst, die abso¬ 
lute Menge der in 24 Stunden im Urin ausgeschiedenen Moleküle abnorm gering 
(molekulare Oligurie) und die Gefrierpunktserniedrigung kleiner als in der Norm 
ist (Hyposthenurie). Letztere Erscheinung gilt als Ausdruck für die Abnahme 
der Wasserresorptionsarbeit der Niere. 

Die Verff. haben nun untersucht, wie sich eine diffus erkrankte Niere zu 
der Aufgabe stellt, auf Bedürfnis einen stark verdünnten Harn zu liefern. Sie 
sammelten den Tagesurin der Versuchsperson in vierstündlichen Mengen und be¬ 
stimmten jedesmal deren Gefrierpunkt. Am folgenden Tage wurde im Verlaufe 
einer Stunde 1,8 Liter Mineralwasser verabreicht und darauf in halbstündlichen 
Intervallen Menge und Gefrierpunkt des Urins ermittelt. Während bei Gesunden 
die Verdünnung in einer starken Abnahme des Gefrierpunktes nach dem Trinken 
zum Ausdruck kam, fehlte diese Differenz fast oder ganz bei parenchymatöser 
Nephritis, war aber deutlich erhalten bei interstitieller; bei Herzfehlern fehlte sie 
nur im Stadium gestörter Kompensation. 

Die Ergebnisse des Verdünnungsversuches werden in die folgenden Sätze 
zusammengefasst : 

1. Bei der parenchymatösen Nephritis ist die wassersecernierende Kraft 
der Nieren, der Schwere des Falles entsprechend, herabgesetzt. 

2. Bei der Schrumpfniere ist dieselbe mehr oder weniger, manchmal sogar 
vollkommen, erhalten. 

3. Dasselbe gilt von den Nieren von Herzkranken, so lange die Kom¬ 
pensation nicht nachlässt. 

4. Die Stauungsnieren verhalten sich bei dem Verdünnungsversuche, 
wie die Übergangsformen zwischen chronischer parenchymatöser Nephritis und 
secundärer Schrumpfniere. 

Fraenckel (Göttingen). 

Indigofermentation. Widerstandsvermögen' der roten Blutkörperehen. 

Wis en naturkundige Afdeeling der K. Acad. v. Wetenschappen in Amsterdam. 

Sitzung vom 31. März. (Nederl. Tydschr. v. Geneesk., Nr. 15, S. 787—788.) 

Prof, de Vries bespricht das Resultat von vielen Versuchen über Indigo¬ 
fermentation: er kam zu dem Schluss, dass die Spaltung von Indican durch die 
Zelle sowohl die Folge von direkter Fermentwirkung des lebenden Potoplasmas 
(katabolische Prozesse), als auch von Enzymwirkung sein kann. 

Die Indigoabspaltung unter Einfluss von Bakterien (wovon die belang¬ 
reichsten die gewöhnlichen Gährungsbakterien von zuckerhaltigen Pflanzeninfusen, 
die Aerobacter. sind) muss als ein katabolischer Prozess aufgefasst werden. 

Was die Enzyme anbetrifft, so kommen sie vor in allen Indigopflanzen 
und einigen Sorten von Alkoholhefen. 

Prof. Hoogewerf bespricht darauf das Indican, seine Spaltung und das 
dabei wirksame Enzym und meint wie auch Prof. Beyerinck, dass Indoxyl das 


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Spaltungsprodukt ist, das aus Indican durch Fermentation entsteht und bei Oxy¬ 
dation Indigo liefert. 

Hierauf teilt Prof. Hoogewerf mit, dass es ihm mit Herrn ter Meulen 
gelungen ist, das Indican krystallinisch rein zu bekommen: es hat die Molek.- 
Formel C, 4 H, 7 N0 6 und die Zusammensetzung von Indoxyl-Glykosid, weil es mit 
3 Molekülen H*0 auskrystallisiert. 

In derselben Sitzung trug Dr. Hamburger über das Widerstandsvermögen 
von roten Blutkörperchen vor. 

ten Cate (Groningen). 

Strassburger: I. Ein verändertes Sedimentierungsverfahren zum mikroskopischen Nachweis 
von Bakterien. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 16.) 

Wenn man Aufschwemmungen von wenig Fäces in Wasser oder Urin, 
Punktionsflüssigkeiten etc. mit Alkohol (am geeignetsten 1 Teil Untersuchungs¬ 
flüssigkeit zu 2 Teilen Alk. absol.) verdünnt und im Spitzglas sedimentieren lässt 
oder besser wenige Minuten zentrifugiert, so sammelt sich die ganze darin ent¬ 
haltene Bakterienmasse — bei Kot sind erst durch vorhergehendes Zentrifugieren 
die gröberen Partikel zu entfernen — am Boden des Gefässes an, und ist so zur 
Untersuchung geeignet. Das Sediment trocknet leicht; die Färbbarkeit der Bak¬ 
terien erleidet keine Einbusse. 

II. Ober den Nachweis von Tuberkelbazillen in den Fäces. 

Die Vorzüge der eben skizzierten Methode lassen sie als besonders ver¬ 
wendbar für den Nachweis von T.-Baz. in den Fäces bei Verdacht auf Darm- 
phthise erscheinen. In der That gelang es in ad hoc an Stühlen von yLungen- 
phthisikern angestellten Versuchen, T.-Baz. auch in geformtem Kot, der keinen 
Schleim oder sonstige abnorme Bestandteile aufwies, zu finden. Die positiven 
Befunde deckten sich allerdings nicht vollkommen mit den klinischen Erscheinungen; 
es ist stets daran zu denken, dass es ausser den T.-Baz. noch andere säure- und 
alkoholfeste Bakterien giebt, die auch tinktoriell sich identisch verhalten; wie weit 
der negative Ausfall gegen Darmtuberkulose verwertbar ist, ist durch weitere 
Versuche zu erhärten. 

Pickardt (Berlin). 

Würz, K.: Ober die traumatische Entstehung von Geschwülsten. 

(Beitr. z. klin. Chir., Bd. 26, H. 3.) 

Das Tierexperiment hat den Zusammenhang zwischen Trauma und Osteomye¬ 
litis aufgeklärt, aber eine echte traumatische Geschwulst bei Tieren zu erzeugen 
ist nicht geglückt, auch die klinische Beurteilung ist schwer. Verf. beantwortet 
daher die Fragen v. Büngners 1. wie viel Geschwülste kamen überhaupt zur Beob¬ 
achtung, 2. in welchen Fällen kann die Geschwulst sicher oder mit an Sicherheit 
grenzender Wahrscheinlichkeit auf ein einmaliges heftiges Trauma zurückgeführt 
werden, aus dem Material der v. Bruns sehen Klinik. Er findet für gutartige Ge¬ 
schwülste ein Verhältnis von nur 3,190 wahrscheinlich traumatisch entstandener 
Fälle, eine nennenswerte Rolle spielen mechanische Insulte bei Osteomen, von 
denen 40 % auf ein schweres Trauma zurückzuführen waren. Traumatische Sar¬ 
kome gab es 7,3 %> bei Carcinomen Hessen sich in wenigen Fällen geringfügige 
äussere Verwundungen nachweisen. Der Grund für die niedrigen Prozentsätze 
gegenüber anderen Autoren liegt in der Ausschliessung aller Fälle, in denen 
chronische Reize, Narbenbildung etc. im Spiel waren. (Ob das berechtigt ist? Ref.). 

Waldvogel (Berlin). 


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Tomei Kurimato: Diplogonoporus grandis (R. Blanchard). Beschreibung einer zum 
ersten Male im menschlichen Darm gefundenen Art Bothriocephalus. 

(Ztschr. f. kl. Med., Bd. 40, H. 1. 2.) 

Es werden die ausführlichen Krankengeschichten von 2 Fällen eines neuen 
Bandwurmes, welcher vom Verf. Diplogonoporus genannt wird, mitgeteilt, denen 
dann eine genaue anatomische Beschreibung des Parasiten folgt. Es handelt 
sich um eine bisher unbekannte Art von Bothriocephalus, der durch verschiedene 
Merkmale wohl charakterisiert ist: kurzer Durchmesser der Proglottiden von vorn 
nach hinten; zwei Haupt- und Nebenfurchen auf den beiden Flächen; eigenartige 
Anordnung der Genitalorgane, Hauptnerven und Wassergefässe. Die Eier dieses 
Bandwurmes unterscheiden sich von denen des Bothriocephalus latus durch ihre 
erheblichere Länge und ihre viel braunere und dickere Schale. Die Erscheinungen, 
welche der Diplogonoporus macht, sind die gleichen wie bei Bothriocephalus 
(allgem. Ernährungsstörung, Ohnmachtsanfälle, Darmkolik u. s. w.), nur werden 
sie dem grösseren und dickeren Parasiten entsprechend hochgradiger sein müssen. 
Therapeutisch zeigte sich in beiden Fällen das Extractum filicis maris wirksam. 

Hagenberg (Göttingen). 


Besprechungen« 

Franke, Felix: Die chirurgische Behandlung des Magengeschwürs. 

Sammlung klin. Vortr., Nr. 270. Leipzig, Breitkopf & Härtel. 75 Pf. 34 S. 

In diesem vor den Aerzten des Herzogtums Braunschweig gehaltenen 
Vortrage tritt Fr. für ein aktiveres chirurgisches Vorgehen beim Magengeschwür, 
speziell bei dessen Folgezuständen ein mit der Begründung, dass die Frage nach 
einem sichereren Heilmittel als das ist, welches die innere Medizin darbietet, berechtigt 
sei und fordernd, dass man sich anscheinend zu weitgehenden Massnahmen der 
Chirurgen nicht von vorn herein ablehnend gegenüberstelle, da sich bei den von 
Petersen zusammengestellten 77 Operationen gutartiger unkomplizierter Magen¬ 
erkrankungen 11 % Mortalität fanden und Verf. von 9 Operierten der letzten beiden 
Jahre keinen verlor. Er bespricht zunächst die Beschwerden, Komplikationen oder 
Gefahren, die Tlurch das Ulcus ventriculi hervorgerufen werden, und weist auf die 
Schwierigkeit der Diagnose hin, erwähnend, dass ihm einmal eine grosse verkalkte 
Drüse des Mesenteriums ein Magengeschwür vortäuschte. In der Abgrenzung des 
Krankheitsbildes beim Magengeschwür von dem anderer Krankheiten legt er der 
Influenzaneuritis eine zu grosse Bedeutung bei, ihre Abgrenzung vom Magen¬ 
geschwür kann nicht so schwer sein, auch wenn »eine von der Blässe Krebskranker, 
Chlorotischer, Anaemischer, Phthisiker, Leber-, Herz-, und Nierenkranker deutlich zu 
unterscheidende blassgraue Färbung der Haut bei chronischer (?) Influenza », wie 
Verf. sie entdeckt hat, als Influenzasymptom nicht in Betracht kommt. Ob sich 
anatomisch noch nach 8 Jahren feststellen lässt, dass eine Hemia linae albae auf einen 
Hufschlag zurückzuführen ist, scheint nach den wenigen Angaben des Verf.s zweifel¬ 
haft. Vor der Vornahme der Operation sollen die Hilfsmittel der innem Medizin 
erschöpft sein, sie rettet fast alle Fälle, in denen die innere Medizin versagt, 
während freilich in wenigen schwierigen Fällen der operative Versuch nicht ein¬ 
mal den Tod abwendet. 

In der Ansicht, dass die Probelaparotomie ein ganz gefahrloser Ein¬ 
griff sei, werden dem Verf. nicht alle Chirurgen zustimmen. Weiter werden 
die verschiedenen beim Ulcus ventriculi und dessen Folgezuständen vorzu¬ 
nehmenden Operationen besprochen, dabei wird, was den Stoffwechselpathologen 


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interessiert, die Angabe anderer Autoren, dass durch Oastroenterostomie und 
Pyloroplastik die Hyperacidität schwindet, bestätigt. Sodann beantwortet Fr. die 
Frage, ob die sich an solche Operationen anschliessenden Wünsche sich erfüllt 
haben und hebt hervor, dass bei eingetretener Perforation sofort zu operieren sei. 
Ueber die Erfolge bei einmaliger profuser Blutung hat er keine persönliche Erfahrung, 
Gutes aber hat er von der chirurgischen Behandlung wiederholter gefahrdrohender 
Blutungen gesehen, ln der Behandlung der Folgezustände, besonders in der 
Lösung von Adhaesionen, scheint Verf. dem Ref. zu weit gegangen zu sein, man 
liest S. 15 »bei dem höchst mühsamen Loslösen kam ich unversehens in eine mit 
schwärzlicher Flüssigkeit erfüllte Höhle und erkannte nun, dass ich einen durch 
narbige Einschnürung seiner Mitte gebildeten Sanduhrmagen vor mir hatte« u. 
S. 16. »bei der sehr schwierigen Loslösung reisst der Magen vor der Pylorusgegend 
ein.« Bei der Behandlung von Ektasieen soll die Magenausspülung, die Verf. eine 
halb chirurgische Massregel nennt, zurücktreten, er führt 3 Fälle an, in denen er bei 
schon lange bestehender Ektasie durch Lösung von Adhaesionen, und Gastroen¬ 
terostomie schöne Erfolge sah. Wie schwer eine zu lange fortgesetzte innere 
Behandlung schaden kann, dafür werden 2 Beispiele angeführt. Verf. hebt hervor, 
dass die Dauerfolge günstig sind, doch scheint mir die Möglichkeit des Entstehens 
neuer Verwachsungen durch die Operation nicht genügend gewürdigt. Als relative 
Indikation zur Operation nimmt Fr. an 1. häufiges Erbrechen und nicht zu be¬ 
seitigende Schmerzen, wenn dabei die Ernährung nicht sinkt, 2. einmalige grosse 
oder wiederholte Blutungen, 3. einfache Magenerweiterung, 4. meist durch Ver¬ 
wachsungen, Sanduhrmagen etc. bedingte zweifelhafte Fälle, die sich durch fort¬ 
währende Schmerzen, Druck etc. und Sinken des Körpergewichts hervorheben und 
für die mindestens die Probelaparotomie in Erwägung zu ziehen ist, 5. schwere 
nach der Ulcusbehandlung zurückbleibende Dyspepsie, 6. Ulcusfälle, die sich durch 
Recidive auszeichnen, diese namentlich dann, wenn die sozialen Verhältnisse eine 
lang dauernde sachgemässe Behandlung sehr schwierig oder unmöglich machen. 

Waldvogel (Berlin). 

Goldmann, H. F.: Die Ankylostomiasis. 

(Wien u. Leipzig, Wilh. Braumüller. 54 S. mit 1 Tafel; 1,40 Mk.) 

Als Bergarzt der Kohlengewerkschaft in Brennberg bei Oedenburg schreibt 
G. aus seinen dort gesammelten Erfahrungen heraus nicht nur für den Arzt, 
sondern auch für die Bergbehörden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass 
mit der wachsenden Zahl der bis in den Norden Deutschlands beschäftigten aus¬ 
ländischen Arbeiter, insbesondere der Italiener, die Gefahr einer ausgebreiteten 
Ankylostoma-Durchseuchung für die am meisten betroffenen Betriebe (Bergwerke, 
Ziegeleien) zunimmt. Hier bedeutet die Heilung des einzelnen Kranken nichts 
im Vergleich zu dem Segen, welchen eine vernünftige und zielbewusste Prophy¬ 
laxe stiften kann. Ref. möchte daher auch neben der nur den Arzt angehenden 
Schilderung des Krankheitsverlaufes, der Therapie u. s. w. den Hauptwert des 
Büchleins darin erblicken, dass die für die Frage interessierten und zu interessieren¬ 
den Laienkreise sich über die Biologie der Ankylostoma belehren und darnach 
die Vorbeugungsmassregeln treffen können, ln Brennberg scheint man besonders 
durch die Versorgung der Bergleute mit einwandsfreiem Trinkwasser (mit Zusatz 
von 1 kg Citronensäure auf 10 hl Wasser, weil durstlöschend und vielleicht 
die A.-Larven abtötend) schon gute Erfolge erzielt zu haben. 

In einem besonderen Abschnitt bespricht Verf. noch die Rolle des Pferdes 
bei der Ankylostomiasis; die im Pferdemist gefundenen Eier scheinen den A.-Eiem 
ausserordentlich ähnlich zu sein, ebenso ist es mit den daraus sich entwickelnden 
Larven. Jedoch ist noch nicht erwiesen, dass die A. bei Pferden vorkommt, was 
für andere Tierarten bereits sichergestellt ist. Vielleicht spielt der Pferdemist 


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auch nur die Rolle eines guten Verbreitungs- und Züchtungsmaterials. Die bei¬ 
gegebene Tafel ist anschaulich. 

Zaudy (Göttingen). 

Köppe, H.: Physikalische Chemie in der Medizin. 

Wien, A. Holder. 170 S. 3,60 Mk. 

Ein ebenso zeitgemässes wie lehrreiches Buch! Seit langem hat den 
Ref. kein Buch derart zu fesseln vermocht und ihm so viel Anregung ge¬ 
geben, als das vorliegende. Einmal ist es der Inhalt desselben, dann aber 
vor allem die klare und präzise Darstellung des Stoffes, dem nicht viele 
medizinische Autoren so gewachsen sein dürften wie gerade der Verfasser, der 
sich auf diesem Gebiete bereits einen Namen erworben hat. Das Buch zer¬ 
fällt in 3 Abschnitte: im ersten giebt Verf. die Theorieen von van’t Hoff und 
Arrhenius über die Lösungen und die elektrolytische Dissociation wieder unter 
Berücksichtigung der dabei in Frage kommenden physikalischen Methoden. Der 
zweite Teil umfasst zahlreiche Untersuchungen über das Wirken der osmotischen 
Kräfte im tierischen und menschlichen Organismus, über die Bestimmung des 
osmotischen Druckes im Blute — mit besonderer Besprechung der mittels des 
Hämatokriten gewonnenen Resultate —, über molekuläre Zusammensetzung der 
Körperflüssigkeiten, die osmotischen Wirkungen bei den Lebensvorgängen, Be¬ 
deutung der Salze für die Ernährung und die Anwendung der physikalischen 
Untersuchungsmethode in der Balneologie. Besonders interessant ist auch der 
dritte Teil, in welchem der Verf. die Beziehung zwischen den medizinischen 
Wissenschaften und der physikalischen Chemie erörtert, und es ist gewiss sehr 
lehrreich, an der Hand der geschichtlichen Entwicklung der modernen Osmose¬ 
lehre zu sehen, dass ebenso gut wie die Medizin der physikalischen Chemie viel 
verdankt, aber auch umgekehrt die letztere den medizinischen Wissenschaften zu 
Dank verpachtet ist. 

Am Schluss bringt der Verf. ein sehr übersichtlich geordnetes Litteratur- 
verzeichnis (dem wohl zweckmässig noch ein Register angefügt würde). 

Schreiber (Göttingen). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Weiss, J. u. Schweiger, S.: Therapeutische Indikationen für innere Krankheiten. 

München, Seitz & Schauer. 320 S. geb. 5,00 Mk., geh. 4.00 Mk. 2. Aufl. 
Hertoghe, E. u. Spiegelberg, J. H.: Die Rolle der Schilddrüse bei Stillstand und 
Hemmung des Wachstums und der Entwicklung und der chronische gut¬ 
artige Hypothyreoidismus. München, J. F. Lehmann. 69 S. 2,00 Mk. 
Leube, W. v.: Über Stoffwechselstörungen und ihre Bekämpfung. Leipzig, F. C. W. 
Vogel. 32 S. 1,00 Mk. 


7nhaltsver|eichnis. 

Originalartikel: Hagenberg, J.: Ueber die Acetonvermehrung beim 
Menschen nach Zuführung niedriger Fettsäuren. S. 33. — Referate: Salkowski, E.: 
Ueber Entstehung und Ausscheidung der Oxalsäure S. 37. — Vigoureux, M.: 
Traitement du diabete arthritique S. 37. — Debove, G.-M.: Presentation d'un 
malade obese traite avec succes S. 38. — von Ranke: Ueber Eselsmilch als Säug¬ 
lingsernährungsmittel S. 38. — Kobrak, E.: Beiträge zur Kenntnis des Casein der 
Frauenmilch S. 38. — Brubacher, H.: Der Einfluss des Gebisses auf die Erkrankung 
des Magens S. 39. — Gilbert: The treatment of chronic dyspepsia with H a O Ä S. 39. 


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— Reichard: Drei Fälle von tödlicher parenchymatöser Magenblutung S. 39. — 
Thompson, W. J. u. Dwyer, F. C.: Notes on a case simulating a perforating gastric 
ulcer S. 40. — Mayer, P.: Zur Pathologie der Achylia gastrica und über cfie thera¬ 
peutische Verwendung von natürlichem tierischen Magensaft S. 40. — Schüler, L: 
Die semiotische Bedeutung der Kolenhydratverdauung für die Diagnostik der Hypera- 
ciditas gastrica S. 40. Linossier: Sur un procede de recherche et de dosage de 
la trypsine S. 41. — Dr. Hamburger: Over de resorbtie van vet en zeep in den 
dikken en dünnen Darm S. 41. — Kirmisson, E.: Invagination ileoccecale chez un 
enfant de dix mois, laparotomie suivie de succfes quatre heures aprfes le debut des 
accidents S. 43. - Enterite choleriforme due ä l’association du colibacille et de 
Penterocoque S. 43. ~ Chauffard, A.: Recherches de Physiologie pathologique 
dans un cas d’ictere infectieux S. 43. — Faber, K. u. Bloch, C. E.: Ueber die 
pathologischen Veränderungen am Digestionstraktus bei der perniziösen Anaemie 
und über die sogenannte Darmatrophie S. 44. — Zuppinger: Der Darmkrebs 
im Kindesalter S. 44. — Dieulafoy : La pleuresie appendiculaire S. 45. — Pinard, A.: 
Nouveaux documents pour servir ä l’histoire de l’appendicite dans ses rapports 
avec la grossesse S. 45. — Schüle: Ueber die Differenz zwischen der Temperatur 
des Rectum und der Achselhöhle speziell bei der eitrigen Appendicitis S. 46. — 
Les manifestations vertebrales de la fievre typhoide S. 46. — Pick, A.: Ueber 
eine psychisch bedingte Störung der Defäcation 5. 46. — Lereboullet, P.: Sur deux 
cas d’angiocholite sans ictfere S. 47. — Kelsch: Quelques observations et quelques 
considerations sur les abces dysenteriques du foie S. 47. — Cirrhose hypertrophique 
biliaire ä debut splenique avec ad^nomegalie S. 47. — Predtetschensky, M. E.: 
Ein Fall von europäischer Chylurie S. 47. — Cohn: Ueber subkutane Milzruptur 
S. 48. — Moussu: De la secretion de la lymphe S. 48. — Weil: Leucemie lympha- 
tique chronique ä lymphocytes S. 48. — Delezenne: Contribution ä Petude des 
serums antileucocytaires; leur action sur la coagulation du sang S. 49. — Menetrier: 
Angine ä pneumocoques et maladie d’Addison S. 49. — Netter: Maladie d’Addison 
ayant simule une peritonite chez un enfant S. 49. — Achard: Mort subite au 
cours d’une tuberculose caseeuse des capsules surrenales sans m61anodermie S. 49. 

— Stoeltzner und Salge: Ueber das Vorkommen von eigentümlichen Krystallen 
in den Knochen von mit Nebennierensubstanz behandelten rachitischen Kindern 
S. 50. — Porges, M.: Experimenteller Beitrag zur Wirkung und Nachwirkung 
von Schilddrüsengift S. 50. — Charrin: Variations pathologiques de la quantite 
d’iode contenue dans le corps thyroide S. 50. — Dupre: Association du syndrome 
basedowien avec la sclerodermie et la tetanie S. 51. — Reinbach, G.: Die Erfolge 
der operativen Therapie bei Basedowscher Krankheit S. 51. — Magnus, R.: Ueber 
die Veränderung der Blutzusammensetzung nach Kochsalzinfusionen und ihre Be¬ 
ziehung zur Diurese S. 52. — Tallquist, T. W.: Ein einfaches Verfahren zur 
direkten Schätzung der Färbestärke des Blutes S. 53. — Milian: Sur un cas de 
maladie de Werlnof S. 53. — Engel, C. S.: Ueber einen Fall von pemiciöser 
Anaemie mit gelbem Knochenmarke in den Epiphysen S. 53. — Dünschmann, H.: 
Ueber den Tod durch Verhungern vom gerichtsärztlichen Standpunkte aus S. 54. 

— Caro: Ueber die Beziehungen epileptischer Anfälle zur Hamsäureausschei- 
dung S. 54. — Kövesi und Röth-Schuiz: Ueber Störungen der wassersecemieren- 
den Thätigkeit diffus erkrankter Nieren S. 55. — Indigofermentation. Widerstands¬ 
vermögen von roten Blutkörperchen S. 55. — Strassburger: I. Ein verändertes Sedimen- 
tierungsverfahren zum mikroskopischen Nachweis von Bakterien. 11. Ueber den 
Nachweis von Tuberkelbazillen in den Fäces S. 56. — Würz, K.: Ueber die trau¬ 
matische Entstehung von Geschwülsten S. 56. — Tomei Kurimato: Diplogonoporus 
grandis (R. Blanchard) S. 57. — Besprechungen: Franke, F.: Die chirurgische 
Behandlung des Magengeschwürs S. 57. — Goldmann, H. F.: Die Ankvlostomiasis 
S. 58. Koppe, H.: Physikalische Chemie in der Medizin S. 59. — Zur Besprechung 
eingegangene Bücher S. 59. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 3. 


Erstes Juni-Heft 1900. 


1. Jahrgang. 


Cmfralblaff 

tflp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen. 


Monatlich 2 Nm. von l 1 /«—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Origiual-HrtikeU 

pbyfihaUfcb-cbermtcbe Unterfucbungen über das Verhalten 
der l)amfäure und ihrer Salje in Cöfungen. 

(Nach einem auf dem Kongress für innere Medicin 1900 gehaltenen Vortrage.) 

Von 

Professor W. His d. J. 

Wer mit der Litteratur über Gicht und Steinbildung vertraut ist, der 
weiss, dass die Bedingungen, unter denen die Harnsäure und ihre Salze aus- 
fallen, nur sehr unvollkommen bekannt sind. Wohl ist ein reiches Mass 
von Erfahrungsthatsachen gesammelt, das Verständnis für dieselben wird 
aber erst möglich, wenn die Formen und Zustände bekannt sind, in denen 
diese Substanzen in Lösung vorhanden sind, und mit anderen gelösten Stoffen 
in Reaktion treten, und wenn die speziellen Befunde ins Licht der allgemeinen 
Gesetze und Anschauungen gerückt werden, wie sie aus der van V Hoff¬ 
schen Theorie der Lösungen und den weiteren Ergebnissen der physikali¬ 
schen Chemie sich ergeben haben. Mit Professor Th. Paul in Tübingen 
habe ich daher das Verhalten der Harnsäure und ihrer Salze einer Unter¬ 
suchung unterzogen, deren Resultate hier in Kürze mitgeteilt werden sollen. 

Die Harnsäure enthält 4 durch organische Radikale substituierbare 
Wasserstoffatome, doch können nur 2 derselben durch Metalle ersetzt werden: 
die Säure ist zwei basisch. Aus Gründen der Bequemlichkeit können wir sie 
hier darstellen als aus 2 Wasserstoffatomen HH und einem Rest S bestehend. 
Wird die Säure in Wasser gelöst, so zerfällt sie in ein Wasserstoff- 
/H 

Ion H und einen Rest S : nur zum sehr geringen Teil spaltet dieser 

/H 

auch das zweite H-Ion ab; in der Lösung befinden sich demnach S, S x 

Nr. 3. 


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62 


und H -Ionen. Die Mengen dieser hauptsächlichen Bestandteile stehen unter¬ 
einander in einem bestimmten Gleichgewicht, das durch eine Gleichung 

S /H xH = S<hXK 

ausgedrückt werden kann, worin K einen durch Versuch bestimmbaren Faktor, 
die Affinitäts- oder Dissociationskonstante bedeutet 

Wird nun der Lösung eine Base, z. B. Natronlauge, zugefügt, so 
zerfällt diese in das Hydroxyl-Ion OH und den Basenrest, hier also Na. 
Zunächst tritt das Ion OH in Reaktion, indem es mit dem Wasserstoff 
H zu dem wenig dissociierten Wasser Zusammentritt Dadurch wird 
das Gleichgewicht der dissociierten Bestandteile der Harnsäure gestört, H 

/W 

wird sehr klein, und, damit die Gleichung erfüllt bleibe, muss S x , der 

H 

Säurerest, auf Kosten des nicht dissociierten Anteils S<^j-j wachsen. Nun ist 

aber die Menge des letzteren durch das Löslichkeitsverhältnis bestimmt, 
und, falls ungelöste Harnsäure zugegen ist, geht von dieser soviel in Lösung, 

bis der Sättigungspunkt für S<^j-| wieder erreicht ist, d. h. bei Gegenwart 

von Natronlauge löst sich die Harnsäure auf. 

Dieser Prozess würde bei weiterer Zufuhr von Lauge unbegrenzt 
weiterschreiten, liefe nicht ein zweiter Prozess nebenher. 

Ein Teil der Na-Ionen nämlich tritt mit dem Rest S^^ zusammen 


zu nicht dissociiertem primären hamsauren Natronsalz S^jsja, dessen Menge 
/W 

zu derjenigen der S - und Na-Ionen in dem Verhältnis 
S /H xNa = S<J a xK' 


stehen muss, worin K' die Dissociationskonstante des primären hamsauren 
Natrons ist 

/W H 

Wächst, bei obigem Prozess, die Menge von S X , so muss auch S<^ a 

zunehmen, und wenn dessen Menge die Löslichkeitsgrenze überschreitet, 
fällt das primäre harnsaure Natron in fester Form (als »Bodenkörper«) aus. 
Es bildet sich somit auf Kosten der in Lösung gehenden Harnsäure deren 
saures Natronsalz, wie sich im Versuch ohne weiteres erkennen lässt 

Dauert nun aber, nachdem der Vorrat an ungelöster Harnsäure er¬ 
schöpft ist, die Zufuhr von Natronlauge fort, so werden immer neue Mengen 
von H-Ionen zur Bildung von Wasser verbraucht: sie ersetzen sich zunächst 


aus 


/ H H 

S , dieses aus S<^j-|, und zuletzt bleiben in der Lösung nur noch die 


Ionen S<( und Na übrig, d. h. die Bestandteile des neutralen oder sekun¬ 


dären Salzes. 

Der Vorgang ist also der, dass beim allmählichen Zusatz von Natron¬ 
lauge zu einer Aufschwemmung von Harnsäure in Wasser zunächst die Säure 


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in primäres Salz umgewandelt, sodann dieses zu sekundärem Salz gelöst 
wird. Dieser Vorgang selbst ist längst bekannt; der Vorzug der neuen An¬ 
schauungen liegt darin, dass der Einfluss anderer Salze, Säuren und Basen 
auf denselben verständlich, und jede Phase des Prozesses der Rechnung zu¬ 
gänglich wird. 

Setzt man einer Auflösung von saurem harnsauren Natron ein anderes 
Natronsalz zu, z. B. Chlornatrium, so geht folgendes vor sich: 

/W 

Das Urat* zerfiel in die Ionen S und Na, deren Menge zu der¬ 
jenigen des unzerlegten Salzes durch die Gleichung 

S /H xNa = S<Na X K' 

bestimmt war. 

Das Chlornatrium zerfällt in die Ionen CI und Na; durch die letzteren 
wird die Konzentration der Na-Ionen in der Lösung vermehrt und, damit 

H 

obiges Gleichgewicht erfüllt bleibe, muss auch S<^ a wachsen: d. h. die * 

Menge des nicht dissociierten Salzes wächst (sog. Rückdrängung der 
Dissociation). Da nun dessen Menge durch das Löslichkeitsverhältnis be¬ 
grenzt ist, so muss, wenn dieses überschritten wird, das Salz ausfallen: d. h., 
die Löslichkeit des primären harnsauren Natrons wird durch die Anwesen¬ 
heit eines anderen Natronsalzes vermindert Es ist hierbei gleichgiltig, wel¬ 
ches Natronsalz zugesetzt wurde; auch die Carbonate machten keine Aus¬ 
nahme, und schon Roberts hat gezeigt, dass durch Zufügen von einem 
Prozent Natronbicarlxmat die Löslichkeit des primären Natronurates um 92 
Prozent vermindert wird. 

Daraus ergiebt sich die praktisch wichtige Folgerung, dass Dar¬ 
reichung von Natronbicarbonat, selbst wenn es gelingen sollte, 
das Blut mit demselben merklich anzureichern, nicht das Aus¬ 
fallen gichtischer Concretionen verhindern, oder deren Lösung 
erleichtern kann. 

Nun bildet die Harnsäure mit anderen Leichtmetallen, besonders Ka¬ 
lium und Lithium, Salze, die weit leichter löslich sind als das Natronsalz. 
Die Einführung der Kali- und Lithionsalze in die Gichttherapie beruht auf 
der Vorstellung, dass im Körper diese leichtlöslichen Salze entstehen, und 
dadurch gichtische Deposita verhindert oder aufgelöst werden. Das Lösungs¬ 
vermögen dieser Basen äussert sich aber nur dann, wenn sie mit freier 
Harnsäure, nicht aber, wenn sie mit einem Salz derselben Zusammen¬ 
kommen. Denn aus einem Gemenge dissociierter Basen- und Säure-Ionen 
treten jeweilen diejenigen am ehesten zusammen, deren Verbindung am 
schwersten löslich ist. So fällt aus einer Lösung eines Silbersalzes beim 
Zusatz eines Chlorids immer das schwer lösliche Chlorsilber aus, mögen die 
andern vorhandenen Säuren noch so leichtlösliche Silbersalze bilden. 

Tritt nun zu einer Lösung von primärem hamsauren Natron ein Kali¬ 
salz, z. B. KCl, und zerfällt dieses in die Ionen CI und K, so verbindet sich 

/ H 

ein Teil der K- Ionen mit dem Säurerest S zu nicht dissociiertem pri- 


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H 

mären hamsauren Kali S<^, doch wird dadurch die Menge des Natron¬ 
salzes nur unbedeutend verringert; bei hinreichender Konzentration fällt je¬ 
weilen das am schwersten lösliche Salz zuerst aus, resp. geht zuletzt in Lö¬ 
sung. In der Regel ist dies das Natronsalz; doch kann, bei genügender 
Menge von K-Ionen, die Dissociation des Kaliumurats so sehr zurück¬ 
gedrängt werden, dass dieses nun schwerer löslich ist, als das Natronsalz. 
Dasselbe gilt für die Lithionsalze, und es geht daraus hervor, dass die Dar¬ 
reichung von Kali- und Lithionsalzen unter keinen Umständen 
die Löslichkeit des im Körper abgelagerten sauren Natronurates 
vermehren kann. Auch hier deckt sich die Theorie und unsere eigenen 
Versuche mit den von Roberts empirisch gefundenen Thatsachen. 

Was von den reinen Salzen, gilt selbstverständlich auch von deren 
Kombinationen (Uricedin etc.), sowie von den Diamiden Lysidin, Piperazin 
u. s. w., welche nach Mendelsohn (Deutsch, med. Wochenschr. 1895, Nr. 18) 
die reine Säure zwar sehr leicht lösen, aber bei Gegenwart von Salzen nicht 
in Lösung zu halten vermögen. 

Aehnliche Erwägungen und Versuche lehrten uns auch das Verhalten 
der schwachen Säuren, Kohlen- und Phosphorsäure, zu den Uraten kennen, 
doch möchte ich hierauf an dieser Stelle nicht eingehen, weil so unmittelbar 
praktische Erkenntnisse zunächst daraus nicht hervorgehen. 

Alle hier erwähnten Vorgänge lassen sich, in ihren einzelnen Phasen, 
durch Rechnung verfolgen, sobald eine Anzahl von Werten bekannt sind. 
Unter den Faktoren dieser Rechnungen kehrt die Löslichkeit immer wieder, 
und es lag uns ob, dieselbe so genau als möglich zu bestimmen. Hierbei 
ergab sich, dass die reine Harnsäure weit schwerer löslich ist, als bisher an¬ 
genommen. Die bisherigen Angaben schwanken zwischen den Verhältnissen 
1 :6000 bis 1 : 15000 (bei Zimmertemperatur), leiden aber an beträchtlichen 
Fehlem. Bei den Bestimmungen ist zu berücksichtigen, dass das Wasser, 
wenn es nicht unter ganz besonderen Vorsichtsmassregeln destilliert und ge¬ 
reinigt wurde, immer fremde Stoffe enthält, insbesondere leicht Alkali aus 
den Glasgefässen aufnimmt, welches die Löslichkeit der Harnsäure erhöht; 
ferner dass Harnsäure schon bei Zimmertemperatur durch Wasser allmählich 
zersetzt wird, sodass die Löslichkeit scheinbar mit der Zeit stetig zunimmt; 
weiterhin, dass die Harnsäure leicht übersättigte Lösungen bildet, sodass 
schon 1875 Magnier de la Source (Bull, de la Soc. de chimie XXIII, S.483) 
sagte: Der Löslichkeitsfaktor der Harnsäure hängt nicht von der End¬ 
temperatur, sondern von der höchsten, im Laufe der Bestimmung erreichten 
Temperatur ab. 

Unter Vermeidung aller möglichen Fehlerquellen fanden wir die Lös¬ 
lichkeit bei 18° im Verhältnis von 1 :38000. 

Bei der Beschäftigung mit den hamsauren Salzen treten ebenfalls Eigen¬ 
schaften derselben zu Tage, die bisher wenig berücksichtigt wurden. Alle Urate 
haben eine grosse Neigung, in amorphen Formen, in Gestalt kleinster Sphaero- 
kiystalle oder grösserer durchscheinender Kugeln auszufallen, die nur sehr 
allmählich in Krystalle übergehen. Als Zwischenformen treten die bekannten 
Stechapfelformen auf. Es ist nun eine allgemeine Eigenschaft der Körper, 


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die in allotropen Formen existieren, dass die amorphe, weniger stabile Modi¬ 
fikation leichter löslich ist, als die stabilere krystallinische. Dies ist für das 
Verhalten der Urate im Körper zu berücksichtigen. 

Ebenfalls auffällig ist die Neigung der Urate, unechte, sogenannte 
colloidale Lösungen zu bilden, welche in ihrem Verhalten teils wirklichen 
Lösungen, teils feinsten Suspensionen gleichen, insofern als ihr osmotischer 
und Dampfdruck, ihre elektrische Leitfähigkeit etc. ausser Beziehung zu ihrer 
Concentration steht, und sie kein bestimmtes Löslichkeitsverhältnis, keinen 
festen Sättigungspunkt besitzen. Bei längerem Stehen gehen sie meist in 
echte Lösungen über. Vieles deutet darauf hin, dass bei den Sediment- und 
Concrementbildungen im Körper übersättigte und colloidale Lösungen eine 
Rolle spielen. Schliesslich sei hier noch die Neigung der Harnsäure erwähnt, 
beim Ausfallen fremde Körper einzuschliessen. Dieses Verhalten ist zuerst 
von Ebstein, dann von Moritz, Schreiber u. a. beschrieben worden; 
bei den Deutungsversuchen ist zu entscheiden, wieweit es sich um einen 
Specialfall einer viel allgemeineren Erscheinung handelt, nämlich der 
Porosität der Krystalle. Es ist bekannt, dass selbst sehr harte und anscheinend 
undurchdringliche Körper, wie Achat und Onyx, so porös sind, dass sie sogar 
künstlich gefärbt werden können. 

Es wäre sehr wünschenswert, die bisher geäusserten Betrachtungen 
und Ergebnisse auf das Verhalten im Köper übertragen zu können. Dabei 
ist indessen festzuhalten, dass sie nur für den Fall gelten, dass die Harnsäure 
und ihre Salze als solche in Reaktion treten. Sowie dieselben indessen mit 
anderen Stoffen chemische Verbindungen eingehen, so entstehen ganz 
neue Verhältnisse. So wird, um auf obiges Beispiel zurückzukommen, das 
ausgefallene Chlorsilber durch Ammoniak gelöst, weil dabei eine neue Ver¬ 
bindung entsteht, 2AgCl + 3NH 3 , bei deren Dissociation das Ag-Ion 
nicht mehr als solches erscheint. Es ist daher zunächst zu untersuchen, 
ob die Harnsäure im Harn, im Blut etc. frei oder in derartigen Verbin¬ 
dungen auftritt 1893 hat Rüdel angegeben, dass die Harnsäure mit 
Harnstoff zu einer sauren und einer neutralen Verbindung zusammentreten 
könne, die durch Salzsäure nicht vollständig zerlegt wird. Bei diesen 
Untersuchungen müssen indessen Fehler unterlaufen sein; wir sind bei deren 
Nachprüfung zu ganz anderen Ergebnissen gelangt. Die Gegenwart von 
Harnstoff erhöht die Löslichkeit der Harnsäure nicht, und verhindert auch 
nicht deren Ausfällung aus den Salzen durch Salzsäure. Auch die Darstellung 
der Verbindungen ist uns, obwohl wir genau nach Rüdels Angaben ver¬ 
fuhren, nicht gelungen, und wir sind nicht im stände, die Existenz derartiger 
Verbindungen anzuerkennen. Gleichwohl scheint die Harnsäure, im Ham 
wenigstens, in einer gebundenen Form vorhanden zu sein, da sie auch durch 
einen grossen Ueberschuss von Säure nicht ausgefällt werden kann (Methode von 
Heintz). Welches aber der Stoff ist, der sie in Lösung erhält, ist noch nicht 
bekannt. Kossel und Goto (Sitzungsber. d. Gesellschaft zur Förderung 
der Naturwissenschaften in Marburg, 6. April 1900) sowie Minkowski 
(Congr. f. inn. Medizin, 1900) haben eine solche Verbindung mit Nucle’insäuren 
aufgefunden. Andere Verbindungen, mit Säuren wie mit Basen, sind jedenfalls 
wahrscheinlich, Untersuchungen darüber im Gange. 


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Wenngleich auch diese Untersuchungen unmittelbare praktische Er¬ 
gebnisse noch nicht geliefert haben, so zeigen sie wenigstens die Richtung, 
in der man sich dem Problem der Hamsäurelösung am ehesten nähern kann. 
Einmal kann dies geschehen durch Erhöhung der Alkalescenz, was jedoch 
höchstens bei dem Ham, und auch hier nur in bedingtem Masse erreicht 
werden kann. Für das Blut ist dieser Weg nicht gangbar, da selbst hohe 
Dosen von Natronbicarbonat dessen Alkalescenz, nach Magnus-Levy, nicht 
merklich erhöhen. Der andere Weg besteht darin, Stoffe zu suchen, die in 
die Körpersäfte übergehen und mit der Harnsäure leicht lösliche oder 
oxydabele gepaarte Verbindungen bilden. Bei Anwesenheit eines solchen 
/W 

Stoffes würden die S -Ionen jeweilen zur Bildung der Verbindung verbraucht 

H H 

und müssten sich dauernd aus den S<^ j-j- oder S<^jsj a -Ionen regenerieren, um 

die Zustandgleichung zu erfüllen; der Prozess müsste, bei genügender Menge 
des Paarlings, solange andauern, bis der Vorrat an Harnsäure erschöpft wäre. 
Leider sind derartige Stoffe bisher nicht bekannt 
Zum Schluss gestatte man mir eine Bemerkung, die einem möglichen 
Missverständnis Vorbeugen soll. Wir legten oben die Unmöglichkeit dar, 
durch Darreichung von Alkalicarbonaten die Löslichkeit des primären harn- 
sauren Natrons zu erhöhen. Dabei liegt es mir fern, die Wirksamkeit der 
alkalischen Mineralquellen anzuzweifeln. Diese ist empirisch vielfach und 
zweifellos festgestellt, es handelt sich nur darum, eine neue stichhaltige 
Erklärung dieser Wirksamkeit zu suchen, und dieselbe nicht allein nach dem 
procentischen Gehalt an Natron oder gar Lithion zu beurteilen. Zunächst stehen 
wir bei dem Einfluss dieser Quellen vor demselben Rätsel, wie etwa beim 
Effect der Karlsbader Kur auf den Diabetes und können uns dem Verständnis 
der Wirkung zunächst nur per exclusionem nähern, indem wir die unhalt¬ 
baren Erklärungsversuche allmählich eliminieren. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Therapeutischer Meinungsaustausch über Sidonal. (Therapie d. Gegenwart, VI.) 

Ueber Sidonal teilen Schmieden (Berlin), Herrnstadt (Küstrin) und 
R. Klein ihre Erfahrungen mit. Die ersteren beiden haben von der Anwendung 
des Sidonals bei Gelenkgicht gute Erfolge zu verzeichnen, während der letztere 
in Fällen von akuter und chronischer Gicht absolut negative Erfolge gesehen hat. 

Hagenberg (Göttingen). 

Jaquet, A.: L’intoxication acide dans le diabfete. (La semaine med., S. 183.) 

Kurzer Sammelbericht über die Lehre von den Ursachen des diabetischen 
Comas, ohne neue Gesichtspunkte. Verf. selbst erachtet nach dem heutigen Stande 
unseres Wissens die Theorie der Säureintoxication als Ursache des Coma diabe- 
ticum für die wahrscheinlichste und empfiehlt auf Grund davon die Alkalibehand- 


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lung. Die Misserfolge, die man mit letzterer gehabt hat und die von den Gegnern 
der Acidosistheorie gegen dieselbe vielfach ins Feld geführt werden, erklärt J., 
wie bereits Magnus-Levy gethan, dadurch, dass man entweder zu wenig Alkalien 
genommen oder den richtigen Zeitpunkt versäumt habe. Statt den vollen Aus¬ 
bruch des Comas abzuwarten, solle man gleich bei Beginn der Erscheinungen 
grosse Dosen Natr. bicarbonic. (30—40 gr tägl.) verabreichen. 

Schade (Göttingen). 

Kopf, H.: Der Diabetes mellitus und seine Bedeutung für Marienbad. (Therapie d. 

Gegenwart, VI.) 

Verf. will in der kleinen Notiz die Aufmerksamkeit der Aerzte und der 
Kurbedürftigen auf die Heilwirkung des Marienbader Kreuzbrunnens und der 
Rudolfsquelle hinlenken und glaubt gegenüber Carlsbad einem Kuraufenthalte in 
Marienbad den Vorzug geben zu müssen. Er konstatiert, dass in vielen Fällen 
von Diabetes mellitus nach Ablauf der vierten Woche nach täglicher Verabreichung 
von 600—1000 g Kreuzbrunnen, und tagsüber ungefähr ebenso viel Rudolfsquelle, 
mit Zuhilfenahme von kohlensäurehaltigen Bädern oder kalten Abreibungen des 
ganzen Körpers, sowohl der Zuckergehalt quantitativ nicht mehr nachweisbar war, 
als auch die übrigen krankhaften Bestandteile des Harns fast ganz verschwunden 
waren. 

Weshalb bleiben uns von seiten K.s aber die genaueren Mitteilungen der 
»vielen geheilten« Diabetesfälle vorenthalten? 

Hagenberg (Göttingen). 

Desgrez: Action physiologique de l’inuline. Soc. de biol. Seance du 5 mai. 

(La semaine med., S. 164.) 

Untersucht man bei Tieren, die längere Zeit mit inulinreichen Vegetabilien 
(Helianthus tuberosus) ernährt sind, das Leberglykogen, so findet man, dass sich 
dasselbe nicht wesentlich von dem bei der gewöhnlichen Ernährung mit Amylaceen 
sich bildenden Leberglykogen unterscheidet. Bei der Spaltung liefert es ebenfalls 
Dextrose, nicht, wie man wohl erwarten könnte, Laevulose. Die Saccharifikation 
des Inulins im Organismus findet wahrscheinlich durch den Magensaft statt, der 
dabei die Rolle eines in den inulinreichen Vegetabilien enthaltenen Enzyms, der 
Inulase, spielt. 

Schade (Göttingen). 

Petterson: Experimentelle Untersuchungen über das Konservieren von Fisch und Fleisch 
mit Salzen. Aus dem hyg. deutsch. Instistute der deutsch Univ. Prag. (Archiv f. 

Hygiene, Bd. 37, H. 2. 3.) 

In den bisher bekannten Versuchen über das Verhalten der Bakterien gegen 
NaCl wurde lediglich die Frage behandelt, ob und in welcher Konzentration das 
Kochsalz eine vernichtende Wirkung auf einige bestimmte, meistens pathogene 
Organismen ausübt. Der Verf. wendet sich in der Arbeit hauptsächlich den Fragen 
zu, bis zu welcher Konzentration ein Wachstum von Organismen überhaupt statt¬ 
finden kann, ob oberhalb dieser Grenze sofortiges Absterben beginnt, ob unter¬ 
halb derselben die verschiedenen Organismen gegen NaCl ungleich resistent sind, 
und weiter, wie die Zersetzungen unterhalb dieser Grenze beeinflusst werden. 

Die Einzelheiten der sehr ausführlichen Arbeit müssen im Orginale nach¬ 
gelesen werden. Hier nur kurz die Resultate, zu denen der Verf. kommt. 

Wenn die Konzentration in den Rohmaterialien bis zu 5% hinaufreicht, 
hindert das NaCl das Fortkommen obligater Anaeroben. Bei einem Gehalt von 
über 5% findet man nur facultativ anaerobe und aerobe Arten. 

Von den Coccen und Stäbchen sind die letzteren, auf welche die inten¬ 
siveren Zersetzungsprozesse und bes. die sog. Fäulnis zurückzuführen sind, weit 


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empfindlicher als die Coccen. Innerhalb der Stäbchen- und Coccen-Gruppen gilt 
die Regel, dass die tiefer gehende Zersetzungen hervorrufenden Arten gegen NaCl 
weit empfindlicher sind. Im allgem. wird das Wachstum der Stäbchen durch 10% 
NaCl aufgehoben, bei einigen erst bei 12 und 15%. Gegenüber gewissen Orga¬ 
nismen scheint NaCl schon bei einer Konzentration, bei der die Vermehrung 
noch lebhaft ist, bereits eine Verminderung der Umsetzungen des Konserve- 
Materials hervorzurufen. 

Die in gesalzenen Waren vegetierenden Keime sind wahrscheinlich auch 
im stände, kleine Mengen giftiger Produkte zu bilden. Vermutlich sind aber nicht 
Tiere gegen diese Gifte empfindlich, und gewöhnlich werden auch von den dis¬ 
ponierten Tieren keine erhebliche Giftwirkungen erzeugenden Mengen verzehrt. 

Auf die Eigenschaft des NaCl, vorzugsweise die mit einer energischeren Zer¬ 
störung des Eiweisses einhergehenden Organismen zu hemmen, ist die Fabrikation 
mehrerer Fischkonserven basiert. Bei ihrer Darstellung werden möglichst kleine, 
eben noch die Fäulnis verhindernde Salzmengen zugesetzt, die aber nicht eine 
ausgiebige Vegetation nicht Fäulnis erregender Organismen hindern, wodurch 
der Fisch in bezug auf Aussehen, Geruch etc. in gewünschter Weise verändert wird. 

Salpeter hebt in Verbindung mit NaCl die H a S-Bildung längere Zeit 
völlig auf, sodass sein Gebrauch bei dem Pökelprozess als vorteilhaft angesehen 
werden muss. 

Borsäure ist für Stäbchen und Coccen, aber nicht für Hefe ein fäulnis¬ 
widriges Mittel, sodass eine Zersetzung des Fleisches bei ihrer Anwendung in 
nicht geringem Grade eintritt. 

Borax ist ein wirksames Wachstum hemmendes Mittel und bringt in 
kleinen mit NaCl gemischten Mengen eine auffallende Verbesserung der Kon¬ 
servierung von Fleisch hervor. 

Hagenberg (Göttingen). 


Ewald, C. A.: Ein Fall von Carcinoma oesophagi mit Dauerkanfile behandelt Aus der 
inn. Abteilung des Augusta-Hospitals in Berlin. (Dtsch. med. Wochenschr. Nr. 22.) 

Es wird die Krankengeschichte eines Falles von Oesophaguscarcinom mit¬ 
geteilt, bei dem die sogenannte Renvers’sche Dauerkanüle »mit Erfolg« ein¬ 
gelegt war. Es zeigte sich bei der Sektion, dass die Kanüle mit ihren Enden nur 
an den Anfang des Engpasses heranreichte, dass sich von da aber nach unten zu 
weiter grosse Krebsmassen fortsetzten. 

Die Fixation der Kanüle war durch 2 durch die beiden Nasengänge gelegte 
und vor der Nasenscheidewand zusammengeknüpfte Fäden hergestellt. Bei diesen 
Verhältnissen lässt sich eine Erleichterung des Schluckens und eine Zunahme des 
Körpergewichtes nur dadurch erklären, dass zu Anfang die Geschwulst noch nicht 
tiefer als bis an das Ende der Kanüle heranreichte. 

Es wurden ganz zuletzt noch Nährclystiere verabfolgt, bei denen sich auf 
Grund vorgenommener Stoffwechseluntersuchungen zeigte, dass entgegengesetzt 
der Ansicht von Plantenga eine Resorption und Ausnutzung des mit dem Clysma 
eingeführten Nährmaterials stattfindet. 

E. hat eine grosse Erfahrung über die Anwendung von Dauerkanülen bei 
Oesophaguscarcinom, kann aber nicht von solchen glänzenden Resultaten wie z. B. 
Curschmann berichten. Es sind einmal die Fälle, in welchen die Kanüle die 
Strictur noch passieren kann, seltene, und zweitens lässt sich bei einer Art 
»Pfropfenziehergang« die Kanüle nicht einführen, während ohne eine solche breiige 
und flüssige Speisen noch gut hindurchgehen können. 

Angebracht ist eine solche Kanülenbehandlung nur dann, wenn es sich 
um eine Stenose mit derber Infiltration und glatter Wandung handelt. Zweitens 
veranlassen oft Druck und Schmerzen, die Kanüle wieder herauszunehmen, und 
drittens glaubt E., dass die eingelegte Kanüle eine direkte Beschleunigung des 


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Zerfalls der Krebsmassen mit all* seinen unangenehmen Folgen leicht herbei¬ 
führen kann. 

Hagenberg (Göttingen). 

Knapp (New York): Ein Leitrohr für den Magenschlauch.(Berl. klin. Wochenschr., Nr. 24). 

Beschreibung eines Instrumentes, das die Einführung des Magenschlauchs 
»gegen den Willen des Patienten« (Irresein, Hysterie, Conamen suicidii) erleichtern 
soll. Es besteht aus einem Griff und einem zu diesem senkrecht stehenden Rohr¬ 
teil, welch letzterer wieder aus einem oberen und einem unteren Stück zusammen¬ 
gesetzt ist; das obere ist am Ende mit einem unten offenen bogenförmig gekrümmten 
Rachenteil versehen; an der Ansatzstelle des Griffes befindet sich ein »Abdrücker«. 
Das mit dem Schlauch armierte Instrument wird in den Mund eingeführt, der 
Schlauch durch Auslösung des Abdrückers in die Speiseröhre quasi »abgeschossen«. 

(Vermutlich ist diesem »Amerikanismus« unsere europäische Methode, den 
Schlauch ohne jedes kunstvolle Instrument, höchstens durch einen Beissring, (Kuss¬ 
maul, Fleiner) hindurch in den Magen zu praktizieren, als einfacher und min¬ 
destens ebenso sicher vorzuziehen. Ref.). 

Pickardt (Berlin). 

Hesse, A.: Begriff und Wort Magenerweiterung« in der deutschen Litteratur seit 1875. 

Historisch-kritische Studie. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 23. 24.) 

Der Titel der Arbeit präzisiert hinreichend ihren Inhalt, welcher eine refe¬ 
rierende Wiedergabe ausschliesst. Verf. empfiehlt die im Augustaspital in Berlin 
gebräuchliche und von Kuttner unter Anlehnung an Ewald eingehend festge¬ 
stellte Definition. Danach wird unterschieden die Magen erschlaffung 
(Atonie) und die Magenerweiterung (Dilatatio ventriculi, Gastrectasie). 
Bei ersterer handelt es sich bei normal grossem Magen um Herabsetzung des 
Tonus der Muskulatur mit vorübergehender Dehnung des Magens entsprechend 
der Nahrungsaufnahme. Die Magenerweiterung hingegen ist eine auch im leeren 
Zustande bestehende Abnormität mit gleichzeitig ungenügender Entleerung des 
Organs, so dass stets auch eine Stagnation von Speiseresten nachweisbar ist 

Zaudy (Göttingen). 

Cunlo, B.: Note sur quelques points de l’anatomie pathologique du cancer de l’estomac. 

(Rev. d. chir. 20, Nr. 4.) 

Verf. bespricht einige wichtige Punkte der Ausbreitung des Magen- und vor¬ 
wiegend des Pyloruscarcinoms auf Grund eigener Untersuchungen und knüpft daran 
praktische Vorschriften für die chirurgische Behandlung. Er konnte bestätigen, dass die 
Submucosa mikroskopisch oft weiterhin ergriffen ist, als der Befund der Schleim¬ 
haut erwarten Hess, und rät daher, den Schnitt zum mindesten 3 cm vom makro¬ 
skopisch Erkrankten zu legen. Die kleine Curvatur ist oft schon früh der Sitz von 
Metastasen, unter 11 Fällen constatierte C. sie 9 mal; selbst wenn sie äusserlich 
den Charakter gutartigen Narbengewebes bot, fanden sich mikroskopisch stets 
krebsige Veränderungen. Diese hören meist in der Höhe auf, in der die Coronar- 
gefässe an den Magen herantreten, weshalb der Resectionsschnitt links davon, 
möglichst nahe der Cardia zu fallen hat. Den Pylorus kann auch Verf. als eine 
ziemlich zuverlässige Grenze für die carcinomatöse Ausbreitung gelten lassen, er 
operiert aber 2 cm entfernt von der Klappe. In 8 Fällen war das Duodenum nur 
einmal makroskopisch ergriffen; von den sieben andern wurden vier histologisch 
untersucht, aber nur in einem fand sich ein Krebszellen führendes Lymphgefäss 
mehr als einen Centimeter vom Pylorus entfernt. 

Betreffs der genaueren Besprechung der Operationsvorschriften und der 
Lymphdrüsenmetastasen muss auf das Original verwiesen werden. 

Fraenckel (Göttingen). 


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Honigmann: Zur Casuistik seltener Formen von Blutbrechen. (Ztschr. f. prakt. Aerzte. 

Nr. 10.) 

Ein 50 Jahre alter Herr, der früher in Malariagegenden thätig gewesen 
war und im letzten Lebensjahr Anfälle von intermittierendem Fieber und Milz¬ 
schwellung gehabt hatte, die auf Chinin zurückgingen, entleerte nach vorherigem 
Wohlbefinden beim Husten helles, schaumiges Blut Ueber der rechten Spitze 
leichte Dämpfung, Abdomen ohne Befund, Milz eben fühlbar. In den nächsten 
Tagen mehrfach Aushusten von ca. 9 cm langen Blutgerinnseln, die sich am Ende 
scharf in zwei Teile gabeln. Darauf 1. h. u. Dämpfung, Temperaturanstieg bis 
zu 40°, Schüttelfrost; die Milz wird deutlich palpabel; Chinin ohne Wirkung. Nach 
mehrmaligen Schüttelfrösten und täglich remittierenden Fiebern am 30. Krankheits¬ 
tage Exitus. 

Bei der dreissig Stunden post mortem vorgenommenen Section zeigt sich 
unter dem Zwerchfell in der Umgebung der Uebergangsstelle des Oesophagus in 
den Magen eine Abscesshöhle, die in die in ihrem hinteren Ende völlig vereiterte 
Milz übergeht. Der Abscess kommuniciert direkt mit dem Oesophagus. 

Es handelt sich also um eine lienale Blutung. Es ist wahrscheinlich, dass 
das aus der Abscesshöhle stammende Blut in den Oesophagus gelangte, dort in 
geronnenem Zustand liegen blieb, auf die Bifurkationsstelle der Trachea drückte 
und so den Husten auslöste. Erbrechen hatte merkwürdigerweise nicht statt¬ 
gefunden. 

Die letzte Ursache der Milzerkrankung war nicht mit Sicherheit festzustellen; 
die Grundlage der Perforation war vielleicht ein Ulcus pepticum oesophagi. 

Pickardt (Berlin). 

Minnich, K.: Perforatio traumatica ventriculi. Aus der Gesellschaft der Spitals¬ 
ärzte zu Budapest. 

Die 35jährige Krankenwärterin hatte sich vor 7 Jahren infolge einer Laugen¬ 
vergiftung eine Oesophagusstriktur zugezogen. Im Laufe der Zeit hatte die 
Patientin erlernt, sich selbst zu sondieren. Sie fühlte bei der Letzten Sondierung 
einen starken Schmerz in der Magengegend. Am nächsten Tag bloss Fieber 
und umschriebener Schmerz in der Magengegend. Am 7. Tag erkrankte die 
Patientin unter den prägnanten Zeichen der allgemeinen Bauchfellentzündung. 
Bei der Section fand M. am Eingang des Magens eine vollkommen durchdringende 
Verletzung. Interessant ist das späte Auftreten der allgemeinen Peritonitis. Die 
Erklärung war darin zu finden, dass durch Verwachsung der Magenwand mit der 
Leber eine umschriebene Peritonitis, d. h. ein subphrenischer Abscess entstehen 
konnte. Erst nach Durchbruch desselben entstand die fulminante Peritonitis. 

A. Hasenfeld (Budapest). 

Enderlen: Ueber die Deckung von Magendefekten durch transplantiertes Netz. (Deutsche 
Zeitschr. f. Chir., B. 55, H. 3. 4.) 

Die für die allgemeine Pathologie und die praktische Chirurgie wichtige 
Frage, wie sich auf Magenwanddefekten transplantiertes Netz verhält, ist vom 
Verf. an der Hand von Tierversuchen geprüft worden. Der Defekt des Magens 
wird durch das nach anfänglichen Degenerationserscheinungen proliferierende Epithel 
sehr langsam geschlossen. Die Epitheldecke stammt meist wohl aus dem Epithel 
des Ueberzugs und nicht von dem der Drüsen. Neben der Schrumpfung des 
Netzes wirkt auch der Magen als Ganzes an der Verkleinerung des Defektes der 
Wand. Das Netz zeigt entzündliche Reaktion. Es ist zu empfehlen, den Defekt 
durch Naht zu schliessen und dieOperationsstelle durch transplantiertes Netz zu ver¬ 
stärken. Für die Heilung liegen die Verhältnisse in der Praxis ungünstiger als 
im Experiment. In der Epitheldecke sind nach 6 Wochen Schläuche, Haupt- und 
Belegzellen vermisst man noch nach 68 Tagen. 

Waldvogel (Berlin). 


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v. Burckhardt, H.: Ueber akute fortschreitende Peritonitis und ihre chirurgische Be¬ 
handlung. (Deutsch. Zeitschr. f. Chir., Bd. 55, H. 3. 4.) 

Zusammen mit den Krankengeschichten von 11 Fällen frischer Peritonitis, 
unter denen eine grössere Anzahl diffuser und allgemeiner Erkrankung sich befinden, 
und die sämtlich durch die Operation gerettet sind, teilt Verf. seine dabei ge¬ 
sammelten Erfahrungen mit. Er rät lieber von einer fortschreitenden statt von einer 
diffusen Peritonitis zu sprechen und teilt nach pathologisch-anatomischen Begriffen 
die Peritonitisfälle in 4 Gruppen: 1. Einbruch eines subperitonealen Entzündungs¬ 
herdes in gesundes Peritoneum, 2. Durchbruch inficierter Peritonealteile in nicht 
inficierte, 3. Fortschreiten extraperitonealer Entzündungsherde auf den Lymphbahnen 
ins gesunde Peritoneum, 4. Einbringen von Entzündungserregern in die Bauch¬ 
höhle auf mechanischem Wege. Diese Einteilung soll auch zum besseren Ver¬ 
ständnis der klinischen Erscheinungen beitragen. Die Luftinfektion führt bei einem 
Teile der Kranken mit zum Tode. Das Symptom heftiger Schmerzen hat nur Wert, 
wenn gleichzeitig andere Verschlimmerungserscheinungen bei Pat. auftreten, welche 
bekanntermassen an zu Peritonitis führender Erkrankung leiden. Der Schmerz 
wird anfangs ausser beim Ulcus ventriculi nicht richtig lokalisiert, auch die Bestim¬ 
mung des schmerzhaften Druckpunktes ist nicht entscheidend, die Schmerzhaftigkeit 
liefert keinen Massstab für die Bösartigkeit. Auch die Fälle der 3. Gruppe können 
mit akutem Schmerz ohne und mit Reflexerscheinungen verlaufen. Bei schnell 
verlaufenden Fällen vermisst man zu Anfang nur den Meteorismus. Verf. legt 
auf die anfängliche Temperatursteigerung Wert, ihre Höhe giebt keinen Anhalts¬ 
punkt für die Schwere. Der Gesichtsverfall kann durch Fieber und Kampfer, Schmerz¬ 
haftigkeit und das Erbrechen durch Narkotica verdeckt werden. Stuhl- und Windver¬ 
haltung sind wie bei Peritonitis auch bei Nieren- und Ureterkoliken vorhanden, die 
Peritonitis schliesst nicht jede Darmbewegung aus, auch bei schweren Fällen können 
noch diarrhoische Stühle vorhanden sein. Der mit allen septischen Baucherkrankungen 
zusammenhängende typische Verfall der Gesichtszüge fehlt nie, bei jeder Peritonitis 
muss das Gesicht des Kranken stets beobachtet werden. Der Puls ist im Anfang 
sehr wechselnd, zunehmende Verschlechterung desselben ist ein schlechtes Zeichen. 
Die Fälle der 3. und 4. Gruppe sind im Anfang schwer zu erkennen, gegenüber 
denen der 1. und 2. Gruppe. Eine längere Dauer der Chloroformnachwehen, 
Steigerung dieser Beschwerden zu einer Zeit, in der sie gewöhnlich nachlassen, 
müssen den Verdacht auf Peritonitis wachrufen; natürlich aber kann auch der 
Beginn in der 3. und 4. Gruppe ein akuter sein, z. B. bei Nahtaufbruch, Darm- 
gangraen. Spontane Abgrenzung einer fortschreitenden Peritonitis bei Epityphlitis 
ist deshalb häufig, weil nur geringe Mengen von Infektionsmaterial austreten. 
Der Chirurg soll bei der Peritonitis den Infektionsherd ausschalten, Sekret ent¬ 
fernen und ableiten, daneben alles thun, um dem Organismus im Kampfe gegen 
die Infektion zu Hilfe zu kommen. Verschlechterung des Pulses und des ab¬ 
dominellen Gesichtshabitus oder Bestehenbleiben des letzteren fordert bei der 
neben den puerperalen Erkrankungen am häufigsten zu Peritonitis führenden Wurm¬ 
fortsatzerkrankung zur Operation auf. Schreitet die Entzündung bei intraperitonealen 
septischen Herden fort, so wird operiert, auch wenn ausgesprochene Symptome der 
Peritonitis fehlen. Das Studium der nun folgenden Krankengeschichten ist zu 
empfehlen. 

Waldvogel (Berlin). 

Roger: Dysenterie hypertoxique. Soc. med. des höp. Seance du 4 mai. (La 

semaine med., S. 163.) 

In 5 Fällen von Dysenterie, die dadurch ausgezeichnet waren, dass die 
Darmerscheinungen ganz in den Hintergrund traten gegenüber den Symptomen 
einer schweren Allgemeinintoxikation, fand R. in den Stuhlentleerungen einen dem 
Colibacillus sehr ähnlichen pathogenen Mikroben, der sich von dem gewöhnlichen 
Colibacillus durch seine grosse Virulenz unterschied. R, sieht in diesem 


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Bacillus den Erreger der sog. hypertoxischen Form der Dysenterie, die unter 
schweren toxischen Allgemeinsymptomen in wenigen Tagen zum Tode führt. 

Schade (Göttingen). 

Laeasse: Hömi-hyperesthösie sensitivo-sensorielle et neuro-musculaire ä 
la fln d’une flövre typhoide. Soc. med. des hop. Slance du 4 mai. (La se- 

maine m6d., S. 164.) 

Als interessanter Beitrag zu den nervösen Störungen nach Typhus wird ein 
Fall angeführt, in dem sich am Ende der Erkrankung eine Hyperästhesie der ge¬ 
samten linken Körperhälfte einstellte, die sich auch auf die sensorielle Sphäre: 
Gesicht, Gehör und in geringerem Grade auf Geruch und Geschmack erstreckte. 

Schade (Göttingen). 

Meningite typholdlque. Soc. m£d. des höp. Slance du 4 mai. (La semaine 

m6d., S. 163.) 

Troisier berichtet über einen Fall von Typhus, bei dem sich am 23. Tage 
unzweifelhaft meningitische Symptome zeigten, die nach 8tägiger Dauer wieder 
schwanden. T. glaubt, dass es sich um eine wirkliche, wahrscheinlich typhöse 
Meningitis gehandelt habe, und weist auf die Häufigkeit derartiger abgeschwächter 
infektiöser Meningitiden hin, die man mit dem als Meningismus beschriebenen 
Krankheitsbilde nicht verwechseln dürfe. 

Nach Dupre wäre in dem vorliegenden Falle eine sichere Diagnose nur 
durch die Lumbalpunktion möglich gewesen. Die Bezeichnung Meningismus solle 
man nur für gewisse hysterische, das Bild der Meningitis vortäuschende Zustände 
reservieren. 

Schade (Göttingen). 

Launois: Orchite typholdique. Soc. med. des höp. Seance du 18 mai. (La semaine 

med., S. 177.) 

In der Reconvalescenz von einem Typhus entstand bei einem 48jährigen 
Patienten eine Orchitis, deren spezifische Natur durch die agglutinierende Wirkung 
der Punktionsflüssigkeit auf Typhusbazillen in Bouillonkultur erwiesen wurde. Es 
kam im weiteren Verlaufe zur Bildung eines kleinen Abscesses, in dessen Eiter 
ebenfalls Typhusbazillen nachgewiesen werden konnten. 

Schade (Göttingen). 

Winternitz, M. A.: Ueber Bakterienbefunde bei Appendidtis. (Orvosi Hetilap, Nr. 13.14.) 

W. hat sich überzeugt, dass der Processus vermicularis unter normalen 
Verhältnissen bakterienfrei, d. h. steril ist. 

Die Infektion geschieht in zwei Hauptformen: 

I. Durch sämtliche im Darm sich befindende Bakterien, wenn ein Faeces¬ 
partikelchen aus dem Darm in den Processus vermicularis gelangt. Diese Misch¬ 
infektionen oder Polyinfektionen führen am häufigsten zu Gangrän. 

II. Bei der zweiten Form fehlt das mechanische Moment. Der Processus 
vermicularis wird nicht durch sämtliche im Darm sich befindliche Keime inficiert, 
sondern bloss durch einen speziellen Keim. Also eine Infektion sui generis. 
M. meint, dass die Appendicitiden dieser Art die häufigsten sind. 

Verf. hat in anfallsfreier Zeit operierte Wurmfortsätze bakteriologisch unter¬ 
sucht und zweimal den Streptococcus pyogenes, einmal den Diplococcus 
Fränkel und einmal den Pfeifferschen Influenzabacillus rein züchten können. 

W. betont, dass er bei dieser Einteilung die Anfangsstadien der In¬ 
fektion vor Augen hat. Die Monoinfektionen werden nämlich im Laufe der Krank¬ 
heit durch später eindringende Keime sekundär inficiert. Diesen sekundären In- 


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fektionen entspricht klinisch zumeist das Exacerbieren der Krankheit, und diese 
gestalten häufig den bis dahin normal verlaufenden Fall zu einem ominösen. In 
diesem Stadium der Krankheit ist es zumeist schon unmöglich, den eigentlichen 
primären Krankheitserreger festzustellen. 

A. Hasenfeld (Budapest). 

Strauch, K. J.: Die Behandlung des Ileus. (Therapie d. Gegenwart, Juni, S. 262.) 

Verf. gelangt zu folgenden Ergebnissen: Die Behandlung des Strangula- 
tionsileus kann nur eine chirurgische sein. Beim Obturations- und dynamischen 
Ileus ist zunächst die nichtoperative Behandlung zu versuchen; führt diese nicht bald 
zum Ziel, so ist die Entscheidung, ob operiert werden soll oder nicht, baldigst zu 
treffen. Wenn Unsicherheit der Diagnose in bezug auf die anatomischen Ver¬ 
hältnisse des Ileus auch keine Contraindikation für die Operation ist, so bleibt 
doch eine möglichst exakte|Diagnose von Form und Sitz des Ileus sehr wünschens¬ 
wert. Die Hauptgefahr beim Ileus besteht in der Schädigung der Darmwandung 
und der dadurch bedingten Aufnahme toxischer Substanzen. Wichtig ist deshalb 
die Entleerung des Darms oberhalb des Hindernisses. 

In allen Fällen von Ileus, bei welchen operiert werden soll, ist eine mög¬ 
lichst frühzeitige Operation dringend erforderlich. 

Eine Anzahl von Krankenbeobachtungen erläutert den lehrreichen Vortrag. 

Zaudy (Göttingen). 

1) Rabow, S. u. Galli-Valerio, B.: Ichthoform. (Therapeut. Monatsh. April.) 

2) Schaefer, F.: Die therapeutische Anwendung von Ichthoform. (Deutsche med. 

Wochenschr. Nr. 12.) 

3) Aus dem ehern, und bakteriol. Institut von Dr. Aufrecht, Berlin: Ueher Ichtho- 

form. (Allgem. med. Central-Zeitung, Nr. 28.) 

[Ein Verf. ist in dem vorliegenden Sep.-Abdr. nicht genannt.] 

Hier interessieren nur die Mitteilungen über die Anwendung des Ichtho¬ 
form bei Darmaffektionen. In 1) wird angegeben, dass Bourget (Lausanne) 
recht günstige Resultate erzielte, dass er es für ein gutes Darmantiseptikum halte, 
welches ohne schädliche Nebenwirkungen zu 2,0—3,0 p. die genommen werden 
kann. In 2) werden diese Beobachtungen dahin erweitert, dass bis zu 8,0 p. die 
ohne Schaden gegeben werden können. Das I. soll einen unverkennbar günstigen 
Einfluss bei Darmtuberkulose entfalten. In 3) wird die Wirkung des I. darauf 
zurückgeführt, dass es die Darmfäulnis und die Ausscheidung von Aetherschwefel- 
säure herabsetzt, wie Versuche an Tieren und Menschen erwiesen. 

Zaudy (Göttingen). 

Askanazy, M.: Ueher Art und Zweck der Invasion der Anguillula intestinalis in die 
Darmwand. (Centrbl. f. Bakteriologie, Parasitenk. u. Infektionskrankh. Bd. 27, 

Nr. 16—17.) 

Wie bereits früher für die Darmtrichine und für den Peitschenwurm hat 
A. nun auch für die Anguillula intestinalis den Beweis erbringen können, dass sie 
nicht allein im Darmlumen lebt, sondern auch aktiv in die Schleimhaut eindringt. 
In einem Falle von Bronchialkrebs fand er den Parasiten im Inhalt des Magens 
und des ganzen Darmes. Die sorgfältig unter Erhaltung des Epithels und des 
anhaftenden Schleims unmittelbar nach dem Aufschneiden des Darmes eingelegten 
Stücke wiesen, soweit sie dem Dünndarm entnommen waren, sämtlich geschlechts- 
reife Würmer und Larven auch in der Darm wand selbst auf, während die Dick¬ 
darmschnitte nur Larven und nur im Lumen enthielten. Am reichlichsten lagen die 
Anguillulae im Bereiche der Li eberkühn sehen Krypten: dass sie aber nicht allein 
mit dem Darminhalt hierher gerissen werden, erwies der wiederholte Befund von 
quer durch das Drüsenepithel von aussen eingedrungener Tiere. Zum grossen 


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Teile liegt daher ein selbständiges Vorgehen gegen die Darm wand vor, das aber 
nach A.’s Beobachtungen niemals die Muscularis mucosae überschreitet. Die 
Wanderung erfolgt jedenfalls bei lebendem Darme, nicht etwa erst nach dem 
Tode; sonst wäre es unverständlich, warum die Schleimhaut des Dickdarmes durch¬ 
aus frei war, während das Lumen zahlreiche Larven enthielt. Dagegen stimmt 
der Befund gut zu der schon vielfach constatierten Vorliebe der Parasiten für den 
Dünndarm. Den Zweck der Einwanderung erblickt Verf. einmal im Suchen nach 
Nahrung: in Flemmings Lösung eingelegte Stücke zeigten wegen ihres reichen 
Fettgehalts ganz geschwärzte Würmer neben den stark gefüllten ebenfalls ge¬ 
schwärzten Chylusgefässen — dann aber auch in der Ablagerung der Eier in die 
Darmwand, wo er sie, z. T. im Stadium der Furchung, in besonderen Bohrlöchern 
sah. Dieser Befund erklärt die klinische Erfahrung, dass Anguillulaeier sehr selten 
im Stuhl nachzuweisen sind. 

Fraenckel (Göttingen). 

Flesch: Cocain bei Bandwurmkuren. (Ztschr. f. prakt. Aerzte, Nr. 10.) 

Vor dem Schlucken der Kapseln von Extr. fil. und während desselben 
sollen einige Tropfen von Cocain, mur. 0,15 Extr. Bellad. 0,2 Aqu. Valerian. 10,0 
genommen werden, um das Erbrechen bei Bandwurmkuren (besonders bei Schwan¬ 
geren) zu verhindern, das oft die Wirkung der gegebenen Medikamente ver¬ 
eitelt. Als Laxans: Calomel. 

Pickardt (Berlin). 

Chauffard: A propos des eirrhoses biliaires splönomögaliques. Soc. med. 
des hop. Seance du 18 mai. (La semaine med., S. 176.) 

Ch. verwirft die von Gilbert für die mit hochgradiger Milzschwellung einher¬ 
gehenden Formen der hypertrophischen Lebercirrhose vorgeschlagene Bezeich¬ 
nung: cirrhose biliaire hypersplenomegalique, da dieselbe der Willkür 
des einzelnen zu grossen Spielraum gewähre. Er empfiehlt, zur vorläufigen Orien¬ 
tierung alle hypertrophischen biliären Cirrhosen nach der Chronologie der klini¬ 
schen Symptome in folgende 3 Gruppen zu teilen: 

1) Cirrhosen, bei denen Leber und Milz zu gleicher Zeit und in gleichartiger 
Weise ergriffen werden (eirrhoses hypertrophiques biliaires spleno- 
megaliques); 

2) Cirrhosen, bei denen die Milzveränderungen dem Prozess in der Leber 
voraufgehen und einen höheren Grad erreichen als jener. Diese Formen 
der Cirrhose sind nach Chauffard’s Ansicht splenischen Ursprungs (cir- 
rhoses hypertrophiques biliaires metasplenomegaliques); 

3) Cirrhosen, bei denen der Prozess in der Leber beginnt und die Milz erst 
sekundär affiziert wird (eirrhoses hypertrophiques biliaires pre- 
splenomegaliques). 

Schade (Göttingen). 

Gilbert: De la cirrhose biliaire hypersplönomögalique. Soc. med. des höp. 

Seance du 27 avril. (La semaine med., S. 154.) 

Unter Bezugnahme auf den von Milian mitgeteilten Fall von Lebercirrhose 
mit hochgradigen cirrhotischen Veränderungen der Milz (La semaine med., S. 124. 
Vgl. dies. Zeitschr. Nr.2, S. 47) bemerkt Gilbert, dass jene Beobachtung ein neues 
Beispiel liefere für die von ihm und L. Fournier bereits vor einigen Jahren (La 
semaine med. 1895, S. 248) beschriebene Form der Cirrhose, die man als cirrhose 
biliaire splenomegalique oder hypersplenomegalique bezeichnen könne 
und die dadurch charakterisiert werde, dass die Hypertrophie der Leber geringer, 
die der Milz dagegen viel beträchtlicher sei als bei der gewöhnlichen Hanot’schen 
Cirrhose, 

Schade (Göttingen), 


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Faisans: De l’emploi de la levure de biere comme agent de d&infection gastro-intesti- 
nale. Soc. med. des hop. Seance du 25 mai. (La semaine m6d., S. 187.) 

F., der in der Bierhefe ein vorzügliches Desinfektionsmittel für den Ver- 
dauungstraktus sieht, empfiehlt dieselbe zu diesem Zwecke bei gewissen Magen¬ 
darmkrankheiten anzuwenden. Besonders günstig soll der typhöse Darmprozess 
in seinem Verlaufe durch Bierhefe beeinflusst werden. F. giebt tägl. 3—4 Thee- 
löffel voll. 

Schade (Göttingen). 

Sur la cirrhose biliaire hypersplenomegalique. Soc. med. des hop. Seance du 
25 mai. (La semaine med., S. 186.) 

Aus den an Chauffards Vortrag in der Sitzung vom 18. Mai (s. vorig. 
S.) anknüpfenden Auseinandersetzungen Gilberts über die »cirrhose biliaire 
hypersplenomegalique« ist folgendes hervorzuheben. 

Seit einer Reihe von Jahren macht sich unter den französischen Forschern 
das Bestreben geltend, von der ursprünglichen biliären hypertrophischen Leber- 
cirrhose, die auch als Hanotsche Krankheit bezeichnet wird, gewisse Krankheits¬ 
formen als klinisch und anatomisch selbständig abzusondern. So haben Boix, 
Chauffard u. a. auf die bei der Hanotschen Krankheit häufig vorkommenden 
cirrhotischen Veränderungen der Milz und Lymphdrüsen die Aufmerksamkeit ge¬ 
lenkt und diesen Prozessen die Superiorität und Priorität vor der Leberaffektion 
zuerkannt; ferner haben Hayem und Levy eine besondere klinische Form der 
hypertrophischen Cirrhose unter der Bezeichnung »ictere infectieux chronique 
splenomegalique« aufgestellt. 

Die zuerst von Gilbert beschriebene Form der biliären hypertrophischen 
Cirrhose, die »cirrhose biliaire hypersplenomegalique«, ist charakterisiert 
durch einen chronischen Ikterus und eine beträchtliche Milzschwellung, im Gegen¬ 
satz zu der eigentlichen hypertrophischen Cirrhose (der Hanotschen Krankheit), 
bei der neben dem Ikterus die Hypertrophie der Leber im Vordergründe steht. 
Die cirrhose biliaire hypersplenomegalique befällt vorzugsweise jugendliche Indi¬ 
viduen und scheint fast ebenso häufig vorzukommen wie die Hanotsche Krank¬ 
heit selbst. Irgendwelche Beziehungen zu Infektionskrankheiten oder Intoxikationen 
(Alkoholismus etc.) sind nicht bekannt. 

Die Krankheit beginnt fast stets schleichend, entweder mit Erscheinungen 
von seiten des Verdauungsapparates (Anorexie, Erbrechen, Durchfällen), oder mit 
Symptomen von seiten der Leber resp. der Milz (Schmerzen im rechten bezw. 
linken Hypochondrium, Ikterus, Leber- resp. Milzschwellung). Auf der Höhe der 
Erkrankung treten alle Symptome erheblich zurück gegenüber dem Ikterus und 
der enormen Milzschwellung. Das Missverhältnis zwischen dem Volumen der 
Leber und dem der Milz verleiht der Krankheit überhaupt das eigenartige Gepräge. 

Was Verlauf und Dauer anbetrifft, so ähnelt die cirrhose biliaire hyper¬ 
splenomegalique den übrigen Formen der biliären Cirrhose; wahrscheinlich ver¬ 
dankt sie wie diese einer ascendierenden Infektion der Gallenwege durch dem 
Darm entstammende Keime ihre Entstehung. Gilbert sieht jedenfalls auf Grund 
zweier Fälle, in denen er intra vitam in Leber und Milz Mikroorganismen fand, 
den infektiösen Ursprung als erwiesen an und wendet sich gegen die von anderer 
Seite (Chauffard) aufgestellte Behauptung, dass es sich bei der cirrhose biliaire 
hypersplenomegalique um eine Affektion handle, die zuerst Milz und Lymphdrüsen 
befalle und erst sekundär die Leber in Mitleidenschaft ziehe; denn von der Milz 
aus auf dem Wege der Milzvene in die Leber verschleppte Keime könnten in 
letzterer wohl eine venöse (= atrophische) Cirrhose, wie sie von Banti be¬ 
schrieben sei (Bantisehe Krankheit), hervorrufen, niemals aber eine biliäre Cirrhose. 
Nach Gilberts Auffassung hat man demnach auch für die cirrhose biliaire hyperspleno¬ 
megalique an dem biliärenUrsprung festzuhalten; daran ändert auch die Thatsache 
nichts, dass in manchen Fällen die Krankheit mit Symptomen seitens der Milz beginnt, 

Nr. 3. 


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zu denen sich dann, scheinbar unter dem Bilde einer Metastase, die Veränderungen 
in der Leber hinzugesellen. Die letzteren stehen bei der cirrhose biliaire hyper- 
splenomegalique wie bei allen übrigen Formen der biliären Cirrhose zu dem 
Prozess in der Milz nicht in dem Verhältnis der Subordination, sondern der 
Koordination. Die einzelnen Formen der biliären Cirrhose, durch das gemein¬ 
same Band der Aetiologie verknüpft, weichen nur insofern von einander ab, als 
Leber und Milz in verschiedenem Grade an dem cirrhotischen Prozess sich beteiligen. 

Gegenüber den Ausführungen Gilberts bemerkt Chauffard, dass man 
bei gewissen Formen von biliärer Cirrhose der Milzaffektion die Priorität vor den 
cirrhotischen Veränderungen der Leber zuerkennen müsse, da es unzweifelhaft 
Fälle gebe, die durch das wenigstens scheinbare Fehlen jeglicher Leberaffektion 
ausgezeichnet seien; damit wolle er jedoch keineswegs gesagt haben, dass die 
Lebererkrankung auf metastatischem Wege von der Milz aus entstehe, da er be¬ 
treffs der Aetiologie der cirrhose biliaire hypersplenomegalique der gleichen An¬ 
sicht sei wie Gilbert. 

Schade (Göttingen). 

Gilbert, Castaigne et Lereboullet: Du fonctionnement des cellules hlpatiques infiltrdes 
de rubigine, au cours des cirrhoses pigmentaires. Soc. de biol. Seance du 19 mai. 

(La semaine med., S. 177.) 

Auf Grund klinischer, pathologisch - anatomischer und experimenteller Be¬ 
obachtungen ist man berechtigt anzunehmen, dass die Leberzellen das lostbraune 
Eisenpigment (ockerfarbene Pigment: lepigment ocre) nur dann in sich aufzu¬ 
speichern vermögen, wenn ihre Thätigkeit normal oder erhöht ist; bei Leberinsuffi- 
cienz findet keine Pigmentablagerung statt. Die Pigmentinfiltrationen der Leber 
lassen sich somit in zwei Kategorieen sondern: 1) die normal funktionierenden 
Leberzellen lagern das aus extravasiertem Blut stammende Pigment in sich ab; 
2) die im Zustande erhöhter Thätigkeit befindlichen Leberzellen produzieren Pig¬ 
ment aus dem nicht alterierten Blute. 

Beide Artender Entstehung vereinigen sich bei den sog. Pigmenteirrhosen 
der Leber, wodurch sich in diesen Fällen der hohe Gehalt der Leber an rost¬ 
braunem Eisenpigment erklärt. 

Schade (Göttingen). 

Schmidt, M. B.: Ueber das Verhältnis der Fettnecrose zu den Pankreaserkrankungen. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 19.) 

Die zur Zeit am meisten durch Tierversuche gestützte und acceptierte 
Hypothese über das Zustandekommen der Fettgewebsnecrose in der Bauchhöhle, 
speciell der Bauchspeicheldrüse, durch chemische Einwirkung des pankreatischen 
Saftes erfährt durch die ausführliche Mitteilung der Sektionsergebnisse eines Falles 
von Abdominalquetschung zum ersten Mal eine Bestätigung aus der mensch¬ 
lichen Pathologie. Es zeigte sich eine ausgesprochene Zerreissung des Pankreas, 
insbesondere seines Ausführungsganges, und in der nächsten Umgebung der 
Rupturstelle fanden sich zahlreiche kleine nekrotische Herde im Fettgewebe. 

Dieser Befund führt Sch. zu der allgemeinen Anschauung, dass die Fett¬ 
necrose nicht die Ursache, sondern die Folge einer Parenchymerkrankung dar¬ 
stellt, indem die letztere dem Secret Zugang zu den Geweben verschafft. 

Pickardt (Berlin). 

Popielski: Das Reflexcentrum der secretorischen Thätigkeit der Pankreasdrüse. 

Nach einem im Warschauer ärztlichen Verein gehaltenen Vortrage. 

Es wurde von manchen Seiten schon früher behauptet, dass sich Reflex- 
centren gewisser vegetativer Funktionen nicht im centralen Nervensystem befänden, 


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so z. B. dasjenige für die Submaxillardrüse (Claude-Bernard), den Detrusor 
der Blase etc. Auch für die Secretionsthätigkeit des Pankreas glaubt Verf. (Dozent 
an der Petersburger Akademie) auf Grund seiner Tierversuche festgestellt zu 
haben, dass dieselbe sich reflektorisch abspiele und nach völliger Zerstörung 
jeglicher Verbindung mit dem centralen Nervensystem fortbestehe, demnach von 
demselben vollkommen unabhängig sei. Der Reflex wird durch die Wirkung der 
Salzsäure auf die Schleimhaut des Duodenum und der oberen Dünndarmschlingen 
ausgelöst, er fehlte dagegen, wenn man selbst grössere Mengen Salzsäure in den 
Dick- oder Mastdarm einführte. Die Reflexzeit ist eine so ungemein kurze, dass 
von einem Uebertritte der Säure ins Blut nicht die Rede sein kann. Die Ver¬ 
suche an Hunden wurden in der Weise angestellt, dass, nach Durchtrennung der 
medulla spinalis von der oblongata, Kanülen ins Duodenum und in den Pankreas¬ 
ausführungsgang eingeführt wurden. Durch erstere wurde eine Salzsäurelösung 
von 0,4—0,5 % eingeführt. Stets entleerte sich danach aus der letzteren Pankreas¬ 
saft. In den änderen Versuchen wurde das Rückenmark nach Unterbindung der 
grösseren Gefässe gänzlich zerstört, auch der plexus coeliacus. 

Alle diese Eingriffe, ebenso wie auch die Durschneidung beider nn. vagi 
und sympathici, vermochten die Thätigkeit der Bauchspeicheldrüse nicht zum Ver¬ 
siegen zu bringen. So gelangt Autor zum Schluss, dass dieselbe unter dem 
Einfluss lokaler Nervencentren ohne Mitbeteiligung des centralen Systems reflek¬ 
torisch arbeiten könne und nicht unwiderruflich untergehen müsse, wenn die sie 
mit jenen verbindenden Bahnen zerstört werden. 

A. Simon (Wiesbaden). 

Noesske, H.: Eosinophile Zellen und Knochenmark, insbesondere bei chirurgischen 
Infektionskrankheiten und Geschwülsten. (Dtsch. Zeitchr. f. Chir., Bd. 55., H. 3. 4.) 

In einer sehr umfangreichen, viel Beobachtungsmaterial und Litteratur- 
angaben enthaltenden Arbeit hat Verf. dem Wesen der eosinophilen Zellen nach¬ 
geforscht, betonend,-dass zum Studium der Eosinophilie bei den verschiedenen 
Infektionen des Menschen das dem Chirurgen zu Gebote stehende Untersuchungs¬ 
material wesentlich geeigneter ist, als das des pathologischen Anatomen und des 
innem Klinikers. Das Endergebnis aller dieser Untersuchungen ist zwar ein un¬ 
befriedigendes, vor allem muss betont werden, dass systematische Untersuchungen 
über den Zusammenhang lokaler Erkrankungen mit Bluteosinophilie vorläufig fehlen, 
doch haben die einzelnen Befunde so grossen Wert, dass sie Wiedergabe verdienen. 
Je häufiger die durch endarteriitische Tuberkelbazilleninjektion hervorgerufene 
Strahlenpilzbildung derselben war, um so grösser war die Anzahl der sie um¬ 
gebenden Körnelungen, in älteren Herden mit ausgebildeten Strahlenpilzformen 
fand sich mehr oder weniger Abnahme der Zahl, wo keine Strahlenpilzbildung 
entstand, wurden auch eosinophile Zellen und Körner vermisst, es handelt sich 
dabei um einen in bestimmter, gesetzmäsiger Weise sich vollziehenden, uns bisher 
noch unbekannten ReaktionsVorgang von seiten des erkrankten Organismus. Die 
eosinophilen Zellen waren in den ersten Stadien tuberkulöser Infektion stets in 
reichlicher Zahl vorhanden, im weiteren Verlauf traten regelmäsig deutliche Unter¬ 
schiede im Vorkommen jener Zellen auf, bei subakuten und chronischen Miliar¬ 
tuberkulosen war der Gehalt der innern Organe an eosinophilen Zellen meist sehr 
gering, ebenso bei chronischer Lungentuberkulose, hier in keinem irgenwie be¬ 
stimmbaren Verhältnisse zur Ausbreitung und Schwere des tuberkulösen Prozesses 
stehend. Das wechselnde Verhalten der Eosinophilie beim Lupus wird durch den 
verschieden langen Bestand, das verschiedene klinische Verhalten und dem aus 
diesen beiden Faktoren resultierenden differenten mikroskopischen Aufbau desselben 
erklärt. Es ist nie gelungen, bei tödlich verlaufenen, durch Staphylococcus bezw. Strep¬ 
tococcus verursachten Pyaemieen in den innern Organen der Versuchstiere eosinophile 
Zellen in grösserer Anzahl nachzuweisen, bei tödlich verlaufenen pyaemischen und 
septischen Prozessen des Menschen wurden sie nur äusserst spärlich, meist über- 


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haupt nicht gefunden, doch nimmt Verf. an, dass auch in diesen Entzündungsprozessen 
sie früher einmal vorhanden gewesen sind. Die lokale Eosinophilie bei Carci- 
nomen hat ein viel grösseres Verbreitungsgebiet als bisher angenommen, bei 
Metastasen fehlen sie, sie treten bei allen Neoplasmen mit dem Beginn sich ent¬ 
wickelnder Exulceration ein, ihre Rolle ist hier die von Schutzelementen gegen 
bakterielle Invasion. Die Vermehrung der eosinophilen Zellen im Blut sowohl 
als in den einzelnen Organen ist eine unabhängig von dem Verhalten der übrigen 
Leukocyten vor sich gehende Reaktionserscheinung infolge eines entzündlichen 
Reizes im bakteriellen und chemischen Sinne; Gewebsnekrose ist nicht positiv 
chemotaktisch für eosinophile Zellen. Die schützende Kraftleistung derselben besteht 
nicht in einer phagocytotischen Wirkung, ihre Funktion ist, bakterienfeindliche Stoffe 
aus dem Zellleib zu secemieren. Die Granulierung der meisten Formen weisser 
Blutkörperchen ist Schwankungen unterworfen, abgestorbene lassen Granula ver¬ 
missen, die Granula sind dazu bestimmt, an die Umgebung abgegeben zu werden. 
Als Zeichen regressiver Metamorphose findet ein teilweises Uebergehen eosino¬ 
philer Körner in Pigment statt, eosinophile Zellen wandern in nicht unbeträcht¬ 
lichen Mengen aus der Blutbahn. Das Knochenmark als Hauptbildungsstätte 
eosinophiler Zellen unterstützt im Kampf gegen Infektionen auch durch Produktion 
antibakterieller bezw. inmunisierender Stoffe. 

Waldvogel (Berlin). 

Roger et Josuö: Des modiflc&tions histologiques et chlmiques de la moelle 
osseuse dans rinanition. Soc. de biol. Seance du 5 mai. (La semaine med., 

S. 164.) 

Im Zustande der Inanition zeigt das Knochenmark (von Kaninchen) eine 
reichliche Vermehrung der zelligen Elemente und eine Veränderung der Fettzellen, 
deren Fett sich in eine granulierte Substanz umwandelt. Diese Umwandlung des 
Fettes kommt bald zum Stillstand, wenn die Inanition unterbrochen wird, dagegen 
dauert die Zellvermehrung noch längere Zeit an, nur mit dem Unterschiede, dass 
jetzt die kernhaltigen roten Blutkörperchen überwiegen, während im Hungerzustande 
die neutrophilen Myelocyten prävalieren. 

Die chemische Analyse des Knochenmarks hungernder Tiere ergiebt eben¬ 
falls eine Abnahme des Fettes, von 50% oft bis unter 1 %, gleichzeitig eine Ver¬ 
mehrung des Wassergehaltes (statt 32 % bis zu 80 %), der Albumine (von 0,77 % bis 
zu 3—4%) und der unlöslichen Substanzen (von 2,7% bis zu 3,5—4%). 

Das Knochenmark befindet sich demnach während der Inanition in einem 
Zustande vermehrter Thätigkeit, der in einer Zellproliferation zum Ausdruck ge¬ 
langt. Letztere setzt einen grösseren Gehalt an Wasser und Eiweissstoffen voraus 
als der Norm entspricht. 

Schade (Göttingen). 

Hofmann, A.: Die Rolle des Eisens bei der Blutbildung. Zugleich ein Beitrag zur 
Kenntnis des Wesens der Chlorose. (Virchows Archiv, Bd. 160, H. 2.) 

In der Einleitung der sehr ausführlichen, experimentellen Arbeit wird zu¬ 
nächst eine kurze Uebersicht über die verschiedenen Ansichten von dem Verhalten 
des Organismus anorganischen Eisenpräparaten gegenüber gegeben. Die Ver¬ 
suche wurden an Kaninchen,angestellt, und von den Eisenpräparaten gelangten Ferr. 
oxyd. saccharat solubile, Ferr. reduct. und Liquor ferr. albuminat zur Verwendung. 
Der Verf. kommt dabei zu folgenden Sätzen. 

Alles Eisen, als reines Metall oder als Ferratin, wird im Duodenum resorbiert, 
um von dort mittels Transportzellen, an einen Eiweisskörper gebunden, in die Blut¬ 
bahn zu gelangen, in welcher es in dieser Form keine toxischen Wirkungen, wie 
man auf Grund von Injektionsversuchen mit Eisensalzen direkt in die Gefässe an¬ 
nehmen zu müssen geglaubt hat, hervorzurufen im stände ist. Als solches Eisen- 
albuminat wird es dann in der Leber und Milz und hauptsächlich im Knochen- 


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mark abgelagert. Nur dieses letztere Organ zeigt nach erheblicheren Blutverlusten 
eine entsprechende, regenerative Thätigkeit, die sich als Hyperplasie seines 
Parenchyms kundgiebt. Der Wiederansatz der roten Blutkörperchen ist bei 
Tieren mit Eisenfütterung ein rascherer, was sich auch im Knochenmark durch 
den reichlicheren Gehalt an denselben nach Fe.-Gaben zeigt, während Milz und 
Lymphdrüsen kaum einen Unterschied aufweisen. Auch ohne voraufgegangenen 
Blutverlust kann nach Fe.-Darreichung eine mässige Steigerung der roten Blut¬ 
körperchen im kreisenden Blute erzeugt werden, wobei aber das Knochenmark 
keine grössere Zellneubildung, sondern einen reicheren Fettgehalt aufweist. Der 
Wieder-Ersatz von Hämoglobin bleibt hinter dem der Erythrocyten etwas zurück, 
entspricht aber bei Tieren sowohl mit als auch ohne Eisengaben stets nur dem 
der Blutkörperchen, so dass eine Mehrproduktion von Blutfarbstoff durch Ver¬ 
wendung des Metalls nicht statthat. Es ergiebt sich daraus, dass dem Metalle 
als solchem eine die physiologische Thätigkeit des Knochenmarks stimulierende, 
die Heranreifung der in ihm produzierten Jugendformen zu kernlosen, in die 
Zirkulation eintretenden Eiythrocyten beschleunigende Wirkung zukommt. 

Aus der Untersuchung mit anderen Eisen- und Hämoglobin-Präparaten 
— es wurden untersucht Ferratin, Eisenpeptonessenz, Manganeisenpeptonessenz, 
Eisensomatose, Sanguinalpillen, Hämalbumin, Hämol, Hämoglobintabletten, Hämo- 
globinzeltchen, Hämatogen — ergiebt sich, dass auch ihr Eisen in gleicher Weise 
an Zellen gebunden im Organismus nachweisbar ist, bei den eisenreicheren in 
gröserer, bei den Hämoglobin-Präparaten in geringerer Menge. Die ersteren sind 
deshalb meist überflüssig, die letzteren irrationell, da es bei der Eisenwirkung 
nur auf die Menge des resorbierten Metalls ankommt. 

Aus dieser die physiologische Thätigkeit des Knochenmarks stimulierenden 
Wirkung des Eisens lässt sich ein Einblick in das Wesen der Chlorose gewinnen. 
Hiernach besteht dieselbe mit der grössten Wahrscheinlichkeit in einer nur zur 
Pubertätszeit auftretenden, vorübergehenden verminderten Leistungsfähigkeit, oder 
einer angeborenen, sich das ganze Leben hindurch mehr oder weniger bemerkbar 
machenden Hypoplasie des blutbildenden Organs, des Knochenmarks, die sich 
in schweren Fällen vereinigt mit der von Virchow beschriebenen Hypoplasie der 
blutführenden Teile, selbst des Geschlechtsapparats. Diese Schwäche des blut¬ 
bildenden Organs äussert sich in der Produktion minderwertiger, an Form und 
Hämoglobingehalt krankhafter Erythrocyten. Während alle anderen Theorieen vom 
Wesen der Chlorose mit der specifischen Wirkung des Eisens unvereinbar sind, 
findet diese noch eine Unterstützung in den Erfolgen von Aderlässen bei Chlorose, 
die gleichfals einen Reiz auf das blutbildende Knochenmark darstellen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Grawitz, E. (Charlottenburg): Ueber die Behandlung der Bleichsucht (Therap. der 

Gegenwart, VI.) 

Nach der Ansicht des Verf. handelt es sich bei der Chlorose nicht um 
eine primäre Erkrankung des Blutes, sondern um eine Teilerscheinung einer 
allgemeinen Neurose. Die Blutuntersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, 
dass mehr die Blutgefässe in ihrer Funktion gestört sind, und zwar so, dass in¬ 
folge einer Anomalie des vasomotorischen Apparates die Regulierung des Flüssig¬ 
keitsaustausches zwischen Blut und Gewebe behindert ist, woraus ein Zustand 
der Polyplasmie des Blutes mit Anhäufung von Flüssigkeit in den Geweben resul¬ 
tiert. Die Hämoglobinarmut der Erythrocyten ist dann dadurch erklärt, dass im 
Knochenmarke die Zellen durch Flüssigkeitsaufnahme quellen und so unvoll¬ 
kommen hämoglobinhaltig werden. 

Entsprechend dieser Auffassung vom Wesen der Chlorose ist auch die 
Behandlung einzurichten, d. h. es kommen hauptsächlich die psychischen Momente 
in Frage: Entfernung aus der Umgebung, Krankenhausbehandlung. Bei allen 
Fällen ist Bettruhe geboten, die auf das Herz und die Zirkulation günstig ein- 


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wirkt. Die von Dy es eingeführte Behandlung mit Aderlässen mit nachfolgender 
Schwitzprozedur wird von O. schon als theoretisch falsch begründet zurückgewiesen 
und als zu brüsk angesehen. Wohl sind Schwitzkuren anzuwenden, die aber durch 
heisse Bäder besser zu erzielen sind. 

Wichtig ist die Ernährung. Milch steht als Hauptnahrungsmittel obenan. 
Alkoholika sind so gut wie ganz zu vermeiden. Vor allem ist auch durch Rege¬ 
lung des Stuhlganges einer habituellen Obstipation vorzubeugen. 

Gegenüber denen, die das Eisen für ein Specificum bei der Chlorose 
halten, vermag der Verf. in ihm nur ein treffliches Unterstützungsmittel zu sehen. 
Irgend einem der vielen modernen Eisenmittel den Vorzug zu geben, ist nicht 
möglich. G. stimmt der Lehre Gerhardts zu, der annimmt, dass das anorganische 
Eisen in Mengen in Eisenchlorid übergeführt wird, und hält weiter an der Dar¬ 
reichung von Liq. ferri sesquichlorati fest. Sehr zweckmässig ist ferner die Arsen¬ 
therapie. 

Neben dieser medikamentösen Therapie kommen noch leichte Massage, 
kalte Abreibungen in Betracht; bei hartnäckigen Fällen der Besuch eisenhaltiger 
Bäder oder Aufenthalt in waldiger Berggegend, dagegen beeinflusst das Höhen¬ 
klima die Chlorose nicht günstig. 

Im grossen und ganzen ist die Behandlung bei der Chlorose eine dank¬ 
bare; davon macht aber eine Gruppe eine Ausnahme, bei welcher sich eine Hypo¬ 
plasie des Herzens und der grossen Gefässe findet, und bei welcher jegliche 
Therapie ohne dauernden Erfolg ist. Hier ist der Prophylaxe eine wichtige Auf¬ 
gabe gestellt, die auf die durch unser übermodernes Leben so zahlreich bedingten 
Schädlichkeiten günstig einzuwirken hat. 

Hagenberg (Göttingen). 

Zeuner: Leberthraninjektionen bei Tuberkulose. (Therap. Monatshefte. Juni.) 

In Verfolg früherer Versuche (D. med. Wochenschr. 1899 Nr. 22), hat Verf. 
Leberthran nach folgendem Rezept einem Tuberkulösen als Clysma gegeben: 


Pankreatin, purissim. 5,0 

Fell. taur. inspissat. 0,5 

Natr. chlorat. 1,5 

Solve in aqu. font. 50,0 


Dig. per hör. II cum 
Ol. jec. Asell. citrin. 

Adde Ol. Eucalypt. gtts. III. 

Von dieser Emulsion wurden täglich 60—100 g warm in Knieellenbogenlage 
injiciert und blieben gewöhnlich 10—11 Stunden intra corpus. Der Leberthran 
bietet infolge seiner ausserordentlich leichten Emulgierbarkeit — die hier noch 
durch Zusatz von Galle und Pankreatin erhöht wird — sowie seines relativ niedrigen 
Schmelzpunktes viel grössere Chancen für die Resorption als die sonst benutzten 
Oele pflanzlicher oder tierischer Provenienz. Die Einläufe werden gut vertragen; 
die Resorption des Fettes betrug in einem Fall 75% (’)• 

Pickardt (Berlin). 

Hugounenq: Sur la fixation des bases alc&lines dans le squelette minlral du fcetus 
pendant les cinq derniers mois de la grossesse. Acad. des Sciences. Seance du 
2 avril. (La semaine med., S. 123.) 

Die Analyse der Asche von 7 Embryonen verschiedenen Alters ergab be¬ 
züglich des Verhältnisses von Kali und Natron in den ersten Monaten ein Praeva- 
lieren des Natrons. In dem Masse, wie mit zunehmendem Alter das kochsalz¬ 
reiche Knorpelgewebe schwindet und die kalireichen Gewebe, wie das der roten 
Blutkörperchen, der quergestreiften Muskelsubstanz u. s. w., an Masse zunehmen, 
wird das Natron durch das Kali verdrängt. 

Schade (Göttingen). 


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Hugounenq: Statique minerale du fcetus humain pendant les cinq derniers mois de la 
grossesse. Acad. des Sciences. Seance du 21 mai. (La semaine med., S. 186.) 

Weitere Analysen der Asche menschlicher Embryonen haben ergeben, dass 
die im Beginn und in der mittleren Hälfte der Schwangerschaft ausserordentlich 
lebhafte Assimilation des Chlomatriums gegen das Ende hin abnimmt. Die 
Phosphorsäure wird in etwas grösserer Menge fixiert, der Kalk dagegen während 
der letzten Monate in viel erheblicheren Quantitäten assimiliert. 

Schade (Göttingen). 

Ulrich: Ueber Morbus Basedowii und Myxödem. (Therap. Monatsh. Juni.) 

U. teilt einige Krankengeschichten mit, aus denen hervorgeht, dass Symp¬ 
tome von M. B. und Myxödem gleichzeitig bei demselben Individuum Vorkommen 
können. Für den pathogenetischen Zusammenhang beider Affektionen spricht 
neben vielem anderen auch der Umstand, dass gelegentlich bei Thyreoideafütterung 
von Myxoedematösen Erscheinungen von Basedow aufgetreten sind; die für die 
eine Krankheit charakteristischen Symptome können beinahe alle in denselben 
oder ähnlichen Formen bei der anderen wiedergefunden werden. Die Ver¬ 
änderungen der Gland. thyreoid. bei beiden Affektionen sind einander nicht ent¬ 
gegengesetzt, sondern sie sind eher so verwandt, dass »die Kennzeichen der einen 
als aus denen der anderen entwickelt« angesehen werden müssen. 

Pickardt (Berlin). 

Arnold, V.: Ueber Nachweis und Vorkommen der Acetessigsäure in pathologischem 
Harn. (Centralbl. f. inn. Med., Nr. 17.) 

Zur Ausführung der Reaktion auf Acetessigsäure mit Paradiazoacetophenon 
sind 2 Lösungen vorrätig zu halten: 

1) 1 % Paramidoacetophenonlösung (1,0 Paramidoacetophenon, 100,0 
dest. Wasser, 2,0 konz. HCl). 

2) 1 % Natriumnitritlösung. 

Diese beiden Lösungen sind im Verhältnis 2:1 zu mischen. Gleiche Mengen 
Urin und Reagens mit einigen Tropfen konz. Ammoniaks geben bei allen Hamen 
eine mehr oder weniger braunrote Färbung, die bei Gegenwart von Acetessig¬ 
säure durch Hinzufügen eines starken Überschusses konz. HCl in eine prachtvoll 
purpur-violette Farbe übergeht, beim Fehlen derselben in eine rein gelbe Färbung 
sich verwandelt, ln solchen Fällen, in denen die Farbstoffe des Harns ein Miss¬ 
lingen der Reaktion befürchten lassen, entfärbt man mit Vorteil den Urin mit Tierkohle. 
Man erfährt dann in Urinen, in denen die Gerhardt sehe Eisenchlorid-Reaktion 
nicht vorhanden ist, die Anwesenheit der Acetessigsäure durch dieses Reagens. 
Auf Grund zahlreicher Untersuchungen kommt der Verf. ferner zu dem Resultate, 
dass eine Acetonurie im alten Sinne nicht zu Recht besteht, da der die Legal sehe 
Acetonreaktion gebende Körper immer nur die Acetessigsäure ist und freies Aceton 
daneben nur in Spuren vorhanden ist. 

Die sogenannte Acetonurie ist eigentlich eine Diaceturie und beruht auf 
der Ausscheidung von Acetessigsäure, deren Menge aber zu gering ist, um durch 
Eisenchlorid nachgewiesen zu werden. 

Die Paradiazobenzolsulfosäure stellt keinen Ersatz für das Paramido¬ 
acetophenon dar. Der Acetessigester reagiert zwar ebensogut mit der Diazobenzol- 
sulfosäure wie mit Diazoacetophenon; die Acetessigsäure dagegen entschieden 
schwächer mit ersterem Reagens als mit dem letzterem. Einzelheiten sind im 
Original nachzulesen. 

Hagenberg (Göttingen). 


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Methylenblauausscheidung. Soc. med. des hop. Slance du 6 avril. (Progres med., 

Nr. 15.) 

Achard und Clerc fanden, dass die Methylenblauausscheidung bei 
Nieren von verminderter Durchgängigkeit nicht geringer ist als bei gesunden 
Nieren, was sie als Folge der Sättigung des Körpers mit dem Farbstoff ansehen. 
Bei längerer Darreichung geht anfangs weniger durch die insuffiziente Niere, dann 
steigt aber die Menge bis zu der von einer gesunden Niere ausgeschiedenen; 
setzt man das Methylenblau aus, so wird der Unterschied wieder bemerkbar. Aus 
diesem Verhalten Hessen sich Schlüsse auf die Ausscheidung der Extractivstoffe 
durch die Nieren ziehen. Eine Zerstörung von Methylenblau im Organismus sei 
unwahrscheinlich. 

Widal vermisste in einem Falle von Brightscher Krankheit die Ausschei¬ 
dung von Methylenblau, was er dem geringen arteriellen Druck zuschrieb. Bei 
Milchdiät und Theobromin stieg der Druck, und einige Zeit später erschien der 
Farbstoff im Urin; Digitalis hatte keine Wirkung gehabt. 

Fraenckel (Oöttingen). 

Hörvath, K.: An Autointoxication sich anschliessende, abnorme Bewegungen bei Hysterie. 

Aus der 1. med. Abt. d. St. Rochus Spitals. (Ungar, med. Presse, Nr. 13.) 

Ein junges Mädchen bekommt auf dem Wege zum Spital plötzlich eigen¬ 
tümliche, auf die oberen Extremitäten beschränkte Zuckungen von synchro- 
nischem, taktartigem Charakter mit kurzen Pausen, welche 2 Tage lang dauerten. 
Längere Zeit vorher und während dieser 2 Tage waren weder Stuhlgang noch 
Urinentleerung erfolgt. Nach erfolgter Entleerung des Darms und der Blase 
war die Kranke vollständig geheilt. Der Verf. hält diese Krämpfe für hysterischer 
Natur, ausgelöst durch eine Autointoxication, welche durch die Retention der 
Fäces und des Urins zustandekam. Die abenteuerlichen Bewegungen der Pat. 
zeigten eine Ähnlichkeit mit den bei Maladie des tics impulsifs vorkommenden 
Motionen. Es ist vielleicht in diesem Falle am Platze, von einer hysterischen 
Form der Tics impulsifs zu sprechen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Yvon: lnfluence de i*61ectridt6 statique sur Porganisme k l’ltat normal. Soc. de biol. 

Seance du 26 mai. (La semaine med., S. 187.) 

Y. teilt das Resultat einer Anzahl Untersuchungen mit, welche den Einfluss 
der elektrostatischen Bäder auf den Stoffwechsel zum Gegenstand hatten. Er 
glaubt sich auf Grund dieser zu dem Schlüsse berechtigt, dass die Wirkung der 
statischen Elektrizität auf den Organismus, wenn überhaupt vorhanden, jedenfalls 
sehr gering ist, eine Ansicht, die bereits von Duchenne, dem Begründer der 
wissenschaftlichen Elektrotherapie, vertreten wurde. 

Schade (Göttingen). 

Hldon: Action globulicide des silicates alcalins. Soc. de biol. Seance du 26 mai. 

(La semaine med., S. 187.) 

Nach H. kommen den Alkalisilikaten in hohem Grade globulicide Eigen¬ 
schaften zu, nicht nur in wässeriger Lösung, sondern auch in isotonischen Koch¬ 
salzlösungen. Der Effekt zeigt sich allerdings erst nach längerer Zeit, da die 
genannten Salze nur ganz allmählich in das Stroma der Blutkörperchen eindringen. 

Schade (Göttingen). 

G. Pierallini: Kommen dem menschlichen Pankreas (post mortem) und dem Harn 
zuckerzerstörende Eigenschaften zu? Aus d. Lab. d. med. Univ. Kl. Berlin. (Zeitschr. 

f. klin. Med., Bd. 39., H. 1.) 

Verf. sucht experimentell die Fragen zu beantworten, ob das Pankreas des 


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Menschen ebenso wie das von einzelnen Tieren (Rindern) die Fähigkeit besitzt, 
Zucker zu zerstören, und ob ferner Unterschiede bei den verschiedenen Krank¬ 
heiten vorhanden sind. 

Die Untersuchungen wurden an Sectionsmaterial in 10 Fällen angestellt, wobei 
sich nur in 6 Fällen eine geringe Verminderung des Zuckergehaltes der mit dem 
Pankreassafte zusammengebrachten Zuckerlösung zeigte. Dieselben wenig über¬ 
einstimmenden Resultate liegen auch von Diabetesfällen vor, und der Verf. glaubt, 
dass solche an Sectionsmaterial vorgenommenen Untersuchungen keine Entschei¬ 
dung über eine glykolytische Funktion des menschlichen Pankreas herbeiführen 
könne. 

Die Angabe Signorinis, dass das Pankreasferment in den Harn überginge, 
war schon von Blumenthal u. Mosse mit negativem Resultate nachgeprüft 
worden, und es zeigen ebenso diese Untersuchungen, die mit den Harnen von 
Gesunden und Kranken, darunter Diabetikern angestellt wurden, dass dem Urin 
keine glycolytische Wirkung zukommt. 

Hagenberg (Göttingen). 


Besprechungen. 

v. Hoesslin, Rudolf: üeber die Behandlung der Fettleibigkeit. 39 S. München, 
J. F. Lehmanns Verl. 1900. 0,80 Mk. 

v. Hoesslin verwirft auf Grund eigener, während einer Reihe von Jahren 
gesammelter Erfahrungen die Oertel’sche Entfettungskur, die wegen der starken 
Unterernährung eine wahre Hungerkur ist, und bei der die verminderte Flüssigkeits¬ 
zufuhr keine oder jedenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn auch mit 
ihr eine Entfettung erreicht wird, so tritt doch, da auch, besonders wenn sie nicht 
vorsichtig angewandt wird, eine stärkere Einschmelzung von Körpereiweiss statt¬ 
findet, eine Schwächung des Körpers ein. Ausserdem haben die Patienten über 
Durst und Hunger zu klagen. 

Ebenso erklärt sich v. Hoesslin — und gewiss mit vollem Recht — 
gegen die Bantingkur, die auch eine Hungerkur ist und einen ungünstigen 
Einfluss auf das Allgemeinbefinden hat. 

Recht günstige Erfolge hat v. Hoesslin durch eine seit 6 Jahren geübte 
Entfettungskur erzielt, deren Erfolg allerdings nur langsam und allmählich, aber 
ohne Störung des Allgemeinbefindens eintritt, und bei der im Vordergrund steht 
die Behandlung mit einer neben viel Fett und wenig Kohlehydraten enthaltenden 
Diät, die im Princip der von Ebstein so erfolgreich angewandten Kostordnung 
für Fettleibige entspricht. Die Diät, über die v. Hoesslin detaillierte Vorschriften 
giebt, hat den Vorzug, dass die gewöhnte Nahrungsmenge nicht wesentlich ver¬ 
mindert ist und deshalb der Kräftezustand der Patienten nicht leidet, und dass sie 
namentlich, wie die für eine Woche zusammengestellten Menus zeigen, auch sehr 
abwechselungsreich gestaltet werden kann. 

Wenn auch durch diese Diät allein recht befriedigende Resultate erzielt 
werden konnten, so waren diese doch noch günstigere, wenn v. Hoesslin diese 
mit hydrotherapeutischen Massnahmen, wie kalten Wasserproceduren und Schwitz¬ 
bädern, mit reichlicher Körperbewegung verschiedener Art und mit der Darreichung 
von Thyreoidintabletten combinierte. In dem Thyreoidin sieht Verf. ein ausser¬ 
ordentlich wichtiges Unterstützungsmittel seiner Entfettungskur, weist aber besonders 
darauf hin, dass es nicht nur die Fett-, sondern auch die Eiweisszersetzung beein¬ 
flusst, und dass man bei seiner Anwendung, die nur bei regelmässiger Beobachtung 
der Kranken gestattet ist, Vorsicht walten lassen muss. 


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Sehr beherzigenswert ist die Mahnung des Verf., dass man auch bei seiner 
Entfettungskur, wie bei allen übrigen nicht schabionisieren, sondern individualisieren 
müsse. 

Als Anhang hat v. Hoesslin der kleinen Schrift eine Tabelle über den 
Gehalt verschiedener Nahrungsmittel an einzelnen Nährstoffen und eine Anzahl 
Menus für die einzelnen Monate des Jahres zusammengestellt. 

Nicolai er (Göttingen). 

v. Leube, W.: lieber Stoffwechselstöningen und ihre Bekämpfung. C. F. W. Vogel, 
Leipzig. 1896. 32 S. 1,00 Mk. 

ln kurzgefasster, aber klarer Darstellungsweise giebt das vorliegende 
Heftchen — Rede zur Feier des 314. Stiftungstages der Kgl. Julius-Maximilians- 
Universität Würzburg, gehalten am 2. Januar 1896 — einen Ueberblick über die 
Grundzüge des Stoffwechsels; im Anschluss daran erfahren die Stoffwechsel¬ 
störungen und die eigentlichen Stoffwechselkrankheiten (Gicht, Diabetes, Fett¬ 
leibigkeit) eine kurze Besprechung, die mit einigen Bemerkungen über die zur 
Bekämpfung der Stoffwechselanomalieen einzuschlagenden Wege abschliesst. 
Wenngleich in erster Linie, dem Zwecke eines öffentlichen Vortrages entsprechend, 
für den gebildeten Laien bestimmt, werden die Ausführungen des hervorragenden 
Klinikers doch auch für den Fachmann nicht ohne Interesse sein, falls er darauf 
verzichtet, neue Gesichtspunkte bezüglich des Wesens sowie der Therapie der 
Stoffwechselerkrankungen zu gewinnen. 

Schade (Göttingen). 

Weiss u. Schweiger: Therapeutische Indikationen für interne Krankheiten. 2. Auflage. 

München, Seitz & Schauer. 320 S. geb. 5,00 Mk. geh. 4,00 Mk. 

Vorliegendes Buch, 320 Seiten umfassend, soll dem Arzt einen Ersatz für 
die gebräuchlichen Rezepttaschenbücher bieten und ihm die »möglichst individuali¬ 
sierenden Angaben über die Verordnung aller therapeutischen Behelfe, die wir 
gegenwärtig besitzen« in die Hand geben. Bezüglich der Reichhaltigkeit des 
Gebotenen ist den Verfassern dies gelungen. Doch macht sich das Fehlen der 
Kritik an manchen Stellen unangenehm bemerkbar; wobei allerdings zu bemerken 
ist, dass Verf. in objektiver Weise das Thema zu behandeln sich vorgenommen 
haben. Des näheren kann auf Einzelheiten nicht an dieser Stelle eingegangen 
werden; es sei nur über die Einteilung des Stoffes bemerkt, dass bei den ein¬ 
zelnen Kapiteln (Herz-, Lungen-, Verdauungs-, Nerven-, Infektions- und Stoff¬ 
wechselstörungen) auf die Besprechung der allgemeinen Indikationen die der 
speziellen für die einzelne Krankheitsform folgt, wobei neben den pharmakothera- 
peutischen Massnahmen Diätetik und physikalische Therapie, dem Stand des 
modernen Wissens entsprechend, gebührend hervorgehoben sind. Ebenso finden 
Klimato-, Balneo- und Organotherapie genügende Würdigung. Auch die prophy¬ 
laktischen Massnahmen werden besprochen. Das Büchlein wird sich sicher unter 
-den praktischen Aerzten viele Freunde erwerben. 

Mohr (Berlin). 

v. Hankö, Wiih.: Die Bäder und Mineralwässer der erdölyer (siebenburgischen) Landes¬ 
teile Ungarns. Wien, Franz Deuticke. 248 S. 4 Mk. 4 Kr. 

Das vorliegende, im Aufträge des Siebenbürgischen-Karpathen-Vereins 
(Erdeflyi Kärpät-Egyesület) herausgegebene Buch macht uns mit den Kurorten und 
Heilquellen des von der Natur so reich gesegneten siebenbürgischen Landes näher 
bekannt. Der Beschreibung eines jeden Badeortes ist im allgemeinen ein beson¬ 
deres Kapitel gewidmet, das ausser den nötigen topographischen Notizen und hier 
und da eingestreuten geschichtlichen Bemerkungen — selbst die Mythologie kommt 
zu ihrem Recht — meist noch nähere Angaben über die Zusammensetzung der 


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Quellen und Analysen derselben enthält. Unter den Mineralwässern sind besonders 
zahlreich die Säuerlinge (einfache, alkalische, alkalisch-muriatische, alkalisch-sulfa- 
tische, eisenhaltige und erdige Säuerlinge) und kochsalzhaltige Quellen vertreten; 
ferner finden wir Br- und J-haltige, sowie S-Quellen, die letzteren teils als kalte 
Mineralquellen, teils als Thermen. Die Mehrzahl dieser in erster Linie von 
den Bewohnern der östlichen Länder (Rumänien u. s. w.) besuchten Bäder bietet 
den Gästen einen ruhigen, gesunden und im Vergleich mit den meisten unserer 
Bäder bescheidenen, darum aber auch billigen Aufenthalt; andere wieder sind mit 
allen Errungenschaften der modernen Baineotechnik ausgestattet und in stetem 
Aufblühen begriffen; vor allem Borozek, Elöpatak, dessen Wasser zu den eisen¬ 
reichsten Europas zählt, Tusnäd, die >Perle Siebenbürgens« u. s. w. 

Das von dem Verf., einem gründlichen Kenner des siebenbürgischen Landes, 
mit echt patriotischer Begeisteruug geschriebene Buch ist, wie auch in der Ein¬ 
leitung hervorgehoben wird, hauptsächlich für das reisende Publikum bestimmt, 
indem es mehr praktischen Zwecken als wissenschaftlichem Interesse dient. Dem 
entspricht die Art der Schilderung, die oft ans Leidenschaftliche und Ueberschwäng- 
liche grenzt; dem entspricht auch die äussere Ausstattung des Werkes. Die Illustra* 
tionen lassen zwar teilweise zu wünschen übrig; bei der Lektüre der im allgemeinen 
fliessenden Darstellung wirken zahlreiche Druckfehler oft recht störend. 

Zwecks besserer Orientierung hätte wohl passender Weise eine Ueber- 
sichtskarte angefügt werden können. 

Schade (Göttingen). 

Martius, Fr.: Pathogenese innerer Krankheiten. Leipzig und Wien, Fr. Deuticke. 

2. H. 260 S. 4,00 Mk. 4,80 Kr. 

Es ist ein nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst des bekannten 
Klinikers in dem 3. Kapitel seines Gesamt-Werkes über die Pathogenese innerer 
Krankheiten (dem ersten des 2. Heftes) mit strenger Kritik aller bisher be¬ 
kannten Krankenbeobachtungen und experimentellen Ergebnissen den kritiklosen 
Versuchen vieler Autoren, die verschiedensten Erkrankungen auf enterogene Au- 
tointoxication zurückzuführen, ein entschiedenes Veto entgegenzusetzen und 
immer wieder zu fordern, dass diese Gifte, deren Natur z. T. höchst problematisch 
ist, wirklich erst einmal nachgewiesen werden. Man sollte diese Forderung bei einer 
exakten wissenschaftlichen Forschung nicht für nötig halten, und doch beweisen 
die Ausführungen des Autors, auf die ich hier im einzelnen natürlich nicht ein- 
gehen kann, das Schritt für Schritt. 

Nicht weniger dankenswert ist die Bemühung, Klarheit zu schaffen über 
den Begriff: Konstitutionsanomalieen und Konstitutionskrankheiten, wie das Ebstein 
vor kurzem als notwendig ausgeführt hat, indem er die Trias: Zuckerkrankheit -r 
Fettleibigkeit — Gicht als allgemeine Erkrankungen des Protoplasmas 
mit vererbbarer Anlage als eine besondere Gruppe im nosologischen System 
betrachtet wissen will, M. hält allerdings diese Bezeichnung nicht für glücklich. 
Bei allen anderen Erkrankungen haben wir für die Entstehung schon jetzt scharf 
zu trennen konstitutionelles Moment und äussere Krankheitsursache. Es giebt 
jedenfalls aber ein konstitutionelles Moment — so geht aus den lehrreichen 
Auseinandersetzungen hervor — beruhend auf »einer exakt experimentell durch 
individuelle Funktionsprüfung feststellbaren spezifischen Gewebs- und Organ¬ 
beschaffenheit«. 

Damit werden wir von neuem auf eine spezifisch individuelle Behand¬ 
lung hingewiesen. 

Schreiber (Göttingen). 

Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Sachs, W.: Die Kohlenoxyd-Vergiftung in ihrer klinischen, hygienischen und ge- 


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richtsärztlichen Bedeutung. Braunschweig, Fr. Vieweg & Sohn. 236 S. 
m. 1 Spectraltf. geh. 4,00 Mk. 

öreve, Chr.: Die Prophylaxe bei Zahn- und Mundkrankheiten (Nobiling-Jankau: 
Handbuch der Prophylaxe Abt. VI.) München, Seitz & Schauer. 23 S. 
1,00 Mk. 


Inhaltsverzeichnis. 

Originalartikel: W. His d. I.: Physikalisch-chemische Untersuchungen 
über das Verhalten der Harnsäure und ihrer Salze in Lösungen S. 61. — Referate: 
Therapeutischer Meinungsaustausch über Sidonal S. 66. — Jaquet, A.: L'intoxi- 
cation acide dans le diabete S. 66. — Kopf, H.: Der Diabetes mellitus und seine 
Bedeutung für Marienbad S. 67. — Desgrez: Action physiologique de Finuline 
S. 67. — Petterson: Experimentelle Untersuchungen über das Konservieren von 
Fisch und Fleisch mit Salzen S. 67. — Ewald, C. A.: Ein Fall von Carcinoma 
Oesophagi mit Dauerkanüle behandelt S. 68. — Knapp: Ein Leitrohr für den 
Magenschlauch S. 69. — Hesse, A.: Begriff und Wort >Magenerweiterung« in 
der deutschen Litteratur seit 1875 S. 69. — Cuneo, B.: Note sur quelques points 
de Fanatomie pathologique du cancer de Festomac. S. 69. — Honigmann: Zur 
Casuistik seltener Formen von Blutbrechen S. 70. — Minnich, K.: Perforatio trau¬ 
matica ventriculi S. 70. — Enderlen: Ueber die Deckung von Magendefekten durch 
transplantiertes Netz S. 70. — v. Burckhardt, H.: Ueber akute fortschreitende Peri¬ 
tonitis und ihre chirurgische Behandlung S. 71. — Roger: Dysenterie hypertoxique 
S. 71. — Lacasse: Hemi-hyperesthesie sensitivo-sensonelle et neuro-musculaire ä la 
fin d'une fievre typhoide. S. 72. — Meningite typhoTdique S. 72.— Launois: Orchite 
lyphoidique S. 72. — Winternitz, M. A.: Ueber Bakterienbeiunde bei Appendicitis S. 72. — 
Strauch, K. O.: Die Behandlung des Ileus S. 73. — Rabow, S. u. Galli-Valerio, B.: 
Ichthoform S. 73. — Schaefer, F.: Die therapeutische Anwendung von Ichthoform 
S. 73. — Askanazy, M.: Ueber Art und Zweck der Invasion der Anguillula intes¬ 
tinalis in die Darmwand S. 73. — Flesch: Cocain bei Bandwurmkuren S. 74. — 
Chauffard: A propos des cirrhoses biliaires spl^nomegaliques S. 74. — Gilbert: 
De la cirrhose biliaire hypersplenomegalique S. 74. — Faisans: De Femploi de 
la levure de biere comme agent de desinfection gastro-intestinale S. 75. — Sur la 
cirrhose biliaire hypersplenomegalique S. 75. — Gilbert: Castaigne et Lereboullet: Du 
fonctionnement des cellules hepatiques infiltrees de rubigine, au court des cirrhoses 
pigmentaires S. 76. — Schmidt, M. B.: Ueber das Verhältnis der Fettnekrose zu 
den Pankreaserkrankungen S. 76. — Popielski: Das Reflexcentrum der secretorischen 
Thätigkeit der Pankreasdrüse S. 76. — Noesske, H.: Eosinophile Zellen und 
Knochenmark, insbesondere bei chirurgischen Infektionskrankheiten und Geschwülsten 
S. 77. — Roger et Josue: Des modifications histologiques et chimiques de la 
moelle osseuse dans Finanition S. 78. — Hofmann, A.: die Rolle des Eisens bei 
der Blutbildung S. 78. — Grawitz, E. (Charlottenburg): Ueber die Behandlung der 
Bleichsucht S. 79. — Zeuner, Leberthraninjektion bei Tuberkulose S. 80. — Hugou- 
nenq: Sur la fixation des bases alcalines dans le squelette mineral du foetus 
pendant les cinq demiers mois de la grossesse S. 80. — Ulrich: Ueber Morbus 
Basedowii und Myxödem S. 81. — Arnold, V.: Ueber Nachweis und Vorkommen 
der Acetessigsäure in pathologischem Harn S. 81. — Fraenckel- Methylen¬ 
blauausscheidung S. 82. — Horvath, K.: An Autointoxikation sich an¬ 

schliessende, abnorme Bewegungen bei Hysterie S. 82. — Yvon: Influence de 
Felectricite statique sur Forganisme ä Fetat normal S. 82. — Hedon: Action glo- 
bulicide des silicates alcalins S. 82. — Pierallini, G.: Kommen dem menschlichen 
Pankreas (post mortem) und dem Harn zuckerzerstörende Eigenschaften zu? S. 82. 
— Besprechungen: v. Hoesslin, Rudolf: Ueber die Behandlung der Fettleibig¬ 
keit S. 83. — v. Leube, W.: Ueber Stoffwechselstörungen und ihre Bekämpfung 
S. 84. — Weiss u. Schweiger: Therapeutische Indikationen für interne Krank¬ 
heiten 84. — v. Hankö, W.: Die Bäder und Mineralwässer der erdelyer (sieben- 
bürgischen) Landesteile Ungarns S. 84. — Martius, Fr.: Pathogenese innerer Krank¬ 
heiten S. 85. — Zur Besprechung eingegangene Bücher S. 86. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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gemacht. 

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V»lv.-Buchdruckerei von £• A. Huth, Göttingen. 


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Nr. 4. 


Zweites Juni-Heft 1900, 


1. Jahrgang. 


Central bl aff 

fÜP 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen. 


Monatlich 2 Nm. von l 1 /*—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Umber, F.: Zur Lehre von der Glycolyse. Aus d. chem.-physiolog. Institute Strass¬ 
burg. (Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 39, H. 1.) 

Während die Arbeiten Blumenthals, welcher seine Versuche mit dem 
mittels des Buch ne rächen Verfahrens gewonnenen Presssafte des Pancreas an¬ 
stellte, die schon mehr und mehr zurückgedrängte Lehre von der glycolytischen 
Wirkung des Pancreassaftes wieder zu festigen schienen, weist der Verf. nach, 
dass diese zuckerzerstörende Wirkung des Pancreas nicht auf einer eigenen Funk¬ 
tion desselben, sondern vielmehr auf bakteriellen Verunreinigungen beruht. Er 
spricht geradezu dem Pancreas ausserhalb des Organismus eine irgendwie nennens¬ 
werte zuckerzerstörende Eigenschaft ab und räumt ihm in dieser Hinsicht keine 
grössere Leistungsfähigkeit als den anderen Organen ein. 

Die Untersuchungen, in welchem Umfange unter strenger Asepsis die 
Glycolyse des Blutes bestehen bleibt, und ob das Pancreasblut diese Eigenschaft 
etwa in stärkerem Masse aufzuweisen hat, führen zu dem Ergebnis, dass das 
Arterien- wie Venenblut in dieser Hinsicht sich gleich verhalten, und dass das 
Blut der Vena pancreatico-duodenalis, kurz vor ihrem Eintritt in die Pfortader ent¬ 
nommen, gleichfalls nicht mehr Zucker als das übrige Arterien- und Venenblut 
zerstört. 

Hagenberg (Göttingen). 

Bendix und Wohlgemuth: Ueber Reindarstellung des Glykogens. I. med. Kl. d. Charite. 

(Pflüg. Arch., Bd. 80, S. 238.) 

Glykogen, das nach der von Pflüger verbesserten Külzschen Methode 
gewonnen war, gab die Phloroglucin- bezw. Orcinreaktion auf Pentosen; häufiges 
Lösen und Wiederfällen des Glykogens schwächte die Reaktion ab und brachte 
sie schliesslich zum Verschwinden. Es gelang den Verff., die auf Grund dieser 
Erscheinung vermutete fremde Beimischung weiter zu studieren; nach Inversion 
des Glykogens und Vergärung der Lösung wurde mit der abfiltrierten Flüssigkeit 
die Osazonbildung vorgenommen. Neben einem Hexosazon, das von Resten unver- 
gorener Glukose stammte, erhielten sie ein Pentosazon — und zwar 0,08 g reines 

Nr. 4. 


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88 


Osazon aus 3,25 g Leberglykogen —, so dass es sich in der That um eine Ver¬ 
unreinigung durch Pentosen handelte. 

Diese Pentosen sollen nach der Ansicht der Verff. von bei der Fällung 
des Glykogens gleichzeitig mit niedergerissenen Nucleoproteinen herrühren, weil 
es gelang, aus einem Nucleoprotein der Leber ein gleichartiges Osazon darzustellen, 
weil sich im Glykogen nach der Veraschung Phosphor fand, und weil das invertierte 
Glykogens die für Xanthinbasen charakteristische flockige Trübung mit ammoniaka- 
lischer Silberlösung gab. 

Den durch die Verunreinigung bedingten geringen Fehler bei der quan¬ 
titativen Glykogenbestimmung vermeidet man leicht durch mehrmaliges Lösen und 
Wiederfällen des Glykogens. 

Fraenckel (Göttingen). 

Kionka, H.: Entstehung und Wesen der „Vogelgicht“ und ihre Beziehungen zur Arthritis 
urica des Menschen. (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharm., Bd. 44, S. 186.) 

Da erfahrungsgemäss die »Vogelgicht«, d. h. die Ablagerung von harn¬ 
sauren Salzen in den Geweben der Vögel, nicht nur nach Unterbindung der Ureteren 
oder nach Einverleibung von Giften, sondern auch idiopathisch auftritt, so 
versuchte Verf. durch blosse Beeinflussung der Lebens- und Ernährungsweise das 
gleiche Krankheitsbild zu erzeugen. Massgebend war die Beobachtung, dass diese 
Gicht besonders bei den fleischfressenden Vögeln, speziell bei den mit fleisch¬ 
haltigem Futter genährten Hühnern leicht auftritt. — Die Versuchshühner erhielten 
und frassen 150 g sehnen- und fettfreies Pferdefleisch p. die. Nach anfänglichem 
Absinken und baldigem Wiederansteigen des Körpergewichts trat vom 20.—30. 
Tage an eine allmähliche Gewichtsabnahme ein, die vor dem Tode eine jähe 
wurde. Alle Tiere erkrankten tödlich bei der bis 10 Monate lang durchgeführten 
Fleischkost; die Art der Erkrankung war aber nicht stets dieselbe. Am inter¬ 
essantesten erscheint der Befund von harnsauren Tophis an den Gelenken und 
zwischen den Beinmuskeln. Die Tophi brachen auch teilweise auf. — Der patho¬ 
logisch-anatomische Befund gleicht in den Hauptsachen demjenigen bei der Urat- 
Retention nach Ureteren-Unterbindung u. s. w.; leider ist über etwaige umschrie¬ 
bene Nekrosen und deren Verhältnis zu den Harnsäure-Ablagerungen nichts Näheres 
gesagt. Ebenso vermisst man eine Notiz über die Beschaffenheit der Gelenk¬ 
knorpel. Interessant ist der (jetzt zum 3. Male) erhobene Befund von eigentüm¬ 
lichen braunen Körperchen in der Leber, welche Ref. in dem von ihm beobach¬ 
teten Falle als Xanthinbasen (Guanin?) anzusprechen geneigt war. — Die vom 
Verf. angestellten dankenswerten Stoffwechseluntersuchungen an Hühnern gehören 
in ihren Einzelheiten nicht hierher, es sei aber hervorgehoben, dass bei den 
fleisch gefütterten Hühnern die Harnsäure-Produktion sich als ganz enorm ver¬ 
mehrt erwies. Der bei weitem grösste Teil des im Nahrungsfleische eingeführten 
Stickstoffs wurde in Harnsäure umgewandelt. — Die weiteren vom Verf. ange¬ 
stellten Ueberlegungen führen ihn dann zu dem Schluss, dass beim Säugetier wie 
beim Vogel die gleichen Schädlichkeiten zu gleichen Störungen im Harnsäure¬ 
haushalt führen. Man dürfe also die Arthritis urica und die »Vogelgicht« als in 
ihren Ursachen und in ihrer Entstehung identisch ansehen. 

Zaudy (Göttingen). 

Kionka, H.: Einfluss des Kalkes auf das physiologische Verhalten gichtkranker Hühner. 

(Arch. f. exper. Pathol. u. Pharm., Bd. 44, S. 207.) 

Die durch Fleischfütterung gichtisch gemachten Hühner erhielten 10 g ge¬ 
pulverte Eierschalen p. die; das auffallendste Symptom war danach eine starke 
Vermehrung der Exkremente; ausserdem nahm der Durst zu; die bei reiner Fleisch¬ 
fütterung sauer reagierenden Exkremente wurden alkalisch. Bei 3 von 5 Versuchs¬ 
hühnern fand Verf. Konkremente aus phosphorsaurem Kalk, welche im Unterhaut¬ 
zellgewebe auf den Muskeln lagen; es scheint dies die erste derartige Beobachtung 


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89 


zu sein. Die auch bei diesen Tieren - ausgeführten Stoffwechsel-Untersuchungen 
und deren Ergebnisse sind im Original einzusehen. 

Zaudy (Göttingen). 

Bonanni, A.: L’eliminazione dell’ acidi urico durante la dieta prevalentemente ami- 
lacea. (Ueber Harnsäureausscheidung bei vorwiegender Kohlehydratdiät.) Supplements 
al Policlinico A. VI., No. 24, 14 aprile. 

Eine stickstoffarme, aber kohlehydratreiche Nahrung bewirkt eine beträcht¬ 
liche Verminderung der täglich ausgeschiedenen Harnsäuremenge (zwischen 
0,265—0,218 p. die). Bei einer constanten Diät können tägliche Schwankungen 
in der Harnsäureausscheidung beobachtet werden: Die reine Vegetabiliennahrung 
führt zu keiner vollständigen Aufhebung in der Elimination der Harnsäure. — Die 
Menge der durch die Zerstörung der Proteinsubstanzen gebildeten Harnsäure ist 
fast constant und beträgt im Mittel 0,2 g p. die. 

Plitek (Triest). 

Micko K., Müller P., Pada H. und Prausnitz W.: Untersuchungen über das Verhalten 
animalischer Nahrungsmittel im menschlichen Organismus. Aus dem hygien. Institut 
und der staatlichen Untersuchungsanstalt für Lebensmittel in Graz. (Zeitschr. f. 

Biol. Bd. 39, Neue Folge Bd. 21, H. 2.3.) 

1. Einleitung von Prof. W. Prausnitz. Die Arbeiten schliessen an Unter¬ 
suchungen aus dem Grazer Institute an, in welchen insbesondere der Anteil der 
Darmsecrete an der Kotbildung bei der jeweiligen Nahrung, sowie im Zusammen¬ 
hänge mit der Frage nach der Ausnützung der Nahrung diejenige der Kotbildung 
durch die Nahrung besprochen wird. 

2. Ueber Plasmon, ein neues Eiweisspräparat von H. Pada u. W. Praus¬ 

nitz. Nach einer Polemik gegen Tin kur, dem der Vorwurf gemacht wird, dass 
er in seiner Schrift »Eiweissnahrung und Nahrungseiweiss« den Verdiensten der 
Voit'sehen Schule um die Ernährungsphysiologie nicht gerecht geworden sei, wird 
zunächst über die Herstellung des Plasmons (Siebolds Nahrungsmittelgesell¬ 

schaft) aus dem Eiweiss der Magermilch berichtet. 

(Das Casein der Magermilch wird nach Erhitzung auf mindestens 70° C. 
durch Zusatz von 2 1 /* 1 50% Essigsäure auf 1000 1 Magermilch ausgefällt, nach 
Ablassung der Molken und Entfernung etwaiger Fettschicht der Quark geknetet 
und gemischt, alsdann mit Natriumbicarbonat geknetet,, getrocknet und gemahlen.) 

Es wird alsdann Aussehen, Geschmack und chemische Zusammensetzung 
des Plasmons besprochen. Dasselbe ist in kaltem Wasser etwas langsam, in 
heissem leicht löslich. Es enthält in der Trockensubstanz: 

H a O 11,17—12,65% 

N 12,93-12,54% 

Asche 7,62— 8,14% 

Aetherextr. 0,15— 0,45% 

Zucker (als Milchzucker) 2,25— 2,48% 

Versuche am Menschen lehrten, dass auch grössere Mengen, über 750 g 
pro Kopf und Tag, ohne Widerwillen genossen und gut vertragen wurden. Es 
wurde als 20%iges Plasmonbrod gebacken und gereicht. 

Es wurde festgestellt, dass die Kotmenge bei Plasmonnahrung eine sehr 
geringe, die Ausnutzung eine sehr gute ist, günstiger als die beim Fleisch, erheb¬ 
lich günstiger als die beim Fleischzwieback und Tropon. 

Bei Aufstellung der Gesamtstickstoffbilanz in einer Versuchsreihe, bei wel¬ 
cher in der Hauptperiode das Fleisch durch eine äquivalente Menge Plasmon er¬ 
setzt wurde, zeigte sich das Plasmon dem Fleische mindestens gleichwertig, die 
N.-Bilanz fiel sogar in der Plasmonperiode etwas günstiger aus. 


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3. Vergleichende Untersuchungen über die bei Plasmon- und Fleisch¬ 
nahrung ausgeschiedenen Kote von K. Micko. Im Anschluss an die Feststellung 
der nahezu vollständigen Resorption des Plasmons in der Arbeit von Pada und 
Prausnitz (A. 2) erbringt Verfasser den speciellen Nachweis, dass im Kote bei 
Plasmonnahrung weder das Casein des Plasmons noch sein phosphorhaltiges 
Verdauungsprodukt, das Paranuclein, in irgend nennenswerter Weise sich finden. 

Verf. weist nach: 1. das Verhältnis *) im Fleisch- und im Plasmonkote ist ziemlich 
das gleiche. Das spricht gegen die Anwesenheit des P.-haltigen Paranucleins in den 
Plasmonfaeces. — 2) Das Vorhandensein organischen Phosphors im Fleisch wie im 
Plasmonkot ist schon durch die Nachweisbarkeit einer Nucleinsubstanz erklärt. — 
3) Ammoniakalische Auszüge von Fleisch- und Plasmonkoten enthalten Eiweisstoffe; 
Casein und ebensowenig Paranuclein ist in den Extrakten nicht nachweisbar. 
Durch Versuche an Koten, denen Plasmon und Paranuclein zugesetzt waren, 
wurden die Resultate controlliert. 

Verf. kommt zu dem Schluss, dass im Plasmonkote von in Betracht kom¬ 
menden Mengen unresorbierten Plamons und seines phosphorhaltigen Verdauungs¬ 
produktes, beziehungsweise unresorbierten Caseins und Paranucleins, keine Rede 
sein kann. Die Beschaffenheit des Plasmonkotes deutet vielmehr auf eine voll¬ 
ständige Resorption des Plasmons hin, welche vollständiger ist als die des 
Fleisches. 

4. Ueber den organischen Phosphor der Frauenmilch- und der Kuhmilch¬ 
faeces von Dr. Paul Müller. Knöpfeimacher 2 ) hatte gefunden, dass bei Kuhmilch¬ 
ernährung von Säuglingen ein Teil des organischen Caseinphosphors unausgenützt 
mit dem Faeces wieder abgehe und zwar als Paranuclein (nicht als Casein oder 
Paracasein). 

Im Gegensatz dazu sei eine Ausscheidung von Frauencasein resp. seinen 
Derivaten durch den Frauenmilchkot der Säuglinge nicht vorhanden. 

Knöpfelmacher hatte seine Resultate insbesondere durch vergleichende Be- 
N 

Stimmungen des Quotienten p gefunden, der im Frauenmilchkot zwischen 56,2 und 
12,7 schwanke, im Kuhmilchkote auf 19,6—11,1 sinke. 

Verf. führt die Knöpf el mach ersehen Resultate auf Mängel der Methodik, 
insbesondere ungenügende Auswaschung der anorganischen Phosphate zurück, 
infolge derer bei den aschereichen Kuhmilchfaeces ein zu hoher Phosphorgehalt 
vorgetäuscht würde. 

N 

Er findet den Quotienten p für Kuhmilch- und Frauenmilchfaeces ziemlich 

gleich. Kuhmilchfaeces hinterlassen nicht mehr phosphorhaltige Verdauungsrück¬ 
stände als Frauenmilchfaeces. 

Entgegen der landläufigen Anschauung ist wenigstens für die organische 
Substanz der Kuhmilch die Ausnutzung nicht wesentlich schlechter als die anderer 
animalischer Nahrungsmittel, z. B. des Fleisches. Vielmehr wird die organische 
Substanz des Kuhmilchkotes der Hauptsache nach von den Darmsäften gebildet. 

Salomon (Frankfurt a. M.) 


1) Untersuchungen über das Verhalten annimalischer und vegetabilischer 
Nahrungsmittel im Verdauungskanal von W. Prausnitz und Mitarbeitern. Ztschr. 
f. Biol. 1897, Bd. 35. 

2) Vgl. Knöpfelmacher: Verdauungsrückstände bei der Ernährung mit 
Kuhmilch und ihre Bedeutung für den Säugling. Beiträge z. klin. Med. u. Chir. 
Wien u. Leipzig 1898. 


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91 


Kellner, 0.: Untersuchungen über den Einfluss des Asparagins und Ammoniaks auf 
den Eiweissumsatz der Wiederkäuer. Aus der k. landwirtschaftl. Versuchsstation zu 
Möckern. (Zeitschr. für Biologie, Bd. 34, Heft 3, Neue f. B. 21.) 

Verf. giebt zunächst einen Ueberblick über die einschlägige Litteratur, aus 
welcher hervorgeht, dass sich jedenfalls das Nahrungseiweiss nicht vollständig 
durch Asparagin ersetzen lässt. Beim Fleischfresser und ommivoren Tier ist über¬ 
haupt eine eiweisssparende Wirkung des Asparagins nicht beobachtet worden, 
vielmehr sogar beim Fleischfresser ein gesteigerter Eiweisszerfall. Dagegen soll 
laut früheren Untersuchungsergebnissen beim Pflanzenfresser das Asparagin unter 
bestimmten Bedingungen den Stoffzerfall im Körper verringern und den Eiweiss¬ 
ansatz begünstigen. 

Diese Angaben hat Verf. in eingehenden Untersuchungen geprüft. 

Er fand in mehreren Versuchsreihen an 1jährigen Lämmern, dass in der 
That das Asparagin bei eiweissarmer, aber kohlehydratreicher Kost 
(Eiweiss zu Kohlehydrat = 1 :28) den Eiweissansatz befördere. In gleicher Weise 
wirkt unter denselben Verhältnissen auch das Ammoniumacetat. 

An stickstofffreien Extractstoffen und Rohfaser war unter dem Einfluss 
des Asparagins mehr verdaut worden als in der asparaginfreien Periode. 

Bei eiweissreicherer Kost (Eiweiss: Kohlehydrat = 7 :7—8) fehlte 
der Einfluss des Asparagins auf die Verdauung der Kohlehydrate. Ebenso fehlte 
die Beförderung des Eiweissansatzes. Denn unter 4 Versuchstieren trat nur bei 
einem eine geringe Steigerung des Stickstoffansatzes gegenüber der asparagin¬ 
freien Periode ein. 

Verf. neigt nach dem Ausfall seiner Versuche zur Annahme der Zuntz- 
schen Hypothese, dass beim Pflanzenfresser unter eiweissarmer Kost das Asparagin 
resp. Ammoniumacetat als stickstoffhaltige Nahrung der Mikroorganismen diene, 
und so Eiweiss vor der Assimilation und Spaltung durch dieselben schütze. 

Den günstigen Einfluss des Asparagins und Ammoniumacetats auf die 
Kohlehydratverdauung bei eiweissarmer Kost führt er auf Beförderung des Bak¬ 
terienwachstums durch jene N.-haltigen Nährstoffe zurück. 

Salomon (Frankfurt a. M). 


Roth: Zur Frage der Pepsinabsonderung bei Erkrankungen des Magens. Aus dem 
Augusta Hospital. Abteilung d. Herrn Geh. Rat Prof. Dr. Ewald. (Zeitschr f. 

kl. Med. Bd. 39. Heft 1.) 

Unter den verschiedenen Methoden der quantitativen Pepsinbestimmung 
ist in der Praxis die Mett* sehe Methode die geeignetste, die darin besteht, dass 
man kleine, mit coaguliertem Hühnereiweiss gefüllte Glasröhrchen von 1—2 mm 
Durchmesser in die auf ihr Peptonisationsvermögen zu prüfende Flüssigkeit ein¬ 
legt und nach lOstündiger Einwirkung derselben im Brutofen abmisst, wieviel 
Eiweiss aufgelöst ist. Die Versuche sind sowohl mit dem Magensaft gesunder 
Menschen wie auch bei den verschiedensten Fällen von Magenaffektionen angestellt. 
Der Verf. kommt dabei zu folgenden Resultaten: 

Die Schwankungen der Pepsinabscheidung sind normaler Weise eben so 
gross wie diejenigen der Salzsäure. 

Es giebt Magensäfte, die ein stärkeres Peptonisationsvermögen haben als 
normale (Hyperpepsie). Die höchsten Pepsinwerte findet man bei Reizzuständen 
(Ulcus, Secretionsanomalieen auf nervöser Basis), die niedrigsten bei der Atrophie 
der Magenschleimhaut infolge chronischen Katarrhs, beim Carcinom, wenn dasselbe 
von einem solchen begleitet ist, und bei nervösen Störungen. 

Die Pepsinbestimmungen haben weniger Wert für die Diagnostik als für 
die Therapie. Ausserdem sind sie von grosser Bedeutung, wo man histologische 
Untersuchungen der Schleimhaut anzustellen Gelegenheit hat. 

Hagenberg (Göttingen). 


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Riegel: Ueber den Einfluss des Morphiums auf die Magensaftsekretion. Vortrag, ge¬ 
halten auf dem mittelrheinischen Ärztetag zu Homburg v. d. H. am 6. Juni d. J. 

Vortragender hat in früher bereits veröffentlichten Versuchen zuerst nach¬ 
gewiesen, dass es Mittel giebt, die die Saftsekretion des Magens in hemmendem 
und solche, die sie in erregendem Masse beeinflussen. Ein die Saftsekretion stark 
hemmendes Mittel ist das Atropin, ein erregendes das Pilocarpin. Wie Vortr. 
ferner früher gezeigt hat, eignen sich zum Studium der Saftsekretion am besten 
Hunde mit einer sogen. Pawlowachen] Magenfistel. Nur mittels dieser Methode 
gelingt es, das Sekret vollkommen rein zu gewinnen und den Gang der Saftsekre¬ 
tion genau festzustellen. 

Anschliessend an diese früheren Versuche hat Vortr. jetzt das Morphium 
in seiner Wirkung auf die Magensaftsekretion studiert. Es lag um so näher, das 
Morphium nach dieser Richtung hin genauer zu untersuchen, als bekanntlich Mor¬ 
phium und Atropin in gewisser Beziehung Antagonisten sind, als ferner nachge¬ 
wiesen ist, dass subcutan injiciertes Morphium schon sehr bald nach der Injektion 
zu einem grossen Teile durch den : Magen wieder ausgeschieden wird, als ferner 
Hitzig bei einem Falle von chronischem Morphinismus eine beträchtliche Ab¬ 
nahme der Salzsäuresekretion nachgewiesen hat. Die wenigen bis jetzt vorliegen¬ 
den Untersuchungen über den unmittelbaren Einfluss des Morphiums auf die 
Magensaftsekretion hatten mit Ausnahme der Tierversuche Kleine’s eine Herab¬ 
setzung der Saftsekretion ergeben. Diese Versuche sind indessen keineswegs ein¬ 
wandsfrei. Vortr. stellte seine Versuche zunächst an Hunden mit einer sogen. 
Pawlowachen Magenfistel an. Es ergab sich dabei durchweg, dass das Mor¬ 
phium eine saftsekretionserregende Wirkung besitzt, die um so stärker ist und um 
so länger dauert, je grösser die Dosis des Morphiums ist. Nur anfänglich wird 
die Saftsekretion etwas gehemmt, um aber bald wieder anzusteigen. Auch bei 
vollkommen leerem Magen gelang es, durch Morphium eine starke Saftsekretion 
anzuregen und zwar sowohl bei subcutaner als bei rectaler Applikation. Die Ver¬ 
suche am Menschen ergaben schon darum, weil das Sekret nicht rein zu gewinnen, 
noch weniger dessen Gesamtmenge zu bestimmen ist, keine so schlagenden Re¬ 
sultate; indessen Hess sich auch hier stets eine deutliche Anregung der Saftsekre¬ 
tion nachweisen. 

Diese Resultate sind nicht nur an sich von Interesse, sondern sie sind auch 
für die Therapie von Bedeutung. Denn es ist danach keineswegs gleichgültig, 
welches Analgeticum wir, zumal bei Magenkranken, anwenden. In praxi sollte 
man Morphium nur da geben, wo eine stärkere Erregung der Saftsekretion keine 
Nachteile mit sich bringt. Wo dagegen die Saftsekretion schon an sich erhöht ist, 
wie beispielsweise in der Regel beim Ulcus ventriculi, da sollten wir zur Schmerz¬ 
stillung nicht Morphium, sondern besser die Belladonna-Präparate verwenden, die 
den Vorzug besitzen, neben der schmerzstillenden auch eine saftsekretionshemmende 
Wirkung zu äussem. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 


Spivak, C. D.: Selbstaufblähung des Magens. (Deutsche med. Wochenschr. Nr. 23., 

S. 375.) 

Sp. empfiehlt, die eigene Ausatmungsluft des Patienten zur Aufblähung 
des Magens zu verwenden, weil dadurch der Arzt die Hände zu anderen Unter¬ 
suchungen frei behält und die Nachteile anderer Methoden vermieden werden 
sollen. Das distale Ende der Magensonde wird umgebogen und wieder in den 
Mund geführt, so dass jetzt zwei Teile des Rohres neben einander liegen; der 
Pat., der nur durch die Nase atmen darf, bläst jedesmal bei der Exspiration Luft 
in den Magen, der sich ebenso rasch wie auf andere Art füllen soll. Wo der 
Sphincter oris zu schwach ist, um einen luftdichten Verschluss um beide Rohr¬ 
stücke zu bilden, wird hinter den Zähnen eine seitliche Oeffnung in die Sonde 


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gebohrt und diese von den Zähnen fest abgeklemmt. Der Mund wird nun ge¬ 
schlossen, die Wangen aufgebläht: dabei entweicht die in der Mundhöhle enthaltene 
Luft durch die Seitenöffnung in den Magen; ein Zurücktreten der Luft aus dem 
Magen bei der Inspiration findet nicht statt. 

Fraenckel (Göttingen). 

Bidwell, L. A.: The surgical treatment of dilatation of the stomach. (The Lancet I. 

14, S. 999.) 

Verf. liefert einen kasuistischen Beitrag zu den Operationsresultaten bei 
Magenerweiterung. Er verfügt über 16 Fälle mit 5 Todesfällen; letztere betrafen 
sämtlich Kranke mit Pyloruscarcinom, von welchen 11 operiert wurden. Von den 
5 Patienten ohne maligne Magenerkrankung, bei welchen die Ursache der Magen¬ 
dilatation in narbiger Pylorusstenose oder in einer Perigastritis adhaesiva lag, starb 
keiner. 

Zaudy (Göttingen). 

Schütz, R. (Wiesbaden): Ein eigenartiges Symptomenbild des Magencarcinoms, zugleich 
ein Beitrag zur Frage der Atonie des Oesophagus. Vortrag, gehalten auf dem mittel¬ 
rheinischen Aerztetag zu Homburg v. d. H. am 6. Juni d. J. 

Bei einer Frau von 35 Jahren, vordem magengesund, entwickelt sich in 
relativ kurzer Zeit eine schwere Ernährungsstörung, weiterhin Kachexie. Gleich¬ 
zeitig zunehmende, schliesslich hochgradige subjektive Erscheinungen einer tief¬ 
sitzenden Oesophagusstenose, so dass die Annahme eines Cardia- resp. Oesophagus- 
carcinoms nahe gelegt wird. Jedoch erweist sich bei der Sondierung die Speise¬ 
röhre für den weichen Magenschlauch als ohne Schwierigkeit passierbar. Die 
Sektion ergiebt: Oesophagus und Cardia frei, infiltrierendes Carcinom — Gallert¬ 
krebs — der pars pylorica und des übrigen Magens bis auf die Cardiazone. 

1) Warum keinerlei Erscheinungen motorischer Insufficienz bei Pylorus¬ 
carcinom ? — Thatsächlich hatte niemals Erbrechen stattgefunden. — 2) Woher die 
Erscheinungen der Oesophagusstenose? 

Der auf 13 cm geschrumpfte, starrwandige Magen mit nur 2 Querfinger 
weitem Lumen war durch schrumpfende carcinomatöse Peritonitis in senkrechter 
Stellung fixiert und so zur einfachen Fortsetzung der Speiseröhre geworden, die, 
zwar unbeweglich und daher aktiv leistungsunfähig, doch thatsächlich den geringen 
an sie gestellten Anforderungen der Motilität genügt hatte. Jedoch hatte vor dem 
Hindernis zeitweise Stauung stattgefunden. Denn bei der Sektion fand sich der 
untere Teil der Speiseröhre erschlafft und etwas dilatiert. Die Atonie der Oeso- 
phagusmuskulatur hatte nun die Störungen des Schluckaktes veranlasst. Der Fall, 
der die Erscheinungen subjektiver Symptome selbst absoluter Oesophagusstenose 
bei mangelnder Regurgitation und negativem Sondierungsergebnis darbot, ist ge¬ 
eignet, ein anatomisches Substrat für das kürzlich von Rosenheim auf Grund 
klinischer Wahrnehmungen geschilderte Krankheitsbild abzugeben. 

Bei Kenntnis der anatomischen Verhältnisse wäre nach Meinung des Vortr. 
vielleicht Sondierung des Pylorus und bessere Ernährung möglich gewesen. 

J. St rau ss (Frankfurt a. M.). 

Nicoll, H.: Gase of congenital Stenosis of the pylorus diagnosed and relieved by 
Operation. (The Glasgow Med. Journ. April.) 

Bei einem Neugeborenen trat nach jeder Mahlzeit Erbrechen des ganzen 
Mageninhalts ein, die Abmagerung nahm zu, man erkannte durch die dünnen 
Bauchdecken die Gestalt eines beträchtlich dilatierten Magens mit peristalischen 
Bewegungen. Bei der nach 6 Wochen vorgenommenen Operation fand man an 
Stelle des Pylorus einen dicken balkigen Ring von Muskelgewebe; da bei dem 
elenden Zustande die Pylorektomie hoffnungslos war, wurde gewaltsame Dehnung 


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durch eine Zange vorgenommen. Aus dem elenden Kinde ist ein wohlgenährtes 
geworden, Zeichen für Pylorusverschluss sind bis jetzt nicht wiedereingetreten, es 
ist daher vorläufig bei der Operation, die man als Notbehelf ansah, geblieben. 
Die Affection kommt häufiger vor als man annimmt, die Symptome treten bis¬ 
weilen gleich nach der Geburt, bisweilen aber nach Tagen und Wochen auf. Die 
Kinder erbrechen, ohne sonstige dyspeptische Erscheinungen zu zeigen, scheinbar 
ohne Ursache und trotz jeder rationellen Therapie; über die Zeit des Erbrechens, 
die Eigenschaften und Reaction des Erbrochenen lassen sich keine bestimmten 
Angaben machen. Obstipation ist konstant, die Abmagerung sehr stark. Physika¬ 
lische Zeichen fehlen im Anfangsstadium; später treten auf: peristalische Wellen, 
normale Magenweite, abwechselnd mit Perioden, in denen der Magen als harter 
Ball zu fühlen ist, deutliche Dilatation desselben, bei den leeren Därmen und 
dünnen Bauchdecken gut feststellbar, in einigen Fällen fühlbarer Pylorustumor. 
Die Prognose ist schlecht, Fälle von spontaner Heilung sind nicht festgestellt. 
Ausser den typischen Veränderungen am Magen fand man bei mindestens 20 
Autopsieen: Oesophagus bei einigen Fällen dilatiert, in der Mehrzahl normal, am 
Magen in gewissen Fällen kaum eine sonstige Veränderung, in einigen deutliche 
Hypertrophie, in anderen abnorme Dilatation, bei einer Anzahl Dilatation und 
Hypertrophie, in keinem Falle Entzündungserscheinungen, die trichterförmige cir- 
culäre Verdickung schwankte in ihrer Ausdehnung, das Lumen variierte von der Dicke 
eines Katheters Nr. 4 bis zu völliger Undurchgängigkeit, in keinem Fall von 
Pylorushypertrophie bestand Atresie. Die Pylorusschleimhaut war normal oder sie 
trug Zeichen deutlichen Katarrhs oder Longitudinalfalten. Mikroskopisch fand sich 
Hypertrophie aller Muskelschichten, Hypertrophie der circulären allein, binde¬ 
gewebige Hypertrophie der Submucosa, Kombination von muskulärer Hypertrophie 
mit fibröser Verdickung der Submucosa. Die Intestina waren kollabiert und leer. 
Nur chirurgische Behandlung kann helfen. Verschiedene Ansichten über die Ent¬ 
stehung: 1. Kongenitale Entwicklungsstörung, zusammenhängend mit dem Zusammen¬ 
treffen zweier verschiedener Entwicklungsprocesse am Pylorus. 2. Resultat einer 
kongenitalen Muskelhypertrophie des Pylorus im Anschluss an inkoordinierte Aktion 
der Magenmuskulatur einerseits und der des Pylorus anderseits. Diese Inkoordi¬ 
nation soll auf Störungen im Nervensystem des Magens zurückzuführen sein und 
schliesslich der kongenitale Magenspasmus resultieren. 3. Spastische Kontraktion 
durch Magenreizung nach der Geburt. 4. Resultat chronischer Entzündung. Nach den 
Beobachtungen solcher Fälle durch Williamson und Davoski 1841 und 42 ruhte 
der Gegenstand 46Jahre, bis Hirschsprung den dritten fand. Verf. stellt dann 
die Litteratur und die verschiedenen Befunde bei kongenitaler Atresie ohne Ver¬ 
dickung zusammen. Die Symptome der kongenitalen Pylorusstenose sind fest¬ 
stehend und wenig variierend, das klinische Bild gleicht oberflächlich dem des 
kindlichen Marasmus mit gastrischen Störungen; es wird daher oft verkannt. 

Waldvogel (Berlin.) 

Deganello, U.: Recherches sur l’&hange matlriel d’une fern me, ä laquelle on avait 
exporte l’estomac. (Arch. ital. de biol. Tome 33 fase. 1.) 

Den Fällen von totaler Magenexstirpation bei Tier und Mensch fügt Verf. einen 
neuen beim Menschen an, bei dem er schon 37 Tage nach der Operation Stoffwechsel¬ 
untersuchungen vornahm, indem er N. in Nahrung, Faeces undUrin, das Verhält¬ 
nis der gepaarten Schwefelsäure zur präformierten, Phenol und Indican nach an¬ 
erkannten Methoden bestimmte. Um die Menge des roten Indigo festzustellen, 
wusch er den BaS0 4 -Niederschlag mit heissem Wasser, bis es ungefärbt ablief, 
dann mit heissem Alkohol ebenso lange, und verglich die Rotfärbung des Alkohol¬ 
extrakts vom Urin der Kranken kolorimetrisch mit der aus seinem Urin erhaltenen. 
Gegenüber dem normalen Verhältniswert von 1 :5 zwischen Gesamt-Schwefelsäure 
und Ges.-N. fand er 1:5,58, die qualitativen Reaktionen auf blauen und roten 
Indigo waren sehr deutlich. Die Faeces reagirten sauer und zeigten sich als sehr 


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foetide. Blut: 368,000 rote Blutkörperchen, 65% Haemoglobin. Das Verhältnis zwi¬ 
schen gepaarter und präformirter Schwefelsäure war grösser als normal, die Zahlen für 
die aromatischen Substanzen waren im Hinblick auf die geringe Menge eingeführten 
Stickstoffs hoch. An einer bis in die Magengegend eingeführten Sonde Hess sich 
saure Reaktion feststellen. 3 Monat nach der Operation stellte Verf. dieselben 
Untersuchungen an derselben Kranken an, jetzt verhielt sich Ges.-H 4 S0 4 : Oes.-N 
wie 1:5, die Foetidität der Faeces war geringer. In den ersten Perioden gingen 
mit den Faeces 18,22 % N verloren; das haben andere Autoren nicht gefunden, und 
liegt nach Verf. an der frühen Untersuchung. Gegenüber Hof mann fand Verf. 
40 Tage nach der Operation das Verhältnis von gepaarter zu präformierter H 4 S0 4 
gesunken auf 1:1,45 und 1 :1,728, später war es 1 :8,4; auch Hof mann unter¬ 
suchte später. Die etwas höheren Zahlen der ersten Versuchstage sollen dadurch 
erklärt werden, dass durch Klystiere die Fäulnis im Darm herabgesetzt war. 
Trotz sehr niedriger N-Zufuhr fand Gewichtszunahme statt. Es ist also der Magen 
nicht ganz ohne Bedeutung, er hemmt die Fäulnis; Verdauung und Assimilation 
leiden in einer früheren Periode nach der Entfernung desselben, bessern sich all¬ 
mählich und in kurzer Zeit findet eine Anpassung an so abnorme Verhältnisse statt. 

Waldvogel (Berlin). 


Deganello, U.: L’&hange matlriel de l’azote et la digestion gastrique chez les per- 
sonnes opiries de gastroenterostomie. (Arch. ital. de biol. Tome 33 fase. 1.) 

Nach den früheren Untersuchungen scheint festzustehen, dass nach der 
Gastroenterostomie sich die Magenfunktionen besserten, die Assimilation aber 
schlechter wurde. Verf. hat an 5 Frauen nach der Gastroenterostomie Stoffwechsel¬ 
untersuchungen angestellt, er stellte den N.-Umsatz fest und prüfte die Magen¬ 
verdauung. Die Operation war vorgenommen bei 2 Frauen wegen Ulcus ventri- 
culi, bei je einer wegen Perigastritis tuberculosa, Gastritis chronica und Gastrectasie, 
und wegen Carcinom. Verf. kommt zu folgenden Schlusssätzen: Die motorische 
Funktion des Magens nach Gastroenterostomie ist mehr oder weniger ungenügend, 
jedenfalls nicht energischer als normal. In 2 Fällen war der Mageninhalt in 
chemischer Beziehung normal, in einem Fall abnorm. Der N.-Stoffwechsel war 
verschieden, nicht allein bei den verschiedenen Grundkrankheiten, welche Veran¬ 
lassung zur Operation waren, sondern auch bei Personen mit derselben Krankheit. 
Die Eiweissassimilation war beim einfachen Ulcus normal, bei einer andern Kranken 
mit demselben Leiden ging Eiweiss verloren, bei einer andern mit chronischer 
Gastritis war die Eiweissassimilation ebenfalls untemormal, beim Carcinom war 
der Eiweissverlust stark. Der Kranke kann Besserung spüren, selbst wenn der 
N.-Stoffwechsel gestört ist. Diese Untersuchungen könnten, meint Verf., zur Ein¬ 
schränkung der Gastroenterostomie auffordem, aber ihr sonstiger Nutzen berech¬ 
tige zur Erweiterung der Indikation. Dem Ref. scheint nur das aus den verschie¬ 
denen Resultaten dieses und der früheren Untersucher hervorzugehen, dass bei der 
Verschiedenheit der Grundkrankheiten der Stoffwechsel nach Gastroenterostomie 
und besonders die Magenverhältnisse differieren müssen, und dass der Nutzen der 
Operation nur durch Untersuchungen vor und nach der Operation festzustellen ist. 

Waldvogel (Berlin). 

Morreigne, Henri: Einfluss der Abführmittel auf die Ernährung. (Compt. rend. de la 
soc. de biol., Nr. 19, 25 mai.) 

Verf. fand nach Einführung von Drastica (Aloe, Podophyllin u. s. w.), 
das erstere in einer Dosis von 0,5, das zweite von 0,02 g zusammen genommen, 
in dem 24 Stunden später untersuchten Urine deutliche Zeichen von vermehrter 
Oxydation und verringerter Assimilation. Die Stickstoff- und Hamstoffausscheidung 
war stark vermehrt. Ebenso war vermehrt die Phosphorsäure-Ausscheidung und 
diejenige der Harnsäure, letztere um 10 %. Die Ausscheidung des Schwefels war 


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dreimal so gross wie vorher. Die Acidität des Urins war erhöht, die Diurese 
verringert. Die Mineralsubstanzen des Harns waren gleichfalls vermindert. 

Blumenthal (Berlin). 

Schütz: Bakteriologisch-experimenteller Beitrag zur Frage gastrointestinaler Desinfektion. 

(Berl. klin. Wochenschr., Nr. 25.) 

Einem normalen Hund unter Umgehung des Magens und Ausschaltung 
desselben in das Duodenum gebrachte grosse Mengen Reinkulturen von Vibrio 
Metschnikoff verschwinden fast völlig im Darm. Direkt ist aus dem Intestinal- 
inhalt auf Gelatineplatten keine Kultur zu züchten, nach Anreicherung mit 2°/ 0 ig em 
Peptonwasser gedeihen nur wenige Kolonieen aus dem oberen Colon. 

Ein homologes Resultat ergab sich, wenn der Vibrio per os gegeben wurde 
und den sehr salzsäurereichen Magen passierte. Die keimtötende Thätigkeit der 
freien HCl des Magens genügt also wegen ihres zeitlich begrenzten Auftretens 
nicht, den Darm vor Infektion zu bewahren; sie ist lediglich ein lokales Desinfek¬ 
tionsmittel für den Magen selbst. 

Kot und Darminhalt nach Eingabe von Ol. Ricini bezw. Calomel enthielten 
nach längerer Zeit, in einem Fall sogar noch nach 12 Stunden, reichlich kultur¬ 
fähige Vibrionen. Es existieren jedenfalls im Darm — ebenso wie in der Scheide — 
irgendwelche bakterientötende Kräfte oder Vorgänge: Schutzvorrichtungen, welche 
durch den in dieser Weise vorgenommenen Eingriff nicht unterstützt oder gekräf- 
tigt, sondern im Gegenteil geschädigt werden, so dass die Wirksamkeit der Darm¬ 
desinfektionsmittel in ihrer Bedeutung und Sicherheit dem Verf. bisher überschätzt 
zu sein scheint. 

Pickardt (Berlin). 

Pariser, C.: Chronische nervöse Diarrhöen und ihre Behandlung. (Deutsche Medi- 

zinal-Zeitung.) 

Chronische nervöse Diarrhöen können mit Affektionen der nervösen Central¬ 
organe Zusammenhängen (Darmkrisen bei Tabes dorsalis, chronische Diarrhöen 
bei Compressionsmyelitis), sie kommen ferner vor bei Morbus Basedowi und bei 
Diabetes mellitus. Eine besondere Gruppe der chronischen nervösen Diarrhöen 
ist auf chronische Intoxicationen zurückzuführen (Taenien-lntoxication, Nicotin- 
intoxication, chronische Morphiumintoxication). Eine weitere Gruppe stellen die 
reflektorisch ausgelösten chronischen nervösen Diarrhöen dar. Der Reflex kann 
insbesondere ausgehen von den Genitalien, so z. B. bei Strictura urethrae, bei 
Retroflexio uteri; der Ausgangspunkt kann ferner gelegen sein am Magen resp. 
an den obersten Partieen des Dünndarms, so in den Fällen, in denen sofort oder bald 
nach der Mahlzeit oder nach jedem einzelnen Gang eine Entleerung stürmisch er¬ 
folgt zu einer Zeit, um die das Ingest noch nicht Zeit gehabt hat, den Magen 
in wesentlichen Mengen zu verlassen — auch manche Formen von hartnäckiger 
Diarrhöe bei chronischer Gastritis sind nach Verf. unter diese Kategorie zu rubri¬ 
zieren —; schliesslich können Diarrhöen auch als Reflex von der Haut aus erregt 
werden (Erkältungsdiarrhöen). Hierher rechnet Verf. auch Diarrhöen bei Entero- 
ptose, die nach Verordnen einer passenden Leibbinde sistieren. In einer grossen 
Zahl der Fälle von chronischer nervöser Diarrhöe handelt es sich um eine Teil¬ 
erscheinung allgemeiner Neurasthenie oder Hysterie. Oft sind es Sexual-Neurasthe- 
niker, in anderen Fällen besteht eine reine neurasthenische Phobie. Von beson¬ 
derem diagnostischen und therapeutischen Interesse sind die Fälle, in denen sich 
Katarrh und Neurose verbinden. Wichtig für die Diagnose der chronischen nervö¬ 
sen Diarrhöen ist die Kenntnis ihres bizarren Auftretens, der gleichzeitige Nach¬ 
weis neurasthenischer oder hysterischer Symptome, das Fehlen von Schleim im 
Stuhlgang. Auch der Hyperaesthesie des Plexus coeliacus und des Plexus hypo- 
gastricus superior ist ein diagnostischer Wert zuzuerkennen. Die Behandlung hat 
in erster Linie etwaigen causalen Noxen Rechnung zu tragen. Im übrigen ist die 


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Therapie in den Fällen, in denen die chronischen Diarrhöen eine Teilerscheinung 
allgemeiner Neurasthenie oder Hysterie darstellen, in erster Linie gegen die be¬ 
stehende allgemeine Neurasthenie resp. Hysterie gerichtet. Am besten bewährt 
sich die Isolierung der Kranken mit mehrwöchentlicher Bettruhe. Unterstützend 
wirkt die dauernde Applikation von trockener Wärme, die zweckmässig in Form 
der Thermophore angewendet wird. Bezüglich der Diät hält Verf. im Prinzip an 
der blanden Diät fest und empfiehlt für einen Theil der Fälle eine vorsichtig ge¬ 
leitete Mastkur, bei der jede Forcierung zu vermeiden ist. Hydriatische Prozeduren 
sind in milden Formen heranzuziehen. Medikamentös kommt vor allem Brom in 
Betracht. Oute Dienste leistet auch Extract. Cannab. ind. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Transformation de la grippe en fifcvre typhoide. Soc. med. des höp. Seance du 
1®* juin. (La semaine med., S. 197.) 

Potain lenkt die Aufmerksamkeit auf einige während der letzten Influenza¬ 
epidemie von ihm gemachte Beobachtungen von Typhus abdominalis, der sich im 
Anschluss an eine Influenza entwickelte. Die der eigentlichen typhösen Erkrankung 
vorausgehenden charakteristischen Influenzasymptome, sowie das späte Auftreten 
der Roseolen (zwischen dem 15.—30. Tage) Hessen keinen Zweifel darüber, dass 
es sich nicht von Anfang an um einen Typhus handelte. Für die Diagnose des 
letzteren war neben den anderen typischen Erscheinungen die Serumreaktion aus¬ 
schlaggebend, die in den ersten Tagen der Erkrankung — also während der In¬ 
fluenzaperiode — negativ ausfiel. 

Nach P. zeigt der Typhus nach Influenza keinen besonders schweren Ver¬ 
lauf, doch sind auch gegenteilige Fälle bekannt. 

Die Mitteilungen P.’s, die sich im ganzen auf 6 Fälle beziehen, werden 
durch ähnliche Beobachtungen von Menetrier, Rendu und Siredey noch weiter 
ergänzt. 

Schade (Göttingen). 

Köhler, F. u. Seheffler, W.: Die Agglutination von Fäkalbakterien bei 
Typhus abdominalis durch das Blutserum. Aus d. med. Klin. u. d. hygien. Inst, 
zu Jena. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 22. 23.) 

Nach einem erschöpfenden Ueberblick über die umfangreiche Litteratur, 
welche die letzten Jahre über die noch vielfach strittigen Beziehungen zwischen 
Typhus- und Colibazillen mit Rücksicht auf die Frage von dem Bestehen eines 
wechselseitigen Impfschutzes gebracht haben, teilen die Verff. die Ergebnisse ihrer 
eignen diesbezüglichen Untersuchungen mit. Sie züchteten aus den Faeces von 
Typhuskranken Colibazillen, um die Wirkung des Typhusserums auf dieselben hin¬ 
sichtlich der Agglutinationsfähigkeit zu prüfen, und gelangten zu dem Resultat, dass 
das Verhalten des Typhusserums zu den aus dem Stuhl desselben Patienten ge¬ 
züchteten Colikulturen ein sehr verschiedenartiges sein kann, indem in dem einen 
Fall Agglutination eintritt, in dem anderen nicht. Da die Colibazillen häufig aber 
auch vom Serum normaler Menschen agglutiniert werden, so bildet ihre Agglu¬ 
tination keine spezifische Eigenschaft des Serums Typhöser. Die Frage, ob es sich 
in einem speziellen Fall um einen reinen Typhus oder um gleichzeitige Coliinfek- 
tion handelt, kann somit auf dem Wege der Serodiagnostik nicht gelöst werden, 
so lange wir nicht des näheren die Bedingungen kennen, von denen die Aggluti¬ 
nation der Colibazillen im einzelnen Fall abhängig ist. 

Schade (Oöttingen). 

Mackay, H. 0.: Intestinal obstrucdon caused by Meckel’s diverticulum and relieved by 
Operation. (The Lancet. I. 15., S. 1068.) 

• Operative Beseitigung eines durch ein Meckel’sches Divertikel bei einein 


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jungen Mädchen veranlassten Strangulationsileus. Es liess sich nicht feststellen, 
ob ein chronischer partieller Darmverschluss vorher dagewesen war oder ob der¬ 
selbe hier als ein akuter und sogleich vollständiger auftrat. 

Zaudy (Göttingen). 

Marchant, Gerard: Sur le prolapsus du rectum k propos d’une Observation du Dr. 

Pauchet. Bull, et mem. de la Soc. de chir. de Paris. 11 april. 

An der Hand des Falles von Pauchet erläutert nach Besprechung der ver¬ 
schiedenen Theorieen über die Entstehung des Rectumprolapses Verf. durch Ab¬ 
bildungen die neueste Ludloffs. Die im Douglas liegenden Därme stülpen das 
Peritoneum nach unten, das Rectum giebt an der Uebergangsstelle des Peritoneums 
nach und endlich findet sich der an derselben Stelle liegende Sphincter tertius im 
untersten Teil des Prolapses, am Prolaps nimmt die Rektalampulle teil. Für das 
Vorliegen einer kongenitalen Disposition zur Entstehung der peritonealen Aus¬ 
stülpung spricht das Auftreten im frühen Kindesalter. Diese Hernie direkt anzu¬ 
greifen, ist die Operation der Zukunft, die Resektion ist unzuverlässig und gefahr¬ 
voll, die jetzige Operation der Wahl ist die Rectococcygopexie. 

Tachard hat bei einem Kranken von dieser Methode Marchant’s eben¬ 
falls Gutes gesehen, nur musste er später eine Dilatation des Anus vornehmen. 

Reynier will nicht für die Entstehung aller Prolapse dieselbe Erklärung 
annehmen, nach ihm sind die Fälle, in denen eine richtige Hernie besteht, selten. 
Bei einfachen Schleimhautprolapsen genügt Kauterisation, die auf einfacher Er¬ 
schlaffung der muskulösen Stütze beruhenden Prolapse beseitigt die Rectopexie 
March an Ts. Eine andere Varietät der Rektalprolapse entsteht wie die der Scheide, 
indem Perineum und Sphincter erschlaffen, hier macht R. nach dem Anus geöffnete 
Winkelschnitte vom und hinten in der Medianlinie, dadurch fällt ein Stück Schleim¬ 
haut fort, tiefgreifende Nähte vereinigen den Defekt. Mit diesem Verfahren hat 
er bei 3 Kranken, indem er zugleich Rectopexie machte, Heilung erzielt. 

Demgegenüber betont Hartmann, dass Schleimhautprolapse nicht in Frage 
kämen und dass es 2 Arten richtiger Prolapse gäbe, einmal die durch eine Gewalt 
entstandenen, zweitens die durch eine Schwäche hervorgerufenen. Die ersteren 
lassen sich reponieren, die letzteren muss man operieren. Die Prolapse der Kinder 
sind auf die Rhachitis mit ihren Atrophieen und Verdauungsstörungen zurückzu¬ 
führen, man heilt die Prolapse mit der Rhachitis. Die Rolle der Peritonealausstül¬ 
pung ist für die Entstehung der wahren Rektumprolapse nicht weniger wichtig, 
die Resektion ist daher nicht vorzunehmen, sondern anoplastische Operationen. 
Die Resektion ist am Platze bei Gangraen und Ulceration des Vorfalles, und wenn 
die Reduktion unmöglich ist. H. teilt dann einen Fall mit, der sich nicht repo¬ 
nieren liess, bei dem man vergeblich auf abdominalem Wege die Reduktion ver¬ 
suchte und der heilte durch Exstirpation von 25 cm Darm nach dem Verfahren 
von Mikulicz. Der Fall ist 7 Monate ohne Recidiv, obwohl nach Resektion leicht 
Recidive auftreten. 

Waldvogel (Berlin). 

Remigio Stecchi: Un caso di appendicocele inguinale senza sacco. (Ueber Appen- 
dicocele ing. ohne Bruchsack.) (Supplemento al Policlinico Anno VI, Nr. 24.) 

P. F. 14jähriger Knabe, ohne hereditäre Belastung, stets gesund. — Nach 
einer im Alter von 2 Jahren überstandenen »Gehimkrankheit« bemerkte dessen 
Mutter in der rechten Leistengegend eine Geschwulst, die als Leistenbruch erkannt 
wurde. — Obzwar P. in Ausführung seiner Beschäftigung daran gar nicht behindert 
wurde, wünschte er operiert zu werden. Nach Eröffnung des Leistenkanals und 
Isolierung des Samenstranges bemerkte S. am letzteren adhaerent einen wurm¬ 
förmigen, harten, bleistiftdicken, ungefähr 6 cm langen Körper, den er ohne Schwie¬ 
rigkeit von seiner Umgebung loslösen konnte, und der als der Processus vermi- 


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formis erkannt wurde. Bei der weiteren Untersuchung nach dem Peritonealüberzug 
wurde kein Bruchsack vorgefunden. 

Plitek (Triest). 

Barbera A. 0.-Deila pretesa azione colagoga del violetto di metile. (Ueber die dem Me¬ 
thylenblau zugemutete cholagoge Wirkung.) Istit. di fisiologia umana. (Supplemento 
al Polidinico Anno VI., Nr. 23, 7. IV, S. 719.) 

Vor einigen Jahren veröffentlichte Togurli eine Arbeit über die cholagoge 
Wirkung des Methylenblaues. Er fand, dass das in den tierischen Organismus 
injicierte Methylenblau rasch durch die Gallenwege ausgeschieden wird, eine Er¬ 
höhung des spezifischen Gewichtes sowie eine Aenderung in der Farbe wie Con- 
sistenz der Galle bewirkt und es — das zwar nicht in allen Fällen — zu einer 
Vermehrung in der Menge der secemierten Galle bringt. 

Barbera unterzog besagte Angaben einer Nachprüfung, und fand, dass das 
mit einer Sonde in den Magen gebrachte Methylenblau zum Teile durch die 
Gallenwege den Organismus verlässt; dass nach der Einführung genannter Sub¬ 
stanz die Gallenproduktion eher ab- als zunimmt, dass die Galle nicht trübe oder 
fadenziehend wird, und dass endlich ihre Farbe wohl modificiert wird, zwar nicht 
rot-braun wie Togurli gefunden, sondern dunkel mit einem Strich ins violette. 

Barbera glaubt den Grund seiner sich mit jenen Togurlis nicht deckenden 
Angaben in dem Umstande zu suchen, dass die allgemeinen Bedingungen, unter 
denen er das Tierexperiment ausführte, die denkbar besten waren, weil der 
Stand, sowohl vor wie während der Fütterung mit Methylenblau, sich in seinen 
gewöhnlichen Lebensbedingungen, (abgesehen von der Gallenfistel, an die das 
Tier bereits gewöhnt war) befand. Umgekehrt bot das Verfahren Togurlis 
verschiedene Fehlerquellen, so das Füttern des Tieres mit Brot einige Stunden 
vor dem Experimente, die Aether-Chloroformnarkose, die temporäre Anlegung 
einer Fistel im Duct. choledochus ohne vorherige Ligatur des Duct. cysticus, 
endlich intravenöse Injektion besagter Substanz in Lösung. 

Plitek (Triest). 

Edoardo Italia: Sarcoma primitivo della testa del pancreas (Primaeres Sarkom des 
Pankreas-Kopfes). II Polidinico Nr. 8, Anno VII, 15apr. 

P. P. 70jähriger Gutsbesitzer. Stets gesund. Febr. 1899 Beginn erträg¬ 
licher Schmerzen in der epigastrischen Gegend mit leichter Fiebersteigerung 
(38,2—38,5), Appetitmangel. Nach einigen Monaten konnte folgender Status 
notiert werden: Cachektisches, leicht icterisches Aussehen. Bei der Palpation der 
Magengegend, und zwar in der Linea parasternalis, deutlich fühlbare Geschwulst, 
die scharf begrenzt von der Grösse ungefähr einer Apfelsine mit glatter Ober¬ 
fläche von hart-elastischer Consistenz, von der Leber getrennt wahrnehmbar war. 
Der Tumor war bei der Palpation schmerzhaft, mit den Respirationsbewegungen 
nach unten wenig verschieblich. 

Bei der Magenaufblähung mit C0 2 verschwand die Geschwulst. Hydrops, 
Ascites, Milz nicht vergrössert. 

Die Faeces wachsfarbig, enthielten reichlich Fette und Residuen unverdauter 
Kohlehydrate. Im Urin Spuren von Zucker. — Nach 7 Monaten Exitus. — Bei der 
Section wurde der Pankreaskopf stark vergrössert, mit glatter harter Oberfläche vor¬ 
gefunden. Die Geschwulst lag in der Concavität des Duodenums, mit dem sie ver¬ 
wachsen war. Der Duct. choledochus und pancreaticus wurden natürlich comprimiert. 
Die entzündlichen Verwachsungen mit dem Duodenum waren so ausgedehnt, dass 
bei dem Versuche, das Pankreas in toto herauszunehmen, Teile des Zwölffinger¬ 
darmes mit herausgeschnitten werden mussten. — Peritoneum, Milz und Omentum 
normal. — In der Leber wurden gegen 20, teils nussgrosse, teils kirschkerngrosse 
Knötchen vorgefunden, die von schmutziggelber Farbe und harter Consistenz 
waren, — Die Schnittfläche der Geschwulst war von schmutzigweisser Farbe, und 


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bot makroskopisch keine Ulceration. — Die Lebermetastasen bieten das gleiche 
Bild wie das der Magengeschwulst. — Letztere, mikroskopisch untersucht, ergab 
das Bild der kleinzelligen Sarcome, während in den Metastasen Riesenzellen mit 
einem und mehreren Kernen vorgefunden wurden (grosszelliges Sarcom). Zwei¬ 
felsohne wird der Pankreastumor durch die V. pancreatico-duodenalis in den End¬ 
zweigen der V. portae Embolieen, somit Metastasen erzeugt haben; und es glichen 
die diese Venenthromben zusammensetzenden Zellen sowohl in Form wie in Orösse 
jenen des Haupt-Tumors. Die Verschiedenheit in der Orösse der Zellen entstand 
also erst nachträglich im Lebergewebe, aus welchem Grunde, ist schwer zu sagen. 

Plitek (Triest). 


Goldflam, S.: »Ueber Nierenerschütterung«. (Medycyna, Nr. 25.) 

Die normale und die sich im Zustande einer parenchymatösen oder inter- 
stiellen Entzündung befindliche Niere ist sowohl spontan, als auch bei Druck¬ 
palpation schmerzlos. Bei Erkrankungen dagegen, die wir neuerdings dem Grenz¬ 
gebiete zwischen Chirurgie und innerer Medizin zuzählen, verursacht die Niere 
sowohl subjektiv, als beim Ballotement derselben deutliche Schmerzen. Zur 
Feststellung derselben empfiehlt Goldflam folgendes Verfahren, das häufig eine 
lebhaftere Schmerzempfindung als das durch Druck erzeugte hervorruft, selbst 
wenn letzteres versagt, deutlich vorhanden ist. Die Lumbalgegend wird dabei 
in der Weise erschüttert, dass der sich hinter dem Patienten befindliche Arzt 
derselben, die selbstredend entblösst ist, kurze leichte Stösse mit der Dorsalfläche 
der Hand senkrecht versetzt. Dieses Symptom versagt bei allen Formen der 
einfachen Nephritis, ist äusserst ausgeprägt bei Nierensteinen, Nierengries, Nieren¬ 
beckenentzündungen, Tuberkulose, Abscessen und Geschwülsten. 

Simon (Wiesbaden.) 

Pabst: Zur Kenntnis der Wirkung des weissen und schwarzen Fleisches bei chronischer 
Nierenerkrankung. Krankenhaus Friedrichshain Berlin [Abt. Prof. Fürbringer]. 

(Berl. klin. Wochenschr., Nr. 25.) 

Die rein praktisch-klinischen Versuche greifen in die in den letzten Monaten 
ausführlich bearbeitete und erörterte Frage über die Zulässigkeit des schwarzen 
Fleisches (Wild, Hammel, Rind) in der Diätetik der chronischen Nephritis ein und 
decken durch ihre Resultate die Richtigkeit der aus der Abteilung von Noorden’s 
hervorgegangenen Arbeiten von Off er und Rosenquist, in denen darauf hin¬ 
gewiesen — und gegen Senator festgehalten — wurde, dass die Quantität der 
»Extraktivstoffe« in beiden Fleischsorten gleich sei und die Bevorzugung des so¬ 
genannten weissen Fleisches (Kalb, Lamm, Geflügel) nicht mehr gerechtfertigt er¬ 
scheine. 

Zwei Patientinnen mit Nephritis chronica erhielten eine Woche hindurch 
täglich je ein halbes Pfund weisses, nach 8 tägiger Milchperiode dasselbe Quantum 
schwarzes Fleisch und nach einer weiteren Milchdiät von gleicher Dauer eine 
Woche lang ein Gemisch beider Sorten zu gleichen Teilen und gleichem Gesamt¬ 
gewicht wie vorher. Aus der in der ganzen Dauer des Versuches täglich vorge¬ 
nommenen Untersuchung des 24-Stunden-Urins ergab sich nun Folgendes (Tabellen 
cf. im Original): Die nach Genuss schwarzen Fleisches ausgeschiedenen absoluten 
Mengen Eiweiss sind im grossen und ganzen nicht grösser als nach Genuss 
weissen Fleisches, ebenso wenig der Gehalt an Cylindern. Beide Fleischsorten 
werden gleich gut vertragen und gleich gern genossen; eine Aenderung im Befin¬ 
den der Patientinnen war nicht zu konstatieren. 

Als wichtiger Nebenbefund ist zu verzeichnen, dass die Eiweisswerte der 
Milchperiode denen der Fleischperiode nicht nachstehen. 

Pickardt (Berlin), 


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Farup, P.: Ueber eine einfache und genaue Methode zur quantitativen Bestimmung von 
Quecksilber im Harn. Aus d. pharm. Inst. d. Univ. Christiania. (Arch. f. experim. 

Path. u. Pharm., Bd. 44, H. 3. 4.) 

Die vom Verf. mitgeteilte Methode stellt eine Combination des Ludwig’- 
schen und des Schuhmacher-Jung , sehen Verfahrens dar, deren Ausführung 
folgendermassen geschieht. 

Der Urin (1 Ltr.) wird nach Zusatz von 3—4 ccm conc. HCl auf dem 
Wasserbade erwärmt und nach Zusatz von 6 g Zinkstaub 2 Min. geschüttelt. Hier¬ 
auf wird nach dem Erkalten und Absetzen die leichtgetrübte Flüssigkeit durch ein 
Seidenasbestfilter mittels der Wasserstrahlpumpe filtriert, das Filter mit dem Zink¬ 
staub quantitativ wieder in den grossen Kolben, in dem sich die Hauptmenge des 
Zinkpulvers befindet, zurückgebracht und nun die gesamte Menge nach Zusatz von 
3 g chlorsaur. Kali zum Lösen auf das Wasserbad gebracht. Nach dem Erkalten 
wird die Lösung durch ein Hartfilter filtriert, das durch Chlor grün gefärbte Filtrat 
erwärmt und mit Zinkchlorürlösung (15—20 ccm) bis zum Verschwinden der grünen 
Farbe versetzt. Das Quecksilber fällt nun in feinen Kügelchen aus. Nach dem 
Erkalten filtriert man durch ein Filtrieramalgamierröhrchen, welches aus einem ge¬ 
wöhnlichen SoxletlTsehen Reduktionsrohr besteht, unten etwas Seidenasbest 
und dann eine Schicht Ooldasbest enthält. Nach beendigter Filtration ist je drei¬ 
mal mit HCl (1:5), Wasser, Alkohol und Aether nachzuwaschen und eine Zeit 
lang trockene Luft durch das Rohr zu leiten. 

Die Gegenwart von Eiweiss und Jodiden beeinflusst die Genauigkeit der Me¬ 
thode nicht. Die vom Verf. mitgeteilten Beleganalysen geben recht genaue Werte. 

Hagenberg (Göttingen). 

Treupel, 0. u. Edinger, A. (Freiburg i. Br.): Untersuchungen über Rhodan-Verbindungen. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 21. 22.) 

Seitdem man das Vorkommen von Rhodanverbindungen im Organismus 
(Speichel, Milch und Harn) nicht als eine zufällige, sondern als eine durch den 
normalen Stoffwechsel bedingte Erscheinung anzusehen geneigt ist, hat man sich 
bemüht, die Bedeutung dieser Körper für den Organismus aufzuklären. Aus den 
vorliegenden in diesem Sinne angestellten Untersuchungen geht hervor, dass man 
nicht berechtigt ist, den Rhodanverbindungen, wie es vielfach geschehen, die Rolle 
eines Schutzmittels des Körpers gegen Infektionen zuzuschreiben. Das Rhodan¬ 
natrium wenigstens — die etwas abweichenden Wirkungen anderer Rhodanate 
sollen später zur Publikation gelangen — übt auf das Wachstum von Bakterien 
(Tuberkelbazillen, Diphtheriebazillen, Rotzbazillen, Staphylococcus pyogenes aureus 
und citreus) so gut wie gar keinen hemmenden Einfluss aus, anderseits vermag es 
auch in Form von subkutanen Injektionen tuberkulöse Prozesse in keiner Weise 
zu beeinflussen. Von einer »Heilwirkung« des Rhodannatriums kann daher bei 
dieser Anwendungsweise keine Rede sein. 

Auf den Stoffwechsel wirkt das Rhodannatrium in der Weise ein, dass es 
beim gesunden wie beim kranken Tier die N- und S-Ausscheidung steigert. 

Schade (Göttingen). 

Rosin, H. u. Jellinek, S.: Ueber Färbekraft und Eisengehalt des menschlichen Blutes. 
Aus d. Kgl. Univ.-Poliklinik in Berlin, Geh. Rat Senator. (Zeitschr. f. klin. Med., 

Bd. 39, H. 1. 2.) 

An 104 Patienten wurden vergleichende Bestimmungen mit dem Hämo¬ 
globinometer (Fleischl-Miescher) und dem Ferrometer (Jolles) angestellt, wo¬ 
bei sich herausstellte, dass bei 32 Kranken das Hämoglobinometer gleiche Werte 
wie das Ferrometer zeigte, dass in 53 Fällen die Ziffern, welche das Hämoglobino¬ 
meter angab, höhere Werte als das Ferrometer lieferte, und dass endlich bei 19 
Untersuchungen das Ferrometer höhere Ziffern als das Hämoglobinometer aufwies, 

Nr. 4. 


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Aus dem Umstande, dass die Zusammensetzung des Hämoglobins, obwohl es 
ein krystallinisches Produkt ist, in Bezug auf den Eisengehalt keine konstante ist, darf 
man allein schon schliessen, dass aus dem Eisenbefunde im Blut der Hämoglobin¬ 
gehalt nicht berechnet werden darf, und dass hierauf die abweichenden Resultate 
des Hämoglobino- und Ferrometers zum Teil bezogen werden dürfen. 

Ausser diesen Schwankungen im Eisengehalte sind noch andere Dinge vor¬ 
handen, welche die Bestimmungen beeinflussen, und zwar ist dies erstens ein 
Farbkörper, der sich im Blutserum findet, und zweitens kommen die Pigment¬ 
schollen in Betracht, die im normalen Blute schon reichlich vorhanden sind, unter 
pathologischen Verhältnissen aber noch eine erhebliche Steigerung erfahren. Ab¬ 
gesehen von den pathologischen Prozessen, in denen sich überhaupt Farbstoffe 
entwickeln (z. B. Icterus), muss man aber noch weitere unbekannte Farbkörper, die 
im Blute zirkulieren, annehmen. Die Färbekraft und der Hb-Oehalt des Blutes 
sind daher keine identischen Grössen. 

Ebenso lassen sich auch nicht die Bestimmungen des Eisengehaltes auf 
den Hb-Gehalt des Blutes beziehen. Es steckt das Eisen nicht nur im Hb der 
roten Blutkörperchen, sondern man findet es auch im Serum, in den meisten Blut¬ 
körperchen, und schliesslich existiert auch in den Erythrocyten eine dem Hb nicht 
ideniische Eisenverbindung. 

Am Schlüsse der Arbeit wird ein Versuch gemacht, für die nach Krankheiten, 
der Färbekraft und dem Eisengehalte gruppierten Fälle einzelne gewisse Normen 
aufzustellen, was sich aber nur für einzelne Kategorieen durchführen lässt. 

Hagenberg (Göttingen). 

Cloetta, M. (Zürich): Ueber die therapeutische Verwendbarkeit des „Ferra¬ 
togen" (Eisennuclein). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 22.) 

Verf. empfiehlt auf Grund experimenteller Erfahrungen das Ferratogen 
(Eisennuclein), ein neues, von der »Baseler chemischen Fabrik^ in den Handel 
gebrachtes Eisenpräparat, welches in der Weise gewonnen wird, dass man auf 
eisenhaltigen Nährböden Hefe kultiviert und das dabei gebildete Eisennuclein iso¬ 
liert und chemisch reinigt. Das 1 % Fe enthaltende Präparat zeichnet sich dadurch 
aus, dass es den Magen völlig unverändert passiert, also eine Störung der Magen¬ 
verdauung nicht hervorrufen kann, und erst im Darm allmählich, aber in aus¬ 
reichender Menge resorbiert wird. Das Ferratogen ist demnach in allen Fällen zu 
versuchen, in denen sich der Magen gegenüber anderen Eisenpräparaten als in¬ 
tolerant erweist. 

Schade (Göttingen). 

Eider, W.: A case of pernicious anaemia treated by anti-streptococcic serum. (The 

Lancet, I. 17, S. 1198.) 

Verf. behandelte einen Patienten, welcher an einer perniciösen Anaemie 
ausgesprochenen Grades litt, mit Antistreptococcenserum. Während der Behandlung 
(reichlich 6 Wochen) stieg die Zahl der roten Blutkörperchen von 797,500 auf 
4,800,000, die Haemoglobinmenge von 24 auf 104%. Die Zahl der Leukocyten 
betrug stets 4000—5000. Verf. glaubt, diesen in der That ungewöhnlichen Heil¬ 
erfolg auf die Wirkung der Seruminjektionen beziehen zu dürfen; die von ihm 
vorgeschlagenen Nachprüfungen an weiteren Fällen sind allerdings erforderlich, 
wenn des Verf.'s Annahme eine festeGrundlage haben soll. 

Zaudy (Göttingen). 

Dinkler: Zur Pathologie und Therapie der Basedowschen Krankheit (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 21.) 

Zwei Fälle von Morbus Basedowii, die deswegen ein besonderes Interesse 
beanspruchen, weil sie gewisse Beziehungen zwischen Schilddrüse und Thymus 


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erkennen lassen. In dem ersten Fall, der einen recidivierenden Morbus Basedowii 
mit Hemiplegie, bulbären und psychischen Störungen darstellt, fand sich an Stelle 
der Thymusdrüse ein in seiner Struktur dem strumösen Gewebe analoger Körper; 
die Struma selbst bot mikroskopisch das Bild jener hochgradigen Veränderungen 
des Drüsengewebes, wie sie vielfach als für den Morbus Basedowii charakteristisch 
beschrieben worden sind (Bildung solider Epithelgänge und Alveolen). Während 
hier also von eigentlichem Thymusgewebe nichts mehr vorhanden war, zeichnete 
sich der zweite Fall, der 12 Stunden nach der einseitigen Strumektomie letal 
endigte, durch eine enorme Hyperplasie der Thymusdrüse aus; der normale acinöse 
Bau der Schilddrüse war im wesentlichen auch in der Struma erhalten. D. hält 
es danach für wahrscheinlich, dass zwischen beiden Organen eine Art Wechsel¬ 
beziehung besteht, die sich in der Weise äussert, dass bei hyperplastischer Thymus 
die Veränderungen der Schilddrüse beim Morbus Basedowii weniger ausgeprägt 
sind als bei normaler oder gar fehlender Thymusdrüse. Damit stimmen auch die 
Erfahrungen Reinbachs überein, der Thymussubstanz schon früher bei Strumen 
mit Erfolg verabreicht hat. 

D. empfehlt, in Fällen von Morbus Basedowii mit nervösen Störungen 
zum Nachweis etwaiger anatomischer Veränderungen im Nervensystem statt der 
Weigertuchen Hämatoxylinfärbung die Marchi’sche Methode (Osmiumfärbung) 
anzuwenden, da die letztere häufig ein positives Resultat ergebe, wo man mit der 
ersteren keine Veränderungen nachweisen könne. Mit Hilfe der Marchi'schen 
Methode gelang es ihm, in dem ersten von ihm beschriebenen Falle ausgedehnte 
anatomische Veränderungen im Centralnervensystem nachzuweisen, welche die 
klinischen nervösen Symptome — Hemiplegie, bulbäre Erscheinungen etc. — er¬ 
klärten. 

Betreffs der in neuerer Zeit immer mehr in den Vordergrund tretenden 
chirurgischen Therapie der Basedowschen Krankheit rät D. noch eine gewisse 
Zurückhaltung an. Ausser dem oben erwähnten Falle, der 12 Stunden nach der 
Strumektomie mit dem Tode endigte, werden noch 2 andere Beobachtungen mit¬ 
geteilt, in denen der zunächst befriedigende operative Erfolg durch später ein¬ 
tretende Recidive getrübt wurde. 

Schade (Göttingen). 

v. Liebig: Die Muskelkraft unter dem erhöhten Luftdruck. (Münch, med. Wochenschr. 

Nr. 18.) 

v. L. verwandte zur Prüfung der Muskelkraft einen Stab, an dem in Ent¬ 
fernungen von 1 cm zur Aufhängung von Gewichten bestimmte Nägel einge¬ 
schlagen waren. Der Stab musste von einer Versuchsperson unter verschiedenen 
Bedingungen bis zu einer bestimmten Höhe gehoben werden: je grösser die Ent¬ 
fernung der Last, je länger also der Hebelarm, um so höher das Gewicht. 

Die — unter gewöhnlichem Druck, anderseits unter einem Ueberdruck 
von 70—80 cm ausgeführten — Versuche zeigen, dass die Kraft unter erhöhtem 
Druck nur in sehr geringem Masse zunimmt, so dass man annehmen kann, dass 
sie nicht durch den Sauerstoff geschaffen wird, sondern dass die Muskeln nur in 
den Stand gesetzt werden »ihre volle Kraft anzuwenden und weniger zu ermüden«. 
Die Muskeln erhalten keinen wirklichen Zuwachs an Kraft, sondern es ist wahr¬ 
scheinlich, dass die reichliche Bereitschaft von Sauerstoff ihre rasche Erschöpfung 
verhindert und sie befähigt, den jeweilig höchsten Grad ihrer Leistungsfähigkeit 
anzunehmen. 

Pickardt (Berlin). 

Kövesi, G.: Eiweissstoffwechsel im Greisenalter. Vortrag, gehalten im physiologischen 
Verein zu Budapest am 15. Mai. 

Die Versuche ergaben kurzgefasst folgende Resultate: 

1) Die Resorption der eiweisshaltigen Nahrungsmittel erleidet keine Ein- 


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busse im Greisenalter. 2) Der Eiweissumsatz ist bedeutend vermindert, zeigt zwar 
quantitative, aber keine qualitative Veränderung, z. B. bei einer Versuchsperson mit 
61 Kilo Körpergewicht konnte mit 38 gr täglicher Eiweisszufuhr (pro Kilo 26 
Calorieen) schon Eiweissansatz erreicht werden. 3) Das Calorieenbedürfnis zeigte 
ebenfalls eine bemerkenswerte Verminderung. 

Vortr. nimmt auf Grund dieser Ergebnisse eine bedeutende Veränderung 
in den biologischen Eigenschaften des Protoplasmas im Senium an; die eiweiss¬ 
zersetzende Kraft des Zellprotoplasmas ist herabgesetzt, welcher Erscheinung bei 
der Entstehung atrophischer Prozesse eine bedeutende Rolle zukommt. 

Hasenfeld (Budapest). 


Grimbert, L und Legros, G.: Identität des Bacillus lactis aerogenes und des Pneumo- 
bacillus Friedländer. (Compt. rend. de la societe de biol. Nr. 18. 25. May.) 

Verfasser haben vier verschiedene Bacillen untersucht, von denen der eine 
aus dem Nencki’schen Laboratorium stammte und als Milchsäure-Baccillus ange¬ 
geben war, während die drei anderen aus der Milch gezüchtet waren. Die Re¬ 
sultate, welche sie in Bezug auf die allgemeine Biologie und Morphologie erhalten 
hatten, stimmten überein mit dem früher beim Friedländergehen Bacillus erhalte¬ 
nen Resultate; ebenso zeigten diese Kulturen bei der Einwirkung auf Kohlehydrate 
dieselben Resultate, wie die Autoren sie früher bei dem Friedländergehen Bacillus 
erhalten hatten. Beide Bacillenarten zeichnen sich also aus durch Unbeweglichkeit, 
durch das Vorhandensein von Kapseln im Blute von geimpften Tieren, durch 
Nichtverflüssigung der Gelatine, durch Nichtbildung von Indol und durch energische 
Zersetzung der Kohlehydrate, wobei sie Aethylalkohol, Essigsäure, Bernsteinsäure 
und Linksmilchsäure bilden. Im Traubenzucker, Mannit und Glycerin geben sie 
keine oder nur Spuren von Bernsteinsäure, während sie grosse Menge Linksmilch¬ 
säure bilden. Aus Dextrin hingegen bilden sie nur Bernsteinsäure. Auf Saccharose 
und Laktose bilden sie in gleicher Weise Milchsäure wie Bernsteinsäure. 

Blumenthal (Berlin). 

Steudel, H.: Ueber Oxydationsfermente. Physiol. Inst. d. Univ. Marburg. (Deutsche 
med. Wochenschr. Nr. 23., S. 372.) 

Die Abhandlung bringt eine gedrängte Uebersicht der bisherigen, haupt¬ 
sächlich von französischen Forschern herrührenden Arbeiten über die Sauerstoff 
übertragenden Fermente, namentlich der Pflanzen. Sie eignet sich daher nicht 
zum Referat an dieser Stelle. 

Fraenckel (Göttingen). 


Besprechungen. 

Lenhartz, Hermann: Mikroskopie und Chemie am Krankenbett Dritte Auflage. 360 S. 
Berlin, Julius Springer. Lwdbd. 8 M. 

Dass das vorliegende Buch innerhalb von 7 Jahren in der dritten Auflage 
erscheinen konnte, ist wohl der beste Beweis für die Güte desselben; es ist klar 
und verständlich geschrieben, und es enthält wohl alle diejenigen Methoden, die 
Aerzte und Studierende auszuführen je in die Lage kommen. Bei der Abhandlung 
der Bacterien sind nicht nur die Färbe- sondern auch die Züchtungsmethoden 
angegeben. Bei der Abfassung des Tuberkelbacillus hätte vielleicht noch die 
von Arloing und Courmont als diagnostische Methode empfohlene Agglutination 


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des Tuberkelbacillus erwähnt werden können. Es folgen Kapitel über die tierischen 
Parasiten, über die Untersuchung des Blutes und des Auswurfs. Bei der Chemie des 
Harns sind bei der Zucker- oder Eiweissbestimmung auch die quantitativen Unter¬ 
suchungsmethoden aufgenommen, namentlich aber ist, was Referent für sehr wichtig 
hält, auf die klinische Bedeutung der chemischen Untersuchung des Harns in knapper, 
aber klarer Weise eingegangen. Dass die Untersuchungen des Mundhöhlensekrets 
und der Magen- und Darmentleerung sowie die Untersuchung der Punktions¬ 
flüssigkeiten gleichfalls vortrefflich und ausführlich geschildert sind, sei ebenfalls 
erwähnt. Wir können das Buch nach jeder Richtung auf das Wärmste empfehlen. 

Zahlreiche vorzügliche Abbildungen erläutern das Werk. 

Blumenthal (Berlin). 


Morat, J. P. und Doyon, Maurice (Professoren der Universität in Lyon): Traite de 
Physiologie (Fonctions de nutrition, circulation, calorification, respjration, digestion; 
excretion, absorption). 2 Bände. Bd. 1 510 S. Bd. 2 587 S. Paris, Masson & C. 

1899 u. 1900. 

Die vorliegenden beiden Bände des grossangelegten französischen Lehr¬ 
buchs der Physiologie geben in ganz ausgezeichneter Weise ein Bild von dem 
jetzigen Stande der physiologischen Wissenschaft. In anregenderWeise geschrieben, 
führen sie uns in die schwierigen Gebiete der Lehre der Circulation, der Wärme, 
der Atmung, Verdauung und Ausscheidung. Ein ausführliches Litteratur-Verzeich- 
nis, welches den Capiteln beigegeben ist, ist für diejenigen von grosser Bedeutung, 
welche sich schnell in irgend einem Gebiet litterarisch orientieren wollen. Auch 
die mehr chemischen Fragen der physiologischen Chemie, welche in den deutschen 
Lehrbüchern der reinen Physiologie meist geringere Beachtung finden, sind hier 
ziemlich ausführlich behandelt. Durch recht gute Abbildungen ist weiter das 
Buch in empfehlenswerter Weise ausgestattet. 

Blumenthal (Berlin). 

Graetzer, E.: Vademecum für die Kinderpraxis. Leipzig, I. A. Barth. 382 S. 5,50 Mk. 

Das kleine treffliche Buch wird in seiner Reichhaltigkeit und Uebersichtlich- 
keit dem Praktiker sehr wohl als Nachschlagebuch dienen können. Ja es bringt 
bei einzelnen Erkrankungen fast zu viel, sodass es vielleicht zweckmässiger er¬ 
schiene, das Wissenswerte resp. die beste Behandlungsweise etwas mehr in den 
Vordergrund treten zu lassen z. B. S. 289 (Rhachitis). Leider ist dem Verf. darin 
vollkommen beizustimmen, dass der Kenntnis der Kinderkrankheiten heute noch auf 
der Universität allzuwenig Beachtung geschenkt wird! Aus dem Grunde darf 
man auch das Büchlein noch besonders empfehlen. 

Schreiber (Göttingen). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Schilling» F.: Compendium der diätetischen und physikalischen Heilmethoden. 

Leipzig, Hartung & Sohn. 263 S. 5,00 M. 

Brasch, R.: Die anorganischen Salze im menschlichen Organismus. Wiesbaden, 
J. F. Bergmann. 88 S. 2,40 M. 

Biedert, Ph. : Die Kinderernährung im Säuglingsalter und die Pflege von Mutter 
und Kind. Stuttgart, F. Enke. 263 S. m. 1 Tf. geh. 6,00 M. geb. 7,00 M. 
Jakseh, R. v. und Herrnheiser, J.: Beiträge zur inneren Medicin. Wien, A. 
Holder. 355 S. 


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Schenk, F. und Görber, A. : Leitfaden der Physiologie des Menschen. Stuttgart, 
F. Enke. 2. Aufl. 291 S. geb. 5,60 Mk. 

Ebstein, W. und Schwalbe, J.: Handbuch der praktischen Medicin. II. Bd. 
Stuttgart, F. Enke. 1264 S. geh. 24,00 M. geb. 27,00 Mk. 


ynbaltsv«r$«td>nis. 

Referate: Umber, F.: Zur Lehre von der Glycolyse S. 87. — Bendix u. 
Wohlgemuth: Ueber Reindarstellung des Glykogens S. 87. — Kionka, H.: Ent¬ 
stehung und Wesen der »Vogelgicht« und ihre Beziehungen zur Arthritis urica 
des Menschen S. 88. — Kionka, H.: Einfluss des Kalkes auf das physiologische 
Verhalten gichtkranker Hühner S. 88. — Bonanni, A.: L’eliminazione delP acidi 
urico durante la dieta prevalentemente amilacea. (Ueber Harnsäureausscheidung 
bei vorwiegender Kohlehydratdiät) S. 89. — Micko, K., Müller, P., Pada, H. und 
Prausnitz, M.: Untersuchungen über das Verhalten animalischer Nahrungsmittel 
im menschlichen Organismus 89. — Kellner, O.: Untersuchungen über den Ein¬ 
fluss des Asparagins und Ammoniaks auf den Eiweissumsatz der Wiederkäuer 
S. 91. — Roth: Zur Frage der Pepsinabsonderung bei Erkrankungen des Magens 
S. 91. — Riegel: Ueber den Einfluss des Morphiums auf die Magensaftsekretion 
S. 92. — Spivak, C. D.: Selbstaufblähung des Magens S. 92. — Bidwell, L. A.: 
The surgical treatment of dilatation of the stomach S. 93. — Schitz, R. (Wies¬ 
baden) : Ein eigenartiges Symptomenbild des Magencarcinoms, zugleich ein Beitrag 
zur Frage der Atonie des Oesophagus S. 93. — Nicoll, H.: Case of congenital 
Stenosis of the pylorus diagnosed and relieved by Operation S. 93. — Deganello, 
U.: Recherches sur Pechange materiel d’une femme, ä laquelle on avait exporte 
Pestomac S. 94. — Deganello, U.: L’echange materiel de Pazote et la digestion 
gastrique chez les personnes operees de gastroenterostomie S. 95. — Morreigne, 
Henri: Einfluss der Abführmittel auf die Ernährung S. 95. — Schütz: Bakterio¬ 
logisch-experimenteller Beitrag zur Frage gastrointestinaler Desinfektion S. 96. — 
Pariser, C.: Chronische nervöse Diarrhöen und ihre Behandlung S. 96. — Trans¬ 
formation de la grippe en fievre typhoide S. 97. — Köhler, F. u. Scheffler, W.: 
Die Agglutination von Fäkalbakterien bei Typhus abdominalis durch das Blut¬ 
serum S. 97. — Mackay, H. O.: Intestinal obstruction caused by MeckePs diverti- 
culum and relieved by Operation S. 97. — Marchant, Gerard: Sur le prolapsus du 
rectum ä propos d’une observation au Dr. Pauchet S. 98. — Remigio Stecchi: Un 
caso di appendicocele inguinale senza sacco. (Ueber Appendicocele ing. ohne 
Bruchsack) S. 98. — Barbera A. G.-Della pretesa azione colagoga del violette di 
metile. (Ueber die dem Methylenblau zugemutete cholagoge Wirkung) S. 99. — 
Edoardo Italia: Sarcoma primitivo della testa del pancreas (Primaeres Sarkom des 
Pankreas-Kopfes) S. 99. — Goldflam, S.: »Ueber Nierenerschütterung« S. 100. — 
Pabst: Zur Kenntnis der Wirkung des weissen und schwarzen Fleisches bei chro¬ 
nischer Nierenerkrankung S. 100. — Farup, P.: Ueber eine einfache und genaue 
Methode zur quantitativen Bestimmung von Quecksilber im Ham S. 101. — Treupel, 
G., u. Edinger, A. (Freiburg i. Br.): Untersuchungen über Rhodan-Verbindungen 
S. 101. — Rosin, H. u. Jellinek, S.: Ueber Färbekraft und Eisengehalt des mensch¬ 
lichen Blutes S. 101. — Cloetta, M. (Zürich): Ueber die therapeutische Verwend¬ 
barkeit des »Ferratogen« (Eisennuclein) S. 102. — Eider, W. A.: Case of pernicious 
anaemia treated by anti-streptococcic serum 102. — Dinkler: Zur Pathologie und 
Therapie der Basedowschen Krankheit 102, — v. Liebig: Die Muskelkraft unter 
dem erhöhten Luftdruck S. 103. — Kövesi, G.: Eiweissstoffwechsel im Greisen- 
alter S. 103. — Grimbert, L. u. Legros, G.: Identität des Bacillus lactis aerogenes 
und des Pneumobacillus Friedländer S. 104. — Steudel, H.: Ueber Oxydations- 
fermente JS. 104. — Besprechungen: Lenhartz, Hermann: Mikroskopie und 
Chemie am Krankenbett S. 104. — Morat, J. P. u. Doyon, Maurice: Traite de 
Physiologie S. 105. — Graetzer, E.: Vademecum für die Kinderpraxis S. 105. — 
Zur Besprechung eingegane Bücher S. 105. 

Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrücke wolle man an den 

Redakteur Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 5. 


Erstes Juli-Heft 1900. 


1. Jahrgang. 


Central blaff 

fÖP 

Stoffwechsel- & Vtröauungs-KranklKikn 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck 8t Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von 1 Va—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Orujinal-Hrtikel. 

6Ubt es Kot erweichende flßittel? 

Von 

Dr. Fr. Schilling, 

Spezialarzt für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Leipzig. 

Schon bei der sekundären chronischen Obstipation, welche die ver¬ 
schiedensten Krankheiten, nicht bloss des Darmes begleitet, noch mehr aber bei 
der in ihrer Aetiologie unaufgeklärten und als eine selbständige Krankheit viel¬ 
fach angesehenen habituellen Obstruktion spielen die Wassereinläufe eine 
grosse Rolle, deren Wert steigt, je mehr die Atonie in den Vordergrund tritt und 
der untere Teil des Darmes, das Rektum, beteiligt ist. Die internen Laxier- 
und Purgiermittel, selbst die Drastica versagen mit der Zeit, da die Darm¬ 
peristaltik den Inhalt nur bis in die enorm erweiterte Ampulle, gewisser- 
massen in einen Vorabort, wie Ewald 1 ) treffend sagt, treibt, wo sie liegen 
bleiben und eintrocknen, ohne dass Stuhldrang und Defäcation eintritt 
Während in der Norm, sobald sich Stuhldrang einstellt, die Sphinkteren re¬ 
flektorisch erschlaffen und der Levator ani den Mastdarm über die durch die 
Bauchpresse und Peristaltik des Darms vorgeschobene Kotsäule hinweg¬ 
streift, so versagt hier der Nervenmuskelapparat Ueberdies funktioniert meist 
die Bauchpresse mangelhaft, der Beckenboden contrahiert sich ungenügend 2 ), und 
der Druck der Bauchdecken presst den Dickdarminhalt in verkehrter Richtung, 
nicht in den After, sondern hinter denselben (Lauder-Brunton) 3 ) infolge 


1) Ewald, Ueber die habituelle Obstipation und ihre Behandlung, Berl. 
Klinik 105. 

2) Pi neu s, Virchow’s Archiv 153. 

3) Ewald, Handbuch der Emahrungstherapie v. Leyden. 

Nr. 5. 


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108 


des erschlafften Beckenbodens. Der Mastdarm ist in diesen Fällen gewöhn¬ 
lich so derb angefüllt, dass das Afterrohr bei Versuchen, Wasser mit dem 
Irrigator einlaufen zu lassen, sich sofort verstopft und der das Hindernis 
suchende Finger auf derbe, nicht weichende Kotmassen stössi 

Bei begründeter Annahme, dass Krampfzustände die Ursache der 
Verstopfung sind, wird dem Oel, Oliven- oder Mohnöl in grösserer Menge 
bis zu 3—500 g der Vorzug vor dem Wasser gegeben; bei der häufigen 
Atonieform benutzt man aber meist Wasser, dessen Wirkung durch Zusatz 
von verschiedenen Mitteln wie Kochsalz, Essig, Oel, Glycerin und Honig 
angeblich gesteigert wird. Auch Kamillenaufgüsse allein sollen bessere 
Dienste als blosses Wasser thun. Die Wirkung des Wassers ist vorwiegend 
eine thermische und mechanische, nach gewöhnlicher Anschauung kommt die 
kotlösende weniger zur Geltung. Die Masse des Wassers, falls es gelingt, 
grössere Mengen davon einzubringen, dehnt das Rektum aus, und die Wärme 
oder Kälte reizt die Darmmuskulatur zur Contraction; bei dem Rückflüsse 
reisst der Wasserstrom die gelockerten Massen oder abgetrennten Brockel 
mit sich nach aussen. Die Zusätze oder Ersatzmittel wie der Kamillenthee 
sollen einen chemischen Effekt entfalten und durch ihren Reiz auf die Schleim¬ 
haut die Peristaltik reflektorisch anregen und dabei, wie es heisst, Kot 
lösend und erweichend wirken. 

So sagt Boas 1 ): Mittels chemischer Agentien beabsichtigen wir 
gleichfalls entweder eine Einwirkung auf die Darmwand auszuüben oder 
unter Umständen auch die stagnierenden Kotmassen aufzuweichen. Die 
Flüssigkeitsquantität soll stundenlang zurückgehalten werden und eine all¬ 
mähliche Erweichung der Contenta resp. Anregung der glatten Muskulatur 
herbeiführen. Um die Kot lösende Wirkung zu erhöhen, dienen Zusätze 
von Glycerin, Seife, Zucker, Oel, Honig. Er fährt dann fort: Nach Penzoldt’s 
Erfahrungen wirkt Seife am energischsten Kot lösend, ähnlich, aber nicht 
ganz so gut, Oel. Von anderer Seite ist auch Kalkwasser als fäkallösendes 
Mittel empfohlen worden. 

Rosenheim 2 ) sagt: Das Oel dringt bis zur Klappe (Ileo-coecal-Klappe) 
hinauf und hat Kot erweichende und lösende Wirkung. 

St rau ss 3 ) schreibt: Erweichend wirkt reines Wasser von Körper¬ 
wärme; Kochsalz, Seife, Essig, Honig, ev. 1—2 Esslöffel Glycerin erhöhen die 
Wirkung, Oelklystiere haben eine erweichende und schlüpfrig machende 
Wirkung auf den eingetrockneten Stuhl. Zusatz von 5 gtt Ol. Menth, pip. 
erhöht oft die Wirkung. 

Ewald 4 ) spricht sich neuerdings schon dahin aus, dass die vielfach 
behauptete erweichende Wirkung des Oels auf die Skybala so gut wie gar 
nicht vorhanden ist, während man an anderer Stelle 5 ) bei demselben Autor 
noch liest: Nicht selten ist es nötig, die angesammelten und verhärteten 


1) B oas, Darmkrankheiten. 

2) Rosenheim, Pathologie und Therapie der Krankheiten des Darmes. 

3) Strauss, Encyklopaedie und Therapie von Liebreich. 

4) Ewald, 1. c. 

5) Ewald, Handbuch der allgemeinen und speciellen Arznei verordnungs¬ 
lehre 1887, 


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109 


Fäkaltnassen zu erweichen, um den Durchgang durch den Mastdarm zu er¬ 
möglichen; zu diesem Zwecke bedient man sich aromatischer Infuse des 
Honigs, Zuckers, Essigs, der Salze, Ol. Terebinth., Ol. Ricin. oder Oleosa. 

Penzoldt *) neigt schon sehr zur Negation, indem er bei den Einläufen 
nach Kotstagnation bemerkt: Dagegen spielt bei schon harter Consistenz 
der Kotmassen sicher die Aufweichung durch die Flüssigkeit, welche man 
vielfach noch annimmt, eine untergeordnete Rolle. Als Beweis führt er dann 
das Resultat eines Versuches an, indem er harte Kotmassen mit Wasser, 
Seifenwasser oder Oel (Mohnöl erster Pressung) übergoss und bei Körper¬ 
temperatur beobachtete; nach 2 Stunden war ein kleiner Teil im Seifenwasser, 
im Wasser eine Spur und im Oel gar nichts gelöst, nach 20 Stunden war 
nur der Seifenwasserinhalt gelöst, im Wasser schwammen noch gröbere 
Brockel und der Stuhl im Oel war ganz unverändert, nur etwas gequollen. 

Aus Versuchen, welche ich zur Klärung der Frage vornahm, geht un¬ 
zweifelhaft hervor, dass eine chemische und erweichende Wirkung den 
meisten Zusätzen zum Wasser und dem Oel überhaupt nicht zukommt. 
Der sonstige Nutzen der Oeleingüsse hinsichtlich des Schlüpfrigmachens 
der Fäces bleibt hierbei ausser Betracht 

Ein beliebtes Ingredienz der Wassereinläufe ist Kochsalz, welches in 
der Menge eines gehäuften Theelöffels oder 5 g einem Liter lauwarmen 
Wassers beigefügt wird. Von einer chemischen Einwirkung der Kochsalz¬ 
lösung in dieser Stärke, welche einer 0,5 %-Lösung gleicht, kann keine Rede 
sein. Fertigt man sich in einem säubern Gefässe eine solche Solution an 
und taucht rotes Lackmuspapier hinein, so wird es nicht verändert; kostet 
man davon, so empfindet man soeben einen Salzgeschmack; Brennen ent¬ 
steht weder bei dem Betupfen der Lippen noch der Conjunktiva, sicherlich be¬ 
sitzt aber die Rektalschleimhaut keine bessere Empfindlichkeit als die Lippe 
und Conjunktiva. 

Setzt man 1—2 Esslöffel Essig einem Liter Wasser zu, so verhält 
sich die reizende Wirkung ähnlich wie vorhin, mit andern Worten sie fehlt, 
obwohl sich der blaue Lackmusstreifen rötet 

Feste Kotballen erweichen in Kochsalz- und Essiglösung nicht 
schneller als in gewöhnlichem Wasser von Körpertemperatur. 

Vom Ricinusöl heisst es bei Nothnagel und Rossbach 2 ): Die ab¬ 
führende Wirkung des Ricinusöles tritt auch bei Einspritzungen in den Mast¬ 
darm hervor. Worauf dieser Effekt zurückzuführen ist, bleibt mir unklar, 
da der Glycerinester der Ricinolsäure erst nach Abspalten der Säure im 
Darm wirksam wird (Buchheim), Fettspalter aber im Mastdarm fehlen. Der 
andere Weg, dass nach der Resorption der Erfolg eintreten könne, erscheint 
mir ebenfalls unwahrscheinlich, da nach v. Leube 3 ) die Fettresorption im 
Rektum nur langsam und im kleinen erfolgt und im günstigsten Falle 10 g 
pro die vom emulgierten Olivenöl und Leberthran beträgt Die wirksame 


1) Penzoldt und Stintzing, Handbuch der Therapie IV. 

2) Nothnagel und Rossbach, Arzneimittellehre. 

3) v. Leube, Handbuch der Ernährungstherapie v. Leyden. 


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Dosis per os beträgt 2—3 Esslöffel je nach der Reaktion des einzelnen In¬ 
dividuums. 

Honig enthält in der Hauptsache Traubenzucker, weniger Fruchtzucker; 
der übrige Bestandteil Wachs ist für unsere Zwecke ohne wesentliche Bedeutung. 
Intern werden Mengen bis 50 g als Laxans benutzt, dem Klystier setzt man 
nach Ewald 1 ) 1—2 Esslöffel hinzu. Nach den Versuchen mit Traubenzucker- 
nährklystieren wirken öfter schon 300 g einer 10—20% Lösung, also 30—60 g, 
abführend; rektoskopisch Hess sich dabei gleichmässige Rötung der Mast¬ 
darmschleimhaut nachweisen, sicher entstand Diarrhoe und Schleimabsonde¬ 
rung 1 ) bei Injection von einer 150 g übersteigenden Menge. 

Von den bisher genannten Beimischungen hat Kochsalz und Essig 
in der üblichen Menge und Ricinusöl keine reizende und lösende Wirkung; 
Ricinusöl macht die Rektalwand fettig und schlüpfrig, aber Traubenzucker 
reizt je nach der Concentration der Lösung stark oder weniger stark, aber 
erweicht nicht. 

Es bleiben nun noch das Wasser selbst, die Oele, Glycerin und Seife 
als Prüfungsobjekt übrig. 

Bringt man feste trockene Fäces von etwa gleicher Menge, wie sie 
der einmaligen Dejection des Erwachsenen entspricht, mit Wasser von Körper¬ 
wärme zusammen, am einfachsten im Thermophor mit nochmaliger schneller 
Erwärmung des Thermoeimers nach 3 Stunden, dann zeigt sich am Boden 
des durch einen Kork abgeschlossenen, weithalsigen Glasbehälters nach Ab¬ 
lauf von 6 Stunden eine 2—3 mm hohe bröcklige Schicht, darüber eine 
Schicht gebräuntes Wasser und auf letzterer schwimmend die etwas im Volum 
vergrösserte Masse, deren Form gut erhalten ist, deren Seitenwände aber 
uneben und wie angefressen erscheinen. Das warme Wasser besitzt also 
lösende Wirkung in geringem Masse, indem es die Peripherie der Kot¬ 
säule abbröckelt und die Brockel zu Boden sinken lässt; ausserdem dringt 
es in geringer Quantität in die Masse und lässt sie aufquellen. Bringt 
man Kotballen in gewöhnliches kaltes Wasser, so schwimmen noch am 
3. und 4. Tage feste Ballen umher. Das eigentlich lösende und quellende 
Moment ist die Wärme; Kamillenthee und andere Aufgüsse führen ihren 
Wert ebenfalls auf diesen Faktor zurück. 

Brachte ich dagegen trocknen festen Stuhl in das mit Mohnöl ge¬ 
füllte Glas, das 6 Stunden auf Körperwärme gehalten wurde, so entfärbte 
sich die Oberfläche des Kotballens nur wenig, das Oel blieb in seiner Farbe 
wie es war und die Kotmasse quoll nicht. Mithin fehlt dem Oel jede 
lösende Kraft, die Fleiner 2 ) zuerst bei Empfehlung seiner Oelklystiere zu 
Unrecht behauptete. 

In warmem Kalkwasser verursachen Kotmassen zwar Trübung der 
Flüssigkeit innerhalb 6 Stunden, aber die abgebröckelte und zu Boden sinkende 
Schicht ist nicht grösser noch die Form und das Aussehen der Kotwurst 
veränderter als bei blossem Wasser. Woher die Empfehlung als Lösungs¬ 
mittel stammt, habe ich aus der Litteratur nicht nachweisen können, obgleich 


1) S. Schönhorn, Dissert. inaug. 1897 Würzburg. 

2) Fleiner, Münchener med. Wochenschrift 1895. 


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111 


die Erweichung von Croupmembranen nach Küchenmeister und Kalk- 
wasserklystieren unter Zusatz von Haferschleim bei Colitis und Dysenterie be¬ 
kannt ist. 

Brachte ich hingegegen drei trockeneKotpfröpfe in eine 10% Seifenlösung 
(10 g: 100 g Wasser) von Körperwärme, so hatten sich schon nach 3 Stunden 
die Pfropfe vom Boden des Glases erhoben und waren in eine dickbreiige 
Masse, welche von trüber Seifenschicht überzogen war, verwandelt; die ge¬ 
lockerten Massen berührten sich, waren aber noch nicht in einander über¬ 
gegangen, überdies bedeckte ein 3 mm hohes Sediment den Boden des 
Glases und das Wasser war tief dunkelbraun. Nach 5 Stunden hatte sich 
die Breiform mehr ausgedehnt, überall traten Gasblasen hervor, die ganze 
Masse gährte, presste den Kork in die Höhe und Wasser floss aus. 

Glycerin bot einen sichtbaren Effekt auf die Kotsäule, indem sich 
die äussere Furchung, welche der Darm den Fäces bei der Configuration 
aufdrückt, vertieft und verbreitert und schliesslich grobe Brocken durch Zu¬ 
nahme der Furchen bei längerer Einwirkung abfallen; am Boden des Ge- 
fässes lagen nur vereinzelte Bröckchen, welche den der Glaswand anliegenden 
Randpartien entstammten. Glycerin färbt sich braun, das Volum der Kot¬ 
masse bleibt unverändert. 

Zum Schluss habe ich noch zwei Mischungen, Glycerin mit Seifen¬ 
wasser und Oelemulsion in 1 % Sodawasser, welche zu Irrigationen bei 
Kotstagnation häufiger angewandt werden, untersucht. Da Glycerin offen¬ 
bar anders als Seife wirkt, indem jenes einzelne Brocken bildet und diese 
wirklich erweicht, so glaubte ich die Einwirkung durch Verbindung beider 
Mittel, von 1 Esslöffel Glycerin zu 100 g 10% Seifenlösung, steigern zu 
können. Das Resultat entsprach nicht ganz der Erwartung; Seife umgiebt 
die ganze erweichte und durch Furchen zerklüftete Masse, welche äusserst 
schlüpfrig ist, der Glaswand dicht anliegt und gegen den Kork nach oben 
drückt; auch lag ein V 2 cm hohes Sediment am Boden, aber Glycerin und 
Seife bleiben nicht lange gemischt, das Glycerin senkt sich grossenteils nach 
unten und die Seifenlösung umgiebt den schwimmenden Kotballen. — 
15 g Mohnöl, in Sodawasser zur Emulsion gerührt, verändert die Skybala 
im äussem nicht auffallend, indem sie weder gequollen noch vergrössert er¬ 
scheinen, das Wasser sieht sehr braun aus, Oel scheidet sich zuletzt ebenfalls 
wie vorhin Glycerin aus, und einzelne Randpartieen sind uneben und spär¬ 
liche Brockel liegen am Boden. 

Dass solche und ähnliche Mischungen und Emulsionen für die Appli¬ 
kation entleerender Einläufe und das Schlüpfrigmachen des Darminhaltes und 
der Darmwand nicht gleichgültig sind und es den austreibenden Kräften der 
Peristaltik und Bauchpresse erleichtern, den eingetrockneten Kot fortzu¬ 
schaffen, unterliegt keinem Zweifel; aber als Erweichungsmittel besitzen sie 
keinen Wert 

Nach den wenigen, aber ausreichenden Versuchen hatte Seifenwasser 
in nicht zu starker Verdünnung den besten Lösungserfolg; Glycerin zerlegte 
das Ganze in grobe Brocken; Glycerin und Seifenlösung lieferten das grösste 
Sediment am Boden des Glases. Wenn auch die Versuchsdauer meist mit 
6 Stunden abgeschlossen war, so genügte dieser Zeitraum, um die Wirkung 


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in dieser Richtung evident zu messen. Die Nachprüfung in der Praxis hat 
überall die experimentellen Resultate, wenn man davon reden will, bestätigt. 
Will man nur auf den untersten Darmabschnitt bei hartnäckiger Kotstagna¬ 
tion einwirken, so genügen kleine Quantitäten und wirken besser als grosse, 
da sie lange zurückgehalten werden, während grosse gar nicht eindringen. 


Referate* 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 


Hirschfeld, F.: Zur Prognose der Glycosurie und des Diabetes. (Berl. klin. Wochen- 

schr., Nr. 25. 26.) 

H. ist auf Grund seiner an etwa 250 Kranken gewonnenen Erfahrungen 
bezüglich der Prognose des Diabetes in einigen Punkten zu anderen als den »allge¬ 
mein herrschenden« Anschauungen gekommen. Es zeigt danach die Glycosurie eine 
grosse Labilität, und zwar sind — besonders in leichteren Fällen — die Besse¬ 
rungen häufiger als die Verschlimmerungen. In denjenigen Fällen, in denen 
etwa ö /ß der genossenen Kohlenhydrate noch zersetzt werden, — ganz selbstverständ¬ 
lich ist eine Bilanz der absoluten Mengen der Kohlenhydrate in Einnahme und Aus¬ 
gabe aufzustellen und nicht nur der »Prozentsatz im Urin heranzuziehen, wie das un¬ 
begreiflicherweise immer und immer wieder bisweilen geschieht — ist zu erwarten, 
dass die Assimilationsgrenze im Laufe weniger Monate, und zwar um so eher, je 
jünger die Krankheit, sich soweit hebt, dass eine relativ grosse Menge kohlen¬ 
hydrathaltiger Speisen dauernd erlaubt werden kann. Spontane Verschlimmerungen, 
d. h. ohne äussere Veranlassung, kommen fast nur bei jüngeren Leuten vor. 

Acetonurie, die im allgemeinen im Gegensatz zur Glycosurie zur Ver¬ 
schlimmerung tendiert, verschlechtert die Prognose, ebenso die verminderte Re¬ 
sorptionsfähigkeit im Darmtractus. Von äusseren Ursachen trüben besonders In¬ 
fluenza (Coma!), Koliken im Leib (Pankreas?), ferner Auftreten von Carbunkeln, 
Furunkeln, gangränösen Prozessen die Aussicht; das Vorhandensein der letzt¬ 
genannten Affektionen an sich gestattet indess kein zuverlässiges Urteil bezüglich 
der Schwere der Erkrankung. Auch psychische Alterationen, körperliche Schmerzen 
irgendwelcher Art erhöhen unter Umständen die Zuckerausscheidung. 

Verminderter Leistungsfähigkeit des Herzens ist mit Herabsetzung der 
Kohlenhydrataufnahme zu begegnen, die oft schon durch Minderung der Polyurie 
und consecutivei Entlastung des Kreislaufsystems den Zustand bessert. Bei 
leichten Fällen von Diabetes ist nicht so sehr, wie das häufig geschieht, auf eine 
Ueberernährung hinzuarbeiten, dagegen die Muskelthätigkeit energisch zu fördern. 

Die Polyurie ist ein mitunter, allerdings mit Vorsicht zu verwertendes, 
Symptom der Verschlimmerung der Funktionsstörungen. 

Der klinische Verlauf ist bei der einfachen Glycosurie und dem echten 
Diabetes genau derselbe. Das, z. B. von Roque, als für erstere gegenüber der 
Zuckerkrankheit als charakteristisch in Anspruch genommene Fehlen von Polyurie oder 
nervösen Beschwerden lässt sich keineswegs differentielldiagnostisch verwerten; nach 
Hirschfeld existiert eine scharfe Grenze überhaupt nicht. In strittigen Fällen, 
z. B. bei Begutachtung für die Aufnahme in Versicherungen ist ein sicheres Ur¬ 
teil über die Prognose erst nach wiederholter Untersuchung über die Möglichkeit 
der Erhöhung der Toleranz abzugeben. 

Pickardt (Berlin). 


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Neumann, F.: Vier Fälle von Zuckerharn nach Unfällen. (Monatsschr. f. Unfallheil¬ 
kunde. April). 

Bei dreien der vier beschriebenen Fälle ist die Möglichkeit eines Zucker¬ 
gehalts des Harnes.vor dem Unfälle nicht völlig sicher auszuschliessen, weil sie 
erst nach dem Unfall in die Behandlung kamen, der Harn auf Zucker vorher 
nicht untersucht war. In einem Fall jedoch war am Unfallstage der Ham zucker¬ 
frei gefunden. Höchst unwahrscheinlich ist, dass es hier um ein intermittierendes 
Vorkommen von Zuckerharnen mit Schwankungen von 0,6% und gerade am Un¬ 
fallstage um ein freies Intervall sich gehandelt habe. Auch bei den drei übrigen 
Fällen spricht nichts dafür, dass vor dem Unfälle schon Zuckerhamen bestanden 
habe. Der Schwund des Zuckergehaltes ohne besonderes intensives Heilverfahren 
macht vielmehr wahrscheinlich, dass der vorübergehende Zuckergehalt durch eine 
ebenfalls vorübergehende, durch den Unfall hervorgerufene Störung des Centrums 
der Zuckerbildung bedingt war. Bezüglich der Art des Unfalles stützen die vier 
Beobachtungen Senators Ansicht, dass es zum Entstehen von Zuckerhamen 
durchaus nicht einer »direkten Schädigung der den Zuckerstoffwechsel regelnden 
Organe (verläng. Mark, symp. Ganglien, Halsmark) bedürfe«. Kopf oder Wirbel¬ 
säule brauchen nicht, wie in 3 Fällen, eine unmittelbare Schädigung zu erfahren, 
ohne dass freilich Bewusstseinsstörungen und sonstige Zeichen einer Verletzung 
oder Erschütterung des Hirns und Rückenmarks Vorlagen. Eine heftige Erschütte¬ 
rung des ganzen Körpers (Fall IV) kann die Verrichtung der die Zuckeraus¬ 
scheidung regelnden Nervencentren stören. Nur in einem Falle scheint eine dia¬ 
betische Anlage zurückgeblieben zu sein, da nach Darreichung von Traubenzucker 
dieser teilweise im Harn wieder ausgeschieden wurde (positiver Ausfall der ali¬ 
mentären Glykosurie). 

v. Boltenstern (Bremen). 


Orlowski, W.: Vergleichende Untersuchungen über Urotropin, Piperazin, Lysidin, Uri- 
cedin und Natron bicarbonicum bei der harasauren Diathese. Aus dem Labor, 
der therapeut. Hospitalklinik v. Prof. Pasternacki, St. Petersburg. (Ztschrift f. 

kl. Med.; B. 40, H. 3. 4). 

O. kommt auf Grund seiner chemisch- und Tier-experimentellen Versuche 
mit den angeführten Mitteln zu folgenden Resultaten: 

Das Urotropin hat sowohl in Wasser wie im Urine gelöst bei Körper¬ 
temperatur (37,5° C.) nur eine geringe harnsäurelösende Wirkung, teilt aber nach 
seinem Passieren durch den Körper dem Harne eine stark hamsäurelösende 
Eigenschaft mit, wobei die Ausscheidbarkeit der Harnsäure im Harne infolge des 
Urotropins auf Null reduciert wird. Diese Eigenschaften des Mittels beruhen auf 
der Abspaltung des Formaldehyds im Organismus, welcher mit der Harnsäure 
leicht lösliche Verbindungen bildet. 

In den Wasserlösungen (37,5° C.) hat Lysidin die grösste harnsäurelösende 
Eigenschaft, nach ihm in absteigender Linie Piperazin, Natron bicarbonicum, Uro¬ 
tropin und Uricedin. Im Harne gelöst dagegen üben Lysidin, Piperazin, Uricedin 
und Natron bicarbonicum keinen Einfluss auf seine harnsäurelösende Eigenschaft 
aus, vergrössem nicht nach ihrem Durchgänge durch den Körper die ham¬ 
säurelösende Kraft des Harnes und vermindern nicht seine Harnsäureausscheid- 
barkeit. Bei den an Tauben erzeugten Hamsäureablagerungen (subcutane Injektion 
von 0,005 Kali chromicum) vermochte Piperazin die Entstehung dieser Ablagerungen 
und die schon bestehenden Harnsäureniederschläge zu stören und war nur in 
dieser Beziehung in den Harnwegen unwirksam, während alle anderen Mittel 
vollkommen versagten. 

Hagenberg (Göttingen). 


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Lewandowsky, M.: Ueber die Woener’sche Methode der Hamsäurebestimmung. I. tned. 

Kl. Berlin Geh. R. v. Leyden. (Zeitschr. f. kl. Med., B. 40, H. 3. 4.) 

Die Hopkins* sehe Methode der Hamsäurebestimmung, welche in einer 
Fällung der Harnsäure als Ammonurat besteht, lässt gelegentlich im Stiche, und 
dies wird auch keineswegs durch die Woernersehe Modifikation beseitigt, die 
darin besteht, dass die Fällung der Harnsäure als Ammonurat nicht in der Kälte, 
sondern in der Wärme geschieht. Der Niederschlag wird dann auf dem Filter mit 
Ammonsulfat gewaschen, mit Natronlauge gelöst und, nachdem das Ammoniak 
durch Eindampfen auf dem Wasserbade verjagt ist, der Stickstoffgehalt des Nieder¬ 
schlages nach Kjeld ah 1 bestimmt. 

Der Grund dieser gelegentlichen Ungenauigkeit der Hopkins-Woerner- 
schen Methode liegt darin, dass die Acidität des Harns von entscheidender Be¬ 
deutung ist, dass nämlich Ammonurat bei einem gewissen Aciditätsgrade wieder 
löslich ist. Es ist daher nötig, bei der Benutzung dieser Methode den Ham ent¬ 
weder vor der Bestimmung der Harnsäure zu titrieren und die Acidität zu regu¬ 
lieren oder ihn einfach zu neutralisieren. Nach Versuchen L.*s liegt die Aciditäts¬ 
grenze etwa zwischen 3,0 und 3,3 ccm Normalsäure für 150 ccm. 

Unter diesen Bedingungen hat der Verf. in allen Fällen constante Werte 
erhalten. 

Hagenberg (Göttingen). 


Weber, F. Parkes: Reflex salivation from abdominal disorders. (Edinbourgh Medical 

Journal, April.) 

Der Verfasser knüpft einige hochinteressante Bemerkungen über Reflex¬ 
vorgänge an folgenden Fall: Ein ganz gesunder Mann in mittleren Jahren 
leidet von Jugend auf an gelegentlich auftretenden Anfällen von heftigem 
Speichelfluss. Ein heisser Strom geschmackloser Flüssigkeit füllt dann den 
Mund und, besonders beim Versuch dieselbe zu schlucken, entsteht ein 
unangenehmes Gefühl im Hals und Neigung zu Ructus ohne wirkliche 
Nausea. Das allgemeine Unbehagen während des Anfalls ist oft sehr gross, 
besonders wenn Pat. gehen oder stehen muss. Die Anfälle kommen meistens bei 
energischer Körperbewegung nach einer etwas grösseren Mahlzeit. Einschränkung 
der Mahlzeit z. B. vor beabsichtigtem Fussballspiel verhindert den Anfall. Der 
Pat. selbst hat ausfindig gemacht, dass er seinen Anfall fast augenblicklich coupieren 
kann, wenn er sich vollständig flach auf den Rücken legt. Hinsetzen war nicht 
genügend. Sollte der Anfall nicht wieder kommen, so musste er etwa eine Viertel¬ 
stunde auf dem Rücken liegen. — Der Kranke hatte zeitweise Zeichen von Atonie 
des Magens und so giebt Weber folgende Erklärung der Anfälle: In sitzender 
oder aufrechter Lage wird der vielleicht schon durch die Speisen überdehnte 
Magen nach unten gezogen, übt so einen Reiz oder Zug auf Nervenfasern aus 
und verursacht so reflektorisch den Speichelfluss. Vielleicht mag auch eine Ab¬ 
knickung des Duodenums und vorübergehender Pylorusverschluss zu noch grösserem 
Nervenreiz Anlass geben. In der Rückenlage aber muss das Abwärtsziehen durch 
den Magen und damit die reflektorische Salivation aufhören. 

Der Fall ist wichtig, weil er zeigt, dass jeder Fall von Speichelfluss für sich 
studiert werden muss, wenn man der richtigen Ursache und Behandlung auf die Spur 
kommen will. Auch der Vater des Pat. litt an gelegentlichem abnormen Speichelfluss; 
hier standen die Anfälle aber in Connex mit subjectiven gastrischen Störungen und 
verschwanden von selbst innerhalb 10 Minuten, ohne dass der Kranke sich hinzu¬ 
legen brauchte. In einem andern Fall von Audebert war der Speichelfluss Folge 
der Retroflexion des graviden Uterus und verschwand mit Behebung derselben. 
Und so können noch die verschiedensten Störungen des Magens und der Bauch¬ 
organe überhaupt Speichelfluss veranlassen. Weber möchte diesen Vorgang als 
»verfehlten oder zwecklosen Reflex« (>mistaken, purposeless reflex action«) be- 


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zeichnen im Gegensatz zu den gewöhnlichen zweckdienlichen Reflexvorgängert 
und führt dafür noch ein paar andere Beispiele an. Erbrechen, vermehrte Peri¬ 
staltik, übermässige Secretion der Därme, des Magens, der Speicheldrüsen können 
alle erklärt werden als Versuche des Organismus, den Verdauungskanal von 
schädlichen Stoffen zu befreien. Sind diese Vorgänge Folge von Reizungen im Ver¬ 
dauungskanal selbst, so hätte man sie als zweckdienliche Reflexe anzusehen, sind sie 
aber reflektorisch durch andere Störungen im Abdomen hervorgerufen, so würde 
Weber sie im Allgemeinen als Beispiele von »scheinbar zwecklosen« oder ver¬ 
fehlten Reflexvorgängen ansehen. 

A. Hesse (Hamburg). 

Colombini, P.: Un caso di stomatite gonoeocciea. (Ueber gonorrhoische 
Stomatitis). Supplemento al Polinico, Anno VI, Nr. 30, S. 947. 

Diese Krankheitsform wurde bei einem Weibe beobachtet, wobei die 
ersten Symptome in einem Gefühl von Trockenheit und Schmerz in der Mund¬ 
höhle bestanden; später gesellten sich hinzu vermehrte Speichelsecretion, heftiger 
Schmerz, widerwärtiger Geruch der ausgeatmeten Luft. — Nach einigen Tagen 
Kauen unmöglich. Die an der Mundschleimhaut wahrnehmbaren Veränderungen 
waren durch eine exquisite rote Färbung der Schleimhaut selbst bedingt, ferner 
durch beträchtliche Schwellung der Zunge und durch die Gegenwart rundlicher, 
verschieden grosser, schmutzig weisser Flecken sowohl an der Wangenschleimhaut, 
wie auf der Zunge und auf dem Zahnfleische. 

Die mikroskopische Untersuchung des mittels Abschabens solcher Flecken 
gewonnenen Materiales ergab mit Bestimmtheit, dass diese Veränderungen durch 
den N ei sser’sehen Diplococcus bedingt waren. — 

In 8 Tagen Heilung. — Bezüglich der Art der Infection wird nichts an¬ 
geführt. — 

Plitek (Triest). 


Jung, Franz A. R.: A contribution to the diagnosis of diverticula in the lower part of 

the oesophagus. (American Journal of the Medical Sciences. April). 

Nach einer kurz gefassten Wiedergabe des bisher über wahre Divertikel 
des unteren Oesophagus-Drittel Bekannten, bespricht Verf. die Schwierigkeiten der 
Diagnose. Selbst die neueste Methode, die von Rumpel, lässt im Stich (gleich¬ 
zeitige Einführung eines im unteren Teil mit vielen kleinen Löchern versehenen 
Magenschlauches und einer dünnen einfachen Oesophagussonde), da der Beweis, 
ob der Magenschlauch wirklich im Magen war, nicht zu erbringen ist. Um dies 
zu ermöglichen, hat Jung den Rumpel’sehen Apparat dadurch vervollkommnet, 
dass er in den Magenschlauch eine dünne nur mit 2 Löchern am Ende versehene 
Sonde einschiebt. Dieselbe ist aus weichem Metall hergestellt und erlaubt so auch 
die Anbringung einer Mercier-Krümmung, die zum Auffinden des richtigen Weges 
oft wesentlich ist. Unter Benutzung dieser eingeschachtelten Sonde ist es jeder¬ 
zeit möglich, Magensaft zu aspirieren, ev. nach vorheriger Verdünnung mit etwas 
Wasser, und so den Beweis für Angelangtsein im Magen zu erbringen. Zweitens 
aber kann der Magen so nach Belieben gefüllt und auch wieder entleert werden. 
Bei Anwendung von Rumpels Magenschlauch allein, war wegen der höher 
oben angebrachten Löcher weder Aspirieren noch Entleeren möglich; entleerte 
sich trotzdem Wasser, so war das eben ein Zeichen, dass der Schlauch nicht 
bis in den Magen gelangt war. 

Zur Unterscheidung von Dilatation und Divertikel des Oesophagus dient 
nun, dass bei der ersteren das Wasser durch den äusseren Magenschlauch in den 
Magen läuft, ohne durch den eingeschobenen inneren behindert zu sein; im Falle 
eines Divertikels aber bleibt ein gewisses Quantum Wasser in der Ausbuchtung 
desselben und kann durch den dritten ins Divertikel eingeführten Oesophagus- 


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schlauch abfliessen und gemessen werden. Ein paar beigegebene einfache Zeich¬ 
nungen machen die Sache sofort verständlich. 

Jung beschreibt zwei von ihm mit allen Hilfsmitteln der Diagnostik genau 
beobachtete Fälle von tiefem Divertikel, in denen besonders durch die von ihm 
angegebene Methode die Diagnose zur Gewissheit erhoben wird. 

Uebrigens kann zur Unterscheidung von Dilatation und Divertikel auch der 
Umstand dienen, dass nur beim Divertikel Massen erbrochen werden, die 2 Tage 
vorher genossen wurden, während später genossene bleiben. 

Bei Spasmus oesophagi empfiehlt Jung, es anstatt mit Morphium oder 
Chloroform oder ähnl., mit Kohlensäure zu versuchen, die eine zweifellose Ein¬ 
wirkung auf die Innervation der Muskulatur habe. Er giebt entweder Seidlitz* 
Brausepulver oder brausendes Bromwasser. 

A. Hesse (Hamburg'). 

Guttentag (Stettin): Ein Fall von idiopathischer Erweiterung des Oesophagus im unteren 
Abschnitt (Münch, med. Wochenschr., Nr. 23.) 

Die spärliche Kasuistik von idiopathischer Oesophagusektasie — in den 
meisten in der Litteratur verzeichneten Fällen von diffusen spindelförmigen Er¬ 
weiterungen des Oesophagus handelt es sich um Sekundäraffektionen, d. h. um 
eine Ektasie auf Grund einer Stenose oder infolge von Cardiaspasmus — be¬ 
reichert Verf. um eine von ihm gemachte Beobachtung, die einen 17jährigen Pa¬ 
tienten betrifft. Nach Mitteilung der ausführlichen Krankengeschichte geht Verf. 
kurz auf die Differentialdiagnose zwischen diffuser, spindelförmiger Ektasie und 
Divertikel ein, die nicht immer ganz leicht ist; auch die Entscheidung, ob die 
Ektasie eine angeborene oder erworbene ist, kann grosse Schwierigkeiten 
machen. In dem vorliegenden Falle nimmt G. eine erworbene Ektasie an, da 
sich die Erscheinungen — Schluckstörung, Schmerzen beim Schlucken, Wieder¬ 
auswürgen unveränderter Nahrung — erst im 12. Lebensjahre des Patienten ent¬ 
wickelt haben, und zwar im Anschluss an eine Obstmahlzeit. G. erklärt sich die 
Entstehung der Ektasie nun so, dass es infolge des heftigen Schluckens zu einer 
übermässigen Dehnung der Oesophagusmuskulatur gekommen sei, welche eine 
dauernde Schädigung derselben hinterlassen habe, in ähnlicher Weise wie sich an 
eine akute Ueberdehnung des Magens eine Atonie und atonische Ektasie an- 
schliessen könne. Eine Stenose sowie Cardiaspasmus Hessen sich auf Grund der 
klinischen Symptome mit Sicherheit ausschliessen. 

Die Therapie der diffusen Oesophagusektasie hat in erster Linie auf eine 
ausreichende Ernährung Bedacht zu nehmen (Sondenemährung, Rektalemährung, 
Gastrostomie); bei den erworbenen Ektasieen kommt ausserdem noch eine auf 
die Muskulatur tonisierend einwirkende Behandlung in Betracht (Galvanisation etc.), 
daneben regelmässige Ausspülungen des Sackes (bei stärkerer Sekretion mit Ad- 
stringentien). 

Schade (Göttingen). 

v. Aldor, L.: Ueber die künstliche Beeinflussung der Magensaftseeretion. 
Aus der internen Abteilung des St. Stephan-Spitals i. Budapest. Director Prof. 
Koloman Müller. Primarius Prof. v. Koränyi. (Ztschrift f. kl. Med., B. 40, 

H. 3. 4.) 

Riegel hat durch seine Versuche gezeigt, dass das Atropin nicht nur die 
Menge des secemierten Magensaftes herabsetzt, sondern dass auch die Säurewerte 
in demselben geringer werden. A. prüfte diese Versuche an 6 Kranken nach, in¬ 
dem die auf ganz gleiche Diät gesetzten Kranken an dem einen Tage nur ein 
Probefrühstück, am anderen, gleichzeitig mit diesem, 0,0005 — 0,001 Atropin sub- 
cutan erhielten. Es wurden in dem nach einer Stunde exprimierten Mageninhalte 
nicht nur die freien Salzsäure- und Gesamtaciditätswerte, sondern auch die Pepsin- 


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werte ermittelt. Es zeigte sich dabei, dass allerdings dem Atropin ein edatanter 
Einfluss auf die Magensaftsecretion zukommt, der sich sowohl in einer’ Herab¬ 
setzung des Gehaltes an Salzsäure wie an Pepsin äusserte, dass aber infolge der 
Angewöhnung an das Mittel bald eine Verminderung, ja ein gänzliches Ausbleiben 
der Wirkung eintrat. Ein weiterer Nachteil liegt in einer Herabsetzung der mo¬ 
torischen Kraft des Magens, so dass aus diesen Gründen bei Zuständen von 
Hyperchlorhydrie kaum das Atropin in praxi Anwendung finden kann. 

Vollständig ohne Erfolg blieb die Darreichung von Jodkali, welches in 
Dosen von 0,5—1,5 mit dem Probefrühstück gegeben wurde. 

Anders sind die Resultate bei 25 Kranken nach Verabfolgung von Zucker¬ 
lösungen (Dextrose, 60 g), unter deren Einflüsse die freien Salzsäüre-Gesamt- 
aciditats- und Peptonwerte sich verminderten, und am auffälligsten der freie Salz¬ 
säurewert. Dies letztere findet seine Erklärung in der Salzsäure bindenden Eigenschaft 
des Zuckers, welche bei den einzelnen Zuckerarten verschieden gross und bei der 
Lävulose am ausgeprägtesten ist. 

Die Zuckerlösungen, bes. Lävulose, verdienen es daher in solchen Fällen 
von Hyperchlorhydrie, welche nicht mit Gährungsvorgängen compliciert sind, An¬ 
wendung zu finden. 

Hagenberg (Göttingen). 


Gilbert u. Chassevant: Ueber eine neue chemische Klassifikation der dyspeptischen 

Erkrankungen. (Compt. Rend. de la Societe de Biologie, Nr. 17, 18, Mai.) 

Bisher sind folgende grosse Typen der Dyspepsieen aufgestellt worden. Die 
Hyperacidität und Anacidität in Deutschland und die Hyperchlorhydrie und die 
Anachlorhydrie in Frankreich. Die quantitativen Unterschiede der Pepsin- und 
Labsekretion sind bisher weniger studiert worden, ln Frankreich hat Hayem eine 
Methode ausgearbeitet, um die Sekretion der Chloride zu untersuchen. Er nennt 
Hyperpepsie die Vermehrung der Salzsäure, die Hypopepsie die Verminderung. 
Auf Grund ihrer Untersuchung kommen die Verff. zu dem Resultat, dass man 
folgende Einteilung machen muss: 

Hyperchlorhydrie mit Hyperpepsie 

do. do. normaler Pepsinbildung 

do. do. verringerter do. 

Normale Salzsäure-Ausscheidung mit vermehrter Pepsinsekretion 
do. do. do. und normale Pepsin-Ausscheidung 

do. do. do. do. verringerte do. do. 

Verringerte do. do. do. vermehrte Pepsinbildung 

do. do. Bildung do. normale do. 

do. do. do. do. verringerte do. 

Blumenthal (Berlin). 


Siringo, G.: Nuovo apparecchio per il dosamento delF acido cloridrico. (Neues Ver¬ 
fahren zur Bestimmung der HCl.) II Morgagni, Parte II, Nr. 3, S. 39. 

Zur Bestimmung der freien und gebundenen HCl glaubt S. im Natrium¬ 
salz des Nitrohydrooxydamins ein Reagens gefunden zu haben, das selbst Spuren 
HCl aufdeckt. Die Reaktion, auf der die Methode fusst, ist folgende: 

Na, N*0 3 -f 2 HCl = 2 Na CI + H a O + 2 NO. 

Die Salzsäure, selbst in verdünnter Lösung, zersetzt obige Salze unter Entwicklung 
von Stickstoffdioxyd; organische Säuren (Essigsäure, Milchsäure u. a.) in verdünnter 
Lösung und saure Phosphate werden durch die Reaktion nicht berührt. — S. be¬ 
dient sich einer mit Teilstrichen versehenen Glasglocke von 15—20 ccm Fassungsraum. 

Dahinein werden 5 ccm Mageninhalt gebracht, der Rest wird mit Hg gefüllt, 
die Glocke umgedreht und in eine mit Quecksilber gefüllte Schale gethan. In die 
Glocke kommt nun etwas Na* N s O a , und nach einigen Minuten kann man an der 


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Scala die Anzahl ccm von gebildetem NO ablesen. Dabei muss, um Fehlerquellen 
zu meiden, die Möglichkeit nicht ausser Acht gelassen werden, dass etwas NO im 
H a O aufgelöst wird. Mit dieser Methode hat S. HCl in einer Menge von l°/o 0 
in einem Falle nachgewiesen, wo das Günzburg’sche Reagens negativen Be¬ 
fund darbot. 

Plitek (Triest). 


Rubin: Ueber eine neue Methode der Schwefelwasserstoffbestimmung im Magen¬ 
inhalte. (Medycyna, Nr. 24 u. 25.) 

Eswerden z. Zt. zur Bestimmung des H 4 S im Magen 2 Verfahren verwendet: Der 
Nachweis vermittels des Riechorganes und die Methode mit Plumbum aceticum. 
Ersteres ist subjektiv und fällt nur bei grossen Mengen H a S positiv aus. Letzteres 
hat den Nachteil, dass man das Reagens nur dem ausgeheberten, folglich dem 
Lufteinfluss ausgesetzten Mageninhalte beimischen darf, der Schwefelwasserstoff 
dagegen als flüchtiges Gas sofort entweicht, was falsche Schlüsse verursacht. 
Sicherer soll die vom Verf. empfohlene Bismuthmethode sein. Patient erhält 1 
bis 2 Stunden vor der Ausheberung 0,5—1,0 g. Magistern bismuthi, wobei sich 
der Mageninhalt dunkel verfärbt präsentiert und unter dem Mikroskope dunkle, 
selbst schwarze Kiystalle aus Schwefelbismuth bestehend, die ein charakteristisches 
Aussehen haben, enthält. Die dunkle Farbe des Mageninhaltes bei Patienten, die 
Bismuth erhalten und H 2 S produzieren, kann event. eine Blutung Vortäuschen. 
Unter dem Mikroskop werden wir dabei aber obigen Befund, nicht die Haemin- 
krystalle nachweisen. 

In einem Falle stellte Verf. Anwesenheit von H*S trotz sicher diagnosti- 
certenMagenkrebses fest, was der entgegengesetzten Angabe von Boas widerspricht. 

Simon (Wiesbaden). 

Traina, V.: Sülle modifleazlonl della funzione motoria dello stomaeo e 
dell’ intestino nella febbre. (Ueber die Veränderungen der motorisehen 
Magen-Darmthätigkeit während des Fiebers.) Archivio di Farmacologia e 

Terapia Av. V—VIII. 

Im Fieberzustande besteht eine durch verminderte Erregbarkeit der Ganglien¬ 
zellen der Magenwand bedingte Abnahme in den Bewegungen des Magens, während 
die motorische Vagusthätigkeit auf den Magen und die der Tunica muscularis ven- 
triculi zukommende Erregbarkeit vollkommen intakt bleiben. — Man beobachtet 
auch Darmparese, bedingt durch Reizung der die Peristaltik hemmenden im Splan- 
chnicus verlaufenden Nervenfasern; auch hier wird die motorische Thätigkeit des 
Vagus auf den Darm nicht im mindesten tangiert. — Auf die Darmbewegung 
können im Fieberzustande diejenigen Heilmittel ihre Wirksamkeit entfalten, die 
entweder auf den Vagus oder auf die Darmmusculatur einwirken; während die 
Wirkung jener Heilmittel abgeschwächt oder gar aufgehoben wird, deren Wirkungs¬ 
kreis die Hemmungscentren der Peristaltik bilden. — 

Plitek (Triest). 


Evans, D. J.: On die aetiology of the nausea and vomitfng of pregnancy. (The Mont¬ 
real med. journ. Februar). 

Nach Verf. zeigen die Anfälle von Nausea und Erbrechen der Schwan¬ 
geren einen gewissen Rhythmus. Ebenso besteht in den Contractionen des Uterus 
während der Schwangerschaft ein Rhythmus. Sehr häufig bilden diese physio¬ 
logischen Contractionen der Muskelfasern des Uterus die essentielle erregende 
Ursache für die Paroxysmen von Nausea und Erbrechen der Schwangeren. 

v. Boltenstern (Bremen), 


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Wiemann: Zwei dunkle Fälle von Blutbrechen, nach Heben schwerer Lasten ent¬ 
standen. (Monatsschrift f. Unfallheilkunde. März). 

Die Möglichkeit, dass Einreissungen der Magenwand durch eine plötz¬ 
liche Anstrengung der Bauchpresse hervorgerufen werden können, wird meist zu¬ 
gegeben. Verf. teilt zwei einschlägige Fälle mit. Bei dem einen wurde ein trau¬ 
matisches Magengeschwür, bei dem anderen ein frischer Magenschleimhautriss 
vermutet. Das Trauma bestand bei beiden in heftiger Anstrengung der Bauch¬ 
presse beim Einheben eines aus dem Oeleise gesprungenen Wagens. Die klinischen 
Erscheinungen bestanden in Blutbrechen unmittelbar nach stattgehabter Verletzung, 
Aufstossen, Schmerzen in der Magengegend und blutigem Stuhl. Im ersten Falle 
wiederholten sie sich in mehrwöchentlichen bis monatlichen Pausen ca. 4 Jahre 
lang, bis schliesslich ein abermaliger Blutverlust den Tod herbeiführte. Im zweiten 
endigte die Erkrankung innerhalb 14 Tage durch Verblutung letal. Sicht- und 
nachweisbare Stellen des Blutaustritts konnten in beiden nicht gefunden werden. 
Im ersten Falle bestanden indes Varicen im unteren Speiseröhrenabschnitt, durch 
deren Platzen vielleicht die verschiedenen Blutungen entstanden sein könnten. Im 
zweiten Falle lagen derartige Veränderungen nicht vor. Ein Zeichen, eine Ursache 
für eine Blutstauung in den in Frage kommenden Organen Hess sich nicht fest¬ 
stellen. Sämtliche Organe zeigten ausser ihrer anämischen Beschaffenheit keinerlei 
krankhafte Veränderungen. Man ist also gezwungen anzunehmen, dass Blutungen 
und zwar starke Blutungen in den Magen stattfinden können, 
ohne dass bei der Section eine Veränderung der Magenschleim¬ 
haut oder irgend eine Quelle der Blutung sich nachweisen lässt. 

Wie diese Blutungen bei makroskopisch gänzlich intakter Schleimhaut Zu¬ 
standekommen, lässt Verf. unentschieden. Vielleicht spielt bei dem ersten Zu¬ 
standekommen das Trauma insofern eine Rolle, als während der heftigen An¬ 
spannung der Bauchpresse und der dabei erfolgenden Fixierung des Thorax in 
Inspirationsstellung der Druck im venösen Gefässsystem, speciell in der Bauch¬ 
höhle enorm erhöht wird. Jedenfalls müssen noch andere Momente mitwirken, 
zumal hierdurch nicht erklärt wird, warum die Blutung gerade in den Magen er¬ 
folgt und warum sie nach Pausen plötzlich und ohne vorausgegangene Anstrengung 
sich wiederholt. 

v. Boltenstern (Bremen). 


B&chmann, W.: Die Fettdiät bei Superaeidität. Aus der medic. Klinik zu 
Helsingfors. Prof. Runeberg. (Ztschr. f. kl. Med., B. 40, H. 3, 4.) 

Von einer Reihe von Autoren war schon auf die hemmende Einwirkung 
der Fette auf die Salzsäuresecretion des Magens aufmerksam gemacht, es bedurfte 
aber noch beweiskräftiger Untersuchungen. Die Untersuchungen wurden bei 
8 Patienten mit Hypersecretio continua in der Weise angestellt, dass der Magen 
derselben im nüchternen Zustande zuerst mit lauwarmem Wasser gespült wurde 
und darauf die Patienten die Probemahlzeiten einnahmen, den einen Tag ohne, 
den anderen Tag mit Fettzufuhr. Es ergeben sich folgende Schlussfolgerungen 
aus diesen Versuchen: 

Bei Zuständen von Superacidität ruft Fett (Butter, Rahm) in der Regel eine 
bedeutende Herabsetzung der freien Salzsäure hervor und übt auch mit der 
grössten Wahrscheinlichkeit auf die Gesamtsalzsäuresecretion einen hemmenden 
Einfluss aus. 

Eine grössere Verlängerung der Magenverdauung wird nach Fettzufuhr 
nicht bedingt, und zwar gilt dies ganz besonders, wenn der hohe Kalorieenwert des 
Fettes mit in Rechnung gebracht wird. Auf die Kohlehydratverdauung und die 
Pepsinabsonderung wird kein hemmender Einfluss ausgeübt. Es is daher das Fett, 


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namentlich in der Form von Butter und Rahm, als ein sehr zweckmässiger Nähr¬ 
stoff bei der Superacidität zu erachten. 

Hagenberg (Göttingen). 

Kiefer, F.: Beitrag zur operativen Behandlung des Magen- und Duodenalgeschwürs. 

(Münch, med. Wochenschr., S. 837.) 

An dem ersten der beiden Anregung bietenden Fälle, einem durch Ope¬ 
ration geheilten Magengeschwür mit Perforation, findet Verf. bemerkenswert, dass 
bei der Pat. Schmerzen in Scapula und Arm, sowie akut einsetzende Dyspnol 
auftraten, dass Morphiumgabe die Diagnose verschleierte und dass trotz ruhigster 
Lage und bei verhältnissmässig leerem Magen keine Tendenz zur Selbstheilung 
bemerkbar war; er tritt für Excision des Ulcus ein. Der 2. Fall, chronisches Duo¬ 
denalgeschwür durch Dmck einer verwachsenen mit Steinen gefüllten Gallenblase 
entstanden, wurde ebenfalls durch Excision geheilt, doch bleibt die Gastroentero¬ 
stomie oder die cirkuläre Resektion des geschwürigen Abschnittes das Verfahren 
der Wahl. Eine sichere Diagnose zu stellen war auch in diesem Fall von Duo- 
denalulcus unmöglich. Waldvogel (Berlin). 

Nicoll, H.: Case of perforating gastric ulcer successfully excised six days after Per¬ 
foration. (The Glasgow Med. Journ., April.) 

Die Symptome, welche die Pat. in den ersten Tagen darbot, sind nicht 
mit absoluter Notwendigkeit auf eine Perforation des Magenulcus zu beziehen, 
es ist unwahrscheinlich, dass die Anwesenheit von Mageninhalt im Peritoneum 
6 Tage lang so wenig Erscheinungen gemacht haben soll. Der Leib war ausge¬ 
dehnt, aber weich, und dabei fand sich freies Gas in der Bauchhöhle. Von einer 
Abkapselung durch Verwachsungen ist nichts erwähnt. Die Pat., welche nach der 
Operation doppelseitige Otitis media, »Phlegmasia alba« am linken Bein und septische 
Pneumonie der linken Seite durchmachte, muss, wie Verf. auf Grund der Heilung 
von all diesen Leiden annimmt, eine sehr grosse Immunität besessen haben. 

Waldvogel (Berlin). 

Soltau-Fenwick, W.: Perigastric and periduodenal abscess. (Edinbourgh Medical 

Journal, April.) 

Bespricht die Symptome, Verlauf, Diagnose u. s. w. des sich in der über¬ 
wiegenden Mehrzahl der Fälle an ein Ulcus ventric. anschliessenden perigastrischen 
resp. subphrenischen Abscesses an der Hand von 65 Fällen, wovon zwölf von 
ihm selbst beobachtet und genauer beschrieben sind. — Im zweiten Teil der Ar¬ 
beit ist der sich an ein Duodenalulcus anschliessende Abdominal-Abscess be¬ 
sprochen und zwar auf Grund von 22 Fällen, wovon 3 eigene. In mehr als 50 % 
dieser Bauchabscesse findet sich ein Tumor im rechten Hypochondrium oder in 
der Nabelgegend, während in ungefähr 30 °/o der Fälle der Eiter sich seinen Weg 
retroperitoneal in der Richtung nach der rechten Fossa iliaca hin bahnt 

A. Hesse (Hamburg). 

Ueber die künstliche Ernährung des Säuglings. Verein der Aerzte in Halle 
a. S. Sitzung vom 16. Mai u. vom 30. Mai. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 27.) 

In einem längeren Vortrage vereinigt C. Fraenkel alles Wissenswerte 
über die künstliche Ernährung des Säuglings. Ausgehend von den verschiedenen 
Methoden, die dem Ersätze der Muttermilch dienen, bespricht Vortr. eingehend 
das Verfahren der Pasteurisierung und der Sterilisierung. Die Bedenken, die 
Flügge gegen die letztere Art der Keimfreimachung geltend gemacht hat, kann 
er nicht teilen. Die Versuche, die er seit einer Reihe von Jahren mit der in Halle 
in den Verkehr gebrachten sterilisierten Milch angestellt hat, haben auf Grund 


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einer regelmässigen bakteriellen Prüfung ergeben, dass man die sterilisierte Milch 
dem Säugling ohne Bedenken verabreichen kann. Von sämtlichen in Zimmer¬ 
temperatur gehaltenen Proben sind überhaupt nur 5 und zwar erst nach längerer 
Zeit verdorben, von den im Brutschrank gehaltenen allerdings mehr (etwa 30%)» 
aber auch niemals vor Ablauf der 2. Woche. Ferner hat Vortr. bei zahlreichen an 
Kindercholera erkrankten Säuglingen die Faeces auf die Anwesenheit der von 
Flügge in der sterilisierten Milch angenommenen »Proteolyten« untersuchen 
lassen, doch stets mit negativem Resultat. Der Vortrag schliesst mit einer Ueber- 
sicht über die künstl. Nährpräparate, die in erster Linie für den kranken Säugling 
bestimmt seien, und mit dem Hinweis, dass man wenn irgendwo so bei der Aus¬ 
wahl einer Methode der künstlichen Ernährung des Säuglings streng individuali¬ 
sieren müsse. 

Aus der anschliessenden Diskussion ist folgendes hervorzuheben: 

Pott warnt vor der ausschliesslichen Anwendung der sterilisierten Milch, 
der er nur in der heissen Jahreszeit den Vorzug gebe. Die Thatsache, dass uns 
die Möller-Barlow’sche Krankheit eigentlich erst nach Einführung der sterili¬ 
sierten Milch bekannt geworden sei, ferner der Umstand, dass nach den Erfah¬ 
rungen, die man in Viehzüchtereien und Lympherzeugungsanstalten gemacht habe, 
die Kälber bei ausschliesslicher Ernährung mit sterilisierter Milch ständig an Ver¬ 
dauungsstörungen litten, müssten doch Bedenken erregen. — Fehling erinnert 
gegenüber der Angabe des Vortr., dass die Frauenmilch mit der Laktationsperiode 
ganz bestimmte Veränderungen in ihrer chemischen Zusammensetzung eingehe, 
an Versuche von Bau mm und II ln er, die ergeben hätten, dass die Milch inner¬ 
halb eines Tages stärkeren Schwankungen in ihrer chemischen Beschaffenheit 
ausgesetzt sei, als man bisher innerhalb von Wochen und Monaten gefunden 
habe. Demgemäss könne man eine frisch entbundene Amme auch einem älteren 
Säugling geben und umgekehrt. — Da nach den Untersuchungen von Bunge der 
Eisengehalt der Milch dem Bedürfnis des Säuglings nicht entspricht, so empfiehlt 
Hellwig, spätestens von Beginn des 2. Halbjahres ab, jeder Kuhmilchportion, 
welche der Säugling erhält, ein halbes Oelbei anzurühren. Die Erfahrungen, 
die er mit dieser Methode gemacht habe, seien ausgezeichnet. 

[Schade (Göttingen). 

Cohn, H.: Tannin- und Silberpräparate bei dem Darmkatarrh der Kinder. 
Aus der Dr. H. Neumann’sehen Kinderpoliklinik zu Berlin. (Therapie d. Gegen¬ 
wart. VII). 

In einer Anzahl von Fällen von acutem Darmkatarrh versagt das sonst so 
prompt wirkende Calomel, und bei derartigen Kranken ist die Anwendung von 
Protargol, welches bei ganz jungen Kindern 0,05/50,0 bei Kindern von einigen 
Monaten 0,1/50,0 theelöffelweise verordnet wurde, von ausgezeichnetem Erfolge 
begleitet gewesen. Bei dem dyspeptischen Stadium des Darmkatarrhes, in welchem 
seltenere, schleimige, grünliche Entleerungen auftreten, sind die Tanninpräparate, 
und aber auch nur in dieser Phase der Krankheit, von Nutzen. Von der Ver¬ 
wendung des Tannigens und des Tannalbins wurde wegen der Höhe des 
Preises und von der des Tanocols wegen seiner schlechten Löslichkeit in Wasser 
Abstand genommen. Gute Erfahrungen wurden dagegen mit der Darreichung des 
Tannoforms gemacht, welches jüngeren Kindern in Dosen von 0,25 (resp. 0,5) und 
älteren messerspitzenweise gegeben wurde. 

Protargol wie Tannoform sind zunächst stündlich in den erwähnten Dosen 
zu verabfolgen, bis die Entleerungen nachlassen, dann in absteigenden Gaben. 

Hagenberg (Göttingen). 

Fothergill, W. E.: Salol and petroleum in the treatment of infantile diarrhoea. (The 

medic. chronicle. April). 

Unter 71 Fällen von Sommerdiarrhoe bei Kindern im Alter von 2 

Nr. 5. 


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Monaten bis 2 Jahren: befanden sich nur 8 Brustkinder, von denen eins starb. 
Von den übrigen 63 starben 3. In 8 Fällen erzielte die alleinige Verordnung von 
Salol oder Petroleum kein befriedigendes Resultat, sodass eine Aenderung der 
Diät, ein Wechsel der Arzneimittel erforderlich war. In 36 Fällen, darunter bei 
4 Brustkindern, wurde Salol allein in drei- bis vierstündlichen Dosen von 0,03 bis 
0,2 gereicht. Zweimal verschlechterte sich der Zustand, trotz Aenderung der 
Therapie erfolgte der Exitus letalis. Sechsmal war der Erfolg mittelmässig. Die 
langsame Wiederherstellung machte endlich die Heranziehung von Wismuth und 
Opium erforderlich. 28 Kinder genasen allein unter Salolgebrauch; meist besserten 
sie sich sehr schnell; in 2—7 Tagen wurde der Stuhlgang normal. In ernsteren 
Fällen hörte das Erbrechen nicht gleichzeitig mit der Diarrhoe auf, in einigen 
wurde es sogar durch das Salol erzeugt, auch der begleitende Husten wurde wenig 
beeinflusst, erforderte eine besondere Behandlung. Die Pulverform des Medica- 
ments mag vielleicht als mechanisch reizendes Moment gewirkt haben. — Mit 
Petroleum in 33°/o Emulsion wurden 34 Kinder, darunter 4 Brustkinder, behandelt. 
Die gewöhnliche Dosis für ein einjähriges Kind enthielt 0,0012 Petroleum. Ein 
Fall endete letal trotz Einleitung einer anderen Therapie. In 2 Fällen war das 
Resultat nicht befriedigend. Nach Verlauf einer Woche wurde das Petroleum 
durch Salol ersetzt. Die übrigen 31 Patienten erholten sich schnell und völlig 
ohne anderweitige Therapie. Magenstörungen wurden niemals beobachtet. In 
der Regel hörte das Erbrechen bereits vor der Diarrhoe auf. Nach 2—3 Dosen 
wurden die Darmentleerungen weniger zahlreich. Geruch, Farbe, Consistenz der 
Faeces gewannen schnell die Norm wieder. Der begleitende Bronchialkatarrh 
wurde häufig günstig beeinflusst. 

v. Boltenstern (Bremen). 

Mansell Moullin: Preventive Operation in acute inflammation of the appendix. (Edin- 
bourgh Medical Journal. April). 

»Die Ereignisse abwarten, nicht ihnen vorgreifen«, war ein Satz, der Be¬ 
rechtigung hatte in früherer Zeit. Jetzt aber, wo die Probelaparotomie eine absolut 
gefahrlose Sache ist, sollte mit den alten Anschauungen gebrochen werden; bei der 
stets vorhandenen Möglichkeit einer plötzlichen Wendung zum Schlimmen und der 
Unmöglichkeit, den jeweiligen Stand der Dinge bei der Appendicitis zu ergründen, 
sollte die Autopsie in vivo mehr als bisher angewandt werden. 

Was giebt dem Patienten eine bessere Chance: eine kleine Probeincision 
in der rechten Fossa iliaca, ehe Eiterung oder Gangrän begonnen haben und 
Behandlung des Prozesses je nach seinem Zustand; oder zu warten in der vagen 
Hoffnung, dass schlimme Ereignisse ausbleiben werden und dass eine ev. ein¬ 
tretende Eiterung sich lokalisieren werde? Die Fälle, welche bei dem jetzigen 
zuwartenden Verhalten der Aerzte schliesslich doch wegen Eiterung, schmerz¬ 
haftem Exsudat oder beständigem Recidivieren der Anfälle zur Operation kommen, 
können bei der vom Verf. vorgeschlagenen Präventivoperation in den ersten zwei 
Tagen des Anfalles prognostisch nur gewinnen. In der grössten Mehrzahl der 
Fälle, wenn nicht in allen, ist es nach Ablauf von 36 Stunden möglich, zu ent¬ 
scheiden, ob der Anfall ein schwerer oder leichter sein wird. Die grosse Puls¬ 
frequenz vor allem, dann die Zunahme des Schmerzes, die Spannung des Leibes,, 
die grösser werdende Empfindlichkeit und Dämpfung oder das häufiger werdende 
Erbrechen, zusammen oder teilweise auftretend, weisen auf einen schweren Ver¬ 
lauf hin. Hier ist die Probeincision indiciert, solange es noch Zeit ist, die Quelle 
alles Unheils aufzufinden und zu verstopfen. 

Diese Präventivoperation während der ersten 36—48 Stunden ist nicht zu 
verwechseln mit der sog. Frühoperation am 4. oder 5. Tage. Letztere wird nach 
Einsetzen von Gangrän oder Eiterung ausgeführt, erstere soll sie verhindern. 

A. Hesse (Hamburg). 


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Perroncito: Larve dl sarcophlla ln un easo dl enterlte eronlea. (Larve 
von Sareophila bei einer chron. Enteritis.) Suppl. al Policlinico, Anno VI, 

H. 31, S. 968. 

ln der am 11. Mai stattgehabten Sitzung des Turiner Med. Vereines stellte 
P. Puppen und ausgewachsene Exemplare von »Sareophila magnifica Sebiener« 
(aus der Farn. Muscidae) vor, durch Züchtung von lebenden Larven erhalten, die 
bei einem Manne eine hartnäckige und schwere chronische Darmentzündung her¬ 
vorgerufen hatten. 

Plitek (Triest). 

De Rosa-Cotronei, 0. B.: Ricerche sperimentali intomo alla disinfezione a scopo chi- 
rurgico del retto mediante l’uso delF acqua ossigenata. (Experimentelle Untersuchungen 
über die zu chirurgischen Zwecken ausgeführte Desinfection des Rectums mittels 
H a O a -Aqua oxygenata.) II Policlinico Nr. 10, 15. V., S. 268. 

Die gewöhnlich zur Desinfection des Rectums verwendeten Substanzen 
sind in ihrer Wirkung ungenügend, für den Chirurgen öfters zeitraubend, und 
lästig für den Patienten. Seit einigen Jahren wurde in Frankreich im H a O a ein 
vorzügliches Mittel für die chirurgische Desinfektion der rectalen Schleimhaut ge¬ 
funden und hat sich R. C. der Mühe unterzogen, um das Mittel weiteren ärzt¬ 
lichen Schichten zugänglich zu machen, im Laboratorium experimentelle Unter¬ 
suchungen damit anzustellen. Letztere teilt der Autor in 3 Gruppen ein: 

1) Wirkung des H a O a — in verschiedener Concentration — auf verun¬ 
reinigtes Wasser, auf Skybala um zu erkennen, ob damit eine Sterilisation mög¬ 
lich sei. 

2) Wirkung des H a O a auf Culturen verschiedener Darmbakterien, auf deren 
Virulenz. 

3) Darmeingiessungen mit H a O a in verschiedener Concentration, um damit 
Sterilisation der Rectumschleimhaut zu gewinnen, und gleichzeitig dabei jene allge¬ 
meinen Störungen oder locale Veränderungen zu beobachten, die eventuell die 
so behandelten Tiere darbieten sollten. — 

Der Autor hat bei seinen Untersuchungen das gewöhnliche im Handel 
verkäufliche H a O a in verschiedener Verdünnung verwendet. — 

Die Schlussfolgerungen, zu denen R. C. gelangte, sind folgende: 

1) Das ziemlich saure H 2 O a kann mit Nutzen — ohne gerade Anspruch 
erheben zu wollen, dass es das Ideal der Desinfectionsmittel des letzten Darm- 
tractus wäre — zur Desinfection des Rectums verwendet werden. Es hat den 
Vorteil der Nichtgiftigkeit, des nicht üblen Geruches, und bei Anwendung auf die 
Schleimhaut absolut weder Schmerz noch irritative Erscheinungen auszulösen: in 
dieser Hinsicht ist es den übrigen Desinfectionsmitteln entschieden vorzuziehen. 

2) Bezüglich der Wirkung ist letztere um so kräftiger, intensiver, je grösser 
die dazu verwendete Menge und je länger die Dauer ist. — 

3) Es vernichtet vollständig die Virulenz aller jener Mikroorganismen, die, 
bei mittlerer Concentration des Mittels, von demselben nicht vernichtet werden. — 

Plitek (Triest). 

Ercolani, Giovanni: Deila tossieitä della bile nelle asfissie lente. (Ueber 
Toxieität der Galle bei langsamer Asphyxie.) Rivista Veneta di Scienze 
Mediche, Anno XVIII, fase. VII, Tomo XXXII, S. 308. 

Die Leber ist nicht nur als Schutzorgan gegen äussere Gifte zu betrachten, 
sie ist auch als wirksame Schutzwehr gegen im Organismus gebildete Gifte anzu¬ 
sehen, mögen letztere als Produkt des Zellenlebens oder der Darmfäulnis ent¬ 
standen sein: in beiden Fällen werden die giftigen Substanzen, wenigstens zum 
Teile, durch die Galle ausgeschieden. — Es ist natürlich, dass unter pathologischen 
Zuständen die Galle einigen Veränderungen unterworfen wird. E. hat sich nun 

Nr. 5. 


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vorgenommen, die Frage zu beantworten, in wie weit die vermehrte Toxicität der 
Galle von der Zunahme der Gallenpigmente und von der Bildung toxischer 
Substanzen abhängig wäre. — Um einwandfreie Ergebnisse seiner Untersuchungen 
zu haben, stellte er die Versuchstiere in einen Kasten, in dem er den Zutritt der 
Luft nach Belieben regeln konnte, und sie so in fortwährendem Zustande der 
Dyspnoe erhielt. Auf die weiteren Einzelheiten der Technik des Versuches hier 
näher einzugehen, würde wohl den Rahmen eines Referates weit übergreifen. — 
Hier die Schlussfolgerungen: E. glaubt, dass der asphyktischen Galle eine höhere 
Toxicität zukommt als der normalen, und der Grund davon wäre zweifelsohne in 
der Zunahme der Gallenpigmente zu suchen: zwischen der normalen und normal¬ 
entfärbten Galle besteht ein Verhältnis wie 1:4, d. h. um ein Kaninchen von 
1 kg Körpergewicht zu töten, ist eine 4 mal grössere Dosis decolorierter Galle zu 
verwenden, als eine Dosis normaler Galle. Zwischen der asphyktischen Galle und 
solcher entfärbten, besteht ungefähr das Verhältnis wie 1:3: mit anderen Worten 
wird ein Kaninchen von 1 kg Gewicht mit einer 3 mal grösseren Dosis entfärbter 
Galle getötet. Die Differenz zwischen diesen beiden Gleichungen giebt uns den 
Grad der Toxicität an. — Werden von 1 / 4t ] /.i abgezogen, so bleiben 7i* : diese 
Zahl giebt uns die Menge toxischer Substanzen an, die während der langsamen 
Asphyxie gebildet und die von der Leber durch die Galle ausgeschieden wurden. — 

Plitek (Triest). 

Provera: Un caso di strbzzamento del divertieolo di Meckel. (Ueber ein 
eingeklemmtes Meckel’sches Divertikel.) II Morgagni, Parte I, Nr. 5, S. 291. 

62jähriger Mann mit incarcerierter rechtsseitiger Leistenhernie. Bei der 
Herniotomie kommt ein voluminöses Stück congestionierten Omentums zum Vor¬ 
schein, das fast bis zum Boden des Bruchsackes reicht. Bei näherer Betrachtung 
wird als Ursache der Incarceration ein MeckePsches Divertikel erkannt, welches 
von der Nähe der BauhinPsehen Klappe gegen den Nabel zu sich erstreckt und 
dort sich inseriert. In diese halbmondförmige Schlinge gelangte ein Stück des 
Omentums, welches durch Druck congestioniert wurde und in Gangrän überging. 
— Exitus. 

Plitek (Triest). 

Wacharat, J.: Ueber Darmfäulnis und über die antiseptische Kraft der Galle. (Vortrag, 
geh. in der königl. mediz. Gesellsch. zu Budapest, am 11. April). 

Verf. ist der Meinung, dass diese Frage überhaupt nur auf experimentellem 
Wege zu beantworten ist. W. hat deshalb die Entwickelung und Gedeihung der 
verschiedenen Mikrobenarten teilweise in reiner, teilweise in mit Gallenbestand¬ 
teilen versetzter Bouillon untersucht. Zu bemerken ist, dass Verf. ein grosses Ge¬ 
wicht darauf legte, dass die Gallenbestandteile dem Nährboden nur in solcher 
Concentration zugesetzt sein sollen, in welcher sie im normalen Dünndarm Vor¬ 
kommen. Die äusserst exakt ausgeführten Untersuchungen haben bewiesen, dass 
die verschiedenen Gallenbestandteile, je nach der Art der Mikroben, eine ver¬ 
schiedene Wirkung ausüben, zumeist wurde das Wachstum der Mikroben mehr 
oder weniger beeinträchtigt, manchmal waren sie vollkommen wirkungslos und nur 
selten wurde die Entwickelung der Bakterien vollkommen unterdrückt. 

A. Hasenfeld (Budapest). 

Stern, S.: Die chirurgische Behandlung des Ascites bei Leberdrrhose. (Orvosi Hetilap, 

Nr. 22). 

Morrison hatte bekanntlich zuerst den Gedanken, bei der Leberdrrhose 
die Entwickelung eines collateralen Kreislaufes auf operativem Wege zu ermög¬ 
lichen. Sein Vorgehen ist kurz das folgende: Der Bauchschnitt wird zwischen 


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Nabel und Schambogen ausgeführt, dann die Milz, die Leber und das parietale 
Bauchfell mit einem Schwamm tüchtig abgerieben und das grosse Netz an die 
Bauchwand angenäht. St. erwähnt, dass bisher 10 Fälle operiert wurden, bei 5 
war der Erfolg ein überraschender. Es entwickelten sich ausgebreitete venöse Ge- 
fässnetze und der Ascites kam nicht von neuem zu stände. St. hat nun auch zwei Fälle 
operieren lassen. Beim ersten Fall sind nun schon 4 7* Monate seit der Operation 
verstrichen. Kein Ascites seit der Operation. Der Kranke fühlt sich vollkommen 
wohl. Der zweite Patient, welcher ebenfalls an Cirrhose litt, jedoch infolge der 
wiederholten Punktionen schon sehr geschwächt war, starb 4 Tage nach der 
Operation. Die Todesursache bildete eine Peritonitis, das fixierte Netz erlitt eine 
Drehung um seine Axe. 

A. Hasenfeld (Budapest). 

Bettmann: Ueber eine besondere Form des chronischen Ikterus. Aus der Heidel¬ 
berger medic. Kliri. (Geheimrat Prof. E r b). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 23.) 

Ein 29jähriger Kaufmann litt seit vielen Jahren an Gelbsucht, die anfalls¬ 
weise auftretende, mit Schüttelfrost und Schmerzen in den Extremitäten und im 
Leibe sich einleitende Verschlimmerungen zeigte. Obj. Befd.: Leicht ikterische 
Hautfärbung, Leber und Gallenblase normal, dagegen ein enormer Milztumor. 
Im Urin keine abnormen Bestandteile, insbesondere kein Blut- oder Gallenfarb¬ 
stoff; im Blutserum indessen zu wiederholten Malen gelöstes Hämoglobin. 

B. erinnert an die auffallende Aehnlichkeit dieses Krankheitsbildes mit 
dem vor 2 Jahren von Hayem 1 ) und Levy 2 ) als »ictere infectieux chro- 
nique splenomegalique« (s.ds.Zeitschr. S.47 u. 75) beschriebenen Symptomen- 
komplexes, spricht aber auf Grund des Blutbefundes und mit Rücksicht auf die 
Eigenartigkeit der die einzelnen Anfälle auslösenden Momente (körperliche An¬ 
strengungen, psychische Erregungen, Kälteeinwirkung) die Vermutung aus, dass 
es sich in dem obigen Falle vielleicht um eine — durch die Dauer des Ikterus 
und die bleibende Milzschwellung allerdings eigenartige — Form von paroxys¬ 
maler Haemoglobinurie handle. Ob auch Hayem’s Beobachtungen eine 
ähnliche Auffassung zulassen, lässt sich mit Sicherheit nicht entscheiden; jeden¬ 
falls erscheint die Erklärung des französischen Autors, dass der ictere infectieux 
splenomegalique durch eine bakterielle Infektion vom Darm aus hervorgerufen 
werde, die sich zunächst in den grossen Gallenwegen lokalisiere und von hier aus 
nicht in die feineren Verzweigungen des Gallensystems, sondern auf dem Lymph- 
wege nach der Milz vordringe, recht wenig befriedigend. Sicheren Aufschluss 
werden erst Obductionsergebnisse bringen, die bisher noch ganz fehlen.. Vielleicht er- 
giebt die anatomische Untersuchung doch irgendwelche Veränderungen in der 
Leber, welche sich der klinischen Diagnose entziehen und mit deren Hilfe sich 
das eigenartige Krankheitsbild, das der oben mitgeteilte Fall sowie die Be¬ 
obachtungen Hayem 7 s bieten, ohne Schwierigkeit erklären lässt. 

Schade (Göttingen). 

Scheuer, Heinr.: Zur Therapie der Cholelithiasis. Aus der Chirurg. Abteilung des 
Hrn. Prof. Dr. Josef Rotter am St. Hedwigkrankenhause in Berlin. (Münch. 

med. Wochenschr., Nr. 24.) 

Verf. vergleicht an der Hand des Materials des St. Hedwig-Krankenhauses 
die Resultate der inneren und chirurgischen Behandlung der Cholelithiasis inner¬ 
halb eines Zeitraums von 9 Jahren (1890 —99). Durch interne Behandlung wurden 


1) Hayem: Sur une variete particuliere d’ictere chronique. Presse med., 
9 mars 1898. 

2) Levy: De Pictere infectieux chronique splenomegalique. These de 
Paris, 1898, 


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41,5 °/o der Patienten geheilt, während die Heilungsziffer der chirurgischen The¬ 
rapie 98 °/ 0 betrug (im ganzen 12 % Todesfälle, von denen aber nur 2 °/o dem 
Verfahren selbst zur Last gelegt werden konnten). 

Die operative Behandlung — vorzugsweise die einzeitige Cholecystostomie 
— kam immer erst dann in Frage, wenn alle Mittel der inneren Therapie er¬ 
schöpft waren. Ein Recidiv ist nach der Operation in keinem Falle aufgetreten. 

Schade (Göttingen). 

Aseoli, Oiulio: Su di un easo di aseite chllosa. (Casuistik eines chylösen 
Aseites.) Clinica Medica della R. Universita di Genova, 18. 5. (Supplemento al 
Policlinico, A. VI, H. 33, S. 1039.) 

Einem an chronischer interstitieller Hepatitis Leidenden wurde eine chylus- 
artige Flüssigkeit mit der Punction entleert. Bei der chemischen Prüfung zeigte 
sich Mangel an Fett. Nach Entfernung des Globulins bot die Flüssigkeit ein 
klares, durchscheinendes Aussehen dar, während sie früher beim Versuche die 
Fette zu extrahieren stets milchig getrübt blieb. 

Plitek (Triest). 

v. Hoesslin, Rud.: Ein Fall schwerer Uraemie, geheilt durch Aderlass. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 27.) 

Bei einem 49 jährigen, an einer hochgradigen Nephritis leidenden Patienten 
wurde während eines schweren urämischen Anfalls, nachdem alle anderen Mittel 
erschöpft waren, als ultimum refugium eine Venaesektion gemacht (Entleerung 
erst von 90 g, dann noch von 300 g Blut). Der Effekt war ein geradezu über¬ 
raschender: unmittelbar nach dem Eingriff schwanden die bedrohlichen Symptome 
(livide Verfärbung des Gesichts, kaum fühlbarer Puls, Trachealrasseln), und der 
Kranke kam allmählich wieder zu sich. Der Anfall wiederhohlte sich nicht. Unter 
dem Gebrauch eines Digitalisinfus machte die Besserung rasche Fortschritte; die 
Oedeme schwanden, Albuminurie und Herzdilatation gingen zurück, und 4 Wochen 
nach dem Anfall konnte Pat. als völlig wiederhergestellt angesehen werden, da 
sich an ihm keinerlei objektive Veränderungen mehr nachweisen Hessen. (Eine 
weitere Beobachtung wäre wohl wünschenswert. Ref.) 

Schade (Göttingen). 

Menge, C. (Leipzig): Ueber Urinbefunde nach Nierenpalpation. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 23.) 

Zwei zufällig gemachte Beobachtungen von transitorischer Albuminurie im An¬ 
schluss an die bimanuelle Untersuchung der Nieren veranlasstendenVerf., in mehreren 
Fällen von Nephroptose den Urin einer näheren Prüfung zu unterziehen, nachdem er 
vorher die betreffende Niere bimanuell abgetastet hatte. In 14 unter 21 derartigen 
Beobachtungen fand sich in dem vorher — mit einer Ausnahme — eiweissfreien 
Harn bald nach der Palpation Eiweiss in wechselnder Menge, das nach 24 Stunden 
stets wieder verschwunden war. Neben der Albuminurie bestand in 5 Fällen 
auch eine geringfügige Hämaturie. Verf. nimmt auf Grund dieser Thatsachen an, 
dass durch die bei der Nierenpalpation ausgeübte Druckwirkung eine vorübergehende 
gewebliche Läsion der Niere bewirkt werde, die ihrerseits infolge von Circulations- 
störungen eine Eiweissausscheidung zur Folge habe. Die Intensität dieser ist ab¬ 
hängig von 1) der Stärke und Dauer des Palpationsdruckes, 2) dem Ernährungs¬ 
zustände des Patienten, 3) der Spannung der Bauchdecken, 4) dem Grade der 
Nephroptose und 5) der »Empfindlichkeit« der betr. Niere. 

Was die praktische Seite der von M. gemachten Erfahrungen anlangt, so 
drängt sich die Vermutung auf, ob die mit Nephroptose so häufig vergesellschaftete 
Anämie nicht vielleicht auf derartige sich oft wiederholende Eiweissverluste zurück- 


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geführt werden muss, wenn man bedenkt, dass die nach unten gesunkene 
Niere durch die meist dünnen und schlaffen Bauchdecken hindurch den mannig¬ 
fachsten äusseren Schädigungen — Druck der Bekleidung u. s. w. — ausgesetzt 
ist. Für solche Fälle eignet sich therapeutisch am besten eine Mastkur, damit das 
exponierte Organ allmählich den von aussen einwirkenden schädigenden Momenten 
entzogen wird. Das Gegenteil würde die bei Nephroptose vielfach angewandte 
Massage der Nierengegend bewirken, die ebenso wie die Anwendung von Ban¬ 
dagen mit besonderen Nierenpeloten aus diesem Grunde vom Verf. verworfen 
wird. 

Schade (Göttingen). 

Edlefsen (Hamburg): Eine neue Harn- und Zuckerprobe. (Münch, med. Wochen- 

schr., Nr. 24.) 

Die Arbeit betrifft den Nachweis geringer Zuckermengen im Ham mittels 
Permanganat in alkalischer Lösung und knüpft an die diesbezüglichen vorläufigen 
Mitteilungen des Verf.'s in der »biol. Abteilung des ärztlichen Vereins Hamburg« 
an (vgl. Münch, med. Wochenschr., Nr. 11. 13). Da E. jedoch bisher noch zu 
keinem befriedigenden Ergebnis gelangt ist, so behält er sich weitere Unter¬ 
suchungen vor und verweist auf spätere ausführliche Mitteilungen. 

Schade (Göttingen). 

Blumenthal, F.: Zur Methode der Hippursaurebestimmung. Aus d. ehern. Lab. d. path. 

Inst. u. d. I. med. Kl. z. Berlin. (Zeitschrift f. kl. Med., B. 40, H. 3. 4.) 

Abgesehen davon, dass die Bunge-Sch mied eberg* sehe Methode zur Be¬ 
stimmung der Hippursäure für das klinische Arbeiten zu umständlich ist, kommt es auch 
vielfach bei den geringen Mengen Hippursäure nicht zu einer festen Kiystallisa- 
tion des Rückstandes, sodass derselbe nicht auf das Filter zur Wägung gebracht 
werden kann. B. hat daher eine andere Methode benutzt und modificiert, welche 
früher schon von Salkowski im Princip bei Untersuchungen von tierischen 
Harnen angewandt war. 

300 ccm Ham werden schwach mit Sodalösung alkalisiert und erst auf 
freiem Feuer, dann auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft. Der Rückstand 
wird 2 mal mit je 150 ccm 96 °/„ Alkohol auf dem erwärmten Wasserbade ausge 1 - 
zogen und filtriert, die Filtrate vereinigt und auf dem Wasserbade zur Syrupdicke 
verdunstet. DerSyrup wird in ca. 50 ccm Wasser gelöst, mit ca 10 ccm 20—25 % 
Salzsäure oder Schwefelsäure versetzt und im Schütteltrichter mit je 20 ccm Aether,. 
der 20 ccm 96 % Alkohol enthält, kräftig unter Lüftung durchgeschüttelt. Der Aether- 
auszug wird mit destilliertem Wasser gewaschen und dann der Aether abdestilliert. 
Das Ausschütteln mit Aether wird 4 mal wiederholt. Enthält diese letzte Lösung viel 
Farbstoff, so ist dieselbe vorsichtig mit 15 ccm Chloroform auszuschütteln. Aus 
dem Destillationsrückstande wird der Stickstoff nach Kjeldahl bestimmt. Man 
legt 25 ccm Vio norm. Schwefelsäure vor, die verbrauchten Kubikcentimeter werden 
mit 17,9 multipliciert und der erhaltene Wert ist die in 300 ccm enthaltene Hippur¬ 
säure in Milligrammen. 

B. hat bei einer Reihe von Bestimmungen diese Methode bewährt gefunden, 
bei der es sich allerdings nur um Vergleichs werte handelt, da ca. 15 % zu wenig 
Hippursäure ermittelt werden. 

Hagenberg (Göttingen.) 

Zängerle: Agglutinierende Fähigkeit des Blutes bei einem gesunden Kind einer typhus¬ 
kranken Mutter. Aus der med. Poliklinik in Marburg. (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 26.) 

Den zahlreichen und einwandsfreien Fällen von intrauteriner Typhusinfektion 
Stehen jene spärlichen Beobachtungen gegenüber, dass eine typhuskranke Mutter ein 


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gesundes Kind gebärt, welches gegen das Typhusgift immun ist. Zu den Fällen der 
letzteren Art zählt auch der vorliegende. Am 2. Tage nach der Geburt des von einer 
typhuskranken Mutter stammenden, völlig gesunden Kindes ergab die mit dem 
Blute des Säuglings angestellte Gruber-Widal*sehe Reaktion ein unzweifelhaft 
positives Resultat. Da Zeichen eines intrauterin durchgemachten Typhus ebenfalls 
nicht vorhanden waren — bei der Sektion des Kindes, das einige Monate später 
einer Pneumonie erlag, fanden sich im Darm keinerlei Veränderungen —, so sah 
man sich zu der Annahme gedrängt, dass die im Körper der Mutter entstandenen 
immunisierenden Substanzen durch die Placenta auf den Foetus übergegangen 
waren. 

Schade (Göttingen). 

Kauffmann, 0. J.: Gastrointestinal self-intoxication as a factor in nervous diseases. 

(Edinbourgh Medical Journal. April). 

Autor glaubt in manchen Fällen von Erkrankungen des Nervensystems 
(Tabes, progr. Paralyse, Melancholie, Epilepsie, Ischias, Alpdrücken, Kopfschwindel) 
einen ursächlichen Zusammenhang mit Gastrointestinalerkrankungen auf dem Wege 
der Autointoxication konstatiert zu haben. In diesen Fällen fand sich ein Ge¬ 
sichtsausdruck, wie er oft bei Verdauungsstörungen gefunden wird, bes. bei Dila- 
tatio ventric. Gelbliche Farbe, cyanotische Flecke auf Wangen, Hals und Brust, 
Venectasieen auf Nase und Wangen; Neigung zu Acne und Comedonen, Seborrhoe. 
Dabei belegte Zunge, stinkender Atem und mehr oder weniger ausgesprochene 
Indicanurie. — Autor empfiehlt dann, wenn andere Ursachen wie Syphilis, Alkoho¬ 
lismus etc. für die nervöse Erkrankung fehlen, an Autointoxication vom Intestinal- 
tractus zu denken und einen therapeutischen Versuch mit Abführmitteln und Anti- 
septicis, wie Salol, zu machen. — Die zum Schluss angeführten Beispiele sprechen 
gerade nicht sehr zu Gunsten dieser Methode. 

A. Hesse (Hamburg). 

Bornstein, K.: Experimentelle Untersuchungen über die Wirkungen des 
Saccharin. Aus dem tierphysiologischen Institute der Kgl. landwirtschaftl. Hoch¬ 
schule Berlin, Prof. Zuntz. (Ztschr. f. kl. Med., B. 40, H. 3, 4.) 

Durch exakte Untersuchungen sucht B. die Wirkung des Saccharins auf 
den Stoffwechsel klar zu legen und kommt auf Grund derselben zu dem Schlüsse, 
dass dasselbe die Ausnutzung der Nahrung beeinträchtigt, die Verdauung und Re¬ 
sorption verlangsamt und zum Teil hintanhält. 

Als ein Ersatz für den nährkräftigen Zucker ist es nicht anzusehen; es ist 
ein Gewürz. In erster Linie ist das Saccharin aber ein Medikament und als 
solches schon von anderen bei Gährungen im Magen und Darm von Erwachsenen 
und Säuglingen angewandt und empfohlen worden. Es kommen ferner dem S. anti¬ 
fermentative Eigenschaften zu, und es lässt sich bei Substanzen, die keine Nahrungs¬ 
mittel sind, in dieser Eigenschaft anwenden. Dem Diabetiker sind als Ersatz für 
die Süsse des Zuckers geringe Mengen zu gestatten, doch ist bei eintretenden 
Dyspepsieen darauf zu achten, ob dieselben eventuell nicht durch das S. be¬ 
dingt sind. 

Ausser den Untersuchungen über die Beeinflussung des Stoffwechsels 
durch das Saccharin, teilt Verf. noch mittels des Mos so’sehen Ergographen an¬ 
gestellte Versuchsreihen mit, in welchen er zu ermitteln sucht,, ob der Saccharin¬ 
zusatz die Arbeitsmenge nach irgend einer Richtung beeinflusst. Das Resultat ist, 
dass unter gleichzeitiger Darreichung von S. die Wirkung der Nahrung abge¬ 
schwächt wird, sodass die volle Kraft nicht entfaltet werden kann, dass aber für 
die Annahme einer direkten Schädigung der arbeitenden Muskeln liegt keine Be¬ 
rechtigung vorliegt. 

Hagenberg (Göttingen). 


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lieber die Notwendigkeit und den Wert einer polizeiliehen Kontrolle des 
Verkehrs mit Mileh. Biol. Abt. d. ärztl. Vereins Hamburg. Sitzung vom 3. April. 

(Münch, med. Mochenschr., Nr. 26.) 

Zink teilt eine Reihe statistischer Erhebungen über die Milchverhältnisse 
in Hamburg mit, aus denen hervorgeht, dass die seit der Einführung des Gesetzes 
vom 18. April 1894 in Hamburg ausgeübte polizeiliche Kontrolle die Zahl der 
Milchfälschungen im allgemeinen erheblich herabgemindert hat. Nach Z.'s Aus¬ 
führungen lässt allerdings der Milchvertrieb (Umherfahren und Umhertragen der 
Milch) noch viel zu wünschen übrig, und sind gerade in dieser Beziehung noch 
schärfere Vorschriften notwendig. 

ln der an den Vortrag sich anschliessenden Discussion weist unter anderm 
Dun bar auf die Musterwirtschaften in Dänemark, speciell in Kopenhagen hin, 
die er zur Nachahmung empfiehlt. Delbanco schlägt die Einrichtung staatlicher 
Centralmilchversorgungsanstalten vor, in denen alle für den Verkauf bestimmte 
Milch gesammelt und nach erfolgter Reinigung und Pasteurisierung an die Kon¬ 
sumenten abgegeben wird. 

Schade (Göttingen). 


Besprechungen« 

Schilling, F.: Kompendium der diätetischen und physikalischen Heil¬ 
methoden. Mit 122 Abbildungen. Leipzig, H. Hartung u. Sohn. 258 S. 5 M. 

Dem Verlangen der Zeit nach einer besseren Ausbildung der Aerzte in den 
sogen, natürlichen Heilmethoden ist Sch. mit einem Büchlein entgegen gekommen, 
das sich unter älteren Studierenden und angehenden Praktikern viele Freunde er¬ 
werben und sein Teil zur Bekämpfung des Pfuschertums beitragen wird. Der in 
Taschenformat gebundene Band bespricht in gefälliger Darstellung besonders aus¬ 
führlich die diätetischen Heilmethoden. Nachdem in einer Einleitung allgemeine 
Grundzüge, sowie Tabellen über den Alkoholgehalt der Weine und über die Zu¬ 
sammensetzung der wichtigsten Nahrungsmittel gegeben sind, wird die Diät bei den 
einzelnen Krankheiten gesondert besprochen — schliesslich finden die diätetischen 
Kuren der verschiedensten Art, die künstliche Ernährung, die Diät im Fieber, im 
Wochenbett, bei Brunnenkuren und selbst die Prochownikdiät Berücksichtigung. 
Der zweite Teil bringt die physikalischen Methoden geordnet in Hydro-, Elektro¬ 
therapie, Massage, Heilgymnastik, Ruhekuren, Atmiatrie und Pneumotherapie, 
Klimatotherapie, Hypurgie und zum Schluss Psychotherapie. Wenn bei dem be¬ 
schränkten Raume auch die einzelnen Gegenstände naturgemäss eine mehr oder 
weniger cursorische Behandlung erfahren mussten, so findet sich doch alles 
Wichtigste, namentlich auch bezüglich Indicationen und Contraindicationen er¬ 
wähnt. Die Gefahr der Schabionisierung, die jedes Compendium mit sich bringt, 
kann ja doch, wie überhaupt, so ganz besonders bei den allgemeinen Heilmethoden 
nicht durch die Ausführlichkeit der Darstellung, sondern nur durch das Geschick 
und die Sachkenntnis des Arztes umgangen werden. 

In einer zweiten Auflage, die wir dem Buche bald wünschen, wären die 
unschönen Druckfehler namentlich zahlreicher Fremdwörter und Eigennamen zu 
beseitigen. Fraenckel (Göttingen). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Bonne: Das seborrhoische Ekzem. München, E. Reinhardt. 2,50 M. 

Hirth, G.: Ideen zu einer Enquete über die Unersetzlichkeit der Mutterbrust. 

München, G. Hirth. 64 S. 1,00 M. 

Franke : Der kranke Magen. Leipzig, Th. Grieben. 75 Pf. 


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7nbalt$w?ttdmis. 

Original-Artikel: Fr. Schilling: Oiebt es Kot erweichende Mittel? 
S. 107. — Referate: Hirschfeld, F.: Zur Prognose der Glycosurie und des Dia¬ 
betes S. 112. — Neumann F.: Vier Fälle von Zuckerham nach Unfällen S. 113. — 
Orlowski, W.: Vergleichende Untersuchungen über Urotropin, Piperazin, Lysidin, 
Uricedin und Natron bicarbonicum bei der hamsauren Diathese S. 113. — Lewan- 
dowsky, M.: Ueber die Woener’sche Methode der Hamsäurebestimmung S. 114. — 
Weber, F. Parkes: Reflex salivation from abdominal disorders S. 114. — Colom- 
bini, P.: Un caso di stomatite gonococcica. (Ueber gonorrhoische Stomatitis S. 115. 

— Jung, Franz A. R.: A contribution to the diagnosis of diverticula in the lower part of 

the oesophagus S. 115. — Guttentag (Stettin): Ein Fall von idiopathischer Erweiterung 
des Oesophagus im unteren Abschnitt S. 116. — v. Aldor, L.: Ueber die künst¬ 
liche Beeinflussung der Magensaftsecretion S. 116. — Gilbert u. Chassevant: Ueber 
eine neue chemische Klassifikation der dyspeptischen Erkrankungen S. 117. — 
Siringo, G: Nuovo apparecchio per il dosamento delF acido cloridico. Neues 
Verfahren zur Bestimmung der HCl.) S. 117. — Rubin: »Ueber eine neue 

Methode der Schwefelwasserstoffbestimmung im Mageninhalte S. 118. — 

Traina, V.: Sülle modificazioni della funzione motoria dello stomaco e 
delF intestino nella febbre. (Ueber die Veränderungen der motorischen 
Magen-Darmthätigkeit während des Fiebers) S. 118. — Evans, D. J.: On the 
aetiology of the nausea and vomiting of pregnancy S. 118. — Wiemann: 
Zwei dunkle Fälle von Blutbrechen, nach Heben schwerer Lasten entstanden 
S. 119. — Bachmann, W.: Die Fettdiät bei Superacidität S. 119. — Kiefer, F.: 
Beitrag zur operativen Behandlung des Magen- und Duodenalgeschwürs S. 120. — 
Nicoll, H,: Case of perforating gastric ulcer successfully excised six days after 
Perforation S. 120. — Soltau-Fenwick, W.: Perigastric and periduodenal abscess 
S. 120. — Ueber die künstliche Ernährung des Säuglings S. 120. — Cohn, H.: 
Tannin- und Silberpräparate bei dem Darmkatarrh der Kinder S. 121. — Fother- 
gill, W. E.: Salol and petroleum in the treatment of infantile diarrhoea S. 121. — 
Mansell Moullin: Preventive Operation in acute inflammation of the Appendix 
S. 122. — Perroncito: Larve di sarcophila in un caso di enterite cronica. (Larve 
von Sarcophila bei einer chron. Enteritis) S. 123. — De Rosa-Cotronei, G. B.: 
Ricerche sperimentali intomo alla disinfezione a scopo chirurgico dell retto medi- 
ante Fuso delF acqua ossigenata. (Experimentelle Untersuchungen über die zu 
chirurgischen Zwecken ausgeführte Desinfection des Rectums mittels H a O*-Aqua 
oxygenata) S. 123. — Ercolani, Giovanni: Della tossicitä della bile nelle asfissie 
lente. (Ueber Toxicität der Galle bei langsamer Asphyxie) S. 123. — Provera: 
Un caso di strozzamento del diverticolo di Meckel. (Ueber ein eingeklemmtes 
MeckeFsches Divertikel) S. 124. — Wacharat, J.: Ueber Darmfäulnis und über die 
antiseptische Kraft der Galle S. 124. — Stern, S.: Die chirurgische Behandlung 
des Ascites bei Lebercirrhose S. 124. — Bettmann: Ueber eine besondere Form 
des chronischen Ikterus S. 125. — Scheuer, Heinr.: Zur Therapie der Choleli- 
thiasis S. 125. — Ascoli, Giulio: Su di un caso di ascite chilosa. (Casuistik eines 
chylösen Ascites) S. 126. — v. Hoesslin, Rud.: Ein Fall schwerer Uraemie, geheilt 
durch Aderlass S. 126. — Menge, C. (Leipzig): Ueber Urinbefunde nach Nieren¬ 
palpation S. 126. — Edlefsen (Hamburg): Eine neue Ham- und Zuckerprobe 
S. 127. — Blumenthal, F.: Zur Methode der Hippursäurebestimmung S. 127. 
Zängerle: Agglutinierende Fähigkeit des Blutes bei einem gesunden Kind einer 
typhuskranken Mutter S. 127. — Kauffmann, O. J.: Oastro-intestinal self-intoxication 
as a factor in nervous diseases S. 128. — Bomstein, K.: Experimentelle Unter¬ 
suchungen über die Wirkungen des Saccharin S. 128. — Ueber die Notwendig¬ 
keit und den Wert einer polizeilichen Kontrolle des Verkehrs mit Milch S. 129. 

— Bücherbesprechungen: Schilling, F: Kompendium der diätetischen und 
physikalischen Heilmethoden S. 129. — Zur Besprechung eingegangene Büche 
S. 129. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 6. 


Zweites Juli-Heft 1900. 


1. Jahrgang. 


Ifrnfralblaff 

töp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. CARL VON NOORDEN in Frankfurt a. M. 
redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen. 


Monatlich 2 Nm. von IVa—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Original-Hrtikel. 

Aus der medicinischen Universitätsklinik zu Göttingen. 

Ucbcr Cbtnotroptn (CMnafaures Urotropin) 

insbetondere über den Ginfluß deftelben und anderer Rippurtäurebildner auf 

die Ramtäureaustcbeidung 
von 

Prof. Dr. A. Nicolaier und Dr. J. Hagenberg. 

Im vergangenen Jahre hat J. Weiss 1 ) zur Behandlung der harnsauren 
Diathese das Urosin, ein aus Chinasäure und Lithion citricum bestehendes 
Präparat, empfohlen, in dem vorzugsweise die Chinasäure der wirksame Faktor 
sein soll. Diese Empfehlung gründet Weiss auf die Ergebnisse von Ver¬ 
suchen, die er hei gesunden Menschen über den Einfluss der Chinasäure auf 
die Harnsäureausscheidung anstellte. Er fand nämlich, dass die Darreichung 
grösserer Mengen von Chinasäure, die sogar in Dosen von 20—30 g, auf 
einmal genommen, ohne jede Beschwerde vertragen wird und auch bei länger¬ 
dauerndem Gebrauch von geeigneten Gaben keine unangenehmen Neben¬ 
wirkungen hat, ebenso wie der Genuss grösserer. Mengen von Früchten, in 
denen nach Weiss die Chinasäure das wirksame Agens ist, die Hamsäure- 
ausscheidung vermindert, während die normaler Weise nur in Spuren 
im Harn enthaltene Hippursäure in wesentlich vermehrter Menge ausge¬ 
schieden wird. Weiss hat bisher nur das Resultat zweier Versuche mitge- 


1) Weiss, J. (Basel): Eine neue Methode der Behandlung der hamsauren 
Diathese. Berliner klinische Wochenschrift 1899, Nr. 14 und 

Die Chinasäure als Antiarthriticum. Verhandlungen der Gesellschaft 
deutscher Naturforscher und Aerzte zu München 1899. 2. Teil 2. Hälfte S. 54 

und Klinisch-therapeutische Wochenschrift 1899, Nr. 48. 

Nr. 6. 


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132 


teilt, welche dies beweisen sollen. Bei dem einen bei constanter Kost an- 
gestellten Versuche, der nur 4 Tage dauerte, und bei dem am 2. und 3. Ver¬ 
suchstage je 10 g Chinasäure gegeben wurden, war am 3. Versuchstage die 
Harnsäuremenge fast auf die Hälfte reduciert, während die Hippursäure¬ 
ausscheidung am 2. und 3. Tage vermehrt war; bei dem zweiten, dessen 
Dauer sich auch nur auf 4 Tage erstreckte, und bei dem täglich 250 g 
Thymus genommen wurden, fand sich an den beiden Tagen, an denen 
grössere Mengen von Chinasäure verabreicht wurden, im Mittel eine um die 
Hälfte geringere Harnsäureausscheidung, als ohne diese Medikation. Ueber 
die bei diesem Versuch gegebene Dosis finden sich in den beiden Arbeiten 
von Weiss, in denen er über denVersuch berichtet, verschiedene Angaben; 
in der Berliner klinischen Wochenschrift 1899, Nr. 14 wird sie zu 20 g, in 
der Zeitschrift für physiologische Chemie Bd. 27 S. 218 zu 50 g angegeben. 

Therapeutische Versuche mit dem Urosin in Tagesdosen von 3—6 g 
hat Weiss mit gutem Erfolge bei der Gicht gemacht, insbesondere empfiehlt 
er auf Grund seiner Beobachtung die Anwendung des Mittels, um Gicht¬ 
anfälle zu verhüten. 

Gleiche Resultate, wie Weiss mit der Chinasäure, haben neuerdings 
F. Blumenthal 1 ) und Lewin 2 ) bei Untersuchungen erhalten, die sie beim 
Menschen mit einer Verbindung von Chinasäure und Piperazin, dem Sidonal, 
das in 5—8 g pro die gegeben und gut vertragen wurde, anstellten. Es sind 
von ihnen 4 Versuche von 7—22tägiger Dauer mitgeteilt. Bei drei Kranken, 
die nicht an harnsaurer Diathese litten und teils Milchnahruhg, teils ge¬ 
mischte Kost bekamen, trat nach dem Gebrauche des Sidonals eine Ver¬ 
minderung der Harnsäureausscheidung ein und zwar um 31—36° /0 ; die 
Hippursäureausscheidung, die nur in einem Falle bestimmt wurde, war da¬ 
gegen um die Hälfte vermehrt. Bei dem vierten Versuche, der einen mög¬ 
licherweise auf gichtischer Basis entstandenen Fall von Arthritis deformans 
betraf, wurde nach Gebrauch von Sidonal eine Herabsetzung der Harn¬ 
säure nicht beobachtet. Es wurden an den Tagen ohne Medikation im 
Mittel 0,2954, an den Sidonaltagen 0,289 g Harnsäure ausgeschieden, und 
auch die durch Darreichung von Thymus vermehrte Harnsäureausscheidung 
wurde durch Sidonal nur wenig eingeschränkt (im Mittel 0,5144 an den 
Tagen ohne Medikation, 0,4603 an den Sidonaltagen), trotzdem die Hippur¬ 
säureausscheidung an den Sidonaltagen um mehr als die Hälfte gesteigert 
war. Auf dieses abweichende Resultat scheinen Blumenthal und Lewin 
kein grosses Gewicht gelegt zu haben, da sie es ganz unberücksichtigt lassen. Es 
mag hier noch darauf hingewiesen werden, dass Blumenthal und Lewin 
die Harnsäure nicht wie Weiss nach der Ludwig-SalkowskPschen Me¬ 
thode, sondern nach einem von Woerner angegebenen Verfahren bestimmten, 
welches jedoch, wie Blumenthal und Lewin wenigstens in einem Falle 


1) Blumenthal, Ferd.: Ueber Sidonal, ein neues Oichtmittel. Medicinische 
Woche vom 12. März 1900. 

2) Blumenthal, Ferd. und Lewin: Ueber Sidonal (chinasaures Piperazin) 
Therapie der Gegenwart 1900, Nr. 4, 


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133 


feststellten, das gleiche Resultat gab, wie die Bestimmung nach Ludwig- 
Salkowski. 

Ueber die Wirkung des Sidonals auf die Hamsäureausscheidung bei Fällen 
von hamsaurer Diathese liegen bis jetzt nur die Ergebnisse zweier Versuche von 
Schlayer 4 ) vor, nach denen in beiden Fällen nach Tagesdosen von 4 g Sidonal 
bei gleichbleibender Lebensweise eine erhebliche Abnahme der Harnsäure 
auftrat. Wir können indess diese Versuche als nicht recht beweisend an- 
sehen, da Schlayer 1 ) in beiden Fällen nur je eine Hamsäurebestimmung 
vor und nach dem Gebrauch des Sidonals anstellen liess und zwischen den 
beiden Bestimmungen ein Zeitraum von mehreren Wochen lag. 

Die bei den Versuchen von Blumenthal und Lewin nach Dar¬ 
reichung des Sidonals beobachtete Herabsetzung der Hamsäureausscheidung 
ist wohl vorzugsweise dem Einfluss der Chinasäure zuzuschreiben, da das 
Piperazin nur ausnahmsweise hamsäurevermindernd wirkt Die Chinasäure 
wurde, wie Blumenthal angiebt, deshalb mit dem bei der Behandlung der 
Gicht vielfach angewandten Piperazin kombiniert, weil dieses hamsäurelösende 
Eigenschaften hat. Was die therapeutische Wirkung des Sidonals bei der 
hamsauren Diathese, insbesondere bei der Gicht betrifft, so lauten die Berichte 
von v. Leyden 2 ), Jacques Meyer, Ewald, Goldscheider, Edmund 
Meyer, Schlayer, W. Schmieden 3 ) und Herrnstadt 3 ) günstig, während 
R. Klein 3 ) in 2 Fällen akuter und in einem Falle chronischer Gicht keine Er¬ 
folge mit dem Mittel erzielte. 

Wir selbst haben Veranlassung genommen, uns mit Untersuchungen 
über den Einfluss von Chinasäurepräparaten auf die Ausscheidung der Harn¬ 
säure zu beschäftigen, als dem einen von uns (N.) von der Chemischen 
Fabrik auf Aktien (vorm. E. Schering) in Berlin Verbindungen der China¬ 
säure mit Urotropin, denen die Fabrik den Namen »Chinotropin« gegeben 
hat, zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt wurden. Es handelte sich 
um zwei Präparate, von denen das eine, Chinotropin I, 73 % Chinasäure 
und 27% Urotropin, das zweite Chinotropin II, 80% Chinasäure und 
20 % Urotropin enthielt 

Beide Verbindungen stellen ein weisses Pulver dar und sind in Wasser 
leicht löslich; die wässrigen Lösungen haben einen säuerlichen Geschmack 
und geben mit Zusatz von Zucker eine angenehm schmeckende Limonade. 
Wie Versuche ergaben, werden diese beiden Präparate, selbst wenn sie längere 
Zeit gebraucht werden, gut vertragen, falls gewisse Tagesdosen nicht über¬ 
schritten werden. Geschieht dies, so können gelegentlich durch den Gehalt 
an Urotropin bedingte, übrigens sofort nach Verminderung der Dosen bezw. 
nach Aussetzen des Mittels prompt verschwindende, unangenehme Neben¬ 
wirkungen auftreten, die in Reizerscheinungen von Seiten der Blase bestehen, 
worüber der eine von uns (N.) in seiner Arbeit »Experimentelles und Kli¬ 
nisches über Urotropin« 4 ) ausführlicher berichtet hat Es empfiehlt sich 

1) Schlayer: Erfahrungen über Sidonal bei Gicht. Therapie der Gegen¬ 
wart, 1900, Nr. 5. 

2) Medicinische Woche vom 12. März 1900. 

3) Therapie der Gegenwart, 1900, Nr. 6. 

4) Zeitschrift für klinische Medicin, Bd. 38, S. 379. 


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134 


daher, die Tagesdosis so zu bemessen, dass mit ihr etwa 1,5 g Urotropin ge¬ 
reicht werden, eine Gabe, die bekanntlich, selbst wenn sie Jahre lang ge¬ 
nommen wird, ohne Beschwerde vertragen wird. Es würde demnach als 
Tagesdosis von dem Chinotropin 1 bis zu 6 g, enthaltend 4,4 g Chinasäure 
und 1,6 g Urotropin, von dem Chinotropin II bis zu 7,5 g, enthaltend 6 g 
Chinasäure und 1,5 g Urotropin, in Einzelgaben von 2 bezw. 2,5 g in einem 
Glase Wasser, ev. zusammen mit etwas Zucker, gelöst zu verordnen sein. Im 
Ham Hess sich nach Darreichung dieser Dosen stets Urotropin mittels Brom¬ 
wasser nachweisen, und es wurden auch, so oft darauf untersucht wurde, 
grössere Mengen Hippursäure aus ihm gewonnen. 

Mit diesen beiden Präparaten haben wir zunächst nur an gesunden 
Menschen Versuche über den Einfluss der Harnsäureausscheidung gemacht 
Bei dem ersten Versuche gaben wir einem gesunden jungen Kollegen bei 
gemischter, jedoch nicht konstanter Diät zunächst täglich 7,5 g Chinotropin II, 
enthaltend 6 g Chinasäure und 1,5 g Urotropin und dann zum Vergleich 
7,5 g Sidonal pro die. Da nach einer Analyse das Sidonal aus 81,7 % 
Chinasäure und 18,3 % Piperazin 100% besteht, so wurden mit dieser Tages¬ 
dosis 6,1 g Chinasäure, also fast ebensoviel als mit der gleichen Dosis 
Chinotropin eingeführt. 

Das weitere über den Versuch ergiebt sich aus der folgenden Tabelle: 

(S. Tabelle I auf folgender Seite.) 

Dieser Versuch ergiebt also, dass bei Darreichung von 7,5 g Chino¬ 
tropin II pro die im Mittel die gleiche Menge Harnsäure ausgeschieden wird, 
wie an den vorhergehenden Tagen, an denen kein Medikament gebraucht wurde, 
nämlich 0,4570, und dass an den 3 Sidonaltagen, an denen mit den Dosen 
von 7,5 g fast die gleichen Mengen Chinasäure wie an den Chinotropintagen 
eingeführt wurden, nicht wie von Blumenthal und Lewin bei 3 Kranken 
eine Verminderung der Hamsäuremenge, sondern sogar eine geringe Zu¬ 
nahme im Vergleich zu den Tagen ohne Medikation, nämlich 0,4980 g, ge¬ 
funden wurde. Von der quantitativen Bestimmung der ausgeschiedenen 
Hippursäure haben wir hier wie bei den übrigen Versuchen abgesehen, da 
es uns nur darauf ankam, den Einfluss der von uns untersuchten Präparate 
auf die Harnsäureausscheidung zu ermitteln. 

Wir haben diesen Versuch noch bei einer andern gesunden Person 
wiederholt, der während dieser Zeit die gleiche Kost verabfolgt wurde und die 
auch sonst unter gleichen Verhältnissen lebte. Um sicher zu sein, dass die 
Versuchsbedingungen genau innegehalten wurden, stellte der eine von uns 
(H.) diesen Versuch an sich selbst an. Die Diät war folgende: 

1. Frühtück: 2 Brötchen (ä 50 g), 25 g Butter, 2 Tassen Kaffee. 

2. Frühstück: 2 Scheiben Brot, 30 g Butter, 30 g Schweizerkäse. 

Mittags: 200 g gehacktes Rindfleisch (eben durchgebraten), 20 g Butter¬ 
sauce, 150 g Kartoffelbrei, % Liter Bouillon. 

Abends: 3 Tassen Thee, 4 Scheiben Brot, 60 g Butter, 75 g Mett¬ 
wurst, 50 g rohen Schinken. 

Die eingeführte Wassermenge war stets die gleiche. 

Ausser mit dem Chinotropin II und dem Sidonal haben wir auch 
mit dem benzoesauren und zimmtsauren Natrium Versuche angestellt, mit 


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135 


Tabelle I. 


Ver¬ 

suchs¬ 

tag 

Medikation 

Ham¬ 
menge in 
24 Stund. 

Specif. 

Gew. 

Reak¬ 

tion 

Gesamt¬ 

stickstoff 

Harnsäure 

in24Stund.| im Mittel 

1 

0 

1380 

1027 

sauer 

17,47 

0,5105 

i 

2 

o 

1330 

1022 

yy 

15,49 

0,4204 

(0,4570 

3 

o 

1530 

1022 

yy 

18,61 

0,4402 

i 

; 

I 

4 

] Chinotropin 11 

1 Früh, Mittags 
| und Abends 

1560 

1022 

yy 

21,97 

0,4937 

1 


5 

1400 

1020 

yy 

20,59 

0,5351 

1 

0,4570 

6 

1 je 2,5 g 

1050 

1029 

yy 

17,64 

0,3422 

! 


7 

o 

960 

1031 

yy 

16,11 

0,4893 


8 

Sidonal 

Früh, Mittags 
und Abends 
je 2,5 g 

1000 

1028 

yy 

14,60 

0,4823 


9 

0 

1200 

1028 

yy 

— 

0,5423 


10 

j Sidonal 

f Früh, Mittags 
i und Abends 

1740 

1017 

yy 

15,71 

0,4148 


!o,5059 

1 

11 

1510 

1021 

yy 

14,49 

0,5971 


12 

] je 2,5 g 

Verlust 

— 

— 

— 

— 


13 

o 

1000 

1029 

yy 

17,51 

0,4479 

m ylCOO 

14 

o 

980 

1028 

yy 

— 

0,4685 



Der Harn war frei von Eiweiss und Zucker. 


Der Gesamtstickstoff wurde bei diesem wie bei den folgenden Versuchen 
nach der Kjeldahl’schen, die Harnsäure nach der Ludwig-Salkowski’sehen 
Methode bestimmt. 

Rücksicht darauf, dass nach den Versuchen von Weiss und auch von 
Blumenthal und Lewin eine vermehrte Hippursäureausscheidung eine 
verminderte Hamsäureausscheidung zu bedingen scheint. Bekanntlich tritt ja 
sowohl nach dem Genuss von benzoesaurem Natrium, als auch nach Darreichung 
des zimmtsauren Natrium eine Vermehrung der Hippursäure im Ham auf. 
Von der Benzoesäure hat bereits im Jahre 1841 Ure 1 ) festgestellt, dass beim 
Menschen nach ihrer Darreichung die Harnsäure im Urin ganz verschwinde 
und statt ihrer die Hippursäure auftrete; er hat sie deshalb auch als Heilmittel 


1) Prov. med. surg. joumal. March 1841, referiert im Pharmaceutischen 
Centralblatt vom 23. October 1841, Nr. 46, S. 736. 


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136 


gegen Gicht und Hamsäureconcretionen empfohlen. Keller 1 ) konnte da¬ 
gegen Harnsäure im Ham nach Genuss von Benzoesäure nachweisen. 
Nach Garrod 2 ) soll die Einführung von Benzoesäure beim Menschen die 
Hamsäureausscheidung vermindern, indes konnte Cook 3 ) bei Selbst¬ 
versuchen, bei denen er 1,2—3,1 g benzoesaures Natrium nahm, dies nicht 
bestätigen; diese Bestimmungen sind aber nicht mit einwandsfreien Me¬ 
thoden gemacht. Auch Weiss hat die Benzoesäure hinsichtlich ihrer ham- 
säurevermindemden Wirkung untersucht, allerdings mit negativem Re¬ 
sultat; über diese Versuche giebt er insbesondere über die Grösse der Dosen 
nichts näheres an. Es schien uns deshalb angezeigt, den Einfluss grösserer 
Tagesdosen von benzoesaurem Natrium auf die Hamsäureausscheidung zu 
prüfen. 

Mit dem zimmtsaurem Natrium, das aus der chemischen Fabrik von 
G A. F- Kahl bäum in Berlin stammte, sind unseres Wissens Versuche 
nach dieser Richtung noch nicht angestellt worden. In den von uns ge¬ 
gebenen Dosen wurde das zimmtsaure Natrium gut vertragen. Der Versuch 
ergab folgendes Resultat: 

Tabelle II. 


Versuch stag 

Medikation 

Hammenge 
in 24 Stunden 

Specifisches 

Gewicht 

Reaktion 

Gesamt- 

Stickstoff 

in 24 
Stunden 

Harnsäure 

im Mittel 

1 

o 

1225 

1025 

sauer 

14,18 

0,4749 


| 0,4815 

2 

0 

1900 

1018 

» 

13,89 

0,4841 

3 ' 

o 

1790 

1021 


12,74 

0,4856 

4 

i 

j 

Chinotropin II 
Früh, Mittags 
und Abends 
je 2,5 g 

1500 

1020 

» 

13,89 

0,5364 

> 

i 

i 

i 

1 

| 0,5701 

5 

1620 

1023 

» 

16,60 

0,5326 

6 

1950 

1017 

» 

20,78 

0,6412 

7 

o 

Verlust 

— 

— 

— 

— 


8 

\ 

J 

Benzoesaures 
^ Natrium Früh, 
Mittags u. Abends 
je 2,5 g 

2160 

1015 

» 

19,71 

0,6481 

\ 

| 0,6681 

9 

1720 

1020 

i> 

14,04 

0,6917 

10 

2100 

1017 


14,09 

0,6645 


1) Keller, W.: Ueber Verwandlung der Benzoesäure in Hippursäure. 
Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. 43, S. 111. 

2) Garrod, A. B.: Uric acid: its physiology and its relation to renal calculi 
and gravel. The British medical joumal, 21 April 1883. 

3) Cook, E. A.: Influence of benzoates of alkalies on the excretion of 
uric acid. The British medical joumal, 7 July 1883. 


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137 


Versuchstag 

Medikation 

Hammenge 
in 24 Stunden 

Specifisches 

Gewicht 

Reaktion 

Gesamt- 

Stickstoff 

1 

in 24 
Stunden 

Harnsäure 

im Mittel 

11 

o 

1170 

1025 

! 

sauer 

12,98 

0,4356 


> 

> 0,6424 

12 

\ 

Sidonal 

Früh, Mittags 
und Abends 
je 2 g 

2430 

1014 


20,37 

0,6192 


>0,6267 

13 

1650 

1020 

i) 

14,87 

0,6257 

14 

1640 

1020 

>» 

14,02 

0,6353 

15 

o 

1500 

1020 

n 

13,36 

0,5549 


16 

Zimmtsaures 
Natrium Früh, 
Mittags u. Abends 
je 2 g 

1 

2220 

1015 

ii 

16,12 

0,8029 


17 

1 

1 

! 

j 

1 Zimmtsaures 

1 Natrium Früh, 

[ Mittags u. Abends 

1 je 2,5 g. 

1520 

1021 

ii 

14,16 

0,5498 

] 

] 

10,5621 

18 

1580 

1020 

ii 

15,63 

0,5745 

19 

0 

1700 

1018 

ii 

13,79 

0,3909 

i 

! 

i, 0,4393 

20 

O 

1380 

1021 

ii 

12,40 

0,4878 


Der Harn enthielt weder Zucker noch Eiweiss. 


Es fand sich in diesem Falle bei Darreichung grösserer Tagesdosen 
von Präparaten, die im menschlichen Organismus Hippursäure bilden (Chino- 
tropin II 7,5 pro die, enthaltend 6 g Chinasäure, Sidonal 6 g pro die, ent¬ 
haltend 4,9 g Chinasäure, benzoesaures und zimmtsaures Natrium je 7,5 g 
pro die) keine Abnahme, sondern vielmehr eine Zunahme der Harnsäure¬ 
ausscheidung. 

Bei derselben Versuchsperson haben wir später noch den Einfluss 
des Chinotropins I und der Chinasäure auf die Hamsäureausscheidung ge¬ 
prüft und bei diesem Versuch auch den Säuregrad des Harnes nach Freund 
und Lieblein bestimmt, die das Verhältnis der Gesamtphosphorsäure zur 
Phosphorsäure im Monophosphat als Massstab für die Acidität des Harnes 
annehmen. Die Diät war die gleiche, wie beim vorigen Versuche, der Ham 
war auch diesmal frei von Eiweiss und Zucker. 

Wir erhielten folgendes Ergebnis: 


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138 


ro 


© 

vO 

00 


© 

Ul 

1 

CO 

to 

H-* 

Versuchstag 

o 

o 

Chinasäure 3 mal täglich 2 g 

Chinasäure 4 mal täglich 1 g 

o 

\ 

Chinotropin I 

Früh, Mittags und Abends 
| je 2 g 

1 

o 

o 

O 

Medikation 

1340 

1000 

2100 

1960 

1300 

1150 

1535 

00 

ro 

ro 

1525 

UI 

00 

o 

1530 

1050 

Harnmenge 
in 24 Stunden 

1020 

1024 

1015 

1016 

s 
>—* 

o 

ro 

© 

1020 

6101 

1020 

1021 

1018 

1025 

Specifisches Gewicht 

2 



2 


1 



2 


- 

sauer 

Reaction 

13,36 

11,17 

13,92 

15,06 

14,25 

to 

V 

CO 

14,44 

15,82 

13,90 

15,24 

jS 

® 

14,20 

Gesamt-Stickstoff 

o 

T^ 

m 

5 

0,5425 

0,8027 

0,6364 

0,5503 

0,4631 

0,6308 

0,8030 

To 

m 

° 

0,5682 

o 

To 

■O 

ui 

0,6098 

Harn 

in 

24 Std. 






säure 

im 

Mittel 

>0,4970 

o 

Vj 

S 

<* 

> 0,7779 

o 

'bi 

Ui 

~4^ 

00 

ro 

8 

JO 

To 

© 

JO 

To 

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Monophosphate 

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Diphosphate 

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bi 

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© 

Acidität 

Gesph.: Monoph. 







Acidität im Mittel 

£ 

Ul 

O' 

X 

cn 

© 

> 47,57 

> 37,16 


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Tabelle IIL 






139 


Auch hier hatte also die Hamsäureausscheidung nicht nur beim Ge¬ 
brauch von 6 g Chinotropin I, das 4,38 g Chinasäure enthielt, sondern auch 
nach Einführung von 4—6 g Chinasäure selbst zugenommen. Sie betrug 
vor der Darreichung der Mittel pro die im Durchschnitt 0,6578 g, nach Ein¬ 
nahme des Chinotropins und der Chinasäure 0,7779 bezw. 0,7195 g. 

Die Bestimmung der Acidität des Harnes bei diesem Versuch zeigte 
ferner, dass an den Tagen, an denen das Chinotropin und die Chinasäure 
gegeben wurden, der Säuregrad des Harnes grösser war, als an den Tagen 
ohne Medikation. Dieser Befund schien uns eine Erklärung zu geben für 
die von einem von uns (N.) gefundene Thatsache, dass vielfach der Harn 
nach Darreichung von Chinotropin meist schon nach der Entleerung mit 
der Jorissen* sehen Probe eine verhältnismässig starke Reaktion gab, die 
auf eine stärkere Formaldehydabspaltung schliessen Hess 1 ). Indess zeigten 
Untersuchungen über den Säuregrad des Harnes, die wir noch bei zwei gesunden 
Personen, die keine konstante Kost bekamen, während 8 bezw. 9 Tagen an¬ 
stellten, dass eine Zunahme der Acidität des Harnes nach Chinotropingebrauch 
(wir benutzten bei diesen Versuchen auch Chinotropin I) nicht konstant ist. 
Trotzdem bei diesen Versuchspersonen nach Darreichung des Chinotropins der 
Säuregrad des Harnes nicht erhöht war, so gab doch der Urin auch sofort 
nach der Entleerung meist eine stärkere Formaldehydreaktion mit derjo- 
rissen* sehen Probe. Es müssen also noch andere Faktoren als die Zu¬ 
nahme des Säuregrades eine intensivere Abspaltung von Formaldehyd im 
Chinotropinham bewirken. 

Diese nach Gebrauch von Chinotropin vielfach beobachtete, schon in 
den Hamwegen auftretende stärkere Abspaltung von Formaldehyd im Ham 
legt den Gedanken nahe, ob sich nicht die Wirksamkeit des Urotropins bei 
den bakteriellen Erkrankungen der Hamwege durch die Kombination des 
Urotropins mit der Chinasäure, also durch Darreichung des Chinotropins, er¬ 
höhen Hesse. Versuche nach dieser Richtung scheinen uns angezeigt 

Resümieren wir die Resultate unserer bei Gesunden angestellten Chino- 
tropinversuche, so ergiebt sich, dass bei unsem Versuchspersonen selbst grössere 
Tagesdosen Chinotropin I und II (6 bezw. 7,5 g, die 4,38 g Chinasäure und 1,62 g 
Urotropin bezw. 6 g Chinasäure und 1,5 g Urotropin enthielten) die Harn¬ 
säureausscheidung nicht verminderten, in Versuch II und III sogar eine Ver¬ 
mehrung derselben bewirkten. Dass nicht etwa die Kombination der China¬ 
säure mit dem Urotropin die Ursache war, dass eine Abnahme der Ham¬ 
säureausscheidung, wie andere Autoren nach der Darreichung von anderen 
Chinasäurepräparaten (Sidonal) beobachteten, nicht eintrat, geht daraus 
hervor, dass auch Sidonal bei den 2 Versuchspersonen (Versuch I und II), trotz¬ 
dem wir es in grösseren Tagesdosen (6 bezw. 7,5 g) verabreichten, die Ham¬ 
säureausscheidung nicht herabsetzte, sondern vermehrte. Das Chinotropin II 
(7,5 g pro die) wirkte im Versuch 11 in der gleichen Weise wie das Sidonal, 
im Versuch I beeinflusste es die Hamsäureausscheidung gar nicht. 


1) cf. Nicolai er, A.: Experimentelles und Klinisches über Urotropin. 
Zeitschrift für klinische Medicin, Bd. 38, S. 360 ff. 


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140 


Auch bei Darreichung grösserer Dosen (7,5 g pro die) von benzoesaurem 
und zimmtsaurem Natrium beobachteten wir bei unserer Versuchsperson eine 
Zunahme der Hamsäureausscheidung, die bei benzoesauren Natrium *) grösser 
war als bei gleichen Dosen zimmtsauren Natriums. 

Bei unseren Versuchspersonen hatten demnach alle Hippursäure¬ 
bildenden Verbindungen (Chinotropin, Sidonal, Chinasäure, benzoesaures 
und zimmtsaures Natrium), die wir betreffs ihres Einflusses auf die Ham¬ 
säureausscheidung untersuchten, keine Verminderung derselben zur Folge, es 
bestand also bei ihnen jedenfalls nicht, wie angenommen wird, die Wechsel¬ 
wirkung zwischen Hippursäure und Harnsäure derart, dass eine Vermeh¬ 
rung der Hippursäure im Ham, wie sie nach Darreichung dieser Verbindungen 
statthat, eine Herabsetzung der Hamsäureausscheidung bewirkt. Wenn 
Blumenthal und Lewin nach Gebrauch von 5—8 g Sidonal eine Ver¬ 
minderung der Hamsäureausscheidung fanden, so muss mit Rücksicht auf 
unsere Versuchsergebnisse mit diesem Mittel angenommen werden, dass 
diese Wirkung nur eine individuelle ist. Uebrigens sprechen dafür auch die Re¬ 
sultate von Blumenthal und Lewin, denn, wie wir oben S. 132 schon her¬ 
vorgehoben haben, war bei einem der vier Kranken, solange er keine die 
Harnsäure vermehrende Kost (Thymus) erhielt, die Hamsäureausscheidung 
nicht vermindert. 

Vielleicht ergeben noch weitere Versuche mit dem Chinotropin, dass 
es zuweilen auch die Hamsäureausscheidung zu beschränken vermag. Selbst 
wenn dies nicht der Fall sein sollte, so scheinen uns doch mit Rücksicht 
auf die von v. Leyden und Andern bei der Behandlung der Gicht erzielten 
günstigen Ergebnisse mit dem Sidonal, das ja doch nur in einer Reihe von 
Fällen die Hamsäureausscheidung vermindert hat, therapeutische Versuche mit 
dem Chinotropin um so mehr angezeigt, als, wie der eine von uns 
(N.) schon früher 2 ) mitgetheilt, das Urotropin allein in Tagesdosen von 1,0 
bis 1,5 g, die in 3,7—5,5 Chinotropin 1 und in 5—7,5 g Chinotropin II 
enthalten sind, bei der Gicht eine günstige therapeutische Wirkung hat. 

Besonders aber würde das Chinotropin bei der Behandlung der harn- 
sauren Harnsteine zu versuchen sein, da unter dem Einfluss des in ihm ent¬ 
haltenen Urotropins 3 ) bei Darreichung genügend grosser Dosen, die 1,0 bis 
1,5 g Urotropin entsprechen, der Ham, wie wir uns mehrfach überzeugt 
haben, bei Körpertemperatur hamsäurelösend wirkt 


1) Anmerkung bei der Korrektur. Nach Fertigstellung der Arbeit ist eine 
Mitteilung von M. Lewandowsky über den Einfluss der Benzoesäuren auf die 
Hamsäurebildung (Zeitschrift für klinische Medicin Bd. 40) erschienen, nach der 
bei 3 Personen die Darreichung von 5—9 g Benzoesäure pro die die Hamsäure¬ 
ausscheidung nicht verminderte. Auch grosse Dosen Chinasäure und chinasaures 
Lithion 10—12 bezw. 8—12 g pro die setzten die ausgeschiedene Harnsäuremenge 
nicht herab. 

2) Experimentelles und Klinisches über Urotropin. Zeitschrift für klinische 
Medicin, Bd. 38, S. 412. 

3) ebendaselbst S. 366 ff. 


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141 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 


Frank, J.: Zur Kasuistik des Diabetes mellitus. (Prag. med. Wochenschr., Nr. 25.) 

Bei einem 19 jährigen Individuum, welches seit dem 5. Lebensjahre an 
Coxitis litt, wurde von Lorenz unter angeblich leichter Chloroformnarkose ein 
Hüftgelenkredressement vorgenommen. Die Operation verlief zu allseitiger Be¬ 
friedigung. Der Pat. bot nichts Auffälliges, schien nur etwas blässer. Appetit 
und sonstiges Befinden war normal. Als nach ca. 4 Wochen der Gipsverband 
entfernt, und das Bein massiert wurde, zeigte sich Patient derartig aufgeregt, dass 
er am ganzen Körper zitterte, den Appetit verlor und unstillbaren Durst bekam. 
Die Speisen wurden mehrmals am Tage erbrochen, der Schlaf war ganz gestört. 
Nach Rückkehr aus Wien fand Verf. ein gänzlich verändertes Verhalten und kon¬ 
statierte das stark ausgeprägte Krankheitsbild eines Diabetes mellitus. Die Harn¬ 
untersuchung ergab einen Zuckergehalt von 6 %• Trotz sorgfältigster und auf¬ 
merksamster, rein diätetisch-hygienischer Behandlung nahm die Krankheit einen 
ungemein rapiden Verlauf und endigte innerhalb 3 Wochen letal. — Ob irgend 
ein Zusammenhang zwischen dem Eingriff und der Narkose zu dem Diabetes 
bestand, ob das Entstehen des Diabetes auf anderen Möglichkeiten beruhte, konnte 
mangels einer Autopsie nicht festgestellt werden, wiewohl vor der Operation dia¬ 
betische Erscheinungen durchaus fehlten. »Das Interesse, welches der vorstehende 
Fall beansprucht, konzentriert sich auf die merkwürdig innige Aufeinanderfolge des 
psychischen Traumas (Furcht vor einem neuerlichen Eingriff gelegentlich der Ver¬ 
bandabnahme, möglicherweise aufgetauchte excessiv sehr schreckhafter Vor¬ 
stellungen und den Symptomen des schweren Diabetes) ein so promptes Nach¬ 
einander, dass die seelische Erschütterung geradezu eine Umsetzung in den 
Diabetes erfahren zu haben scheint.« v. Boltenstern (Bremen). 

Vannini: Ueber den Stoffwechsel bei Diabetes insipidus. (Berl. klin. Wochenschr., 

Nr. 29.) 

V. hat an einem Mann und einem 14jährigen Mädchen, deren ausführlich 
mitgeteilte Krankengeschichten keine auffällige Abweichungen vom Typus auf¬ 
weisen, je 6 Tage dauernde Untersuchungen des Stoffwechsels angestellt. Die 
Methoden waren die allgemein üblichen, die Resultate folgende: 

Die »Perspiratio insensibilis« hielt sich — unter Einberechnung der im 
Körper selbst aus dem H entstehenden Mengen H 2 0 in die Bilanz des Wassers 
— annähernd normal: 1,24—1,58 °/ 0 des Körpergewichts und betrug damit 16,48 
bezw. nur 9,39 % des in summa ausgeführten Wassers (in der Norm 30—50 %). 
Der Eiweissumsatz, der im ganzen bisher wenig studiert ist, verhielt sich bei 
beiden Kranken verschieden; bei dem einen ein geringes Plus, dem anderen — 
sogar bei etwas grösserem Calorieengehalt der Nahrung — ein Minus. Beschrän¬ 
kung der Wasseraufnahme setzte die N-Ausfuhr erheblich herab. Die Fäulnis¬ 
prozesse (gemessen am Verhältnis der H 9 S0 4 -Werte), die Resorption (berechnet aus 
dem prozentualen Verhältnis der im Kot gefundenen Mengen N, Fett und Kohlen¬ 
hydrate zu denen der Einfuhr) wichen kaum von der Norm ab, ebenso wenig die 
Werte für N, NH a , CO(NH 2 ) 2 . ln dem einen der beiden Fälle ist Verf. geneigt, 
eine vorübergehende Hyperchlorurie anzunehmen, die aber angesichts der kurzen 
Beobachtungsdauer noch nicht genügend gesichert erscheint. Die angeführten 
P 2 0 5 -Mengen sind absolut bei beiden nicht gross; bei dem Mädchen lässt sich 
eine procentualiter sogar bedeutend (30 %) erscheinende Hyperphosphaturie aus 
d?n angeführten Werten berechnen, Pickardt (Berlin), 


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142 


Bain, William: Observations on the excretion of nitrogen in rheumatoid arthritis. 

(Edinb. med. Journ. May.) 

Bestimmung der Mengen des Harnstoffs, der Harnsäure, P*O ß , Alloxur- 
basen, Ammoniak im Urin eines an chron. Arthritis Leidenden. Resultat: Ver¬ 
minderung der Harnsäure und Phosphorsäure; normales Verhältnis zwischen 
Harnsäure und Alloxurbasen. A. Hesse (Hamburg). 

Lewandowsky, M.: Versuche über den Einfluss der Benzoüsäuren auf die 
Harnsäurebildung. (Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 40, H. 3. 4.) 

Nach J. Weiss soll die Chinasäure (Hexahydrotetraoxybenzoesäure) die 
Harnsäureausscheidung herabsetzen, und diese Behauptung stützt sich auf 2 That- 
sachen, dass nämlich 1) die Chinasäure als Hippursäure, nach ihrer Reduktion zu 
Benzoesäure unter Parung mit Glycocoll ausgeschieden wird, und dass 2) in 
vitro eine Synthese der Harnsäure aus Harnstoff und Glycocoll möglich ist. Es 
soll also das normalerweise sich mit dem Harnstoff zur Harnsäure parende 
Glycocoll mit der Benzoesäure Hippursäure bilden, wodurch dann bei Einführung 
von Benzoesäure resp. Chinasäure die Harnsäureausscheidung um die Menge der 
durch Synthese gebildeten Harnsäure vermindert werden und der Steigerung der 
Hippursäure eine Herabsetzung der Harnsäure entsprechen müsste. 

Zur Prüfung dieser Frage stellte L zunächst 5 Versuche mit Benzoesäure 
an, welche an 3 Personen in Dosen von 5—9 gr täglich gegeben wurde; die 
Darreichung dauerte 2, 3, 3, 5 und 7 Tage, wobei aber keine (!) gleiche Kost ge¬ 
geben wurde. Es zeigte sich, dass 1) in keinem Versuche eine deutliche Ver¬ 
minderung der Hamsäuremenge eintrat und dass 2) die Hippursäurebildung, deren 
Menge in einer Versuchsreihe bestimmt wurde, ganz unabhängig von der der 
Harnsäure ist. 

Im Gegensatz zu Blumenthal und Lewin konnte L. auch die Darreichung 
von Chinasäure (Tetraoxybenzoesäure) und chinasaurem Lithium (10—12 gr) keine 
Herabsetzung der Harnsäureproduktion finden, und glaubt, dass die auffallend 
günstigen Erfolge der Chinasäurepräparate bei der Gicht auf der schwach nar¬ 
kotischen bezw. anästhesierenden und antineuralgischen Eigenschaft der Salicyl- 
säuregruppe (Monoxybenzoäsaure-Salicylsäure) beruhen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Quelpolo, G. B. (Pisa): Nuovo metodo per determinare l'area gastriea. 
(Eine neue Methode zur Bestimmung der Magengrenzen.) Clinica mo- 

derna, Nr. 4. 

Dr. Landi hat das Magenende der Sonde mit einem kleinen Ballon, das 
Mundende mit zwei Röhrchen versehen, von welchen eines mit einer registrieren¬ 
den Feder in Verbindung steht, das andere mit einem Hahne. Nach Einführung 
der Sonde in den Magen bläst man von der mit dem Hahne versehenen Oeffnung 
der Sonde aus den kleinen im Magen befindlichen Ballon vorsichtig auf. Per- 
kutiert man hierauf die Magengegend mit leiser Perkussion, so gerät die regi¬ 
strierende Feder in oscillatorische Bewegungen, so lange man sich über dem 
Magen mit dem klopfenden Finger befindet, während die Feder absolut ruhig 
bleibt bei Erschütterung des Darmes. Hierdurch lässt sich die Magengrenze 
sehr genau finden. Rothschild (Soden a. T.) 

Bunch, J. L: On the mechanism of the intestinal movements, and on reversal of the 
intestine. (Edinb. med. Journ. May.) 

Eine kurze Darstellung der Physiologie der Darmbewegungen, soweit sie 
bisher bekannt, und Wiedergabe der Versuche von Mall (Johns Hopkins 


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143 


Hosp. Rep. 1896) über das Verhalten eines in der Verlaufsrichtung gewendeten 
Darmstücks. Enthält nichts Neues. A. Hesse (Hamburg). 

Schoedel, Joh.: Bacilläre Magendiphtherie. Diphtheriebacillen im Magen- und Darm¬ 
inhalt und in den Dejectionen. Mitteilungen aus d. städt. Diphtherie-Untersuchungs¬ 
station in Chemnitz. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 26.) 

Bei der Section eines an Diphtheria faucium gestorbenen Kindes fand sich 
auf der Schleimhaut des Magens ein teils fest adhärierender, teils leicht abzieh¬ 
barer croupöser Belag, dessen bakteriologische Untersuchung ergab, dass es sich 
um eine echte bacillär-diphtherische Gastritis handelte, die intra vitam keinerlei Er¬ 
scheinungen gemacht hatte. Durch diese Beobachtung zu weiteren Untersuchungen 
angeregt, konnte Verf. in mehreren Fällen von Rachendiphtherie ausser auf der 
makroskopisch unveränderten Magenschleimhaut auch im Darm und in den Faeces 
Löffler* sehe Bacillen nachweisen; die im Magen gefundenen Bacillen erwiesen sich 
sogar als hochvirulent. Echt diphtherische Enteritis bei Diphtherie ist nach Verf. selten, 
dagegen findet man, wie auch in dem obigen Falle, häufig eine Enteritis follicularis. 
Gegenüber der allgemein gültigen Anschauung, dass das Diphtherietoxin vom 
Verdauungskanal aus nicht wirksam sei, erklärt Sch., dass er sich eine Allgemein¬ 
infektion des Organismus von der geschädigten Magen- und Darmschleimhaut aus 
ebenso gut vorstellen könne wie von der Pharynx- oder Larynxschleimhaut. Die 
Gefahr der allgemeinen Intoxikation beginne mit der Ausscheidung vollvirulenter 
Bacillen durch den Stuhl. 

Aus dem einmal erbrachten Nachweis der Diphtherieerreger in den De- 
jektionen zieht Verf. die praktisch wichtige Folgerung, dass man in Zukunft mit 
den Ausleerungen Diphtheriekranker die gleiche Vorsicht beobachten müsse wie 
mit dem Mund- und Magensekret. Schade (Göttingen). 

Douglas, Carstairs: Some practical observations on the early diagnosis of cancer of 
the stomach. (Edinb. med. Joum. May.) 

Die Frühdiagnose des Care, ventric.! Bringt für den deutschen Leser 
nichts Neues. 

Interessant ist wohl nur, dass nach Ansicht des Autors auch in England 
die Krebserkrankungen in Zunahme begriffen sind, selbst wenn zuzugeben ist, 
dass ein Teil der Zunahme durch grössere Genauigkeit der Todesbescheinigungen, 
bessere Diagnosen, Abnahme der Kindersterblichkeit und folgedessen häufigeres 
Erreichen des Krebsalters, verursacht ist. A. Hesse (Hamburg). 

Adamkiewicz: Beseitigung eines Magencarcinoms und einer carcinomatösen Darm- 
strictur durch das CancroTn. (Therap. Monatshefte, Juli, S. 346.) 

Bei einem 63 jährigen, an Dyspepsieen und hartnäckiger Obstipation leiden¬ 
den Mann fand sich eine Geschwulst der grossen Curvatur des Magens und einige 
kleine Knötchen in der Tiefe des Peritoneum; »dass Carcinom vorlag, war klar«. 
Dem Pat. wurden neben einer Wasserkur (!) Cancroininjektionen verordnet, als 
deren Erfolg innerhalb 4 Wochen ein völliges Verschwinden der Infiltration am 
Magen »sogar vom Badediener« konstatiert wurde. Dagegen wurden die Darm¬ 
beschwerden intensiver, nach A. infolge einer durch »reaktionäre Schwellung« er¬ 
folgten Verengerung des Darmlumens. »Beweis«: Faeces in Form von Ziegenkot. 

Nach weiteren 2 Wochen — ohne Injektionen — Aufhören der Darm¬ 
beschwerden nach einer heftigen Blutung: »Abstossung der Darmtumoren«. 

Pat. war 5 Monate später beschwerdefrei. Die Cancroinbehandlung musste 
»leider« (?) unterbrochen werden, Pickardt (Berlin), 


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144 


Wunderlich (Neudorf i. Erzgeb.): Zur Einwanderung von Fremdkörpern in den 

Dünndarm nach Laparotomie. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 28.) 

Mit Bezug auf den von Merttens (Düsseldorf) im Centralbl. f. Gyn., 
Nr. 4 mitgeteilten Fall von Einwanderung einer bei der Laparotomie zurück¬ 
gelassenen Kompresse in den Dünndarm teilt W. zwei ähnliche Beobachtun¬ 
gen mit: 

1) 56jährige Frau; Entfernung einerOvarialcyste durch Laparotomie; glatte 
Heilung. Nach 3 1 / i Monaten plötzlich Abgang einer 21 cm breiten und 100 cm 
langen Kompresse in diarrhoischem Stuhl, ohne weitere Beschwerden. 

2) 39jährige Frau; 36 Stunden nach einer Cholecystektomie unerwarteter 
Exitus unter den Erscheinungen eines Herzkollapses. Bei der Sektion fand sich 
in der Peritonealhöhle ein Leinentuch, etwa von der Grösse eines Taschentuches. 
Weder Peritonitis noch eine nennenswerte Blutung. Der in der Bauchhöhle zu¬ 
rückgelassene Fremdkörper stand zum Exitus in keiner Beziehung. 

Schade (Göttingen). 

Quervain, F. de: A quel moment faut-il opörer dans les cas d’appendicite? (La semaine 

m&i. 6. Juni.) 

Verf. schildert zunächst, wie in den letzten Jahren die Chirurgen in der 
Operation der Perityphlitis zurückhaltender geworden sind durch die Einsicht, dass 
eine grössere Zahl ohne Eingriff heilte und der Eiter sehr häufig resorbiert wurde, 
dass anderseits das Peritoneum sehr empfindlich gegen Infektion ist und bei 
multiplen Abscessen schon der Operationsshok töten kann. Die Operation im 
akuten Stadium kann zudem Hernien setzen, und oft fand man, dass die Lapora- 
tomie unnütz war. Um klarzustellen, wann und in welchen Fällen operiert werden 
soll, giebt Verf. verschiedene Krankheitsbilder, an denen er diese Frage beantworten 
will. 1. Bild: Starke Koliken in der lleocoecalgegend, Puls gut, Temp. kaum er¬ 
höht, etwas Erbrechen, leichte diffuse Druckempfindlichkeit des Abdomens, in der 
Gegend des Processus Muskelspannung, vielleicht schon leichte Resistenz, Zunge 
feucht, keine Cyanose, kein Ikterus. Die Diagnose kann falsch sein, die Heilung 
ist wenig günstig, also lieber bewaffneter Friede, wenn nicht schwere vorher¬ 
gehende Anfälle eine Ausnahme erfordern. 2. Bild: Starker diffuser Bauchschmerz, 
Puls beschleunigt, Temp. höher, Dyspnoe, heftiges andauerndes Erbrechen, perito- 
nitische Erscheinungen am 1. oder 2. Krankheitstage. Palpation lässt keine ab- 
grenzbare Ansammlung erkennen, durch Perkussion leichter Peritonealerguss feststell¬ 
bar. Sind in diesem Fall schon leichte subikterische Gelbfärbung der Haut, sensorielle 
Störungen, fatale Euphorie mit Angstgefühl wechselnd vorhanden, die Züge verfallen, 
Extremitäten kalt, Puls fadenförmig, ist also das Bild einer schweren Septicaemie 
deutlich, so bleibt man besser davon, jedenfalls lässt sich eine unumstössliche 
Vorschrift nicht geben. Geht die Peritonitis nicht mit den Zeichen schwerer Sep¬ 
ticaemie einher, bleibt der Puls gut, fällt die Temp. nicht Böses verkündend wie 
bei der Septicaemie ab, so zählt der Eingriff die meisten Erfolge, aber ebenso viele 
das Unterlassen desselben. So stehen die Sachen im ersten Beginn der Krank¬ 
heit. Später, wenn eventuell der Kranke durch Brech- und Abführmittel sein 
Leiden verschlimmert hat, können 3 Eventualitäten eintreten: 1. Symptome diffuser 
Peritonitis mit mehr oder weniger Meteorismus, keine Dämpfung, keine Resistenz, 
Temp. erhöht, Puls schnell, mehr oder weniger schwerer Allgemeinzustand. Hier 
sind am häufigsten abgekapselte multiple Abscesse vorhanden, und der Chirurg 
thut gut, bis zum Auftreten deutlicher Abscesse zu warten, um intraabdominelle 
Massnahmen zu vermeiden. 2. Es sind Zeichen eines diffusen peritonealen Er¬ 
gusses da, dann soll man eine oder mehrere Incisionen machen und die Bauch¬ 
höhle drainieren. 3. Man findet eine vollkommen deutliche Resistenz und eine 
oft ganz leichte Dämpfung. Hier kann der chirurgische Eingriff heilsam sein und 
er ist zu fordern, wenn die Dämpfung nicht spontan in den ersten Tagen der 
Krankheit zurückgeht, oder wenn das geringste Symptom vorhanden ist, welches 


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145 


nicht mit den andern zusammenstimmt und dadurch beunruhigt. Ist die Resistenz 
sehr beschränkt und der Allgemeinzustand gut, kann man warten, solange die 
Symptome sich zu bessern scheinen. Auch kann mit Sonnenburg die Indikation 
besonders dringend werden, wenn es sich um ein Wiederaufflackern des erlöschen¬ 
den Prozesses handelt. Nicht alle mit Abwarten Behandelten sind eines chirurgi¬ 
schen Eingriffs überhoben, die Exstirpation des Processus soll nach dem ersten 
sicheren Anfall und auch bei solchen vorgenommen werden, die im akuten Stadium 
chirurgisch ohne Abtragung des Wurmfortsatzes behandelt sind. In der Heilung 
der Perityphlitis bedeutet individuelle Behandlung jedes Einzelfalles gegenüber 
der systematisch vorgenommenen Operation den Fortschritt. 

Waldvogel (Berlin). 

Crowder, T. R.: A eontribution to the pathology of chronic hyperplastie 
tubereulosis of the caeeum, based upon the study of two eases, in one 
of whieh careinoma of the eaecum eoexisted. (American Journal of Medical 

Sciences, June.) 

Der erste Fall von localisierter chronischer Cöcumtuberkulose wurde nach 
dem Autor 1835 von A. Dupin beschrieben. 1898 konnte Conrath in den Bei¬ 
trägen zur klin. Chir. 85 Fälle bearbeiten. Während diese seltene Affektion oft 
das Interesse französischer und deutscher Autoren erregt hat, sollen sich in der 
englischen und amerikanischen Litteratur nur ganz wenige Fälle veröffentlicht 
finden. Verf. fügt diesen 2 klinisch und pathologisch-anatomisch genau beobachtete 
Fälle hinzu. Das eine Mal handelt es sich um ein 14jähriges farbiges Mädchen, 
das seit 8 Monaten an krampfartigen Schmerzen im Abdomen litt, die 10—15 Mi¬ 
nuten jeweils andauerten und sich immer mehr in der rechten Fossa iliaca loca- 
lisierten. Allmählich trat Erbrechen hinzu. Resection des Tumors, direkte Ver¬ 
einigung des Colon- und Ileum-Lumens, Heilung. Der Tumor bestand aus hyper¬ 
plastisch gewucherten fibrösen und muskulären Elementen, der Nachweis der 
Tuberkelbacillen gelang, wenn auch in spärlicher Zahl. Obwohl auf den Lungen 
eine Affektion sich nicht nachweisen Hess, ist Verf. trotzdem nicht der Mei¬ 
nung, dass es sich um primäre Cöcumtuberkulose handelte, sondern neigt zu der 
Ansicht, dass doch ein kleiner unentdeckbarer Lungenherd vorhanden gewesen ist. 

Der zweite Fall betraf eine 54jährige Frau, die drei Jahre vorher durch 
Operation von Brust- und Axillatumoren unbekannter Natur befreit wurde. Für 
eine zweite Operation war ihr Zustand nicht geeignet (es bestand chron. Lungen¬ 
tuberkulose und Nephritis) und sie starb unoperiert an Darmocclusion. Die 
Section zeigte, dass es sich um ein Carcinom des Coecum mit zugleich bestehen¬ 
der tuberkulöser Hyperplasie handelte. Der Verf. glaubt, dass die Tuberkulose 
zuerst einsetzte, und dass das Carcinom seinen Ausgang vom Rande eines alten 
tuberkulösen Geschwürs nahm und als benigne papillomatöse Geschwulst begann, 
eine fast konstante Begleiterin chronischer Cöcumtuberkulose. Auch in andern 
Organen schaffe chronische Tuberkulose Disposition zur Entwicklung eines 
Carcinoms. 

Eine gedrängte Uebersicht über pathologische Anatomie, Aetiologie, Patho¬ 
genese, Verlauf der in Rede stehenden Affection schliesst sich an die Wiedergabe 
der beiden Fälle an. A. Hesse (Hamburg). 

Bätsch: Zur Atropinbehandlung des Ileus. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 27.) 

Seine früheren Angaben über die günstigen Wirkungen des Atropin bei 
gewissen Formen des Ileus (cf. Münch, med. Wochenschr., S. 1522 u. 1758) ergänzt 
Verf. durch Mitteilung von 3 Beobachtungen, in denen er Atropin in grossen Dosen 
(0,005 g mehrmals tgl.!) in Anwendung brachte. In 2 Fällen erfolgten bald reich¬ 
liche Stuhlentleerungen, nur in einem Falle, der eine 45 jährige Frau betraf, blieb das 
Atropin ohne Einfluss. Man schritt daher zur Laparotomie und fand als Ursache 

Nr. 6, 


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146 


des Darmverschlusses Abschnürung einer Dünndarmschlinge durch einen para- 
metritischen Strang. Durchtrennung desselben und Loslösung der eingeklemmten 
Schlinge. Heilung. 

Es ist nicht dringend genug davor zu warnen, einen Ileus, der nur auf 
operativem Wege beseitigt werden kann — und zu den Fällen dieser Art zählt 
auch der zuletzt mitgeteilte — der internen Behandlung zu überlassen und darüber 
den geeigneten Moment eines erfolgreichen operativen Eingriffs zu versäumen. 
Uebrigens betont Verf. ausdrücklich, dass die Atropinbehandlung exakte Be¬ 
obachtung und persönliche Erfahrung voraussetze. Schade (Göttingen). 

Kanellis, Spiridion et Cardamatis, Jean: De la flövre dysenterique dite 
pernieieuse. (Le progrfcs m£d., Nr. 20.) 

Die als »perniciöses dysenterisches Wechselfieber (fievre dysenterique per- 
nicieuse)« beschriebene Form von Malaria halten die Verff. auf Grund eigner 
Beobachtungen und ausgedehnter statistischer Erhebungen nicht für eine Krank¬ 
heit sui generis, sondern für eine Komplikation der Malaria mit der Dysenterie. 
Beide Erkrankungen sind vorzugsweise Tropenkrankheiten, und so kann es Vor¬ 
kommen, dass sie bei gleichzeitigem endemischen resp. epidemischen Auftreten 
ein und dasselbe Individuum befallen. Sie entwickeln sich dann völlig unabhängig 
von einander, wobei allerdings das Bild der einen durch die Symptome der 
anderen mehr oder weniger verwischt werden kann. Ein Zusammenhang zwischen 
beiden ist nur in dem Sinne zuzulassen, dass der durch die Malaria geschwächte 
Organismus wie für andere krankmachende Einflüsse so auch für die dysenterische 
Infektion empfänglicher ist als der gesunde Körper und umgekehrt. 

Seitdem man übrigens auch für die Dysenterie einen spezifischen Ursprung 
annimmt, kann von einem ätiologischen Zusammenhang derselben mit Malaria¬ 
erkrankungen erst recht keine Rede mehr sein. 

Demgemäss hat auch die Therapie bei dem sog. perniciösen dysenterischen 
Fieber zwei getrennte Wege einzuschlagen: einerseits die Malaria, anderseits den 
dysenterischen Prozess zu bekämpfen. Das Chinin, das erprobte Mittel gegen 
Malariaerkrankungen, bleibt auf diesen ohne Einfluss. 

Die Verff. schlagen vor, die unpassende Bezeichnung: fievre dysenterique 
pernieieuse ganz fallen zu lassen und nur von einer »Komplikation des Wechsel¬ 
fiebers mit Dysenterie« zu sprechen. Schade (Göttingen). 

Badano, F.: La digestione pancreatica dell* albumina nelle lesioni della 
milza. (Die Eiweissverdauung des Pankreas bei Miizverletzungen.) (Clinica 

Medica Italiana, Nr. 2.) 

Die von Schiff 1862 aufgestellte Theorie von dem Einflüsse der Milz auf 
das eiweissverdauende Pankreasferment begegnete dem Skepticismus der wissen¬ 
schaftlichen Welt; neuerdings wurde die Frage neu studiert, insbesondere von 
Badano, welcher die Ergebnisse von Schiff im wesentlichen bestätigt. Bei ent- 
milzten Hunden ist die eiweissverdauende Kraft des Pankreasfermentes eine viel 
langsamere und schwächere als bei Hunden, deren Milz intakt ist — und es ge¬ 
nügt eine endovenöse Injektion von Milzsaft beim Lebenden oder Zusatz von 
.Milzsaft zum Pankreassafte in vitro, um demselben seine kräftigen proteolytischen 
Eigenschaften zurückzugeben. 

Der Autor sucht eine Erklärung für die Erscheinung in der Annahme, dass 
die Milz eine Substanz abscheide, welche das Proferment des Trypsin, das »Pro- 
typsin«, welches keine Wirkung in der Eiweissverdauung äussere, erst in das 
aktive Trypsin verwandle. Zur weiteren Stütze dieser Theorie weist der Autor 
darauf hin, dass bei Tieren mit schweren Verletzungen der Milz, der Pankreassaft 
eine geringe proteolytische Kraft besitzt Rothschild (Soden a. T.). 


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Prebbe, R. B.: Condusions based on sixty cases of fatal gastro-intestinal hemorrhage 
due to cirrhosis of thc liver. (Amer. Joum. of Med. Sciences, March.) 

Bei dem Interesse, das in den letzten Jahren tödliche Blutungen des In- 
testinaltractus ohne eine bei der Section erkennbare Ursache erregt haben, darf 
obige Arbeit nicht unbeachtet bleiben. Auf Orund von 4 eigenen und 60 aus der 
Litteratur gesammelten Fällen mit Autopsie kommt Verf. zu folgenden hauptsäch¬ 
lichen Schlussfolgerungen: 

Tödliche Intestinalblutungen sind eine nicht gerade seltene Komplikation der 
Lebercirrhose und zwar überwiegend der atrophischen Form. In ein Drittel der 
Fälle ist die Blutung tödlich; in den übrigen Fällen verteilen sich die Blutungen 
über Monate bis Jahre; das Maximum wurde einmal mit 11 Jahren erreicht. In 
einem Drittel der Fälle kann die Cirrhose vor oder bei der ersten Blutung diagno- 
sticiert werden; in andern Fällen kann die Diagnose gar nicht oder erst lange 
nachher bei Entwickelung anderer Symptome gestellt werden. (Durch Bildung 
des Colleteralkreislaufes nämlich auf dem Wege der Oesophagus - Venen 
werden die Folgen der Lebercirrhose, wie Milzschwellung, Ascites, Erweiterung 
der abdominellen Hautvenen hintangehalten). In 80 % aller Fälle handelt es 
sich um Blutungen aus Oesophagusvaricen, deren Ruptur in der Hälfte der Fälle 
makroskopisch sichtbar ist; auch bei den andern würde mittels Injektion von 
Flüssigkeit oder Luft in die Venen noch oft ein Einriss gefunden werden. 

Da, wo tödliche Blutungen ohne Varixbildung im Oesophagus sich er¬ 
eignen, verdanken sie ihre Entstehung wahrscheinlich der gleichzeitigen Ruptur 
vieler Capillaren der Schleimhaut des Intestinaltractus. Auch sie können auftreten 
vor irgend einem andern Symptom, das auf Cirrhose hinweist, jedoch viel seltener 
als die Blutungen aus Varicen. 

Der Autor führt ein paar Fälle an, in denen bei unverdächtiger Anamnese 
die Blutung das einzige Symptom war, sodass die Diagnose auf Magenulcus ge¬ 
stellt wurde (vgl. Fälle von Reichardt aus dem Augustaspital; Deutsch, med. 
Woch., Nr. 20). Umgekehrt kann man aber auch auf Grund der Anamnese und 
auf Grund solcher Blutungen zur Annahme einer Lebercirrhose verleitet werden 
und die Section ergiebt ein Ulcus ventric. 

Ein ausführliches Litteraturverzeichnis ist beigefügt. 

A. Hesse (Hamburg). 

Prosdoeimi, A.: Dell aseesso epatico. (Ueber den Leberabseess). Gazzetta 
degli Ospedali e delle Cliniche, Nr. 39, S. 411. 

Im Anschlüsse an einen infolge einer Verletzung entstandenen Fall unter¬ 
zieht der Autor die Symptomatologie des Leberabscesses eingehender Kritik. 

Der Schmerz ist meist vorhanden, kann jedoch vollkommen fehlen, und 
schwankt in seiner Intensität, Dauer und seinem Sitze. Er wird heftiger beim 
Husten, bei der Atmung, bei Seitenlage, bei Lagewechsel, bei der Palpation und 
Perkussion. In den meisten Fällen tritt der Schmerz intermittierend auf. Charak¬ 
teristisch ist Schmerzempfindung in der Nähe des Prozessus ensiformis. In 20 % 
der Fälle strahlt der Schmerz nach der rechten Schulter bezw. dem rechten Arme 
aus durch Vermittlung des rechten Phrenicus. Dies Symptom spricht nach 
Annesley für eine Lokalisation des Abscesses im konvexen Teile des rechten 
Leberlappens. 

Die Leberdämpfung ist stets vergrössert, die Intercostalräume weiter; der 
Perkussionsschall ist dumpfer und voller. 

Ikterus — meist nur leichter Natur — wurde in 16,8% der Fälle beob¬ 
achtet. 

Die Atmung ist verändert. Die Leute atmen nach dem Costaltypus und 
sind dyspnoisch. 

Gastrointestinalstörungen können fehlen; bei gleichzeitiger Dysenterie sind 


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sie sehr ausgeprägt und haben dann ätiologische Bedeutung. Fieber, meist sep¬ 
tischen Charakters, kann völlig fehlen. Die Dauer ^er Erkrankung schwankt von 
wenigen Wochen bis zu Monaten. Die Probepunktion kann durch Herausbeför¬ 
derung von Leberzellen wichtige Aufschlüsse geben. 

Die Differentialdiagnose hat vor allem die Frage zu erörtern, ob es sich 
um einen subphrenischen Abscess oder ein purulentes pleuritisches Exsudat handelt. 
Zur Entscheidung der Frage dienen folgende Anhaltspunkte: 

1) Beweglichkeit des Flüssigkeitsergusses spricht für Pleuritis. 

2) Die Rippen verlaufen bei der Pleuritis schief nach unten und innen —; 
beim Leberabscess horizontal oder gerade nach vorn. 

3) Das von v. Leyden angegebene Symptom der Druckschwankung. Das 
pleuritische Exsudat erhöht seinen Druck während der Exspiration, eine 
unterhalb des Zwerchfells gelegene Flüssigkeitsansammlung hingegen 
während der Inspirationsphase. Dabei ist daran zu erinnern, dass 
Queirolo gezeigt hat, dass durch Kontraktion der Bauchmuskeln unter 
gewissen Krankheitsbedingungen der endoabdominelle Druck auch während 
der Exspiration positiv werden kann. 

(Eine Erörterung der differentialdiagnostischen Momente gegenüber der 
Intermittens quotidiana, mit welcher schon Verwechslungen vorgekommen sind, 
gegenüber Bauchwandabscessen der Lebergegend, vereiterten Echinococcussäcken, 
und Cholelithiasis ohne Eiterbildung hätte der Vollständigkeit halber angefügt 
werden können. D. Ref.) Rothschild (Soden a. T.) 

Steele, J. Dutton: A critical summ&ry of the literature on retroperitoneal sarcoma. 

(Amer. Journ. of Med. Sciences. March.) 

Verf. sammelte 61 Fälle von Retroperitonealsarkomen unter Ausschluss aller 
der Tumoren, die mit den Organen jener Gegend, wie Niere, Nebenniere in Ver¬ 
bindung stehen. Unter Anlehnung an jene 61 Fälle giebt er ein klinisches Bild 
dieser seltenen Affektion, deren erste subjektiven Symptome sehr unbestimmter 
Natur sind und auf eine Affektion der Verdauungsorgane hinweisen. 

A. Hesse (Hamburg). 

Gross, A.: Ein Beitrag zur Kenntnis der pseudo-chylösen Ergüsse. Aus 
der med. Klinik zu Strassburg. (Arch. für experimentelle Pathologie u. Pharma¬ 
kologie, Bd. 44, H. 3. 4.) 

In den bisher bekannten Fällen von Ascites mit milchiger Beschaffenheit 
war die milchweisse Farbe des Ergusses entweder auf einen erhöhten Fettgehalt 
oder auf das Vorhandensein eines nicht näher bekannten Eiweisskörpers, der sich 
einigemale als eine Mucoidsubstanz, und in einem anderen Falle als ein dem 
Casein verwandter Ei weisskörper aus wies, zurückzuführen. In allerjüngster Zeit 
haben 2 italienische Forscher, F. Micheli und G. Mattirolo, die Bedeutung des 
Lecithins für die Entstehung der speudo-chylösen Ascitesformen betont. Diese 
Behauptung konnte G. in einem Falle von Magen- und Lebercarcinom mit Ascites 
bestätigen. Von trübenden Substanzen — der Fettgehalt war sehr gering — kam 
allein der in der mittels Punktion gewonnenen Ascitesflüssigkeit gefundene 
P-haltige lecithinartige Körper in Betracht, dessen Menge genügte, um die Trübung 
zu erklären. Nach Angaben der italienischen Autoren reichen zur Erzeugung 
einer Trübung 0,159 gr im Liter aus. 

Dass der lecithinartige Körper die Opalescenz verursachte, geht aus folgen¬ 
den Versuchen hervor, von denen der erste schon aus der italienischen Arbeit 
bekannt ist: 

1) Durch Kochen mit Alkohol wird die Ascitesflüssigkeit nach Abfiltrierung 
des Eiweissniederschlages völlig klar; verjagt man den Alkohol, so entsteht wieder 
dieselbe grünliche Opalescenz, wie sie die Punktionsflüssigkeit zeigte. 


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2) Bei der Verdauung fällt der lecithinartige Körper aus und die Trübung 
verschwindet. 

3) Macht man das Exsudat stark alkalisch und schüttelt dann mit Aether, 
so hellt sich nach und nach die Flüssigkeit auf; ein N- und P-haltiger Körper 
fällt aus, der sich genau verhält wie der Verdauungsrückstand. 

Hagenberg (Göttingen). 

Casper und Richter, P. F.: lieber funktionelle Nierendiagnostik. (Berl. klin. Wochen- 

schr., Nr. 29.) 

Obgleich das in dieser kurzen Mitteilung behandelte Thema nicht recht 
eigentlich das in diesem Centralblatt vertretene Arbeitsgebiet berührt, erscheint 
ein kurzes Referat wohl angezeigt, da eine derjenigen Methoden, deren Anwendung 
in der Stoffwechselpathologie wesentliche Ergebnisse gezeitigt hat, hier auf das 
Ingeniöseste und Erfolgreichste benutzt worden ist. 

Die Verff. sind — eine ausführliche Mitteilung in Gestalt einer Mono¬ 
graphie haben sie in Aussicht gestellt — von der Erwägung ausgegangen, dass 
für therapeutische Zwecke die funktionelle Diagnostik oft von grösserer Be¬ 
deutung ist als die Kenntnis des anatomischen Zustandes des erkrankten Organs. 

Für die Magenpathologie ist dieses Prinzip längst als richtig erkannt und 
Axiom geworden, für den Darm durch die Bemühungen von A. Schmidt wenig¬ 
stens diese Frage in Fluss gebracht. (Ref.) 

Um nun über die Arbeitsleistung der Nieren und zwar jeder einzelnen (!) 
sich zu orientieren, haben sich C. und R. der Fähigkeit dieses Organs, auf In¬ 
jektion von Phloridzin Traubenzucker auszuscheiden, erinnert und durch Unter¬ 
suchung des mittels Uretherencatheterismus entnommenen Urins gefunden, dass 
1. gesunde Nieren bei gleichzeitiger Entnahme in gleichem Zeitraum die gleichen 
Mengen Zucker fproduzieren; 2. die kranke Niere weniger ausscheidet als die 
gesunde, und zwar um so geringere Mengen, je ausgedehnter die Affektion. 
3. die Grösse der Zuckerauscheidung, der Hamstoffausscheidung und molekulären 
Konzentration einander parallel gehen. 

Die zur Injektion nötige Menge beträgt nur wenige Milligramme. 

Pickardt (Berlin). 

Erben, F: Die chemische Zusammensetzung des Blutes bei pernieiöser 
Anämie. Aus dem Lab. f. med. Chem. in Wien. Hofrat E. Ludwig. (Zeitschr. 
f. klin. Med., Bd. 40, H. 3. 4.) 

Bei einem Falle von pernieiöser Anämie stellte E. genaue Analysen des 
Gesamtblutes an. Die Analyse des Gesamtblutes wurde von ihm nach der Hoppe- 
Seilerschen Methode und die der Asche nach der Bunsens vorgenommen. 
Die Untersuchungen führten zu folgenden Ergebnissen: 

Der Eiweissgehalt ist herabgesetzt (Hypalbuminose), und dies ist darauf zurück¬ 
zuführen, dass einerseits der Eiweissgehalt des Serums herabgesetzt ist, anderseits 
auch das Gewicht der Blutköperchensubstanz, pro 1000 gr Blut auf ein Viertel ver¬ 
mindert ist, wobei aber die einzelnen Eiythrocyten hypertrophisch sind und einen 
vermehrten Eiweissgehalt besitzen. 

Von den einzelnen Eiweisskörpern ist die Menge des Fibrins absolut ver¬ 
mindert (Hypinose), aber relativ ziemlich normal, die des Albumins fast normal 
und die ganze Verminderung des Eiweissbestandes im Serum beruht fast auf 
einer hochgradigen Herabsetzung des Serumglobulins. 

Diese Verarmung des Serums an Globulin glaubt derVerf. mit der bei der 
pemieiösen Anämie so häufig vorkommenden Atrophia mucosae ventriculi et duo- 
deni in einen Causalnexus bringen zu können, indem er darauf hinweist, dass 
die Funktionsstörung in diesem Falle darin besteht, dass kein Globulin mehr 
aus den Verdauungsalbumosen und Peptonen gebildet wird, wodurch der Körper 


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an Globulin verarmt und besonders an den nur hieraus bestehenden Zellen, 
nämlich den Eiythrocyten, welche in dieser Krankheit eine progressive Abnahme 
erleiden. 

Der Wassergehalt ist entsprechend der Verminderung der Eiweissköper 
erhöht. Die hypertrophischen roten Blutkörperchen sind gequollen. 

Das Fett ist im Blute in normaler Menge vorhanden, das Cholestearin 
vermindert, auf die Einheit der organischen Substanz dagegen bezogen in den 
Eiythrocyten in normaler Menge. 

Das Lecithin ist im Gesamtblut erheblich verringert; dieser Verlust bezieht 
sich aber nur auf das Serum, in den Eiythrocyten ist seine Menge erhöht. 

Die Asche ist vermehrt. Na s O und CI, CaO und MgO, erfahren eine Zu¬ 
nahme, welche bei den ersten beiden wohl als der Ausdruck der hydrämischen 
Blutbeschaffenheit anzusehen ist und bei den letzteren auf die vermehrte Kalk¬ 
ausfuhr infolge Knocheneinschmelzung durch die pathologischen Prozesse im 
Knochenmarke anzusehen sein dürfte. K a O und P a O* erleiden eine Verminderung 
infolge der herabgesetzten Eiythrocytenzahl. Das Eisen ist im Gesamtblute ver¬ 
mindert, doch sind Eiythrocyten eisenreicher als normal, und auch das Serum 
zeigte sich eisenhaltig. Die aus diesem Eisengehalte berechnete Menge des 
Hämoglobins übersteigt den Eisengehalt der roten Blutkörperchen, sodass entweder 
das Hämoglobin bei pemiciöser Anämie eisenreicher als normal ist, oder dass die 
Eiythrocyten noch anders gebundenes Eisen enthalten, oder beides der Fall ist. 

Hagenberg (Göttingen). 

Erben, F.: Zur Kenntnis der chemischen Zusammensetzung lymphämischen 
Blutes. Aus d. Inst. f. angew. med. Chem. d. Univ. Wien. Hofrat Prof. E. Lud¬ 
wig. (Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 40, H. 3. 4.) 

Die Untersuchungen betreffen 2 Fälle von lymphatischer Leukämie. Die 
Analyse des Blutes wurde nach Hoppe-Seilers Methode durchgeführt, die der 
Aschen nach Bunsen. Die in den beiden Fällen gefundenen Veränderungen 
sind nicht in allen Punkten die gleichen. 

Das Serum zeigte in beiden Fällen normale Verhältnisse; eine erheblichere 
Verminderung erlitt das Cholestearin, während die Kalksalze eine Vermehrung auf¬ 
wiesen. Der Fettgehalt war normal. 

Die Eiythrocyten lassen in dem Falle II keine erheblicheren Veränderungen 
in ihrer Zusammensetzung erkennen, während in Fall I neben einer deutlichen 
Verminderung ihres Eisengehaltes eine solche des Cholestearins und eine Ver¬ 
mehrung des Lecithins und des Chlors bestehen; diese Veränderungen glaubt E. 
durch eine das Krankheitsbild komplizierende Chlorose, an welcher die Patientin 
in ihrer Jugend in hochgradigem Masse gelitten hatte, erklären zu können. 

Was die Aenderung der Mengenverhältnisse der einzelnen Bestandteile im 
Gesamtblute anbetrifft, so ist in beiden Fällen der Hämoglobingehalt herabgesetzt. 
Fett und Lecithin sind vermehrt, wohl infolge der vermehrten Zahl der Leukocyten. 

E. Ludwig und nach ihm andere hatten im Leichenblute Leukämischer 
(lienal-myelogen) einen uncoagulierbaren Eiweisskörper gefunden, der sich einmal 
als Pepton, einmal als ein albumoseartiger Körper zeigte, während derselbe im 
Blute Lebender bei dieser Affektion fast ausnahmslos vermisst wurde. Es ist an¬ 
zunehmen, dass in den polynukleären Leukocyten ein Körper oder ein Ferment 
enthalten ist, welches postmortal zur Bildung peptonartiger Substanzen aus dem 
Bluteiweiss führt. In diesen beiden Fällen fanden sich aber keine uncoagulier¬ 
baren Eiweisskörper, und man darf daher die Annahme nicht von der Hand 
weisen, dass nur die polynukleären Leukocyten dies Ferment enthalten, die 
Lymphocyten dagegen frei sind. Im Gegensätze zur lienal-myelogenen Leukämie 
zeigte das Fibrin keine Veränderung seiner Menge. 

Von den Aschebestandteilen sind K a O und F1 2 0 3 wenig vermindert, P 2 O ß 
dagegen vermehrt, ebenso CINa. Hagenberg (Göttingen). 


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Schittenhelm, Alfred: Ueber einen Fall von Weil’seher Krankheit. Aus d. 
Karl-Olga-Krankenhaus zu Stuttgart. Innere Abt.: Obermedicinalrat Dr. v. Fetzer. 

(Münch, med Wochenschr., Nr. 28.) 

Der bei einem 31jährigen Patienten zur Beobachtung gelangte Fall von 
Weil’scher Krankheit ist bemerkenswert: 1) durch eine vom Beginn der Er¬ 
krankung an bestehende Angina, deren Vorkommen auch von anderer Seite 
mehrfach erwähnt, aber nicht als charakteristisches Symptom beschrieben ist; 
2) durch die ungewöhnliche Aufeinanderfolge der Symptome: die typischen 
Muskelschmerzen und die Albuminurie, die sonst von Anfang an zu bestehen 
pflegen, stellten sich erst am 14. Krankheitstage, mit dem Beginn eines Recidivs 
ein; 3) durch Beteiligung der Lungen in Gestalt eines Katarrhs des rechten Ober¬ 
lappens; 4) durch eine auffallend langsame Reconvalescenz, die sich durch eine 
andauernde Pulsbeschleunigung auszeichnete, ohne abnormen Befund am Herzen. 
Als Ursache derselben nimmt Sch. eine lange anhaltende Störung an dem nervösen 
Apparat des Herzens an. 

Bakteriologische Untersuchungen, die sich auf Blut und Harn erstreckten, 
ergaben ein negatives Resultat. Schade (Göttingen). 


Reale, Enrico: Ricerche chimiche sulP indicano e sulP atido glicuronico ddP orina e 
loro valore clinico. (Chemische Untersuchungen über Indican und die Olykuronsäure 
des Harnes und ihren klinischen Wert) (Nuova Rivista Clinico-terapeutica, Anno 111, 

Nr. 5.) 

Das Indican findet sich im Harne nicht ausschliesslich als indoxylschwefet- 
saures Kalium: es besteht eine zweite Verbindung, die von der ersten scharf ge¬ 
trennt werden muss, und die durch Einwirkung des Indoxyls auf die Glykuron- 
säure entsteht, die Indoxylglykuronsäure. Diese Indicanverbindung war schon 
seit längerer Zeit bekannt, doch fehlte es an Mitteln, sie von der anderen zu diffe¬ 
renzieren: obige Untersuchungen beweisen, dass zu diesem Zwecke sich das 
Kochen des mit organischen Säuren behandelten Harnes (namentlich mit Ameisen- 
und Milchsäure) zweckdienlich erweist. Damit erhält man blaues Indigo, das vom 
Indoxyl durch Trennung seiner Verbindung mit der Glykuronsäure entsteht. Die 
Gegenwart der letzteren Säure dürfte durch den Umstand zur Genüge bewiesen 
werden, dass der durch Gegenwart von Baiyum im mit organischen Säuren ge¬ 
kochten Harne entstandene Niederschlag eine Substanz enthält, die das Furfurol 
C 5 H 4 0 3 zu erzeugen vermag. 

Die Möglichkeit, mittels organischer Säuren die Glykuronverbindungen zu 
spalten, ohne die gepaarten Schwefelverbindungen zu tangieren, lässt mit einer ge¬ 
wissen Grundlage hoffen, dass der Nachweis der Glykuronsäure auch auf die 
Chemie am Krankenbette sich in Zukunft erstrecken dürfte. 

Der bei hochgradiger Darmfäulnis beobachteten Indicanurie muss jene 
hinzugesetzt werden, die bei geändertem organischen Stoffwechsel auftritt. — Die 
Herkunft aromatischer Körper von der Spaltung des Eiweisses der Gewebe (ein 
schon von Kühne, Nencki, Senator, Salkowski, Reale, Carletti u. a. 
beobachteter Vorgang) wird durch die Glykuronverbindung des Indicans in ihrem 
Werte erhöht. 

Nachdem die Glykuronsäure eine Zwischenstufe in der Umsetzung der 
Kohlehydrate darstellt, kann folgerichtig angenommen werden, dass die Schwan¬ 
kungen ihrer Menge im Harne in inniger Beziehung mit der Intensität der Oxy¬ 
dationsprozesse im Organismus stehen. — Späteren Untersuchungen wird es Vorbe¬ 
halten bleiben zu entscheiden, wie weit diese Ansicht mit der Beobachtung am 
Krankenbette in Einklang zu bringen ist. — Viele bei der Indicanurie intestinalen 
Ursprungs angestellte klinische Untersuchungen beweisen, dass bei solchen Fällen 
der Harn in verschiedener Menge an Uroeiythrin reich ist Letzteres geht Hand 
A n Hand mit der Indicanurie einher. — Es folgt daraus, dass man (bei Ausschluss 


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von Kreislaufstörungen, die zu Leberstauung führen) mit Gewissheit nur dann eine 
anatomische Veränderung der Leber annehmen darf, wenn Uroeiythrinausscheidung 
nicht parallel mit jener des Indicans verläuft. Plitek (Triest). 

Gregor, A.: Ueber den Einfluss des Alkohols auf die Ausscheidung der reduzierenden 
Substanzen im Harne. (Wiener klin. Wochenschr., Nr. 16.) 

Auf Grund seiner Untersuchungen kommt Verf. zum Schlüsse, dass der 
Genuss alkoholischer Getränke (vor allem des Bieres) eine ausschliesslich auf den 
Alkoholgehalt derselben zurückzuführende Steigerung der Reduktionsfähigkeit des 
Harnes hervorruft. 

Dabei handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine gesteigerte Ausscheidung 
aller der im Harne vorkommenden Substanzen, die ammoniakalische Kupferlösung 
reduzieren, wie Kreatin, Kreatinin, vielmehr dürfte in erster Linie der Trauben¬ 
zucker in Betracht kommen. Schütz (Wiesbaden). 

Anteil!, James R.: The Ehrlich Diazo Reaction. (Amer. Joum. of Med. Sciences. 

March.) 

In einem Commissionsbericht über den Typhus abdom. während des 
spanisch-amerikan. Krieges wird vom Berichterstatter über die äusserste Mangel¬ 
haftigkeit der von den freiwilligen Aerzten gestellten Diagnosen geklagt Infolge 
der Unkenntnis und der mangelnden Gelegenheit, Blutuntersuchungen aufMalaria- 
plasmosdien und die Widal’ sehe Reaktion auf Typhus zu machen, seien Tausende 
von Typhusfällen als Malaria, Typhus-Malaria, Dengue, Indigestion, Diarrhoe 
diagnosticiert und behandelt worden. 

Arneill glaubt, dass die grosse Mehrzahl dieser Fälle richtig diagnosticiert 
worden wäre, wenn nichts weiter als die Diazoreaktion in richtiger Weise ange¬ 
wandt worden wäre. 

In der Abschätzung des klinischen Wertes der Ehrl ich’sehen Diazo- 
Reaktion müsse man gerechter Weise von den Resultaten aller der Forscher ab- 
sehen, die die Reaktion nicht genau nach den Vorschriften ihres Erfinders angestellt 
haben, die vor allem nicht die Rosafärbung des Schaumes als den entscheidenden 
Punkt angesehen haben. Hierher gehören Namen von Forschern wie Penzoldt, 
Petri, von Jaksch, Munson und Oertel und Edwards. Die Statistiken anderer 
zahlreicher Untersucher, die die Probe korrekt angestellt haben, beweisen mit 
überwältigender Sicherheit den Wert der Reaktion für die Diagnose und Prognose 
des Typhus und die Prognose in Krankheiten wie Pneumonie, Diphtherie, Septi- 
cämie und ganz besonders Tuberkulose. 

Durch eine kritische Besprechung aller im Laufe der Zeit gegen die Diazo¬ 
reaktion erhobenen Einwände und durch eigene Untersuchungen an etwa 800 
meist klinisch beobachteten Kranken aller Art ist Verf. zu obiger Anschauung ge¬ 
kommen. Seine Arbeit ist eine Fortsetzung der am Material der gleichen Klinik 
mit denselben Cautelen vorgenommenen Untersuchungen des Dr. Warthin, und 
bestätigt dessen 1893 publicierte Resultate. A. Hesse (Hamburg). 

Guerra, Z.: Nuovo metodo di ricerea dei pigmenti biliari nella orina. 
(Neue Untersuehungsmethode der Gallenfarbstoffe im Urin.) Supplemento 
al Policlinico, Anno VI, H. 31, S. 968. 

In ein Reagensglas kommen einige ccm HCl und ein paar Tropfen Eisen¬ 
chlorid; beim vorsichtigen Giessen des Urins bildet sich an der Grenze zwischen 
besagten Körpern ein grüngefärbter Ring; die Reaktion kann man ebenfalls er¬ 
halten, wenn man nach vorheriger Ansäuerung des Harnes mit HCl wenige 
Tropfen einer 10 % Eisenchloridlösung dem Gemische zusetzt; an der Berührungs¬ 
stelle nimmt der Ham eine grüne Färbung an. — Die Methode ist leicht auszu¬ 
führen, verlässlich und äusserst empfindlich. Plitek (Triest). 


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v. Morazewsld, W.: Stoffwechseluntersuchungen bei Lungenentzündung und Einfluss der 
Salze auf denselben. Aus der med. Kl. des Prof. A. Gluzinski in Lemberg. 

(Zeitschr. f. kl. Med., B. 39, H. 1. 2.) 

Es liegen eingehende Stoffwechseluntersuchungen von 18 Pneumonie¬ 
kranken vor. M. ist der Ansicht, dass die Imbibition der Gewebe allein die Eiweiss¬ 
zersetzung hervorruft und will in diesen Untersuchungen prüfen, ob es gelingt, 
einerseits durch Aussalzen des Blutes die Imbibition herabzusetzen, und ob an¬ 
derseits sich ein Zusatz von Wasser als ein Zersetzungsprocess äussem wird. 
Es werden weiter folgende Punkte berücksichtigt: 1) Der Einfluss des Zuckers 
auf die Eiweisszersetzung; 2) der Einfluss der zugeführten Stickstoffmenge auf die 
Ei Weisszersetzung; 3) der Einfluss des Wassers und der Salze; 4) das Verhalten 
der Kalkausscheidung während des Fieberverlaufes. 

Die Ausscheidung desN im Fieber ist von der Stickstoffzufuhr unabhängig; 
sie erfährt durch Wasser und Salze eine Steigerung, während das Gegenteil bei 
Zuckerzufuhr eintritt. Der Verlust an N ist von der Nahrung abhängig d. h., je 
mehr N gegeben wird, um so geringer ist der Verlust. Dasselbe, was betreffs 
des Verhaltens des N während des Fiebers zu sagen ist, gilt auch für die Re- 
convalescenz. 

Das Verhältnis des N zu den Chloriden ist ein sehr verschiedenes; con- 
stanter das von N : P. Die Chlorausscheidung selbst ist von der Menge der auf¬ 
genommenen Chloride abhängig, die Retention der Chloride aber nur wenig ab¬ 
hängig von der zugeführten Menge derselben, d. h. der Körper hat eine bestimmte 
Concentration für Chloride, aber keine für N. 

Was die Ausscheidung des P anbetrifft, so ist eine Retention desselben 
nur selten zu beobachten gewesen, und ebenso wie N wird auch P wenig durch 
die Nahrung beeinflusst. Sobald aber eine grössere Menge von Chloriden zugefügt 
wird, steigt die P-Ausscheidung, und dies beruht wahrscheinlich darauf, dass die aus 
dem Eiweiss stammenden Phosphate wie die Chloride durch den wässrig ge¬ 
wordenen Organismus aufgenommen werden und nur dann in ihrer wahren 
Menge erscheinen, wenn genug Chloride vorhanden sind, um die Concentration 
der Säfte zu erhalten. Diese Ansicht erfährt auch eine Stütze in dem veränderten 
Verhältnis des ausgeschiedenen N : P, welches meist höher ausfällt als in der 
Nahrung, und dieses Missverhältnis zeigt sich bei Chlorzusatz nicht. Der Grund, 
weshalb bei gleichzeitiger Gegenwart von Chloriden und Phosphaten die Chloride 
aufgesogen und die Phosphate ausgeschieden werden, liegt darin, dass die 
Dissociation der Phosphorsäure wie ihr Activitätscoefficient weit hinter denen der 
HCl stheen. 

Der Zusatz von Phosphaten des Calcium zur Nahrung ist nicht immer 
von einer Vermehrung gefolgt. Die Kalksalze erleiden wie die Chloride im Fieber 
eine Herabsetzung, welcher eine Steigerung der Reconvalescenz folgt, nachdem 
kurz vor der Krise ein Minimum vorhanden ist. Es ist wasrscheinlich, dass auch 
das Calcium durch die Gewebesäfte retiniert wird. Ein Zusatz von Chloriden zur 
Nahrung bewirkt eine vermehrte Kalkausscheidung. 

Magnesium wird während des Fiebers vermehrt ausgeschieden. 

Aus diesen Ergebnissen werden folgende praktische Schlüsse gezogen. 
Vor allem ist auf die Nützlichkeit der reichlichen Stickstoffzufuhr hinzuweisen, 
durch welche nicht nur der Verlauf des Fiebers, sondern auch der der Recon¬ 
valescenz erheblich günstiger gestaltet wird. Zuckerzufuhr hält zwar die Eiweiss¬ 
zersetzung in Schranken, erzeugt aber eine protrahierte Reconvalescenz. Fett ist 
nicht angebracht, denn es hilft trotz seines Calorieenreichtums nicht und ist direkt 
keine Schonung für das Eiweiss. 

Ob man imstande ist den Fieberprozess, diese Verdünnung der Gewebe, 
in normale Verhältnisse zu bringen, und so die Dauer des Prozesses zu beeinflussen, 
lässt sich auf Grund dieser Versuche noch nicht mit aller Sicherheit entscheiden, 
und es lässt sich nur sagen, dass die Zufuhr von Salzen während des Fiebers 


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eine ähnliche Wirkung hat wie im normalen Zustande nnd eine andere Wasser¬ 
verteilung im Organismus bedingen kann. 

Den Gedanken des Verf. überall zu folgen ist nicht ganz leicht und es ist 
für den Referenten besonders schwer, dieselben in kurzer Form wiedergeben. 

Hagenberg (Göttingen). 

Bormans, A.: Del eaeodilato di soda. (lieber kakodylsaures Natron.) 

R. Accademia di Medicina di Torino. Seduta del 16. marzo. (Gazzetta d. Osp. 

e. d. Clin., Nr. 39.) 

Nach dem Vorgänge von Renault und Gautier über die Wirkungsweise 
organischer Arsenverbindungen auf das Blut machte der Autor an Chlorotischen 
Experimente mit subkutanen Einspritzungen von kakodylsaurem Natron. Ent¬ 
gegen den vorsichtigen Vorschriften von Gautier setzte er die Kur länger als 
50 Tage ohne Unterbrechung fort, auch ging er über die von dem französischen 
Forscher angegebene Maximaltagesdose von 0,1 bis zu 0,3 gr hinaus. Im Verlaufe der 
Kur stellte sich eine bemerkenswerte Vermehrung der Zahl der roten Blutkörperchen, 
sowie ihres Hämoglobingehaltes ein, zugleich mit einer erheblichen Besserung 
des Allgemeinbefindens. Vortragender glaubt daher das kakodylsaure Natron in 
Fällen von Anämie und Chlorose empfehlen zu sollen, in welchen Eisen nicht 
vertragen wird. Rothschild (Soden a. T.). 


Berichtigung. 

ln dem Referat über die Arbeit von Treupel u. Edinger: Untersuchungen 
über Rhodan-Verbindungen, S. 101, muss Zeile 5—7 heissen: »dass man nicht be¬ 
rechtigt ist, allen Rhodanverbindungen antiseptische Eigenschaften zuzuschreiben«. 
(Vgl. dagegen die früheren Arbeiten über Rhodanverbindungen: Edinger, Deutsche 
med. W. 1895, Nr. 24; Müller, Centralbl. f. Bakt. und Parasitenk., XVII, 1895, 
Nr. 20 und Joseph, Dermatol. Centralbl., III, Nr. 5.) Schade (Göttingen). 


Besprechungen. 

Franke, J. H.: Der kranke Magen (der schwache, der verdorbene Magen, der akute 
und chronische Magenkatarrh, Magenerweiterung, Magengeschwür, Magenkrebs uud 
Magenkrampf), deren Natur, Ursache und Bekämpfung durch einfache naturgemässe 
Heilfaktoren. 4. Aufl. Neu bearbeitet und erweitert von Dr. med. Magnus Hirsch¬ 
feld, appr. Arzt in Charlottenburg. Leipzig, Th. Grieben. 40 S. 75 Pf. 

Mit grossem Interesse das Schriftchen studierend habe ich wieder folgende 
Erfahrungssätze bestätigt gefunden: 

1) Man braucht nur alles, was in mühsamer Arbeit die Wissenschaften 
erworben haben, beiseite zu setzen und in banalem Feuilletonstil mit wissen¬ 
schaftlich klingenden Worten den Eindruck des Gelehrten beim Publikum zu er¬ 
wecken, um die 4. Auflage eines solchen Werkes zu erleben. 

2) Nur die Naturheilkundigen haben die Natur zur Seite, die Aerzte 
bedürfen derselben nicht. 

3) Mit Hilfe der Natur heilt man, wenn man a) z. B. bei Magenerweite¬ 
rung nachts 26° Leibumschläge machen lässt, beileibe nicht 1° kälter oder wärmer; 
b) 5—6 Tage nach einer Magenblutung aufgeweichte Semmeln, Reis-, Griesbrei 
und Apfelmus verordnet; c) beim Magenkrebs dadurch das Ende hinausschiebt, 
dass man heisse Auflagen machen, grosse Kälte anwenden, Ganzwaschungen von 
18° vornehmen, ebenso Halbbäder von 28° 20 Minuten verabreichen und viel Milch, 
Breie, junge Gemüse, weiche Eier, beileibe kein Fleisch, geniessen lässt. 


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155 


4) Das ärztliche Gewissen leidet nicht, wenn infolge solcher Lektüre der 
Laie den Arzt, wie ihn die Universität heranbildet, meidet. 

So wünsche ich denn den Aerzten und Laien, dass ihnen »der kranke 
Magen« fernbleibe. Waldvogel (Berlin). 


Ueber die Gefahr der Verbreitung der Tuberkulose durch die Kuhmilch und über 
Massregeln zur Abwehr dieser Gefahr. 4 Vorträge, gehalten auf der General-Ver¬ 
sammlung d. Deutsch. Milchwirtschaftl. Vereins am 13. F$br. (Schriften des 
Deutsch. Milchw. Vereins, Nr. 26.) Leipzig, M. Heinsius Nachf. 71 S. 1,50 Mk. 

Anknüpfend an die Verhandlungen des Berliner Tuberkulosekongresses 
und des vorjährigen internationalen tierärztlichen Kongresses in Baden-Baden 
ist nunmehr der Deutsche Milchwirtschaftliche Verein der Frage der Tuberkulose¬ 
verbreitung durch die Milch dadurch näher getreten, dass er eine besondere Kom¬ 
mission mit der Beratung über diesen Gegenstand, sowie mit der Ausarbeitung 
entsprechender Schutzmassregeln beauftragte. Die vorliegende Broschüre enthält 
ausser einem Vor- und Schlusswort des Geschäftsführers des Vereins und einer 
einleitenden Bemerkung des Vereinsvorsitzenden 3 Vorträge von Mitgliedern ge¬ 
nannter Kommission (1) Obertierarzt Kühnau-Hamburg: Die Verbreitung der 
Tuberkulose unter dem Rindvieh und die Sanierung der Milchviehbestände durch 
Ausrottung der eutertuberkulösen Kühe; 2) Gutsbesitzer Waldeyer-Bad Driburg: 
Hygienische Massregeln des Landwirts zur Bekämpfung der Tuberkulose unter 
seinen Rindern; 3) Prof. Dr. Weigmann-Kiel: Ueber die Gefahr der Ueber- 
tragung der Tuberkulose durch Milch und Milchprodukte auf den Menschen und 
über die seitens des milchwirtschaftlichen Gewerbes zu ergreifenden Massregeln 
zur Abwehr dieser Gefahr), deren Beratungen in dem »Entwurf eines Reichsgesetzes, 
betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Eutertuberkulose der Kühe« gipfelten. 
Die Kommission Hess sich bei der Abfassung dieses Entwurfes von dem Grund¬ 
gedanken leiten, eine Sanierung der Milch auf dem natürlichen Wege, d. h. 
durch Sanierung der Viehbestände herbeizuführen. Demnach bestimmt das 
Gesetz im wesentlichen folgendes: Alle Kühe mit Eutertuberkulose oder allge¬ 
meiner Tuberkulose oder solche, in deren Milch Tuberkelbacillen nachgewiesen 
sind, sollen aus dem Bestände entfernt werden; die Eigentümer erhalten dafür 
eine entsprechende Entschädigungssumme. Die Milchviehbestände sind in be¬ 
stimmten Zwischenräumen einer Untersuchung durch Sachverständige zu unter¬ 
ziehen und alle Milchkühe auf das Vorhandensein von Tuberkelbacillen zu prüfen. 
Die Milch der verdächtigen Kühe darf nur nach Erhitzung auf 85° C. verwertet 
werden, ebenso die vom Auslande eingeführte Milch. Die Einführung tuberkulöser 
Kühe in das Reichsgebiet ist verboten. 

Es ist nur zu wünschen, dass sich auch die gesetzgebenden Körperschaften 
die Frage der Verbreitung der Tuberkulose durch die Kuhmilch ernstlich angelegen 
sein und ein dem vorliegenden Entwurf entsprechendes Gesetz zur Annahme ge¬ 
langen lassen. Damit wäre jedenfalls ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung 
der Tuberkulose überhaupt geschehen. 

Am Schluss des Heftchens findet sich ein Verzeichnis der einschlägigen 
Litteratur. Schade (Göttingen). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Oppenheimer, C.: Die Fermente und ihre Wirkungen. Leipzig, F. C. W. Vogel, 
350 S. 10,00 Mk. 

Bischel, A.: Experimentelle Untersuchungen über die Pathogenese der Cholaemie 
und die daraus sich ergebenden Grundsätze für die Therapie der von der 
Cholaemie begleiteten Leberkrankeiten. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 350 S. 
3,00 Mk. 


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156 


Pollatschek, A.: Die therapeutischen Leistungen des Jahres 1899. Wiesbaden, J. F. 
Bergmann. 350 S. 7,00 Mk. 

Botazzi, Ph.: Physiologische Chemie für Studierende und Aerzte. 1. Lief. Leipzig 
u. Wien, Fr. Deuticke. 80 S. 2,00 Mk. 2,40 Kr. 


yfibaltsverfticbfite. 

Original -Artikel: Prof. Dr. A. Nicolaier und Dr.J. Hagenberg: Ueber 
Chinotropin (Chinasaures Urotropin), insbesondere über den Einfluss desselben 
und andrer Hippursäurebildner auf die Harnsäureausscheidung S. 181. — Refe¬ 
rate: Frank, J.: Zur Kasuistik des Diabetes mellitus S. 141. — Vannini: Ueber 
den Stoffwechsel bei Diabetes insipidus S. 141. — Bain, William: Observations 
on the excretion of nitrogen in rheumatoid arthritis S. 142. — Lewandowsky, M.: 
Versuche über den Einfluss der Benzoesäuren auf die Harnsäurebildung S. 142. 

— Queirolo, G. B. (Pisa): Nuovo metodo per determinare Parea gastrica. (Eine 
neue Methode zur Bestimmung der Magengrenzen) S. 142. — Bunch, J. L.: On 
the mechanism of the intestinal movements, and on reserval of the intestine S. 142. 

— Schoedel, Joh.: Bacilläre Magendiphtherie. Diphtheriebacillen im Magen- und 
Darminhalt und in den Deiectionen S. 143. — Douglas, Carstairs: Some practical 
observations on the early diagnosis of cancer of the stom^ch S. 143. — Adamkie- 
wicz: Beseitigung eines Magencarcinoms und einer carcinomatösen Darmstrictur 
durch das Cancroin S. 143. — Wunderlich (Neudorf i. Erzgeb.): Zur Einwanderung 
von Fremdkörpern in den Dünndarm nach Laparotomie S. 144. — Quervain, F. de: 
A quel moment faut-il operer dans les cas a’appendicite? S. 144. — Crowder, 
T. R.: A contribution to the pathology of chronic hyperplastic tuberculosis of the 
caecum, based upon the study of two cases, in one of which carcinoma of the 
caecum coexistea S. 145. — Bätsch: Zur Atropinbehandlung des Ileus S. 145. — 
Kanellis, Spiridion u. Cardamatis, Jean: De la fievre dysenterique dite pernicieuse 
S. 146. — Badano, F.: La digestione pancreatica delP albumina nelle lesioni della 
milza. (Die Eiweissverdauung des Pankreas bei Milzverletzungen) S. 146. — 
Prebbe, R. B.: Conciusions based on sixty cases of fatal gastro-intestinal hemor- 
rhage due to cirrhosis of the liver S. 147. — Prosdocimi, A.: Dell ascesso epatico. 
(Ueber den Leberabscess) S. 147. — Steele J. Dutton: A critical summary of the 
litterature on retroperitoneal sarcoma S. 148. — Gross: Ein Beitrag zur Kenntnis 
der pseudo-chylösen Ergüsse S. 148. — Casper und Richter, P. F.: Ueber funktio¬ 
nelle Nierendiagnostik S. 149. — Erben F.: Die chemische Zusammensetzung des 
Blutes bei perniciöser Anämie S. 149. — Erben, F.: Zur Kenntnis der chemischen 
Zusammensetzung lymphämrschen Blutes S. 150. — Schittenhelm, Alfred: Ueber 
einen Fall von WeiPscher Krankheit S. 151. — Reale, Enrico: Ricerche chimiche sulP 
indicano e sulP acido glicuronico dell orina e loro valore clinico. (Chemische 
Untersuchungen über Indican und die Glykuronsäure des Harnes und ihren klini¬ 
schen Wert S. 151. — Gregor, A.: Ueber den Einfluss des Alkohols auf die Aus¬ 
scheidung der reduzierenden Substanzen im Harne S. 152. — Ameill, James R.: 
The Ehrlich Diazo Reaction S. 152. — Guerra, Z.: Nuovo metodo di ricerca dei 
peigmenti biliari nella orina. (Neue Untersuchungsmethode der Gallenfarbstoffe 
im Urin) S. 152. — v. Morazewski, W.: Stoffwechseluntersuchungen bei Lungen¬ 
entzündung und Einfluss der Salze auf denselben S. 153. — Bormans, A: Del 
cacodilato di soda (Ueber kakodylsaures Natron S. 153. — Bücherbesprechun¬ 
gen: Franke J. H.: Der kranke Magen (der schwache, der verdorbene Magen, der 
akute und chronische Magenkatarrh, Magenerweiterung, Magengeschwür, Magen¬ 
krebs und Magenkrampf), deren Natur, Ursache und Bekämpfung, durch ein¬ 
fache naturgemässe Heilfaktoren. 4. Aufl. Neu bearbeitet und erweitert von 
Dr. med. Magnus Hirschfeld S. 154. — Ueber die Gefahr der Verbreitung der 
Tuberkulose durch die Kuhmilch und über Massregeln zur Abwehr dieser Ge¬ 
fahr S. 155. — Zur Besprechung eingegangene Bücher S. 155. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 7. 


Erstes August-Heft 1900. 


1. Jahrgang. 


Ccnfralblaff 

für 

Stoffwechsel- & Vertäuungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen. 


Monatlich 2 Nm. von IVa—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgänge an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Referate» 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Caselli, A.: Ipofisi e glicosuria. (Hypophysis und Glycosurie.) Rivista sperim. di 

Freniatria, Nr. 1. 

Der Autor beobachtete regelmässig bei totaler und partieller Hypophysec- 
tomie das Auftreten von Cachexie und Glycosurie. Im Gegensatz zu den Resul¬ 
taten von Sacchi, Vassale und Gatta war diese Cachexie jedoch niemals von 
tonisch-clonischen Convulsionen begleitet. 

Glycosurie wurde bis jetzt von keinem Forscher bei Hypophysectomie be¬ 
obachtet. Die Beobachtungen des italienischen Forschers stimmen jedoch zu den 
Anschauungen Loebels, welcher die Annahme aussprach, dass in der Nähe der 
Hypophysis glycogene Centren beständen; sie finden auch eine Analogie in den 
Erfahrungen von Falkenberg und Gley, welche Glycosurie bei Hunden fanden, 
deren Thyreo'idae exstirpiert waren, wenn man sich daran erinnert, dass nach Ex¬ 
stirpation der Thyreoidea häufig Epithelwucherung der Hypophysis und Ver¬ 
letzungen des Centrallappens auftreten. Rothschild (Soden a. T.). 

Schott: Herzkrankheiten auf diabetischer Basis und ihre Behandlung. (Wiener med. 

Wochenschr., Nr. 17 u. 18.) 

Am häufigsten beobachtet Verf. Herz neu rosen, und zwar meist 
bei ganz leichtem Diabetes, sowohl motorische Neurosen (hauptsächlich Herz¬ 
klopfen, meist bei Tachycardie mit oder ohne Arhytmie, aber auch bei Brady- 
cardie), als sensible (Druck in der Brust, Angstgefühl, Pseudoangina, Neurasthenia 
cordis). Der Diabetes als solcher, sowie seine mannigfachen Komplikationen 
können Nervosität und nervöse Herzstörungen hervorrufen. 

Durch Melliturie längerer Dauer Affektionen des Herzmuskels, als 
primäre Debilitas cordis, oder solche nach vorausgegangener Herzhyper¬ 
trophie — Folge der dem Herzen des Diabetischen durch die erhöhte Aufnahme von 
Speisen und Getränken zugemuteten Mehrleistung — oder Debilitas bei F e 11 h e r z, oder 
als Folge von Herzneurosen oder Arteriosklerose. — Schwere myokarditi- 
sche Prozesse bei mittelschwerem oder schwerem Diabetes, namentlich bei Kompli- 

Nr. 7. 


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158 


kation mit Fettherz, Arteriosklerose, Nierenaffektionen. — Am seltensten Klappen¬ 
fehler in Folge von Arteriosklerose. 

Bezüglich der Therapie betont Schott die Behandlung des Diabetes 
selbst, insbesondere die diätetische, und warnt vor einzelnen Medikamenten, wie 
Opium und Natrium salicylicum, sowie vor allgemeiner Anwendung von Mineral¬ 
wasserkuren. Für die Therapie der Herzaffektionen empfiehlt er neben den 
Medikamenten — Digitalis kann die Zuckerausfuhr steigern! — Bäderbehandlung 
— mittlere Temperaturen — vorsichtige Gymnastik etc. Schütz (Wiesbaden). 

Kisch: Ueber die physikalisch-diätetische Therapie der Fettleibigkeit (Wiener med. 

Wochenschr., Nr. 18.) 

Die für eine rationelle Therapie der Fettleibigkeit unerlässliche Regelung 
der Ernährung muss durchaus individuell geschehen, sie muss die Konsti¬ 
tution des Patienten, Blutfülle, Lebensgewohnheiten und Ernährungsweise berück¬ 
sichtigen (ob plethorische oder anämische Lipomatose, ob Uebernährung oder 
fehlerhaft einseitige Ernährung, Mangel an körperlicher Bewegung, reichlicher 
Alkoholgenuss, hereditäre Anlage etc. vorliegt 

Wichtige Hülfsmittel der diätetischen Therapie sind Trink- und Bade¬ 
kuren mit Mineralwässern, und zwar eignen sich für die plethorische 
Lipomatosis in 1. Linie die kalten Glaubersalzwässer, während Jodwässer 
allgemeine Unterernährung bewirken (nicht nur solche an Fett), auch Bitter¬ 
wässer nur sehr vorsichtig zu gebrauchen und Kochsalzwässer ziemlich 
wirkungslos sind. Für anämische Fettleibige stehen in 1. Linie Eisenwässer, 
die bei Neigung zu hydrämischer Blutbeschaffenheit vorsichtiger Dosierung be¬ 
dürfen. Um Schädigungen durch die Trinkkur zu vermeiden, bedarf es einer 
regelmässigen Kontrole durch Wage, Dynamometer und Sphygmographen, 
und in allen Fällen, in denen Stauungen im Venensystem infolge Mastfettherzens 
vorliegen, Differenzbestimmungen über Flüssigkeitsaufnahme und 
Harnausscheidung. Stoffwechseluntersuchungen sind erwünscht. 

Von Bädern empfiehlt K. für Patienten mit intaktem Herzen heisse 
Vollbäder, ev. mit Nachschwitzen in Einwicklungen, Dampfbad etc., oder heisse 
Lokalbäder (Schweninger), während auf Leute mit Störungen der Herz- 
thätigkeit am günstigsten kohlensäurereiche Mineralbäder wirken. 

Schütz (Wiesbaden). 

Burian und Schur: Ueber die Stellung der Purinkörper im menschlichen Stoffwechsel. 
I. Untersuchung. Ueber die endogenen und die exogenen Hampurine des Menschen. 

Physiol. Inst. Leipzig und II. med. Klin. Wien. (Pflüg. Arch., Bd. 80, S. 241.) 

Die Arbeit bildet den ersten Abschnitt einer gross angelegten Unter¬ 
suchungsreihe, die die Verff. zu dem Endzwecke unternommen haben, eine experi¬ 
mentelle Kritik der Horbaczewskischen Theorie von der Abstammung der 
Alloxurkörper im Harne zu geben. Die vorliegende erste Untersuchung soll die 
Grösse und das Verhalten der endogenen Hampurine ermitteln, also jenes Anteils, 
der nicht aus vorgebildeten Puringruppen der Nahrung hervorgeht. Wie eine 
interessante Litteraturübersicht ergiebt, lassen sich nämlich viele scheinbar wider¬ 
sprechende Forschungsresultate gut erklären, wenn man folgende Annahme macht: 
die Harnpurine des normal ernährten Menschen setzen sich zusammen aus einem 
exogenen, direkt aus der Nahrung, und zwar nur aus deren vorgebildeten Purinen 
hervorgehenden, und einem endogenen Anteile, der aus Prozessen stammt, welche 
sich »anscheinend in relativer Unabhängigkeit« von Menge und Zusammensetzung 
der Nahrung im Körper abspielen. Ueber die Grösse und das Verhalten dieses 
endogenen Anteils ist bisher aber nichts Sicheres bekannt. Dem einzigen vor¬ 
liegenden Versuche, die von der Nahrung unabhängige Harnsäuremenge zu er¬ 
mitteln (Schreiber und Waldvogel) wird eingewendet, dass der im Hunger 


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150 - 


gefundene Wert kleiner als der bei ausreichender Ernährung zu erhaltende sein 
müsse. Um diesen Fehler auszuschalten, musste eine Nahrung gefunden werden, 
die das Calorieenbedürfnis des Organismus befriedigte, ohne Harnpurine zu bilden. 
Durch eigene Analysen fanden die Verff. in Milch, Kartoffeln, Weissbrot, Reis, 
Eiern, Salat und Kohl Nahrungsmittel mit nur minimalem Gehalt an Purinkörpern. 
Aenderte solche Kost die Harnpurinmenge nicht, auch wenn sie qualitativ und 
quantitativ variiert wurde, dann durfte ihr Einfluss ausgeschlossen und jene Ham- 
purinmenge als die endogene betrachtet werden. 

Bestimmt wurden die Gesamtpurine nach Camerer, die Harnsäure nach 
Ludwig, die Purinbasen nach einer dem Verfahren von Salkowski nachge¬ 
bildeten Methode. Der Versuch zerfiel in vier Perioden von je vier Tagen: I. ge¬ 
mischte N-reiche Fleischkost, II. Milch- Käse- Eierdiät mit viel N, III. Milch- 
Käse- Eierdiät mit wenig N (halbe Ration von II mit Zulage von Reis, Butter 
und Zucker), IV. vegetabilische Diät. Beim Uebergange von einer Periode zur 
anderen wurde das N-Gleichgewicht gewahrt. Die Mittelwerte der Harnpurine 
aus den einzelnen Perioden zeigen einen Abfall beim Uebergange zur zweiten 
Periode, betragen dann aber während der drei letzten konstant 0,2 g N. Dieser 
Wert wird daher nach dem Gesagten als endogener Anteil betrachtet. Er erwies 
sich auch in den einzelnen Tagen sehr konstant und blieb bei neuen Versuchen 
an derselben Person zu ganz anderen Zeiten gleichfalls 0,2, so dass die Invaria¬ 
bilität dieses Wertes festzustehen scheint. Harnsäure- und Xanthinbasenwerte 
verhielten sich im einzelnen in den verschiedenen Perioden ebenso wie die der 
Gesamtpurine (0,55—0,57 Harnsäure, 0,01 Xanthinbasen-N), doch schienen sich 
Harnsäure und Xanthinbasen vertreten zu können, um die Konstanz des Purin¬ 
wertes zu erhalten. Dagegen fanden die Verff. in ähnlichen Versuchen mit purin¬ 
armer Diät bei anderen Personen, und bei Verwendung des hierzu geeigneten 
Materials der Litteratur nicht unbeträchtliche Unterschiede in der individuellen 
Grösse der endogenen Harnpurine. 

Die Menge der exogenen Harnpurine wurde in der Weise untersucht, 
dass zu einer purinkörperarmen Nahrung eine purinkörperreiche Zulage trat und 
das entstehende Plus von Harnpurinen gegenüber dem für den Tag berechneten 
endogenen Mittelwerte als exogen angesehen wurde. Vorher war — mit genau 
beschriebenen Methoden — in den gereichten Nährstoffen der Gehalt an Purin¬ 
gruppen insgesamt und der Anteil der »freien« und »gebundenen« Purinbasen be¬ 
stimmt worden. Aus dem Vergleiche der eingenommenen Nahrungspurine mit 
den ermittelten exogenen Harnpurinen ergab sich, dass erstere nicht ganz, sondern 
nur partiell in Harnpurine übergeführt werden; ein anderer Teil wird unter Auf¬ 
spaltung des Purindoppelringes im Organismus weiter zerstört. Die Grösse des 
Anteils der Nahrungspurine, der zu Harnpurinen wird, ist von der Individualität 
des aufnehmenden Organismus unabhängig und nur durch die Natur der betreffen¬ 
den Nahrungspurine bestimmt: es liefern nach B. und S.: 100 g Fleisch ca. 0,03, 
100 g Kaffee ca. 0,075, 100 g Kalbsleber ca. 0,06, 100 g Kalbsmilz ca. 0,08, 100 g 
Kalbsthymus ca. 0,10 g exogenen Hampurin-N, während sie in derselben Reihen¬ 
folge an annäherndem Purinkörper-N enthalten: 0,06; 0,20—0,22; 0,12; 0,16; 0,40. 

Nach diesen Zahlen berechnen die Verff. für ihre Versuche die zu er¬ 
wartende Hampurin-N-ausscheidung, und subtrahieren dann diesen Wert vom 
erhaltenen Gesamt-Purin-N-wert. Die Differenz entspräche wiederum dem endo¬ 
genen Purin-N-wert. Sie stimmt in drei eigenen und einem fremden Experimente mit 
dem direkt bestimmten endogenen Werte nahezu überein. Die Verff. halten sich darauf¬ 
hin für berechtigt, in einer grösseren Anzahl von Versuchen der Literatua aus der be¬ 
kannten Nahrung den (nicht direkt ermittelten) endogenen Wert zu berechnen. Heran¬ 
gezogen sind fast ausschliesslich Experimente, in denen der Harn der Versuchsperson 
bei verschiedenen Kostformen untersucht wurde. Die erhaltenen Zahlen sind wieder 
ziemlich konstant; ihr Mittel gilt als endogener Wert. Die Zusammenstellung 
dieser (von 21 verschiedenen Personen herrührenden) Werte ergab wiederum, 


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dass die Individualität von grossem Einfluss auf die endogenen Hampurine ist; 
im ganzen lagen sie aber zwischen 0,1 und 0,2 g N. 

In einer Nachschrift bringen B. und S. eine Erwiderung auf die Arbeit 
von Löwi (A. f. exp. Path. u. Pharm., Bd. 44, S. 1; s. d. C.-Bl., Nr. 1, S. 10) 
in der sie keinen Beweis dafür finden, dass gleichgenährte Individuen bei 
gleicher Resorption die gleiche Hamsäuremenge eliminieren, während sie aus 
seinen Zahlen eine Bestätigung ihrer Auffassung herausrechnen können. 

Fraenekel (Göttingen). 

Kudintzew: Die Anwendung des Uresins (Urotropinum dilithioeytrieum) 
bei Harngries und Nierensteinen. (Wratsch., Nr. 28.) 

Ein neues, von Spasski (Charkow) angegebenes Präparat, das Uresin, 
welches eine doppelte Verbindung des Urotropins und Lithiums mit Citronen- 
säure darstellt, und weisses in H a O lösliches, neutrales Pulver darbietet, hat Verf. 
bei Fällen von Harngries und Nierensteinen mit beneidenswertem Erfolge ange¬ 
wandt. Der Sand verschwindet bald und damit die Reizerscheinungen an den 
Harnwegen, die Menge der Harnsäure im Urin wird herabgedrückt; es tritt ferner 
unverkennbare subjektive Erleichterung ein. Das Mittel soll für gewöhnlich je 
0,5 g dreimal täglich, im Notfälle selbst je 1,0 g dreimal täglich gegeben werden. 
Unangenehme Nebenwirkungen sah Verf. nie, und tritt für die Vorzüge des Uresins 
vor anderen Mitteln ein. Simon (Wiesbaden). 

Zawialow (Dorpat): Zur Theorie der Eiweissverdauung. (Dissertation. Dorpat 1899, 

S. 211.) 

Unter dieser bescheidenen Ueberschrift veröffentlicht Verf. die Ergebnisse 
seiner mühseligen Versuche, welche ihn zum Aufbau einer neuen, chemischen 
Theorie der Eiweissverdauung im Gegensatz zu Funket physikalischer Theorie 
geführt haben. Auf der Entdeckung von Danilewski fussend, der gezeigt hatte, 
dass Peptone unter der Einwirkung des Magensaftes, voraussichtlich vermöge des 
darin enthaltenen Labfermentes, in Eiweissstoffe wieder übergehen, untersuchte 
Z. die Produkte dieser Fermentation. Er erhielt auf diese Weise eine Substanz, 
die er »Plastein« nennt, und die unter allen bekannten Ei weisskörpern die ausge¬ 
sprochensten colloidalen Eigenschaften besitzt: so gerinnt selbst die fermentierende 
Flüssigkeit bald zu einer durchsichtigen Gallerte, ebenso gerinnt das Plastein, 
nachdem man es in Serumsalzen gelöst hat. In seiner Zusammensetzung 

C= 54,93 % 

H = 7,29% 

N = 14,73 % 

S = 1,29% 

O = 21,27 % 

und in seinen Eigenschaften ist es zwar von den normalen Eiweissbestandteilen 
des Blutplasmas noch weit entfernt, trotzdem kann man es nicht als eine dem 
Körper fremde Materie ansehen, denn einerseits besitzt es die Fähigkeit, im 
Blute lebender Tiere (Hunde, Kaninchen), ohne mit dem Ham ausgeschieden zu 
werden, zu cirkulieren, was weder für Casein, noch für Ovalbumin möglich ist, 
andererseits, die Thätigkeit des ermüdeten Herzmuskels des Frosches zu unter¬ 
halten, eine Fähigkeit, welche allein den natürlichen Flüssigkeiten des Organis¬ 
mus und der von Kronecker entdeckten Substanz eigen ist. Letzterer fand im 
Mageninhalte einen von ihm als Serumalbumin bezeichneten Körper, welcher sich 
bis jetzt als das einzige Nährmaterial für das Herz erwies. Z. hält denselben für 
identisch mit Plastein. Am interessantesten ist die Thatsache, dass die aus ver¬ 
schiedensten Eiweissarten entstandenen Peptone stets ein und dasselbe Plastein 
liefern. Darauf baut Verfasser seine neue Verdauungstheorie. Die alte Theorie 
von Funke, wonach der Sinn und Zweck der Peptonisation in der Bildung 


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161 


diffundierbarer Peptone aus indiffundierbaren Eiweissstoffen bestehe, muss als un¬ 
genügend angesehen werden, nachdem die Versuche von Bauer u. Voit, Eich- 
horst u. Anderen festgestellt haben, dass auch nichtpeptonisiertes Eiweiss in sehr 
grosser Menge von dem Verdauungsapparate resorbiert werde. Z. fasst nun den Sinn 
der Peptonbildung so auf, dass dadurch die Möglichkeit gegeben sei, aus verschiedenen 
Nähreiweissarten stets das Plastein aufzubauen, denn auch die aus verschiedenen 
Quellen durch Wirkung proteolytischer Fermente entstandenen Albumosen sind, 
ihrer Qualität nach, stets die gleichen. Dadurch kann als Endprodukt der Synthese 
konstant Plastein entstehen. Die Eiweissverdauung bietet hiernach eine Analogie 
mit der Assimilation von Kohlenhydraten, wo auch stets in der ersten Verdauungs¬ 
phase aus den mannigfaltigen Mehlarten dieselben Produkte entstehen, wodurch 
die Möglichkeit gegeben ist, dass als Endkörper der Umwandlung Glycogen zu 
Stande kommt. Für diese chemische Theorie spricht auch der Umstand, dass der 
qualitative Eiweissbestand des Blutes, ungeachtet der Verschiedenheit der Nahrung, 
konstant ist. 

Da das Plastein mit den Eiweissarten des Blutes nicht zu identificieren ist, 
so muss angenommen werden, dass es in der Leber oder in Blut selbst weitere 
Veränderungen durchmache. 

Endlich führt Verf. Experimente zur Klarstellung der Labwirkung auf 
Peptone aus. Simon (Wiesbaden). 

Schiff, A.: Beiträge zur Physiologie und Pathologie der Pepsinsecretion und zur medi¬ 
kamentösen Beeinflussbarkeit der Magensaftsecretion durch Atropin und Pilocarpin. (Archiv 
für Verdauungskrankheiten, 6. Bd., 2. H.) 

Sch. kommt auf Grund von umfangreichen — nach dem Hammerschlag , - 
schen Verfahren angestellten — Untersuchungen über den Pepsingehalt des Magensafts 
unter physiologischen und pathologischen Verhältnissen zu folgenden Resultaten: 
In der ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle von nicht carcinomatöser Suppression 
der HCl-Secretion leidet die Pepsinproduction gar nicht oder nur relativ wenig. 
Ein Parallelismus zwischen Verminderung der HCl- und Pepsinproduction fehlt in 
der Regel vollkommen. Die pepsinproducierende Funktion des Magens ist viel 
konstanter und krankmachenden Einflüssen gegenüber resistenter als die HCl- 
bildende Funktion des Magens. Unter 27 Fällen von Carcinomen des Magens 
und anderer Abdominalorgane (darunter 18 Fälle von sicherem Magencarcinom) 
fehlte nur 3 Mal eine hochgradige Verminderung resp. ein Erlöschen der peptischen 
Kraft des Magensafts, und in diesen 3 Fällen handelte es sich um diagnostisch 
zweifelhafte Fälle. Für die Frühdiagnose des Magencarcinoms erscheint rasche 
Abnahme des Peptonisationsvermögens von besonderer Bedeutung. — Durch 
Atropin Wirkung gelingt es, nicht nur quantitativ die Magensecretion zu beein¬ 
flussen, es lässt sich auf diesem Wege häufig auch eine Aenderung der Secre- 
tion bewirken, so, dass der Saft zwar HCl-ärmer wird, aber an peptischer Kraft 
nichts einbüsst. Unter PilocarpinWirkung behält der Magensaft trotz reich¬ 
licherer Secretion und relativ niedrigerer Acidität relativ normale Verdauungswerte. 

Die Summe dieser Befunde veranlasst Sch. zu der Annahme, dass HCl 
und Pepsin nicht gleichwertige Produkte der secretorisehen Thätigkeit des Drüsen¬ 
parenchyms darstellen. Zur Secretion der beiden verschiedenen Secretionsprodukte 
bedarf es einer verschieden starken funktionellen Energie des Drüsenapparates, 
indem die HCl-Secretion die schwierigere, 'gleichsam schwer anzusprechende, die 
Pepsinsecretion die leichter auslösbare Funktion des Drüsenparenchyms darstellt. 
Dieses Verhalten ist begreiflich, da Produktion und Secretion der Salzsäure im 
Magen zeitlich viel näher zusammenliegen als Produktion und Secretion des 
Pepsins. Krankhaften Einflüssen gegenüber noch resistenter als die Pepsinsecretion 
ist die »Verdünnungssecretion«, während die HCl-Abscheidung die am schwersten 
ansprechbare Funktion der Magendrüsen darstellt. 

J. St rau ss (Frankfurt a. M.). 


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Beddies, A. und Tischer, W.: Ueber die Verdaulichkeit verschiedener Eiweissnahrung in 
Gegenwart von specifischen Medikamenten. (Archiv für Verdauungskrankheiten, 6. Bd., 

2. H.) 

Bei der Doppelverordnung von leichtlöslichen eiweisshaltigen Nährstoffen 
und eiweissfällend wirkenden Medikamenten oder gerbstoffhaltigen Genussmitteln 
tritt eine Beeinträchtigung der Resorptionsfähigkeit der Eiweissnahrung ein. 
Wie Versuche der Verff. zeigen, wirken besonders die im Thee und Kaffee ent¬ 
haltenen gerbsäurehaltigen Stoffe stark hemmend auf die Auflösung des hart ge¬ 
kochten macerierten Hühnereiweisses in künstlichem Magensaft ein. Auch der 
Wein wirkt infolge seines Alkoholgehaltes in dem künstlichen Verdauungs¬ 
versuch beträchtlich verzögernd auf den Eiweissaufschliessungsprozess ein. Bei 
der natürlichen Magensaftverdauung in dem normal arbeitenden Magen kommt es 
nicht zu einer gleich erheblichen Beeinträchtigung der Eiweissverdauung, da die 
zusammen mit der Eiweissnahrung eingeführten die Eiweissverdauung störenden 
Stoffe mehr oder minder rasch resorbiert werden. So verdaut der normale Magen 
dieselbe Eiweissmenge bei Zufuhr gleicher Flüssigkeitsmengen in Gegenwart 
von Alkohol fast ebenso rasch wie das analoge Probefrühstück unter Zusatz von 
Bouillon. Nur die specifischen Stoffe der Thee- und Kaffeeauszüge verzögern 
im Magen die Eiweissverdauung, weil diese Stoffe offenbar vorübergehend innige 
Verbindungen mit den Eiweissmolekülen eingehen und diese schwerer für den 
Magensaft angreifbar machen. Bei vergleichenden Untersuchungen über die Ver¬ 
daulichkeit verschiedener Eiweisspräparate bei Gegenwart von Arzneistoffen, 
die in einem Falle von Subacidität des Magensaftes angestellt wurden, ergab sich 
die Ueberlegenheit des animalischen Eiweisses (Milcheiweiss) gegenüber dem 
pflanzlichen Einweiss. — Gegenüber der von anderer Seite festgestellten That- 
sache, dass das Milcheiweiss einen besonders hohen Bakteriengehalt besitzt, weisen 
die Verff. darauf hin, dass das äussere, physikalische und chemische Verhalten 
des Nährmittels, besonders die Art der Aufbewahrung, das wesentliche Kriterium 
für die Keimbildung abgebe. In gut präpariertem, grosskrystallinischem Milch¬ 
eiweiss (Plasmon) seien die Bedingungen einer Keimvermehrung in sehr geringem 
Grade vorhanden. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Wirsehubski: Ueber die Magensaftsekretion nach gemischter Fettnahrung. 

Aus dem Laboratorium von Pawlow in Petersburg. (Dissertation und Hospital- 

Zeitung von Botkin, Nr. 26.) 

Nachdem die im Pawlow’sehen Laboratorium entdeckte Thatsache, dass 
Fettdarreichung die Magensaftsekretion hemme, was auf eine specifische Ein¬ 
wirkung des Fettes auf die sich in der Magenschleimhaut befindenden Nerven¬ 
endigungen zurückgeführt wurde, klinische Bestätigung gefunden hatte (Akimow- 
Peretz, Strauss u. A.), unternahm Verf., die näheren Bedingungen obiger Er¬ 
scheinung experimentell ins Auge zu fassen. 

Es stellte sich heraus, dass bei gleichzeitiger Darreichung von Eiweiss und 
Fett, z. B. fettem Fleische, 2 Phasen der Saftsekretion zu unterscheiden sind: Die 
Erste, mit verminderter Ausscheidung einhergehend, wird plötzlich von der ent- 
gegengesetzen Phase erhöhter resp. beschleunigter Sekretion abgelöst. Letzte Periode 
trat bei fetter Fleischnahrung erst nach 7 Stunden oder später ein, früher dagegen bei 
Gelbei und Milchkost. Diese zweite Phase erhöhter Magensekretion sucht Autor 
durch einen Reflex zu erklären, welcher durch die Einwirkung des in den Darm 
gelangten Eiweisses auf denselben entsteht und auf die Magendrüsen übertragen 
wird. Das sich rasch im Darme verändernde Fett vermag seinen hemmenden Ein¬ 
fluss nicht mehr auszuüben. Ferner liefert W. die experimentelle Bestätigung 
der klinischen Beobachtung (Bachmann), dass Fett, ebenso wie Säure, bes. Salz¬ 
säure, die Motilität des Magens herabsetze. Wenn Reflexe thatsächlich vom Darm 
aus auf die Magendrüsen ausgehen können, so muss man an die Möglichkeit einer 
Magensafthypersekretion enteralen Ursprunges denken. 


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Bei Fütterung mit Kohlenhydraten und Fett, resp. Brot und Butter kon¬ 
statierte Verf. völliges Fehlen einer Periode beschleunigter Sekretion. Infolge¬ 
dessen plaidiert er bei Zuständen von Hypersekretion für eine Diät, bestehend 
vorwiegend aus Fett und Mehl, als die experimentell rationellste. Die Fleischdiät 
wäre verkehrt. Pharmaceutisch käme noch Soda in Betracht, da es nach Pawlow 
die Sekretion vermindert. Simon (Wiesbaden). 


Pflüger, E.: Ueber die Gesundheitsschädigungen, welche durch den Genuss von Pferde¬ 
fleisch verursacht werden. (Pflügers Arch., Bd. 80, S. 111.) 

Ein Versuchshund Pf.’s, der mit Pferdefleisch gefüttert wurde, bekam alsbald 
Durchfall; selbst bei monatelanger Darreichung trat keine Gewöhnung an die 
Nahrung ein; der tägliche Verlust an Stickstoff und die wässerige Beschaffenheit 
der Ausleerungen nahmen zu. Bei Raubtieren des Cölner zoologischen Gartens 
erzeugte die Verfütterung von Pferdefleisch ebenfalls Durchfall und musste auf¬ 
gegeben werden. Nach weiteren Beobachtungen reagieren alle Hunde und auch 
Katzen in ähnlicher Weise. Die nähere Untersuchung der Erscheinung ergab, 
dass Beilage von verhältnismässig wenig Nierenfett — namentlich Ochsen- und 
Hammelfett, weniger Schweinefett — zum Pferdefleisch die abführende Wirkung 
sicher aufhebt, ebenso wirkt Reisbrei, aber in weit geringerem Masse. Der giftige 
Stoff wohnt dem Pferdefleisch selbst, nicht dessen Fett, inne, geht in die wässerige 
Fleischbrühe über, ist durch Alkohol und Aether extrahierbar. Im Aetherextrakt 
wurden Iecorin und Lecithin nachgewiesen; die völlige Isolierung des Giftes gelang 
noch nicht. Der Durchfall beruht auf vermehrter Peristaltik und schlechter Re¬ 
sorption des im Pferdefleisch enthaltenen Wassers, das die Stühle dünnflüssig 
macht. Den stopfenden Einfluss des Fettes erklärt Pflüger dadurch, dass es eine 
gesteigerte Aufsaugung des Wassers veranlasst; ähnlich dürfte es mit der stopfen¬ 
den Wirkung der Amylaceen sein. Die beigegebenen Küchenrecepte seien wegen 
der Wichtigkeit der Sache hier mitgeteilt: 

1) das Pferdefleisch wird in Brei verwandelt, auf 1 Kilo mit 25 g gemahlenem 
Nierenfett vom Ochsen oder Hammel versetzt und mit einer Mehlsauce als 
Hachee genossen. 

2) das Pferdefleisch wird in Scheiben geschnitten, in Wasser gar gekocht, die 
Brühe fortgegossen und das Fleisch mit einer fetten Sauce und Bier, Wein, 
Thee oder Kaffee genossen. 

3) das Pferdefleisch wird in Brei verwandelt und nach Zusatz von etwa 100 
bis 200 g Reis nebst 25 g Ochsennierenfett auf 1 Kilo Fleisch auf Dampf 
gar gekocht. 

4) das Pferdefleisch wird gebraten mit reichlicher Menge von Nierenfett des 
Ochsen oder Hammels und mit fetter Sauce genossen. 

Bei Besprechung der Fettwirkung setzt Pf. seine Anschauungen über die 
Resorption des Fettes im Darm auseinander. Im Gegensätze zu der bestehenden 
Ansicht, dass Fett ungelöst die Darmpithelien passiert, kann nach Pf. die be¬ 
kannte Wirkungsweise der Verdauungssäfte, besonders die Thatsache, dass die 
Taurocholsäure ein starkes Lösungsmittel für die wasserunlöslichen freien Fett¬ 
säuren ist, nur so gedeutet werden, dass auch die Fette in gelöster Form aufge¬ 
nommen werden. Die Fettemulsion in den Dünndarmzotten entstände demnach 
durch nachträgliches Wiederausfallen des gelösten Fettes, wofür ebenfalls Pf.’s 
Beobachtung spricht, dass die Epithelzelle des Dünndarms dort, wo sie von der 
Fettemulsion umspült wird, ganz hell aussieht, keine Spur von Fettstäubchen oder 
Tröpfchen enthält, während im tieferen Teile der Zelle eine reichliche Fettemulsion 
vorhanden ist. Fraenckel (Göttingen). 


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Hofbauer, L: Kann Fett unverseift resorbiert werden? Physiol. Inst. Wien. (Pflügers 

Arch., Bd. 81, S. 263.) 

Infolge der obigen Arbeit Pflügers veröffentlicht H. die Ergebnisse von 
15 Tierexperimenten zu der Frage, ob Fett in wässeriger Lösung oder emulgiert 
resorbiert wird. Er fand imAlcannarot und im Lackrot A zwei Farbstoffe, die in 
Fett löslich, in Wasser unlöslich sind. Wenn das Fett vor der Resorption gelöst 
würde, so müsste der Farbstoff ausfallen und der fettige Inhalt der Darmzotte 
farblos erscheinen. Statt dessen fand H. bei Verfütterung von Fett, das mit 
Alcannarot gefärbt war, am Hunde das resorbierte Fett gefärbt und die makrospisch 
rotbraunen Zotten zeigten unter dem Mikroskop einen Inhalt von zahlreichen in¬ 
tensiv rotbraunen' Fetttröpfchen. Eine gesonderte Resorption der Farbstoffbröckel 
ist nach früheren Untersuchungen anderer Forscher und ad hoc unternommenen 
H.’s ausgeschlossen. Demnach glaubt H., dass das Fett in Emulsion resorbiert 
wird. Dass dies auch für den Menschen gelte, zeigte sich an einem Kranken mit 
Chylurie, dem mit Sudan III rot gefärbtes Fett gereicht wurde; der sonst milch- 
weisse Urin wurde rosafarben und sein Aetherextrakt war intensiv rot gefärbt. 

Fraenckel (Göttingen.) 


Bourget (Lausanne): Beobachtungen über Ulcus ventriculi und die Behandlung des¬ 
selben mit Eisenchloridwaschungen. (Therap. Monatshefte, Juni und Juli.) 

Dem Verf. haben sich in den letzten Jahren in der Behandlung des Ulcus 
ventriculi Waschungen des Magens mit Eisenchloridlösungen bewährt: Von einer 
Lösung von 2 °/ 0 Fe 2 Cl 6 + 7a % KC10 8 in Wasser werden — gleichviel ob Hä- 
matemesis vorliegt oder nicht — partienweise 100—150 ccm auf einmal eingeführt 
und darauf eine jede Partie für sich durch Auspressung entleert; die letzten 50 
bis 60 ccm werden im Magen belassen, der Patient wird sodann auf die Bauch¬ 
seite gelegt und trinkt 5 Minuten später zur Fällung des Eisens ein Glas 5%iger 
warmer Lösung von Na. bicarb. in Wasser. Diese Procedur wird jeden Tag vor¬ 
genommen und bei im Verlauf der Krankheit eintretender Hämorrhagie von Neuem 
begonnen. B. hat beobachtet, dass bei diesem Verfahren, welches bei jedem neu in 
die Behandlung eintretenden Fall principiell 5 Tage hintereinander zur Anwendung 
kam, meist die Blutung aufhörte und die Schmerzen nachliessen bez. verschwanden. 

Bezüglich der Ernährung der Ulcuspatienten hält Verf. es natürlich für den 
obersten Grundsatz, den Magen zunächst möglichst ausser Funktion zu setzen. 
Der bei uns neuerdings sich eines steigenden Kredits erfreuenden ausschliess¬ 
lichen Rectalernährung steht er nicht sonderlich sympathisch gegenüber und ist 
der Meinung, dass, wenn überhaupt eine Absorption von der Dickdarmschleimhaut 
aus erfolge (durch die Arbeiten aus der Leu begehen Klinik, von Hamburger etc. 
doch wohl als absolut sichergestellt anzusehen. Ref.), diese bestimmt nicht ge¬ 
linge mit Speisen, »die nicht zuvor die Einwirkung der Verdauungssäfte über¬ 
standen haben«. Er ernährt gleich in den ersten Tagen per os und zwar giebt er 
eine Reissuppe, die durch zweistündiges Kochen von Reis mit Wasser unter Zu¬ 
satz von etwas Butter und Salz zubereitet wird; die Acidität — nach 1 1 / i Stunden 
— ist geringer als nach Milchaufnahme. Später erst folgt Milchreis (50 g Reis 
und 1 Liter Milch, mehrere Stunden gekocht, auf dem Wasserbad zum Brei 
eingedampft, der bei geringem Volumen grossen Nährwert hat, die HCl bindet) und 
den Magen schneller als flüssige Milch verlässt. 

Unumgänglich notwendig ist der Gebrauch von Alkalien, deren Dosierung 
im Einzelfalle nach der Gesamtmenge der im Magen nach einer Verdauung vor¬ 
handenen HCl festzustellen ist. Sie sind 2—3 mal nach dem Essen in warmer Lö¬ 
sung zu geben; am besten bewährte sich Na. bicarb. 

Das Magengeschwür ist nach B. eine der leichtest heilbaren Krankheiten; 
seine Pat. gingen meist schon nach 15 Tagen zur gemischten Kost über. Die 
Gastroenterostomie ist nur indiciert als Prophylacticum für Komplikationen, ins- 


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besondere für Stenosierungen, »wo ein am Pylorus befindliches Geschwür unser 
Interesse in Anspruch nimmt«, weil in diesen Fällen die Vernarbung Schwierig¬ 
keiten macht, besonders bei Leuten, die aus äusseren Gründen keine Diät halten 
können und zu Recidiven neigen. Pickardt (Berlin). 

Richter, A.: Ueber nervöse Komplikationen der chronischen Gastritis. (Archiv für 
Verdauungskrankheiten, 6. Bd., 2. H.) 

Verf. macht auf nervöse Komplikationen der chronischen Gastritis aufmerk¬ 
sam: 1) Der Cardiospasmus: Verf. führt an der Hand von 2 eigenen Beobachtungen 
aus, dass das Auftreten des Cardiospasmus in einem Teil der Fälle auf über¬ 
mässige Auftreibung des Magens durch Luft und Gase in Folge von chronischer 
Gastritis zurückzuführen ist. Die Affektion tritt mit Vorliebe bei Neurasthenikern 
und Hysterischen auf, es genügt jedoch — ohne die Kombination mit allgemeiner 
Neurasthenie oder Hysterie — eine leichte Erregbarkeit des lokalen motorischen 
Nervenapparats, die durch den Druck der Gase erhöht wird, um den Krampf der 
Cardia entstehen zu lassen. 2) Das nervöse Aufstossen: In einem Falle von chro¬ 
nischer Gastritis, mit der sich nervöses Aufstossen verknüpfte, bewirkte die Behand¬ 
lung des Katarrhs gleichzeitig ein Sistieren der nervösen Eructationen. In einer 
anderen Beobachlung überdauerte das nervöse Aufstossen die Heilung der chroni¬ 
schen Gastritis noch eine Zeit lang. — Die Fälle des Verf. stellen übrigens Analoga 
dar zu der auch sonst nicht so ganz selten zu beobachtenden Kombination von 
organischen inneren Erkrankungen, speziell auch am Verdauungstactus, mit funk¬ 
tionellen lokalen Neurosen. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

H. Westphalen (St. Petersburg): Ueber die chronische Obstipation. I. Die chronische 
atonische Obstipation. (Archiv für Verdauungskrankheiten, 6. Bd., 2. H.) 

Die bemerkenswerten Ausführungen des Verf. bewegen sich vorzugsweise 
auf dem Gebiete der Aetiologie der atonischen Obstipation, bringen aber auch in 
Bezug auf die Symptomatologie des wichtigen Leidens manche interessante Einzel¬ 
heiten. W. spricht sich für die Möglichkeit aus, dass in allerdings sehr seltenen 
Fällen eine Obstipation Fieber machen kann und berichtet zum Beleg dessen über 
2 Fälle aus eigener Beobachtung, in denen sich an stärkere Stuhlverstopfung ein 
ein- bis mehrtägiges Fieber anschloss, das durch Regelung des Stuhlgangs behoben 
werden konnte. Für die stercoralen = oder Pseudodiarrhöen wird als charakteristisch 
angegeben, dass sie stets periodisch auftreten, sehr kurze Zeit, höchstens 1—2 
Tage, andauem, meist mit der Entfernung harter Massen beginnen und allmählich 
immer wässriger werden, wobei gleichzeitig mit den dünnflüssigen Massen noch 
kleinere härtliche Faecalklumpen mit entleert werden. Für die Diagnose herniöser 
divertikelartiger Ausstülpungen der Darmwand, wie man sie manchmal bei Sec- 
tionen findet, erscheint wichtig die Beachtung periodischer Entleerung mehr oder 
minder grosser, harter, kugliger Faeces, die sich inConsistenz und in der sonstigen 
Beschaffenheit scharf von den übrigen Faeces unterscheiden. Von praktischer Wich¬ 
tigkeit ist, dass sich derartige innerhalb der Divertikel eingedickte Kotmassen in 
richtige Koprolithen umwandeln und zu lokal-peritonitischen Erscheinungen Ver¬ 
anlassung geben können. Bezüglich der Aetiologie der atonischen Obstipation 
hebt W. besonders die durch unzweckmässige Ernährung entstandenen Formen 
der atonischen Obstipation hervor. Speziell der Meinung, dass grobe cellulose¬ 
reiche Kost Stuhlverstopfung erzeuge, tritt Verf. auf Grund seiner an der russischen 
Bauernbevölkerung gewonnenen Erfahrungen mit Bestimmtheit entgegen. Wäh¬ 
rend sich in diesen Volksklassen, die vorwiegend von Vegetabilien leben, atonische 
Stuhlverstopfung sehr selten finde, sieht Verf. die atonische Obstipation in über¬ 
raschender Häufigkeit, häufiger, als man dies in Deutschland gewohnt sei, in 
seiner St. Petersburger Klientel. W. macht in der Mehrzahl der Fälle die reizlose, 
vorzugsweise animalische Kost, die sich unter der dortigen Bevölkerung in breiten 


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Gesellschaftsklassen eingebürgert habe, für die Entstehung des Leidens verantwort¬ 
lich. Bei vorwiegend animalischer Kost werden nur wenig Faeces im Darm ge¬ 
bildet. Daraus resultiert eine Verlangsamung der Darmperistaltik, ein abnorm 
langes Verweilen der Excremente im Darm und eine verspätete Entleerung der¬ 
selben. Auch die chemische Reizwirkung einer überwiegenden Fleisch- und Eiweiss¬ 
nahrung auf den Darm ist geringer als bei einer mehr vegetarianischen Ernährung. 
Nicht zu unterschätzen ist schliesslich bei vorwiegend animalischer Kost das 
Fehlen der mechanischen Einwirkung der Cellulose auf die Darmperistaltik. Die 
Therapie der atonischen Obstipation hat nach Möglichkeit die causalen Verhält¬ 
nisse zu berücksichtigen. Hauptwert ist auf die Aenderung der Ernährungsverhältnisse 
zu legen. Das Fleischeiweiss ist zu reducieren, zum Teil durch Pflanzeneiweiss zu 
ersetzen. Die Kohlehydratzufuhr ist zu steigern und gleichzeitig sind reichliche 
Mengen von Cellulose in den Darm zu bringen. Die Mehrzahl der Fälle wird 
bei einem solchen Regime geheilt bezw. gebessert. Nur in hartnäckigen Fällen greift 
Verf. zur Verordnung von Milchzucker und erst, wenn die Darreichung von Milch¬ 
zucker neben der Koständerung nicht ausreicht, werden Abführmittel herangezogen, 
am zweckmässigsten Extr. fluid. Cascar. sagrad., mit der Weisung, das Mittel all¬ 
mählich abzusetzen. Unter 110 Fällen von atonischer Obstipation war 99 Mal der 
Effekt ausschliesslich auf diätetischem Wege zu erzielen und nur 11 Mal kam 
Milchzucker bezw. Cascar. sagrad. in Anwendung. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Einhorn, M. (New-York): Ueber Syphilis des Magens. (Archiv für Verdauungs¬ 
krankheiten, 6. Bd., 2. H.) 

Zum Kapitel der Magensyphilis teilt E. 6 eigene klinische Beobachtungen 
mit. E. unterscheidet 3 Gruppen von syphilitischer Magenerkrankung: 1) Magen¬ 
geschwüre syphilitischen Ursprungs, 2) syphilitische Magengeschwülste, 3) syphi¬ 
litische Pylorusstenosen. Das Vorkommen von syphilitischen Magengeschwüren 
ist pathologisch-anatomisch eine feststehende Thatsache. Syphilitische Magen¬ 
geschwülste finden sich nur spärlich in Sektionsprotokollen erwähnt. Klinisch 
scheint die Diagnose auf syphilitische Magengeschwulst bisher noch nicht gestellt 
worden zu sein. Dasselbe gilt von der Annahme syphilitischer Pylorusstenosen. 
In dem einen der beiden Fälle von syphilitischer Pylorusstenose war der verdickte 
Pylorus als Tumor tastbar, in dem anderen Falle konnte ein Tumor nicht gefühlt 
werden. Die Diagnose der Magensyphilis in den Fällen Einhorn’s stützt sich 
einerseits auf den Misserfolg der üblichen internen Therapie, andererseits 
auf das prompte Rückgängigwerden der Krankheitserscheinungen unter anti¬ 
syphilitischer Behandlung bei anamnestisch festgestellter Lues. In 2 von den 
3 Fällen syphilitischer Magentumoren bildete sich die Geschwulst, (die in dem 
einem Falle die Gegend der kleinen Curvatur, im anderen Falle den Pylorus be¬ 
traf), unter antisyphilitischer Behandlung vollkommen zurück. In dem 3. Falle ver¬ 
schwand eine in der Epigastralgegend gelegene Geschwulst unter antisyphilitischer 
Behandlung, um nach einem Jahre zu recidivieren. 

E. giebt den Rat, bei der Therapie diagnostisch unklarer Erkrankungen des 
Verdauungsapparates einen etwaigen syphilitischen Ursprung des Leidens nicht, 
ausser Acht zu lassen. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Lucke: Ueber Kolikschmerzen. (Wiener klin. Wochenschr., Nr. 27.) 

Im Gegensatz zu der z. B. von Leichtenstern im Pentzoldt-Stintzing’- 
schen Lehrbuch vertretenen Auffassung hält Lucke den Kolikschmerz bei der 
Cholelithiasis nicht für einen Einklemmungs-, sondern für »akuten Spannungs¬ 
schmerz.« 

Das primäre ist die Zunahme des Drucks in der Gallen-Blase infolge ent¬ 
zündlicher Sekretion von deren Schleimhaut. Der wachsende Flüssigkeitsdruck 


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drängt die Gallensteine in den Blasenhals oder Ausführungsgang, und nach dessen 
Verlegung durch einen Stein führt die Weitersekretion von Seiten der Gallen- 
blasenschleimhaut zu abnormer Erhöhung des Innendruckes der Blase, zu akuter 
Ueberspannung der Blasenwand, zum akuten Spannungsschmerz, der Kolik. Die 
an sich schwache Muskulatur der entzündlich veränderten Gallenblase kann zur 
Erhöhung der Spannung nicht beitragen, ebenso wenig kann durch Kontraktion 
die Muskulatur des Ausführungsganges den Stein festhalten gegenüber der be¬ 
deutenden vis a tergo (Innendruck der Blase). 

Akute Cholecystitiden mit heftigsten Koliken kommen auch ohne Steine 
vor, und die Verlegung der Abfuhrwege kann ausser durch Steine auch durch 
spastische Kontraktion oder Lähmung der Gallengang-Muskulatur, entzündliche 
Prozesse, Narben, Druck von aussen etc. geschehen. 

In entsprechenderWeise erklärt Lucke auch die Nierensteinkolik, während 
zum Zustandekommen der Darmkolik ausser der Zunahme des Innendrucks (Ver¬ 
mehrung des Darminhalts — Flüssigkeit und Gas — durch entzündliche und 
Gährungsvorgänge) auch Druckvermehrung durch Kontraktion der Ringmuskulatur 
oberhalb des Hindernisses beiträgt. 

Auch sonstige, wie nephritische Nierenkoliken, Pankreaskoliken, will Verf. 
dieser Theorie einfügen: Kolikschmerz ist akuter Spannungsschmerz. 

Schütz (Wiesbaden). 

Dematteis, Prospero: I nuovi concetti sulla efmintlasi intestinale. (Neue Anschauungen 
über Helminthiasis intestinalis.) Gazzetta d. Osped. e delle Clin., Nr. 87, S. 902. 

Seit man erkannt hat, dass die durch das Anchylostoma hervorgerufene 
Anaemie wahrscheinlich durch die Aufnahme giftiger Stoffwechselprodukte des 
Parasiten in den Kreislauf des Wirtes bedingt ist, und seitdem ein ähnliches Ver¬ 
halten für den Botriocephalus nachgewiesen ist, stellte der Autor mit Extrakt von 
Ascaris lumbricoides an Kaninchen Versuche an, welche auch in diesem Wurm 
das Vorhandensein giftiger Substanzen beweisen. Der Autor glaubt daher den 
grösseren Teil der bisher als Reflexneurosen aufgefassten Symptome bei Helmin¬ 
thiasis auf eine Intoxikation mit den Stoffwechselprodukten der Würmer zurück¬ 
führen zu sollen. 

Jedoch giebt es noch einen zweiten Weg, auf welchem die Darmparasiten 
ihren Wirten gefährlich werden können. Der Autor hat im Darminhatte der 
Ascariden eine ganze Reihe für den Menschen pathogener Mikroorganismen nach¬ 
gewiesen z. B. das bacterium coli, b. typhosimilis, subtilis, acidi lactis, fluorescens, 
staphylococcus aureus, Streptococcus liquefaciens etc. etc. Mit Hülfe ihres Saug¬ 
apparates können die Würmer Verletzungen der Darmschleimhaut hervorrufen, in 
welche sie mit Leichtigkeit ihre pathogenen Keime einimpfen können. Auf diese 
Weise erklärt sich das Entstehen von Leberabscessen nach Einwanderung der 
Ascariden, auch die unregelmässigen Fiebersteigerungen wurmkranker Kinder sind 
hierauf zurückzuführen. 

Für das Entstehen von Darmperforationen macht der Autor die bei Fieber¬ 
temperatur sieh energischer bewegenden Darmparasiten verantwortlich. 

Rothschild (Soden a. T.). 

Zola, 6.: Sigmoidite e perisigmoidite. (Sigmolditis und Perisigmoiditis.) 

Clinica med. ital., Nr. 3. 

Zu den wenigen von Galliard und Mayor beschriebenen Fällen fügt der 
Autor eine Beobachtung zu. Die Aetiologie ist zweifelhaft, gewöhnlich jedoch 
ist Unregelmässigkeit der Stuhlentleerung als Ursache anzusprechen. Die Prog¬ 
nose ist günstig, die bis jetz beobachteten Fälle gingen alle in Heilung über. Die 
Therapie lehnt sich eng an die Behandlung der Perityphlitis an. Enteroclysmen 
von physiologischer Kochsalzlösung mit Zusatz von Kamillen oder schwacher 


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Opiumbeimengung wirken günstig durch den mechanischen Effekt. Die Diät 
muss eine flüssige sein. Die chronische Sigmoiditis ist häufiger, als sie diagnosti- 
ciert wird. Man verwechselt sie vielfach mit der Colitis, sie hat jedoch eine gün¬ 
stigere Prognose als diese. Rothschild (Soden a. T.). 

Koeher, Albert: Eine Methode früher Radiealoperation bei Perityphlitis. 

(Correspondenzblatt f. Schweizer Aerzte, Nr. 8.) 

K. empfielt folgende in der Koch er’sehen Klinik geübte Radiealoperation 
bei Perityphlitis mit Exsudat, wodurch die sonst grosse Infektionsgefahr vermieden 
werden soll: Der Abscess wird extraperitoneal eröffnet, tamponiert und provisorisch 
vernäht. Nach bakteriologischer Untersuchung des Eiters, welche das weitere 
Vorgehen bestimmt, wird dann eventuell am nächsten oder übernächsten Tage die 
typische Resektion des Appendix angeschlossen. Die Abscesswunde wird nach 
vollständigem Verschluss des Resektionsschnittes wieder geöffnet und per secundam 
zur Heilung gebracht. K. vermeidet so mit Sicherheit^ eine Infektion des Perito¬ 
neums trotz frühzeitiger Radiealoperation. Eine Anzahl Krankengeschichten werden 
angeführt. B. Oppler (Breslau). 

Oelpke: Nochmals der Murphyknopf in der Chirurgie der Baueheingeweide. 

(Correspondenzblatt f. Schweizer Aerzte, Nr. 11.) 

G. empfielt den Murphyknopf sehr warm, besonders bei brandigen Hernien, 

Operationen am Magen (mit Ausnahme der Gastroenterostomia anterior, wegen 
der Gefahr des Zurückfallens des Knopfes in den Magen) und Dünndarm, jedoch 
nicht am Dickdarm, weil eingedickte Kotmassen den Knopf nicht passieren. Von 
22 Fällen verlegte einmal der Knopf bei einer Gastroenterostomie die Passage 
des Dünndarms, in einem 2. Falle verursachte er nach einer Dünndarmresektion ein 
Druckgeschwür, das nahe vor der Perforation war. B. Oppler (Breslau). 

Hocheuegg, J.: Meine Operationserfolge bei Rektumcarcinom. (Wiener klin. Wochen¬ 
schrift, Nr. 18.) 

H. empfiehlt in seinem auch für den Internisten interessanten Aufsatz die 

von ihm fast ausschliesslich geübte sakrale Methode nach Kraske, mit der er 
unter einem Material von 121 Fällen nicht ganz 5% Todesfälle und trotz denkbar 
weitester Indikationsstellung 25 % Dauerheilungen, d. h. Patienten lebten minde¬ 
stens 3 Jahre nach der Operation, hatte. Schütz (Wiesbaden). 

Forteleoni, N. Bellü: Fegato migrante (Wanderleber). Gazzetta degli Ospedali e delle 

Cliniche, Nr. 87, S. 899. 

Bei einer 55 jährigen Frau entstand plötzlich während der Arbeit heftiger 
Schmerz im rechten Hypochondrium mit darauf folgendem Erbrechen. Drei bis 
vier Finger unterhalb des Nabels fühlte die Frau selbst einen mächtigen Tumor. 
Im Bett Hessen Schmerzen und Brechreiz nach. Der Autor wurde erst vier Wochen 
nach entstandener Verletzung zugezogen und stellte die Diagnose Wanderleber 
mit Rücksicht auf Form, Grösse und Konsistenz des Tumors. Man hatte von 
anderer Seite an eine Ovarialcyste, an ein Myofibrom des Uterus, an Sarcom, Car- 
cinom und Eiteransammlung gedacht. 

Da die Leber keine Volumenzunahme aufwies, glaubt der Autor eine an¬ 
geborene Schwäche des Ligamentum falciforme für die Entstehung des Leidens 
verantwortlich machen zu sollen. 

Der Versuch, die Leber nach dem Vorgänge StrümpelPs durch einen 
Verband in ihrer normalen Lage zu fixieren, misslang, da das Organ offenbar in 
seiner neuen Umgebung schon Verwachsungen eingegangen hatte. 

Rothschild (Soden a. T.). 


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Pendl: Beitrag zur Casuistik der Choledochotomie und Cholecystenteroanastomose. 

(Wiener klin. Wochenschr., Nr. 22.) 

Die beiden von P. mitgeteilten Fälle besitzen auch für den Internisten 
Interesse: 

Derl., insofern die Diagnose Gallensteine radiographisch bestätigt 
war, und weiter dadurch, dass nach der Choledochotomie einnarbigerVerschluss 
des Ductus choledochus eintrat, der eine 2. Operation — Einnähung der 
Gallenblase in das Duodenum — nötig machte. 

Im 2. Falle — bei einem 52jährigen Manne mit Ikterus, wiederholten 
Schmerzanfällen im r. Epigastrium, Schüttelfrösten, Gallenblasentumor — fand sich 
statt der erwarteten Gallensteine ein Carcinom des Pankreaskopfes mit Kompres¬ 
sion des Ductus choledochus etc. Schütz (Wiesbaden). 

Talma: Chirurgische Oeffnung neuer Seitenbahnen für das Blut der Vena Portae. II. 

(Berl. klin. Wochenschr., Nr. 31.) 

T. hat in einem früheren Aufsatz gleichen Titels (Berl. klin. Wochenschr., 
1898, Nr. 37) den Vorschlag gemacht in Fällen von atrophischer Lebercirrhose 
mit Hydrops, Ascites und erhaltener Leberfunktion durch Anheftung des 
grossen Netzes und wenn nötig auch der Milz an die vordere Bauchwand die 
Pfortader entlastende Collateralen zu schaffen und den Leberprozess dadurch the¬ 
rapeutisch günstig zu beeinflussen. Dem damals als Beweisstück explicierten Fall 
fügt Verf. in vorliegender Abhandlung einige weitere Krankengeschichten an, aus 
denen von Neuem hervorgeht, dass sowohl durch operative Herbeiführung von 
Verwachsungen als auch durch die »natürliche« Entwicklung von Seitenbahnen 
(Section eines an intercurrenter akuter Bronchitis defuncten Patienten, der lange 
klinisch beobachtet worden war) eine curative Wirkung erzielt werden kann. 

Das Auffälligste ist meist das allmählige Schwinden des Ascites und der 
Milzvergrösserung. Diejenigen Fälle von atrophierender Lebercirrhose, welche 
dauernd ohne Ascites verlaufen, sind ausgezeichnet durch eine Kombination mit 
exsudativer Peritonitis mit spontanen Verwachsungen des Omentum. 

Theoretisch ergiebt sich dem Verf. die Frage, ob es nicht angezeigt sei, 
bei dem im Verlauf der Lebercirrhose bisweilen auftretenden, unter Umständen 
das Leben gefährdenden, Blutbrechen — als Folge von Oesophagusvaricen — 
ebenfalls in obigem Sinne chirurgisch einzugreifen. Pickardt (Berlin). 

Cavalloti, C.: Sulla teoria ovariea della elorosi. (Ueber die ovariogene 
Theorie der Chlorose.) Clinica med., Nr. 3. 

Verf. glaubt deshalb die ovariogene Theorie der Chlorose verwerfen zu 
müssen, weil es ihm nicht gelungen ist, mit Ovarienpräparaten die Chlorose zu 
bessern. Die Schlüsse des Autors ex juvantibus bezw. non juvantibus scheinen 
viel zu weit zu gehen. Rothschild (Soden a. T.). 

Pacchioni: La reazione del glieogene nel sangue in alcune malattie dei 
bambini. (Die Glyeogenreaktion des Blutes bei einigen Kinderkrank¬ 
heiten.) Accademia Medico Fisica fiorentina. Seduta 30. V. (Gazz. degli Osp. 
e delle Clin., Nr. 75, S. 798.) 

In der Mehrzahl der Fälle gelingt es eine, wenn auch sehr geringe Menge 
Glycogen im Blut nachzuweisen, am häufigsten innerhalb der Leucocyten, selten 
frei im Plasma. Bei Pneumonie, Bronchopneumonie, Lungentuberkulose und den 
akuten Exanthemen hat dieser Autor keine ausgesprochen jodophile Reaktion 
finden können. Bei Diphtherie scheint die Reaktion leichter einzutreten; in einem 
Falle von Myxoedem war sie sehr deutlich. 

Infolge dieser Erfahrungen schlägt der Autor den Wert der Reaktion bei 
Kinderkrankheiten sehr gering an. Rothschild (Soden a. T.). 


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170 


La Franca: Sul valore clinico delle cellule jodofile nel sangue. (Ueber die klinische 

Bedeutung jodophiler Zellen im Blute.) Riforma medica, Nr. 158—160. 

Der Autor fand jodophile Zellen bei Chlorose, primärer und sekundärer 
Anaemie, bei Leucaemie und in einem Falle von vereiterter Echinococcuscyste. 
Die Beobachtung des Verhaltens der weissen Blutkörperchen giebt keinen Anhalts¬ 
punkt über die Bedingungen, unter welchen jodophile Zellen im Blute erscheinen. 
Zwischen der Zahl der jodophilen Zellen und dem Grad der Schwere der Er¬ 
krankung besteht kein Zusammenhang. Entgegen Czerny, Goldberger und 
Weiss findet der Autor mit Hof bau er auch bei Abwesenheit fortschreitender Eite¬ 
rungsprozesse die Zellen; entgegen Livierato, welcher das Vorhandensein jodo¬ 
philer Zellen vom Bestehen einer gleichzeitigen Leucocytose abhängig glaubte, 
fand der Autor dieselben in Fällen, wo die Zahl der weissen Blutkörperchen 
herabgesetzt war. 

Auch in prognostischer Hinsicht entbehrt ihre Anwesenheit der von Hof- 
bauer angenommenen ungünstigen Bedeutung, da sie in leichten zur Heilung ge¬ 
kommenen Fällen beobachtet wurden. Rothschild (Soden a. T.). 


Hirschl: Basedow’sche Krankheit mit Myxödemsymptomen. (Wiener klin. Wochenschr., 

Nr. 27.) 

Neuropathisch nicht belastete Frau erkrankt nach Schrecken (infolge Falles) 
an M. Basedowii. Nach 2 Monaten lassen die Herzpalpitationen nach, und es ent¬ 
wickelt sich eine myxödemartige Erkrankung der Haut von Gesicht und der unteren 
Extremitäten, eine Uterusatrophie und psychische Störung (Vergesslichkeit). Ver- 
grösserte Schilddrüse jetzt fibrös. — Keine alimentäre Glykosurie, was vielleicht 
dem Abklingen des M. Basedowii entspricht. Schütz (Wiesbaden). 


Consoli, Rousisvalle: Contributo alla etiologia e patogenesi delF osteo:malacla. (Bei¬ 
trag zur Kenntnis der Aetiologie und Pathogenese der Osteomalacie.) Archivio di 
ostetricia e di ginecologia, Nr. 6. 

Es handelt sich um eine Kranke, die nie schwanger war, und bei welcher 
sich die Krankheit zuerst in den unteren Extremitäten und am Thorax entwickelte. 
Im Blute wurde kein specifisches Element gefunden, ebenso wenig Propepton im 
Urin. Nitrite spärlich, leichte Vermehrung der Erdphosphate, welche keine Be¬ 
achtung verdient, da Milchsäure vollständig fehlt und die Alkalescenz des Blutes 
eine normale ist. Als mögliche aetiologische Ursache waren nur mangelhafte Er¬ 
nährung, ungünstige hygienische Lebensbedingungen, Ueberanstrengungen und ähn¬ 
liches aufzufinden. Rothschild (Soden a. T.). 


Bergesio: Azione dell idroterapia sul rieambio organieo. (Einfluss der 
Hydrotherapie auf den Stoffweehsel.) Reale Accademia de Medicina di Torino. 

Seduta 15. VI. (Gazz. degli Osped e delle Clin., Nr. 75, S. 797.) 

Durch Stoffwechseluntersuchungen an Menschen, die abwechselnd von 
35° C. auf 10° C. abgekühlten Bädern ausgesetzt wurden, Hess sich festellen, dass 
an Badetagen der Abbau des Nahrungseiweisses erhöht ist. Die absolute und 
relative Menge des Harnstoffes, des Gesamtstickstoffes ist ebenso erhöht wie 
diejenige der Phosphate, der Chloride und des Ammoniaks. Die Harnmenge ver¬ 
ändert sich, während die Reaktion keine Schwankungen von Bedeutung aufweist. 

Rothschild (Soden a. T.). 


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171 


Cattaneo: Influenza dell’ inanizione eompleta sulle funzioni e sulla com- 
posizione ehimiea dell’ ocehio. (Einfluss vollständiger Aushungerung auf 
die Funktion und chemisehe Zusammensetzung des Auges.) Societä Medico 
Chirurgica di Bologna. Seduta 12, V. (Gazz. de Osp. e delle Clin., Nr. 69, 

S. 732.) 

1) Die Produktion von Sehpurpur erleidet keine Einbusse. 

2) Die Funktion und die elektrische Erregbarkeit der die Iris erweiternden 
Nervenfasern des Halssympathikus erleiden keine Schwächung, selbst dann nicht, 
wenn andere im selben Nervengeflecht enthaltene Fasern fast vollständig Funktion 
und elektrische Erregbarkeit verloren haben. 

3) Die Funktion der Fasern des III. zur Iris gehenden Gehimnervenpaares 
ist herabgesetzt; deshalb ist der Pupillenreflex auf Lichteinfall verlangsamt 'oder 
fehlend. 

4) Die Sehnervenpapille ist bleich, die Gefässe verengt. 

5) In den meisten Fällen vermindern sich die Proteinsubstanzen des Auges 
bei fortgeschrittener Verhungerung, während sich die Kohlehydrate und anorgani¬ 
schen Salze vermehren. Der Fettgehalt schwankt in sehr kleinen Grenzen. 

Der Autor schliesst aus diesen Ergebnissen, dass auch die verschiedenen 
Teile des Auges bei Nahrungsentziehung zu Grunde gehen, der Grad und die 
Schnelligkeit des Zerstörungsprozesses jedoch geringer ist als in anderen Organen. 

Die Augen leben ebenso wie das Nervensystem im Hungerzustande auf 
Kosten der andern Gewebe und Organe. Rothschild (Soden sl. T.). 

Barbara: La temperatura di alcuni organi interni nell’ inanzione. (Die Temperatur 
einiger innerer Organe im Hungerzustande.) Societä Medico-Chirurgica die Bo¬ 
logna Seduta 5. VII. (Gazz. d. Osped. e delle Clin., Nr. 87.) 

Die Temperaturdifferenz der inneren Organe im Hungerzustande befind¬ 
licher Tiere ist geringer als die bei ernährten Tieren gefundene. Ein Hund, 
welcher 40% seines Körpergewichtes verloren hatte, mass in Leber und Gehirn 
36,4°, im Pankreas 36,3°, im Magen 36,2°, im Rectum 36,1°. 

Es fand sich die Temperatur um 3—4° niedriger im Hungerzustande als 
bei normaler Ernährung. 

Die Temperatur des Gehirnes ist immer dieselbe wie die der Leber. 

Die höchste Temperatur haben Gehirn und Leber, die geringste das Rec¬ 
tum. Rothschild (Soden a. T.). 

Barböra, A. G.: Di alcune funzioni nervöse nell’ inanzione eompleta. 
(Ueber einige Funktionen der Nerven im Hungerzustande.) Societä Medico- 
Chirurgica di Bologna. Seduta 9. VI. (Gazz. d. Osp. e d. Clin., Nr. 75, S, 799.) 

1) Die sekretorischen Fasern der die Submaxillardrüse versorgenden Chorda 
tympani bewahren ihre elektrische Erregbarkeit bis zum letzten Augenblick des 
Lebens der Hungertiere. 

Die chemische Zusammensetzung des so gewonnenen Speichels bleibt un¬ 
verändert. Eine subkutane Pilocarpininjektion vermehrt die Speichelsekretion ebenso 
wie unter normalen Verhältnissen — eine darauffolgende Atropineinspritzung hebt 
die Absonderung auf. 

Nach der Pilocarpineinspritzung hört die elektrische Erregbarkeit der Chorda 
tympani auf, während intravenös eingespritztes Curare die Speichelsekretion wieder 
steigert. 

2) Die sekretorischen Vagusfasern für die Drüsen der Magenschleimhaut 
bewahren, wenn auch geschwächt, ihre Erregbarkeit auch bei^vorgerücktem Hunger¬ 
zustande; Magensaft, welcher durch elektrische Reizung-gewonnen ist, enthält eine 
sehr geringe Menge freier Salzsäure und Pepsins. Curare, intravenös injiciert, ruft 


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eine erhebliche Abscheidung von Magensaft hervor, der dieselben charakteristischen 
Abweichungen zeigt. 

3) Die sekretorischen Pankreasfasern des Vagus befördern die Abscheidung 
von Pankreassaft, wenn dieselben elektrisch gereizt werden. Der so gewonnene 
Saft setzt, wenn auch sehr langsam und unvollkommen, Eiereiweiss in Pepton 
und Stärke in Zucker um. Endovenöse Curareinjektionen können eine ähnliche 
Pankreassekretion hervorrufen, die die gleichen chemischen Eigenschaften besitzt. 

Rothschild (Soden a. T.). 

Modica, Orazio: Glicogeno e glucosio nel fegato in medicina forense. (Glycogen und 
Glucose der Leber in der gerichtlichen Medizin.) Gazzette degli Osped. e delle Clin., 

Nr. 66, S. 694. 

1) Beim natürlichen Tode verliert die Leber nie ihren ganzen Vorrat von 
Glycogen und Zucker; man findet diese vielmehr noch mehrere Stunden nach dem 
Tode in der Leber. 

2) Das Glycogen hält sich nicht lange unverändert im Cadaver; dennoch 
ist die allgemeine Annahme nicht richtig, dass es sich sofort in Glucose umwandle. 
In Leichen, die bei niedrer Temperatur aufbewahrt sind, kann man Glycogen 
noch zwei Tage nach dem Tode und länger finden, je nach der Menge des ursprüng¬ 
lich vorhandenen Glycogens, der Temperatur der Umgebung und vielleicht auch 
der dem Leberparenchym noch innewohnenden Lebenskraft. 

3) Die Anwesenheit von Zucker in der Leber Erwachsener ist bei 60,45% 
der Leichen nachzuweisen. 

4) Die gefundene Zuckermenge schwankt von weniger als V* bis über 1 %. 

5) Die nach dem Tode in der Leber vorhandene Zuckermenge ist somit 

von der Menge des vorher dagewesenen Glycogens abhängig, das seinerseits er¬ 
heblichen Schwankungen im physiologischen und pathologischen Leben unterworfen 
ist. Diese Schwankungen sind zu wenig bekannt, als dass man aus der An- oder 
Abwesenheit des Glycogons entscheidende differentialdiagnostische Schlüsse darüber 
machen könnte, ob in einem bestimmten Falle der Tod auf natürliche Weise oder 
infolge von Verletzungen eingetreten ist. Rothschild (Soden a. T.). 

Walko, K.: Ueber das Jodbindungsvermögen des Harns. Med. Klinik des Prof, 
v. Jaksch in Prag. (Z. f. Heilkunde Bd. 21, Abt. f. interne Med. etc S. 1.) 

Das Vermögen des Harns Jod zu binden hängt ab von einer grossen 
Reihe von Substanzen, die sehr verschiedenes spec. Gew. und noch verschiedenere 
Affinität zum Jod besitzen. Die Substanzen werden eingehend aufgeführt. Sie 
bilden nur etwa 2—3% von der Gesamtsumme der Gewichte sämtlicher Ham- 
bestandteile, während gerade die Körper, die hauptsächlich das specifische Gewicht 
des Harns bestimmen, kein Jod binden. Die Trockensubstanz des Harns bindet 
im allgemeinen wesentlich weniger Jod als der native Harn. Selbst bei normalem 
Harn schwankt die gebundene Jodmenge. Durchschnittlich wurden 1—5 g Jod, 
für die Tagesmenge berechnet, gebunden; die täglichen Schwankungen bei dem¬ 
selben Individuum sind selten grösser als 1 g. Abnorm hoch war die Bindung 
— was schon Gerhardt fand — bei einem Falle von Diabetes mellitus mit 
20 g Jod; abnorm gering nach Einnahme von Jodnatrium. 

Die oben erwähnten Thatsachen gestatten nicht, die Jodzahl auch nur als 
annäherndes Mass weder einzelner mit dem Harn ausgeschiedener Stoffwechsel¬ 
produkte, noch ihrer Gesamtsumme anzusehen. Besonders ist das Jolles‘sche 
Verfahren ungeeignet, weil es durch Rechnung künstliche Unterschiede schafft, 
eine willkürliche Urinmenge verwendet, und weil das spec. Gewicht des Urins 
keine konstante Beziehung zur Jodbindung aufweist. Fraenckel (Göttingen). 


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Ott, Fritz: Ueber den Nachweis des Gallenfarbstoffes im Harne von Herzkranken. Aus 
d. med.-propraedeut. Universitätski. (Prof. Bauer) zu München. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 27.) 

Verf. weist nach, dass die bei schweren Herzfehlern häufig auftretende 
gelbliche Verfärbung der Haut auf einer Bilirubinablagerung in den Geweben, 
wie man sie bei jedem Ikterus findet, beruht. Der Grund, weshalb man über die 
Natur dieser Gelbfärbung bislang im Unklaren war, ist einfach darin zu suchen, 
dass man sich zum Nachweis des Gallenfarbstoffs im Ham der Gmelin’sehen 
Probe bediente, die geringe Mengen von Bilirubin ganz übersehen lässt. Verf., 
der die Salkowski’sche Probe anwandte, erhielt dagegen in den meisten Fällen 
von gelbem Colorit bei Herzkranken, wo ihn die Gmelin’sehe Reaktion im Stiche 
Hess, positive Resultate. Nur bei Gegenwart von viel Eiweiss oder Blutfarbstoff 
oder unter dem Einfluss bestimmter Medikamente (Salol) gelingt auch mit dieser 
Methode der Nachweis nicht. 

Mit Hilfe der SalkowskP sehen Methode konnte Verf. ferner constatieren, 
dass beim katarrhalischen Ikterus in der Heilungsperiode die Bilirubinausscheidung 
fast immer länger anhält als die Urobilinausscheidung. 

(Die von Huppert angegebene und von Salkowski verbesserte Methode 
beruht auf der Ausfällung des Gallenfarbstoffs in Form einer unlöslichen Ver¬ 
bindung : Der Ham wird mit kohlens. Na. alkalisch gemacht und mit Chlorcalcium 
versetzt, bis er keinen gefärbten Niederschlag mehr giebt. Letzterer wird abfiltriert, 
gut ausgewaschen, in einem Reagenzglase mit Alkohol übergossen und in Salzsäure 
aufgelöst. Beim Kochen färbt sich die Lösung, falls Gallenfarbstoff zugegen ist, 
grün bis blau, andernfalls bleibt sie ungefärbt). Schade (Göttingen). 


Wolkow, M. M. (Petersburg): Zup Frage über den s. g. reno-renalen Reflex. 

(Hospital-Zeitung von Botkin, Nr. 28.) 

Verf. beobachtete einen Fall von Aneuiysma aortae abdominalis, der bei 
Lebzeiten des Trägers erkannt wurde und durch plötzliches Platzen zu einem 
Aneurysma dissecans und kindskopfgrossem Haematom des die linke Niere um¬ 
gebenden Bindegewebes geführt hat. Dabei bestand eine totale Anurie, welche 
in kürzester Zeit unter uraemischen Erscheinungen zum Tode geführt hat. 

Da die Nieren, bes. die rechte, anatomisch normal gefunden worden sind, 
führt Verfasser die Anurie auf einen Reflex zurück, welcher von der Oberfläche 
der einen, dem Druck ausgesetzten, Niere und ihrer Umgebung auf die andere 
ausgelöst wurde. 

Eine Anaemie oder Shock glaubt er ausschliessen zu dürfen. 

Simon (Wiesbaden). 

Ueber das Vorkommen von eigentümlichen sporenartigen Gebilden in den Faeces. Biol. 
Abteilg. d. ärztl. Vereins Hamburg. Sitzung vom 17. April. (Münch, med. Wochen¬ 
schr. Nr. 27.) 

Delbanco demonstriert Faecespräparate von Patienten, die an Diarrhoe er¬ 
krankt waren und blutig schleimige Stuhlentleerungen hatten. In dem Schleim waren 
zahlreiche sporenartige Gebilde enthalten, welche Tuberkelbacillenfärbung annahmen 
und teils frei, teils in einem hefezellenartigen, mit Methylenblau sich färbenden Leibe 
eingeschlossen waren. In dem einen Falle Hessen sie sich nach dem Sistieren der 
blutig schleimigen Abgänge nicht mehr nachweisen, in dem anderen glaubt D. 
nach längerem Stehenlassen der Faeces eine Vermehrung der erwähnten Gebilde 
wahrgenommen zu haben. Auf Grund der charakteristischen Spindelform hält 
Plaut dieselben für das Clostridium butyricum, über dessen Vorkommen in 
normalen wie in pathologischen Stühlen Nothnagel nähere Angaben gemacht 
hat. Delbanco zieht aus seiner Beobachtung keine sicheren Schlüsse auf einen 

Nr. 7. 


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etwa bestehenden Zusammenhang zwischen dem erwähnten Befunde und den 
klinischen Erscheinungen. Schade (Göttingen). 


Ueber das Vorkommen von Lykopodiumsamen in den Faeces. Biol. Abt. des ärztl. 
Vereins Hamburg. Sitzung vom 17. April. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 27.) 

Nachdem Delbanco auf das gelegentliche Vorkommen von Lykopodium¬ 
samen im Sputum infolge Verunreinigung (Sammeln des Sputums in einem »Pillen¬ 
glas« etc.) hingewiesen und bemerkt hat, dass diese Gebilde zuweilen zu Täu¬ 
schungen Veranlassung geben könnten, da sie die Tuberkelbacillenfärbung an¬ 
nähmen, macht Simmonds darauf aufmerksam, dass Lykopodiumkömer auch in 
den Faeces (beispielsweise bei Kindern, die wegen Wundseins mit Lykopodium 
eingepudert wurden) Vorkommen und Zweifel verursachen könnten. Im Anschluss 
daran erwähnt Lochte, dass er bei klinischen Untersuchungen, bes. Urinunter¬ 
suchungen, wiederholt nicht nur pflanzliche Gebilde, sondern auch Insekten ge¬ 
funden habe, die ev. Irrtümer hervorzurufen vermöchten. 

Alle diese Dinge gewinnen an Bedeutung bei der Untersuchung von ver¬ 
schicktem Untersuchungsmaterial, das allen Verunreinigungen ausgesetzt ist. 

Schade (Göttingen). 

Veit: Untersuchungen über den osmotischen Druck zwischen Mutter und Kind. (Zeit¬ 
schrift für Geburtshülfe und Gynäkologie, Bd. 42, H. 2.) 

V. bestimmte den Gefrierpunkt des foetalen und mütterlichen Blutes, sowie den 
des Fruchtwassers im Moment der Geburt und berechnete nach dem van t’Hoff’- 
schen Gesetze den entsprechenden Salzgehalt. Es zeigte sich, dass dieser beim 
foetalen Blut am grössten und am niedrigsten im Fruchtwasser ist. Die Differenz 
des Salzgehalts zwischen kindlichem und mütterlichem Blut beträgt 0,046%* Dem 
verschiedenen Molekulargewicht der Flüssigkeiten entspricht natürlich ihr osmo- 
tiscker Druck. 

Diese nach V.’s Ansicht für die Physiologie des Stoffwechsels zwischen 
Mutter und Kind bedeutsamen Resultate machten eine rein physikalische Unter¬ 
suchung der Mutter und Kind trennenden Scheidewand wünschenswert. Dem¬ 
gemäss beginnt V. mit der Veröffentlichung einer Eröffnungsreihe von Versuchen, 
in welchen er eine Salzlösung entsprechender Konzentration von Wasser einmal 
durch die Eihäute und dann durch die Placenta trennte und die osmotischen Vor¬ 
gänge hierbei studierte. Als Ergebnis bestätigt V. die schon von Fehling auf¬ 
gestellte Behauptung, »dass die Eihäute den Charakter einer dialytischen Membran 
besitzen«, wenn auch nur in beschränktem Sinne; für die Placenta gilt das näm¬ 
liche, allerdings mit noch grösserer Einschränkung. Wenngleich diese Resultate 
zur Erklärung der Stoffwechselvorgänge nur mit Vorsicht herangezogen werden 
dürfen, da die physikalischen neben den vitalen Prozessen sicher von unter¬ 
geordneter Bedeutung sind, so verspricht sich V. doch von weiteren Untersuchungen 
auf dem angebahnten Wege auch für die Pathologie z. B. der Eclampsie wesent¬ 
liche Fortschritte. Fleck (Göttingen). 

Form&nek: Ueber die Giftigkeit der Ausatmungsluft. (Archiv f. Hygiene, 

Bd. 38, H. 1.) 

F. kommt durch ausführliche kritische Würdigung früherer Versuche anderer 
Forscher sowie durch zahlreiche eigene zu folgenden Schlüssen: 1) In den Lungen 
eines gesunden Menschen oder Tieres entsteht neben C0 2 und Wasser bei der 
Atmung keine giftige Substanz, welche sich der Ausatmungsluft beimengt. Etwa 
beigemengtes NH a entsteht durch Zersetzung in der Mundhöhle oder andere krank¬ 
hafte Prozesse. 2) In den Versuchen, welche die Giftigkeit der Ausatmungsluft 
beweisen, wurde mit Ammoniak gearbeitet und dieses verursachte die Vergiftungs- 


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175 


erscheinungen, nicht eine uubekannte organische Basis (Alkaloid?). 3) Ohn¬ 
mächten, Unbehagen u. drgl. bei gesunden Menschen in überfüllten Räumen sind 
nicht einheitlich zu erklären. An Ammoniakvergiftung kann man kaum, an Kohlen¬ 
säurevergiftung gar nicht denken. Weit eher muss man annehmen, dass es 
sich um erregbarere resp. empfindlichere Menschen handelt, welche durch Regu¬ 
lationsstörungen der Körpertemperatur oder reflektorisch durch riechende, ekel¬ 
erregende Stoffe derartig beeinflusst werden. B. Oppler (Breslau). 

Ferrarini: L’atropina nelP ipertermia de peptone. (Atropin bei Tempe¬ 
ratursteigerung durch Pepton.) Riforma med., Nr. 109. 

Der Autor benutzte das Atropin, um die durch Peptoninjektionen bei Ver¬ 
suchstieren hervorgerufenen Temperatursteigerungen zu unterdrücken bezw. deren 
Entstehen zu verhindern. 

Es gelang in der That durch Einspritzung von 15 mg Atropin pro kg Ver¬ 
suchstier die von 40 cg Pepton bewirkte Temperaturerhöhung auszugleichen. Das 
Resultat ist konstanter, wenn man das Atropin in fraktionierter Dosis injiciert. 

Die Versuche sind um so interessanter, als ja bekanntlich durch Curare 
die von Peptoninjektionen bewirkte Temperatursteigerung ebenfalls unterdrückt 
werden kann. Ott und Coli mar glauben dem Pepton eine besondere Wirkung 
auf das Nervensystem, in erster Linie auf die thermischen Centren zuschreiben zu 
sollen. Rothschild (Soden a. T.). 

Tittel: Versuche über die Verwendbarkeit des Fleischsaftes »Puro«. (Allgem. 
medicinische Centralzeitung, Nr. 39.) 

T. hat mit Fleischsaft »Puro«, der nach Fresenius über 21 °/ 0 Eiweissund fast 
7% Pepton enthält, an chronisch erkrankten und schlecht genährten Kindern der 
Wiener allgemeinen Poliklinik Ernährungsversuche gemacht. Verf. konstatierte in 
fast allen Fällen einen günstigen Einfluss auf Appetit, Blutbildung und Ernährungs¬ 
zustand und empfiehlt daher das Präparat, das sehr haltbar und nicht zu teuer 
ist, von den Kindern auch gern genommen wird, auf das wärmste. 

B. Oppler (Breslau). 


Onginalbericbt über den p. Kongreß polnifcber Her|te 
und ßaturforfcber in Krakau 

(vom 20—25. Juli d. J.) 

erstattet von Dr. Alexander Simon (Wiesbaden). 

Der 9. polnische Aerztekongress, welcher vor 2 Jahren in Posen abge¬ 
halten werden sollte, von der hohen preussischen Regierung jedoch untersagt 
worden war, tagte unter reger Beteiligung von über 1000 Mitgliedern Ende Juli 
in Krakau. Abgesehen von den allgemeinen Sitzungen, in welchen Prof. M. Nencki 
(Petersburg) Vorträge: »Ueber die zukünftigen Probleme der biologischen 
Chemie«, Prof. Baranowski (Warschau): »Ueber den Kampf mit der Tuber¬ 
kulose« und Prof. Hoyer (Warschau): »Ueber den Causalitätsbegriff in Wissen¬ 
schaft und Praxis« hielten, wurde eine Generalsitzung der Tuberkulose und ihrer 
Bekämpfung gewidmet und unzählige Referate und Vorträge in 26 Sektionen 
besprochen, von denen ich nur den ins Programm des Centralblattes passenden 
erwähnen will. 


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176 


In der Sektion für innere Medicin erstatteten Referat über »Harnsaure Dia¬ 
these« Dunin, Sokolowski, Bieganski und Pruszynski, wobei Dunin 
folgende Thesen auf stellt: 1) die exakte Kritik verbietet es, eine arthritische Diathese 
im Sinne französischer Autoren anzunehmen; 2) es fehlt bisher der Beweis dafür, 
dass bei obigen Zuständen der Stoffwechsel verlangsamt wäre; 3) wir haben kein 
Recht bei unseren vorläufigen Kenntnissen von einer harnsauren Diathese zu 
sprechen; 4) die Rolle der Harnsäure bei der Entstehung der Gicht und der Nieren¬ 
steine ist unbekannt. Bieganski (Czestochowa) besprach die Therapie und hob 
die Unschädlichkeit des Fleisches (?), die Wirkung der Alkalien, welche die Lös¬ 
barkeit der Harnsäure erleichtern, ebenso der kohlensauren Ca und Mg, sowie die 
Unwirksamkeit der Lithiumsalze hervor. Von den neuen Präparaten hält B. wenig. 
Sokolowski schilderte die bei Arthritikern zu beobachtenden Erscheinungen von 
Seiten der Luftwege und hob die bei denselben auftretenden eigentümlichen 
Formen der chron. Lungentuberkulose hervor. Pruszynski betrachtet als Quelle 
der Harnsäure den Zerfall von Leucocyten und anderen Körperzellen, die nuklein¬ 
haltige Nahrung und den synthetischen Weg, wie er bei Vögeln und Amphibien 
nachgewiesen worden ist. In der Diskussion wurde die vorläufige Beibehaltung 
des Namens »Harnsaure Diathese« mangels besserer Bezeichnung gefordert, mit 
der Einschränkung jedoch, dass man nicht in der Harnsäure allein das Wesen 
der Erkrankung suche. Das Referat über die moderne Behandlung der Gallen¬ 
steine übernahmen Drr. Krajewski und Rejchmann aus Warschau. Letzterer 
trat für die Oeltherapie warm ein, hervorhebend, dass dieselbe im Stadium der 
Steinwanderung vorzunehmen sei. Im Uebrigen ist er auch für absolute Ruhe 
und Milchdiät in akuten Fällen, für chronische Hessen sich noch keine rationellen 
Diätvorschriften geben. Krajewski trat für chirurgische Behandlung der Gallen¬ 
steine im Sinne Kehrs, mit striktem Festhalten bestimmter Indikationen, beredt 
ein, was merkwürdiger Weise eine beharrliche Opposition von Seiten der Ver¬ 
treter der drei polnischen klinischen Schulen (Dunin-Warschau, Gluzin'ski-Lem- 
berg, Korczynski-Krakau) hervorrief. Es wurde auf den benignen Verlauf der 
Cholelithiasis bei innerer Behandlung die sog. geringe Mortalität einerseits, die 
Schwierigkeit der Operation, die damit verbundenen Gefahren andererseits hin¬ 
gewiesen. Zu einer gegenseitigen Einigung hat die Diskussion nicht geführt. 
Im Anschlüsse an Simon* s Vortrag: »Ueber die Indikationen des Atropins in der 
inneren Medicin« machten Rejchmann (Warschau) und Prof. Gluzinski (Lem¬ 
berg) die bestimmte Mitteilung, dass das Atropin in den vielen, von ihnen unter¬ 
suchten Fällen, entgegen den entschiedenen Angaben Riegels und Anderer, 
weder günstige subjektive Wirkung, noch die Magensaftsekretion und die Menge 
der HCl wesentlich oder für längere Zeit herabzusetzen vermocht hätte. 

(Fortsetzung folgt.) 


Besprechungen. 

Biedert, Ph.: Die Kinderernährung im Säuglingsalter und die Pflege von Mutter und 
Kind. IV. Aufl. Stuttgart, Fr. Enke. 263 S. u. 1 Tfl. 6,00 Mk. geb. 7,00 Mk. 

Das bekannte Buch wird auch in dieser vierten ganz neu bearbeiteten Auf¬ 
lage mit Freuden begrüsst werden. Die zahlreichen z. T. umgestaltenden Unter¬ 
suchungen der letzten Jahre Hessen diese Neubearbeitung durchaus wünschens¬ 
wert erscheinen, die unter ausgedehnter Berücksichtigung der gesamten Litteratur 
auch meisterhaft durchgeführt ist. So wird besonders den neueren Forschungen 


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auf dem Gebiete der Milchchemie als auch den zahlreichen Stoffwechselunter¬ 
suchungen und den verschiedenen neueren Nährpräparaten Rechnung getragen. 
Wie dem Arzt wird man bei seiner klaren und leichtverständlichen Ausführung 
das Buch auch jeder gebildeten Mutter wiederum nur auf das Beste empfehlen 
können. Schreiber (Göttingen). 

Hirth, G.: Ideen zu einer Enqu€te über die Unersetziichkeit der Mutterbrust. München, 

G. Hirth. 64 S. 1,00 Mk. 

Der bekannte Herausgeber der »Jugend« übergiebt der Oeffentlichkeit ein 
Büchelchen, das sicherlich Beachtung verdient. Es weist auf die grossen Ge¬ 
fahren hin, die unserem Volke durch die zunehmende Unfähigkeit der Frauen, 
ihre Kinder zu stillen, erwachsen und verlangt dringende Abhülfe. — Die Aus¬ 
führungen sind z. T. so abgefasst, dass man auf den Verdacht kommen sollte, 
das Ganze wäre von einem Arzt inspiriert worden. Wohl sind die Ausdrucks¬ 
weisen, Darstellungen und Vorschläge so z. T. sehr überschwenglich und aben¬ 
teuerlich, indessen der Verf. bittet ja selbst um Nachsicht deswegen, immerhin ist 
die Lektüre des Büchelchens für weitere Kreise sehr anzuraten. 

Schreiber (Göttingen). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Neuberger, M.: Die Anschauungen über den Mechanismus der specifischen Er¬ 
nährung. Leipzig u. Wien, Fr. Deuticke. 105 S. 4,00 Mk. 4,50 Kr. 
Schwalbe, E.: Untersuchungen zur Blutgerinnung. Braunschweig, Fr. Vieweg u. 
Sohn. 89 S. 2,50 Mk. 

Werner, A.: Ueber einen typischen Fall von spontaner symmetrischer Gangrän, der 
sogenannten »Raynaud*sehen Krankheit«. Dissert. Jena, H. Pöhle. 28 S. 
1,50 Mk. 

Friedmann: Die Pflege und Ernährung des Säuglings. Wiesbaden, J. F. Berg¬ 
mann. 84 S. geb. 2,00 Mk. 

Lang, M.: Zur Orientierung in Marienbad. Marienbad, Fr. Gschihay. 239 S* 
2,20 Mk. 

Jaensch, Th.: Der Zucker in seiner Bedeutung für die Volksernährung. Berlin, 
P. Parey. 106 S. 1,00 Mk. 

Fürst, L: Die künstliche Ernährung des Kindes im ersten Lebensjahre. Berlin, 
W. Werther. 83 S. 1.00 Mk. 

Peiper, E.: Fliegenlarven als gelegentliche Parasiten des Menschen. Berlin, L. 
Marcus. 76 S. 2,00 Mk. 


7nhalt5ver|cichnis. 

Referate: Caselli, A.: Ipofisi e glicosuria. (Hypophysis und Olycosurie) 
S. 157. — Schott: Herzkrankheiten auf diabetischer Basis und ihre Behandlung 
S. 157. — Kisch: Ueber die physikalisch-diätetische Therapie der Fettleibigkeit 
S. 158. — Burian und Schur: Ueber die Stellung der Purinkörper im menschlichen 
Stoffwechsel. I. Untersuchung. Ueber die endogenen und die exogenen Ham- 


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178 


purine des Menschen S. 158. — Kudintzew: Die Anwendung des Uresins (Uro- 
tropinum dilithiocytricum) bei Hamgries und Nierensteinen S. 160. — Zawialow 
(Dorpat): Zur Theorie der Eiweissverdauung S. 160. — Schiff, A.: Beiträge zur 
Physiologie und Pathologie der Pepsinsecretion und zur medikamentöse Be- 
einflussbarkeit der Magensaftsecretion durch Atropin und Pilocarpin S. 161. — 
Beddies, A. und Tischer, W.: Ueber die Verdaulichkeit verschiedener Eiweiss¬ 
nahrung in Gegenwart von specifischen Medikamenten S. 162. — Wirschubski: 
Ueber die Magensaftsekretion nach gemischter Fettnahrung S. 162. — Pflüger, E.: 
Ueber die Gesundheitsschädigungen, welche durch den Genuss von Pferdefleisch 
verursacht werden S. 163. — Hofbauer, L.: Kann Fett unverseift resorbiert wer¬ 
den? S. 164. — Bourget (Lausanne): Beobachtungen über Ulcus ventriculi und 
die Behandlung desselben mit Eisenchloridwaschungen S. 164. — Richter, A.: 
Ueber nervöse Komplikationen der chronischen Gastritis S. 165. — H. Westphalen 

g tf. Petersburg): Ueber die chronische Obstipation. Die chronische atonische 
bstipation S. 165. — Einhorn, M. (New-York): Ueber Syphilis des Magens 
S. 16o. — Lucke: Ueber Kolikschmerzen S. 166. — Dematteis, Prospero: I nuovi 
concetti sulla elmintiasi intestetinale. (Neue Anschauungen über Helminthiasis 
intestinalis) S. 167. — Zola, D.: Sigmoidite e perisigmoidite (Sigmoiditis und Peri¬ 
sigmoiditis) S. 167. — Kocher, Albert: Eine Methode früher Radicaloperation bei 
Perityphlitis S. 168. — Gelpke: Nochmals der Murphyknopf in der Chirurgie der 
Baucheingeweide S. 168. — Hocheuegg, J.: Meine Operationserfolge bei Rektum- 
carcinom S. 168. — Forteleoni, N. Bellü: Fegato migrante (Wanderleber) S. 168. 
— Pendl: Beitrag zur Casuistik der Choledochotomie und Cholecystentero- 
anastomose S. 169. — Talma: Chirurgische Oeffnung neuer Seitenbahnen für das 
Blut der Vena Portae. II. S. 169. — Cavalloti, C.: Sulla teoria ovarica della 
clorosi. (Ueber die ovariogene Theorie der Chlorose) S. 169. — Pacchioni: La 
reazione del glicogene nel sangue in alcune malattie aei bambini. (Die Glycogen- 
reaktion des Blutes bei einigen Kinderkrankheiten) S. 169. — La Franca: Sul valore 
clinico delle cellule jodofile nel sangue. (Ueber die klinische Bedeutung jodo- 
philer Zellen im Blute) S. 170. — Hirschl: Basedowsche Krankheit mit Myxödem¬ 
symptomen S. 170. — Consoli, Rousisvalle: Contributo alla etiologia e patogenesi 
dell’ osteomalacia. (Beitrag zur Kenntnis der Aetiologie und Pathogenese der 
Osteomalacie) S. 170. — Bergesio: Azione dell idroterapia ricambio organico. 
(Einfluss der Hydrotherapie auf den Stoffwechsel) S. 170. — Cattaneo: Influenza 
dell’ inanizione completä sulle funzioni e sulla composizione chimica dell’ occhio. 
(Einfluss vollständiger Aushungerung auf die Funktion und chemische Zusammen¬ 
setzung des Auges) S. 171. — Barbara: La temperatura dialcuni organi intemi nell’ 
inanzione. (Die Temperatur einiger innerer Organe im Hungerzustande S. 171. — 
Barbera, A. G. : Di alcune funzioni nervöse nell’ inanzione completä. (Ueber einige 
Funktionen der Nerven im Hungerzustande) S. 171. — Modica, Orazio: Glicogeno e 
glucosio nel fegato in medicina forense. (Glycogen und Glucose der Leber in der 
gerichtlichen Medicin) S. 172. — Walko, K.: Ueber das Jodbindungsvermögen des 
Harns S. 172. — Ott, Fritz: Ueber den Nachweis des Gallenfarbstoffes im Harne 
von Herzkranken S. 173. — Wolkow, M. M. (Petersburg): Zur Frage über den 
s. g. reno-renalen Reflex S. 173. — Ueber das Vorkommen von eigentümlichen 
sporenartigen Gebilden in den Faeces S. 173. — Ueber das Vorkommen von 
Lykopodiumsamen in den Faeces S. 174. — Veit: Untersuchungen über den os¬ 
motischen Druck zwischen Mutter und Kind S. 174. — Formänek: Ueber die Gif¬ 
tigkeit der Ausatmungsluft S. 174. — Ferrarini: L’atropina nell’ ipertermia de 
peptone. (Atropin bei Temperatursteigerung durch Pepton) S. 175. — Tittel: Ver¬ 
suche über die Verwendbarkeit des Fleischsaftes »Puro« S. 175. — Original¬ 
bericht über den 9. Kongress polnischer Aerzte und Naturforscher in Krakau S. 175. 
— Bücherbesprechungen: Biedert, Ph.: Die Kinderernährung im Säuglings- 
alter und die Pflege von Mutter und Kind S. 176. — Hirth, G.: Ideen zu einer 
Enquete über die Dnersetzlichkeit der Mutterbrust S. 177. — Zur Besprechung ein¬ 
gegangene Bücher S. 177. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 8. 


Zweites August-Heft 1900. 


1. Jahrgang. 


Cenfralblaff 

füp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von V&ndenhoeck & Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nm. von IVa—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges] 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne INr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Original-Hrtikel. 

Aus dem Laboratorium der Göttinger med. Klinik. 

I)arnTaurtausfcbetdung beim Diabetes mellitus 

von 

Dr. Waldvogel und Dr. Hagenberg. 

Der feststehende klinische Zusammenhang zwischen Diabetes und 
Gicht hat in den Untersuchungen des Stoffwechsels beider vorläufig eine 
Erklärung nicht gefunden. Würde festgestellt, dass die mangelhafte 
Oxydationskraft der Zellen nur beiden und der Fettleibigkeit gemein¬ 
sam wäre und andere krankhafte Veränderungen nicht dergleichen zeigten, 
so würde diese Beweisführung die direkteste und unmittelbarste sein. Für 
den Diabetes ist dieser Nachweis von Ebstein 1 ) erbracht worden, für die 
Gicht steht er aus. Es war nicht von der Hand zu weisen, dass man noch 
auf einem anderen Wege dem Zusammenhang beider nachspüren kann. 
Das pathognomonische Stoffwechselprodukt der Zuckerharnruhr ist der 
Zucker, und bei der Gicht steht es doch nun wohl bald fest, dass die Harn¬ 
säure nicht die normalen Phasen des Auf- und Abbaues durchmachend, die 
Ursache der Krankheitserscheinungen wird. Wir haben nun in vielen Be¬ 
stimmungen von Harnsäure und Zucker bei Zuckerkranken Beziehungen in 
der Ausscheidung beider zu finden gesucht und wollen die Versuche, in 
denen ein solcher nicht vorhanden war, als unbemerkenswert beiseite lassen. 
Aus Tab. I Tag 17—21 wird man zur Genüge ersehen, dass zwischen der 
Ausscheidung von Zucker und Ur beim Diabetes ein Zusammenhang nicht 
immer zu bestehen braucht 

1) Deutsch, med. Woch. 1898, Nr. 7. 

Nr. 8. 


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180 


Tabelle I. Aschoff: Gicht und Diabetes. 


Dat. 

Menge 

Spec. 

Gew. 

Sacch. 

°/o | g 

ur 

G.-N. 

17. 

1225 

1020 

2,6 

31,8 

0,149 

3,75 

18. 

1230 

1021 

3,6 

44,2 

0,180 

2,62 

19. 

1240 

1020 

2,4 

29,8 

0,150 

2,69 

20. 

1300 

1020 

3,0 

39,0 

0,150 

3,06 

21. 

1340 

1021 

3,2 

42,9 

0,262 

3,18 

22. 

1350 

1018 

3,0 

40,5 

0,142 

2,69 

23. 

1150 

1010 

2,6 

29,9 

0,166 

1,49 

25. 

1380 

1016 

1,2 

16,6 

0,202 

5,24 

26. 

1280 

1018 

3,0 

38,4 

0,177 

2,94 

27. 

1260 

1019 

2,2 

27,7 

0,297 

4,52 

28. 

1470 

1017 

3,6 

52,9 

0,108 

2,27 

29. 

1200 

1014 

2,2 

26,4 

0,176 

2,60 

30. 

1260 

1014 

2,6 

32,8 

0,133 

2,15 

1 . 

1360 

1015 

2,0 

27,2 

0,252 

5,31 

2. 

1280 

1011 

2,0 

25,6 

0,147 

3,33 

3. 

1400 

1016 

1,4 

19,6 

0,472 

4,80 


Fassen wir jedoch Tab. I und II ins Auge, so finden wir, dass ganz 
typische Verhältnisse zwischen Harnsäure und Zuckerausscheidung vorhanden 
sind, und dass es sich verlohnt, ganz systematisch beim Diabetiker die Menge 
der quantitativ bestimmbaren Stoffwechselprodukte festzustellen. 

Die klinischen Thatsachen und Beobachtungen sind leider zu spärlich 
in diesem Falle, um sie zu denen der Stoffwechseluntersuchungen in Beziehung 
zu bringen. Wir wissen von Fall I nur, dass der noch fettleibige Patient 
typische Gichtanfälle in den Metatarsophalangealgelenken der grossen 
Zehen gehabt hat, dass er zur Zeit der Urinuntersuchung meist benommen 
war und keinen Anfall hatte. Vom 22.—25. fällt, wie man aus der Tabelle 
sieht, die Zuckermenge, die der Ur steigt, am 26. steigt die des Zuckers, 
die der Ür sinkt, am 27. und 28. steigt der Zucker bis zur grössten in diesem 
Versuche ausgeschiedenen Menge, die Ur sinkt zu der niedrigsten Zahl im 
ganzen Versuch. Am nächsten Tage sinkt der Zucker, die Ur steigt, dann 
steigt der Zucker, die Ür sinkt, am 1. geht die Zuckermenge herab, die der 
Ür hinauf, am 2. ist das Verhalten nicht dem der vorigen Tage entsprechend, 
am letzten Tage erreicht die Harnsäure den höchsten Wert, die Zucker¬ 
ausscheidung ist so niedrig wie nur noch am 25. Der Pat hatte Albuminurie 
ohne Cylinder, und es ist nicht anzunehmen, dass dieser Zustand entscheidend 
für die eigenartigen Beziehungen zwischen Ur und Zucker ist Auffallend 
ist die geringe Menge des Gesamtstickstoffs, zwischen Ur und ihm bestehen 
keine Beziehungen. Man hat bislang nicht festgestellt, dass der Gichtiker 
weniger Ur ausscheidet als der normale Mensch, und auch hier müssen wir 


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181 


wohl den Zustand der Nieren für die auffallend geringe Ur-Menge verant¬ 
wortlich machen. Wunderbar aber bleibt, dass die Kurven der LJr- und 
Zuckerzahlen regelmässig steigen und fallen, und dass der Höhepunkt der 
einen mit dem niedrigsten der andern zusammenfällt. 

Tabelle II. Diabetes und Basedow. 












Xanthin- 




Urin 

Zucker 

bfl 

c c 

Harnstoff 

Harnsäure 

basen-N 

Gesamt-N 

Datum 





'S S 

i 








bß 

c 

ü £ 

<v r. 

N 

o 

i£? 

ö ' 
«■5, 

1 N 

1 P 

" 4) 

o M 

o 

V 4, 

o M 

s 

g <u 

«£3 ÖJD 
■ü C 

N 

O 

«i» 

■5 “ 


<v 

s 

rv 

C/)0 

0, 

tl 


CU 

•«s« 

1-4 

CU 

bb,£ 

£ 


1-4 

CU 


10. März 

1550 

1028 

3,6 

55,8 

0,142 

1,01 

15,65 

0,04oj 

0,625 

0,015 

0,239 

0,895 

13,87 

11. „ 

1570 

1032 

4,6 

72,2 

0,204 

1,20 

18,84 

0,044 

0,688 

0,014 

0,220 

0,910 

14,29 

12. „ 

1550 

1032 

4,4 

68,2 

0,111 

1,08 

16,74 

0,035 

0,546 

0,012 

0,191 

0,910 

14,11 

13. „ 

1670 

1029 

4,0 

66,8 

0,205 

1,02 

17,03 

1 0,037 

0,616 

— 

— 

— 

— 


In der Tab. II ist, trotzdem es sich hier wiederum um Gicht und 
Diabetes handelt, das Verhältnis zwischen Ur und Zucker ein durchaus 
anderes, aber die Tage der Untersuchung sind gering an Zahl, hier steigt 
und fällt die Harnsäure mit dem Zucker. Auch hier bestand Nephritis, der 
Gichtische hatte in dieser Zeit keinen Anfall, in den Gelenken eines ampu¬ 
tierten Beines fanden sich sehr starke Uratablagerungen. Es lässt sich ein¬ 
wenden, dass mit der Zunahme des Eiweisses im Urin Ür und Zucker gleich- 
mässig sinken mussten, da wir aber in Tab. III und IV dasselbe Verhältnis 
finden, so kann, da hier keine Nephritis vorlag, dieser Einwand zurück¬ 
gewiesen werden. 


Tabelle III. Diabetes und Gicht. 


Datum 

Menge 




Ur 

Xanthin- 

basen-N. 

20. Aug. 

2760 

1021 

2,76 

104,9 : 

0,566 

1,136 

23. „ 

2860 

1021 

2,86 

114,4 

1,099 

0,069 

24. „ 

2160 

1022 

2,70 

86,4 

0,519 

0,017 

25. „ 

1850 

1025 

3,24 

59,2 

0,354 

0,066 

11. Nov. 

1800 

1022 

3,60 

43,2 

— 

— 


In Tab. III fallen und steigen die Produkte des Eiweiss-, Kohlehydrat- 
und Fettumsatzes, nämlich Ur, Zucker und Aceton zur selben Zeit; unwill¬ 
kürlich drängt sich dabei der Gedanke auf, dass eine gemeinsame Ursache 
alle drei beeinflusst hat. Diese Ursache liegt nicht im Verdauungstraktus, 
nicht in dem Ausscheidungsorgan der Niere, sondern doch wohl im Gewebe. 


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182 


Tabelle IV. Israel: Diabetes. 


Dat. 

Menge 

Spec. 

Gew. 

G.-N. 

Ur 

Sacch. 

Aceton 

nh 3 

Qes.- 

P 3 O s 

Acid. 

21. 

4430 

1022 

10,06 

0,179 

110,0 

5,109 

— 

_ 

— 

22. 

4320 

1031 

14,34 

0,420 

147,0 

6,318 

— 


— 

23. 

4900 

1025 

13,09 

0,665 

196,0 

5,449 

— 

— 

— 

24. 

4500 

1027 

12,15 

0,729 

209,5 

5,464 

— 

— 

— 

25. 

4950 

1025 

16,58 

0,682 

217,8 

5,744 

— 

2,72 

0,73 

26. 

4050 

1024 

13,77 

0,494 

113,4 

5,111 

— 

2,39 

1,47 

27. 

5870 

1025 

17,14 

0,335 

199,5 

7,430 

— 

3,11 

1,90 

28. 

3150 

1024 

10,71 

0,587 

82,0 

4,223 

3,25 

1,98 

1,14 

29. 

3900 

1024 

11,46 

0,476 

124,0 

4,942 

3,39 

2,07 

1,02 

30. 

3700 

1020 

10,99 

0,599 

103,6 

4,555 

3,22 

1,85 

1,07 

1 . 

3350 

1025 

11,22 

0,190 

117,6 

2,754 

1 2,73 

— 

— 


Die Patientin der IV. Tab. wurde mit comatösen Erscheinungen auf¬ 
genommen, besserte sich durch Gaben von Natr. bicarb. Dem einen von 
von uns, der die Tabelle führte, fiel das Zusammengehen vonUr und Zucker 
im Urin auf, das bis zum 26. anhielt, dann gingen Harnsäure- und Zucker¬ 
mengen nicht mehr parallel, langsam waren die Mengen beider von den 
niedrigsten Werten bis zu den höchsten angestiegen, bis am 26. beide ziem¬ 
lich jäh abfielen. Die Patientin hatte kein Eiweiss, keine Cylinder im Urin. 
Am 27. morgens klagte der andere von uns, der die klinische Beobachtung 
hatte, dass es der Patientin wieder schlecht gehe, sie habe geäussert, es sei 
ihr wie am 1. Tage ihres klinischen Aufenthalts, sie sei sehr müde, benommen 
und könne nicht lange ausser Bett sein; der Arzt hatte deswegen grössere Dosen 
von Natr. bicarb. verordnet. Das Befinden aber blieb schlechter als in den 
Tagen vor dem 27., und beim Ausrechnen der Tabelle fanden wir, dass in 
dieser Zeit die Hamsäuremenge steigt, wenn der Zucker fällt und umgekehrt. 
Die Aceton- und NH 3 -Menge waren an dem kritischen Tage, dem 27., die 
höchsten beobachteten, die Acidität wohl durch die nicht mitbestimmte 
/9-Oxybuttersäure auffallend hoch. Patientin hatte während der ganzen Be¬ 
obachtungszeit starke LegaPsche, Gerhardt’sche und Arnold’sche 1 ) Re¬ 
aktion. Sie genoss Diabeteskost 

Beansprucht schon dieser Befund ein gewisses Interesse, so noch 
mehr ein Versuch, den der eine von uns an sich selbst anstellte. . Nicht 
hereditär belastet in Bezug auf Zuckerauscheidung, hatte er auch in früheren 
Versuchen nach grossen Traubenzuckergaben keinen Zucker ausgeschieden. 
Er hungerte 2 Tage lang völlig und genoss nur 1 Liter Wasser, am 3. in 
dem Liter Wasser 300 g Traubenzucker gelöst. Es fand sich in der Gesamt- 
Urinmenge des 3. Tages intensive Fehling’ sehe Reaktion, die Rechtsdrehung 
war0,2, die Titration mit Fehl ing* scher Lösung gab kein genaues Resultat, da 


1) Centralbl. f, innere Med., 1900, Nr. 17. 


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183 


sich das Oxydul nicht absetzte trotz Zusatzes von Natronlauge. Man dachte, 
zumal keine Gährung eintrat, an andere Zuckerarten, aber der Schmelzpunkt 
des nicht gereinigten Osazons lag zwischen 178° und 184°, der des ge¬ 
reinigten betrug 204°. Aus Versehen war zu dem Urin viel konzentrierte 
Salzsäure geschüttet, und es ist möglich, dass trotz nachträglicher Neutrali¬ 
sation die Gärfähigkeit des Zuckers gelitten hatte. Jedenfalls war deutliche 
Zuckerausscheidung vorhanden, und der Urin glich dem eines Diabetikers; 
auch Aceton, Acetessigsäure und /S-Oxybuttersäure wurden ausgeschieden. 
Wie verhielt sich nun die Harnsäure? Während sie an den ersten beiden 
Tagen wie immer beim Hunger fiel, stieg ihre Menge trotz Verlustes beim 
Destillieren am KjeldahPsehen Apparat auf die höchste Zahl im Versuch 
am Tage der Zuckerausscheidung; es zeigte sich an diesem Tage ein starker 
Ausfall von Harnsäure. 


Tabelle V. Waldvogel: Hungerversuch. 


Tag 

Menge 

Ges.-N. 

Ur 

Aceton 

Bemerkungen 

1 . 

1320 

12,74 

0,573 

0,297 


2. 

1680 

14,06 

0,462 

0,699 


3. 

1050 

9,76 

Verl. 

0,649 

0,237 

deutliche 

Zuckerausscheidung 
u. Hamsäureausfall 


Wir möchten uns auf Grund dieser wenigen Versuche nicht auf ein¬ 
gehende Theorieen einlassen. Es scheint aber festzustehen, dass beim 
Diabetes mellitus zwischen der Harnsäure- und Zuckerausschei¬ 
dung ein ganz inniger Zusammenhang besteht, mag der Diabetes 
mit Gicht kompliziert sein oder nicht; derselbe braucht nicht 
immer hervorzutreten. Dieser Zusammenhang ist derartig, dass 
Harnsäure und Zucker zusammen steigen und fallen, so lange das 
Comafern ist; droht aber dasselbe wie in Tab. IV, oder ist es vor¬ 
handen wie in Tab. I, so geht die Kurve der Zuckermengen in 
die Höhe, wenn die der Harnsäuremengen fällt und umgekehrt. 
Möge diese kleine Arbeit zu weiteren Untersuchungen in dieser Richtung 
Veranlassung geben. 

Herr Geh. Rath Ebstein schenkte unsern Versuchen wohlwollendste 
Beachtung, wir sagen ihm dafür aufrichtigen Dank. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Ebstein, W.: Diabetes mellitus, Unterleibskoliken und Oedeme in ihren Wechsel¬ 
beziehungen. (Ztschr. f. kl. Med., Bd. 40, H. 3 u. 4.) 

Wir lesen die Krankengeschichte eines Mannes, bei welchem, nachdem 


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184 


schon Jahre hindurch häufig wiederkehrende Unterleibskoliken aufgetreten waren, 
nach einem solchen Anfalle Zucker im Urin gefunden wurde. Die zunächst noch 
in Intervallen auftretende alimentäre Glycosurie ging dann in einen schweren 
Diabetes über, und man darf wohl annehmen, dass in dieser Zeit heftig auf den 
Kranken ein wirkende Sorgen und Gemütsbewegungen sicherlich von erheblichem 
Einflüsse auf die Entstehung des Diabetes waren. Kompliziert war der Krankheits¬ 
prozess noch dadurch, dass ziemlich ausgedehnte Oedeme an den unteren Extre¬ 
mitäten bis zum Scrotum hinauf rasch auftraten und ebenso rasch verschwanden. 
Es lag die Vermutung nahe, das Auftreten des Diabetes in einen ursächlichen 
Zusammenhang mit den Unterleibskoliken zu bringen. Nach der Anamnese 
kamen in diesem Falle am meisten Gallensteinkoliken in Betracht, doch glaubt E. 
nicht, dass einfache, unkomplizierte Gallensteinkoliken die Ursache für das Auf¬ 
treten von Glycosurie sein könnten. Es werden an dieser Stelle speziell die 
differentiellen diagnostischen Momente für die einzelnen Arten von Koliken be¬ 
sprochen, die hier ferner in Betracht kommen konnten, nämlich die durch Pancreas-, 
Nieren- und Darmsteine bedingten, für deren Vorhandensein sich aber keine An¬ 
haltspunkte finden Hessen. Für die Entwicklung der Oedeme konnten weder das 
Herz noch die Nieren angeschuldigt werden, sondern man muss in diesem Falle 
das durch toxische Substanzen geschädigte Gefässnervensystem als die Ursache 
für die Oedeme ansprechen. Hagenberg (Göttingen). 

Grube, K.: Zur Pathologie des Coma diabeticum. Aus den »Research Laboratories 
of the Royal College of Physicians, London, and Royal College of Surgeons, 

England«. 

Sternberg will in der /S-Amidobuttersäure das wirksame Toxin des dia¬ 
betischen Comas gefunden haben, und die von G. mitgeteilten Versuche sollen 
dazu dienen, die Theorie St.'s zu prüfen bezw. zu festigen. 

Als Versuchstiere dienten 20 Katzen, denen in Narkose die Jugularvene frei¬ 
präpariert und die Carotis mit einem Manometer verbunden wurde. Ausserdem 
wurden die Atembewegungen registriert. Nachdem das Versuchstier aus der 
Narkose erwacht war, wurde die in destilliertem Wasser gelöste und durch Zu¬ 
satz von etwas Ammoniak oder kohlensaurem Natron abgestumpfte Säure in die 
Jugularvene injiciert. 

In allen Fällen wurde ein Coma oder ein diesem ähnlicher Zustand er¬ 
zeugt, dessen Stärke von der jeweiligen Menge der angewandten Säure abhängig 
war. Der anfangs auftretenden Dilatation der Pupillen folgte später eine Con- 
traktion. Die Atmung war deutlich beeinflusst und die Veränderung betraf haupt¬ 
sächlich die Inspirationen, welche tiefer und kräftiger mit der wachsenden Dosis 
der eingespritzten Säuremenge wurden. Die Herzthätigkeit wurde gleich nach der 
Injektion kräftiger und beschleunigter; der Blutdruck zeigte zunächst eine Abnahme, 
stieg aber später wieder an. 

Von dem in 12 Fällen erhaltenen Ham fiel 9 mal die Fehling 1 sehe, 
10 mal die Gerhardt 1 sehe und 6 mal die Lieben'sche Reaktion positiv aus. 
Die Intensität der letzteren beiden Reaktionen war abhängig von der Menge der 
injicierten Säure. Das Auftreten von Zucker erklärt G. durch die Operation. 

G. sieht in dem Ausfall seiner Experimente eine Bestätigung der Stern- 
berg’sehen Theorie und führt besonders den positiven Ausfall der Aceton- und 
Acetessigsäurereaktionen ins Feld. 

Es bleibt meiner Meinung nach vor allem erst zu beweisen, ob nicht auf 
die vorher vorgenommene Narkose das Auftreten von Aceton und Acetessigsäure 
zu beziehen ist. Von einer Untersuchung des Urins nach der Narkose und kurz 
vor der Injektion ist in der Arbeit nirgends die Rede. 

Hagenberg (Göttingen). 


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185 


Saundby, R.: A leeture on non-diabetie glyeosuria. (Brit. med. Journ., 

14 April.) 

Die nicht diabetischen Glykosurien teilt Verf. an der Hand reichlicher 
Krankengeschichten in verschiedene Gruppen, ohne dass Ref. den Grund der Ab¬ 
trennung vieler Fälle vom echten Diabetes und den Grund für die Einteilung der 
nicht diabetischen Glykosurien einzusehen vermöchte. Er spricht zunächst von 
einer Pseudoglykosurie und versteht darunter solche Fälle, in denen andere Sub¬ 
stanzen als Zucker Fehling'sche Lösung reducieren. Die Trennung dieser Fälle 
hat Verf. dadurch herbeigeführt, dass er den Urin durch Holzkohle filtrierte und 
nur da Glykosurien annahm, wo nach der Filtration noch Kupfer reduziert wurde. 
Bei dem 3. Fall der 2. Gruppe, welche Kranke mit alimentärer oder physiologi¬ 
scher Glykosurie umfasst, fand sich Jahre hindurch Zucker, aber der Pat. fühlte 
sich wohl, also gehört der Fall unter diese Rubrik. Der erste Patient dieser Gruppe 
hatte kurz vor der Untersuchung sehr süssen Kaffee getrunken, in der Familie 
des 3. war Gicht, Fall 4 und 5 wurden nicht weiter verfolgt. Nun kommen die 
pathologischen Glykosurien mit folgender Einteilung: I. solche, welche mit dem 
Verdauungstraktus Zusammenhängen: 9 mit chronischer Gastritis, 7 mit Alkoholis¬ 
mus, 5 mit chronischer Hepatitis, 1 mit Gallenkoliken; II. bei denen eine Diathese 
nachweisbar ist: 3 mit Gicht, 3 mit Muskelrheumatismus, 1 mit Hamsäurestein, 
1 mit Oxalatstein; III. solche, bei denen das Nervensystem affiziert ist: 2 nach 
Gehirnblutung, 5 mit Neurasthenie; IV. Glykosurie nach Infektionsprozessen: 2 nach 
Influenza, 3 nach Beulen und Karbunkeln, 2 nach Abscessen, 1 nach Ulcera (?). 
Das noch nicht nachgeprüfte Resultat Lepine’s, der durch Staphylokokkeninjektion 
den Blutzucker steigen sah, beweist nicht, dass in den Fällen des Verf.s die Kar¬ 
bunkel und Abscesse die Glykosurie veranlasst haben, hier fehlen Krankengeschichten 
(Ref.). Dann folgen 2 Fälle nach Verletzungen und Unfällen, 2 mit senilem Ma¬ 
rasmus, 1 mit Rektumcarcinom, 1 nach Laktation. Ausführlicher besprochen werden 
dann alkoholische Glykosurie, Leberglykosurie, gastrische Glykosurie, neurasthe- 
nische und senile Glykosurie. In die Gruppe alkoholischer Glykosurie gehören 
4 von den 5 Leberfällen und eine gewisse Zahl von Gastritis chronica, so dass 
wohl dem Alkohol der grösste Anteil in der Erzeugung pathologischer Glykosurien 
zukommt, nicht allein Schnaps, sondern auch Bier zieht Glykosurien gross. Die 
Lebervergrösserung war in einem Fall mit Malaria kompliziert, die Zuckerausschei¬ 
dung fand sich in einem ganz gleichen Fall nicht. Bei Gallensteinen schwindet 
der Zucker während der Attacken, bei einem Fall war die Gallenblase gross, es 
bestand Ikterus — kein Zucker, nach 8 Tagen Gallenblase klein, Zucker vorhanden. 
Das Vorkommen gastrischer Glykosurien wird an 2 Fällen erwiesen, der erste Pat. 
hatte auch Influenza gehabt, als gastrische Symptome werden angegeben: Zunge 
belegt, Stuhl angehalten; beim 2. findet sich überhaupt in dieser Richtung keine 
Angabe. Das Urteil über die Fälle von neurasthenischer Glykosurie muss ich dem 
überlassen, der sich mehr für diese Arbeit interessiert. Alle diese in diese Gruppen 
gehörigen Fälle von Glykosurie werden nicht mit Diät behandelt, besonders nicht 
die bei senilem Marasmus. Waldvogel (Berlin). 


Rebensburg (Bethanien-Berlin): Beobachtungen über Diabetes insipidus. (Berl. klin. 

Wochenschr., Nr. 32.) 

Mitteilung zweier Fälle von D. i. bei jugendlichen Personen. Bemerkens¬ 
wert ist das Auftreten einer Furunculose bei dem einen Patienten zugleich mit 
Einsetzen der Hauptkrankheit. Therapeutisch bewährte sich regelmässige Lebens¬ 
weise, mässige Flüssigkeitsbeschränkung ohne Zwang, Aufenthalt in freier Luft, so 
dass bei dem einen Pat. das Gewicht um 4 kg zunahm, die tägliche Harnmenge 
von 9000 auf 4200 herabging. Pilocarpininjektionen brachten durch Anregung der 
Schweisssekretion Erleichterung, die jedoch nur momentan war. Dem Wasser¬ 
bedürfnis wurde in anbetracht der bestehenden Dilatation des Magens durch 


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Rectaleingiessungen entsprochen. Ohne jeden Effekt waren Medikamente (Secale, 
Antipyrin, Salicylsäure, Valeriana). Pickardt (Berlin). 


W. Bain: The action of various drugs and diets on the excretion of nitrogen in goul 

(Brit. med. Journ., 7 april.) 

Ein Gichtiker mit sehr grossen Ablagerungen schied bei gewöhnlicher Er¬ 
nährung normale Mengen von Ur, Ür, Alloxurbasen und NH 8 aus. Ein vom Verf. 
als konstant angenommenes Zusammengehen von P 3 0 5 und Ür tritt in der Tabelle 
nicht hervor, das soll an der Gicht mit ihrer Retention und den hohen Harnsäure¬ 
werten nach Verabreichung von Arzneimitteln liegen, welche die Ür herausbefördem. 
Die Zunahme der Ür nach Natr. sal. war wider Erwarten klein, Guajak steigerte die 
Drmenge, nicht die der P a O s und Alloxurbasen, die Harnsäurevermehrung nach 
Guajak soll also nicht mit vermehrter Bildung, sondern mit gesteigerter Elimination 
derselben aus dem Blut Zusammenhängen, Guajak ist daher ein Gichtmittel. Die 
Vermehrung nach JK lässt Verf. nicht gelten, er schiebt sie noch auf das Guajak, 
obwohl dazwischen deutliche Abnahme eingetreten war. Colchicum hat keine 
vermehrende Wirkung, Chinin wirkte nicht wie sonst vermindernd. Die vegetaria- 
nische Ernährung machte starke Ürvermehrung, P 2 O ö steigerung und hohe Alloxur¬ 
basen. Waldvogel (Berlin). 

Luff, Arthur P.: The gelatinous form of sodium biurate and its bearing on the treat- 
ment of gout (Brit, med. Journ., 7 april.) 

Verf. unterscheidet 2 Formen des sauren harnsauren Natriums, die lösliche 
gelatinöse und die unlösliche krystallinische, letztere geht aus der ersten hervor 
und verursacht die Gichtparoxysmen. Kann der Uebergang der ersten in die 
zweite Form verhindert werden und die gelatinöse Form zur Ausscheidung 
kommen, so wird der Anfall verschoben oder aufgehoben. Er hat den Einfluss 
gewisser Arzneimittel auf diesen Umwandlungsprozess studiert und fand, dass bei 
Vermehrung der Blutalkalicität durch Natr. bicarb. mehr gelatinöses Biurat in krystal- 
linisches und schneller umgewandelt, bei der durch Kal. bicarb. die Umwandlung 
verzögert wird und die Menge der krystallinischen Form abnimmt. Die Versuche 
mit Arzneimitteln ergaben folgendes: 1. Natriumsalze beschleunigen das Auftreten 
der krystallinischen Form, Kaliumsalze verzögern dasselbe. 2. Lithiumsalze verzögern 
die anfängliche Umwandlung nicht, aber sie wird verlangsamt besonders durch Lithium 
bicarb. 3. Piperazin verzögert die anfänglich vorhandene Umwandlung in die Krystall- 
form und verlangsamt die begonnene. 4. Lysidin verhindert das Auftreten der 
krystallinischen Form, ist sie aber da, so ist keine Wirkung bemerkbar. Danach 
sind für die Behandlung der Gicht die Kalisalze, dann die Lithiumsalze am 
wirkungsvollsten. Piperazin und Lysidin erreichen die Wirkung dieser Salze nicht. 
Von einem Gichtmittel verlangt man aber nicht nur Lösung der Ablagerungen 
und Verhütung des Uebergangs des gelatinösen Biurats in das krystallinische, 
sondern auch Anregung des Stoffwechsels, Heilung gastrischer und hepatischer 
Störungen, diuretische Wirkung und Herabsetzung der Urinacidität und in diesen 
letzten Beziehungen mögen Piperazin und Lysidin geeignet sein. In einer früheren 
Arbeit hat Verf. betont, dass Kalium-, Natrium- und Lithiumsalze, Piperazin und 
Lysidin keinen lösenden Einfluss auf gichtische Ablagerungen ausüben. Je höher 
die Alkalicität des Bluts durch Natr. bicarb., desto schneller und vollständiger voll¬ 
zieht sich die Entstehung unlöslicher krystallinischer Formen des sauren harn- 
sauren Natriums aus der löslichen gelatinösen, das Blut der Gichtiker ist nach 
Bestimmungen des Verf.’s alkalischer als normales, ist daher geeigneter, die Bil¬ 
dung von Ablagerungen zu beschleunigen und zu verstärken. 

Waldvogel (Berlin). 


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Strasser: Die diätetische und hydrotherapeutische Behandlung der Fettleibigkeit (Wiener 

med. Wochenschr., Nr. 18.) 

Verf. widmet zunächst der Pathologie der Fettleibigkeit eine kurze 
Besprechung, aus der wir seine Auffassung der plethorischen Form hervor¬ 
heben wollen: Bei der Mehrzahl der plethorischen Fettleibigen handelt es sich 
nicht um eine reine Form der Fettleibigkeit, sondern um eine kombinierte 
Stoffwechselerkrankung, um Störungen des Stoffwechsels, wie Gicht, Oxal- 
urie und insbesondere die in ihren Anfängen (stark erhöhter Blutdruck) 
schon früh zu beobachtende Arteriosklerose — Störungen, die mit dem 
abnormen Fettansatz sich parallel entwickeln und diesen an Bedeutung für weiteren 
Verlauf und Ausgang oft übertreffen, wenn auch der Fettansatz das äusserlich am 
meisten hervorragende Symptom ist. Alle die genannten Krankheitszustände ent¬ 
wickeln sich aus gemeinsamer Schädlichkeit zu gleicher Zeit, und diese gemeinsame 
Noxe entsteht durch »Plethora der Zelle«, welche dem übermässig zugeführten 
Material gegenüber in ihrer Verarbeitungs- und Ausscheidungsfähigkeit erlahmt, 
und weiterhin durch die frühzeitige Schädigung der Circulation, welche die 
Ausscheidung der Rückbildungsprodukte ihrerseits weiter beeinträchtigt. Schwere 
Fettdegenerationen des Myocards kommen am häufigsten vor bei Personen mit 
nicht besonders grosser Fettleibigkeit. 

Weiterhin giebt Strasser eine zusammenfassende Darstellung und Kritik 
der bekannten diätetischen Entfettungskuren: Bei der strengen Bantingkur 
nimmt der Eiweissbestand ab trotz der bedeutenden Eiweisszufuhr, und diese 
überlastet die Zelle mit Rückbildungsprodukten des Eiweissstoffwechsels, was in 
Rücksicht auf gichtisch-rheumatische, neurasthenische Zustände und Arteriosklerose 
kontraindiciert ist. 

Während Ebstein der übermässigen Eiweisszufuhr durch Zugabe von 
Fett, andere wie Hirschfeld durch Kohlehydrate abzuhelfen suchen, Kisch 
beides — Fett und Kohlehydrate — giebt, befürwortet Kolisch für gewisse Fett¬ 
leibige (»Fresser«) zeitweise ganz vegetarische Kost. Die OertePsche 
Wasserentziehungskur führt, strenge gehandhabt, infolge ziemlich bedeutenden 
Eiweisszerfalls und Wasserverarmung zu recht unangenehmen Erscheinungen (Herz¬ 
beklemmungen etc.) und ist von keinerlei nachhaltigem Einfluss, indem bei wieder 
freigegebener Wasserzufuhr das Körpergewicht rapid zur alten Höhe ansteigt. 
Auch ist die zeitweilige Retention von Rückbildungsstoffen — mangels genügender 
Durchspülung der Gewebe — nicht gleichgültig. 

Die Vorschriften Schweningers — häufige Mahlzeiten und erst 1—1V 2 
Stunden nach dem Essen trinken — sind wenig begründet. Die häufigen Mahl¬ 
zeiten wenden wir gerade bei Mastkuren an, und Schweningers Hypothese 
von der Wasserabspaltung aus Fett unmittelbar nach dem Speisen ist ganz un- 
erwiesen. 

Absolute Milchdiät nach Tarnier erscheint als Einleitungskur sehr zweck¬ 
mässig. 

Mit anerkennenswerter Offenheit wendet Strasser sich dagegen, in der 
Praxis die Diät nach Kalorien einzurichten; es handelt sich vielmehr darum, eine 
Erhaltungskost — nicht im chemisch-physiologischen Sinne nach Kalorien und 
Kilogramm Körpergewicht auszurechnen, sondern praktisch festzustellen, und 
zwar unter besonderer Einschränkung von Alkohol und dem zu reichlich genossenen 
Brot und gleichmässiger Reduktion der sonstigen Nahrungsmittel. Der allge¬ 
meine Kräftezustand des Patienten darf nicht leiden. Da dieser auf 
Jahre hinaus durch Einhaltung entsprechender Kost für die Erhaltung des Er¬ 
reichten sorgen muss, spielen die auf die Ausprobung der »Erhaltungskost« ver¬ 
wendeten Wochen keine Rolle. Nicht excessive Eiweissverluste sind bei der Be¬ 
handlung ohne Belang. 

Bei Herzinsufficienz schwerer Art empfiehlt sich die Milchkur, bei 

Nr. 8. 


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leichterer eine massvolle Oertelkur, bei gleichzeitiger Gicht vegetabilische Kost, 
bei Diabetes entsteht die Frage, ob man das Körpergewicht nicht erhalten soll. 

Die Hydrotherapie kommt zur Anwendung entweder in Form vonHalb- 
bädern (18°, selbst 13° und längere Dauer) eventuell mit vorgängiger Abreibung 
und nachfolgender Muskelbewegung oder in Form von Schweisskuren; und 
zwar eignen sich die direkten Wärmezufuhrprozeduren (Dampf-, Heissluft-, elek¬ 
trische Lichtbäder) für die hydrämischen Formen, insbesondere jugendliche, 
anämische, pastöse Personen; für plethorisch Fettleibige dagegen die Pro¬ 
zeduren der Wärmestauung, also die Einpackungen. Uebertriebene Schwitzkuren 
können das Nervensystem schwer schädigen, die Dauer des Schwitzbades über¬ 
steigt am besten nicht 15—20 Minuten, worauf kühlende Prozedur. Bei Fettherz 
und Herzmuskelinsufficienz sind vorsichtige Schwitzkuren (gleichzeitige Kälte¬ 
applikation aufs Herz) durchaus nicht zu scheuen, wohl aber Einpackungen mit 
ihrer entspannenden Wirkung auf das Arteriensystem. Gegen Fettablagerungen 
an prädisponierten Stellen, rheumatoide und gichtische Erscheinungen, sexuelle 
Depressionen dienen besondere lokale Prozeduren. Deprimierte Personen werden 
mit mehr erregenden, erethische mit beruhigenden Methoden behandelt. 

Eine sachgemässe Anwendung der Hydrotherapie enthebt uns strenger 
diätetischer Karenzvorschriften. Schütz (Wiesbaden). 

Ein Fall von Fremdkörper im Oesophagus. Medic. Gesellsch. zu Leipzig, Sitzung vom 
22. Mai. (Münch, medic. Wochenschr., Nr. 29.) 

Wilms teilt folgenden Fall von Fremdkörper im Oesophagus mit: Ein 
2 1 /* jähriges Kind hatte 8 Tage zuvor ein Zweipfennigstück verschluckt, das sich 
im Oesophagus unterhalb der oberen Brustapertur fest eingekeilt hatte. Da die 
Entfernung per os nicht gelang, beseitigte man den Fremdkörper, allerdings recht 
mühsam, durch die Oesophagotomie. Tamponade der Oesophaguswunde (keine 
Naht) und Ernährung mittels Scblundrohr, das durch die Nase eingeführt wurde. 
Heilung. Schade (Göttingen). 

Faber, K.: Om Forholdet mellem Ventrikel og Tarmsygdomme. (Ueber das Verhältnis 
zwischen Magen- und Darmkrankheiten.) Vortrag auf dem »nordischen Kongresse 

für innere Medicin« am 27. Juli. (Ugeskrift for Läger, Nr. 14. 15.) 

K. F. hat sich die Frage gestellt, ob nicht bei gewissen Sekretionsanomalien 
des Magens die Ursache im Darm zu suchen sei, und meint behaupten zu können, 
dass ein kranker Darm eben durch Hervorrufung sogenannter Magensymptome 
(Drücken, Cardialgie, Aufstossen, Uebelkeit, Erbrechen u. s. w.) in hohem Grade 
ein Magenleiden vorzutäuschen im stände ist. F. spricht sich eingehender über die 
Bandwurmkrankheit aus, als Beispiel eines echten Darmleidens, welches mit all 
den Symptomen einhergeht, die wir auf den Magen zu beziehen pflegen. Von 4 
untersuchten Fällen solcher Art zeigte sich 2 Mal die Magensekretion normal 
(Totalacidität 60), 2 Mal eine Hyperacidität (Total. 80—85), die in dem einen 
dieser Fälle nach Abtreibung des Bandwurms verschwand. 

Es giebt sicher eine Gruppe solcher mit Magensymptomen verlaufenden 
Dyspepsien, bei denen das Leiden anderweitig auf den Darm zurückzuführen ist, 
selbst wenn Abnormitäten der Magensekretion nachweisbar sind, Fälle, die als 
»Darmdyspepsie« zu bezeichnen wären, die, nach Verf.s Erfahrung, allgemein vor¬ 
kommende sind, und bei denen es sich nicht selten zeigt, dass überraschend 
schnelle Heilung erreichbar, wenn bei der eingeleiteten Therapie hauptsächlich 
auf ein Darmleiden Rücksicht genommen wird. Als die häufigste Ursache solcher 
»Darmdyspepsien« wäre vernachlässigte Obstipation anzusehen mit sekundärem 
Reizzustand und Entzündung des Colon. Die rechte Diagnose dieser »Darmdys¬ 
pepsie« kann eine sehr schwierige sein, sie ist aber für die Therapie von grosser 
Bedeutung. Starke Laxantia sehr schädlich; allein Ol. ricini und tägliche kleine 


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Dosen salinischer Mittel erlaubt; das Hauptgewicht auf die Diät zu legen. In 
sicheren Fällen cellulosereiche Kost zu verabreichen, vorwiegend also pflanzliche, 
aber in leicht zerteilbarer Form, grünes Gemüse (Püree), Frucht (Compot), 
Roggenbrot, säurefreies grobes Weissbrot (Graham-), Haferbrei u. dergl.; eine 
Diät also, welche einen Schritt zum Vegetarismus hin bedeutet. 

Jürgensen (Kjöbenhavn). 

Riegel, F.: lieber den Einfluss des Morphiums auf die Magensaftsekretion. (Therap. 

d. Gegenw., 8.) 

Aus den bis jetzt vorliegenden Arbeiten über den Einfluss des Morphiums 
auf die Magensaftsekretion schien hervorzugehen, dass demselben eine mehr oder 
weniger hemmende Wirkung zukommt. R. kommt dagegen auf Grund zahlreicher 
Versuche an Hunden zu einem entgegengesetzten Resultate, nämlich, dass das 
Morphium, zugleich mit der Nahrung gereicht, wohl anfänglich etwas die Magen¬ 
saftsekretion hemmt, im übrigen aber eine entschiedene, mit der Dosis steigende 
und mit der wachsenden Dosis immer länger dauernde Erregung der Saftabsonde¬ 
rung zur Folge hat. Auch in einer auf Menschen ausgedehnten Versuchsreihe, in 
welcher 0,01—0,02 Morphiums gegeben wurden, fand sich stets eine gesteigerte und 
verlängerte Sekretion des Magensaftes. Praktisch wichtig wird diese Thatsache 
dadurch, dass es uns zeigt, wie verkehrt die Anwendung von Morphium beim 
Ulcus ventriculi ist. In diesem Falle sind zur Schmerzstillung Belladonnapräparate 
zu verwenden, da neben dieser analgetischen Wirkung denselben ein sekretions¬ 
hemmender Einfluss zukommt. Hagenberg (Göttingen). 

Lange, Cornelia de: Zur normalen und pathologischen Histologie des 
Magendarmkanals beim Kinde. 0*hrb. f. Kinderheilkunde, Bd. 51, p. 621.) 

Das Material, welches Professor Wyss (Zürich) zur Verfügung stellte, be¬ 
stand aus etwa 700 Präparaten von 20 Kindern. Es war nicht immer genau ange¬ 
geben, wie viel Stunden post mortem die Sektion vorgenommen wurde, immerhin 
stets innerhalb 24 Stunden, in den meisten Fällen innerhalb 12 Stunden. Als 
kürzesten Zeitraum der Entnahme werden 2*/a Stunde p. m. bezeichnet. 

Die Befunde haben wenig Interesse, da auf die Untersuchung frischer kurz 
nach dem Tode entnommener Darmteile besonderer Wert gelegt werden muss. 
Ausserdem bringen die Schlussfolgerungen der Verfasserin, deren Kenntnis von der 
einschlägigen Litteratur sehr mangelhaft ist, nichts Neues. Keller (Breslau.) 

Mintz: Zur Casuistik der primären Magensarkome. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 32.) 

M. bereichert die noch nicht ein halbes Hundert Fälle umfassende Litte¬ 
ratur über primäre Magensarkome um eine eigene Beobachtung. Es handelte sich 
um einen 30 jährigen Mann, der über dyspeptische Beschwerden klagte und rapide 
an Gewicht abnahm. Der Status ergab Kachexie, eine diffuse, feste Geschwulst 
im Epigastrium, die bei Aufblasen des Colon unter dem Rippenbogen verschwand, 
bei Aufblähung des Magens nach unten sank. Im Magen zersetzte Speisereste, 
Spülwasser sanguinolent gefärbt, freie Salzsäure negativ, Milchsäure und Milch- 
säurebacitlen positiv. Linker Hoden symptomlos vergrössert. 

Vier Tage nach der Gastroenterostomie, bei der sich herausstellte, dass der 
Tumor die grössere rechte Hälfte des Magens in Gestalt einer gleichmässigen Infiltration 
einnahm, Exitus. Die Section zeigt die Pars pylorica in einem vieleckigen, klaffenden 
Spalt verwandelt; faustgrosse Geschwulst, auf der Schleimhaut ein grosses Ulcus. 
Lymphdrüsen der kleinen Curvatur, des Ligam. hepatoduodenale vergrössert. Der kli¬ 
nisch als Carcinom aufgefasste Tumor erwies sich mikroskopisch als aus kleinen Rund¬ 
zellen bestehend, die einen relativ grossen Kern und einen blassen Protoplasma¬ 
ring zeigten und massenhafte Mitosen erkennen Hessen. Die gleiche Textur 
hatts die Geschwulst im Hoden und Samenstrang. Letztere sind in diesem Fall als 


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sekundär aufzufassen, da sich in anderen Organen keine Metastasen fanden und 
der Tumor solitär war, während in Fällen von metastatischem Magensarkom stets 
multiple Geschwulstbildungen in verschiedenen Wachstumsstadien anzutreffen 
sind. Pickardt (Berlin). 

Ein Fall von Cardnom des Pylorus. Altonaer ärztlicher Verein, Sitzung vom 16. Mai. 

(Münch, medic. Wochenschr., Nr. 29.) 

Krause stellte eine 66jährige Patientin vor, bei der am 16. März wegen 
Carcinoma pylori die Resektion gemacht worden war. Heilung. 

Schade (Göttingen). 

Marfau: La suralimentation par le lait et l’ablactation prlmaturee comme causes de 
troubles digestifs chez le nourrisson. (Archives de medecine des enfants, Bd. 3, 

Juliheft.) 

Als »gastro-enterites dyspeptiques« bezeichnet der Pariser Kliniker Er¬ 
krankungen, deren Ursache fehlerhafte Ernährung ist, sei es, dass der Säugling 
mit Milch überfüttert wird, sei es, dass er zu frühzeitig andere Nahrungsmittel 
als Milch erhält. 

Ueberemährung ist eine der häufigsten Ursachen der Verdauungsstörungen 
beim Säugling; dies zeigen zur Genüge die guten therapeutischen Erfolge, die 
man mit Verminderung der Nahrungszufuhr resp. Verlängerung der Nahrungs¬ 
pausen in einer grossen Reihe von Fällen erzielt. 

Die Ueberemährung die bei Brustkindern ebenso wie bei künstlich ge¬ 
nährten Kindern vorkommt, kann Zustandekommen 1) durch zu häufige, 2) durch 
zu reichliche Mahlzeiten, 3) durch zu grossen Reichtum der Milch an Nahrungs¬ 
bestandteilen. 

Bezüglich des dritten Punktes hebt Verf. hervor, dass auch bei Ernährung 
mit Frauenmilch, deren Zusammensetzung, wie bekannt, erheblichen Schwankungen 
unterworfen ist, eine Schädigung des Kindes durch hohen Gehalt der Milch an 
Fett, resp. an Eiweisskörpem sowie an Salzen in einzelnen Fällen beobachtet ist. 
Die Untersuchungen, auf die sich Marfau beruft, deren ausführliche Darstellung 
er in einer späteren Arbeit verheisst, sind übrigens zumeist nicht einwandsfrei. 

Noch grösser sind naturgemäss die Gefahren der Ueberemährung bei Zu¬ 
fuhr von Kuhmilch. 

Als Folgen der Ueberemährung betrachtet M. Störungen zweifacher Art, 
die sich in verschiedener Weise combinieren können. Es giebt nach seiner An¬ 
sicht zwei Kategorien von überernährten Kindern: einerseits kräftige, gut ent¬ 
wickelte Kinder, die wenig Verdauungsstörungen durchgemacht haben und die 
zu grosse Menge der zugeführten Nahrung gut assimilieren. Durch das Fehlen 
der Verdauungsstörungen wird ein übermässiger Ansatz von Körpersubstanz ver¬ 
anlasst, so dass das Resultat dieser Art der Ueberemährung dicke, fette Kinder 
mit welkem, schlaffem Fleisch bilden (häufig Intertrigo, Ekzem, Prurigo). Diesen 
ersten Typus könnte man nach M. als »Cachexie grasse« bezeichnen. 

Bei der andern Gruppe von Kindern treten schwere Verdauungsstörungen 
auf und weiter Störungen in der Assimilation, so dass Säuglinge dieser Kategorie 
vor übermässigem Ansatz gewissermassen geschützt und im Gegenteil atrophisch 
werden. (»Cachexie atrophique«.) 

Uebergang von der ersten Form der Erkrankung zu der zweiten ist nicht 
selten. (Bezüglich der ersten Gruppe wird übrigens nach Ansicht des Ref. in 
vielen Fällen durch das Fehlen von Verdauungsstörungen Stoffansatz nicht ge¬ 
fördert). 

Bei der Entstehung der krankhaften Veränderungen im Organismus des 
Kindes, die durch die Ueberemährung bedingt werden, spielen nach des Verf.s 
Ansicht neben Verdauungsstörungen, die zumeist primär den Magen und dann 


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den gesamten Darmtractus betreffen, Stoffwechselstörungen verschiedener Art 
eine Rolle. 

Als weitere Ursache der Säuglings - Gastroenteritis bespricht Verf. das 
vorzeitige Absetzen, bei dem das zu frühe Ernähren mit Mehlabkochungen und 
ferner mit Fleisch und Fleischsaft in Frage kommt. Bezüglich der Mehlzufuhr 
hebt Verf. hervor, dass ein Kind, auch wenn es bereits vor dem 6. Monat eine 
Mahlzeit Mehlsuppe erhält, im übrigen aber zweckmässig ernährt wird, dabei gut 
gedeihen kann. In der Mehrzahl der Fälle führt frühzeitige Ernährung mit kohle¬ 
hydratreicher Nahrung zur Obstipation und weiteren Verdauungsstörungen, schliess¬ 
lich chronischer Gastroenteritis. Ist das Kind jünger als 3 Monate, so ist gewöhn¬ 
lich Athrepsie, beim älteren Kinde ist Rachitis die Folge dieses Regimes. 

Vorzeitige Ernährung mit Fleisch ruft zunächst putride Diarrhöen hervor, 
die häufig von schweren Allgemeinerscheinungen begleitet werden. Marfau 
unterscheidet die Form der gastrointestinalen Infection in diesen Fällen von der 
bei Mehlkindem. 

Im allgemeinen erlaubt M. Bouillon erst mit dem 15. Monat, Fleisch nach 
dem zweiten Lebensjahre. 

Die von Marfau in dieser Arbeit ausgesprochenen Ansichten stimmen 
zum grössten Teil mit denen gut überein, wie sie in den auch von ihm mehrfach 
erwähnten Arbeiten aus der Breslauer Kinderklinik wiederholt zum Ausdruck ge¬ 
bracht sind. Keller (Breslau). 

Gregor: Ober die Verwendung des Mehls in der Säuglingsernährung und 
Über den Einfluss der Kohlehydrate auf die Magendarmerkrankungen und 
die Konstitutionsanomalien des frühen Kindesalters. (Archiv für Kinder¬ 
heilkunde. Bd. 29, H. 1.) 

Obgleich die früheren Untersuchungen, auf Grund deren das Vorhanden¬ 
sein eines diastatischen Ferments im Darm des Säuglings während der ersten 
Lebenswochen und -Monate geleugnet wurde, in neuerer Zeit widerlegt wurden, 
obgleich ferner durch Stoffwechseluntersuchungen der Beweis erbracht ist, dass 
beim Säugling ebenso wie beim Erwachsenen durch Zusatz von Kohlehydraten 
zur Nahrung eine Eiweisserspamis erzielt wird, werden in Lehrbüchern wie in 
Sonderarbeiten der Kinderheilkunde die Anschauungen von der Schädlichkeit einer 
kohlehydratreichen Kost für den Säugling uneingeschränkt aufrecht erhalten. Verf. 
stellte es sich daher, zumal Mitteilungen hinreichender klinischer Beobachtungen 
über den Einfluss einer während langer Zeit fortgesetzten kohlehydratreichen Er¬ 
nährung auf das spätere Gedeihen kranker Säuglinge in der Litteratur vollständig 
fehlen, zur Aufgabe, an der Hand eines reichen, von ihm sorgfältig beobachteten 
Materials, das der Breslauer Universitäts-Kinderpoliklinik angehört, festzustellen, 
in wieweit sich in den einzelnen Fällen, die sämtlich bis zum Ende des Säuglings¬ 
alters in Behandlung blieben, Schädigungen zeigten, wie sie der Einwirkung zu 
frühzeitiger oder zu reichlicher Zufuhr von Amylaceen zugeschrieben worden sind. 

Die Beobachtungen des Verf.s erstrecken sich auf 90 Kinder, von denen 
über die Hälfte zu der Zeit, als mit der Anwendung kohlehydratreicher Nahrung 
begonnen wurde, im Alter von 1—3 Monaten waren; die übrigen waren V 4 — :3 / 4 , 
nur 10 über s / 4 Jahre alt. Meist, waren es Kinder, die in Folge wiederholter 
schwerer Ernährungsstörungen stark abgemagert waren. Abgesehen von Säug¬ 
lingen der ersten beiden Lebenswochen besteht für G. eine Contraindikation gegen 
Zufuhr von Mehl oder Schleim nur in solchen Fällen, wo trotz Aussetzens der 
Nahrung noch heftige Magendarmsymptome, wie Erbrechen, Fieber, und Diarrhöe 
weiter bestehen. 

Zur Einleitung des kohlehydratreichen Regimes begann Verf. in der Regel, 
falls die äusseren Verhältnisse des Patienten es gestatteten, mit Malzsuppe, mit 
der übrigens »die Resultate die besten waren, die wir bisher überhaupt mit der 
künstlichen Ernährung erzielt haben«, War eine nachhaltige Besserung der früheren 


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Ernährungsstörungen eingetreten, so wurden allmählich Mischungen von Kuhmilch 
und Kohlehydraten verschiedener Art, in deren Auswahl von Zeit zu Zeit ge¬ 
wechselt wurde, — übrigens fast wie Kunstpräparate — zur Ernährung verwendet. 

Die lange Zeit fortgesetzten Beobachtungen, die Verf. in einer Tabelle über¬ 
sichtlich zusammenstellt und durch Körpergewichtskurven charakterisiert, führten 
zu Resultaten, die bei dem heutigen Stande der Ernährungsfrage im Kindesalter 
besonderes Interesse in Anspruch nehmen. 

Verf. definiert, was er von der Ernährungstherapie erwartet: er fordert in 
erster Linie das Zustandekommen einer Dauerheilung, d. h. einer derartigen Kräfti¬ 
gung des kindlichen Organismus durch geeignete Ernährung, dass derselbe später 
während der Säuglingszeit auch unter ungünstigen äusseren Verhältnissen vor 
schweren Magendarmerkrankungen befreit bleibt und die Möglichkeit hat, sich 
körperlich und geistig seinem Alter entsprechend zu entwickeln. Ausserdem kommt 
noch wesentlich in Betracht, ob das Kind durch die Entstehung und den Verlauf 
schwerer Konstitutionsanomalien in seiner Weiterentwicklung gehemmt ist. 

Welchen Einfluss kohlehydratreiche Kost auf die Konstitutionsanomalien 
des Kindesalters hat, erörtert Verf. ausführlich. 

Was zunächst den Einfluss auf die Entstehung der Anämie betrifft, so ist 
bisher eine Wirkung dieser Kost auf die Zusammensetzung des Blutes beim Säug¬ 
ling keineswegs erwiesen; und ebenso wenig liegen Mitteilungen vor, ob und in 
wie weit frühzeitige Anämie im Säuglingsalter durch die Art der künstlichen Er¬ 
nährung verhindert oder begünstigt wird. Verf.s Beobachtungen führten ihn zu 
der Anschauung, dass das verhältnismässig rasche Auftreten einer gesunden Haut¬ 
farbe eine besondere Eigentümlichkeit der reichlich mit Amylaceen ernährten Kin¬ 
der ist. Ob in den Fällen, bei denen trotz des Fehlens ernsterer Ernährungs¬ 
störungen andauernd starke Blässe bestand, auch hereditäre Belastung mit Tuber¬ 
kulose eine Rolle spielt, bleibt dahingestellt. Immerhin ist beachtenswert, dass 
13 unter den in Betracht kommenden, 30 Säuglingen aus nachweislich tuberkulöser 
Familie kommen. 

Unter der Bezeichnung »Rachitis« fasst man gewöhnlich die krankhaften 
Veränderungen an den Knochen, eine Reihe funktioneller nervöser Störungen, so¬ 
wie die Beeinträchtigung der motorischen Funktionen zusammen, Verf. trennt von 
den beiden letztgenannten Erscheinungen unter dem Ausdruck Rachitis nur die 
krankhaften Veränderungen an den Knochen und das Zurückbleiben im Knochen¬ 
wachstum ab und weist durch seine Beobachtungen nach, dass frühzeitige Ernäh¬ 
rung mit amylumhaltiger Kost nicht für das Zustandekommen schwerer Rachitis 
verantwortlich zu machen ist und günstigen Einfluss auf die Muskelentwicklung 
hat, welche letztere nur bei den erst in späterem Alter in Behandlung gekommenen 
Säuglingen gering war. 

Die Resultate der Ernährungstherapie, wie sie Verf. anwendet, sind nach 
seinen Angaben zumeist nicht allzu fette, nicht von Rachitis freie, aber muskel¬ 
kräftige Kinder. 

35 Fälle zeigten Störungen im Bereiche des Nervensystems; in dieser Be¬ 
ziehung verweist G. auf weitere Untersuchungen. 

Bezüglich der Skrophulose zeigten die Beobachtungen, dass diejenigen 
Kinder, welche fast durch das ganze Säuglingsalter eine an Kohlehydraten reiche 
Nahrung erhalten haben, verhältnismässig weniger gefährdet erscheinen als die 
andern, bei welchen dieses Regime erst später zur Durchführung gekommen ist. 

In der umfangreichen Arbeit sind eine Reihe klinischer Beobachtungen 
zusammengetragen, die mannigfaches Interesse bieten und um so beachtenswerter 
sind, weil weit verbreitete Anschauungen durch sie als irrig erwiesen werden. 

Keller (Breslau). 

Schilling: Ein Besteck für Magenuntersuchung. (Münch, medic. Wochenschr., Nr. 30.) 

Um eine Lücke in der praktischen Einrichtung des ärztlichen Instrumenta- 


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riums auszufüllen, hat Sch. ein bequem zu handhabendes Besteck zusammen¬ 
gestellt, das den für den Praktiker in Frage kommenden Apparat zur Untersuchung 
des Magens in passender Form enthält. (Instrumente zum Sondieren, Ausspülen, 
Aspirieren etc., Gefäss zur Aufnahme des Mageninhalts, Reagentien u. dgl.). Der 
Preis des von der Firma Th. Schröter in Connewitz konstruierten Bestecks beläuft 
sich auf 4 Mark. Schade (Göttingen). 

Ziemsen, 0.: Die Magenpumpe als Peristalticum. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 33.) 

Als gutes Mittel zur Anregung der Darmperistaltik hat sich die tägliche — 
morgens nüchtern — Durchspülung des Magens mit 15—20 Liter Wiesbadener 
Kochbrunnen bewährt. Das Wirksame scheint der schwache Salzgehalt zu sein, 
da bei Benutzung von warmem destillierten Wasser der Erfolg ausblieb. 

Z. deutet den Effekt als eine Folge einer Art von Gymnastik der Musku¬ 
latur des Magens, die sich auf den Darm fortpflanzt und den Vorteil bietet, nicht 
nur auf die Zeit der Applikation — wie nach seinen Erfahrungen Faradisation 
und Massage — beschränkt, sondern meist eine dauernde zu sein. 

Neben der habituellen Obstipation ergaben sich Verf. auch eine Reihe 
von Magenaffektionen: Gastritis chronica, Atonie, Dilatationen, Neurosen, chro¬ 
nische Ulcera (mit Blutungen) etc. als Indikation für Magenspülung. 

Pickardt (Berlin). 

Frazier. Charles: A critical summary of the literature on the surgery of the stomach. 

(American Joum. of the Medical Sciences, May.) 

Verf. giebt einen sehr interessanten Ueberblick über die Fortschritte der 
Magenchirurgie während des letzten Jahres. Als besonders bemerkenswert hebt 
er die schnelle Zunahme der Gastroenterostomie hervor gegenüber der zweifel¬ 
losen Abnahme aller der Operationen, die den Krankheitsherd direkt in Angriff 
nehmen. Entmutigt durch die Resultate der operativen Eingriffe am Pylorus 
selbst, ermutigt wahrscheinlich durch die schönen Resultate der einfach anosto- 
motischen Operationen, sehen die Chirurgen immer mehr ab von Pyloroplastik, 
Pylorectomie, Loreta etc. 

Die Erfahrung des letzten Jahres spricht entschieden dafür, dass die Gastro¬ 
enterostomie zusammen mit einer Enteroanastomose oder einer Gastrostomie 
bessere Resultate ergiebt, als die allein ausgeführte Gastroenterostomie. 

Nicht bewährt hat sich die Methode von Podrez, nach welcher eineAna- 
stomose dadurch herbeigeführt werden sollte, dass zwei Nähte rechtwinklig zu 
einander durch die ganze Dicke der Magen- und Darmwand gelegt werden und 
das von den Nähten eingeschnürte Stück necrotisch werden soll. Serosa und 
Muskularis widerstehen dem Druck länger als die Mucosa; dadurch wird die Li¬ 
gatur vor der Zeit locker und verfehlt ihren Zweck (Reichel). Es ist das zu be¬ 
dauern, da sonst durch diese Methode eine bedeutende Abkürzung der Operation 
bewirkt worden wäre. — 

Senn’s Platten, Murphy* s Knopf u. ä. sind, obwohl in Amerika er¬ 
funden, dort verlassen, während in Europa noch andere mechanische Verfahren er¬ 
sonnen wurden. 

Die Kombination der Gastroenterostomie mit Gastrostomie ist von 
Ruthowski erdacht worden, um sofort nach der Operation mit forcierter Er¬ 
nährung beginnen zu können. Es wird ein Schlauch in den Magen und durch 
die Magendarmöffnung ins Jejunum geführt. Zu Gunsten dieser Operation wird 
ausser der sofortigen kräftigen Ernährung die völlige Zurruheslellung des Magens 
angeführt; die Operationsdauer soll nur um 5 Minuten verlängert sein. Der 
Schlauch, welcher am 10. Tage entfernt wird, verhindert zudem Darmknickung 
und Spornbildung. Weitzel schlägt vor, die Gastrostomie zuerst zu machen, 
dann erst die Anastomose. 


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Die im Laufe des letzten Jahres veröffentlichten Fälle von Gastroentero¬ 
stomie wegen Carcinom sowohl wie wegen gutartiger Ursachen lassen eine ganz 
beträchtliche Verbesserung ihrer Mortalität gegen frühere Statistiken erkennen. 
Eine Serie von 20 Fällen (Hartmann & Sopault) zusammen mit 18 anderen 
isolierten Fällen ergiebt 5,5% Mortalität im Ganzen; 10,5% für maligne Fälle 
allein; 0% für gutartige allein. 

Eine grosse Anzahl von Arbeiten des letzten Jahres beschäftigte sich mit 
der Indikation zur Operation bei Ulcus ventr. Immerhin ist hier noch keine volle 
Klarheit geschaffen. Perforation, Blutungen, Schmerzen und Erbrechen werden 
besprochen. 

Was die Technik der Gastrostomie anbelangt, so hat 1899 kaum was Neues 
gebracht. Am meisten Vertrauen verdienen noch jetzt die 1896 beschriebenen 
Verfahren von Kader und Marwedel. Die neueste Arbeit über diesen Gegen¬ 
stand ist die von J. Braquehaye. 

Verf. tritt dafür ein, dass die Gastrostomie bei maligner Stenose derCardia 
so früh wie irgend möglich, gleich nach Stellung der Diagnose, ohne Rücksicht 
auf den Grad der Dysphagie ausgeführt werden sollte. Die Operation selbst 
nennt er eine geradezu ideale in Bezug auf Prognose und funktionelles Resultat. 

Hierauf bespricht Autor die bisher ausgeführten Totalexstirpationen des 
Magens, die Anastomose zwischen Oesophagus und Duodenum. Seit dem Fall 
von Schiatter (1897) sollen bis jetzt 9 Fälle berichtet worden sein. Der daraus 
abzuleitende Schluss ist, dass die Operation bei leidlichem Kräftezustand und Be¬ 
schränkung des Carcinoms auf den Magen ausführbar und rationell ist. 

Zum Schluss wird auf das Hauptwerk auf diesem Gebiete aus dem letzten 
Jahre hingewiesen und als solches wohl mit Recht »la Chirurgie de PEstomac« 
von Terrier und Hartmann bezeichnet. A. Hesse (Hamburg). 


Loew: Zur Klinik der terminalen Blutungen. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 22. 23.) 

Von den 4 Fällen, über die der Verf. berichtet, interessieren uns hier die 
folgenden 3: 

1. 30jährige Gravida mit Lungentuberkulose und Meningitis basilaris starb 
unter hochgradigem terminalem Meteorismus und Blutbrechen. Ersterer wurde 
durch meningitische Lähmung der Bauch- und Darmmuskulatur erklärt, das Blut¬ 
brechen durch prämortale hämorrhagische Erosionen der Magenschleimhaut — in¬ 
dem die an sich näher liegende Annahme eines perforierten Magengeschwürs und 
konsekutiver Peritonitis unwahrscheinlich gemacht werden konnte — und diese 
Diagnose wurde durch die Sektion bestätigt. 

Auch der 2. Fall — junger Mensch mit grossem abdominalen Tumor und töd¬ 
licher Hämatemesis — gab zu einer scharfsinnigen Diagnose Anlass: Tuberkulose 
retroperitonealer Lymphdrüsen, Einbeziehung einer Magenarterie in die Tumormasse, 
daraus resultierend Ernährungsstörung in einem Teil der Magenwand und als 
deren Folge Ulcus ventriculi. Auch diese Diagnose wurde durch die Sektion 
bestätigt. 

Eine weitere Patientin, die unter starken Blutabgängen per rectum starb, 
und bei der Darmblutung infolge Typfius abdominalis vermutet wurde, lies keinerlei 
Ulcerationen der Darmschleimhaut und Veränderungen der Gekrössgefässe er¬ 
kennen, sodass eine parenchymatöse Blutung infolge Alteration der Gefässwände 
(des untersten Ileums und des Dickdarms) angenommen wurde. 

Schütz (Wiesbaden). 

Naegeli, 0.: Die Leukoeyten beim Typhus abdominalis. (Deutsch. Arch. f. 
klin. Med., Bd. 67, H. 3 u. 4.) 

Verf. hat durch systematische Zählung aller Sorten farbloser Blutkörperchen 
beim Typhus das Verhalten derselben wesentlich klargestellt, da die Angaben 


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früherer Autoren meistens an wenig systematischer Durchführung der Unter¬ 
suchungen leiden und daran, dass die Resultate nicht in Beziehung zum Stadium 
des Typhus gesetzt sind. Das Verhalten der Neutrophilen, Eosinophilen und Lym- 
phocyten ist so typisch, dass Verf. in 3 Beobachtungen aus dem Blutbefund die 
Diagnose stellte, obwohl die Serumreaktion negativ war; selbst der praktische Arzt 
soll die Blutuntersuchung als diagnostisches Hülfsmittel verwerten können, wenn 
er alle 2—3Tage einen ungefärbten gleichmässig verteilten Blutstropfen bei Immer- 
sion ansieht. Die Neutrophilen steigen in den ersten Tagen der Krankheit, das 
fand sich beim Einsetzen von Recidiven, während der Continua erfolgt deut¬ 
liches Absinken, im 3. Stadium, dem der Remissionen, geht die Abnahme bei 
unkomplizierten Fällen weiter, das Minimum fällt ausnahmslos in die letzten 
Tage der Lysis oder die ersten der Rekonvalescenz, der Wiederanstieg erfolgt 
langsam in der Rekonvalescenz. Die Eosinophilen verschwinden mit dem 
2. Stadium vollständig, vor der Entfieberung bei Kindern durchschnittlich 8 Tage, 
bei Erwachsenen 4—6 Tage vorher treten sie zuerst ganz vereinzelt wieder auf 
und steigen dann in ungemein regelmässiger Weise. Diese posttyphöse Eosino¬ 
philie zusammen mit der Lymphophilie ist für die retrospektive Diagnose unklarer 
Fälle von Wert. Gegen Mitte und Ende des 1. Stadiums macht sich eine ganz 
deutliche Verminderung der Lymphocyten geltend, gegen Ende, oft schon zu An¬ 
fang des 2. Stadiums, also vom 10. bis 14. Tage, erfolgt ein erheblicher Anstieg. 
Die Ursache dieser eigenartigen Verhältnisse sieht Verf. in einer Funktionslähmung 
des Knochenmarks und des lymphatischen Apparats durch die To'xine, der Läh¬ 
mung des lymphatischen Apparats aber folgt sehr bald eine vermehrte funktionelle 
Leistung, er weist somit die Theorien der ungleichen Verteilung, des Zusammen¬ 
hangs zwischen Exsudation und Leukocyten, die Theorie der Chemotaxis, des Zu¬ 
sammenhangs zwischen Milztumor und Leukocyten zurück. Die angewandte Tech¬ 
nik wird genau geschildert, bei Nachprüfungen ist seine Untersuchungsmethode 
zu wiederholen. Die an einzelnen Beobachtungen reiche Arbeit wird eingehen¬ 
derem Studium empfohlen. Waldvogel (Berlin). 

Boas, J. (Berlin): Symptomatologie und Diagnose der Colitis membranaeea. 

(Deutsch, med. Wochenschr. Nr. 33.) 

ln diesem Referat, das Verf. in der innern Sektion des XII1. internationalen 
Kongresses zu Paris erstattet hat, will er vor allem auf die Anfangsstadien und 
die zahlreichen Abweichungen vom Typus aufmerksam machen. Die Krankheit 
findet sich am meisten bei Frauen, die katarrhalische, zu plastischer Schleimbildung 
tendierende Form ist die häufigste. Die Komplikationen werden dabei häufig 
übersehen, es sind beschrieben Perityphlitis, Uteruserkrankungen. Seltener ist die 
Colica mucosa Nothnagel's, bei der in den Zwischenpausen der Darm normal 
ist. In einem Falle des Verf.s wurden bei einem 3jährigen Mädchen nach jedem 
Schreck häutige Cylinder entleert, in der Zwischenzeit waren ebenfalls Schleim¬ 
membranen im Darm. Es ist bislang unerwiesen, dass zur Membranbildung 
führende Sekretionsneurose im Darm vorkommt. Als besondere Abart wird die 
Colitis membranaeea arteficialis, entstehend durch adstringierende Klystiere, 
vielleicht auch durch häufige Wasserklystiere oder durch Drastica und adstringierende 
Mittel per os abgetrennt. Von den Symptomen ist die Verstopfung meist habituell, 
fehlen die Koliken oft in ausgesprochenen Fällen, können die Membranen mit 
gewöhnlichem Schleim alternieren, der neurasthenische oder hysterische Zug fehlt 
in zahlreichen Fällen unzweifelhafter Colitis, der Status nervosus ist eine unab¬ 
hängige Begleiterscheinung. Alle Patienten waren abgemagert, erlangten aber in 
wenigen Monaten ein frisches blühendes Aussehen wieder. Durch sorgfältigste 
Untersuchung auf Komplikationen kann man erst zu der Diagnose einer idiopathi¬ 
schen Colitis kommen. Zahlreiche Kranke mit Colitis membranaeea wissen über 
Schleimentleerung nichts auszusagen, in solchen Fällen macht Verf. Probeaus¬ 
spülungen, die sich auch sonst in allen unklaren Fällen von Darmbeschwerden 


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empfehlen. Neben den Membranen findet sich objektiv oft Enteroptose, Druck¬ 
empfindlichkeit des Colon ist seltener. Zur Feststellung einer mukösen Darmkolik 
gehört der schwierige Nachweis des Fehlens jeder chronischen Darmentzündung. 
Zwischen gewöhnlicher Colitis und der membranösen giebt es zahlreiche Verbin¬ 
dungsfäden, aber man darf beide nicht identificieren. Schwierig kann die Tren¬ 
nung von Perityphlitis sein, gynäkologische Untersuchung muss Adnexerkrankung 
ausschliessen, für Colonstenose spricht das Auftreten sicht- und fühlbarer Darm¬ 
kontraktionen. Gelingt es, die Darmthätigkeit in Gang zu bringen, so hört die 
Entleerung von Membranen auf, aber hierin liegt eben die Schwierigkeit der Heilung 
und das Auftreten von Recidiven begründet. Eine Warnung vor den Abführmitteln, 
welche zu grosser Verbreitung der Colitis membranacea beitragen, verleiht Verf. in 
den Worten Ausdruck »qui bene purgat, male curat«. Waldvogel (Berlin). 

Tarehetti, C.: Die Supraklavikulardrüsen in der Diagnose der abdomi¬ 
nellen Carcinome. (Deutsch. Arch. f. klin. Med., Bd. 67, H. 5 u. 6.) 

Verf. will der Schwellung der linksseitigen Supraklavikulardrüsen wieder zu 
diagnostischer Bedeutung verhelfen, aber nicht allein beim Magenkrebs, sondern 
beim Carcinom der Unterleibsorgane überhaupt, hervorhebend, dass sie auch beim 
Carcinom des Duodenum, der Leber, des Pankreas (?) auftreten kann, ohne dass 
der Magen beteiligt ist; ihr Nachweis soll einen wertvollen diagnostischen Behelf 
darstellen. Das klinische Bild der Metastasen in den Supraklavikulardrüsen soll so 
charakteristisch sein, dass der histologische Nachweis überflüssig ist. Gering¬ 
gradige Schwellungen und Konsistenzzunahme der Cervikal- und Leistendrüsen 
sind bei Carcinom ein ziemlich häufiger Befund, der jedoch nicht auf Metastasen 
bezogen werden muss Waldvogel (Berlin). 

Ein Fall von Fremdkörper im Rectum. Medic. Gesellsch. zu Leipzig, Sitzung vom 
22. Mai. (Münch, medic. Wochenschr., Nr. 29.) 

W i 1 m s berichtet über eine Beobachtung von Fremdkörper im Rectum, die 
einen an Verfolgungswahnsinn leidenden Arbeiter betraf. Dieser hatte sich suicidii 
causa vor 2 Monaten ein Messer in den After eingeführt, dessen Schneide man 
im Rectum fühlte, während man den Stiel am Bauch zwischen Nabel und Sym¬ 
physe im S romanum nachweisen konnte. Das Messer stak im Kreuzbein fest 
und hatte in diesem eine'tiefe Delle ausgehöhlt. Entfernung des Messers; glatte 
Heilung. Schade (Göttingen). 

Eichhorst, H.: Ueber Darmgries. (Deutsch. Archiv f. klin. Medic., Bd. 68, H. 1. 2.) 

E. hatte Gelegenheit in 2 Fällen bei Frauen, bei welchen schon Jahre lang 
eine hochgradige Koprostase bestanden hatte, unter heftigen Beschwerden in der 
Gegend des Colon descendens den Abgang von »Darmgries«, feinen, sandähnlichen, 
körnigen Massen, zusammen mit röhrenförmigen, hautähnlichen Gebilden zu be¬ 
obachten. Bei beiden Frauen war durch körperliche und geistige Ueberanstren- 
gung der Allgemeinzustand geschwächt. 

Die Untersuchung dieses Darmgries zeigte, dass derselbe aus grau¬ 
schwarzen und einzelnen grasgrünen Körnchen von verschiedener Grösse und Ge¬ 
stalt von 0,16—2,8 mm Durchmesser bestand. Wasser, Alkohol und Aether hatten 
keinen Einfluss auf die Körnchen, dagegen zeigte sich bei Zusatz von Mineral¬ 
säuren eine lebhafte Gasentwicklung. Der Aufbau der einzelnen Concremente 
war gleich dem der Harn- und Nierensteine: organisches Grundgerüst mit Ein¬ 
lagerung anorganischer Massen, von welch letzteren kohlensaurer Kalk mit Sicher¬ 
heit sich nachweisen Hess. Nach der Art des organischen Gerüstes Hessen sich 
zwei Arten von Concrementen unterscheiden, von denen die eine eine Grund¬ 
substanz aufwies, die aus kleinen Körnchen und fadenartigen Gebilden bestand, 
zusammengehalten durch eine homogene Masse, während die andere sich durch 


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zahllose, feine und zierliche Krystallnädelchen charakterisierte, die sich durch ihr 
Verhalten gegenüber Alkohol und Aether als Fettsäurenadeln auswiesen, ln 
allen darauf untersuchten Körnchen gelang der Nachweis von dem Bacterium coli 
gleichenden Bacterien und von Coccen. In einigen grösseren Klumpen fand sich 
Hämoglobin, in anderen auch grüner Gallenfarbstoff. E. ist mit dem Vorschläge 
Dieulafoy’s, dessen Erfahrungen mit denen des Verf.’s übereinstimmen, das 
Leiden mit geeigneter Diät, Vichy-Wasser und Aehnlichem zu behandeln, wohl 
einverstanden, möchte aber empfehlen neben der Behandlung des Dickdarms auch 
dem nervösen Allgemeinzustand eingehende Aufmerksamkeit zuzuwenden. 

Hagenberg (Göttingen). 

Hirsch, Carl: Zur klinischen Diagnose der Zwerchfellhernie. Aus d. medic. Klinik zu 
Leipzig. (Münch, medic. Wochenschr., Nr. 29.) 

Der vom Verf. mitgeteilte Fall, der zu den seltenen Beoachtungen von 
Hernia diaphragmatica zählt, bei denen die Diagnose intra vitam gestellt werden 
konnte, beansprucht insofern noch ein ganz besonderes Interesse, als die auf 
Grund der bekannten klinischen Erscheinungen schon genügend festgestelle Diag¬ 
nose durch Anwendung der Röntgenstrahlen noch eine unzweifelhafte Bestätigung 
erfuhr. Nach Einführung von 25 gr in Wasser aufgeschwemmten Bism. subnitr. 
in den aufgeblähten Magen konnte man bei der Schirmuntersuchung die Lage des 
letzteren oberhalb des Zwerchfells deutlich erkennen, indem sich das Wismuth an 
den Wandungen als eine dunkle Masse abhob. Noch eklatanter zeigten sich die 
Verhältnisse auf dem Diagramm. Ein in den Magen eingeführter, mit Quecksilber 
gefüllter Gummischlauch machte von der Gegend der Cardia aus eine Krümmung 
nach oben bis zur 3. Rippe (dem Verlaufe der grossen Curvatur entsprechend), 
bog dann scharf nach unten um und kehrte nach der Cardia zurück. 

Zum Schluss weist Verf. auf die Beziehungen von Hernia diaphragmatica 
und Dextrocardie, die auch im vorliegenden Falle bestand, hin und rät, in den selte¬ 
nen Fällen von isolierter Dextrocardie stets auch an das Vorhandensein einer Zwerch¬ 
fellhernie zu denken, die er in dem von ihm beobachteten Falle insofern als Ur¬ 
sache der Herzverlagerung ansieht, als durch das Eintreten von Baucheingeweiden 
durch einen congenitalen Zwerchfelldefekt eine frühzeitige Verdrängung des 
Herzens nach rechts zustandegekommen sei. Schade (Göttingen). 

Leadman, Alex. D. H.: Notes on a ease of Bright’s disease eomplieated 
with gangrene. (Brit. med. Journ., 14 april.) 

Ein Pat. mit chronischer interstitieller Nephritis und Herzhypertrophie (beides 
ist aus der Krankengeschichte nicht ersichtlich, Ref.) bekam 1 Monat vor seinem 
Tode Verschluss der Bauchaorta mit Gangrän beider Beine. Arteriosklerose ist 
nicht nachgewiesen, die Autopsie wurde nicht gemacht. Waldvogel (Berlin). 

Pick, Fr.: Epikritische Aciditätsabnahme des Harnes bei croupöser Pneumonie. Aus 
der I. deutschen medic. Klinik, Hof rat A. Pribram in Prag. (Deutsches Archiv 
für klinische Medicin, Bd. 68, H. 1. 2.) 

Verf. untersuchte in 54 Fällen von ausgesprochener Pneumonie den Urin 
vor, während und nach der Krise auf seine Reaktion und fand bei 42 Patienten, 
dass der während der Fieberperiode stark saure Harn etwa 24—48 Stunden nach 
Abfall des Fiebers eine bedeutende Abnahme seiner Acidität aufweist, so dass 
der frisch gelassene Urin in dieser Periode eine neutrale oder amphotere, ja selbst 
alkalische Reaktion zeigt. Die in diesen Tagen ausgeführten Harnanalysen lehren, 
dass sich in der Periode mit verminderter Acidität eine vermehrte Natronausschei¬ 
dung einstellt, welche die Mischung der phosphorsauren Salze zu Ungunsten des 
zweifachsauren Salzes verschiebt. Ob diese gesteigerte Ausscheidung der Natron¬ 
salze auf der Resorption des Exsudates oder auf einer anderweitigen Retention 


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derselben während des Fiebers analog dem Chlor beruht, lässt P. noch dahin¬ 
gestellt. Hagenberg (Göttingen). 


Laspeyeres, R.: Ueber Tag- und Nachtharn. Aus der medicinischen Klinik zu Kiel. 

(Deutsches Archiv f. kl. Medic., Bd. 68, H. 1. 2). 

Nach den Angaben Quincke*s findet man bei Erkrankungen des Herzens, 
der Nieren und verschiedenen anderen Leiden, dass die nachts entleerten Urin¬ 
mengen sehr viel beträchtlicher sein können' als die bei Tage abgesonderten, ln 
65 Fällen von Erkrankungen des Herzens, der Nieren, der Blase und Fällen 
von Diabetes wurden in der Kieler Klinik regelmässig Messungen des Tag- und 
Nachturins vorgenommen, wobei L. findet, dass man bei den meisten Erkrankungen 
verschiedenster Art, in erster Linie aber des Herzens selbst und der Nieren, wo 
sich Störungen im Circulationsapparate, sei es im Herzmuskel oder den Gefässen, 
finden, eine dauernde oder auch bei Besserung der nachweisbaren Störungen ge¬ 
ringer werdende Vermehrung der nächtlichen Harnausscheidung sieht. Es kommen 
für die Erklärung dieser Thatsache zwei Momente in Betracht: einerseits die ner¬ 
vösen Einflüsse, bedingt durch die geschädigte Circulation, anderseits die me¬ 
chanischen Bedingungen bei der veränderten Herzthätigkeit. Durch dieses letztere, 
mechanische Moment hauptsächlich hält L. das Phänomen schon grösstenteils 
zur Genüge erklärt. Die Urinentleerung ist normaler Weise nachts erheblich ver¬ 
ringert, und vermutlich sind bei der verminderten Thätigkeit der Nieren auch ihre 
Gefässe verengert. Die Verminderung der Urinsekretion ist dadurch ermöglicht, 
dass auch die übrigen Organe ruhen und die Wasserabgabe an die Circulation 
eine herabgesetzte ist. Bei geschwächter Circulation aber kann das Gefässsystem 
die zugeführten Flüssigkeitsmengen nicht bewältigen, und die Folge ist eine Re¬ 
tention von Flüssigkeit in den Geweben. Da nun in der Nacht für den Circu- 
lationsapparat viele Aufgaben fortfallen, wodurch auch die Gefässinnervation eine 
Aenderung erfährt und ausserdem die Wasserzufuhr aufhört, so können sich jetzt 
die Gewebe des in ihnen aufgespeicherten Wassers wieder entledigen. Die 
Wasserretention als solche ist aber keineswegs die Ursache der nächtlichen Poly¬ 
urie, denn nach den Beobachtungen L.*s kann auch ohne die geringsten Oedeme 
eine beträchtliche Vermehrung des Nachturins eintreten. 

Dass ausser diesen angeführten mechanischen Momenten, dem Wasser¬ 
ausgleich und der durch die Ruhe dem normalen Verhalten wieder genäherten 
Gefässinnervation noch andere Umstände, die wir aber noch nicht kennen, von Ein¬ 
fluss sind, ist sehr wahrscheinlich. Hagenberg (Göttingen). 


Askanazy: Ueber die diagnostische Bedeutung der Ausscheidung des Bence-Jones’schen 
Körpers durch den Harn. (Deutsches Archiv f. kl. Medic., B. 68, H. 1 u. 2.) 

Auf Grund der bislang veröffentlichten Arbeiten über das Vorkommen des 
Bence-Jone , sehen Eiweisskörpers im Harn darf man annehmen, dass bei Vorhan¬ 
densein dieses Körpers im Urin wohl mit Sicherheit die Diagnose auf multiple 
Myelome gestellt werden kann, ohne dass aber umgekehrt jeder Fall von multiplen 
Myelomen diese Albumoseart im Urine zeigen müsste. Verf. teilt nun einen Fall 
mit, bei dem man infolge der Anwesenheit dieser Eiweissart neben dem klinisch 
sicher gestellten Befunde einer Lymphämie mit grosser Wahrscheinlichkeit die 
Anwesenheit von multiplen Knochenmarksmyelomen annehmen zu können glaubte, 
welch letztere Vermutung sich aber bei der Autopsie nicht bestätigte. Die Section 
ergab eine typische lymphatische Leukämie und es sprach nichts dafür, dass es 
sich vielleicht um eine diffuse Myelomatose des Knochenmarkes handelte. Hier¬ 
gegen sprach auch besonders der Ausfall der chemischen Untersuchung der 
Drüsentumoren und des Knochenmarkes. Denn während im letzteren die Albu- 
mosenart nachgewiesen werden konnte, war es in den ersteren nicht gelungen, 


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deren Anwesenheit man aber erwarten durfte, wenn die Drüsenpakete Metastasen 
der Myelome darstellten. 

Die bisherige Ansicht, dass nur bei Myelomen Bence-Jones’sche Albumos- 
urie auftritt, ist daher dahin zu modifizieren, dass es sich bei dem Vorkommen 
dieses Eiweisskörpers im Urin um eine Affektion des Knochenmarkes handelt, 
welche meistens in einer multiplen Myelombildung besteht, die aber auch aus¬ 
nahmsweise sich als eine andere diffuse Veränderung des Knochenmarkes, wie sie 
bei Lymphaemieen vorkommt, ausweisen kann. Hagenberg (Göttingen). 


Loewi: Zur Kenntnis des NukleTnstoffwechsels. (Sitzungsber. der Ges. zur Beförd. d. 
ges. Naturw. zu Marburg, Nr. 7.) 

Loewi will zum ersten Mal den Nachweis erbracht haben, dass verfüttertes 
specifisches Eiweiss, hier Nuklein, als solches zum Ansatz gebracht ist. Im Darminhalt 
fand sich gegenüber den Tagen ohne Nukleinzugabe keine N.vermehrung, aber 
mehr Phosphorsäure, abgespalten aus dem Nuklein. Die Bilanz ergab, dass von 
den N- und P 2 0 5 mengen ein grosser Teil zurückgehalten wurde und zwar an¬ 
nähernd in demselben Verhältnis, wie sie in den eingeführten Körpern vorhanden 
waren. Waldvogel (Berlin). 

Rosenfeld, 0.: Zur Methodik der Fettbestimmung. (Centralbl. f. innere Medic., 

Nr. 33.) 

Der Verf. prüft in einer experimentellen Arbeit die gebräuchlichen Me¬ 
thoden zur Bestimmung des Fettes in den einzelnen Organen. 

Die im Laboratorium am meisten gebräuchliche Pflüger-Domeyersehe 
Methode, welche darin besteht, dass das betreffende Organ nach der Extraktion 
mit Aether noch weiter durch die Verdauungsmethode behandelt wird, um das 
vom Aether nicht aufgenommene Fett noch zu erhalten, ist wegen der technischen 
Schwierigkeiten nicht sehr bequem und auch deshalb nicht zu empfehlen, weil 
man, was die Resultate anbetrifft, schon durch eine 6ständige Extraktion mit Chloro¬ 
form im Soxh lef sehen Apparate annähernd gleiche Werte erhält. Eine weitere 
Methode ist das von Noel Pa ton und E. Voit angegebene Verfahren, welches 
auf einer Aetherextraction mit vorhergehender Alkoholübergiessung beruht. 

Die auf diesem Wege gewonnenen Resultate — auch bei Anwendung des 
Chloroforms anstatt des Aethers — zeigen gegenüber dem erst angeführten Ver¬ 
fahren eine erhebliche Besserung. 

R. ist es dann gelungen durch eine Modifikation des Verfahrens von 
Bogdanow, welcher auch die Aetherextraktion, aber nach vorhergehender Alkohol- 
auskochung, anwandte, eine Methode zu erzielen, welche in der kurzen Aus¬ 
kochung mit Alkohol und Chloroformextraktion in einmaliger Wiederholung alles, 
was von fettartiger Substanz in dem Malerial vermutet werden kann, auszuziehen 
im stände ist. Hagenberg (Göttingen). 


Besprechungen. 

Handbuch der praktischen Medicin. Unter Redaktion von W. Ebstein u. J. Schwalbe. 
2. Bd. Stuttgart, Enke. 1264 Seiten. 

Von dem reichen Inhalt dieses Bandes interessieren an dieser Stelle vor 
Allem die Bearbeitungen der Erkrankungen der Verdauungsorgane. Es haben 
sich hieran eine Reihe hervorragender auf diesem Gebiete bewährtester Autoren, 


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200 


von Internisten: Ebstein (Leber, Gallenwege, Pfortader, Pankreas, Peritoneum), 
Epstein (Verdauungsstörungen im Kindesalter), Pel- Amsterdam (Magen), Sticker 
(Mundhöhle, Speiseröhre), Pribram (Darm); von Chirurgen: Braun (Magen, 
Darm, Pankreas, Peritoneum), Sultan (Leber und Gallenwege) beteiligt und das 
Wissenswerteste der modernen Anschauungen zum Ausdruck gebracht. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Inhalt dem Specialisten weniger, 
als dem praktischen Arzt, für dessen täglichen Gebrauch ja im Wesentlichen der¬ 
artige encyklopädische Handbücher bestimmt und geeignet sind, zu gute kommt; 
indes ist vielleicht gerade dem Umstand, dass der Interessentenkreis nicht als 
ein so eng begrenzter gedacht wurde, die Thatsache zu verdanken, dass alle Dar¬ 
stellungen von einem gewissermassen höheren klinischen Standpunkt aus gegeben 
worden sind, der ausserordentlich wohlthuend berührt. Ganz besonders ist mir 
das bei der aufmerksamen Lektüre von Pel’s Bearbeitung der Magenerkrankungen 
aufgefallen, der immer und immer wieder nachdrücklichst betont, dass eine iso¬ 
lierte Behandlung des erkrankten Magens nicht denkbar sei, dass es darauf an¬ 
komme, den ganzen Menschen kennen zu lernen und therapeutisch zu beeinflussen: 
»auch hier wirkt der Arzt als Person manchmal mehr und besser als seine Medi- 
camente« (pag. 463). 

Im therapeutischen Teil ist der Diätetik ein gebührend breiter Raum ge¬ 
währt. 

Dankbar zu begrüssen ist die Einfügung einer cursorischen (40 Seiten) 
Darstellung der wichtigsten Zahnkrankheiten aus der Feder von Prof. Sch eff 
(Wien). Pickardt (Berlin). 

Schoedel und Nauwerck: Untersuchungen über die Möller-Barlow’sche Krankheit. Jena, 
Verlag von Gustav Fischer. 159 S. 

Nach einer kurzen Uebersicht über die Litteratur bespricht Schoedel die 
vorliegende diesbezügliche pathologisch-anatomische Casuistik und bringt dann im 
dritten Teil die eigenen Beobachtungen, zu denen ihm 5 im Stadtkrankenhause zu 
Chemnitz behandelte und in der pathologisch-anatomischen Abteilung obducierte 
Fälle von M öl ler-Bar low’scher Krankheit Gelegenheit gaben. Es handelt sich 
um Kinder von 11, 7, 23, 17 und 9 Monaten. Bei der Untersuchung der anato¬ 
mischen Präparate wurde übrigens auf ausgiebige Verwertung unentkalkten Ma¬ 
terials oder eines solchen, welches durch längere Behandlung in Müller'scher 
Flüssigkeit des Kalkes bis zu einem gewissen Grade beraubt worden war, das 
Hauptgewicht gelegt. Bei jedem einzelnen Falle wird Krankengeschichte, ma¬ 
kroskopischer und mikroskopischer Leichenbefund ausführlich mitgeteilt und eine 
Epikrise angeschlossen. 

Der Schilderung des Krankheitsbildes, wie sie z. B. Hirsch Sprung ge¬ 
geben hat, fügt Schoedel nichts Neues hinzu. Treffend ist die Kritik der An¬ 
schauungen, welche über die Aetiologie der Krankheit herrschen. Rheumatismus 
acutus, Periostitis und Osteomyelitis, Nephritis, Purpura, Haemophilie und selbst 
das Osteosarcom, sie alle wurden zur Deutung herangezogen und alle musste man 
bald wieder fallen lassen; die Lues hereditaria musste ebenfalls aus der Aetiologie 
der Erkrankung ausgeschieden werden. Blutuntersuchungen brachten keine Ent¬ 
scheidung, ebensowenig Untersuchungen des Nervensystems. 

Nur der Anteil zweier Erkrankungen an dem Auftreten der M.-B. Krank¬ 
ist bis heute noch eine unerledigte Streitfrage: es sind dies Rachitis und Scorbut, 
welcher letztere als Grundlage der Krankheit in letzter Zeit erheblich an Anhänger¬ 
zahl gewonnen hat. 

Verff. heben hervor, dass es bis heute noch keinen sicher gestellten Fall 
von M.-B. Krankheit giebt, ohne Rachitis. Anderseits scheint aber Rachitis allein 
an und für sich nicht die Krankheit zu bilden; nur wenn bestimmte weitere Ver¬ 
änderungen hinzutreten, entwickelt sich aus ihr das Bild der M.-B. Krankheit. Es 
$ind 2 Komplikationen, die sich mit Rachitis zu der Entstehung der M.-B. Krank*- 


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201 


heit vereinigen: einmal eine Knochenwachstumsstörung — gestörte Knochenappo- 
sition namentlich im Bereich der Knorpelknochengegend, während die Resorption 
des fertigen Knochens andauert — und deren hämorrhagische Diathese. Damit 
eine Rachitis in diesem Sinne zur M.-B. Krankheit wird, müssen wahrscheinlich 
bestimmte Fehler in der Ernährung vorangehen. Die Anschauung, dass die 
Möller-Barlow’sche Krankheit lediglich ein infantiler Scorbut sei, ist bisher 
nicht bewiesen. 

Im Nachtrag bringt Nauwerck noch einige casuistische Fälle, die neuer¬ 
dings publiciert sind, fügt aber etwas Wesentliches zu den Ausführungen 
SchoedePs nicht hinzu. 

Betreffs der Einzelheiten der interessanten Arbeit muss auf das Original 
verwiesen werden. Keller (Breslau). 

Jaensch, Theod.: Der Zucker in seiner Bedeutung für die Volksernährung. 9. Taus. 

Berlin, Paul Parrey. 1 Mk. 

Es ist nicht leicht, populär zu schreiben. Wandelt man streng die Pfade 
der Wissenschaft, so geht man bald allein, und sucht man die breiten Wege an¬ 
regender Unterhaltung, so verliert man bald den Zweck des Schreibens aus dem 
Auge. Dem Verf. muss man nachrühmen, dass er beide Fährlichkeiten zu ver¬ 
meiden gesucht hat. Es bleibt aber zweifelhaft, ob jeder Laie vornehmlich die 
ersten Kapitel »der Zucker und die Vergleichung der Nährwerte«, »Zucker und 
Muskelarbeit« richtig auffassen und ob jeder Arzt mit den letzten Kapiteln »der 
Zucker und die Zähne«, »Heilwirkungen des Zuckers* einverstanden sein wird. 
Die alimentäre Glykosurie ist doch wohl als zu harmlos hingestellt und die ange¬ 
führten Urteile von Laien über ihre Heilung durch Zucker dürften etwas der Ob¬ 
jektivität entbehren. Es könnte scheinen, als ob durch diese kleinen Ausstellungen 
der Wert des Büchleins herabgesetzt werden sollte, das wäre gegen meine Ab¬ 
sicht. Der Verf. hat sich durch diese Schrift ein grosses Verdienst erworben, der 
Zucker muss mehr ein Nahrungs-, als ein Genussmittel sein. Vielleicht wäre es 
mit dieser Sache besser bestellt, wenn Alkohol- und Tabakgenuss eingeschränkt 
würden, denn ohne Zweifel rührt die Abneigung vieler Männer gegen den Zucker 
von Bier und Tabak her. Unter Heranziehung neuester Forschungsergebnisse, 
mit Anführung einer grossen Reihe von Versuchen ist Verf. gegen die vielen Vor¬ 
urteile zu Felde gezogen, welche dem Zucker im Wege stehen. Möge das Büchlein 
rechte Verbreitung finden. Waldvogel (Berlin). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Fellner, L: Franzensbad und seine Heilmittel. Wien und Leipzig, W. Braumüller. 

H. Aufl. 105 S. 3 Ansichten. 1 Plan u. 2 Kart. 1 K. 60 h. od. 1,40 M. 
Brasch, R.: Kritische Betrachtungen über Ernährung, Stoffwechsel und Kissinger 
Kuren. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 136 S. 1,40 M. 

Loebel, A.: Zur Purpurabehandlung mit Trink- und Badekuren. Halle, C. Marhold. 

Arch. der Balneotherapie u. Hydrotherapie. 11. Bd., H. 7. 36 S. 1,00 M. 
Zweifel, P.: Aetiologie, Prophylaxis und Therapie der Rhachitis. Leipzig, S. Hirzel. 
188 S. 6,00 M. 


Druckfehlerberichtigung: 

Nr. II, S, 37 lies: Vigouroux statt Vigoureux, 


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202 


7tibaltsv«r|«icbnis. 

Original-Artikel: Dr. Waldvogel und Dr. Hagenberg: Hamsäure- 
ausscheidung beim Diabetes mellitus S. 179. — Referate: Ebstein, W.: Diabetes 
mellitus, Unterleibskoliken und Oedeme in ihren Wechselbeziehungen S. 183. — 
Grube, K.: Zur Pathologie des Coma diabeticum S. 184. — Saundby, R.: A lecture 
on non-diabeticglycosuria S. 185. — Rebensburg(Bethanien-Berlin): Beobachtungen 
über Diabetes insipidus S. 185. — W. Bain: The action of various drugs and 
diets on the excretion of nitrogen in gout S. 186. — Luff, Arthur P.: The ge- 
latinous form of sodium biurate and its bearing on the treatment of gout S. 186. 

— Strasser: Die diätetische und hydrotherapeutische Behandlung der Fettleibig¬ 
keit S. 187. — Ein Fall von Fremdkörper im Oesophagus S. 188. — Faber, K.: 
Om Forholdet mellem Ventrikel ogTarmsygdomme. (Ueber das Verhältnis zwischen 
Magen- und Darmkrankheiten) S. 188. — Riegel, F.: Ueber den Einfluss des 
Morphiums auf die Magensaftsekretion S. 189. — Lange, Cornelia de: Zur nor¬ 
malen und pathologischen Histologie des Magendarmkanals beim Kinde S. 189. 

— Mintz: ZurCasuistik der primären Magensarkome S. 189. — Ein Fall von Car- 
cinom des Pylorus S. 190. — Marfau: La suralimentation par le lait et Fablacta- 
tion prematuree comme causes de troubles digestifs chez le nourrisson S. 190. — 
Gregor: Ueber die Verwendung des Mehls in der Säuglingsemährung und über 
den Einfluss der Kohlehydrate auf die Magendarmerkrankungen und die Konsti¬ 
tutionsanomalien des frühen Kindesalters S. 191. — Schilling: Ein Besteck für 
Magenuntersuchung S. 192. — Ziemsen, O.: Die Magenpumpe als Peristalticum 
S. 193. — Frazier, Charles: A critical summary of the literature on the surgery of 
the stomach S. 193. — Loew: Zur Klinik der terminalen Blutungen S. 194. — 
Naegeli, O.: Die Leukocyten beim Typhus abdominalis S. 194. — Boas, J. (Berlin): 
Symptomatologie und Diagnose der Colitis membranacea S. 195. — Tarchetti, C.: 
Die Supraklavikulardrüsen in der Diagnose der abdominellen Carcinome S. 196. 

— Ein Fall von Fremdkörper im Rectum S. 196. — Eichhorst, H.: Ueber Darm¬ 
gries S. 196. — Hirsch, Carl: Zur klinischen Diagnose der Zwerchfellhernie S. 197. 

— Leadman, Alex D. H.: Notes on a case of BrighFs disease complicated with 
gangrene S. 197. — Pick, Fr.: Epikritische Aciditätsabnahme des Harnes bei crou- 
pöser Pneumonie S. 197. — Laspeyeres, R.: Ueber Tag- und Nachtham S. 198. 

— Askanazy: Ueber die diagnostische Bedeutung der Ausscheidung des Bence- 
Jones'schen Körpers durch den Harn S. 198. — Loewi: Zur Kenntnis des Nukle’in- 
stoffwechsels S. 199. — Rosenfeld, G.: Zur Methodik der Fettbestimmung S. 199. — 
Besprechungen: Handbuch der praktischen Medicin. Unter Redaktion von 
W. Ebstein und 1. Schwalbe S. 199. — Schoedel und Nauwerk: Untersuchungen 
über die Möller-Barlow’sche Krankheit S. 200. — Jaensch, Theod.: Der Zucker in 
seiner Bedeutung für die Volksernährung S. 291. — Zur Besprechung eingegangene 
Bücher S. 201. 


Hlpbabetitcb geordnetes JnbaltsVerzeichnis. 

Carcinome, abdominelle S. 196. — Colitis membranacea S. 195. — Darm¬ 
gries S. 196. — Diabetes insipidus S. 185. — Diabetes mellitus S. 179—183. 184. 
185. — Fettbestimmung S. 199. — Fettleibigkeit S. 187. — Gicht S. 186. — Harn 
S. 197. 198. — Magenpumpe S. 193. — Magensaftsekretion S. 189. — Magen¬ 
sarkome S. 189. — Magen- und Darmkrankheiten S. 188. 189. 190. 191. 193. 194. 
— Magenuntersuchung S. 192. — Nierenkrankheit S. 197. — Nukleinstoffwechsel 
S. 199. — Oesophagus S. 188. — Pylorus S. 190. — Rectum S. 196. — Typhus 
abdominalis S. 194. — Zwerchfellhernie S. 197. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen einsenden.. 


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Nr. 9. 


Erstes September-Heft 1900. 1. Jahrgang. 


tenfralblaff 

für 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nm. von IVa—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges! 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgange an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Original-Hrtihel. 

Aus der therapeutischen Fakultätsklinik von Prof. I. N. Obolenski zu Charkow. 

Ueber die tberapeutifcbe Verwendung des natürlichen 

(Dagen Taftes. 

Vorläufige Mitteilung 
von 

Dr. A. A. Finkeistein. 

Unser berühmter Physiologe, Prof. I. P. Pawlow, der so viele dunkle 
Punkte der Lehre der Verdauung beleuchtet hat, sprach gelegentlich sein 
Bedauern darüber aus, dass die therapeutische Verwendung des Magensaftes 
vom Hunde, welche gründlicher Prüfung wert ist, bei uns in Russland 
keinen Boden gewinnt. Durch zahlreiche Experimente überzeugte sich 
Pawlow von der zweifellosen Nützlichkeit dieses Mittels 1 ). Viele der Schüler 
Pawlow’s sind gleichfalls als eifrige Anhänger der erwähnten Behandlungs¬ 
methode hervorgetreten. 

Anderseits sagt auch Prof. Lukjanow in seiner Kapitalarbeit: 
»Grundzüge der allgemeinen Pathologie der Verdauung«, man dürfe hoffen, 
dass der von Hunden, die nach der Methode von Pawlow der »Pseudo¬ 
ernährung« unterworfen werden, gewonnene Magensaft mit der Zeit eine 
weite therapeutische Verwendung finden würde. Die besten Repräsentanten 
der Physiologie und der Pathologie der Verdauung, Pawlow und Luk- 


1) Prof. I. P. Pawlow: Vorlesungen über die Funktion der Haupt¬ 
verdauungsdrüsen, 


Nr. 9. 


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204 


janow, empfehlen also den Magensaft als ein therapeutisches Mittel. 
Worauf wäre nun diese Empfehlung, an die ich mich gern anschliesse, zu¬ 
rückzuführen ? 

1) Die käuflichen Pepsine sind nicht im entferntesten mit reinem 
Magensaft zu vergleichen; die fabrikmässigen Gewinnungsmethoden sind 
grob und unvollkommen; Verunreinigungen des Pepsins mit fremdartigen 
Substanzen ist eine häufige Erscheinung. 

2) Der Magensaft vom Hunde, der bei »Pseudoernährung« gewonnen 
wird, ist von angenehmem Aussehen und Geschmack, unbedingt rein und 
behält längere Zeit seine normale Zusammensetzung. Die fermentative Kraft 
dieses Magensaftes ist grösser als die der käuflichen Pepsine, welche letztere 
nach meinen Beobachtungen meistenteils die fermentative Kraft des Magen¬ 
saftes beim Menschen sogar herabsetzen. 

3) Der Gehalt an Salzsäure und Pepsin lässt sich im Magensafte des 
Hundes durch Verabreichung verschiedener Nahrung nach Belieben ändern, 
da die Magendrüsen bei jeder Nahrung Magensaft von ganz bestimmter 
Quantität und Qualität liefern. Man ist also imstande, je nach der Zusammen¬ 
setzung des Magensaftes des Kranken (Mangel oder Ueberschuss an Salz¬ 
säure etc.) einen 4 Magensaft vom Hunde mit mehr oder minder hohem Salz¬ 
säure- bezw. Pepsingehalt zu verordnen. 

Die Abhängigkeit der Sekrete und der chemischen Zusammensetzung 
des Magensaftes von der Quantität und Qualität der Nahrung ist im Labo¬ 
ratorium von Prof. Pawlow genau festgestellt worden. 

In erster Linie steckte ich mir nun zum Ziele, den Einfluss ver¬ 
schiedener Nahrung auf die Absonderung und den Chemismus des Magen¬ 
saftes an einem klinischen Material zu studieren, um dann auf Grund¬ 
lage des Ergebnisses dieses Studiums zur therapeutischen Verwendung des 
Magensaftes überzugehen. 

Zur Lösung des ersten Punktes meiner Aufgabe benutzte ich 5 In¬ 
dividuen, die unter meiner Beobachtung standen und bei denen die che¬ 
mische Zusammensetzung des Magensaftes genau festgestellt wurde. Die 
Nahrung wurde in reine Fleisch-, Milch-, Pflanzen- und gemischte Nahrung 
eingeteilt. Jede dieser Nahrungsarten wurde der Versuchsperson innerhalb 
8 Tagen verabreicht Die chemische Untersuchung des Magensaftes wurde 
täglich vorgenommen. Die von mir auf diese Weise an Menschen ge¬ 
wonnenen Resultate haben die von anderen Autoren an Hunden experi¬ 
mentell festgestellten Thatsachen vollauf bestätigt 

Meine Schlüsse sind folgende: 

1) Der Magensaft reagiert rasch auf die Zusammensetzung des Probe¬ 
frühstücks. Der nach Verabreichung von Brot gewonnene Saft ist ferment¬ 
reich; der nach Fleisch gewonnene zeichnet sich durch bedeutende Acidität 
aus; der nach Milch enthält wenig Ferment und nimmt seiner Acidität nach 
die Mittelstelle zwischen dem nach Verabreichung' von Fleisch und dem 
nach Verabreichung von Brot gewonnenen Magensaft ein. Man würde also 
»Brot«-Saft bei Erkrankungen verabreichen müssen, die mit herabgesetztem 
Verdauungsvermögen einhergehen; in Fällen von mangelhafter Acidität des 


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205 


Magensaftes würde man »Fleisch«- oder »Milch«-Saft, je nach dem Grade 
der Acidität und des Verdauungsvermögens, verabreichen. 

2) Bei Fleischnahrung wird mehr Magensaft abgesondert als bei Ver¬ 
abreichung von Brot; es folgt daraus, dass man bei Fleischnahrung in 
Fällen von mangelhafter Acidität des Magensaftes eine grössere Quantität 
Saft verabreichen muss. 

3) Die Menge der eingeführten Nahrung beeinflusst gleichfalls die 
Magensaftsekretion, und man würde damit bei der therapeutischen Verwen¬ 
dung des natürlichen Magensaftes rechnen müssen. 

4) Im Beginne der Verdauung geht die Sekretion des Magen¬ 
saftes stärker vor sich; am Ende derselben ist das Verdauungsvermögen 
herabgesetzt. Schliesslich wurde die gegenwärtig allgemein verbreitete An¬ 
nahme einer durch das Hungergefühl bedingten »psychischen« Magensaft¬ 
sekretion bestätigt 

Auf diese Thatsachen stützte ich mich bei der therapeutischen Ver¬ 
wendung des Magensaftes vom Hunde nach vorheriger Untersuchung des 
Magensaftes des Kranken selbst 1 ). 

Den Magensaft gewann ich von Hunden mittels »Pseudoernährung« 
nach Pawlow (an dem betreffenden Hunde wurden Oesophagotomie und 
Gastrotomie gemacht), sowie von einem Hunde mit Magenfistel. Es ver¬ 
steht sich von selbst, dass nur der durch »Pseudoernährung« gewonnene 
Magensaft vomidealer Reinheit war. 

Der gewonnene Magensaft wurde jedesmal einer sorgfältigen chemi¬ 
schen und mikroskopischen Untersuchung unterzogen. Wiederholte 
bakteriologische Untersuchungen ergaben bezüglich der Keimfreiheit des 
Saftes stets ein durchaus günstiges Resultat. 

Mein klinisches Material umfasste im ganzen 22 Fälle: 9 Fälle von 
Magenkatarrh, 2 Fälle von Magencarcinom, 9 Fälle von Abdominaltyphus, 
1 Fall von Diabetes mellitus und 1 Fall von Gallensteinen. 

Die Resultate der Behandlung waren folgende: 

Bei Magenkrebs erwies sich der Magensaft vom Hunde als ein ab¬ 
solut nützliches Mittel. Das Erbrechen nahm sowohl quantitativ wie auch 
qualitativ ab. Die Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme wurden be¬ 
deutend geringer und fehlten bisweilen ganz. Der Appetit steigerte sich 
(namentlich bei Verordnung des Magensaftes in refracta dosi einige Stunden 
vor der Nahrungsaufnahme). Das Aufstossen und Sodbrennen würden 
schwächer. Mit der Besserung der Verdauung besserten sich auch die 
Absorptionsverhältnisse, und die Patienten nahmen an Körpergewicht zu: 
der Kranke sub Nr. 2 nahm innerhalb 3 Wochen 3 Pfund zu* Wir haben 
also im Magensaft vom Hunde ein vorzügliches Eupepticum, das als 
symptomatisches Mittel bei Magencarcinom mit vollem Recht empfohlen 
werden kann. Allerdings ergab die objektive Untersuchung, dass die Stö- 


1) Was die Dosierung betrifft, so habe ich 50—200 ccm Magensaft in 
24 Stunden verordnet und zu verschiedener Zeit einnehmen lassen, bald vor, bald 
nach der Mahlzeit, bald auf der Höhe der Verdauung etc. 


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206 


rung der Sekretion und des Chemismus des Magensaftes bei den carcinoma- 
tösen Patienten in statu quo ante blieben; das Carcinom selbst blieb natür¬ 
lich gleichfalls bestehen. 

Ganz anders liegen die Verhältnisse bei Magenkatarrh. Hier bietet 
uns der Magensaft vom Hunde ein mächtiges Heilmittel. Meine hierher 
gehörigen Erfahrungen umfassen im ganzen 8 Fälle. In 5 handelte es sich 
um reine katarrhalische Affektion des Magens, die mit keinen anderweitigen 
Erkrankungen kompliziert war; ein Fall ging mit stark ausgesprochener 
Magenerweiterung einher, so dass die katarrhalischen Erscheinungen sekun¬ 
därer Natur waren; in den übrigen 2 Fällen handelte es sich um katarrha¬ 
lische Alterationen, die durch Anämie hervorgerufen waren. Der Appetit 
besserte sich in sämtlichen 8 Fällen. Besonders lehrreich ist in dieser Be¬ 
ziehung der Fall sub Nr. 5: der 16jährige abgemagerte Patient, der 4 Monate 
hindurch an mangelhaftem Appetit gelitten hat, begann unter dem Einflüsse 
der Magensaftbehandlung wie ein Gesunder zu essen. — Der schlechte Ge¬ 
schmack im Munde während und nach dem Essen, über den sämtliche Pa¬ 
tienten zu klagen hatten, besserte sich rasch. Das Aufstossen nach der Nah¬ 
rungsaufnahme sowohl, wie auch im nüchternen Zustande, das sämt¬ 
liche Patienten bei der Aufnahme in die Klinik hatten, verlor sich nach 
Verordnung des Magensaftes, der während der Nahrungsaufnahme und auf 
der Höhe der Verdauung, d. h. 3 Stunden nach der Mahlzeit, eingenommen 
wurde. Auf diese Weise gelang es, die Gärungs- und Fäulnisprozesse, die 
sich in der stagnierenden, schlecht verdauten Nahrung abspielten, bedeutend 
zu hemmen. Mit der Besserung des Chemismus des Magensaftes verlor 
sich allmählich auch das Sodbrennen. Besonders lehrreich ist in dieser Be¬ 
ziehung der Fall sub Nr. 3: 1 Esslöffel voll Hundemagensaft genügte 
hier, um das lästige Sodbrennen zu beseitigen. — Das Gefühl von Schwere 
und von Druck in der Magengrube Hessen auffallend rasch schon unter Ein¬ 
wirkung geringer Dosen des Magensaftes nach. Widerstandsfähiger zeigten 
sich die Schmerzen. Aber auch in dieser Beziehung war das Endresultat 
ein gutes: so verschwanden im Falle sub Nr. 3 am 8. Behandlungstage die 
Schmerzen und machten einem vorübergehenden Druckgefühl Platz. Im 
Falle sub Nr. 4 gab ich der betreffenden Patientin 25 ccm Hundemagensaft 
während des Schmerzanfalles: die Schmerzen wurden bedeutend geringer. — 
Das Erbrechen war besonders stark in den Fällen sub Nr. 2, 5 und 6 
ausgesprochen: die ersten beiden Fälle wurden nach entsprechender Magen¬ 
saftbehandlung als vollkommen geheilt, der dritte (stark ausgesprochene 
Magenerweiterung) als bedeutend gebessert entlassen. — In den Fällen, in 
denen Anzeichen herabgesetzter motorischer Funktionen des Magens bestanden, 
machte sich der Einfluss der auf die Grundursache der Krankheit, auf den 
Katarrh der Magenschleimhaut, gerichteten Behandlung auch auf die moto¬ 
rische Fähigkeit des Magens geltend. So ergab in den Fällen sub Nr. 1, 
2, 4 und 5 die bei der Aufnahme vorgenommene Untersuchung vergrösserte 
Magendimensionen, während sich die motorische Fähigkeit des Magens, 
die entweder durch Ausspülung des Magens 6 Stunden nach der Nahrungs¬ 
aufnahme oder durch die Salolprobe geprüft wurde, als herabgesetzt erwies. 


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207 


Mit der Besserung der Verdauung bildeten sich auch diese Erscheinun 
gen allmählich zurück, und die vorhanden gewesene Aufblähung ver¬ 
schwand. — Dasselbe ist auch bezüglich des Zungenbelags und des Foetor 
ex ore zu sagen. Die beste Illustration zur günstigen Wirkung des Magen¬ 
saftes lieferten die bei der genauen Untersuchung des Magensaftes der Kranken 
gewonnenen Resultate: sowohl die Sekretion wie auch der Chemismus des 
Magensaftes zeigten auffallende Besserung, wie dies aus der folgenden Tabelle 
zu ersehen ist 


Tabellarische Uebersicht 
der Ergebnisse der Magensaftuntersuchungen. 


Nr. der Fälle 

Fall Nr. 1 

Fall Nr. 2 

Zeit 

der Untersuchung 

Vor der 
Behandlung 

Nach der 
Behandlung 

Vor der 
Behandlung 

Nach der 
Behandlung 

Mikroskopische Unter¬ 
suchung 

Nahrungsbrei 
schlecht ver¬ 
daut. Saft¬ 
menge sehr 
gering 

Nahrungsbrei 
gut verdadt. 
Saftmenge 
gross 

Nahrungsbrei 
enthält un¬ 
verdautes 
Brot. Saft¬ 
menge gering 

Nahrungsbrei 
gut verdaut. 
Saftmenge 
hinreichend 

Reaktion des Saftes 

Mittlere 

Acidität 

Starke 

Acidität 

Mittlere 

Acidität 

Starke Acidität 

Reaktionen auf Salz¬ 
säure : 

Qünsburg’sche 
Töpfer’sche 
mit Tropaeolin 
mit Methylviolett 
mit Congo 
mit Hexamethyl etc. 

Reaktionen 
> positiv, aber 
schwach 

Reaktionen 

deutlich 

Reaktionen 
positiv, aber 
schwach 

Reaktionen 

deutlich 

Reaktion auf Milch¬ 
säure: 

l 




Uffelmann’sche 

Negativ 

Negativ 

1 

Schwache 

Spuren 

Negativ 

Allgemeine Acidität 

40% 

64% 

497. 

627. 

Relativer Salzsäure¬ 
gehalt 

0,14 %o 

0,23«/« 

0,177«, 

0,227«, 

Quantitative Salzsäure¬ 
bestimmung nach 
Sjöquist-Jaksch 

0,14562 

0,22941 

0,17239 

0,226371 

Säuren der Fettreihe 

2% 

Negativ 

37. 

Negativ 


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206 


Nr. der Fälle 

Fall Nr. 1 

Fall Nr. 2 

Zeit 

der Untersuchung 

Vor der 
Behandlung 

Nach der 
Behandlung 

Vor der 
Behandlung 

Nach der 
Behandlung 

Reak¬ 

tionen 

auf 

Eiweiss 

Syntonine 

Propeptone 

Peptone 

Positiv 

J Schwach 

Spuren 

Deutlich 

Positiv 

Schwach 

Spuren 

Deutlich 

Verdauungsvermögen 
nach Mett 

4 mm 

5,5 mm j 

. 

3 mm 

I 

5,75 mm 

Resorptionsvermögen 

15 Minuten 

10 Minuten J 13 Minuten 

8,5 Minuten 

Motorische Fähigkeit 

Nach Aus¬ 
spülung Nah¬ 
rungsreste 

Keine Spuren 
von Nahrung 

Nahrungs¬ 
reste. Salole 
— 2 Stunden 

Keine Spuren 
von Nahrung 

; 


Die Patienten nahmen, wie gesagt, bedeutend an Körpergewicht zu, 
selbst bis zu 10 Pfund innerhalb 3—5 Wochen. Die Atonie des Darms 
besserte sich bedeutend von selbst. Der gedrückte Gemütszustand, sowie 
die verschiedenen nervösen Erscheinungen verschwanden. 

Mit einem Worte, der Hundemagensaft ist bei Magenkatarrhen ein 
mächtiges Heilmittel. Indem man ihn bei katarrhalischen Zuständen ver¬ 
ordnet, genügt man sämtlichen Indikationen: dem Mangel an Salzsäure, dem 
herabgesetzten Verdauungsvermögen, der Zersetzung des Mageninhalts etc. 
In Fällen mit gesteigerter Acidität sind sorgfältige Wahl der Nahrung, 
Magensaft mit höherem Verdauungsvermögen und Substanzen, welche die 
Reizbarkeit der Magendrüsen herabsetzen, erforderlich. 

Nicht minder lehrreich sind die an anämischen Individuen gemachten 
Beobachtungen. 

Von der Erwägung ausgehend, dass die Magensaftabsonderung und 
das Absorptionsvermögen bei Anämie herabgesetzt sind, und dass man bei 
anämischen Individuen sehr häufig perversen Geschmack und Appetitmangel 
antrifft, beschloss ich, die Wirkung des Hundemagensafts auch an Kranken 
dieser Art zu erproben. Meine Hoffnungen sind glänzend in Erfüllung ge¬ 
gangen. Es verschwanden in beiden Fällen die krankhaften Erscheinungen 
von seiten des Magens, es stellte sich Appetit ein, und es besserte sich 
die Zusammensetzung des Magensaftes und des Blutes. So betrug im Falle 
sub Nr. 1 vor der Behandlung die Zahl der roten Blutkörperchen 3200000, 
die Hämoglobihmenge 40%; nach der Behandlung betrug die Zahl der 
roten Blutkörperchen 4000000, die Hämoglobinmenge 55 %. In dem zweiten 
Falle verschwand die Poikilocytose, die Zusammensetzung des Blutes wurde 
besser, und die betreffende Patientin nahm 5 Pfund an Körpergewicht zu. 

Von der Erfahrung ausgehend, dass die Funktion der Magendrüsen 
bei gesteigerter Körpertemperatur herbgesetzt ist, wählte ich den Abdominal¬ 
typhus, um die Wirkung des Hundemagensaftes auch bei gesteigerter Körper¬ 
temperatur zu prüfen. Meine gesamten hierher gehörigen Erfahrungen um- 


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fassen 9 Fälle. In 7 Fällen erzielte ich nun ein zweifellos günstiges, in 
einem Falle ein zweifelhaftes, in einem ein negatives Resultat. Die Wirkung des 
Magensaftes äusserte sich dadurch, dass selbst bei einer Körpertemperatur 
von 39,0° (in 6 Fällen) guter Appetit bestand; die Obstipation, welche vor 
der Behandlung mittels Klystiere beseitigt werden musste, verschwand, und 
es trat spontaner Stuhl ein; die Aufblähung des Darmes Hess nach; die In- 
toxicationserscheinungen von seiten des Nervensystems wurden gleichfalls 
geringer; der Verlauf der Krankheit schien kürzer zu sein. Als besonders 
beweisend erscheint mir der Fall sub Nr. 7. Der betreffende Kranke 
stammte aus einem Hause, in dem ich zuvor 2 abdominaltyphöse Patienten 
behandelt habe. Dieser Kranke hat seinen Typhus in 14 Tagen leicht über¬ 
standen, während die beiden früheren Patienten sehr lange und äusserst 
schwer erkrankt waren. Jedenfalls glaube ich mit Recht annehmen zu dürfen, 
dass die stereotype Verordnung von Salzsäure bei Abdominaltyphus durch 
Verordnung von Hundemagensaft ersetzt werden muss. 

Von irgend welchen Schlussfolgerungen hinsichtlich des Diabetes 
mellitus sehe ich vorläufig ab. Ich hoffe aber, diese Lücke nachträglich aus¬ 
zufüllen. 

Meine klinischen Beobachtungen bestätigen also die theoretische 
Voraussetzung von der Zweckmässigkeit des Hundemagensaftes vollkommen: 
der Hundemagensaft ist ein mächtiges therapeutisches Agens. 

Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle folgende Worte Prof. Pawlow's 
anzuführen: »Würde vielleicht das uns längst bekannte und in einem rus¬ 
sischen Laboratorium gewonnene Produkt unter ausländischer Flagge besser 
gehen?« Versuche in dieser Richtung sind in letzter Zeit bereits gemacht 
worden (Le Oendre, Fremont, v. Leyden). 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Henrick, James B.: Notes on Diabetes. (Americ. Joum. of the Med. Sciences, July.) 

Verf. macht aufmerksam auf zwei weniger gekannte Erscheinungen im 
Verlauf des Diabetes mellitus. Massenhaftes Auftreten von kurzen, breiten, leicht¬ 
gefärbten, feingranulierten Cylindem im Urin während des diabetischen Comas 
und, was besonders wichtig, kurz vorher, ist zuerst von C. Külz und Aldehoff 
beobachtet, seither von Mering, Rumpf, Williamson u. a. bestätigt worden. 

Er selbst konnte dies Phänomen in 3 Fällen von Coma diabetic. beobachten. 
Dabei bestand nur minimale Albuminurie. — Als Ursache dieser Erscheinung 
wird Uebermüdung der Nieren und Zerstörung des Epithels durch den plötzlichen 
Andrang grosser Mengen toxischer Substanzen (Aceton, Diacet-Oxybuttersäure) 
angesehen. 

Ferner bespricht Verf. kurz das ausnahmsweise Vorkommen normalen oder 
gar abnorm niedrigen specifischen Gewichts von zuckerhaltigem Ham. Be¬ 
gleitende chron. interst. Nephritis, grosse Schwäche des Kranken (Strümpell), 
dauernde oder vorübergehende starke Polydypsie können das spec. Gew. geleg^nt- 


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210 


lieh auf 1020, ja bis auf 1004, 1003 sinken lassen. Den Fallen von Külz, Eich - 
hörst, Naunyn fügt er einen weiteren bei. A. Hesse (Hamburg). 

Hager, 0., (Magdeburg-N.): Zur Pathogenese der Gicht Nach einem in d. Magde¬ 
burger med. Gesellsch. gehalt. Vortrage. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 32.) 

Kurzgefasster kritischer Sammelbericht der wichtigsten Anschauungen 
über die Pathogenese der Gicht. Neues enthält die Arbeit nicht. 

Schade (Göttingen). 

Offen Diätetische Behandlung der Stoffwechselkrankheiten. (Wiener med. Wochen¬ 
schr., Nr. 26. 27.) 

Kurze Skizze nach den Arbeiten vonRubner, v. Leyden, A. Hoffmann, 
v. Noorden u. a., enthält nichts Neues. Schütz (Wiesbaden). 

Mensi, E.: Sulla digestione degli amilacei nei primi mesi della vita. (Ueber Amylaceen- 
verdauung in den ersten Lebensmonaten.) (Giornale della R.Acc. di Med. di Torino; 

Maggio.) 

Eine vorwiegende Amylaceenverdauung ist für das Gedeihen des Kindes 
schädlich, weil dadurch die Entwickelung und das Wachstum des Körpers be¬ 
einträchtigt wird (wenngleich Speicheldrüsen und Pankreas ihre specifische Funk¬ 
tion schon frühzeitig beginnen). Plitek (Triest). 

Bendix, Bernhard: Beiträge zur Ernährungsphysiologie des Säuglings. I. Der Einfluss 
der Gravidität auf die Milchabsonderung bei der Frau. (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 30.) 

Der Aufsatz bringt uns im wesentlichen eine Wiederholung der An¬ 
schauungen, die wir B. bereits in einer früheren Publikation (vgl. Berliner 
Klinik, Heft 141, Ref. S. 18) vertreten sehen. Betreffs des Einflusses der Men¬ 
struation (die B. bei 60% der stillenden Frauen beobachtet hat!) auf die 
Laktation stellt Verf. auch hier den Satz auf, dass der Eintritt der Menses an sich 
niemals eine Indikation zum Absetzen des Kindes bietet, selbst wenn vorüber¬ 
gehend die Milch sichtbare Veränderungen oder der Säugling leichte Störungen 
von seiten des Darms zeigen sollten. Was die Bedeutung neu eintretender Gravidität 
für das Säugegeschäft der Frau anlangt, so zeigt B. an einem Falle aus der Praxis, 
dass die Schwangerschaft die Milchsekretion erheblich herabsetzen und unter Um¬ 
ständen ein Absetzen des Kindes oder wenigstens teilweise künstliche Ernährung 
notwendig machen kann. Demgegenüber verfügt jedoch Verf. über eine Anzahl 
von Beobachtungen bei Frauen, die trotz Schwangerschaft und ohne Schaden für ihre 
Gesundheit oder Nachteil für das Kind weiter gestillt haben. B. rät daher, auch 
bei neu eintretender Gravidität ruhig abzuwarten und »das Absetzen des Kindes ab¬ 
hängig zu machen von der gelieferten Milchmenge, von dem Gedeihen des Kindes 
und von dem Kräftezustand der nährenden Frau.« Schade (Göttingen). 

Ueber die Methoden zur Milchabkochung und die nach dieser Richtung zu stellenden 
Anforderungen. Biol. Abt. des ärztlichen Vereins Hamburg. Sitzung vom 15. Mai. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 30. 32.) 

Gegenüber den neuerdings vielfach sich geltend machenden Bestrebungen, 
durch Sanierung der Viehbestände eine Sanierung der Milch herbeizuführen, setzt 
Kister auseinander, weshalb dieses Verfahren allein nicht genügt, vielmehr in 
jedem Falle zur Gewinnung einer einwandsfreien Milch eine Erhitzung derselben 
zwecks Vernichtung der in ihr enthaltenen Keime notwendig ist. Da wir auf eine 
absolute Keimfreimachung wegen der damit verknüpften chemischen Veränderungen 
der Milch verzichten müssen, so kommen nur diejenigen Methoden in Frage, die 


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es auf die Gewinnung einer krankheitskeimfreien Milch absehen. Für die Praxis 
am geeignetsten erweist sich in dieser Beziehung das Pasteurisieren bei 65°, 
das eine in Aussehen, Geruch und Geschmack von frischer Milch nicht zu unter¬ 
scheidende Milch liefert. Das Pasteurisieren im kleinen Haushalt stösst zwar noch 
auf grosse Schwierigkeiten — der zu diesem Zwecke von Oppenheimer in 
München angegebene Apparat hat den Fehler zu grosser Kostspieligkeit —, da¬ 
gegen soll man nach dem Muster der Milchversorgungsanstalt »Pasteur« in 
Kopenhagen und ähnlicher Institute durch Centralisierung des Milchbetriebes die 
Herstellung pasteurisierter Milch im grossen anstreben. Was den letzteren Punkt 
betrifft, so betont W ei gm an n, dass man dabei nicht nur grossen technischen 
Schwierigkeiten begegnen, sondern auch dem. milch wirtschaftlichen Gewerbe und 
dem Milchhandel einen immensen Schaden zufügen würde. W. hält es daher 
vorderhand für am zweckmässigsten, den Weg weiter zu verfolgen, den der 
Deutsche milchwirtschaftliche Verein eingeschlagen: durch Sanierung der Vieh¬ 
bestände eine Sanierung der Milch herbeizuführen (vgl. die diesbezüglichen Ver¬ 
handlungen des Dtschn. milchwirtschaftl. Vereins. Ref. S. 155). 

Aus der sich anschliessenden Discussion ist folgendes hervorzuheben: 
Bezüglich der von Weigmann aufgestellten Behauptung, dass die Centralisierung 
des milchwirtschaftlichen Betriebes grosse Gefahren für den Milchhandel im Ge¬ 
folge habe, weist Dun bar auf die Verhältnisse in Kopenhagen hin, wo nach 
Errichtung der Milchversorgungsanstalt »Pasteur« eine Hebung des Konsums zu 
konstatieren sei (auf den Kopf der Bevölkerung entfallen dort % 1 Milch pro Tag, 
in Hamburg nur Vs !)• Nach Weigmann gelingt den Produzenten, welche grosse 
Mengen Milch liefern und auf einen sauberen Betrieb sehen, das Sterilisieren 
leichter als den Sammelbetrieben, welche die meist nicht so sauber gewonnene 
Milch zahlreicher kleiner Producenten erhalten, da unter Vorsichtsmassregeln ent¬ 
nommene Milch sich leichter sterilisieren lässt als andere. — Die weitere Dis¬ 
cussion erstreckt sich im wesentlichen auf technische Fragen. 

Schade (Göttingen). 

Beck, Max: Experimentelle Beiträge zur Untersuchung über die Marktmilch. (Deutsche 
Vierteljahrsschrift für öffentl. Gesundheitspflege, Bd. 32, H. 3.) 

Nach Anführung der einschlägigen Litteratur berichtet Verf. über eigene 
Versuche, die ihm folgende Resultate etgäben: 

1) In einer grösseren Anzahl Proben der käuflichen Berliner Marktmilch 
sind pathogene Bakterien enthalten, frei davon ist durchschnittlich nur etwa der 
fünfte Teil. In Betracht kommen vor allem als gesundheitsschädlich Streptokokken 
und Tuberkelbacillen in 62% resp. 30% der Proben. 2) Ein einmaliges Aufkochen 
(Aufwallenlassen) der Milch genügt nicht, um sämtliche Keime in der Milch zu 
zerstören. Die Streptokokken werden dadurch schon vernichtet, um aber die Tu¬ 
berkelbacillen abzutöten, ist ein mindestens drei Minuten langes Kochen der Milch 
notwendig. Um ein Ueberkochen resp. Anbrennen zu verhüten, muss die Milch 
vom Momente des Aufwallens an umgerührt werden. 3) Zum Kochen der Milch 
empfehlen sich am besten irdene Kochgefässe. B. Oppler (Breslau). 

Helm, Wilhelm: Gewinnung und Absatz von frischer tuberkelbacillen¬ 
freier Trinkmilch (Eismilch). (Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Ge¬ 
sundheitspflege, Bd. 32, H. 3.) 

Verf. (Ingenieur) befürwortet eine Verbesserung der Milchversorgung der 
Städte in der Weise, dass die Milch von den Produzenten an eine Centrale ge¬ 
liefert, dort auf Fett- und Säuregehalt untersucht, pasteurisiert, stark abgekühlt und 
dann im Kühlraum aufbewahrt wird. Zur Versendung wird der Milch in den 
Transportkannen gefrorene Milch (Milcheis) zugesetzt, so dass sie kühl und ein¬ 
wandsfrei (vermittelst Umfüllstellen) dem Konsumenten geliefert werden kann. 

Nr. 9. 


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Für grosse Städte, z. B. Berlin, wären an der Peripherie eine Anzahl derartiger 
Sammelstellen zu errichten. Die interessanten Ausführungen über die spezielle 
Technik des Verfahrens sowie die geschäftliche Seite desselben müssen im 
Original nachgelesen werden. Zweifellos bedeutet der Vorschlag eine Verbesse¬ 
rung des bisherigen Zustandes. B. Oppler (Breslau). 

Müller, Johannes: Ueber den Zungenbelag bei Gesunden und Kranken. Aus d. med. 

Klinik zu Würzburg. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 33). 

Nach einem kurzen Ueberblick über die sich vielfach widersprechenden 
Ansichten von der Bedeutung des Zungenbelags teilt Verf. die Resultate seiner 
eignen diesbezüglichen Untersuchungen mit. Nach ihm zeigt bei gesunden Men¬ 
schen die Zunge nur höchst selten das »angeblich normale« Aussehen, sondern 
meist einen mehr oder weniger ausgeprägten sog. »Belag«, der von der Aus¬ 
bildung der Papillae fliformes, insbesondere der aus verhornten Epithelien be¬ 
stehenden Haarbüschel an der Spitze der Papillen abhängt und der Zunge eine 
trübe, weissliche, nach dem Herüberstreichen rauhe Oberfläche verleiht. Am »reinsten« 
ist die Zunge naturgemäss in den ersten Lebensjahren, ferner auch bei gesunden 
Greisen, bei denen eine physiologische Rückbildung der Papillen stattfindet. Ein 
wirklicher abstreifbarer Belag entsteht bei Gesunden durch die normalerweise be¬ 
ständig vor sich gehende Desquamation des Epithels, die indes nie grössere Di¬ 
mensionen annimmt, da die sich anhäufenden Epithelmassen zusammen mit den 
Speiseresten, Pilzen u. s. w. in mechanischerWeise durch das Kauen und Sprechen 
immer wieder beseitigt werden. 

Was nun den Zungenbelag in Krankheiten betrifft, so kommt er hier ent¬ 
schieden in einem höheren Prozentsatz zur Beobachtung als bei Gesunden: wäh¬ 
rend M. bei gesunden Menschen mittleren Alters in 62% Zungenbelag nach- 
weisen konnte, fand er sich bei Gastritis acut, in 82%, Gastritis chron. in 55%, 
Ulcus ventriculi in 69 %, Carcinoma ventriculi in 65 %, Dyspepsia nervosa in 68 %, 
Angina in 80 %, Typhus abdominal, in 82 %, Scarlatina in 78 %, Pneumonia croup. 
in 87 %. Ein Einfluss auf die Entstehung des Zungenbelags ist demnach den 
Krankeiten nicht abzusprechen, und insbesondere sind es die akuten Erkrankungen, 
die eine ausgeprägte Neigung zu Zungenbelag zeigen. Die mikroskopische Unter¬ 
suchung des pathologischen Zungenbelags ergab gegenüber dem Befunde beim 
normalen Belag im wesentlichen nur quantitative Unterschiede; eine Ausnahme 
bildeten das Magencarcinom und die Lungentuberkulose, wo sich Leucocyten in 
so auffallender Menge fanden, dass Verf. eine gesetzmässige Beziehung zwischen 
dieser Erscheinung und den genannten Erkrankungen für wahrscheinlich erachtet. 

Als Ursachen des pathologischen Zungenbelags führt M. an: 1) das Fehlen 
gewisser mechanischer Momente, welche beim gesunden Menschen die Zungen¬ 
oberfläche reinigen: Kauen, Sprechen etc. Dieser Einfluss macht sich besonders 
bei den lokalen Affektionen der Mundhöhle, aber auch bei den schweren akuten 
Erkrankungen geltend; 2) einen desquamativen Katarrh der Mundhöhlen- und 
Zungenschleimhaut, der nicht nur bei den in der Mundhöhle lokalisierten 
Prozessen, sondern auch bei einer Reihe anderer Krankheiten, vorzugsweise den 
akuten Exanthemen vorkommt; hierbei spielen die Mikroorganismen der Mund¬ 
höhle eine hervorragende Rolle; 3) gewisse anatomische Dispositionen, indem 
nämlich der Zungenbelag sich bei denjenigen Kranken am intensivsten ausbilden 
wird, deren Zungenoberfläche von Haus aus mit besonders langen Papillae fili¬ 
formes ausgestattet ist So erklärt es sich auch, dass langdauernde consumierende 
Krankheiten wegen der damit verbundenen allmählichen Atrophie der Zungen¬ 
papillen einen auffallend geringen Prozentsatz des Zungenbelags aufweisen. 

Den Schluss des interessanten Aufsatzes bilden einige therapeutische Hin¬ 
weise: den normalen Zungenbelag überlässt M. sich selber, zur Entfernung des 
pathologischen empfiehlt er eine dichte weiche Zahnbürste. 

Schade (Göttingen). 


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Ueber einen Fall von Oesophagusdivertikel. Nürnberger med. Gesellschaft u. Poli¬ 
klinik. Sitzung vom 7. Juni. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 34.) 

Hein lein berichtet über einen Fall von Traktionsdivertikel des Oesophagus 
eines 77 jährigen Mannes, der einer fibrinösen Pneumonie erlegen war. Das Diver¬ 
tikel, welches in der Mitte der Speiseröhre sass, und 3 cm an Länge, V/ 2 cm im 
Querschnitt mass, hatte intra vitam keinerlei Störungen verursacht. 

Schade (Göttingen). 

Rosenfeld, Georg (Breslau): Zur Topographie und Diagnostik des Magens. (Münch. 

med. Wochenschr., Nr. 35.) 

Eine Arbeit wesentlich polemischen Inhalts, in der Verf. die bereits früher 
von ihm auf Grund von Leichenuntersuchungen und der von ihm ausgebildeten 
Methode der Magendiagnostik mittels Röntgenstrahlen vertretene Anschauung 
wiederholt, dass der menschliche Magen in der Norm eine Vertikalstellung ein¬ 
nehme. Unter 167 Beobachtungen fand R. nur 12 mal eine horizontale Lagerung 
(vgl. Rosenfeld: Klinische Diagnostik der Grösse, Form und Lage des Magens. 
Centralbl. f. inn. Med., 1899, Nr. 1, u. Beiträge zur Magendiagnostik. Zeitschr. f. 
klin. Med., Bd. 37, H. 1. 2). Schade (Göttingen). 

Ueber einen Fall von Sanduhrmagen. Nürnberger med. Gesellschaft u. Poliklinik. 

Sitzung vom 7. Juni. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 34.) 

Das von Heinlein vorgelegte Präparat gehörte einer 73jährigen Frau an. 
Der Magen derselben zeigte in seiner Mitte, woselbst sich an der Hinterfläche 
eine grosse strahlige Narbe befand, eine kaum für 2 Finger durchgängige Ver¬ 
engerung und zerfiel somit in 2 gleiche Hälften. Der nach der Cardia zu gelegene 
Abschnitt war stark ausgedehnt, seine Schleimhaut und Muskularis verdünnt, wäh¬ 
rend die andere Hälfte ein normales Verhalten darbot. Ueber Magenstörungen 
irgendwelcher Art waren in der Krankengeschichte keine Angaben gemacht. 

Schade (Göttingen). 

Heine: Dilatatio ventriculi acuta. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 31.) 

Verf. teilt zunächst einen Fall akuter Magenerweiterung mit, der einen ge¬ 
sunden Mann nach einem starken Excess im Trinken betraf und durch Magen¬ 
ausspülungen, Faradisation, Diät in kurzer Zeit beseitigt wurde. Darauf referiert 
Verf. eine Reihe anderer Fälle aus der Litteratur, die sich ihrer Aetiologie nach 
unterscheiden lassen in solche mit der gleichen Entstehungsursache, wie die des 
obigen Falles (akute Magenüberladung) — solche mit central bedingter 
Paralyse der Magenwand (bei Kachektischen, nach Traumen, Laparotomieen) 
— und solche in Folge Stenosierung des Pylorus (krampfhafte Kontraktur) 
oder Duodenums (Knickung an der Pars horizontalis). Meist ist wohl eine gewisse 
Prädisposition anzunehmen. Die Differentialdiagnose hat die Peritonitis zu 
berücksichtigen (kein Fieber, Plätschergeräusch, eventuell Probepunktion); die 
Prognose ist in den Fällen der beiden letzten Kategorieen sehr ungewiss (oft Tod 
innerhalb 24—48 Stunden), weshalb nach dem Rat von Lindner und Kuttner 
ein operativer Eingriff in Frage kommen kann. Die interne Behandlung ist oben 
schon angeführt, die Ernährung soll in schweren Fällen zunächst nur per rectum 
geschehen, in leichteren in Form der Trockenkost, die H. als die geeignete bei 
Magenerweiterung anzusehen scheint. Schütz (Wiesbaden). 

Martius: Ueber Pflege und diätetische Behandlung Magenkranker mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung der Achylia gastrica. (Zeitschrift für Krankenpflege, Mai.) 

M. verwirft durchaus eine medikamentöse Behandlung der Achylia und 
hat auch von HCl und Pepsin wenig Nutzen gesehen, wie überhaupt diese Medi- 


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kamente immer noch kritiklos bei den verschiedensten Zuständen nutzlos angewendet 
würden. Verf. plaidiert für eine diätetische und psychische Behandlung. Die 
Kranken müssen zunächst wieder essen lernen und die Beschwerden dabei als 
etwas Nebensächliches betrachten. Auch bei der Diät spielt mehr das »wie« (ge¬ 
nügende Zerkleinerung, Breiform), als das »was« eine Rolle, und man braucht hier 
ebensowenig wie bei vielen anderen Magenleiden eine bis ins kleinste specia- 
listisch ausgearbeite Diät zu verordnen. Bei vernünftiger Zubereitung sind die 
meisten einfachen Speisen zu verwenden, wenn die Kranken nur erst ihre Furcht 
ablegen und trotz der Beschwerden essen und — zunehmen. Freilich hält M. bei 
diesen Zuständen mit Oppler eine normale Darmfunktion für durchaus nötig und 
mit allen Mitteln anzustreben. B. Oppler (Breslau). 

Schenk, Arthur: Die Hydrotherapie des Darmtraktes mittels Enteroklyse. (Arch. f. 

Balneotherap. und Hydrotherapie, Bd. 2, H. 6.) 

Man glaubt sich beim Lesen dieser Arbeit in die Zeit des Docteur Purgon 
aus dem Moli er e’ sehen Malade imaginaire versetzt. Mannigfaltiger noch, als 
es uns dort geschildert wird, sind nach Schenk die Indicationen und die thera¬ 
peutischen Wirkungen der Darmeinläufe. Alles, was der Hydrotherapeut bisher 
durch Sitzbäder, Bauchgüsse, schottische Douchen, erregende Umschläge, warme 
und kalte Schläuche, Thermophore, Kohlensäureumschläge und Atzb erg er’sehen 
Kühlapparat erreichte, will der Verf. mit seiner Methode von der Innenoberfläche 
des Darmes resp. des Dickdarmes aus durch Einläufe erreichen. Zu diesem 
Zweck verwandelt er das gewöhnliche Klysma in die Enteroklyse, indem er statt 
eines einfachen Ansatzrohres oder Schlauches einen doppelläufigen Katheter be¬ 
nutzt; durch Einschiebung eines dünnen hoch hinaufreichenden Kautschukrohrs 
in den zuführenden Teil des Katheters und durch Benutzung zweier Hähne kann 
Zu- und Abfluss reguliert werden. Einschaltung eines Oummiballons in den vom 
Irrigator kommenden Schlauch soll beim Zusammendrücken und Loslassen eine 
Art Massage durch die im Darm stehende Wassersäule erzeugen. 

Verf. bemüht sich zu zeigen, dass die Enteroklyse »ein mächtiges Agens 
zur Regulierung der Körpertemperatur, der Blutverteilung, der Blutbereitung, zur 
Regelung der Innervationsstörungen und so weiter ist«. Dabei lässt sie sich an¬ 
wenden überall da, wo die anderen hydriatischen Massnahmen wegen Mangels 
des grossen, dazu nötigen Apparates unausführbar sind. Für die verschiedenen 
Proceduren führt Verf. folgende Bezeichnungen ein: Darmvollbad, fliessendes 
Darmhochbad, fliessendes Niederbad (Beschränkung auf Rektum), schottische 
Douche des Darmes, Darmhalbbad, wovon jedes wieder durch Veränderung der 
Wassermenge, der Temperatur, der Applikationsdauer in seinen Wirkungen variiert 
werden kann. Auch zur Beibringung von Nährflüssigkeit empfiehlt Verf. die Enteroklyse 
an Stelle des Nährklysmas, indem er die Nährflüssigkeit in stark verdünntem Zu¬ 
stand über eine Partie des Dickdarmes in sehr langsamem Strom hinwegfliessen 
lässt. »Die bereits einmal durchgeflossene Nahrung kann immer wieder bis zur 
fast vollständigen Ausnützung frisch aufgegossen werden«. Oewiss ist das nichts 
als eine unnötige Komplizierung eines an sich einfachen Verfahrens. 

Die Enteroklyse wurde im übrigen bei den mannigfaltigsten Krankheits¬ 
zuständen vom Verf. mit Erfolg erprobt. Dass sie als Antipyreticum, als Seda¬ 
tivum, als Antisepticum brauchbar ist, gegen Hämorrhoiden, Diarrhoeen, ge¬ 
schweige Prozesse im Darm gute Dienste leistet, wird'nicht überraschen; ein 
Fragezeichen verdient wohl schon die Behauptung, dass Schlafmittel durch ein 
kaltes, kurzdauerndes Hoch- oder Nieder-Darmbad stets überflüssig werden. En- 
teroptosen, Leberkrankheiten werden mit Enteroklyse behandelt, ja sämtliche 
Affektionen des Magens, vom akuten Katarrh bis zum Carcinom werden durch 
sie geheilt oder gebessert. Dazu kommen die Erkrankungen der weiblichen und 
männlichen Geschlechtsorgane, der Harnröhre, der Blase etc., die Nephritis, die 
Rachitis, Herzfehler, Chlorose und was sonst noch alles. 


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Der Geist der Medizin ist wahrlich leicht zu fassen, denn das Allheilmittel 
ist gefunden: die Hydrotherapie a posterioribus. 

Moliere kann wieder vom Arzte sagen: »Vous n’avez coutume de ne 
parier qu’ä des culs«. A. Hesse (Hamburg). 

Wechsberg: Ueber einen seltenen Ausgang einer Darminvagination. (Centralblatt f. 
allgem. Pathologie und patholog. Anatomie, Nr. 6. 7.) 

Ein 18jähr. Patient wurde im Jahre 1898 mit den Zeichen eines akuten 
Magendarmkatarrhs, der sich schliesslich als Invagination erwies, ins Kranken¬ 
haus aufgenommen: Spontanheilung unter Abgang eines 8 cm langen Stückes 
Blinddarm, an das sich rechtwinklig ein 4 cm langes Stück Dünndarm anschliesst. 
Ein Jahr später wird Pat. unter den Zeichen eines Darm Verschlusses operiert und 
geht 2 Tage nach einer Colostomie an Peritonitis zu Grunde. Die Obduktion 
zeigt: der Dünndarm mündet 16 cm distalwärts vom Coecum ins Colon ascendens, 
knapp davor eine Striktur; 2 grosse Narben im Coecum und oberhalb des Rectums; 
in der Gegend der Flexura lienalis ein Blindsack; Adhaesionen infolge einer ab¬ 
gelaufenen Peritonitis. W. erklärt die letzteren Befunde durch eine ältere Invagi¬ 
nation, den Befund am Colon durch die im Krankenhause beobachtete, in deren 
Verlaufe sich das Colon (Intussuscipiens) so stark gekrümmt hat, dass nach er¬ 
folgter Gangraen die Communicationsstelle in der Gegend der Flexura hepatica 
sich bilden musste. Der Fall ist ein Unicum. B. Oppler (Breslau). 

Neustadt: Beitrag zur Indikationslehre der Blinddarmentzündung. (Wiener 

med. Wochenschr., Nr. 28.) 

Verf. stellt im wesentlichen die Anschauungen verschiedener unter den¬ 
jenigen Autoren —- Chirurgen wie Internisten — einander gegenüber, die sich 
mit dieser Frage besonders befasst haben. Schütz (Wiesbaden). 

De Matteis, P.: Sui microorganismi degli ascaridi lombricoidi e loro azione patogena. 
(Ueber pathogenetische Wirkung der Mikroorganismen des Ascaris lumbricoides.) 
(Giornale della R. Acc. di Med. di Torino, Maggio.) 

Der Verdauungsschlauch des Ascaris 1. beherbergt zahlreiche pathogene 
und nicht pathogene Bakterien, die, was Zahl und Qualität anbelangt, von den all¬ 
gemeinen Bedingungen abhängen, die die Zwischenwirte des A. bieten. Befinden 
sich pathogene Mikroorganismen z. B. in der Mundöffnung der Helminthen, so 
können sie auf die Darmschleimhaut des Wirtes gelangen und zu den bunt¬ 
farbigsten pathologisshen Erscheinungen Veranlassung geben. Ferner können sie 
von den Ascariden während ihrer Wanderungen in Bezirke gelangen und dort 
abgelagert werden, die normaliter vollkommen bakterienfrei sind. Dass sie — 
wenn sie pathogener Natur sind — in solchen Fällen eine Infektionsquelle ver¬ 
schiedenartiger Natur abgeben, ist naheliegend. — Die durch Gegenwart von 
Ascariden bedingten Leberabscesse sind wahrscheinlich nicht so sehr durch me¬ 
chanische oder toxische Reizung der Würmer entstanden, als vielmehr durch be¬ 
sagte pathogene Keime. — Das hier und da beobachtete unregelmässige Fieber 
kann vielleicht durch Inoculation der Ascariden erklärt werden. Plitek (Triest). 

Balzer und Alquier: Rectite k gonococques. (Societe de dermatologie et de syphili- 

graphie, 7. Juni.) 

B. und A. berichten über einen Fall von akuter Gonococcen-Blennorhoe 
des Rectum, die sich an eine gleiche Vaginal- resp. Urethralaffektion anschloss. 
Neben örtlichen Erscheinungen, wie Schmerzen, Eiterausfluss und Blutungen aus 
dem Rectum fanden sich auch allgemeine, wie Kopfschmerzen, Verdaungsstörun- 
gen u, s. w. Die örtliche Behandlung war von Erfolg. Die Vortragenden be- 


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tonen die ungemeine Seltenheit derartiger Rectal-Oonorrhoeen im Verhältnis zu 
der enormen Zahl der gewöhnlichen Gonorrhoeen. B. Oppler (Breslau). 

Walz, Carl: Ueber die normale »respiratorische Leberbiegung« und die 
Genese der sogenannten Exspirationsfurchen der Leber. Aus d. pathol. 

Institut der Universität Tübingen. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 30.) 

Den verschiedenen Ansichten über die Entstehung der sog. Sagittalfurchen 
der Leber, die sämtlich eine befriedigende, für alle Fälle gültige Erklärung nicht 
zulassen, stellt W. auf Grund seiner (34) Beobachtungen eine neue Theorie ent¬ 
gegen. Ausgehend von der von ihm beobachteten Thatsache, dass sich an der 
herausgenommenen Leber Furchenbildung durch eine bestimmte Verbiegung des 
Organs erzeugen lässt, anderseits schon bestehende Furchen mässigen Grades 
wieder ausgeglichen werden können, konstatiert Verf., dass eine entsprechende 
Formveränderung der Leber auch am Lebenden normalerweise bei der Respiration 
stattfindet, indem bei der Inspiration durch die Abflachung des der Leber- 
convexität eng anliegenden Zwerchfells die Mitte der Leberoberfläche nach 
unten gedrückt, die Seitenteile dagegen durch den Luftdruck nach oben 
gezogen werden, während bei der Exspiration eine Biegung im umgekehrten 
Sinne vor sich geht. Es giebt somit eine physiologische »inspiratorische und ex- 
spiratorische Leberbiegung«, welch letztere für die Entleerung der Gallenblase 
von Bedeutung ist. Sobald nun Momente vorliegen, welche eine Abflachung des 
Zwerchfells von genügender Intensität und Dauer bewirken, kann es zur Bildung 
von Furchen an der Leberconvexität kommen. Als solche Momente führt Verf. 
an: pathologischen Tiefstand des Zwerchfells durch Emphysem, chronische Bron¬ 
chitis — in 30 unter 34 Beobachtungen des Verf.’s nachweisbar — oder durch 
Struma; grosse und breite abdominale Geschwülste, welche die untere Thorax¬ 
apertur erweitern und dadurch die Zwerchfellwölbung abflachen; Gravidität; Ver¬ 
biegungen der Wirbelsäule, welche das Zwerchfell in der mannigfachsten Weise ver¬ 
ziehen können etc. »Die sagittalen Furchen sind demnach Folgen einer pathologisch 
gesteigerten Leberbiegung, sind weder In- noch Exspirations- noch Zwerchfellfurchen, 
sondern »Biegungsfurchen«. Dass diese Biegung gerade in der Querrichtung am 
stärksten ist und demgemäss die Furchen in den typischen Fällen in sagittaler 
Richtung verlaufen, erklärt sich Verf. durch das Vorhandensein der liefen sa¬ 
gittalen Furchung an der Unterfläche der Leber, deren Verlauf entsprechend das 
Organ als an seiner physiologisch schwächsten Stelle sich leichter biegen lässt 
als in irgend einer anderen Richtung. 

Nur für wenige congenitale Fälle giebt des Verf.’s Theorie keine ge¬ 
nügende Erklärung, wenn man nicht etwa annehmen will, dass hier eine im Ver¬ 
hältnis zum Leberwachstum auffallend starke Entwickelung der Lunge eine Ab¬ 
flachung des Zwerchfells und damit eine Kompression der Leber bewirkt habe. 
Indessen kommt bei allen während des Wachstums der Leber entstehenden Furchen 
nach W. noch ein anderes Moment in Betracht: das Moment der Faltenbildung, 
das besonders im embryonalen Leben bei den in ihrem Wachstum räumlich be¬ 
schränkten Organen eine wichtige Rolle spielt. Schade (Göttingen). 

Fuchs, Theodor: Ueber Leberneuralgieen. (Centralblatt f. d. Grenzgebiete der 
Medizin und Chirurgie, Nr. 12.) 

Verf. giebt einen Ueberblick über Verlauf, Diagnose und Therapie der, wie 
er behauptet, nicht gar so seltenen Affektion, um die Aufmerksamkeit erneut auf 
sie hinzulenken und so einem häufigeren Erkennen der Erkrankung die Wege zu 
ebnen. Leberneuralgieen weisen im allgemeinen durchaus den Typus der Gallen¬ 
steinkoliken auf und sind nur sehr schwer von ihnen zu unterscheiden. Die Be¬ 
teiligung des weiblichen Geschlechts praeponderiert, die Schmerzen treten anfalls¬ 
weise, allerdings oft in sehr regelmässigen Intervallen (Menses) auf und können 


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auch in ihrer Intensität denen der Cholelithiasis völlig gleichkommen. Die Begleit¬ 
erscheinungen sind ebenfalls sehr ähnliche, wenn auch die nervösen vielleicht etwas 
mehr im Vordergründe stehen, so z. B. Hyperaesthesie der Bauchhaut u. dergl. Die ver¬ 
schiedensten Veranlassungen, wie Aufregungen, Diätfehler, Tabakmissbrauch etc. etc. 
können einen Anfall auslösen, und selbst ein, allerdings geringer, Icterus ist in 
seltenen Fällen beobachtet. Fieber und Abgang von Concrementen kommen natür¬ 
lich bei der nervösen Leberkolik nicht vor, auch muss der Mangel jeglicher lokal¬ 
entzündlichen Erscheinung bei noch so langem Bestehen der Affektion auffallen. 
Ausser diesen negativen Symptomen und den doch recht häufig auffallend starken 
nervös-hysterischen Begleiterscheinungen wäre für die Diagnose höchstens noch 
das gänzliche Versagen der gegen Cholelithiasis gerichteten Therapie zu verwerten. 
Dies macht auch die Erkenntnis der gen. Erkrankung praktisch so wichtig, weil 
natürlich ein Erfolg nur den am Nervensystem angreifenden therapeutischen Be¬ 
strebungen beschieden sein kann, während z. B. Karlsbader Kuren den Zustand 
eher noch verschlimmern, von nutzlosen operativen Eingriffen ganz zu schweigen. 

B. Oppler (Breslau). 

Friedmann: Die operative Behandlung der Lebercirrhose. (Centralblatt f. d. 

Orenzgebiete der Medizin u. Chirurgie, Nr. 15.) 

Verf. giebt nach einem kurzen historischen Ueberblick und einigen patho¬ 
logisch-anatomischen Bemerkungen eine Übersicht der bisher publizierten Fälle 
von operativer Behandlung der Libercirrhose und kommt dabei zu folgenden Re¬ 
sultaten: Die Wirkung der Operation ist zu erklären durch Kompensation des 
Stauungsmomentes in der Pfortader resp. die durch reichlichere Durchblutung 
gesteigerte Fähigkeit der Leber, die schädlichen Toxine zu vernichten. Die In¬ 
dikation besteht also bei Behinderung des Blutabflusses aus der Vena portae durch 
die Leber mit folgendem Ascites, doch müssen die Leberzellen hoch funktions¬ 
tüchtig sein. Die Operation selbst (Curettement des Peritoneums und Annähung 
des Netzes an die Bauchwand) ist als absolut ungefährlich zu bezeichnen. F. em¬ 
pfiehlt demnach die nach seiner Ansicht sehr zukunftsreiche Operation in allen 
geeigneten Fällen, wenn die medikamentöse Therapie und zweimalige Paracentese 
erfolglos geblieben sind. B. Oppler (Breslau). 

Althaus, W.: Ein Fall von Leberechinococcus mit Durchbruch in die Gallenwege. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 33.) 

Die vorliegende Beobachtung betrifft einen 38 jährigen Mann, der an schmerz¬ 
haften, kolikartigen, in Intervallen auftretenden und mit Ikterus und Fieber einher¬ 
gehenden Attacken litt, welche zunächst denVerdacht auf Cholelithiasis erweckten. 
Die Diagnose wurde erst völlig klar, als einige Wochen nach Beginn der zweiten 
grösseren Attacke zahlreiche geplatzte Echinococcenblasen von verschiedener Grösse 
mit dem Stuhlgang abgingen. Gleichzeitig besserte sich der Zustand, die vorher 
vergrösserte Leber verkleinerte sich, und 3 Wochen später fühlte sich Pat. wieder 
gesund. 

Der vor der Entleerung der Blasen bestehende starke Ikterus lässt A. ver¬ 
muten, dass die Perforation nicht direkt in den Darm, sondern zunächst in die 
Gallenwege stattgefunden hat und auf diese Weise eine spontane Heilung erfolgt 
ist. Schade (Göttingen). 

Foges: Lebercardnom und Gravidität (Centralblatt f. d. Grenzgebiete der Medicin 

und Chirurgie, Nr. 9.) 

Fünf Fälle, 4 aus der Litteratur und 1 eigener, werden beschrieben. 

In allen Fällen entwickelte sich der Tumor während der Schwangerschaft 
und gab zu hochgradiger Kachexie Anlass, die Mutter überlebte den Partus meist 


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nur wenige Tage, in einem Falle 1 Monat. Die Geburt erfolgte 1—3 Monate vor 
dem normalen Termin und zwar nur in einem Falle ganz spontan. Von den 
Kindern wurden 2 tot geboren, 2 lebten kurze Zeit und 1 war gesund und blieb 
es auch weiterhin. Nur in einem Falle fand sich eine Metastase im Uterus, und 
in demselben wurde auch am linken Knie des Kindes »eine rotgefärbte Ge¬ 
schwulst beobachtet, welche eine überraschende Uebereinstimmung mit dem 
Bau der mütterlichen Geschwulst zeigte«. B. Oppler (Breslau). 

Ein Fall von subphrenischem Abscess. Nürnberger med. Gesellschaft und Poliklinik. 

Sitzung vom 17. Mai. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 33.) 

Hein lein demonstriert die anatomischen Präparate von einem 56 jährigen 
Manne, bei dem sich im Anschluss an einen infolge Perforation eines Krebs¬ 
geschwüres der kleinen Curvatur entstandenen Abscess des linken Leberlappens 
ein subphrenischer Abscess entwickelt hatte. Die Diagnose war intra vitam durch 
Probepunktion gestellt, die Operation aber verweigert worden. An dem Präparat 
sah man die krebsige Magenpartie mit der Unterfläche des linken Leberlappens 
verschmolzen, während von dessen Oberfläche der Durchbruch in den subphreni¬ 
schen Raum erfolgt war. Schade (Göttingen). 

Schwalbe: Beobachtung eines Falles von Hernia diaphragmatica vera. (Centralblatt f. 
allgem. Pathologie und patholog. Anatomie, Nr. 8.) 

Beschreibung eines der seltenen Fälle von Hernia diaphragmatica vera, die 
übrigens während des Lebens keinerlei Symptome gemacht hatte. Der Tod war 
an Darmtuberkulose erfolgt. Der Bruchsack war durch den Hiatus oesophageus ins 
hintere Mediastinum vorgestülpt, faustgross, mit der hinteren Fläche des Oesophagus 
verwachsen und enthielt einen Teil des Magenfundus sowie des mit kolossalen 
Fettmassen durchsetzten Omentum majus. Verf. glaubt, dass zum mindesten eine 
abnorme Weite des foramen oesophageum angeboren war, dass aber der Bruch 
allmählich mit dem Wachstum des Individuums gewachsen ist. Da eine mässige 
Kompression des Oesophagus von vorn nach hinten stattfand, so hätten wohl ge¬ 
ringe Stenosenbeschwerden entstehen können. B. Oppler (Breslau). 

Aichel, 0. (Erlangen): Zur Kenntnis der Nebennieren. (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 36.) 

Verf. giebt hier in Kürze die Resultate seiner Untersuchungen über Ent¬ 
stehung und Anatomie der Nebennieren wieder. Die Nebennieren haben mit dem 
Sympathicus nichts zu thun, ihre erste Anlage geht aus einem Abschnitt der Ur- 
niere hervor. Die im breiten Mutterbande und in der Nähe des Hodens ge¬ 
fundenen accessorischen Nebennieren sind den normalen Organen des Menschen 
zuzurechnen, mit ihnen stehen wohl bisher unerklärte Geschwulstbildungen in 
diesen Gegenden in Zusammenhang. Bei Fällen von Addison ohne Erkrankung 
der gewöhnlichen Nebennieren und solchen, in denen trotz Fehlens der Neben¬ 
nieren oder schwerer Erkrankung derselben kein Addison auftrat, muss auf die 
Untersuchung dieser accessorischen Nebennieren, für die Verf. den Namen Mar¬ 
ch and’sehe Nebennieren vorschlagt, grosses Gewicht gelegt werden. Das Aus¬ 
bleiben der tödlichen Wirkung, wenn man nicht beide Nebennieren in einer Sitzung, 
sondern eine geraume Zeit nach der ersten die zweite entfernt, ist durch das 
vikariierende Eintreten der March and’sehen Nebennieren erklärlich. Die ana¬ 
tomischen Ergebnisse werden uns der Lösung der Frage nach der Funktion der 
Nebennieren nicht näher bringen. Waldvogel (Berlin). 

Lindemann: Ueber das Wesen der toxischen Nephritis. (Centralblatt für allgemeine 
Pathologie und pathol. Anatomie, Nr. 9.) 

Nachdem Verf. früher gezeigt, dass das Serum eines Tieres, dem wieder- 


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holt zerstossene Nieren einer anderen Tierart injiciert sind, für diese, in die Blut¬ 
bahn eingeführt, als kräftiges Nierengift wirkt, geht er diesmal einen Schritt 
weiter. L. vergiftete Hunde mit Kal. bichrom. und fand, dass ihr Serum auf andere 
gesunde Hunde als ein starkes Nierengift wirkt. Es entsteht eine bedeutende 
Albuminurie, und auch die letale Dosis ist nicht übermässig hoch. Es findet sich 
eine akute haemorrhagische Nephritis, welche keineswegs etwa auf im Blute zu¬ 
rückgehaltene Chromsäure bezogen werden kann. Eine kurzdauernde Immunität 
scheint nach überstandener Vergiftung zu bestehen; andere Nierengifte haben, wenn 
auch in schwächerem Masse, dieselben Eigenschaften. B. Oppler (Breslau). 

Magnus, R.: lieber Diurese. Vergleich der diuretischen Wirksamkeit iso¬ 
tonischer Salzlösungen. (Archiv f. exper. Path. u. Pharmak., Bd. 44, H. 5. 6.) 

Verf. kommt am Schlüsse seiner ausführlichen Arbeit, auf die in ihren 
Einzelheiten an dieser Stelle nicht eingegangen werden kann, zu folgenden Re¬ 
sultaten : 

1) Der Vergleich der diuretischen Wirkungen isotonischer Lösungen von 
NaCl und Na 2 S0 4 unter gleichen Bedingungen der intravenösen Injektion er- 
giebt das Resultat, dass Glaubersalz bei Kaninchen und Hunden fast doppelt so 
stark diuretisch wirkt als Kochsalz. Das Glaubersalz erweist sich dabei auch 
als fast doppelt so hamfähig. 

2) Analysiert man die einzelnen für die Diurese in Betracht kommenden 
Faktoren, so ergiebt sich, dass der Grund der stärkeren diuretischen Wirksamkeit 
des Glaubersalzes in keiner der ausserhalb der Niere selbst gelegenen Bedingungen 
gefunden werden kann, denn weder ruft Glaubersalz eine stärkere Blutverdünnung 
hervor als Kochsalz, noch kreist ein grösserer Bruchteil von dem eingeführten 
Salze in der Blutbahn. Ebensowenig bieten die Kreislaufverhältnisse Unterschiede 
dar. Vielmehr ruft Na 3 S0 4 bei gleicher Blutverdünnung, bei gleicher Verteilung 
und bei gleichem Capillardruck die stärkere Diurese hervor. 

3) Es lässt sich also in den genannten Bedingungen die Ursache der ver¬ 
schiedenen Wirksamkeit der beiden Salze nicht finden, folglich muss der Angriffs¬ 
punkt der verschiedenen Wirkung in den secernierenden Elementen der Niere 
selbst gesucht werden. 

4) Man muss auf Grund der Ergebnisse annehmen, dass sowohl für das 
Wasser als auch für die einzelnen Salze im Blute eine Sekretionsschwelle besteht, 
deren Ueberschreitung den Eintritt der Diurese zur Folge hat. Schon die Blut¬ 
verdünnung allein kann Diurese erzeugen = Wasserdiurese, zweitens kann die 
alleinige Zunahme eines Salzes im Blute Hamflut hervorrufen = Salzdiurese. 
Bei der intravenösen Injektion starker Salzlösungen wirken die beiden Momente 
zusammen = combinierte Salz- und Wasserdiurese. Hagenberg (Göttingen). 

Jolles, A. und Winkler, F.: Ueber die Beziehungen des Harneisens zum Bluteisen. 
Aus dem chem.-mikroskop. Laboratorium von Dr. M. und Dr. Ad. Jolles in 
Wien. (Archiv f. exper. Path. u. Pharm., Bd. 44, H. 5. 6.) 

Die bislang vorliegenden Angaben über den Eisengehalt im normalen Urin 
sind sehr schwankende und weit auseinandergehende; spärlich ist die Litteratur 
über die Eisenmenge in pathologischen Harnen. 

Bei einer Reihe von gesunden und kranken Menschen wurden Bestimmun¬ 
gen des Blut- und Harneisens vorgenommen. Zur Bestimmung im Harne wurde 
die titrimetrische Methode (Reduktion der Eisenlösuug mit Zink und Titration mit 
Permanganat) angewandt und ausserdem zur Kontrolle die Methode von Gottlieb 
(Ausfällung des Eisens in saurer Lösung als Berlinerblau, Zerlegung des Nieder¬ 
schlages durch Kalilauge, wiederholte Lösung des Niederschlages von Eisenoxyd 
in verdünnter Salzsäure und Fällung mit Ammoniak) oder die von einem der Verff. 
in Vorschlag gebrachte gewichtsanalytische Methode benutzt (Abscheidung des 


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Eisens durch eine konzentrierte Nitroso-/3-Naphthollösung als Ferrinitrosonaphthol, 
Glühen des Niederschlages bei Luftzutritt, bis die Kohle verbrannt ist, und 
Wiegen des gebildeten Eisenoxyds). Die Eisenbestimmung im Blute erfolgte 
mittels des J o 11 e s’ sehen Ferrometers. 

Es ergab sich dabei, dass die Eisenausscheidung beim gesunden Er¬ 
wachsenen bei gewöhnlicher Nahrung 8 mg im Mittel beträgt, und dass der 
Eisencoefficient, welcher dem Verhältnisse zwischen Harneisen und Bluteisen ent¬ 
spricht, im Mittel gleich 100 zu setzen ist. 

Eine auffallende Vergrösserung der Eisenausscheidung war bei schwerer Anämie, 
bei Schrumpfniere, im Gichtanfalle und beim Diabetes festzustellen. Die geringsten 
Werte für den Eisencoefficienten zeigten sich beim Diabetes und bei Anämie, 
welch letzterem ein verhältnismässig hoher Wert bei der Chlorose gegenübersteht. 
Im auffälligen Gegensatz zu den abnormen Werten beim Diabetes und Gicht¬ 
anfalle stehen die bei der alimentären Glykosurie und bei der harnsauren Diathese 
in der anfallsfreien Zeit gefundenen normalen Mengen Eisens. 

Hagenberg (Göttingen). 

Cloetta: Kann das medikamentöse Eisen nur im Duodenum resorbiert werden? Aus 
dem anatomischen Institut der Universität Zürich. (Archiv für experiment. Patholog. 
und Pharmakologie, Bd. 44, H. 5. 6.) 

Nach den Untersuchungen von Hochhaus und Quincke steht es fest, dass 
die Resorption des medikamentös gereichten Eisens nur im Duodenum stattfindet. 
Es ist aber nie von dieser Seite betont worden, dass die Resorptionsfähigkeit für 
Fe-haltige Verbindungen nur diesem Darmabschnitte zukäme; trotzdem wird all¬ 
gemein nur dem Duodenum diese Eigenschaft zugeschrieben. Der Grund dafür, 
dass unterhalb des Duodenums die Resorption aufhört, liegt nach der Ansicht 
C.’s darin, dass die als Albuminate resp. Acidalbuminate aus dem Magen in den 
Darm übertretenden sehr labilen Fe-Verbindungen durch die sich ins Duodenum 
ergiessenden alkalischen Sekrete gefällt werden und so nicht mehr resorbiert werden 
können. Um zu prüfen, ob das Duodenum allein die Resorptionsfähigkeit besitzt, 
benutzte C. ein EisennukleYn, von dem durch vorherige Magenverdauung zu er¬ 
warten war, dass es der Verdauung im Magen Widerstand leisten und als solches 
in den Darm gelangen würde. Als Versuchstiere dienten weisse Mäuse, die nach 
längerer Zeit mit eisenarmer Nahrung mehrere Tage hindurch Fe-Nuklein zu 
1—1,2 mg pro die erhielten. Bei allen Tieren zeigte sich in dem in Serien¬ 
schnitten untersuchten Darmtractus, dass sich die Fe-Reaktion weit über das Duo¬ 
denum hinaus erstreckte und zwar mit gleicher Stärke in einer Ausdehnung vom 
Pylorus an, welche der dreifachen Länge des Duodenums entsprach. Neben den 
alkalischen Darmsekreten (Darmsaft, Pankreas) glaubt C. noch die Galle dafür 
in Anspruch nehmen zu dürfen, dass das Eisen eine Veränderung in seiner Ver¬ 
bindung erleidet und ausfällt. 

Die gleiche Ausdehnung und die gleiche Intensität der Resorption konnte 
auch bei anämisch gemachten Tieren beobachtet werden, ohne dass man etwa 
eine aus Zweckmässigkeit intensivere Resorption nachweisen konnte. 

Hagenberg (Göttingen). 

Becker, Ph. F.: Bemerkungen zur prognostischen Bedeutung der Diazoreaktion Tuber¬ 
kulöser. Aus d. inneren Abt. (Oberarzt Prof. Dr. Dinkler) des Louisenhospitals 
zu Aachen. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 35). 

Verf. wendet sich gegen die von Michaelis in Nr. 13 der Berliner klin. 
Wochenschr. vertretene Anschauung, dass man Phthisen mit deutlich positiver 
Diazoreaktion von der Anstaltsbehandlung ausschliessen solle. Wenn M. mit den 
Worten: »leichte Phthisen geben uns so gut wie nie eine Diazoreaktion, und auch 
eine Andeutung derselben ist bei diesen äusserst selten«, selber anerkenne, dass es 


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auch leichte Formen von Phthisen mit positiver Reaktion gebe, so sei es un¬ 
gerechtfertigt, von dem Ausfall der Diazoreaktion die Aufnahme in Volksheilstätten 
abhängig zu machen. Auch B. verfügt über einige derartige Fälle, deren Kranken¬ 
geschichten mitgeteilt werden. — Ausserdem trägt Verf. an der Zuverlässigkeit 
der Reaktion Bedenken, deren Ausfall sich häufig gar nicht mit Sicherheit ent¬ 
scheiden lasse. Selbst das von M. angegebene Merkmal des Spätniederschlags 
— in zweifelhaften Fällen rät M., die Probe stehen zu lassen und zu beobachten, 
ob sich ein dunkelgrüner Niederschlag bildet — kann B. auf Orund seiner Unter¬ 
suchungen als ein unzweifelhaftes Zeichen des positiven Ausfalls der Reaktion 
nicht anerkennen. Schade (Oöttingen). 

Jolles, A.: Ueber eine neue volumetrische Methode zur quantitativen Bestimmung der 
Purinbasen im Harn. Aus dem chem.-mikroskop. Labor, von Dr. M. und Dr. A. 

Jolles in Wien. (Centralbl. für innere Med., Nr. 36.) 

Das neue von J. zur Bestimmung der Purinbasen im Harn empfohlene 
Verfahren beruht auf einer volumetrischen Bestimmung des Hamsäure-N einerseits 
und des Harnsäure- und Purinbasen-N anderseits, deren Differenz die Menge 
des Purinbasen-N ergiebt. 

Das Verfahren ist dabei folgendes: 100 ccm Harn, der eiweissfrei sein 
muss* werden mit je 10 ccm ammoniakalisdier Silbernitratlösung und Magnesia¬ 
mischung versetzt, auf der Säugpumpe abfiltriert und mit schwach ammoniakalischem 
Wasser chlörfrei gewaschen. Der Niederschlag wird dann quantitativ in ein 
Becherglas übergespült. Das in dem Niederschlage befindliche Ammoniak wird 
durch Hinzufügung von Magnesia usta und leichtes Erwärmen ausgetrieben. 
Dieser nunmehr ammoniakfreie Silbemiederschlag wird nach Ansäuerung von 
20—30 ccm Schwefelsäure von 1,4 Dichte erwärmt und mit 8—32 ccm einer 
0,8% Permanganatlösung oxydiert. Man setzt von dem Permanganat so¬ 
viel zu, bis der letzte Permanganatzusatz nach VaStimdigem Kochen nicht 
mehr verschwindet. Nach vollendeter Oxydation bringt man die Flüssig¬ 
keit quantitativ in ein Entwickelungsgefäss, fügt bis zur schwach alkalischen 
Reaktion konzentrierte Natronlauge zu und führt die N-Bestimmung jetzt volu¬ 
metrisch aus. Die volumetrische N-Bestimmung ist vom Verf. in der Zeitschrift 
für physiolog. Chemie Bd. 29 p. 222 bei der Harnsäurebestimmung ausführlich 
dargelegt. Will man aus dem voluminösen Silbemiederschlage nicht direkt die 
Bestimmung der Purinbasen machen, so löst man ihn mit Schwefelalkali auf, filtriert, 
spült mit heissem Wasser nach und schreitet jetzt nach Ansäuerung zur Oxydation. 

Hagenberg (Oöttingen). 

Schilling: Bedeutung der makro- und mikroskopischen Untersuchung der Faeces. 

(Berl. klin. Wochenschr., Zeitschr. f. prakt. Aerzte, Nr. 15.) 

Verf. empfiehlt den allgemeine Praxis treibenden Aerzten die regelmässige, 
wiederholte Untersuchung des Kotes, die häufig allein die Basis einer rationellen 
Diagnose bilde, und giebt eine kurze, praktische Darstellung der hier in Betracht 
kommenden Technik auf Grund eigener Erfahrung. Pickardt (Berlin). 

Radaeli: Sul ricambio materiale nella sifilide recente. (Ueber den Stoffwechsel bei 
frischer Syphilis.) (Lo Sperimentale, Fase. 3.) 

Bei frischer Syphilis ist der Eiweisszerfall gesteigert. Es tritt ein bemerkens¬ 
werter Grad von Stickstoffverlust ein, insbesondere zur Zeit des Auftretens der All- 
gemeinerscheinungen — so gut wie nicht in der II. Incubationszeit. Temperatur¬ 
erhöhung ist hierbei selten. Quecksilberkuren verlangsamen den Eiweisszerfall 
und stellen das Gleichgewicht in der Sticktoffbilanz wieder her. Die Absorption 
vom Darme aus ist zur Zeit der Allgemeinerscheinungen geringer als in der Zeit 


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der II. Incubation bezw. der Quecksilberkur. Schwefelsäure und Phosphorsäure 
zeigen dasselbe Verhalten wie der Stickstoff. Rothschild (Soden a. T.) 

Muck, 0.: Ueber das Vorkommen von Rhodan im Nasen- und Conjunctivalsekret 
Aus d. Ohren- u. Kehlkopfklinik in Rostock. (Munch, med. Wochenschr., Nr. 34.) 

Bei der Bedeutung, welche die Rhodanverbindungen durch neuere Unter¬ 
suchungen (Edinger u. a.) für den Organismus zu gewinnen scheinen, verdient 
die vorliegende Mitteilung über das Vorkommen von Rhodan im Nasen- und Con¬ 
junctivalsekret der Beachtung. M. gelang es, in beiden Sekreten Rhodan nach¬ 
zuweisen; betreffs des im Nasensekret vorkommenden Rhodan konnte er den Be¬ 
weis führen, dass derselbe weder aus dem Speichel, noch aus dem Thränensack- 
sekret stammt, sondern in der Nase selbst ausgeschieden wird. Die schon länger 
bekannte bakterientötende Eigenschaft der Thränenflüssigkeit ist nach M. mög¬ 
licherweise auf ihren Oehalt an Rhodan zurückzuführen; in Uebereinstimmung 
damit will M. in mehreren Fällen von Ozaena einen auffallend geringen Rhodan¬ 
gehalt im Speichel wie im Nasensekret konstatiert haben. 

Der Nachweis geschah mit Hilfe der bekannten Eisenchloridreaktion sowie 
nach einer weniger bekannten* von Solera angegebenen, sehr empfindlichen Me¬ 
thode mittels Jodsäure; letztere wird durch Rhodan reduciert, das ausgeschiedene 
Jod durch Stärkekleister nachgewiesen. Schade (Göttingen). 

Engelhardt, A.: Neuritis optica bei Chlorose. Krankheitsverlauf und Tod unter den Symp¬ 
tomen eines Hirntumors. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 36.) 

Bei einem 18jährigen Mädchen fanden sich Stauungspapille mit Atrophie, 
enorm heftige Kopfschmerzen, Schlafsucht, allgemeine Krämpfe, Schwindel, 
Anaesthesie der ganzen rechten Körperhälfte, rechtsseitige zeitweise schwindende 
Hemiplegie der Extremitäten. Der diagnosticierte Hirntumor fand sich bei der 
Autopsie nicht, sondern nur Anaemie des Gehirns. Unter Beibringung von Fällen 
aus der Litteratur, in denen sich bei schwerer Chlorose Neuritis optica fand, 
nimmt Verf. an, dass die Chlorose der Grund dieser schweren Erscheinungen 
war; sie erzeugte die Stauungspapille und führte durch Anaemie des Gehirns zur 
funktionellen Neurose. Die Verkennung der Krankheit hatte verhindert, die Pa¬ 
tientin, welche an Inanition starb, künstlich zu nähren. Gewiss ein lehrreicher 
Fall! Waldvogel (Berlin). 


Originalbtricbt über den Kongreß polnitcber Herfte 
und DaturforTcber in Krahau 

(vom 20—25. Juli d. J.) 

erstattet von Dr. Alexander Simon (Wiesbaden). 

(Fortsetzung und Schluss.) 

Das Thema: »Ueber die Behandlung des runden Magengeschwürs« be¬ 
sprachen Gluzinski und Rydygier (Lemberg). Aus Gluzinski’s Schlusssätzen 
seien folgende wiedergegeben: 

1) eine besondere Aufmerksamkeit verdienen Fälle von Magensaftfluss mit 
herabgesetzter motorischer Funktion des Magens, denn dies sind meistens 
Spätstadien eines Geschwürs; die motorische Schwäche entsteht hier durch 
funktionelle oder mechanische Verengerung des Pylorus; 

2) wo mechanische Verengerung des Pylorus besteht, ist möglichst rasche 
chirurgische Hilfe angezeigt; 

3) der Operation hat eine zweckentsprechende Vorbereitung voranzugehen; 

4) der Operation muss eine längere interne Nachkur folgen; 


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5) der Durchbruch des Geschwürs gebietet unbedingt einen chirurgischen Eingriff, 
obwohl auch sein Erfolg zweifelhaft ist, denn die meisten Durchbrüche er¬ 
folgen an der hinteren Magenwand; 

6) wir besitzen kein diagnostisches Symptom zur Sicherstellung, wann bei 
einer Magenblutung operiert werden soll; die meisten enden günstig bei 
innerer Behandlung. 

Prof. Rydygier, welcher den chirurgischen Teil übernahm, verlangt 
richtige Vorbereitung des Kranken zur Operation und frühzeitiges Ausführen der¬ 
selben, was er statistisch begründet. Als absolute Indicationen für chirurgische 
Eingriffe giebt er an: 

1) funktionelle Verengerung des Pylorus bei erfolgloser innerer Behand¬ 
lung; 2) Narbenstenosen des Pylorus; 3) die carcinomatöse Entartung des Ge¬ 
schwürs; 4) Perforationen; 5) Blutungen, sowohl geringe bei ihrer häufigen Wieder¬ 
holung, als auch einmalige, aber sehr heftige. Bezüglich der Operationsmethoden 
hält er die Pylorusresektion für die Operation der Zukunft, für den Haupt¬ 
eingriff, die Gastroenterostomie dagegen für einen Notbehelf. 

Rencki (Lemberg) sprach: »lieber die Funktionen des an Ulcus rotundum 
erkrankten Magens nach chirurgischen Eingriffen«, wobei er betont, dass die mo¬ 
torische Funktion nach Gastroenterostomie zur Norm zurückkehren kann, weniger 
konstant betrifft dies die Lage und das Volumen des Magens. Die sekretorische 
Funktion hängt vom Zustande der Schleimhaut vor der Operation ab. Die Hyper- 
chlorhydrie und der Magensaftfluss werden gehoben, wenn sie infolge dauernder 
Reizung der Schleimhaut durch stagnierende Speisereste entstanden sind; ja es 
kann zu Hypochylia gastrica und schleimigem Katarrh kommen, wenn sich eine 
Schleimhautatrophie oder carcinomatöse Degeneration hinzugesellt haben. Es 
giebt jedoch Fälle, wo Magensaftfluss und Hyperchlorhydrie unverändert nach 
der Gastroenterostomie bestehen bleiben. Die Galle fliesst gewöhnlich nach dieser 
Operation in den Magen zurück. In den Fällen, wo der Pylorus reseciert wurde, 
fand eine Beschleunigung der motorischen Thätigkeit statt, der Magensaftfluss 
nahm aber nicht ab und gab Anlass zur Entstehung eines neuen Geschwürs. R. 
hält die primäre Reich mann’sehe Gastrosucorrhoea für eine grosse Rarität, in 
der Mehrzahl der Fälle, wenn nicht immer, ist sie ein Symptom des Geschwürs. 
Auch der sog. saure Magenkatarrh vonjaworski tritt nur sehr selten selbständig 
auf, gewöhnlich begleitet er das Magengeschwür. 

Prof. Browicz (Krakau): Pathogenese des Ikterus. V. gelangt auf 
Grund seiner experimentellen und pathologisch-anatomischen Untersuchungen zu 
folgenden Ergebnissen: 

1) die Ursache der Gelbsucht beruht auf einer gesteigerten Funktion der ge¬ 
sunden Leberzellen, welche durch gewisse Reize die Fähigkeit erhalten, 
grössere als normaliter Mengen Haemoglobin aufzunehmen und mehr Galle 
resp. Gallenfarbstoff zu produzieren; 

2) die abnorm vermehrte Menge Galle wird von den Zellen nur, so lange sie 
noch intakt sind, nach den capillärenGallengängen ausgeschieden; von hier 
und auch direkt von den Wandungen der intralobulären Blutgefässe aus 
gelangt die Galle in den Blutstrom; 

3) die mechanische Verhinderung des Gallenabflusses wirkt nur insofern, als 
dadurch eine Stase der intralobulären Venen eintritt, was den vermehrten 
Haemoglobinbedarf der Zelle deckt; 

4) die Galle gelangt in den allgemeinen Blutstrom auf dem Wege der intra¬ 
lobulären Capillargefässe, zum geringen Teile nur auf dem Wege der die 
gröberen Gallenwege umspinnenden Lymphnetze. 

Zawadzki: »Milchdiät bei Magen- und Darmkrankheiten«. Als aus¬ 
reichend zur Gleichgewichtserhaltung eines Menschen von 70 kg Gewicht muss 
3410 g Milch angesehen werden, die 2000 Kal. Wärme liefern; von der konden¬ 
sierten Milch, die um 50% weniger Wasser enthält, braucht nur die Hälfte ge 


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geben zu werden. Von anderen Milchprodukten werden empfohlen: Kephir, 
Kumys, Dickmilch, Topfen, Süssbutter. 

Sokolowski: »Demonstration von Anchylostomum duodenale-Präparaten«. 
Erster in Polen beobachteter Fall. 

E. Zielinski: »Ueber Degenerationserscheinungen im Körperbau Tuber¬ 
kulöser«. 

Roszkowski: »Eine neue Reaktion der Frauenmilch zur Feststellung des 
Säuglingsalters«. Die Frauenmilch erhält durch Zusatz von NH a nach einigen 
Stunden eine rosaviolette Farbe zum Unterschiede von Kuhmilch. Die Intensität 
der Verfärbung nimmt mit dem Alter des Säuglings zu, worauf die kalorimetrische 
Altersbestimmung beruht. 

Blonski: «Ueber desinficierendes Ricinusöl«. V. wendet seit Jahren zum 
Zwecke der Darmdesinfektion, besonders bei Infektionskrankheiten, Ricinusöl, dem 
Benzonaphtol zugesetzt wird, und zwar für Erwachsene in einer Menge von 
6* 2 /a7o, für Kinder bis 13 J. von 373% mit bestem Erfolge an. Zur Magen¬ 
desinfektion wird Resorcin (3 l /a— 1 6% %) zugesetzt; anstatt Benzonaphtol kann bei 
Erwachsenen Salol verwendet werden. 

Jez: »Organotherapie«. Geschichte und physiologische Begründung. 

K$dzior: »Ueber die Behandlung der Bleichsucht«. V. unterzog die ver¬ 
schiedensten Kurmethoden einer vergleichenden Untersuchung mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung des Blutbefundes und gelangt zur Einsicht, dass keine die specifisch 
wirkende Eisentherapie ersetzen kann. 

Adam Lande (Warschau): »Morbus Brightii ohne Hamveränderungen«. 
L. beschreibt 10 Fälle von »Nephritis sine Albuminuria et Cylindruria«, von denen 
4 durch mikroskopischen Befund einer Nephritis mixta post mortem Bestätigung 
gefunden haben und stellt die Behauptung auf, dass diese besonders bei Kindern 
nach Scharlach, aber auch nach akutem Darmkatarrh beobachtete Nephritisform 
ebenfalls bei Erwachsenen keine rara avis ist. 

Marischier: »Ueber die Wirkung des NaCl auf die Sekretion kranker 
Nieren«. M. findet, dass bei parenchymatösen Veränderungen das Kochsalz nor- 
maliter ausgeschieden wird, seine harntreibende Wirkung dagegen erheblich ver¬ 
mindert, bei interstitieller Nephritis dagegen gesteigert ist. 

Maybaum (Lodz): »Ueber Enteroptose und Ren mobilis«. V. bespricht 
die Geschichte der GI£nard’sehen Krankheit; die Ansicht von Litten über die 
Folgen des Druckes der rechten Niere auf das Duodenum wird bestritten, ebenso 
der Nutzen der Bandagen. Der diagnostische Wert der X. Rippe als costa fluc- 
tuans wird erwogen. 

Skusiewicz giebt »eine erleichterte Methode der quantitativen Harn¬ 
untersuchung« an, wobei die Menge der Bestandteile aus der Höhe des centri- 
fugierten Niederschlages bestimmt wird. 

Popielski; »Zur Physiologie des Plexus coeliacus«. Experimentell-kli¬ 
nischer Nachweis, dass Veränderungen im genannten Geflecht für die Entstehung 
mancher Symptome von Typhus, Cholera, Verbrennung, Magengeschwür in Be¬ 
tracht kommen. 

Popielski sucht in seiner Arbeit: »Ueber die Art der Wirkung des Pilo¬ 
carpins auf die Drüsen« nachzuweisen, dass das Pilocarpin nicht selbständig 
seläetionserregend wirkt, sondern nur die Erregbarkeit der Drüsennerven auf 
andere Reize steigert. 

Zanietowski: »Ueber Elektrisieren des Magens«. V. weist nach, dass 
sowohl die motorische als die sekretorische Funktion des Magens durch inneres 
und combiniertes'Elektrisieren gesteigert werden. 

Von anderen unser Gebiet streifenden Vorträgen möchte ich nur noch 2 
von Chelmonski (Warschau) erwähnen: 1) »Ueber spontane Rippenfrakturen 
bei Tuberkulösen und Marantischen«, 2) »Ueber den Einfluss nervöser Erregung 
auf den Verlauf der Tuberkulose«, 


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225 


Der nächstfolgende Kongress wird in Lemberg im Jahre 1903 tagen. Er¬ 
schöpfende Referate aller Vorträge erscheinen im Tageblatt des Kongresses. 


Besprechungen* 

Schwalbe, Ernst: Untersuchungen zur Blutgerinnung. Beiträge zur Chemie und 
Morphologie der Coagulation des Blutes. Braunschweig, Fr. Vieweg u. Sohn. 2,50 Mk. 

Ohne eine vollständige Monographie der Oerinnung zu geben, hat Verf. 
Pathologen und Physiologen einen wesentlichen Dienst geleistet. Eine geschicht¬ 
liche Zusammenstellung der Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Chemie 
der Blutgerinnung führt ihn zunächst zu dem Schlüsse, dass in chemischer Be¬ 
ziehung noch viel zu thun ist, dass aber der Vorgang der Oerinnung jetzt ein¬ 
facher zu sein scheint als anfangs. Durch eigene Untersuchungen werden die Unter¬ 
schiede zwischen Fibrinogen und Fibrinoglobulin hinsichtlich der Oerinnungs¬ 
temperatur, des ölycokollgehalts, des Verhaltens gegenüber dem Fermentzusatz 
und der Filtration durch Chambeoleinfilter festgestellt. Dann werden die An¬ 
schauungen über die Morphologie der Oerinnung bis zur Entdeckung der Blut¬ 
plättchen wiedergegeben; der- Frage nach der Oenese der Bluttplättchen ist ein 
besonderes Kapitel gewidmet. Verf. steht auf dem Standpunkt, dass sie Derivate, 
Zerfallsprodukte der Blutkörperchen sind, im wesentlichen der roten, zum Teil 
auch der weissen. Zur Beobachtung der extravaskulären Oerinnung wandte Verf. 
die Hollundermarkplättchenmethode an; die Vorgänge an den roten, den weissen 
Blutkörperchen, den Bluttplättchen, die Fibrinbildung werden genau geschildert. 
Ausgehend von dem Satz, dass, wenn die Veränderungen an den roten Blut¬ 
körperchen für die Gerinnung von wesentlicher Bedeutung sind, dieselben parallel 
gehen müssen mit der Intensität der Oerinnung, kommt er auf Grund von Experi¬ 
menten, indem er bald gerinnungshemmende, bald Gerinnung befördernde Agentien 
zum Blute setzte, zu dem Resultat, dass mit der Oerinnung des Blutes Zerfalls¬ 
erscheinungen an den roten Blutkörperchen verbunden sind, die als ein morpho¬ 
logischer Ausdruck der Oerinnung angesehen werden können, und dass, wo die 
Abschnürungserscheinungen an den roten Blutkörperchen im vermehrten Masse 
erscheinen, Gerinnung zustandekommt. Er stützt somit Arnolds Anschauungen. 

Waldvogel (Berlin). 


Zur Besprechung eingegangene Bücher. 

Oberdörfer, H. J. : Behandlung der Fettleibigkeit unter Berücksichtigung des Körper¬ 
gewichts im Verhältnis zur Körperlänge. Berlin, M. Richter. 16 S. 


Berichtigungen. 

In dem Originalartikel »Hamsäureausscheidung beim Diabetes mellitus« 
in Nr. 8 dieses Jahrganges muss Tab. III anstelle von Tab. II als Tab. II und 
Tab. II anstelle von Tab. III als Tab. III stehen. Waldvogel. Hagenberg. 

Zum Referat in Nr. 8 dieses Jahrganges: K. Grube: Beiträge zur Lehre 
vom Coma diabetic., ist nachstehende Litteraturangabe zuzusetzen: Archiv f. exper. 
Path, u, Pharmakol., Bd. 44, H. 5. 6. Hagenberg. 


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226 


7nbaltsver?eicbms. 

Original-Artikel: A. Finkeistein: lieber die therapeutische Verwendung 
des natürlichen Magensaftes S. 203. — Referate: Henrick, James B.: Notes on 
Diabetes S. 209. — Hager, O. (Magdeburg-N.): Zur Pathogenese der Gicht S. 210. 

— Offer: Diätetische Behandlung der Stoffwechselkrankheiten S. 210. — Mensi, 
E., Sulla digestione degli amilacei nei primi mesi della vita. (lieber Amylaceen- 
verdauung in den ersten Lebensmonaten) S. 210. — Bendix, Bernhard: Bei¬ 
träge zur Ernährungsphysiologie des Säuglings. I. Der Einfluss der Gravidität 
auf die Milchabsonderung bei der Frau S. 210. — lieber die Methoden zur 
Milchabkochung und die nach dieser Richtung zu stellenden Anforderungen S.210. 

— Beck, Max: Experimentelle Beiträge zur Untersuchung über die Marktmilch 
S. 211. — Helm, Wilhelm: Gewinnung und Absatz von frischer tuberkelbacillen- 
freier Trinkmilch (Eismilch) S. 211. — Müller, Johannes: Ueber den Zungen¬ 
belag bei Gesunden und Kranken S. 212. — Ueber einen Fall von Oesophagus- 
divertikel S. 213. — Rosenfeld, Georg (Breslau): Zur Topographie und Diagnostik 
des Magens S. 213. — Ueber einen Fall von Sanduhrmagen S. 213. — Heine: 
Dilatatio ventriculi acuta S. 213. — Martius: Ueber Pflege und diätetische Be¬ 
handlung Magenkranker mit besonderer Berücksichtigung der Achylia gastrica 
S. 213. — Schenk, Arthur: Die Hydrotherapie des Darmtraktes mittels Enteroklyse 
S. 214. — Wechsberg: Ueber einen seltenen Ausgang einer Darminvagination 
S. 215. — Neustadt: Beitrag zur Indikationslehre der Blinddarmentzündung S. 215. 

— De Matteis, P.: Sui microorganismi degli ascaridi lombricoidi e loro azione 
patogena. (Ueber pathogenische Wirkung der Mikroorganismen des Ascaris 
lumbricoides) S. 215. — Balzer und Alquier: Rechte ä gonococques S. 215. — 
Walz, Carl: Ueber die normale »respiratorische Leberbiegung« und die Genese 
der sogenannten Exspirationsfurchen der Leber S. 216. — Fuchs, Theodor: Ueber 
Lebemeuralgieen S. 216. — Friedmann: Die operative Behandlung der Leber- 
cirrhose S. 217. — Althaus, W.: Ein Fall von Leberechinococcus mit Durchbruch 
in die Gallenwege S. 217. — Foges: Lebercarcinom und Gravidität S. 217 — Ein 
Fall von subphrenischem Abscess S. 218. — Schwalbe: Beobachtung eines Falles 
von Hernia diaphragmatica vera S. 218. — Aichel, O. (Erlangen): Zur Kenntnis 
der Nebennieren S. 218. — Lindemann: Ueber das Wesen der toxischen Nephritis 
S. 218. — Magnus, R.: Ueber Diurese. Vergleich der diuretischen Wirksamkeit 
isotonischer Salzlösungen S. 219. — Jolles, A. und Winkler, F.: Ueber die Be¬ 
ziehungen des Harneisens zum Bluteisen S. 219. — Cloetta: Kann das medika¬ 
mentöse Eisen nur im Duodenum resorbiert werden? S. 220. — Becker, Ph. F.: 
Bemerkungen zur prognostischen Bedeutung der Diazoreaktion Tuberkulöser 
S. 220. — Jolles, A.: Ueber eine neue volumetrische Methode zur quantitativen 
Bestimmung der Purinbasen im Harn S. 221. — Schilling: Bedeutung der makro- 
und mikroskopischen Untersuchungen der Faeces S. 221. — Radaeli: Sul ricambio 
materiale nella sifilide recente. (Ueber den Stoffwechsel bei frischer Syphilis) 
S. 221. — Muck, O.: Ueber das Vorkommen von Rhodan im Nasen- und Con- 
iunctivalsekret S. 222. — Engelhardt, A.: Neuritis optica bei Chlorose. Krank- 
neitsverlauf und Tod unter den Symptomen eines Hirntumors S. 222. — Original¬ 
bericht über den 9. Kongress polnischer Aerzte und Naturforscher in Krakau 
S. 222. -- Besprechungen: Schwalbe, Ernst: Untersuchungen zur Blutgerinnung. 
Beiträge zur Chemie und Morphologie der Coagulation des Blutes S. 225. — 
Zur Besprechung eingegangene Bücher S. 225. 

Hlpbabetitcb geordnetes Tnbaltsverjeicbnis. 

Abscess, subphrenischer S. 218. — Amylaceenverdauung S. 210. — Ascaris 
lumbricoides S. 215. — Blinddarmentzündung S. 215. — Chlorose S. 222. — Darm¬ 
invagination S. 215. — Darmtrakt S. 214. — Diabetes S. 209. — Diazoreaktion 
S. 220. — Diurese S. 219. — Eisen S. 219. 220. 230. — Faeces S. 221. — 
Gicht S. 210. — Hernia diaphragmatica S. 218. — Leber S. 216. — Leber¬ 
carcinom S. 217. — Lebercirrhose S. 217. — Lebemeuralgieen S. 216. — Leber¬ 
echinococcus S. 217. — Magen S. 203. 213. — Milch S. 210. 211. — Nebennieren 
S. 218. — Nephritis S. 218. — Oesophagusdivertikel S. 213. — Purinbasen S. 221. 
Rectitis S. 215. — Rhodan S. 222. — Stoffwechsel bei frischer Syphilis S. 221. — 
Stoffwechselkrankheiten S. 210. — Zungenbelag S. 212. 

Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 

Redakteur Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen einsenden. 


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Nr. 10 


Zweites September-Heft 1900. 1. Jahrgang. 


Central bl aff 

für 

Stoffwechsel- & Vertauungs-Kranftheifen 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 

Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nm. von 1 x /a—2 Bogen Umfang. Preis dieses ersten Jahrganges 15 Mark (vom zweiten 
Jahrgänge an, Jan.—Dec., 20 Mark bei halbjähriger Vorausbezahlung). Einzelne Nr. 1 Mark. Zu 
beziehen durch alle Buchhandlungen. Wo Verbindung fehlt, liefert die Verlagsbuchhandlung direkt. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1900 zu ergänzen.) 

Strümpell, A.: (Jeher Vorkommen und Diagnose der Gicht (Münch, med. Wochen- 

schr., Nr. 35.) 

In einer übersichtlichen und knappen Weise werden die für die Diagnose 
des akuten Oichtanfalles und der larvierten Formen diagnostischen Momente 
erörtert. 

Das basale Gelenk der grossen Zehe ist durch die gichtische Attacke be¬ 
vorzugt, und der erste Gichtanfall lokalisiert sich zumeist in diesem Gelenke. Die 
unteren Extremitäten werden leichter ergriffen, und an den oberen wie unteren 
Gliedmassen sind wieder die distalen Gelenke die häufiger afficierten. Der 
Prozess ist ein monoarticulärer oder zum mindesten ein oligoarticulärer. Die 
Anfälle zeichnen sich gegenüber den anderen Gelenkaffektionen durch ihre kurze 
Dauer aus. Von besonderer Bedeutung ist das typische Bild des erkrankten Ge¬ 
lenkes im akuten Anfalle. Den von Sydenham als charakteristisch hervorge¬ 
hobenen Begleiterscheinungen besonders vom Digestionstraktus ausgehend ist nach 
den Erfahrungen St.’s keine grössere diagnostische Bedeutung beizumessen. 

Bei den »larvierten« chronischen Formen der Gicht ist zur richtigen Be¬ 
urteilung jedes einzelnen Falles die Anamnese von Ausschlag gebendem Werte. 

Es kommen hier die chronischen, gichtischen Arthritiden in Betracht, welche 
leicht mit einer Arthritis deformans verwechselt werden; ferner gehören hierher 
die verschiedenen »Algieen« (Tarsalgie, Achillodynie, atypische Ischialgie) und die 
gichtische Schrumpfniere. Bei der letzteren führt die Erforschung der Aetiologie 
(Bleiintoxikation) zur richtigen Erkenntnis. Bei Erkrankungen des Herzens und 
der Arterien bei Gichtikern ist es nicht immer klar, ob es sich dabei um co- 
ordinierte oder von einander abhängige Prozesse handelt. Das häufige Neben¬ 
einandervorkommen von Diabetes, Fettsucht und Gicht muss stets, wenn eine 
dieser Anomalieen vorhanden ist, auch an die anderen denken lassen. 

ln ätiologischer Beziehung muss ein konstitutionelles Moment angenommen 
werden, das sich besonders in der hereditären Anlage zeigt. Zweifellos trägt 
der chronische Alkoholismus bezw. »Gambrinismus« bei vorhandener Anlage als 
äussere Schädlichkeit erheblich zum Ausbruch des gichtischen Prozesses bei. Eine 

Nr, 10, 


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228 


zweite toxische Schädlichkeit ist das Blei. Bei der Bleigicht tritt vor allem die 
Bleigicht-Schrumpfniere in den Vordergrund. Hagenberg (Göttingen). 

Canali: L'Urotropina nella cura della pielite calcolosa urica. (Urotropin bei Pyelitis 
calculosa urica.) Associazione Medico Chirurgica di Parma. Seduta 3. August. 

(Gazz. degli Osped. e delle Clin., Nr. 99, S. 1040.) 

Bei einem Krankeiv welcher seit drei Jahren an Nierenkoliken litt, dessen 
Urin Eiweiss, Eiterzellen und grosse Mengen kleinster Körnchen von Harnsäure 
enthielt, wandte der Autor Urotropin mit dem Erfolge an, dass der Kranke nach 
zehn Tagen mit dem Urin kleine Steinchen von Harnsäure zu entleeren begann. 
Die Schmerzen verschwanden, und nach einem Monat konnte er als geheilt ent¬ 
lassen werden. Infolge dieser Erfahrung hält der Autor das Urotropin mit Ni¬ 
colai er für ein wertvolles Heilmittel bei der harnsauren Diathese. 

Paganuzzi äussert sich in der Discussion dahin, dass das Urotropin 
dadurch wirke, dass es das Fortkommen der Mikroorganismen behindere, deren 
Anwesenheit zur Steinbildung erforderlich ist. 

Avanzini hat einen durch Calculosis urica hervorgerufenen Fall von 
Cystitis purulenta erfolgreich mit Urotropin behandelt. 

Rothschild (Soden a. T.). 

Zaudy: Ein »geheilter« Fall von Diabetes mellitus. Aus der medic. Univ.-Klinik in 
Göttingen (Dir. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ebstein). (Deutsche med. Wochenschr., 

Nr. 31.) 

Verf. teilt einen Fall von schwerem Diabetes mellitus mit, bei welchem es 
gelang, durch geeignete Diät und später durch Gaben von Salol (4 mal 1,0) den 
Zucker vollständig zum Schwinden zu bringen. Die Heilung ist keine momentane 
gewesen, sondern bestand auch noch weiter, als der Pat. wegen anderer Ursachen 
1 Jahr später in die Klinik wieder aufgenommen wurde. Trotzdem der Pat. jetzt 
keine Einschränkung in seiner Nahrung erfuhr, liess sich niemals Zucker im Urin 
nachweisen. 

Verf. glaubt, dem Salol in diesem Falle ein gut Teil des Heilerfolges zu¬ 
schreiben zu dürfen und fordert zu weiteren therapeutischen Versuchen mit diesem 
Mittel auf. Hagenberg (Göttingen). 

Meyer, Jacob: Ueber Lohnstein’s Präcisions-Saecharometer. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 36.) 

M. teilt einige vergleichende Zucker-Bestimmungen aus Urin mit dem 
Halbschattenapparate und Lohnstein’s Saccharometer mit, auf Grund deren er den 
Gebrauch des letzteren Apparates den Aerzten für die Praxis empfehlen zu können 
glaubt, obwohl die Gärung bei Brütofentemperatur von 37° C. erst nach 24 
Stunden vollendet war. Hagenberg (Göttingen). 

Kisch: Die ärztliche Ueberwachung der Entfettungskuren. (Berl. klin. Wochenschr., 

Nr. 39.) 

K. ist, wie wohl heutzutage alle Aerzte, der Ansicht, dass eine rationelle 
Entfettung, d. h. eine solche, bei der unter Schonung des Eiweissbestandes nur 
das Fett zum Schwinden gebracht wird, sich unter Leitung und Kontrolle des 
Arztes vollziehen müsse. Speisen und Flüssigkeiten sind genau nach Gewicht 
bez. Raummass vorzuschreiben unter Berücksichtigung der Thatsache, dass der 
fettreiche Organismus zu seiner Erhaltung eines geringeren Calorieengehaltes be¬ 
darf als der normale. Verf. verlangt für den »plethorischen Fettleibigen« 160 g Eiweiss, 
80 g Kohlenhydrate und 11g Fett, für den »anämischen« 200 g bez. 100 g bez. 12 g. 
Bei der letzteren Gattung ist bei Vorhandensein von Stauung, hydrämischen Zu- 


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229 


ständen etc. die Flüssigkeitszufuhr einzuschränken und die Menge des Getränks 
durch Differenzbestimmungen von Aufnahme und Ausscheidung unter Kontrolle zu 
halten. Zur Messung der Körperbewegung dient ein vom Pat. zu tragendes 
Pedometer; Körperwägungen und -Messungen (Umfang des Bauchs, der 
Schenkel etc.) sollen Ansammlung und Abnahme an den einzelnen Körperteilen 
beurteilen helfen. Dynamometer und Sphygmograph sind »wichtige Instrumente 
zur Vornahme der Entfettung«; zeitweilige Kontrolle der N-Ein- und -Ausfuhr 
nützlich. Von gleich grosser Bedeutung ist die Einwirkung auf die Psyche des 
Patienten. Pickardt (Berlin). 

Riegel, F.s Ueber den Einfluss des Morphiums auf die Magensaftsekretion. Aus der 

medic. Klinik in Giessen. (Zeitschr. f. kl. Medic., Bd. 40, H. 5. 6.) 

In Nr. 8 der Therapie der Gegenwart ist vom Verf. ein kurzer Auszug 
der hier ausführlich mitgeteilten Arbeit gegeben. Es wird auf das betr. Ref. in 
Nr. 8 dieses Jahrganges, Seite 189 verwiesen. Hagenberg (Göttingen). 

Riegel: Ueber die Anwendung schmerzstillender Mittel bei Magenkrankheiten. (Zeit¬ 
schrift für prakt. Aerzte, Nr. 17.) 

Bereits in mehreren Publikationen (s. z. B. dieses Centralblatt S. 189) war 
Riegel der Meinung entgegengetreten, dass man berechtigt sei, bei irgendwelchen 
krampfhaften Zuständen des Magens die grosse Reihe der Anodyna promiscue 
heranzuziehen, da sich aus Tierversuchen (an der Pawloff’sehen Fistel) und Er¬ 
fahrungen am Menschen ergeben hatte, dass jedem einzelnen Medikament eine 
bestimmte, nicht unerhebliche Wirkung auf die Saftsekretion zukomme. 

Die insbesondere in dieser Hinsicht studierten Alkaloide Morphin und 
Atropin z. B. verhalten sich einander völlig entgegengesetzt, derart dass neben der 
narcotischen Eigenschaft dem ersteren eine die Sekretion erregende, dem letzteren 
eine stark hemmende Wirkung zukommt. Hieraus erklären sich einerseits manche 
bisherige Misserfolge, wie sich anderseits bestimmte Indikationen für die An¬ 
wendung ergeben. Bei allen Cardialgieen, die mit Hyperacidität oder Hyper- 
chlorhydrie einhergehen, ist ein Belladonnapräparat, am besten Atropin subkutan, 
und zwar möglichst im Beginn der Schmerzanfälle, zu verordnen, das nicht nur 
die weitere Abscheidung abnorm sauren Sekrets hemmt, sondern voraussichtlich 
auch direkt lähmend die spastische Kontraktur des Pylorus aufhebt. 

R. hat zum Teil grosse Dosen Atropin, selbst bis zu 2,5 mg pro die ge¬ 
geben; die grösste Dauer der Applikation betrug 7 Tage. Eine länger währende 
Nachwirkung auf die Aciditätsgrösse war nicht mit Sicherheit zu konstatieren. 

Pickardt (Berlin). 

Fleiner, W.: Ueber Gallenblasenentzündung and davon abhängige Magendarmstörungen. 
Nach einem am 17. Juli im medic.-naturhistor. Verein zu Heidelberg gehaltenen 
Vortrage. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 38.) 

Die Arbeit bringt im ersten Teile ein kurze übersichtliche Darstellung der 
für die Entstehung der Cholecystitis in Frage kommenden Momente und erörtert 
die für die Diagnose wichtigen Punkte. Im zweiten Teile des Vortrages werden 
die von der Entzündung der Gallenblase abhängigen Magen- und Darmstörungen 
unter Mitteilung einiger Fälle näher ausgeführt. 

Durch diese Erkrankung der Gallenblase können nicht nur alle möglichen 
Krankheitsbilder vorgetäuscht werden, sondern auch wirklich durch sie bedingt sein: 
Gastralgieen, Erbrechen und Durchfälle, Hämatemesis und Meläna. Es kommt 
auch zur Bildung eines wirklichen Magen- oder Duodenalgeschwüres, selbst Dick¬ 
darmgeschwüres, durch perforierende Steine, und manche Blutungen sind wohl 
bei Gallensteinkranken auf derartige Perforationsgeschwüre zurückzuführen. 

Die chirurgische Behandlung der Gallensteine steht obenan, aber die 


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230 


interne ist keineswegs als nebensächlich und unwirksam zu betrachten. Kann der 
Interne im akuten Anfalle schon viel nützen, so ist es auch weiter für ihn eine 
dankbare Aufgabe, die nach dem Anfalle zurückgebliebenen Störungen des Di- 
gestionstractus neben Diät und alkalischen Wässern mit Magenspülungen und O e 1 - 
kuren mit Erfolg zu behandeln. Und gerade von diesen beiden letzteren me¬ 
thodisch durchgeführten Behandlungsweisen hatte F. gute Erfolge gesehen. Die¬ 
selben sind aber dann nicht anzuwenden, wenn es sich um eine stark hyperämische, 
vulnerabele Magenschleimhaut handelt, die zu capillären Blutungen neigt. In 
solchen Fällen Trinkkuren. Hagenberg (Göttingen). 

Strauss, H.: Ueber ernähningstherapeutisch wichtige Beziehungen des Fettes zn den 
einzelnen Funktionen des Magens. Vortrag gehalten auf dem internationalen med. 

Kongress zu Paris am 3. August. (Therap. d. Gegenwart, 9.) 

In früheren Arbeiten war schon von St. bei der Behandlung von Hyper¬ 
acidität und Motilitätsstörungen des Magens das Fett, speziell das Milchfett em¬ 
pfohlen worden, indem er nachweisen konnte, dass grössere Mengen dieses Fettes 
die Sekretionsenergie herabsetzen, den Aufenthalt der Nahrung im Magen nicht 
verlängern, dass ferner die Ausnutzung der Nahrung im Darm bei Hyperacidität 
nicht gestört wird, und dass schliesslich noch grössere Fettmengen angenehmer 
als die gleichen Mengen von Kohlenhydraten empfunden werden. Die neu mit¬ 
geteilten Untersuchungen beschäftigen sich mit dem Verhalten der Lab- und 
Pepsinproduktion, sowie des osmotischen Druckes unter dem Einflüsse grösserer 
Mengen von Milchfett und haben als Resultat, dass der Gehalt des Magensaftes 
an Labferment durch das Milchfett gesteigert, dass aber die Pepsinbildung nicht 
beeinflusst wird. Das letztere gilt noch für den osmotischen Druck. 

Die zahlreichen klinischen Erfahrungen mit der Feh diät (120—350 g pro 
die) bei Ulcus ventriculi, Hyperacidität und einer Reihe von Fällen von Hyper¬ 
sekretion und motorischer Insufficienz entsprechen den durch das Experiment ge¬ 
gebenen Erwartungen. Hagenberg (Göttingen). 

Strauss, H. u. Philippson, H.: Ueber die Ausscheidung enterogener Zersetzungsprodukte 
im Urin bei konstanter Diät. Aus der III. med. Klinik der Kgl. Charite (Dir. Geh. 

Rat Prof. Dr. Senator). (Zeitschrift f. kl. Medic., Bd. 40, H. 5. 6.) 

Die Untersuchungen sind an 31 Patienten, welche während der Versuchs¬ 
periode eine konstante Nahrung genossen, durchgeführt worden und beschränken 
sich auf die Feststellung der flüchtigen Fettsäuren, der aromatischen Oxysäuren, 
des Phenols und des Indicans, sowie der Aetherschwefelsäuren. 

Die Ausscheidung dieser genannten Körper scheint, wenn auch nicht 
immer, durch die Nahrung beinflusst werden zu können, wie aus den älteren 
Angaben anderer Forscher und den Befunden dieser Versuchsreihen hervorgeht. 
Die Zuführung von flüchtigen Fettsäuren in Form des buttersauren Natrons hat 
aber durchaus keinen Einfluss auf die Menge der ausgeschiedenen Fettsäuren; 
dieses gilt im Gegensätze zu den Herbivoren auch von den Camivoren, und man 
muss daher annehmen, dass diese Fettsäure im intermediären Stoffwechsel eine 
Umwandlung erfährt (s. u.). 

In Uebereinstimmung mit den Angaben anderer Hess sich eine Abnahme 
der Aetherschwefelsäuren nach Zuführung von Milchzucker feststellen. 

Beim normalen Menschen beträgt nach den mitgeteilten Bestimmungen 
der Mittelwert der flüchtigen Fettsäuren 59,0, für die aromatischen Oxysäuren 
und Hippursäure 6,0. Werte für die flüchtigen Fettsäuren unter 4,0 sind als 
abnorm niedrig und solche über 80 als abnorm hoch anzusehen; für die aroma¬ 
tischen Oxysäuren und Hippursäure sind 4—5 und 7—8 die entsprechenden 
Zahlen. Die Diurese hat keinen deutlichen Einfluss auf die Grösse der Aus¬ 
scheidung, ebensowenig ein diarrhoeischer Zustand. 


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231 


Anders liegen die Verhältnisse bei der Obstipation, bei welcher sich be¬ 
deutend höhere Mittelwerte für die flüchtigen Fettsäuren und die aromatischen 
Oxysäuren und Hippursäure und häufig ein positiver Ausfall der Phenol- und 
Indicanprobe finden; dies gilt im besonderen Masse für die Obstipation bei der 
Bleikolik. 

Die Magensaftsekretion übt auf diese Zersetzungsprodukte im Darm einen 
kaum merklichen Einfluss aus; höchstens in geringem Masse auf die Aether- 
schwefelsäure. 

Die Menge der im Darme gebildeten Zersetzungsprodukte ist viel grösser 
als sich im Harn nachweisen lässt. 

Der Organismus muss also die Fähigkeit besitzen, diese Stoffe umzu¬ 
wandeln, und im hohen Masse scheint der Leber diese Aufgabe zuzufallen, wie 
daraus hervorgeht, dass bei Erkrankungen des Leberparenchyms eine besonders 
deutliche Steigerung dieser Zersetzungsprodukte sich findet. Wir haben daher 
bei der Prüfung dieser Fragen mehr das »histiogene« Moment gegenüber dem 
»enterogenen« in den Vordergrund zu stellen. 

Eine Stütze findet die Lehre von den »intestinalen Autointoxicationen« 
nach diesen Auseinandersetzungen wohl kaum. 

Aehnliche transformatorische Verhältnisse müssen wir auch bei der soge¬ 
nannten »enterogenen« oder »alimentären« Form der Acetonurie annehmen, die, 
wie auch die Verff. wieder zeigen konnten, durch Zuführung von buttersauren 
Salzen entsteht. Bei der Streifung der Frage über die Entstehung des Acetons 
schliessen sich die Verff. denen an, welche das Fett als die Quelle desselben be¬ 
zeichnen. Hagenberg (Oöttingen). 

Blair Bell, W.: Acute infantile intussnsception, with spedal reference to treatment by 
primary laparotomy. (Edinburgh Med. Joum., July.) 

Die Wichtigkeit der Intussusception im Kindesalter illustriert Verf. durch 
folgende Zahlen: in 53% aller Fälle ist sie die Ursache der akuten Obstruktion, 
und in 70 % der Fälle endet sie tödlich. Während früher die Prognose absolut 
infaust lautete, hofft Verf., dass man in nächster Zukunft schon sagen werde: die 
Intussusception ist stets durch Operation heilbar. 

Nach einer kurzen Besprechung der Aetiologie und Symptomatik giebt er 
den Rat, besonders auf Blut- und Schleimabgang in allen Fällen von akuter Ver¬ 
stopfung und Erbrechen zu achten, dann aber nicht die weitere Entwickelung der 
Symptome abzuwarten, sondern, ohne viel Zeit mit Klysmen oder andern Mass¬ 
nahmen zu verlieren, sofort die Laparotomie zu machen. Die Laparotomie sollte 
als beste Behandlung die erste und einzige sein, und Verf. ist überzeugt, dass 
dann bei richtiger Nachbehandlung die Mortalität sehr sinken würde. Die In- 
cision soll da gemacht werden, wo man den Tumor fühlt oder vermutet; die Re¬ 
sektion ist bei frühzeitiger Operation fast stets überflüssig. 

Verf. führt als Stütze seiner Vorschläge drei von ihm operierte Fälle an, 
wovon einer in Folge zu spät vorgenommener Operation, einer in Folge unge¬ 
nügender Nahrungszufuhr nach der Operation letal endete. 

A. Hesse (Hamburg). 

Deiters: Ein geheilter Fall von multiplen Darmverletzungen. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 36.) 

Eine an Melancholie leidende Kranke der Andemacher Provinzial-lrren- 
anstalt brachte sich mit einer Nähscheere eine Verletzung am Unterleibe bei, 
wodurch der Darm an nicht weniger als 12 Stellen verletzt wurde. . Von den 
Aerzten der Anstalt wurden sofort die Verletzungen zwar nicht mit »einer der 
nur den Specialisten geläufigen kunstvollen Darmnahtmethoden, sondern mit ein¬ 
fachen Knopfnähten« sorgfältig vernäht. Trotzdem bei der Verwundung ein ver¬ 
hältnismässig sehr grosser Teil der Darmschlingen ausgetreten und durch die 


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Berührung mit unsauberen Kleidungsstücken zur Infektion die günstigste Gelegen¬ 
heit gegeben war, war der Heilungsverlauf ein fieberfreier und günstiger. 

Der Fall zeigt, dass man bei Darmverletzungen auch in den Fällen, in 
welchen kein Chirurg und kein chirurgisches Krankenhaus erreichbar sind, nicht 
den Mut sinken lassen soll. »Wenn man Glück hat, gelingt’s«. 

Hagenberg (Göttingen). 

Ochsner (Chicago): Ueber Verwendung ausschliesslicher Rectalernährung in akuten 
Appendidtisfällen. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 39.) 

Im akuten Stadium der Appendicitis ist prinzipiell Nahrungsenthaltung per 
os geboten und ausschliesslich rectal zu ernähren. Man erreicht dadurch, dass 
der Dünndarm sich dem Netz, das sich bei allen ernsteren Erkrankungen des 
Wurmfortsatzes um diesen herumschlingt, anschmiegt, so dass sich >>im schlimm¬ 
sten Fall ein umschriebener Abscess bildet«, der leicht zu öffnen ist. Ausserdem 
werden so am besten die afficierten Teile ruhig gestellt. 

Die Clysmen sind in Mengen von 150 cc drei- bis sechsstündlich zu verabfolgen; 
treten Reizungen der Rectalschleimhaut ein, so setzt man besser 12 Stunden aus. 
Zur Beseitigung etwaigen Brechreizes genügt meist eine Magenausspülung. 

Verf. wendet diese Methode ständig seit acht Jahren an und hat seitdem 
eine wesentliche Verbesserung seiner Erfolge zu verzeichnen. 

Pickardt (Berlin). 

Berliner, A. u. Cohn, M.: Klinische Beiträge zur Diagnose des Abdominal-Typhus. 
Aus der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain* zu 

Berlin (Prof. Dr. Kroenig). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 37.) 

Die innerhalb von 2 Jahren im Krankenhause zu F. vorgekommenen 45 Fälle 
von Unterleibstyphus haben mit besonderer Berücksichtigung der für die Diagnose 
wichtigen Momente eine Bearbeitung gefunden. Es nehmen hiervon hauptsächlich 
die mit der Gruber-Wida l’schen Serumprobe gemachten Erfahrungen unser Interesse 
in Anspruch. Die Reaktion wurde in einer Verdünnung von 1 : 30 angestellt, und 
es zeigte sich dabei, dass nur in einem Falle die Agglutination ausblieb, trotzdem 
es sich um einen klinisch sicher gestellten Fall von Unterleibstyphus handelte. 
Beobachtungen über den makroskopischen Ausfall der Probe bei Brutschrank¬ 
temperatur sind nicht gemacht. Bei einer in einem flachen Uhrschälchen herge¬ 
stellten Serum-Bouillon-Mischung Hess sich aber schon bei Zimmertemperatur nach 
etwa 30 Minuten zuweilen bei positivem Ausfall das Auftreten einer sternförmigen 
Figur beobachten, welche durch den Ausfall der Bakterien zustandekam. Die 
Mitteilung von Kraus, dass die Pneumococcentoxine die Fähigkeit besitzen, der 
agglutinierenden Wirkung des Typhusserums entgegenzuwirken, konnte in 2 Fällen 
von Typhus mit croupöser Pneumonie nicht bestätigt werden. 

Die Verff. glauben nach ihren Erfahrungen den positiven Ausfall der 
Serumprobe für die Diagnose Typhus als »fast eindeutig« annehmen zu können. 

Die übrigen Mitteilungen beziehen sich auf das Auftreten von Roseolen, 
Milztumor etc. und die bei diesen Fällen aufgetretenen Komplikationen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Des fi&vres typhoides k dlbut brusque. Soc. med. des hop. Seance du 8 juin. 

(La semaine med., Nr. 25.) 

Widal teilt einige Beobachtungen von Abdominaltyphus mit, die be¬ 
merkenswert sind durch einen plötzlichen schweren Beginn der Erkrankung, ähn¬ 
lich wie bei Pneumonie mit ausgesprochenem Schüttelfrost und heftigem Kopfschmerz. 
Solche Fälle zählen entschieden zu den Seltenheiten, ihr Vorkommen lehrt uns aber, 
auch bei nicht allmählichem und nicht schleichendem Beginn einer fieberhaften Er- 


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krankung mit der Möglichkeit eines Typhus abdominalis zu rechnen. Vincent, 
der ebenfalls plötzlich einsetzende Typhen beobachtet hat, hält den Verlauf dieser 
Formen für langwieriger und die Prognose für etwas ungünstiger, eine Ansicht, 
der sich Widal und Sevestre auf Orund ihrer Erfahrungen nicht anschliessen 
können. Nach Rendu und Siredey sind namentlich schwächliche und körper¬ 
lich wie geistig überangestrengte Individuen zu dieser Form des Typhus dis¬ 
poniert. Schade (Göttingen). 

Cholöeystite suppuröe ä bacilles d’Eberth. Soc. m£d. des hop. Seance du 
8 juin. (La semaine med., Nr. 25.) 

Parmentier trägt die Krankengeschichte eines Mannes vor, der im Ver¬ 
laufe eines Typhus eine eitrige Cholecystitis bekam. Trotz Eröffnung der Gallen¬ 
blase und Entleerung ihres Inhalts erfolgte der Exitus. Widal erinnert bei dieser 
Gelegenheit an eine von ihm gemachte Beobachtung von einem Typhuskranken, 
bei dem man wegen Schmerzhaftigkeit und Schwellung der Gallenblasengegend 
den Bauch öffnete in der Erwartung, eine Cholecystitis zu finden. Da die Gallen¬ 
blase sich jedoch als intakt erwies, so lag die Vermutung nahe, dass es sich um 
einen durch Kontraktion der Bauchmuskeln entstandenen »Phantomtumor« ge¬ 
handelt hatte. Der Fall verlief tödlich. W. warnt überhaupt vor Bauchoperationen 
im Verlaufe eines Typhus, da sie meist eine schlechte Prognose geben. 

Schade (Göttingen). 

Hemmeter, J. C.: Ueber das Vorkommen von proteolytischen und amylo¬ 
lytischen Fermenten im Inhalt des menschliehen Kolons. (Archiv f. d. ges. 

Physiolog., Bd. 81, H. 4. 5.). 

Aus den normalen menschlichen Fäces lässt sich ein Extrakt hersteilen, 
welches, wenn auch nicht in allen Fällen, proteolytische Eigenschaften besitzt. Diese 
eiweissverdauende Kraft zeigt das Extrakt besonders in einer alkalischen, weniger 
kräftig in einer neutralen Lösung; gar nicht oder nur im geringen Masse tritt die 
Verdauung in einer schwach sauren Flüssigkeit ein. Neben diesem proteolytischen 
Fermente ist in hervorragendem Masse eine amylolytische Wirkung zu beobachten, 
die auch wieder sehr rasch sich in einer alkalischen Lösung zeigt, während sie in 
einer sauren Lösung nicht zustandekommt. Eine fettspaltende Wirkung kommt 
diesem Fäcesextrakte nicht zu. 

Das proteolytische Ferment findet sich auch bei solchen Individuen, die an 
Atrophie des Magens leiden, also kein Pepsin mehr producieren können. 
Es kann hier ausgeschlossen werden, dass das in Frage kommende Ferment nicht 
vom Pepsin herrühren kann. Aus dem Umstande ferner, dass das Ferment nur 
in einer alkalischen oder neutralen Lösung seine verdauenden Eigenschaften zeigt, 
kann man wiederum folgern, dass es aus dem Pankreas oder den Darmdrüsen stammt. 

Bezüglich der Einzelheiten und besonders der bei diesen Versuchen an¬ 
gewandten Technik muss auf die Arbeit selbst verwiesen werden. 

Hagenberg (Göttingen). 

Naunyn, B.: Die heutige Lehre von der Cholelithiasis. Vorgetragen auf dem 13. inter¬ 
nationalen medicinischen Kongress zu Paris am 3. August. (Therapie der 

Gegenwart, 9.) 

Die Bildung der Gallensteine entsteht infolge eines »lithogenen« Katarrhes 
der Gallenblasenschleimhaut aus den Zerfallsprodukten der Schleimhautepithelien, 
dem Cholesterin und dem Calcium des Bilirubinkalkes. Die Ursache dieser 
Katarrhe sind, wenn auch noch nicht streng bewiesen, Bakterien: das Bakterium 
coli, ein dem Bacillus subtilis ähnlicher Bacillus, Staphylococcen, Streptococcen und 
der Typhusbacillus. Während die primären »lithogenen« Katarrhe meist ganz ohne 
Symptome verlaufen, sind die sekundären infektiösen Katarrhe, die Cholecystitis und 


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die Cholangitis, schmerzhafte und gefährliche Prozesse. Der verschiedene Effekt durch 
die gleichen Bakterien erklärt sich dadurch, dass bei ungehindertem Abflüsse die sich 
in der Galle des gesundem Menschen normalerweise findenden Bakterien keine günsti¬ 
gen Bedingungen für ein ungestörtes Wachstum finden, dass aber bei unvollständiger 
Entleerung (»Residualgalle«) den Bakterien ein geeigneter Nährboden gegeben wird. 

Der Ansicht RiedePs, dass nur Cholecystitis Gallensteinkoliken ver¬ 
ursachen kann, kann man nicht unbedingt beistimmen. 

In .therapeutischer Hinsicht ist der Satz aufzustellen, dass zunächst die 
palliative, nicht operative Behandlung zu versuchen ist, bis es klar ist, dass das 
Leiden nicht mehr latent wird, oder strikte Indikationen zur Operation auffordem 
(Empyem, Hydrops). 

Die Aufgaben der palliativen Behandlung bestehen darin, einmal den etwa 
eingeklemmten Stein wieder »flott zu machen« und zweitens auch die infektiösen 
Erlaankungen zu beseitigen. Im ersteren Falle kommt die Frage in Betracht, 
ob man die Peristaltik der Gallenblase anregen oder beruhigen soll. Das letztere 
ist vorzuziehen. Betreffs der Cholagoga sind die Erfolge weit hinter den Er¬ 
wartungen zurückgeblieben. Die Wirkungen der heissen alkalischen Glaubersalz¬ 
quellen ist so zu erklären, dass man durch die Zufuhr derartiger Wässer einen 
günstigen Einfluss auf die Zirkulation erzielt und auf die entzündeten Organe auf 
diese Weise therapeutisch einwirkt, analog der Anwendung von Wärme bei Ge¬ 
lenkentzündungen. Diese Steigerung des Blutstromes durch die Leber infolge 
solcher Mineralwasserkuren kann durch Applikation von Wärme auf die Leber¬ 
gegend unterstützt werden. 

Die Anwendung der Röntgenstrahlen zur Diagnose der Cholelithiasis hängt 
nicht von der Grösse der einzelnen Konkremente, sondern von ihrer chemischen 
Zusammensetzung ab, und zwar je mehr Kalk .sie enthalten, um so undurch¬ 
gängiger sind sie. Hagenberg (Göttingen). 

Tschermak, A.: Eine Methode partieller Ableitung der Galle nach aussen. Aus dem 
physiologischen Institut der Univ. Leipzig. (Archiv f. d. ges. Physiologie, Bd. 82, 

H. 1. 2.) 

Bei Anlegung einer einfachen Gallenblasenfistel gewinnt man nur einen 
unkontrollierbaren Teil des Sekretes; die Kombination dieser Methode mit einer 
Unterbindung des Ductus choledochus hinwiederum entzieht dem Tiere die zum 
Verdauungsprozess nötige Galle und verhindert ferner die Resorption der ein¬ 
zelnen Gallenbestandteile im Darm. Denselben Vorwurf kann man auch der 
Implantationsmethode des Ductus choledochus in die Haut machen, bei welcher 
noch durch die Durchschneidung des Plexus choledochus der die Sekretion even¬ 
tuell regelnde Nerveneinfluss aufgehoben wird. 

Diese angeführten Missstände vermeidet T. durch eine partielle Ableitung 
der Galle, indem er sich beim Hunde und bei der Katze die mehrfachen Verzwei¬ 
gungen des Ductus choledochus zu nutze macht. Um denselben wird eine mehr¬ 
fache Ligatur an der Stelle angelegt, unterhalb welcher noch mindestens ein 
grösserer Gallengang in den Ductus choledochus einmündet. Die Vorteile bei 
dieser Methode liegen darin, dass man durch die hierauf angelegte Gallenblasen¬ 
fistel aus einem bestimmten Teile der Leber die Galle gewinnt, während ander¬ 
seits auch dem Tiere die Galle des anderen Teiles bleibt. 

Hagenberg (Göttingen). 

Ferralaseo, L.: Occlusione delle vie biliari da eisti idatidea del fegato. 
(Verschluss der Gallenwege durch eine Eehinococeencyste.) (Gazz. d. Osped. 
e delle Clin., Nr. 99, S. 1034.) 

Autor berichtet über einen Fall aus der Maragliano'sehen Klinik, in 
welchem auf Grund der kolikartigen Schmerzen, des Ikterus, der Nausea, der ent¬ 
färbten Stühle und des gallenfarbstoffhaltigen Urins die Diagnose auf Gallenstein¬ 
kolik gestellt worden war. Da in dem 19 tägigen Aufenthalte in der Klinik das 


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Allgemeinbefinden sich erheblich verschlimmerte — Temperaturen bis 39,9 — 
Puls 124 —, so beschloss man zur Operation zu schreiten. Unglücklicherweise 
wurde bei derselben die Leber verletzt; infolgedessen entstand eine unstillbare 
Blutung, der der Patient erlag. 

Die Sektion stellte als Ursache des vorerwähnten Sypfomenkomplexes eine 
in Degeneration begriffene Echinococcencyste fest, welche zum Verschluss und 
zur Erweiterung des Ductus choledochus und hepaticus geführt hatte. 

Der Fall blieb unklar, weil im Stuhl nie Elemente aufzufinden waren, die 
den Parasiten hätten vermuten lassen. 

Die Litteratur ist eingehend berücksichtigt. Der S. 217 des Centralbl. refe¬ 
rierte Fall von Althaus scheint viele Aehnlichkeiten mit dem Maragliano’schen 
aufzuweisen. Rothschild (Soden a. T.). 

Umber, F.: Das NukleoproteTd des Pankreas. Aus dem ehern. Laborat. des patholog. 
Instituts (Prof. Dr. Salkowski) in Berlin. (Zeitschr. f. kl. Med., Bd. 40, H. 5. 6.) 

Das von Hammarsten aus dem Pankreas dargestellte Nukleoproteid ist 
bereits ein Zersetzungsprodukt einer weit komplizierteren Eiweisssubstanz. Dem 
Verf. ist es gelungen, die Muttersubstanz dieses Eiweisskörpers, das eigentliche 
Nukleoproteid des Pankreas, das den Nukleoprotei'den der übrigen Organe ent¬ 
spricht, rein darzustellen, indem er mit physiologischer Kochsalzlösung das fein 
zerhackte Pankreas auszog und das Proteid aus dem Extrakt durch ganz schwache 
Essigsäure ausfällte. Die Elementaranalysen von 3 Präparaten geben gut über¬ 
einstimmende Resultate. Die Mittelwerte betragen für P = 1,67%, für S = 1,29%, 
für Fe = 0,13%, für N = 17,12%, für C = 51,35%, für H = 6,81%. 

Durch Spaltung dieses Nukleoproteides mittels Kochen und Ausfällung 
des Filtrats mit Essigsäure lässt sich ein phosphorreiches Proteid (3,76% P) ge¬ 
winnen, welches mit dem H am mar st en’ sehen Nukleoproteid identisch ist. 

Von Xanthinbasen enthält das Pankreas-Nukleoproteid nur Ouanin. 

Es lässt sich bei der Spaltung ein reducierender Körper nachweisen, der 
als Pentose erkannt wird. 

Durch Kochen mit 2% Kalilauge lässt sich aus dem Proteid Ouanylsäure 
gewinnen. 

Bei der Pepsinverdauung bleibt ein unverdaulicher Rückstand, das Nuklein. 
Bei der Trypsinverdauung tritt aber eine viel tiefergehende Spaltung ein. 

Hagenberg (Göttingen). 

Lesage: J.: Sur la rösorption du sang ipjeetö dans la eavitö pöritonöale. 

Soc. de biol. Seance du 9 juin. (La semaine med., Nr. 25). 

200 cc der Carotis entnommenes Blut wurden einem Hunde in die Perito¬ 
nealhöhle injiciert. Während der nächsten % Stunden erwies sich die aus einer 
Fistel des Ductus thoracicus abfliessende Lymphe von normaler Beschaffenheit, 
dann bekam sie eine leicht rötliche Färbung, um 1 Stunde nach der Injektion eine 
ausgesprochen rote Farbe anzunehmen. Mikroskopisch fanden sich sehr zahl¬ 
reiche rote Blutkörperchen von demselben Aussehen wie im Blute. Nachdem so 
die Mehrzahl der Erythrocyten in das Lymphsystem aktiv hinübergewandert ist, 
ändert sich das mikroskopische Bild allmählich, indem man jetzt vorzugsweise und 
zuletzt ausschliesslich Leucocyten, in deren Protoplasma ein oder mehrere rote 
Blutkörperchen eingeschlossen sind, den Ductus thoracicus passieren sieht. Durch 
aktive Diapedese in die Peritonealhöhle eingewandert, schaffen sie den letzten Rest 
des injicierten Blutes' in das Lymphsystem hinüber, bis die Serosa wieder ihre 
normale Beschaffenheit angenommen hat. Schade (Göttingen). 

Ostertag: Ueber eine neue Bandage zur Verhütung und Heilung des Hängebauchs und 
seiner Folgezustftnde. (Aerztl. Centralblatt, Nr. 39.) 

Bei Erschlaffung der Bauchmuskulatur post partum, bei Ptosen irgend- 

Nr. 10. 


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welchen Organs ist eine Bandage'zu verordnen, die eine starke und gleichmässige 
Kompression auf den Unterleib ausübt und gleichzeitig so konstruiert ist, dass sie 
im Tragen gar nicht oder wenig gefühlt wird. Diesen Indikationen entspricht die 
von O. erfundene »Universalbinde Monopol«, die hinten fast so hoch wie vorn 
ist und von den Rippenbogen bis zu den Hüftknochen geht, sich also oben und 
unten auf das Knochengerüst stützen kann. Der Bauchteil besteht aus einem 
einzigen Stück Tricot ohne Naht; an den Seiten befinden sich Haken und Oesen, 
mittels deren die Binde loser oder fester einzustellen ist Das Herabsinken wird 
verhindert durch zwei über die Schulter gehende Träger, das Hinauf rutschen durch 
aus Hohlgummi bestehende Schenkelriemen. Pelotten sind zwecklos, da sie nur 
drücken und die Organe doch nie in ihre richtige Lage bringen bezw. in dieser er¬ 
halten. Pickardt (Berlin). 

De la eure d’alimentation des toberculeux k Hidpftal Boudcaui Soc. med. des hop. 

Seance du 8 juin. (La semaine med., Nr. 25.) 

Letulle berichtet über die Ernährung der Phthisiker im Krankenhaus Bouci- 
caut. Es werden täglich 6 Mahlzeiten verabreicht: um 6 Uhr Thee und Milch; 
um 8 Uhr Suppe mit Fleischpulver; um 11 Uhr Frühstück, aus 3 verschiedenen 
Gerichten; um 3 Uhr ein Imbiss mit kaltem Aufschnitt; um 5 1 /* Uhr die Haupt¬ 
mahlzeit (Suppe und 3 Gänge); um 87a Uhr 1 Glas Milch mit etwas trockenem 
Kuchen. Ausserdem werden noch Eier, rohes Fleisch etc. je nach Bedürfnis extra 
verabreicht. Bei diesem Regime und der damit verbundenen körperlichen wie 
geistigen Ruhe nimmt die Mehrzahl der Kranken, selbst diejenigen, die sich schon 
in einem vorgerückteren Stadium der Krankheit befinden, rapide zu. Diese Ge¬ 
wichtszunahme hält indes nicht lange an; schon nach wenigen Wochen bleibt das 
Körpergewicht stationär und sinkt dann bis auf das anfängliche Niveau zurück. L. 
schlägt daher vor, die Patienten, sobald sie auf dem Höhepunkte angelangt sind, aus 
der Krankenhausbehandlung zu entlassen und ihnen einen Landaufenthalt vorzu¬ 
schreiben. Den Ausführungen L’s schliesst sich Rendu an. 

Schade (Göttingen). 

Richet et Höricourt: Du traitement de la tubereulose experimentale par 
la viande crue et le jus de vlande. Soc. de biol. Seance du 2 juin. (La 

semaine med„ Nr. 24.) 

R. und H. berichten über ihre Erfahrungen in der Behandlung der Tuber¬ 
kulose mit rohem Fleisch. Bei ihren Versuchen, die sie an durch Impfung tuber¬ 
kulös gemachten Hunden anstellten, fanden sie, dass diejenigen Tiere, welchen aus¬ 
schliesslich rohes Fleisch als Nahrung diente, noch nach 6 Monaten gesund waren, 
während die übrigen, d. h. diejenigen, welche bei gewöhnlicher Kost blieben oder 
nur gekochtes Fleisch erhielten, schon nach wenigen Wochen an Tuberkulose zu 
Grunde gingen. Ausser dieser curativen Wirkung kommt nach R. und H. dem 
rohen Fleisch auch die Eigenschaft eines Schutzmittels gegen tuberkulöse In¬ 
fektion zu. 

Die tägliche Dosis betrug pro Kilo Körpergewicht nicht unter 10 g. Statt 
des rohen Fleisches kann man auch den frischen Fleischsaft verabreichen. 

Schade (Göttingen). 

De la pröparation du sue de viande crue employö dans le traitement de 
la tubereulose experimentale. Soc. de biol. Seance du 9 juin. (La semaine 

med., Nr. 25). 

Richet empfiehlt, zur Gewinnung des von ihm gegen Tuberkulose em¬ 
pfohlenen Fleischsaftes in der Weise vorzugehen, dass man rohes Fleisch conge- 
lieren lässt;* der dabei austretende Saft soll die wirksamen Elemente der Muskel- 


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Substanz in erheblich grösserer Quantität enthalten als der durch einfache Expression 
gewonnene Fleischsaft. Dem Ein wände von Chantemesse, dass die Erfolge, 
die R. der Anwendung des rohen Fleisches zuschreibe, vielleicht nur durch eine 
Art Ueberemährung zu erklären seien, indem die rohen Fleischpräparate Appetit 
und Verdauung anregten, hält R. die von ihm gemachte Beobachtung entgegen, 
dass die mit rohem Fleisch genährten Tiere quantitativ weniger Nahrung zu sich 
nehmen als die dem gewöhnlichen Regime unterworfenen. R. vindiciert somit 
dem rohen Fleisch einen specifischen Einfluss auf den tuberkulösen Prozess. 
Interessant ist die Erklärung Bouchards, dass auch die klinischen Beobach¬ 
tungen Rieh ets Erfahrungen vollauf bestätigten, und dass in allen Fällen von 
drohender oder schon bestehender Tuberkulose das ganze Streben darauf gerichtet 
sein solle, die Patienten einem strengen Fleischregime zu unterwerfen, sie zu »Car- 
nivoren« zu machen. Schade (Oöttingen). 

Rieh et, Charles (Paris): Etüde historique et bibliographique sur l’emploi de la viande 
crue dans le traitement de la tuberculose. (La semaine med.. Nr. 30). 

Der bekannte Pariser Physiologe fasst die Ergebnisse seiner an Hunden 
angestellten Versuche in folgende Sätze zusammen: 

1) Das rohe Fleisch ist ein Prophylacticum gegen die tuberkulöse Infektion 
und bringt einen schon bestehenden tuberkulösen Prozess zur Heilung; 

2) die dazu nötige tägliche Menge beträgt etwa 12 g pro Kilo Körpergewicht; 

8) die wirksamen Bestandteile des rohen Fleisches sind auch in dem aus dem 

Fleisch extrahierten Plasma enthalten; 

4) das gekochte Fleisch steht dem rohen Fleisch in der Behandlung der Tuber¬ 
kulose an Wert nicht gleich. 

Die heilsame Wirkung des rohen Fleisches auf den tuberkulösen Prozess 
basiert nach R. nicht allein auf der Eigenschaft desselben als Nährstoff, sondern 
vielmehr auf seinem Gehalt an uns noch unbekannten Stoffen (Enzymen oder 
Fermenten), denen ein spezifischer Einfluss auf die Tuberkulose zukommt. In 
diesem Sinne kann das rohe Fleisch als ein wirkliches Medikament gegen 
Tuberkulose gelten, allerdings zunächst, wie auch R. betont, nur für die experi¬ 
mentelle Tuberkulose —, ob auch für die menschliche Tuberkulose, muss 
erst die Zukunft lehren. Denn die vom Verf. in erschöpfender Weise aus 
der Litteratur zusammengestellten bisherigen Erfahrungen über die Verwendung 
des rohen Fleisches am Krankenbett zeigen zwar, dass man sich des rohen Fleisches wie 
bei anderen Erkrankungen, so auch bei der Tuberkulose, besonders bei gleichzeitig 
bestehenden Verdauungsstörungen, als eines Kräftigungsmittels vielfach mit Erfolg be¬ 
dient hat, indes von einer eigentlichen spezifischen Wirkung ist — mit einer Aus¬ 
nahme — nirgends die Rede. Trotzdem nimmt Verf. keinen Anstand, dem rohen Fleisch 
auch auf die Tuberkulose des Menschen eine spezifische Heilwirkung zuzu¬ 
schreiben, und kann seine Anwendung bei Lungentuberkulose nicht dringend ge¬ 
nug empfehlen. R. legt Wert darauf, dass man es von Anfang an verabreicht, 
und nicht, wie es bisher vielfach geschehen, auf den Eintritt von Verdauungs¬ 
störungen wartet. Das rohe Fleisch selbst soll man täglich in einer Quantität von 
mindestens 600—750 g geben, oder statt dessen den Saft von 1000—1500 g. 

Schade (Göttingen). 

Messedaglia: Risultati della cura della scrofolosi addominale con il metodo De Giovanni. 
(Ergebnisse der De Giovanni’schen Behandlungsmethode der Bauchscrophulose.) R. 
clinica medica di Padova. Prof. De Giovanni. (Vortrag gehalten im April 
auf dem internationalen Congress zur Bekämpfung der Tuberkulose in Neapel.) 

Zweck des Vortrages ist einzig der, die mit besagter Methode erzielten 
Heilresultate vorzuführen. Unter Bauchscrophulosis versteht D. G. das klinische 
irritative Bild mit chronischem Verlaufe, das sich in den drüsigen Apparaten 
des Abdomens abspielt, charakterisiert durch Hyperplasie der lymphatischen Eie* 


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mente. — Die Therapie fasst auf der Kenntnis der speciellen Morphologie des 
Patienten (diese von D. O. vor 10 Jahren eingeschlagene Richtung, die Morpho¬ 
logie des menschlichen Körpers auf die klinischen Beobachtungen anzuwenden, 
kann hier näher nicht besprochen werden, und mögen sich Interessenten an die 
Quelle wenden) 1 ). — Zur Entlastung des portalen Kreislaufes, richtiger zur Ver¬ 
minderung des Reizes auf die drüsigen Elemente schlägt D. O. vor: Blut¬ 
entziehung am After, Reiben der Bauchhaut mitCrotonöl und endlich Trockendiät. 
— Durch die Blutentziehung wurde nie ein anämischer Zustand (der ja befürchtet 
werden könnte) herbeigeführt, umgekehrt wurde sogar eine Vermehrung in der 
Thätigkeit der blutbereitenden Organe beobachtet, wie denn eine von Tai- 
delli in dem Sinne gemachte Beobachtung es beweist*). 

Ferner wirkt der Biss des Blutegels — so D. O. — stimulierend auf die sym¬ 
pathischen Nervengeflechte des Abdomens durch Uebertragung des Reizes von 
den Haemorrhoidalnerven aus und erzielt so eine Modifikation in der Gefäss- 
innervation des Abdomens und der Nieren. — Durch Reiben der Bauchhaut mit 
Crotonöl entsteht eine Dermatitis, bei deren Ausbruch eine Wiederbelebung des 
abdominellen Kreislaufes, Abnahme der Schmerzen und des Meteorismus be¬ 
obachtet werden. Den genannten therapeutischen Massnahmen sei noch hin¬ 
zugefügt kräftigende, stickstoffhaltige Trockendiät, allgemeine Massage, Salz- oder 
Schwefelbäder. Innerlich JKa, As. 

Im Ganzen wurden 52 Fälle behandelt mit 30 Heilungen (57,69 %). — 
Der Symptomencomplex der Bauchscrophulose manifestiert sich bei prädisponierten 
Subjekten mit übermässiger Entwickelung des Abdomens, wo sowohl Lymph- 
wie Venensystem stärker entwickelt sind. — Das soeben entworfene Bild der 
Behandlungsmethode versucht durch Hebung des allgemeinen Kräftezustandes 
den kranken Organismus zu bessern. Plitek (Triest). 


Simonelli, L.: Ricerche sulle sostanze albuminoidee delle orine dei tubercolotici. 
(Untersuchungen auf Eiweisssubstanzen im Harne von Tuberkulösen.) Sezione di 
chimica clinica. Prof. E. Reale. (Nuova RivistaClinico-Terapeutica, Anno 3, Nr. 6.) 

Die Untersuchungsreihe umfasst 70 Kranke, davon 31 mit Lungentuberkulose, 
6 mit Tuberkulose der serösen Häute, 4 mit Drüsen-, und 29 mit Knochen- resp. Gelenk¬ 
tuberkulose. — Vom Verf. wurden folgende Eiweisskörper im Urin vorgefunden: 
Eiweiss in 80% der Fälle (Serumeiweiss und Globulin), Pepton und Propepton 
(Albumose) in 70 %. — Nucleoalbumin konnte nie nachgewiesen werden. — 
Das Eiweiss wurde in den mit echter Nephritis komplizierten Fällen vorgefanden. 
Pepton fand sich vorwiegend bei komplizierenden Darmveränderungen sowie bei 
fettiger Entartung der Leber. 

Propepton wurde nur einmal und zwar bei einer Lungentuberkulose ohne 
Knochenerkrankungen nachgewiesen. Plitek (Triest.) 


Castronuovo, G.: L’eliminazione del magnesio nei sani e nei tubercolotici. (Die Aus¬ 
scheidung des Magnesiums beim Gesunden und beim Tuberkulösen.) Clinica De Renzi. 

(Nuova Rivista Clinico-Terapeutica, Anno 3, Nr. 7.) 

Die Ausscheidung des MgO beträgt beim Gesunden im Mittel 0,17 g, 
beim Tuberkulösen 0,1107 g pro die. Die von C. angestellten Beobachtungen 
scheinen eine mit dem Krankheitsherde und dem allgemeinen Kräftezustand des 
Organismus parallel verlaufende Abnahme in der MgO-Ausscheidung nahezulegen, 
wahrscheinlich bedingt durch bestehende Zerstörung von Muskelmassen. — Tuber- 


1) De Giovanni: Morfologia del corpo umano. — Milano, Hoepli 1891. 

2) Rivista Veneta di scienze mediche 31. I. 1899. 


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kulöse mit leidlich gutem Ernährungszustände scheiden eine dem Gesunden ähn¬ 
liche MgO-Menge durch den Harn aus. Plitek (Triest). 


De la diur&se produite par les injections intravasculaires de Solutions hypertoniques. 

Soc. de biol. Seance du 9 juin. (La semaine med., Nr. 25.) 

Balthazard, der den Einfluss der intravenösen Injektion hypertonischer Lö¬ 
sungen auf die Harnabsonderung studierte, fand, dass der nach Injektion einer 25 % 
Glycoselösung oder einer, jener Lösung isotonischen 5%ClNa-Lösung ausgeschiedene 
Urin eine etwa um^die Hälfte geringere moleculäre Konzentration hatte wie der 
in der gleichen Zeit unter normalen Verhältnissen abgesonderte Harn (natür¬ 
lich nach Abzug der in der Injektionsflüssigkeit enthaltenen Moleküle). Durch 
die intravasculäre Injektion hypertonischer Lösungen wird demnach dem Organis¬ 
mus zwar Wasser entzogen, aber feste organische Substanz in grösserer Menge in ihm 
retiniert. Abgesehen von ihrer zerstörenden Wirkung auf die roten Blutkörperchen 
haftet also diesen Injektionen noch der Nachteil an, dass sie die notwendige Aus¬ 
scheidung giftiger Stoffwechselprodukte hemmen. Statt der intravasculären 
Injektion empfiehlt sich besser die subcutane, die eine ebenso intensive und 
länger dauernde Diurese zur Folge hat, ohne die Elemente des Blutes zu schädigen 
und die Ausscheidung der Produkte des Stoffwechsels zu beeinträchtigen. 

Hallion bemerkt, dass dieses nicht allein für die intravasculäre Injektion 
von hypertonischen Lösungen, sondern auch von isotonischen gelte, z. B. 
der physiologischen Kochsalzlösung, nach deren intravasculärer Injektion man 
zwar eine vermehrte Diurese, aber eine verringerte moleculäre Konzentration des 
Harns beobachten könne. Schade (Göttingen). 


Quinton: Toxidtl urinaire et isotonie. Soc. de biol. Seance du 9 juin. (La semaine 

med., Nr. 25). 

Q.bezeichnet die Methode, die wahre Toxicität des Harns in der Weise zu 
bestimmen, dass man den Harn durch Verdünnung mit destilliertem Wasser auf den 
Gefrierpunkt des Blutserums bringt, d. h. den Harn dem Blute »isotonisch« 
macht, als fehlerhaft. In Wirklichkeit ist nämlich solcher Harn, auch wenn er 
genau den Gefrierpunkt des Blutes erreicht hat, nicht isotonisch, sondern hypo¬ 
tonisch, und zwar deswegen, weil der Hauptbestandteil des Harns, der Harnstoff, 
sich den bekannten physiologischen Gesetzen der Osmose nicht unterordnet. Eine 

■+• + 

dem Blute isotonisch gemachte Ur-Lösung, also eine Ur-Lösung, die denselben 
Gefrierpunkt hat, wie das Blut, verhält sich den roten Blutkörperchen gegenüber 
wie destilliertes Wasser: dieselben quellen auf und geben ihren Farbstoff ab. 
Dadurch, dass man den Ham durch Verdünnung mit Wasser dem Blute i so to¬ 
nisch macht, werden also dieStörungen derOsmose (die »osmonocivite«) nicht 
ausgeschlossen. Sofindetauch die von anderer Seite (Lesne, Bernard, Hallion 
etc.) gemachte merkwürdige Beobachtung, dass sich für den isotonischen, also mit 
Wasser verdünnten Ham oft eine höhere Toxicität ergiebt als für den unver¬ 
dünnten, eine befriedigende Erklärung. Schade (Göttingen). 

Toxicitö urinaire et isotonie. Soc. de biol. Seance du 2 juin. (La semaine 

med., Nr. 24). 

Die Mitteilungen Claude’s und Balthazard’s knüpfen an deren frühere 
Untersuchungen über die Beziehungen zwischen der Toxicität einer Lösung und ihrer 
moleculären Konzentration an (La semaine med., 1899, S. 191). Will man die 
»wahre Toxicität« eines Harns bestimmen, so muss man zunächst die Unter¬ 
schiede in der moleculären Konzentration von Harn und Blut ausgleichen, 
den Harn dem Blute »isotQnisch« machen. Dieses geschieht durch Verdünnung 


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des Harns mit Wasser. Einen Massstab für den Grad der moleculären 
Konzentration giebt uns die Bestimmung des Gefrierpunktes. Um also den 
Harn dem Blute isotonisch zu machen, muss man denselben derart verdünnen, 
dass sein Gefrierpunkt demjenigen des Blutes gleich ist, d. h. etwa — 0,56° be¬ 
trägt. Da nun die Injektion so erheblicher Mengen Flüssigkeit in das Gefäss- 
system des Versuchstieres nicht ohne Bedenken ist — von deutschen Forschem wurde 
deswegen der intravenösen Injektion die subkutane Infusion vorgezogen —, 
so haben CI. und B. bei ihren Versuchen darauf verzichtet, den Urin zu ver¬ 
dünnen, und die Toxicität des unverdünnten Harns, die »totale Toxicität« be¬ 
stimmt, dann aber das so gewonnene Resultat mit Hilfe von eigens dazu aufge¬ 
stellten Tabellen auf einen Ham von der moleculären Konzentration des Blutes 
reduciert. Es ergaben sich auf diese Weise für die wahre Toxicität ganz ähnliche 
Werte wie bei den früheren Versuchen. 

Dass die Injektion von Flüssigkeit in das Gefässsystem schon an sich nicht 
gleichgültig ist, wird von Hallion auf Grund früherer Erfahrungen bestätigt. 
H. will beobachtet haben, dass die tödliche Dosis des durch Verdünnung dem 
Blute isotonisch gemachten Urins bisweilen geringer ist als die des unverdünnten. 

Lapicque weist noch auf ein anderes bei der Toxicitätsbestimmung des 
Harns zu berücksichtigendes Moment hin: auf die diuretische Wirkung des Harns. 
Ein stark diuretisch wirkender Ham kann ceteris paribus keine so intensive Gift¬ 
wirkung entfalten wie ein Ham, dem geringere diuretische Eigenschaften zu¬ 
kommen. 

Nach Hallion steht die Intensität der Diurese, welche durch die Injektion 
eines Harns hervorgerufen wird, in direktem Verhältnis zu der osmotischen Span¬ 
nung des betr. Harns. Schade (Göttingen). 


Charrin: Toxidtä urinaire et pathologie cellulaire. Soc. de biol. Seance du 16 juin. 

(La semaine med., Nr. 26.) 

Ch. prüfte bei gesunden und von gesunden Eltern stammenden Neu¬ 
geborenen, sowie bei kranken, kachektischen, von kranken Eltern stammenden 
neugeborenen Kindern den Urin auf seine Toxicität, indem er ihn Kaninchen sub¬ 
kutan injicierte. Es zeigte sich nun, dass dem Urin der kranken Neugeborenen 
grössere Giftwirkungen zukommen als dem der gesunden. Die Störungen bei 
den Versuchstieren bestanden in allgemeiner Abmagerung und in Veränderungen 
der Bauchorgane, besonders der Leber, die eine fettige Degeneration darbot. Da 
eine Aufnahme der toxischen Substanzen mit der Nahrung ausgeschlossen werden 
kann, so leitet Ch. ihren Ursprung aus einer pathologischen Zellthätigkeit ab; 
die Ursache der letzteren sucht er entweder in einer krankhaften Beschaffenheit 
der Zeugungsstoffe der Eltern oder in einer Schädigung der in der Anlage be¬ 
griffenen Gewebe durch Stoffe, welche von dem kranken mütterlichen Organismus 
durch die Placenta hindurch auf den Foetus übergegangen sind. 

Schade (Göttingen). 


Kuschnir (Odessa): Zur Frage über die Wirkung der Schilddrüsenpräparate bei Morbus 
Addisoni. (Wratsch., Nr. 52, 1899.) 

Auf Grund von Stoffwechseluntersuchungen an 2 Patienten gelangt Verf. zu 
folgenden Schlüssen: 

1) Der N-Stoffwechsel ist in der Addison*sehen Krankheit vermindert 
(von 88,9 %—98,5 %); 

2) das Gleichgewicht wird trotz geringer Nahrungsaufnahme leicht er¬ 
halten, ja es kann Zunahme erfolgen; 

3) die Grösse der Assimilation = 90,06%—91,46%- 

In einer zweiten Serie von Versuchen, wo Schilddrüsenpräparate und zwar 


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das Poe HP sehe Oposuprarenalin (aus Drüsensaft hergestelltes Mittel — onog = Saft) 
gegeben wurde, stellte sich folgendes heraus: 

1) der Eiweissumsatz nimmt zu (105,8 %—105,9 %); 

2) es erfolgt Zerfall des Körpereiweisses und Gewichtsverlust; 

3) die Assimilation wird gebessert (91,55%—92,34 %). 

Klinisch wurden Pulserhöhung und Atmungsbeschleunigung, Verminderung 
des Appetits festgestellt. 

Es trat nicht die geringste Besserung ein, sodass K. die Meinung aus¬ 
spricht, dass Thyreo'ideapräparate sich in keiner Hinsicht bewährt haben, umso¬ 
mehr als sie infolge der Beschleunigung des Stoffwechsels auf den Allgemein¬ 
zustand nachteilig wirken. Simon (Wiesbaden). 


Dennig, A.: Ueber acute Leukaemie. Aus der medic. Klinik zu Tübingen. Prof. 

Dr. v. Lieber meisten) (Münch, med. Wochenschr., Nr. 38.) 

Verf. teilt einen Fall von akuter Leukaemie mit, welcher in zweierlei Hinsicht 
interessant und wichtig ist. Erzeigt uns nämlich, dass es für die Diagnose von Aus¬ 
schlag gebender Wichtigkeit ist, bei Erkrankungen von Stomatitis ohne Ursache 
vor allem die Untersuchung des Blutes vorzunehmen. Dieselbe ergab in diesem 
Falle neben spärlichen kernhaltigen roten Blutkörperchen zahlreiche Lymphocyten 
mit blass gefärbtem runden Kern und einem Protoplasma ohne specifische Granu¬ 
lationen. Lymphocyten mit intensiv gefärbtem Kern waren wenig vorhanden; ganz 
fehlten polynuleäre Leukocyten, eosinophile Zellen mit neutrophiler Granulation 
und Mastzellen. Dem Blutbefunde nach musste man den Fall zu der sog. lym¬ 
phatischen Leukaemie rechnen. Es war aber weder im Leben noch bei der Sec- 
tion eine Lymphdrüsenschwellung zu konstatieren gewesen. Dagegen zeigte das 
Knochenmark eine lymphoide Beschaffenheit. Die lymphocythaemische Verände¬ 
rung des Blutes beruhte also auf einer Affektion des Knochenmarks und nicht 
der Lymphdrüsen. Es spricht aber dieser Fall für die von Walz vertretene Lehre, 
dass die sog. lymphatischen und myelogenen Formen der Leukaemie beide als 
myelogen anzusehen sind. Diese einzige Form der Leukaemie äussert sich einmal als 
Lymphocythaemie und einmal als Myelocythaemie. Hagenberg (Göttingen). 


Henry, Frederick P.: Qinical notes on cases of pernicious anaemia. (AmericanJournal, 

August.) 

Verf. bespricht im Anschluss an 5 von ihm beobachtete Fälle von pemi- 
ciöser Anämie noch einmal die schon früher (Archiv für Verdauungskrankh., Bd. 4, 
H. 2) von ihm bearbeitete Frage der Unterscheidung von latentem Magencarcinom 
und pemieiöser Anämie auf Grund des Blutbefundes. Nach Henry ist es sicher er¬ 
wiesen, dass bei pemieiöser Anämie, und zwar nur bei ihr, die Zahl der roten 
Blutkörperchen bis unter eine Million im cc sinkt, während bei Magencarcinom 
ihre Zahl niemals unter U/a Millionen im cc, meist jedoch mehr, selbst kurz vor 
dem Tode beträgt. Alle anderen Symptome, eingeschlossen die chemische Unter¬ 
suchung des Mageninhalts, können bei beiden Zuständen gleich sein und daher 
ihre diagnostische Beweiskraft verlieren. Die Blutkörperchen-Zählung soll stets 
einen Entscheid ermöglichen, und Henry geht so weit, dass er in den Fällen von 
akutem Magencarcinom, wo sich ausnahmsweise weniger rote Blutkörperchen 
fanden, eine Komplikation mit pemieiöser Anämie annimmt. 

Ob sich wirklich mit solch* mathematischen Gesetzen Natur und Medizin 
vertragen? A. Hesse (Hamburg). 


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Delezenne: Mode d’action des slrums antileucocytaires sur la coagnlation du sang. 

Acad. des Sciences. Seance du 28 mai. (La semaine med., Nr. 25.) 

D. bestätigt von neuem seine frühere Annahme, dass die anticoagulierenden 
Eigenschaften des »Antileukocytenserums« wie die der Peptone auf der Fähigkeit 
beruhen, die weissen Blutkörperchen zu zerstören, wodurch eine in letzteren 
enthaltene, direkt anticoagulierend wirkende Substanz in Freiheit gesetzt 
wird (cf. Ref. in Nr. 2, S. 49). D. machte nun die Beobachtung, dass die anti- 
coagulierende Wirkung nicht eintritt, wenn man die Leber entfernt; nach voll¬ 
ständiger Exstirpation dieses Organs kann man zuweilen sogar eine Beschleunigung 
der Gerinnung konstatieren. Diese Erscheinung ist nach D. möglicherweise so zu 
erklären, dass in den Leukocyten zwei Substanzen enthalten sind: die eine mit 
coagulierenden, die andere mit anticoagulierenden Eigenschaften. Erstere wird nun 
in der Leber dem Blute entzogen und zurückgehalten, letztere bleibt im Blutplasma 
gelöst und wirkt anticoagulierend. Nach Entfernung der Leber bleibt auch die 
coagulierende Substanz im Blute und hält der anticoagulierenden das Gleich¬ 
gewicht resp. bewirkt, wenn in grösserer Menge vorhanden, eine Beschleunigung 
der Gerinnung. Schade (Göttingen). 

Courmont, J. et Montagard: De la leucocytose dans la variole. Soc. de 
biol. Seance du 16 juin. (La semaine med., Nr. 26). 

Die Untersuchung des Blutes in 29 Fällen von Variola vera ergab vom Be¬ 
ginn der Erkrankung an eine Hyperleucocytose, welche im Stadium suppurationis 
noch eine Steigerung erfährt, dann aber progressiv abnimmt und nur bei kompli¬ 
zierenden Eiterungen wieder in die Höhe geht. Sie beruht bei der unkomplizierten 
Variola vera auf einer Vermehrung der mononucleären Leucocyten; die poly- 
nucleären nehmen dagegen an Menge ab (oft bis unter 50%), treten jedoch bei 
komplizierenden eitrigen Prozessen (Abscessbildung, Phlegmonen etc.) in den 
Vordergrund. Die Vermehrung der polynucleären Elemente weist uns somit auf 
das Bestehen einer komplizierenden Eiterung hin. Schade (Göttingen). 

Nerking, J.: Beiträge zur Physiologie des Glycogens. Aus dem physiologischen In¬ 
stitut der Universität Bonn. (Archiv f. die ges. Physiolog., Bd. 81, H. 1.) 

Zur quantitativen Bestimmung des Glykogens im tierischen Gewebe wird 
allgemein die Brücke-Külz 1 sehe gebraucht, die in einer Auf Schliessung des 
Glykogens durch Kochen mit Kalilauge besteht. Es gilt dabei die Vorschrift, auf 
je 100 g Organ 4 g KOH und 400 g Wasser zu nehmen und »bis zur Lösung« 
zu kochen. Da eine vollkommene Lösung nicht eintritt, so bleibt es dem je¬ 
weiligen Untersucher überlassen, wann er die Lösung als vollendet ansehen will. 
Es finden sich auch nirgends in den Arbeiten Angaben und Vorschriften über die 
Dauer des Kochens und die Konzentration der Lauge. In einer Reihe von Ana¬ 
lysen studierte N. den Einfluss dieser beiden Momente auf den Ausfall !der Gly- 
cogenbestimmung. Die quantitative Bestimmung des Glycogens wurde nach der 
Lösung gemäss der von Pflüger und dem Verf. ausgearbeiteten Methode (cf. 
Pflügers Archiv Bd. 76, S. 351) bestimmt, die in einer Invertierung des Gly¬ 
cogens besteht mit nachfolgender Bestimmung des Reduktionsvermögens durch 
die Pflüger 1 sehe Kupferoxydulmethode. 

Es stellte sich dabei heraus, dass durch die längere Kochdauer und die 
stärkere Konzentration oft eine Vermehrung des Glycogens eintreten kann. Der 
Grund für diese Erscheinung liegt vermutlich darin, dass einerseits durch den 
Einfluss der Kalilauge immer neues Glycogen aufgeschlossen und abgespalten, 
aber auch anderseits gebildetes Glycogen wieder durch die Kalilauge zerstört 
wird, so dass sich in einigen Versuchsreihen eine Herabsetzung der Glycogen- 
menge zeigte. Die Menge des aus einem tierischen Gewebe gewonnenen Gly¬ 
cogens wird also von dem jeweiligen Ueberwiegen des einen oder des anderen 


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Prozesses abhängig sein. Ein Teil des Olycogens muss daher nicht als solches 
in den Geweben enthalten sein, sondern, wie es am wahrscheinlichsten ist, als 
glykosidartiger Körper in Verbindung mit Eiweiss. 

Wie viel von dem Glycogen in dem einen Falle aufgeschlossen und 
wiederum zerstört wird, lässt sich nie bestimmen, und es ist daher diese Methode 
der Aufschliessung durch Kalilauge für eine exakte Bestimmung absolut unbrauch¬ 
bar. Hagenberg (Göttingen). 

Schöndorff, B. (unter Mitwirkung von H. Offergeld): Ueber die Entstehung von Gly¬ 
cogen aus Eiweiss. Physiologisches Laboratorium in Bonn. (Archiv f. d. ges. Phy¬ 
siologie, Bd. 82, H. 1. 2.) 

Die bislang mitgeteilten Untersuchungen über die Entstehung des Gly- 
cogens vermögen sämtlich nicht den einwandsfreien Beweis dafür zu liefern, dass 
das Eiweiss die Muttersubstanz des Glycogens ist. 

Zur Prüfung dieser Frage wurden in 3 Versuchsreihen stets in gleicher 
Anzahl Frösche mittels der Schlundsonde mit einem von jeglichen Kohlenhydrat¬ 
gruppen freien Casein gefüttert, welches in einer Natriumbicarbonatlösung gelöst 
war. Der Glycogengehalt wurde dann bestimmt an der gleichen Anzahl von 
Fröschen zu Anfang des Versuches, nach der Fütterung mit Casein und nach 
Hunger resp. nach Fütterung mit Natriumbicarbonat. Es zeigte sich dabei, dass 
100 g Frosch nach Fütterung mit Casein eine Vermehrung ihres Gesamt-Glycogen- 
gehaltes um 0,001 g erhielten, oder dass die Fütterung mit Casein keine Ver¬ 
mehrung des Glycogens erzeugen konnte. 

Aus diesen Versuchen geht daher ganz zweifellos hervor, dass Eiweiss¬ 
körper, in welchen keine Kohlenhydratgruppen enthalten sind, kein Glycogen 
bilden können. Hagenberg (Göttingen). 

Nerking, J.: Lässt sich durch genügend lange Extraktion mit siedendem Wasser sämt¬ 
liches in den Organen vorhandenes Glycogen gewinnen? Aus dem physiologischen 
Institut der Universität Bonn. (Archiv für die gesamte Physiologie, Bd. 81, 

H. 10. 11. 12.) 

DerVerf. teilt 2 Versuchsreihen mit, in denen es ihm nicht gelungen ist, durch 
langandauemdes Kochen mit Wasser aus fein pulverisierter Leber sämtliches Gly¬ 
cogen zu erhalten. Bei der Behandlung des Rückstandes mit Kalilauge Hessen 
sich in beiden Fällen noch beträchtliche Mengen erhalten. 

Dieses Verhalten des Glycogens spricht für die schon vom Verf. geäusserte 
Ansicht, dass das durch Wasser extrahierbare Glycogen in den Organen in freiem 
Zustande vorhanden, während der Rest chemisch gebunden ist. 

Hagenberg (Göttingen). 

Pflüger, E.: Ueber die Resorption künstlich gefärbter Fette. Aus dem physiologischen 
Institut in Bonn. (Zeitschr. f. d. ges. Physiol., Bd. 81, H. 8.) 

Um zu beweisen, dass das Fett der Nahrung in Form einer Emulsion 
aus der Darmhöhle resorbirt wird, war von L. Hof bau er das Nahrungsfett mit 
einem in Wasser unlöslichen, wohl aber in Fett löslichen Farbstoffe (Alcannarot 
und Lackrot) gefärbt worden. Wenn dasselbe unverändert durch die Darmwand 
ging, musste sich auch der Farbstoff im Chylus finden; ging es im gelösten Zu¬ 
stande durch, so musste der Farbstoff ausfallen und im Darmlumen Zurückbleiben. 
Das Tierexperiment zeigt das erstere Verhalten. 

Pf. hebt nun hervor, dass im Darme das Wasser nicht das alleinige Lö¬ 
sungsmittel ist, sondern dass auch Galle, Seifen, Glycerin daselbst in Betracht 
kommen. Um daher den lösenden Einfluss dieser Substanzen auf die erwähnten 
Farbstoffe zu prüfen, brachte er die letzteren mit frischer Ochsengalle, mit Gly¬ 
cerinnatronseife, Glycerin u. s. w. zusammen und konnte in jedem einzelnen Falle 


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die Löslichkeit der Farbstoffe in diesen Medien nachweisen. »Es ist also kein 
Grund mehr zu der Annahme vorhanden, dass bei der Verseifung der gefärbten 
Fette der Farbstoff ausfallen muss. Es ist im Gegenteil klar, weshalb er nicht 
ausfällt«. Hagenberg (Göttingen). 

Schulz: Ueber die Speiseneinnahme Kranker. (Zeitschr. f. Krankenpflege, April.) 

Man soll sich nicht mit der Verordnung der Diät begnügen, sondern die 
Kranken auch überwachen lassen, sonst essen fast alle zu wenig. Im Kranken¬ 
hause muss auch der Ekel vor den Mitkranken und vor Se- und Excreten fern¬ 
gehalten werden. Kranke mit wenig Appetit sollen flüssige oder breiige Speisen 
bekommen, weil sie besser »rutschen«, auch soll man nicht ohne Not das Trinken 
zum Essen verbieten. Es ist notwendig, dass gut eingespeichelt und gekaut wird, 
nicht nur der besseren Vorbereitung halber, sondern weil auch die Verdauungs¬ 
säfte dann bereits früher und energischer secemiert werden; aus diesem Grunde 
bleibt die Sondenfütterung ein Notbehelf. B. Oppler (Breslau). 

Caspari: Ein Beitrag zur Beurteilung von Milchpräparaten. Aus dem tierphysiol. 
Institut der Landwirtschaft!. Hochschule zu Berlin. (Berl. klin. Wochenschr., 

Nr. 34.) 

Weissenfeld hatte bei einer vergleichenden bakteriologischen Unter¬ 
suchung mehrerer künstlicher Nährpräparate im Plasmon (Milcheiweiss) eine so 
grosse Anzahl virulenter Keime gefunden, dass er vor dem Gebrauch desselben 
warnen zu müssen glaubte. Es ist jedoch, wie C. ausführt, nicht die Zahl der in 
Kulturen gefundenen Bakterien von Bedeutung, sondern ihre Art, und für prak¬ 
tische Zwecke ausschliesslich von Belang der Nachweis pathogener Organismen. 
Für das Plasmon speziell kommt infolge seiner Provenienz aus Milch vor allem 
die Eventualität des Vorhandenseins von Tuberkelbacillen in Frage, welche am 
sichersten durch das Tierexperiment beantwortet wird. 

Verf. hat daher zu diesem Zweck einer Reihe Kaninchen und Meer¬ 
schweinchen durch eine relativ grosse Bauchwunde Plasmon in kalter Aufschwem¬ 
mung in sterilem Wasser intraperitoneal einverleibt und konnte bei keinem ein¬ 
zigen Veränderungen nachweisen, welche als tuberkulöse angesprochen werden 
dürften. 

Die von dieser Seite gegen den Gebrauch von Plasmon etwa zu erheben¬ 
den Bedenken sind also hinfällig. Pickardt (Berlin). 

Knapper, N.: Kunstmalige zuigelingenvoeding en individualiteii (Med. Weekblad 
v. N. en Z. Nederland 31. III. 22 Seiten. Nr. 53—55.) 

Verf. will in Uebereinstimmung mit den neueren Erfahrungen der In¬ 
dividualität der Säuglinge einen wichtigeren Platz einräumen; er hofft, der Lösung 
der Frage, ob es möglich sein wird, zu beweisen, dass künstliche Ernährung 
der Säuglinge nicht immer als ein »notwendiges Uebel« anzusehen ist, näher¬ 
treten zu können. 

Bis jetzt ist aus den Untersuchungen von Pfeiffer, Johannersen u. a. 
nur hervorgegangen, dass man neben Colostrummilch von einer jungen, einer 
vollen und einer alten Muttermilch sprechen kann. Dieses gilt von der Zu¬ 
sammensetzung der Milch über längeren Zeitverlauf; auch in kürzeren Perioden 
findet man grosse Schwankungen. So fand Johannersen grosse Unterschiede vor, 
während und nach dem Saugen etc. Danach bespricht Verf. die Einflüsse auf die 
Qualität der producierten und aufgenommenen Milch: aus der Zitatenlitteratur 
geht hervor, dass man den Tabellen für im Mittel aufgenommene Quanti¬ 
täten Milch absolut keinen Wert zusprechen kann. Was die qualitative Zusammen¬ 
setzung der Milch anbetrifft, so ist jetzt ziemlich sicher, dass ein Unterschied be¬ 
steht zwischen Casein und Albumin, wobei man sich vorstellt, dass Lactalbumin 


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245 — 


sogleich entsteht aus Blutalbumin, und Casein in den Drüsenalveolen aus Blut- 
albumin in Verbindung mit dem frei gewordenen Zellkern. Danach weist Verf. 
auf die Unterschiede hin, welche zwischen dem Casein von Kuh- und Frauenmilch 
bestehen. Von den anderen N-haltigen Bestandteilen ist unsere Kenntnis noch 
sehr gering, z. B. vom Nucleon etc. 

Unter diese Rubrik fällt wahrscheinlich eine Gruppe von Stoffen, die eine 
bestimmte Reaktion mit Ammoniak geben nach Umikoff, und auch zu bestimmen 
sind mittels der neuen Methode von Koppe durch die Gefrierpunktserniedrigung. 

Danach bespricht K. die Fette, welche reichlicher vertreten sind in der Kuh¬ 
milch, aber auch physikalisch und chemisch abweichen von denen der Frauenmilch. 
Hierüber fehlen aber noch eingehende Untersuchungen. Ebenso ist es mit den 
Untersuchungen über die Salze. Als sehr wertvoll sieht Verf. aber dabei die 
Koppe sehe physikalische Methode an. Zum Schluss weist er noch auf die That- 
sache hin, dass es mehr und mehr wahrscheinlich gemacht wird, dass in der 
Frauenmilch ein diastatisches Ferment vorkommt, welches in der Kuhmilch ganz 
oder grösstenteils fehlt. Auf Grund von dem Vorausgehenden kommt K. zu 
folgenden Schlüssen: 

1. Muttermilch ist keine bestimmte Ernährungseinheit, es ist eine Kombination 
von Nahrungsbestandteilen. 

2. Diese Kombination ist sehr variabel; wahrscheinlich hält die Natur Rech¬ 
nung mit den individuellen Eigentümlichkeiten des Säuglings betreffs des 
Digestionsvermögens, der Lebzeit, dem Ernährungszustand etc. 

3. Mit diesen individuellen Schwankungen muss man auch rechnen bei der 
Auswahl eines Surrogats; hierbei erweisen sich Tabellen für Mittelwerte als 
wenig nützlich. Wahrscheinlich ist eine Emährungsmethode mit vielen 
Variationen sogar sehr wertvoll. 

Um ein Surrogat zu finden, hat man alle Milchsorten geprüft: Eselinnen¬ 
milch hat zu wenig Fett, Ziegenmilch hat auch Nachteile, sodass noch übrig bleibt, 
Kuhmilch zn nehmen: es bleibt aber stets ein Nahrungsmittel: für den Säug¬ 
ling ist es aber keine rationelle Ernährung. Die Ursache hierfür suchen 
einzelne in chemischen, andere in physikalischen, noch andere in bakteriellen 
Momenten, die dabei eine Rolle spielen. 

Danach bespricht Verf. die verschiedenen Methoden von künstlicher Er¬ 
nährung: 

I. Die prozentische Methode: dieselbe strebt gleichen Eiweissgehalt an. 

II. Die physiologische Methode: diese ist zufrieden mit einer genügenden 
Quantität Ernährungsstoff. Hier ist aber die Zusammensetzung während 
der ganzen Lactationsperiode gleich. 

III. Die volumetrische Methode v. Escherich: diese berücksichtigt nicht 
die Unterschiede der Acidität zwischen Kuh- und Frauenmilch, das Ver¬ 
hältnis der Eiweisskörper oder die relativen und absoluten Quantitäten 
von Fett: sie wird aber vielfach angewandt, obwohl es notwendig ist, sie 
wieder mehr in Uebereinstimmung zu bringen mit den neueren Resultaten 
der Eiweissbestimmung, die bedeutend von den früheren Ergebnissen ab¬ 
weichen. 

IV. Die Methode der Ernährung mit unverdünnter Kuhmilch: diese 
beruht auf der Wahrnehmung von Variot, dass zuweilen die Unterschiede 
in der Milchnatur sehr geringe sind. Von dieser Methode ist aber abzuraten. 

V. Die Methode von Biedert mit seiner natürlichen Sahne¬ 
mischung. Auch mit dieser Methode ist gewissermassen zu individualisieren. 

VI. Die Methode von Gärtner: die Zusammensetzung bleibt aber nach 
den ersten 14 Tagen immer gleich. 

VII. Die Methode von Backhaus, Monti, Cheadle a. A., welche darauf 
hinzielen, den Gehalt an löslichem Eiweis zu erhöhen. 

In dieser Richtung sind sehr interessant die Albuminemilch von Vonck, 


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bei welcher der Albumingehalt von Kuhmilch beibehalten, der Caseingehalt 
aber herabgesetzt ist. 

VIII. Die Methode der künstlichen Praedigestion mit Pancreatin oder 
Pepsin. 

Unter diese Rubrik fällt auch eine Somatose- und Albumosemilch. 
Diese sind aber alle Kunstprodukte, die in natürlicher Muttermilch nicht 
Vorkommen. Auch aus anderen Gründen ist diese Methode nicht em¬ 
pfehlenswert. 

IX. Die Methode der Mehlnahrung: unter diese fallen die Montisuppe, 
Aleuronathafermehl etc. Dieselben entsprechen alle